Was für nicht mehr ganz junge Menschen eine Selbstverständlichkeit ist, wurde von der Google-Generation kaum verinnerlicht. Recherchieren bedeutet mehr, als ein paar Wörter in ein weißes Rechteck einzugeben, auf Treffer zu warten und einige davon zu öffnen. Und Wikipedia umfasst nicht das gesammelte Wissen der Menschheit. Immerhin deutet die siebte Auflage dieses Buches darauf hin, dass noch nicht alle meinen, im Internet zu recherchieren sei der Weisheit letzte Schluss.
Die Autoren von "Richtig recherchieren" sind nicht alle im Journalismus beheimatet. Christian Schertz ist Anwalt und spezialisiert auf Presse- und Medienrecht. Der Diplom-Chemiker Henrik Schreiber wirkt seit 2005 als selbständiger Infobroker in den Bereichen Chemie und Biotechnologie. Ganz dem Journalismus in all seinen Facetten haben sich Matthias und Frank Brendel verschrieben. Man darf also erwarten, dass in diesem Buch ein breites Spektrum abgedeckt wird.
Nach einer ersten Antwort, was Recherche eigentlich ist, werden auf gut vierzig Seiten die verschiedenen Wege der Informationsbeschaffung beschrieben. Das nächste Kapitel widmet sich dann ausschließlich dem Recherchieren im Internet. Danach folgen Systematik und Recherchemethoden. Ethische Fragen werden im sechsten Kapitel "Recherchen im Zwielicht" erörtert. Und die Grundregeln der Gesprächsführung sowie Befragungen erfährt der Leser im siebten und achten Kapitel. Weitere Themen sind: Die lokale Recherche - Komplexe und schwierige Recherchen - Betrügern auf der Spur - Unseriöse Geschäftemacher identifizieren - Falschmeldungen erkennen - Rechtliche Aspekte der Recherche. Zum Schluss gibt's dann noch auf drei Seiten Tipps und Tricks.
Fortgeschrittene werden sich in der Kunst des Überlesens üben müssen, enthält das Buch doch auch viele Informationen, die eher für Grünschnäbel gedacht sind. Aber da die Autoren auch von ihrer eigenen Arbeit berichten und nicht einfach die üblichen Informationen aneinanderreihen, werden sogar Profis noch einen Gewinn von der Lektüre haben. Sie werden sich allerdings bei einigen Ausführungen fragen, warum diese Informationen sprachlich nicht hübscher verpackt wurden. Auch ich hätte es begrüßt, wenn einer der vier Autoren oder ein Lektor dafür gesorgt hätte, dass langweilige Passagen gestrichen, gekürzt oder umformuliert worden wären. Immerhin müssen Medienschaffende nicht nur professionell recherchieren können, sondern auch einen ausgeprägten Sinn für Dramaturgie und Storytelling haben.
Mein Fazit: Obwohl mich das Buch formal und sprachlich nicht restlos überzeugte, empfehle ich es gerne weiter. Denn wer im Journalismus oder anderen Mediengebieten Erfolg haben will, sollte die wesentlichen Instrumente des Recherchierens kennen und anwenden können. Zudem erfährt der Leser auch, was es rechtlich zu beachten gilt, welche Gefahren auf ihn lauern und wie er sich eine eigene Strategie zusammenbasteln kann. Zahlreiche Beispiele sorgen dafür, dass die Theorie nicht ganz so grau daherkommt, wie einzelne Formulierungen befürchten lassen.