Kundenrezension

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Der gefährlichste Mann südlich des Picketwire“, 17. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Mann, der Liberty Valance erschoss (DVD)
Der betagte Senator Ransom Stoddard (James Stewart) reist mit seiner Frau Hallie (Vera Miles) in die kleine Stadt Shinbone um an der Beerdigung eines alten Freundes teilzunehmen. Bei seiner Ankunft stürzt sich die örtliche Presse auf ihn und verlangt beharrlich Aufklärung über den Zweck seiner Reise und jenen ominösen Tom Doniphon (John Wayne) dem diese gilt. Nach kurzem Zögern erklärt sich Stoddard bereit ihnen die Geschichte zu erzählen, die seine eigene ist und die des amerikanischen Westens. Er war als junger Mann nach Shinbone gekommen um in dem abgelegenen Kaff eine Anwaltskanzlei zu eröffnen und Recht und Gesetz in den Westen zu tragen. Doch bereits kurz vor seiner Ankunft war seine Postkutsche von Liberty Valance (Lee Marvin) und seinen Kumpanen (u.a. Lee Van Cleef) überfallen und er selbst, unbeugsamer Idealist und weichlicher Stutzer der er war, zusammengeschlagen worden. Tom Doniphon war es der ihn aufgelesen und in die Stadt gebracht hatte, wo ihn Hallie gesund pflegte. Und der Sturkopf Stoddard hatte, kaum genesen, den Gesetzlosen den Kampf angesagt. Mit rechtsstaatlichen Mitteln, die hier im fernen Westen noch kaum greifbar waren. Das wiederum konnte Valance, dessen Existenzgrundlage die Angst war die er verbreitete, nicht auf sich sitzen lassen. Und so war es zum ungleichen Duell zwischen Stoddard und Valance gekommen, aus dem Stoddard unerwartet als Sieger hervor ging. Die Geburt einer Legende...

John Ford, der Übervater des amerikanischen Western, schuf mit "The Man Who Shot Liberty Valance" (1962) eine Parabel darüber wie Recht und Gesetz, Bildung und Demokratie Einzug in den wilden Westen Nordamerikas hielten. Und diese zivilisatorischen Werte verdichten sich in der Figur des Ransom Stoddard, "Anwalt der Rechte", der die Bewohner von Shinbone ebenso mit dem Wert von Gesetz und Ordnung vertraut macht wie er sie alphabetisiert ("Education is the basic of law and order" ist auf der Tafel im Hintergrund in einer Szene zu lesen) und schließlich von ihnen zu ihrem ersten Gouverneur gewählt wird. Typisch für Ford zieht auch dieser Film spielerisch alle Register und ist ebenso spannendes Abenteuer wie beziehungsreiches Drama, gut gelaunte und anspielungsreiche Komödie wie nachdenkliche Tragödie. Als Vorlage diente übrigens die gleichnamige Erzählung von Dorothy M. Johnson ("Der Mann, der Liberty Valance erschoss" von Dorothy M. Johnson).

Der Film schildert amerikanische Geschichte auf sinnbildliche Weise. Der Ort der Handlung ist imaginär und auch der Zeitpunkt des Geschehens ist nicht klar zu definieren. Die Story ist doppelbödig wie kaum eine zweite. Stoddards politische Karriere wie die Wandlung der Region am Picketwire zum Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika fußen auf dem Glauben der Bevölkerung Ransom Stoddard sei der starke Mann der Liberty Valance erschossen habe. Gerade diese Politik der Gewalt aber ist es die Stoddard von Anfang an bekämpft und die durch ihn schließlich ins Reich der Geschichte verbannt wird. Eine immanente Publikumsbeschimpfung und ein sehr feinsinniger Geniestreich Fords. Grundsätzlich lohnt es sich hier auf Details und feine Zwischentöne zu achten. So lässt Stoddard in einer Szene, in der er die Bewohner von Shinbone unterrichtet, Pompey (Woody Strode), den schwarzen Diener Tom Doniphons, erklären was die Unabhängigkeitserklärung sei. Und als dieser den Passus vergisst, dass es selbstverständlich sei, dass alle Menschen gleich erschaffen worden seien, antwortet er: "A lot of people forget that part of it. You did just fine, Pompey." Diese Szene wurde übrigens, wie ein paar andere, in der alten deutschen Fassung geschnitten und für diese in einer neuen Synchronisation wieder eingefügt. Natürlich mit anderen Stimmen, da die alten Sprecher sicher überwiegend nicht mehr leben oder inzwischen sehr alt sein müssen. Ein kleiner Wermutstropfen, denn die Unterschiede sind schon recht deutlich.

Bemerkenswert ist, dass John Wayne in diesem Film die Hauptrolle James Stewart überließ. Beide machen ihre Sache ausgezeichnet. Stewart spielt den Helden von der traurigen Gestalt sogar überragend. Vera Miles, Lee Marvin als asozialer, soziopathischer Outlaw Liberty Valance, Edmund O'Brien als versoffene Galionsfigur der freien Presse Dutton Peabody; Andy Devine als fettleibiger, feiger Marshall Link Appleyard, Woody Strode als Doniphons treuer Diener Pompey und all die anderen runden den Cast vollendet ab.

Der Film wurde überraschenderweise in Schwarz/Weiß und überwiegend im Studio gedreht und entbehrt somit weitestgehend der opulenten Landschaftsaufnahmen, wie sie etwa in "The Searchers" zu sehen waren. Das hatte der Überlieferung zufolge vor allem finanzielle Gründe, denn Paramount konnte seinerzeit für diesen Film kein großes Budget zur Verfügung stellen. Ford entschied sich daraufhin in Schwarz/Weiß zu drehen, um sichtbare Mängel in der Ausstattung zu kaschieren. Was allerdings dem ebenso hintersinnigen wie warmherzigen, spannenden wie humorigen Film in keinster Weise schadete. "The Man Who Shot Liberty Valance" ist eines der Meisterwerke von John Ford, einer der ganz großen Klassiker des Western-Genres und der Filmgeschichte insgesamt.

Ach übrigens; für jene, die den Film noch nicht kennen und sich fragen wer wohl "Der gefährlichste Mann südlich des Picketwire" ist. Nun, laut Tom Doniphon ist es Liberty Valance. Er fügt allerdings hinzu: "Nach mir." In Wahrheit aber besteht kein Zweifel daran dass, zumindest für die Rancher nördlich des Picketwire, Ransom Stoddard der gefährlichste Mann ist.

Die Filmmusik von Cyril J. Mockridge ist auf sparsame und wunderbar zurückhaltende Art stimmungsvoll und kommt nicht selten als Saloon-Musik daher. Sie ist nicht auf Tonträger erhältlich.

Die Bildqualität der DVD ist, angesichts des Alters des Films, sehr gut, kontrastreich, scharf und plastisch. Der Ton wird in Englisch in Dolby 5.1 Surround, sowie in restauriertem Mono, in Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch hingegen nur in Mono angeboten. Der englische Surround-Sound ist sehr transparent und klar. Auch der englische Mono-Ton überzeugt. Die anderen Tonfassungen sind etwas dumpfer aber durchaus akzeptabel und verständlich. Untertitel gibt es in vierundzwanzig verschiedenen Sprachen. Vermutlich auch in Ihrer. Als Extra gibt es lediglich den Kino-Trailer.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.08.2013 22:37:45 GMT+02:00
Martin Püsch meint:
Hallo,

eine sehr gute Rezension von Dir zu einem meiner drei Lieblings-Western von John Ford. Die anderen beiden sind Faustrecht der Prärie und natürlich Der schwarze Falke. Ich finde, dass "Liberty Valance" ein unglaublich faszinierender Film ist. Ich liebe diesen Western, seit ich ihn damals im TV gesehen habe, es lief erstmals die ungekürzte Fassung.

LG Martin Püsch

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.08.2013 23:02:09 GMT+02:00
Monty Burns meint:
Hi Martin!

Ja, ein echtes Meisterwerk und extrem ungewöhnlich. Weiß gar nicht wie oft ich ihn seit meiner Kindheit schon im TV gesehen habe. Und seit ein paar Jahren habe ich ihn nun auch auf DVD. Wir diskutieren gerade unter Tristrams Rezension über den Film. Vielleicht hast Du ja Lust Dich einzuklinken.

LG, M.B.
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