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Kundenrezension

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Waters zeigt wieder richtig Zähne, 2. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Annihilator (Ltd.Edition) (Audio CD)
"Neues Label, neues Glück?" könnte man bei Annihilator im 2 - 3 Jahres-Rhythmus fragen. Überspitzt gesagt wie die Unterhosen wechseln die Ahorn Thrasher ihre Adresse, obschon man ihnen zugute halten muss, dass seit dem SPV Ausgleich viele, sogar etlabiertere Kapellen das Nest dort verlassen haben (u.a. Kreator). Mit Earache hat die One Man Army Waters jenen britischen Firmenpartner an Land gezogen, der ja sehr lange die Brachialschiene fährt und sich seit geraumer Zeit ebenso zwar nicht gerade soften, aber merklich melodischeren Kapellen als in den früheren Tagen widmet, deren Ausrichtung unterm Strich immer noch mit dem Rooster des Londoner Traditionslabels authentisch ist wie im vorliegenden Falle.

Zwanzig Jahre und ein paar Zerquetschte liegt bereits der Release des grandiosen Debüts "Alice In Hell" zurück, und, als wollte Jeff mit Annihilator das alte, vergangene prägnant hinter sich lassen, bekommen wir erstmals nicht mehr den klassischen Annihilator Schriftzug am Cover serviert. Dennoch: der "Neue" passt irgendwie gut auf die Stirn des scheins Dämonenbesessenen Frontface. Musikalisch orientiert sich der Flitzefinger indes wieder mehr back to the roots, wahrscheinlich auch deshalb, weil das letzte "Projekt" namens "Metal" mit allen möglichen Sängern eher zwiespältig ausfiel und sein neuer Labelchef etwas eingeflüstert (wie wär's wenns wieder härter zur Sache geht...lieber Jeff?) haben dürfte, zumindest ist das mein Verdacht.

Soll heißen: mehr Speed, mehr Aggression, mehr Annihilator. Das ist Devise. Mit dem siebenminütigen Empfangskomitee "The Trend" bringen die Nordamerikaner den Motor schön auf Betriebstemperatur: zuhauf Leads lässt Waters innerhalb des zunächst in Mid-Tempo gehaltenen Tracks vom Stapel, während Dave Padden, der inzwischen das vierte (!) Studioalbum infolge hiermit einsingen durfte, den Mikro-Job mehr als passabel erledigt. Nach ca. zwei Minuten schalten hier Annihilator dann auf den vierten/fünften Gang, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren, was schon mal den hemmungslosen Speed-Charakter der folgenden Nummern "Coward" und "Ambush" erahnen lässt. Jene beiden sind effizient auf den Punkt navigiert und mit saftig- bruzeligen Klampfen ausgestattet, somit steigt auch das Stimmungsbarometer und der Mähnenschüttelfaktor seitens des Hörers, ja gerade das massiv durch preschende "Ambush" entfaltet die reinigende Wirkung eines plötzlichen Hagelgewitters, das man von dieser Band schon lange nicht mehr gehört hat. Seltsam hingegen würgt sich das fast dissonant zusammen getackerte "25 Seconds" durch die Speaker: die kurzen, eher belanglosen Jam-Bassparts und die plötzlichen Wutanfalle in Form von Fastforwardbeats mögen zwar eine experimentelle Seite Annihilators darstellen, der Hang zum Erzwungenen lässt parallel dazu die zuvor gewonnene Euphorie allerdings wieder leicht verpuffen. Ein Track à la "Nowhere To Go" - seineszechen ein drückend-straighter Riff-Rocker - bringt den Haussegen dann wieder ins Lot, obschon die noisigen Strophen Paddens dezent nerven. Weiter geht's mit der Quasi Metallica Hommage "Other Side", dessen Riffs und Vox einen gewissen Herrn Hetfield so um 1984/85 vor dem geistigen Auge herbei zerren - kurzum: sicher einer bessseren Momente des Lonplayers. Nicht übel, aber bei Gott keine Highlights sind dann noch das Break-lastige "Death In You Eyes" und das gemächlichere "Payback", bevor das nicht tot zu kriegende Ahorn-Gespann den legendären Van Halen Tribute zollt: "Romeo Delight" schraubt den Deckel gut gelaunt dort rauf, wo er knapp fünfzig Minuten zuvor voller Neugier entriegelt wurde.

Nach den letzten eher durchwachsenen Taten Annihilator's zeigt das wenig hellköpfig betitelte, dreizehnte Album einen spürbaren Aufwärtstrend, nicht zuletzt dank des wieder gewonnenen Bisses und des Fakts, dass der kurzhaarige Frisch-Vierziger Waters sage und schreibe 66 Solos in "Annihilator" rein gepackt hat. Mit dem abermals wiederholten Versuch, da und dort moderne Kanten draufzusetzen, wurde zwar löblicherweise vorsichtig neues Terrain geöffnet, die kleinen Mankos im Songwriting konnten damit jedoch nur bedingt kaschiert werden.
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