Kundenrezension

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verdient einen Ehrenplatz am Bücherregal, 2. Dezember 2013
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Rezension bezieht sich auf: Traumzeit für Millionäre: Die 929 reichsten Wienerinnen und Wiener im Jahr 1910 (Gebundene Ausgabe)
Die Kluft zwischen Reich und Arm hat seit ca. 1990 stark zugenommen. Das Thema ist daher wieder in den Fokus der Forschung und der allgemeinen gesellschaftlichen Debatte gerückt. Dieses Buch ist zunächst ein sehr interessanter und anschaulicher historischer Beitrag zu diesem Diskurs. Wien um 1910 war die Traumzeit und die Traumstadt der Reichen. Nirgendwo sonst war das Einkommen derartig schief verteilt. Der Traum bereitete - auch den Erfolgreichen - Alpträume. Die Angst den schnell erworbenen Reichtum wieder zu verlieren ging um.
Es gibt über diese goldene Epoche zahlreiche Bücher. Allerdings konzentrieren sich diese weitgehend auf den geistesgeschichtlichen oder kulturellen Aspekt. Ein Beispiel dafür ist die ausgezeichnete Freud Biographie von Peter Gay. Man erfährt bei Gay jedoch nicht, was Freud verdient hat, wieviele eine Analyse gekostet hat. Gay behandelt das Thema Geld nur im Zusammenhang mit Freud's Antiamerikanismus.
Das Buch ist über den ökonomischen Aspekt hinaus ein Dokument des Aufstiegs des liberalen jüdischen Bürgertums. Der tiefe Fall bis zur Vernichtung wird einem erst so richtig bewusst, wenn man sich den von Sandgruber beschriebenen Höhepunkt vor Augen führt.
Wobei der Autor nüchtern auch die Abgründe hinter der goldenen Fassade schildert. So spielten Frauen als Steuersubjekte nur eine untergeorndete Rolle. Nur ein Bruchteil der damaligen von der Finanz erfassten Millionäre waren Frauen. Es gab natürlich die Millionärsgattinnen und Töchter. Das Bild dieser Frauen ist sehr widersprüchlich. Auf Klimts Bildern strahlen sie Eleganz und Attraktivität aus. Sie gelten als gebildete und feinfühlige Förderinnen der Schönen Künste. Der bedeutende englische Historiker Eric Hobsbawm stammte aus diesen Kreisen (die Familie hieß ursprünglich Obstbaum). Sein Urteil fiel hingegen vernichtend aus:
„Die Frauen dieser Klasse waren durch den Reichtum ihrer Männer sogar der Möglichkeit beraubt, in der Hausarbeit Befriedigung zu finden, verkörperten die Tugend ihrer Klasse. Sie waren dumm, unpraktisch, ungebildet, unsinnlich, reizlos, eigentumslos und eingesperrt.“
Sandgruber zitiert Hobsbawm, schließt sich seiner Meinung aber nicht an. Es ist durchaus möglich, dass die Abneigung des Marxisten gegen seine eigene einstige Klasse eine Rolle gespielt haben mag. Hobsbawm war aber zweifellos ein scharfsinniger Denker, der generell Schein und Sein, Essenz und Akzidenz, unterscheiden konnte.

Meiner Meinung nach gehört dieses Buch zur Pflichtlektüren eines jeden, der sich für die Österreichische Geschichte interessiert. Wobei das Lesen des Buches keine Pflicht sondern ein ausgesprochenes Vergnügen ist. Es ist auch handwerklich sehr sorgfältig gemacht. Schöne Illustrationen, ein sehr guter Index, eine Kurzbiographie aller 929 Reichen. Das Buch hat auch einen Platz auf dem Lieblingsregal in meiner Bibliothek bekommen. Es steht nun Rücken an Rücken mit Donalds Knuths "The Art of Computer Programming".
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