Kundenrezension

163 von 174 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Königreich der Himmel, 21. Juli 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Königreich der Himmel - Director's Cut - Century3 Cinedition (4 DVDs) (DVD)
Kingdom of Heaven - Director's Cut

Irgendwie, durch mehrmaliges Sehen der Kinoversion und das Zudrücken des einen oder anderen Auges, bin ich doch ein kleiner Fan der Kinoversion von KdH. Deshalb war die Director's Cut Version natürlich ein Must-Have für mich! Und was dann folgte, war schlicht unglaublich. Mehrmals musste ich mich während dem Film selber fragen: Welcher Produzent kam bloss auf die Idee, ein so tiefgründiges und komplexes Schlachtengemälde in einen knapp durchschnittlichen Blockbuster zu verwandeln? Es ist mehr als schade, dass diese Version des Filmes wohl nie die Leinwand erblicken, und dem Dircetor's Cut, welcher ja eigentlich die "Kinoversion" hätte sein sollen, somit die verdiente Anerkennung verwehrt bleiben wird...

Aber mal von vorn. Es gibt viele, sogenannte "Dircetor's Cuts". Die meisten sind lediglich die Kinoversion, aufgepeppt mit einigen Szenen, in welchen Fragen geklärt werden, die sich niemand gestellt hatte. Ich erinnere mich da zum Beispiel an "Herr der Ringe", welcher zwar ein paar schöne Szenen hinzugefügt bekommen hat, aber im Grunde genommen funktionierte die Kinoversion genau so gut wie der DC (Wobei man anmerken sollte, dass Peter Jackson es lieber "Special Extendend Edition" nennt als DC).

Was aber Ridley Scott mit Königreich der Himmel gemacht hat, ist weit mehr, als einfach "Szenen einzufügen". Im Grunde genommen ändert er den ganzen Spannungsbogen, d.h. die Art und Weise, wie der Film Spannung aufbaut - ein ganz anderer Rhytmus. Wichtige Charaktere wie Godfrey oder Tiberias erhalten mehr Screentime, besonders Liam Neesons Charakter erhält wesentlich mehr Hintergrund. Er wirkt nun viel weniger als Nebenfigur, dafür aber als treibende Kraft, welche die ganze Handlungsweise Balians am meisten beeinflusst hat. Viele von Balians Handlungen im Film werden dadurch erst nachvollziehbar, und auch seine innere Zerrissenheit werden glaubhaft dargestellt. Nun bemerkt man eigentlich erst richtig, dass Balian nie an "Gott" zweifelte, sondern viel mehr an die Menschen, und was sie aus "Gott" gemacht haben. Statt seinem erhofften "Königreich der Himmel", wo die Menschen in Frieden miteinander leben, wo Liebe statt Hass herrscht, und wo ein jeder sich seinem Gott widmen kann - gleich welcher Konfession -, findet er Verderbniss, Korruption und schmutzige Politik vor. Ein weiser Mensch sagt zu ihm: "Ein König mag einen Mann fordern, aber seine Seele gehört ihm allein." Es steckt so viel Wahrheit hinter diesem Satz...

Dass ganze Handlungsstränge, welche nun neu eingefügt wurden, eben nicht "eingefügt" wirken, sondern geschickt verwoben und dem Film erst ein rundes Gesicht verleihend wirken, liegt wie schon angemerkt daran, dass diese Szenen ursprünglich rausgerissen wurden, und dem Film dadurch erst logische und historische Fehler zufügten! Nun wird auch endlich erklärt, woher Balian seine Kenntnisse über die Kriegsführung hat, und was aus Guy nun geworden ist. Jetzt hat auch die Figur der Sibylla ihre daseins Berechtigung: Klasse!

Vorsicht, Spoilergefahr: Die Szene, in welcher Balian die restlichen Bewohner Jerusalems zu Rittern schlägt, wurde kaum verändert, doch durch die zahlreichen Änderungen zuvor wirkt diese Szene jetzt viel weniger kitschig und künstlich. Nun ist es genau jene Szene, welche quasi das "Ziel" des Filmes war, oder um es anderst auszudrücken: Der ganze Film steuert genau auf jenem Moment zu, er gipfelt in Balians Ansprache, und wer nicht zu Tränen gerührt wird, um es mal hart auszudrücken, der hat keine Gefühle.

Fazit:
Wahnsinn! Jetzt merkt man, dass der Film weit mehr wollte, als zu unterhalten. Nicht nur inhaltlich wirkt er jetzt schlüssiger, auch die Machart, Inszenierung, Schnitte etc. wirken jetzt viel professioneller und stimmiger. Was manchen vieleicht nicht so sehr gefällt, hat hingegen genau meinen Geschmack getroffen: Balians Geschichte, seine Reise zur Selbstfindung, rückt nun eindeutig in den Vordergrund. Endlich wird geklärt, ob er am Ende seines persönlichen Kreuzzuges endlich das ersehnte "Königreich des Gewissens" gefunden hat. Nebenbei werden noch eingie Denkanstösse gegeben, einige Themen werden aufgegriffen, ohne sie aber halbherzig zu behandeln. Diese Gradwanderung hat Ridley Scott meisterlich geschafft!

Ich bin keiner, der mal schnell die volle Punktzahl gibt. Ehrlichgesagt habe ich das noch nie getan... Aber hier ist es einfach nur angebracht.

10/10 Punkte!
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Von 4 Kunden verfolgt

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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.11.2013 23:54:22 GMT+01:00
Urban Vibes meint:
Bezieht sich diese - sehr lesenswerte und kluge - Rezension auf die 2 oder auf die 4 DVD umfassende Version? Sie erscheint ja unter beiden Angeboten ...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.11.2013 16:30:42 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.12.2013 17:53:53 GMT+01:00
Alodon meint:
Das stimmt, sie erscheint unter mehreren Versionen. Tatsächlich schrieb ich sie damals für die 4 DVD umfassende Version, welche eine äusserst sehenswerte Making-of Doku enthielt (die auch ausführlich auf die zusätzlich eingefügten Szenen einging und diese in einem Zusammenhang zur vom Regisseur eher ungeliebten Kinoversion setzt). Dieses Making-Of ist - soweit ich weiss - auf der Blu-Ray Version und auch auf der 2 DVD umfassenden Version nicht enthalten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.11.2013 16:35:58 GMT+01:00
Urban Vibes meint:
Vielen Dank! Amazon streut insbesondere bei DVDs die Rezensionen recht großzügig ... Freue mich schon auf das nächste Päckchen!

Veröffentlicht am 13.12.2013 15:46:22 GMT+01:00
Marco Riesch meint:
Danke für diese wertvollen Informationen. Ich kenne den Film bisher nicht und habe die DC Version gekauft, ohne zu wissen, inwieweit sich diese von der Kinoversion unterscheidet. Ich habe mich schon gefragt, ob die 45 Minuten zusätzlicher Szenen dem Film wohl wirklich etwas hinzufügen oder ob sie diesen vielleicht unnötigerweise in die Länge und Breite ziehen. DC Versionen sind ja nicht per se besser als die Kinoversion (ich denke da beispielsweise an The Butterfly Effect 1). Die Rezension hilft mir, den Bezug herzustellen und bestätigt, dass ich mit dem Kauf der DC Version die richtige Wahl getroffen habe. Freue mich, den Film zu schauen. Thanx!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.12.2013 17:53:22 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.12.2013 17:58:39 GMT+01:00
Alodon meint:
Danke für den netten Kommentar :-).

Gerade wenn man die Kinoversion zum Vergleich hat, sieht man, wie viel vom eigentlichen Film, den Ridley Scott ursprünglich im Sinne hatte, verloren gegangen ist. Während der Trailer damals ein Actionfeuerwerk im Zeitalter der Kreuzzüge ankündigte, schien es, als ob sich die Kinoversion nicht recht entscheiden könne zwischen "Lawrence of Arabia" oder "300" (etwas provokativ ausgedrückt). Daher auch die zahlreichen negativen Filmkritiken, die sich aber stets auf die Kinoversion bezogen.

Die Wahrheit ist eine ganz andere. Ich will dich hier jetzt auch gar nicht weiter mit Vergleichen und Beispielen belasten, die wiederum Einfluss auf dein Seherlebnis nehmen könnten. Am besten ist es, du schaust dir den Film an, und machst dir dein eigenes Bild davon. Es darf vorweggenommen werden, dass der Film kein Action-Bombast ist und auch gar nicht sein will (trotz einiger Atemberaubenden Szenen), und man genug Sitzfleisch für den DC mitnehmen sollte, aufgrund der Laufzeit. Der Film steckt voller wunderbaren metaphern und Bildern - sowohl in der Optik als auch in den Dialogen selbst. Ich denke, das zentrale Thema des Filmes ist, was Religion sein will und sein sollte, währenddessen die Menschen etwas ganz anderes daraus machen. Er behandelt dieses Thema ohne wertend gegenüber nichtreligiösen Menschen zu sein. Der Film schafft es sogar, weder den Christentum noch den Islam gegenüber dem jeweils Anderen vorzuziehen. Das Königreich der Himmel eben... :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.12.2013 21:56:07 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.12.2013 21:57:21 GMT+01:00
Urban Vibes meint:
Bin schon sehr gespannt - hatte ihn damals im Kino gesehen und bin genau mit diesem "Uups, schon zu Ende? Und wie war das im Mittelteil ?"-Gefühl nach Hause gegangen. Der sehr schön gestaltete DVD-Schuber steht schon bei mir bereit und wartet auf die anstehenden Ferientage ...

Veröffentlicht am 02.02.2014 14:38:54 GMT+01:00
MC2BAND meint:
@Alodon
Ich bin sehr dankbar für Ihre Rezension. Sie räumen alle meine Fragen bezüglich des Films
und seines eher zusammengestückelten Eindrucks völlig aus.
Man kann sich vorstellen, welche Schlachten (!) Ridley Scott wohl mit den Produzenten und der
Verleihfirma auf sich nehmen musste. Letztlich hat er, die Kinofassung betreffend, wohl doch verloren.
Ich hätte es ihm jedenfalls nicht verübelt, wenn er seinen Namen unter diese - so wie sie ist - nicht
hätte setzen wollen.
Ich hatte mich seinerzeit vor dem Kinobesuch sehr auf den ersten ernstzunehmenden Streifen gefreut, der sich
substantiell mit den Kreuzzügen befasst. Meine Erwartungshaltung gerade bei diesem Regisseur war also entsprechend hoch.
Die Enttäuschung war es anschließend ebenfalls.
Sollte also zutreffen, was Sie schreiben, wäre ich wohl wieder versöhnt.

Nochmals vielen Dank !

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.02.2014 10:27:34 GMT+01:00
Alodon meint:
Vielen Dank für deinen netten Kommentar :-)

Bezüglich Ridley Scott: Im Making-Of, das in der DVD-Box noch enthalten war, ging hervor, dass er tatsächlich sehr enttäuschend gewesen sei,
als er "seine" Vision auf die Kinoversion herunterbrechen musste, er aber durchaus Verständniss dafür gehabt hatte; Kein Regisseur mag es, wenn
Produzenten die eigene Kreativität einschränken, doch da es eben die Produzenten sind, die Millionen zur Verfügung stellen welche es erst ermöglichen,
solche Mammutproduktionen wie KoH zu stemmen, muss man einfach deren Meinung respektieren. Er selbst meinte, würde er solche Millionenbeträge
in einen anderen Regisseur investieren, würde er definitiv ein Wörtchen mitreden wollen wenn es um das Endprodukt geht, da kann er von den Produzenten
nicht verlangen, selbiges NICHT zu tun.

Sicher eine spannende Debatte in Hollywood :-)
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