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Rezension bezieht sich auf: Liebe Ist für Alle Da (Audio CD)
Alben plus dessen Resteverwertung binnen 13 Monaten, Live-DVD, Nebenprojekte und DDR-Karteileichen - die Zeit rund um "Reise, Reise" war für Rammstein unheimlich arbeitsintensiv, von den diversen Touren und US-Erfolgen ganz abgesehen. Das strapazierte Bandverhältnis wurde in langen Songwriting- und Aufnahmesessions kräftig befeuert und wirft "Liebe ist für alle da" ab, das entweder an die späten Neunziger anknüpft, oder gänzlich neue Pfade beschreitet. Erlaubt ist, was gefällt...Im Großen und Ganzen drehen sich die Texte um Liebe in den verschiedensten Formen. Das kann Fanliebe ("Rammlied", "Haifisch"), Sexualität ("Pussy", "Frühling in Paris"), Fetisch ("Ich tu dir weh") und Psychopathie ("Wiener Blut") bedeuten - Rammstein-Texte lassen sich bekanntermaßen mannigfaltig interpretieren. Till Lindemann glänzt dabei erneut mit faszinierenden wie bildhaften Metaphern. Vor allem in "Waidmanns Heil" kann er sich austoben, während der Refrain von "Haifisch" durchaus einer Weiterspinnung der Idee mit Veröffentlichung in einem Gedichtband bedarf. Stars dieses Albums sind allerdings Keyboarder Flake und Drummer Schneider, die (wieder) mehr Platz für ihr Spiel erhalten. Siehe zum Beispiel die Single "Pussy" mit klarer Joy-Division-Referenz, "Ich tu dir weh" mit Eurodance-Intro und das sphärische "Rammlied", eine neue Bandhymne mit Knalleffekt. Parallelen zu "Rammstein" kommen nicht von ungefähr. Unerwartet heftig schlägt "B********" (ein Fantasiewort Lindemanns, das er nicht auszuschreiben vermag) ein. Kann man in der Bridge an "Keine Lust" angelehnt sehen, greift die Nackenwirbel entsprechend an. Natürlich darf auch ein provokantes Thema der jüngeren Vergangenheit nicht fehlen. "Wiener Blut" bezieht sich auf den Fall Josef F., taucht in die Psyche des Schwerverbrechers ein. Wirklich schockierend ist allerdings nur Lindemanns Aussprache. Versucht er hier zu wienerln, oder ist das reiner Zufall? Dann doch lieber "Waidmanns Heil" oder "Haifisch", die beiden Hits des Albums, neben denen semi-interessante Gedankengänge wie "Mehr" und der Titeltrack "Liebe ist für alle da" blass wirken. Zwei Balladen versuchen sich als Dreh- und Angelpunkt. "Frühling in Paris" ist ein leicht metallisiertes Chanson mit ansprechender Grundstimmung, beweist allerdings aufs Neue, dass Lindemann bei der deutschen Sprache bleiben sollte. Das gepfiffene "Roter Sand" ist ein wahres Lied vom Tod, ein Romancier-Abgang inklusive Duell. Wofür es auf der Limited Edition eine Orchester-Version gebraucht hat, ist allerdings unklar. Unterschiede sind kaum merklich. Wo reiht sich "Liebe ist für alle da" tatsächlich ein? Schwer zu sagen, denn die Mischung aus klassischen Motiven, neuer Härte und verstärkter Single- bzw. Balladen-Affinität ist als eine Art Querschnitt des Rammstein'schen Mikrokosmos zu verstehen. Summa summarum ein grundsolides Album zwischen den Stühlen, das gerade durch diese eigenwillige Platzierung zu wachsen vermag und sich - wohlgemerkt mit dem Abstand einiger Monate, möglicherweise sogar Jahre - zu einem Favoriten in der Band-Diskographie mausern könnte. Vorerst zumindest ein (vorsichtiges) ansprechend bis sehr gut. Wertung: 7/10 Powered by Demonic-Nights.at Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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EUR 20,41 EUR 19,99
Rezensentin / Rezensent
Ort: Linz
Top-Rezensenten Rang: 65.089 |