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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sternstunde des Wagnergesangs, 28. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Tannhäuser (Berliner Philharmonie, 2012) (Audio CD)
Kurz vor dem Wagnerjahr 2013 musste ich für Distanz zum oft wirklich besitzergreifenden "Meister" sorgen und las Herbert Rosendörfers "Richard Wagner für Fortgeschrittene" wieder mal, in dem der Verdi-Liebhaber mit spitzer Feder alles abhandelt, was gegen Wagner verwendet werden kann, vom Stabreim zum Antisemitismus, vom Schuldenmachen und Niedermachen der Komponistenkollegen usw. Für den jüngst verstorbenen Juristen sind denn auch Otello und Falstaff Wagners beste Werke. Nach dem ersten Anhören von Marek Janowskis neuer Aufnahme kam mir der Umkehrschluss in Sinn - der Tannhäuser ist Verdis beste Oper, zumindest wenn es so schwungvoll und dynamisch dirigiert wird.
Das sind fast drei Stunden Musik ohne Langeweile, ständig vorantreibend, mit einer regelrechten Cabaletta im Duett Tannhäuser - Elisabeth, vor allem auch bei den rezitativischen oder nicht so spannungsvollen Stellen, um dann aber auch wieder dem Lied an den Abendstern oder Elisabeths Gebet den erforderlichen Raum zu geben. Janowski, der ja auch viel in Frankreich gearbeitet hat, erzeugt für mich dann eine Clarté, wie ich sie mit französischer Musik verbinde, das Orchesterspiel hat eine Eleganz, auch Leichtigkeit, kein Dröhnen, kein markiges Auftrumpfen. Das ist sicher einseitig, aber bewundernswert konsequent und gerade beim Tannhäuser überzeugend. Auch Thielemann ist ja bei seinem Bayreuther Tannhäuser Einspringen 2012 schneller und "leichter" als früher geworden, ohne aber ganz auf das Donnern zu verzichten. Janowski will damit sicher allem Pathos aus dem Wege gehen, bleibt manchmal kapellmeisterlich zurückhaltend und doch was für den Unterschied zu den ja ebenfalls "kapellmeisterlich" agierenden Haitink oder Konwitschny, das klingt im direkten Vergleich fast langweilig. Das Rundfunksinfonieorchester Berlin spielt mit herrlichen immer präsenten Streicherklang und geradzu erlesenen Bläser. Ein Sonderlob an die prägnante, viel geforderte Harfe.
Ja und dann die Sänger: Ich bin kein Stimmfetischist a la Jürgen Kesting, höre deshalb hier keinen Schwachpunkt, im Gegenteil von der Titelpartie bis zum Hirten oder den Minnesängern wird meisterlich gesungen. Vielleicht ist die ausladende Venus der Marina Prudenskaja Geschmacksache, aber was für eine große, volle Mezzostimme, wahrhaft eine Göttin der Liebe. Die Rolle des Tannhäusers ist ja eine von Wagners schwierigsten Partien, schon der Anfang mit der Vision des Glockengeläutes und dann dem dreistrophigem Lied wirklich schwer, im zweiten Akt muss er sich in den Ensembles durchsetzen um dann noch die ganze Ausdruckspalette der Romerzählung zu meistern, uns zu packen - da ekelte der holde Sang, kann man da oft nur sagen. Robert Dean Smith gelingt fast alles, bei der 4.Strophe seines Preisliedes "Zieht in den Berg der Venus ein" scheint er mit seinen Kräften etwas haushalten zu müssen, aber ansonsten eine tolle Leistung, vergleichbar mit Seifert in seinen besten Tagen. Nina Stemme ist als Elisabeth ja fast schon eine Luxusbesetzung, aber was für souveräne Hallenarie bis zum letzten Spitzenton makellos. Keine blutleere Heilige, sondern wahrhaft liebende Frau, auf das ja schon fast spektakuläre Duett der beiden habe ich ja schon hingewiesen. Albert Dohmen gibt einen knarzigen, aber immer engagierten Landgrafen, wertet die doch etwas blasse Figur mit dunklen Basstönen auf. Von Peter Sonn würde man gerne mehr hören, er hat schon den David in diser Serie toll gesungen, eine richtige Taminostimme, was vor allen den komplexen Ensembles im 2. Akt zugute kommt, die ich noch nie so klangschön, so "gregorianisch" gehört habe. Bianca Reim als wundervoll schlichter Hirt muss auch erwähnt werden.
Das schon außergewöhnliche Niveau wird nochmals übertroffen durch zwei Mitwirkende: Einmal den phantastischen Rundfunkchor Berlin, kein Opernchorgewaber (man denke nur an die fast peinliche Chorleistung der Mailänder Scala beim Lohengrin unter Barenboim) sondern die Textverständlichkeit eines Oratorienchors gepaart mit großer Dynamik. Man mag ja den Pilgerchor ob seines Textes belächeln, wenn diese Pilger aber ihr "der Gnade Heil..." donnern, geht zumindest mir ein Rieseln über den Rücken, auch von der Aufnahmetechnik toll eingefangen.
Und dann Christian Gerhaher, was soll man da noch viel sagen, eine fast suggestive Kraft des Singens, etwa beim "Blick ich umher in diesem edlen Kreise", das ja musikalisch nicht so spannend ist, einen aber regelrecht zum Zuhören zwingt. Auch dynamische eine Stimme voller Saft und Kraft, kein blasser Liedsänger - da gehen bestimmt noch ein paar Rollen von Wagner.
Kann denn Liebe Sünde sein, fragt der kundige, auch amüsante Begleittext von Steffen Georgi etwas provokativ. Oder geht uns das Stück heute noch was an? Szenisch sind ja fast alle Regisseure am Tannhäuser gescheitert, der Venusberg ist halt dann doch kein Bordell, die thüringischen Sängerfreunde keine SS-Schergen und die Pilger keine sich peitschenden Gruselmönche. So gibt mir die reine musikalische Version schon in der Ouvertüre die Antwort, dass für Wagner Lust und Liebe untrennbar verküpft sind, keines ohne das andere funktioniert, Choral und Venusbergmusik - selten wurden sie so schön in musikalischer Balance gehalten wie hier am Schluss der Ouvertüre.
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.12.2012 00:22:28 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.01.2013 22:54:08 GMT+01:00
Spectator meint:
Schon bemerkt, dass die Wagner-Aufnahmen von Janowski fast nirgendwo eine wirklich gute Resonanz gefunden haben? Dafür muss es doch Gründe geben. Ich konnte mich jedenfalls bisher zum Kauf nicht entschließen, zumal auch die Hörbeispiele etwa bei jpc oder beim Hersteller Pentatone kaum positiv stimmen. Der Tannhäuser etwa von Robert Dean Smith hört sich vielleicht ganz "nett" an, dafür aber auch sterbenslangweilig. Überhaupt hat man bei den meisten Aufnahmen nicht den Eindruck, dass da etwas Dramatisches abgeht. Ein gutes Orchester, ein guter Chor und der eine oder andere hörenswerte Sänger können dieses Manko natürlich nicht ausgleichen. Ich fürchte, das ganze Wagner-Projekt von Pentatone wird - jedenfalls in Deutschland - ein ziemlicher Flop, was angesichts des Engagements aller Beteiligten sehr schade wäre. Ob sich da vielleicht beim "Ring" noch etwas ändern wird?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.01.2013 12:45:01 GMT+01:00
G. Lindlar meint:
Der alte ring von janowski (ost-west) ist auf jeden fall den kauf wert! wegen des hochkonzentrierten, dynamischen dirigats. das trifft auch auf die neuerlichen konzertanten live-mitschnitte zu: es ist das ungemein differenzierte dirigat von janowski, das diese partituren zum leuchten bringt u den einen oder anderen kauf doch nahelegt. die sänger in der tat sind z.t. second class, - ich denke da etwas nur an den ebenfalls sterbenslangweiligen, biederen gurnemanz von selig in der parsifalaufnahme.......

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.01.2013 23:29:14 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.01.2013 17:45:15 GMT+01:00
Spectator meint:
Zum alten Janowski-Ring ist zu sagen, dass das "Rheingold" m.E. die schönste Einspielung dieses Werks ist, die es überhaupt gibt (das Vorspiel und die gesamte Rheintöchterszene sind einfach phänomenal ; man höre nur, wie das Gold vor "Lugt Schwestern" glitzert). Die übrigen Teile (Walküre, Siegfried, Götterdämmerung) leiden bedauerlicherweise unter einer äußerst schwachen Brünnhilde (Jeannine Altmeyer), sonst würde ich diesen Ring auch empfehlen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.01.2013 10:16:54 GMT+01:00
G. Lindlar meint:
Schön, dass sie das noch einmal so ausdifferenzieren mit dem alten janowski-ring. in der tat ist j. altmeier durch ihr tremolo, die stimmschärfen und einfach unschönheiten schlichtweg über viele strecken ein graus für die ohren. neben "rheingold" finde ich allerdings auch den 3.akt des "siegfried" ein totales highlight orchestraler dynamik und nuancierung im janowski-ring. nun, auf ihre besondere empfehlung hin werde ich mir bald den beginn des "rheingolds " noch einmal vergegenwärtigen. DANKE!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.04.2014 10:44:39 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.04.2014 10:46:02 GMT+02:00
Armin Beyer meint:
hi, ich hab zufällig diese kommentare gefunden...
ich war damals praktisch dabei.... als sohn eines mitspielenden musikers habe ich nachts nach den aufnahmen noch das leuchten in den augen meines vaters gesehen....

für mich der ring überhaupt, wenn ich auch frau altmeyer hier mit ihren schwächen als reibenden kontrapunkt doch sehr mag, ich find auch kollo als einen der besten siegfrieds überhaupt, unzulänglichkeiten bringen für mich immer würze in die ganze sache. dagegen gefallen mir der glatt gebügelte adam und auch der überagierende schreier nicht so .... ich hab den schreier-loge damals in leipzig bei der konzertanten aufführung mit hausschild gehört und fand es damals auch etwas zuviel des guten....
aber trotz alledem ein ring aus einem guss, mit tollen sängern durch die bank und hervorragender klangqualität.
klingt für romantiker meineserachtens am besten auf der MC- ausgabe.....gibts auch noch manchmal neu ......
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Ort: Unterfranken, Bayern

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