Kundenrezension

50 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amerika erkennt sich selbst, 7. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: American Beauty (DVD)
Schon formal ist der Film großartig. Eine prägnante Filmmusik leitet die Handlung ein. Eine Vorstadt wird gezeigt, in schönen Bildern, die dem Zuschauer aber auch nicht ein gewisses Gefühl von Gleichförmigkeit, Langeweile und Anonymität zeigt. Berühmt geworden ist die Szene mit der Tüte im Wind, die zeigt, dass Freude sich in ganz ungewöhnlichen Augenblicken versteckt. Und die Darsteller stellen äußerst verschiedene, aber immer extreme Charaktere immer glaubwürdig dar - so dass man selbst mit den schrecklichen unter ihnen gemeinsam die Probleme und Konflikte erleidet. Und dann gibt es natürlich den im Trailer oft verwendeten Höhepunkt: Die Verwandlung der eher durchschnittlich aussehenden, blonden Teenagerin in eine nackte Göttin mit blutroten Lippenstift zwischen Rosenblättern. Ein Männertraum. Es wird auch nur ein Traum bleiben.

Natürlich ist das gesamte Setting des Films typisch amerikanisch. Da ist nicht nur die Vorstadt, da ist auch die "Pursuit of Happiness" des "American Dreams". Da sind dumme Jobs mit hoher Bezahlung, McDo-Jobs mit mehr Sinn aber weniger Geld, da sind die dummen Sprüche der üblichen Motivationstrainer. Da ist das leere Glück des mittelständischen Reichtums mit Eigenheim und Familie, aber immer am Rande des sozialen und emotionalen Absturzes. Da ist auch die permanente Präsenz von Gewalt und Sex, die beide auf ihre Weise die amerikanische Massenkultur prägen. Aber im ernst: Sind wir in Europa nicht auch längst auf dem Weg dahin?

Vor diesem Hintergrund kämpfen nun die Hauptpersonen um ihr Glück. Bei vielen könnte man dabei von einem "Coming Out" sprechen. Insbesondere Lester, der Familienvater erkennt, wie weit sein Leben inzwischen von seinen eigenen Wünschen entfernt ist. Und plötzlich beginnt er, diese Wünsche auszuleben. Natürlich muss er das mit dem neuen Leben erst einmal lernen. So wirkt ein Mann in den besten Jahren (also irgendwo in den 40ern) nicht wirklich sexy sondern lächerlich, wenn er einer Teenagerin hinterher steigt. Aber dennoch ist es er, der wohl am konsequentesten die Neurosen seines Lebens durchschaut und daraus seine Schlüsse zieht. Und am Ende kriegt er ja auch noch die Kurve, als er merkt, dass sich hinter seiner Leidenschaft nur ein unsicheres, kleines Mädchen verbirgt, das verzweifelt um Anerkennung kämpft.

Seine Frau kriegt wohl nicht mehr die Kurve. Zu verquert ist ihr Leben, zu schräg sind die Lügen, die sie sich und anderen immer wieder erzählt. Dazwischen ist dann noch die Tochter, ein Freak, aber ein Freak mit Verstand. Merkwürdig, dass die Veränderung ihres Vaters nicht für mehr Nähe zwischen den beiden sorgt. Aber sie lebt vielleicht zu isoliert in ihrer Welt, um die Veränderungen wahr zu nehmen. Und auch sie wird erst dann wirklich frei, als sie ihrem Nachbarn begegnet, auf seine Weise auch ein Freak, aus einer Problemfamilie, die Lesters Probleme noch weit in den Schatten stellt.

Und so gibt es noch viele, andere, wunderschön schreckliche Geschichten in diesem Film, und das schöne ist, dass für jeden etwas dabei ist. Und das teilt der Film mit vielen anderen, schönen Kunstwerken - es gibt mehr als eine Aussage, Bedeutung und Geschichte. Wenn es alles nicht (auch) so traurig wäre, würde ich sagen: Mehr davon!
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.11.2007 16:30:51 GMT+01:00
Ingo Schreurs meint:
Sehr schöne Beschreibung des Films. Nur mit dem Fazit stimme ich gar nicht überein. Der Film ist überhaupt nicht traurig, beschreibt er doch die Geschichte eines Mannes, der zu wirklicher Liebe und Freiheit gefunden hat - ein Erwachter könnte man sagen - dem es gleichviel ist, ob er lebt oder stirbt: Das Leben ist schön! Insofern für mich einer der ermutigendsten und trostreichesten Filme, die ich seit langem gesehen habe.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.11.2007 18:44:50 GMT+01:00
Sehe ich genau so! Lester stirbt genau in dem Moment, als sein Leben am Schönsten ist, ohne sein Ende nahen zu sehen, mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Was kann es Schöneres geben...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.11.2007 09:59:20 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.11.2007 11:56:30 GMT+01:00
Dass Lester es schafft, sich aus seinen Zwängen zu befreien und sein Leben selbst zu gestalten, ist sicher ein wunderschönes Element im Film. Insofern kann ich den beiden Anmerkungen nur zustimmen. Aber dennoch habe ich beim Sehen Traurigkeit einfach verspürt. Warum? Immerhin stirbt Lester, zwar als glücklicher Mensch, aber für mich ist das traurig, denn gerade ihm gönne ich natürlich weiteres Leben mit andauerndem Glück. Und traurig ist auch, dass weitere Figuren im Film es eben nicht schaffen, aus den Zwängen des Lebens auszubrechen und dann scheitern.

Vielleicht zeigt ja diese Diskussion eine weitere Stärke des Films: Er schafft es, völlig verschiedene Emotionen bei den Zuschauern auszulösen. Und für jeden Zuschauer können dann durchaus auch andere Eindrücke im Vordergrund stehen.

Und vielen Dank für das Feedack. Niclas
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