Kundenrezension

161 von 191 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessante Fakten - etwas störende Polemik, 31. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen (Gebundene Ausgabe)
Der Begriff der digitalen Demenz kommt wohl aus Südkorea, wo dieses Phänomen sehr stark beobachtet wird. Neben Japan hat Südkorea die wahrscheinlich aktivste Gamerszene und dort werden Computerrollenspiele auch als Wettkämpfe im Fernsehen übertragen, wobei zum Teil sehr hohe Wetten abgeschlossen werden und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch auf Sponsoren hoffen dürfen.

Herr Spitzer geht davon aus, dass die digitalen Medien - dabei besonders die mit dem Internet verbundenen -, der geistigen und körperlichen Entwicklung des Menschen abträglich sind und dies besonders in der Kindheit. Er beginnt bei der Betrachtung des Orientierungssinns, betrachtet dann die Auswirkungen der Copy-Paste-Kultur auf die Lese- und Schreibfähigkeit, Gedächtnisleistung und Sozialkompetenz. Dabei kommen Facebook und Konsorten - aus deren Bereich zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Betrachtungen schon fünfmal "Gefällt mir" gesendet wurde - sehr sehr schlecht weg, was ihren Einfluß auf Kinder und Jugendliche angeht. Von diesen Beobchtungen ausgehend spricht er dann kurz über Baby-TV und Baby-Einstein-DVDs.

Nach einigen bösen Worten zur Nutzung von Laptops in Kindergarten und Grundschule, zu digitalen Spielen, den Digital Natives und dem Multitasking als Quelle von anerzogenen ADHS - wie man ja auch bei Hüther findet -, geht er noch auf die Probleme der geringeren Selbstkontrolle von Jugendlichen ein, die man zunehmend beobachten kann und auf die körperlichen Konsequenzen eines zunehmend digitalen Lebensstils.

Nachdem in den bisherigen Kapiteln allerlei böse Worte durch Studien ausgiebig belegt wurden gleiten die letzten beiden Kapitel zunehmend in die Polemik ab, was wohl vor allen Dingen zeigt, wie sehr dem Autoren der Schutz der künftigen Generation am Herzen liegt - wobei er aber dadurch, dass er Grundideen ähnlich unhinterfragt lässt, wie er dies seinen Gegnern vorwirft ein wenig selbst in ein schlechtes Licht rückt. Mehr Sachlichkeit - auch im Ton - hätte dem Buch und der Sache hier wesentlich besser getan.

Ein ausgiebiger Anmerkungsapparat, eine Bibliographie und dankenswerterweise ein Register schließen das Buch ab, das viele wichtige Informationen und Interpretationsansätze liefert zu einer Thematik, die uns wirklich alle betrifft. Wenn es möglich wäre, gäbe ich hier dreieinhalb Sterne.
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Von 8 Kunden verfolgt

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1-10 von 19 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.08.2012 20:10:48 GMT+02:00
best1964 meint:
ich denke es handelt sich hier nicht um Polemik sondern um ein sehr deutliche und meiner Meinung auch dringend notwendige Provokation des Autors gegenüber der häufig sehr unkritisch eingesetzten und verwendeten digitalen Medien in Kinder- und Jugendbereichen. Ich finde es sehr aufrüttelnd und absolut notwendig - wenn auch oft provokant - wie Manfred Spitzer dieses wichtige Thema erörtert. Mit einem "Eiapopeia-Kuschelkurs" wäre hier nicht viel erreicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.08.2012 23:49:32 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.08.2012 17:47:09 GMT+02:00
Polemik wird oft zur Provokation benutzt, was auch in diesem Fall möglicher Weise die Absicht gewesen ist. Zuviel Provokation - und Generalisierungen gegenüber Gruppen, die auch Mitglieder haben, die anders handeln, als ihnen in diesem Buch vorgeworfen wird - kann aber zu einer allgemeinen Ablehnung des Ganzen führen. Ich schrieb ja auch das es wichtig ist - dass er der Sache aber durch den Ton der beiden letzten Kapitel einen Bärendienst erweist. Einen Eiapopeia-Kurs habe ich in keinster Weise empfohlen.

Veröffentlicht am 02.08.2012 09:32:48 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.08.2012 19:49:47 GMT+02:00
Ajia Ajia meint:
Die Rezension von Beck-Ewerhardy ist sehr sachlich. Das Buch habe ich nicht gelesen, aber ich kann mir vorstellen wie es geschrieben ist, zumal ich den Autor eben auch bei Deutschlandfunk gehört habe. Ich bin auch für absolute Sachlichkeit, nur werden die Massen eher emotional erreicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.08.2012 19:34:03 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 04.08.2012 19:36:09 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 07.08.2012 09:15:01 GMT+02:00
P. Fischer meint:
Die Rezension ist interessant, wirft bei mir aber folgende Fragen auf: 1. Welche Grundideen sind in folgendem Teilsatz gemeint: "wobei er aber dadurch, dass er Grundideen ähnlich unhinterfragt lässt, wie er dies seinen Gegnern vorwirft ein wenig selbst in ein schlechtes Licht rückt"? 2. Wer ist der in "wie man ja auch bei Hüther findet" erwähnte Hüther? 3. Wofür wurde bei Facebook "Gefällt mir" gesendet ("aus deren Bereich zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Betrachtungen schon fünfmal "Gefällt mir" gesendet wurde"). 4. Haben sich die südkoreanischen Forscher, die den Begriff "Digitale Demenz" geprägt haben, nur mit Computerrollenspielen beschäftigt? Nach meiner Auffassung beziehen sich die Forscher allgemein auf die permanente Online-Verfügbarkeit, die durch mobile Kommunikationstechnologien wie Smart-Phones und Online-Angebote wie Facebook zur Überfordung führt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.08.2012 10:15:52 GMT+02:00
Ajia Ajia meint:
Zu Frage 2: Autorenporträt
Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther ist Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Zuvor, am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin, hat er sich mit Hirnentwicklungsstörungen und mit der langfristigen Modulation monoaminerger Systeme beschäftigt; als Heisenbergstipendiat hat er ein Labor für neurobiologische Grundlagenforschung aufgebaut.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.08.2012 16:41:12 GMT+02:00
Die Antwort auf Frage 2 hat mir dankenswerterweise bereits Ajia Ajia abgenommen.
Zu 1: Die Bildschirmmedienwahrnehmung wird generell - besonders für Kinder und Jugendliche - als schädlich hingestellt - was richtig sein mag, aber in einigen Punkten noch strittig ist - und hier fehlt mir ein wenig Ausgewogenheit in der Darstellung. ZWeifel an den eigenen Thesen bügelt der Autor gerne einfach nieder. Und das mit Belegen aus Studien, die genauso kleine Kontrollgruppen haben, wie er sie bei "gegnerischen" Studien kritisiert.
Zu 3: Zum Zeitpunkt des Schreibens der Rezension für amazon.de hatten einige Leute bereits den Facebook "Gefällt-mir-Button" für das Buch gedrückt, was meinen Ironiemuskel ein wenig gekitzelt hat (fast so wie die Kindle-Ausgabe eines Buchs, das behauptet, dass auch Erwachsenen aus ebooks eigentlich nicht wirklich etwas lernen können)
Zu 4: Ich muss gestehen, da habe ich mich nur auf einen Bereich kapriziert, aber die Koreaner und Japaner schätzen alle möglichen elektronischen Spielzeuge, weswegen dieser Aspekt sicherlich auch mit hinein spielt. Spitzer geht im BUch noch mal speziell auf das Tamagotchi und die Babysitter-Roboter ein. Gerade Letzteres war auch wieder sehr interessant.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.08.2012 11:18:30 GMT+02:00
P. Fischer meint:
Danke für die Antworten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.09.2012 10:30:30 GMT+02:00
Black Jack meint:
Die Polemik dürfte weniger der Provokation als dem Bedürfnis der Leserschafts Spitzer nach knalligen Statements geschuldet sein. Schließlich geht es bei derlei Büchern auch ums verkaufen. Spitzers Klientel nimmt solcherlei Polemik gerne auf, liefert es doch genug Stoff um den ersten Elternabend im neuen Schuljahr bis kurz nach Mitternacht ausdehen zu können.
Das war jetzt auch polemisch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.09.2012 10:53:51 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.09.2012 10:55:02 GMT+02:00
Das stimmt schon so, wie es Black-Jack sagt. Sein Statement sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der ungesteuerte Gebrauch von Digitalelektronik nicht nur Vorteile hat. Wenn unsere allgemeinbildenden Schulen mit der Zeit gehen wollen und auf die Veränderungen unseres gesellschaftlichen Lebens vermöge der Digitalelektronik angemessen reagieren wollen, dann bedarf es auch einer kritischen Betrachtung der schönen, neuen Welt. Dies wird dann von Computer- und iPhone-Freaks als lästig empfunden. Autoren wie Spitzer werden dann wegen ihrer offensichtlichen Polemik verdammt und im gleichen Atemzuge, alle vorgebrachte Kritik - auch bedenkenswerte Kritik - als Polemik abgetan. Das macht die Sache zu einfach.
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