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Er rührte an den Schlaf der Welt. Ernst Busch: Die Biographie [Gebundene Ausgabe]

Jochen Voit
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

15. März 2010
Eine Ikone zwischen Pop und Propaganda Ernst Busch (1900–1980) war einer der schillerndsten Bühnenstars, die Deutschland im 20. Jahrhundert zu bieten hatte. Einer, dem der Ruch der Revolte anhaftete. Eine Ikone der Linken. Berühmt wurde er 1930 als Moritatensänger in der Verfilmung der „Dreigroschenoper“, legendär als singender Truppenbetreuer im Spanischen Bürgerkrieg und berüchtigt durch die Hymne „Die Partei hat immer recht“. Propaganda-Parolen und Shakespeare, Kästner-Gedichte und Chansons von Tucholsky/Eisler – was er sang, sprach und spielte, geriet stets zur Gratwanderung zwischen Kunst und Politik, zwischen Ideologie und Entertainment. Sein Publikum berauschte sich am Klang seiner metallenen Stimme, schmückte ihn mit Beinamen wie „Barrikaden-Caruso“, „Rote Nachtigall“ und „singendes Herz der Arbeiterklasse“. Ernst Busch war Werftarbeiter in der Kaiserzeit in Kiel, Theaterschauspieler bei Piscator in Berlin, Kabarett-, Kino- und Schallplattenstar der späten Weimarer Republik, Rhapsode des antifaschistischen Widerstands im Exil, Gefangener des Naziregimes, Gründer der ersten und einzigen Schallplattenfirma der DDR, international gefeierter Brecht-Schauspieler, Kapitalist, Stalinist und Querulant im SED-Staat, populärster deutscher Künstler in der Sowjetunion, Kultfigur der westdeutschen 68er. Die Liste seiner Fans reicht von Heinrich Mann über Pete Seeger bis zu den Punks der Hamburger Hausbesetzerszene. Jochen Voit erschließt in seiner grandios erzählten Biographie eine Jahrhundertgestalt und ihre Epoche.

Wird oft zusammen gekauft

Er rührte an den Schlaf der Welt. Ernst Busch: Die Biographie + Ernst Busch 1960 Live in Berlin + Spanien 1936-1939
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  • Spanien 1936-1939 EUR 8,41

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 515 Seiten
  • Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (15. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3351027168
  • ISBN-13: 978-3351027162
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 13,6 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 122.635 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Jochen Voit, geb. 1972 in Nürnberg, Buchhändler, nach dem Studium der Geschichte und Kommunikationswissenschaft Moderator von Musik- und Literatursendungen im Radio, Geschichtsexperte im Fernsehen (Pro7) und freier Kulturjournalist (Süddeutsche Zeitung)

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ernst Busch - reloaded 30. April 2010
Von Histomat
Format:Gebundene Ausgabe
Barrikaden-Tauber, sozialistischer Volkssänger, DDR-Ikone - das sind die Etiketten, die an Ernst Busch kleben wie Insekten am Fliegenpapier. Dabei war der Mann jahrzehntelang nicht mal Mitglied der SED, weil sein heiliger Zorn auch vor dem Politbüro nicht Halt machte. Das alles und noch viel mehr hat Jochen Voit ausgegraben. Seine Biographie zeigt, dass Busch weit schillernder war als Schlagworte ahnen lassen. An allen Wund- und Wendepunkten der deutschen Linken im 20. Jahrhundert war er dabei: Kieler Matrosenaufstand, Spanienbrigade, Exil in Stalins Moskau, 17. Juni 1953 in Berlin. Als 1961 die Mauer hochgezogen wird, hält sich Busch im Westen auf und kehrt doch ohne Zögern zurück. Mit diesem Leben lassen sich mühelos hunderte von Seiten füllen.

Voit ist zu jung um Busch noch persönlich gekannt zu haben, entsprechend unbelastet geht er zu Werke. Schicht um Schicht meißelt er den Gesteinspanzer weg, der sich als Legende um den Sänger des Einheitsfrontliedes gelegt hat. So kommt Busch endlich ins Freie. Nun singt und kämpft, flucht und stinkt er wieder. "Er rührte an den Schlaf der Welt" ist keine sozialistische Heldenverehrung im hymnischen DDR-Stil und schon gar keine selbstgerechte Abrechnung eines Nachgeborenen; weniger geeignet für rote Großväter als für deren aufgeweckte Enkel.

Erstmals gibt's Busch hier im 3-D-Format. Facette um Facette schält Voit die Widersprüche dieses ebenso charismatischen wie eitlen Sängers und Schauspielers heraus, schildert seine zahllosen Streitigkeiten und Scharmützel mit DDR-Funktionären, sein mutiges Eintreten für in Ungnade gefallene Freunde, die peinlichen Ergebenheitsadressen, die cholerischen Ausbrüche, die zahllosen Affären. Gala-Leser werden trotzdem enttäuscht sein, denn Klatsch findet sich hier nur in homöopathischen Dosen. Es zeichnet eine gute Biographie aus, dass man sie auch gegen den Strich lesen kann. Das Buch gibt dem Leser so viel Material an die Hand, dass der gelegentlich auch zu anderen Bewertungen als Voit kommen kann.

Nicht nur wegen des einschüchternden Fußnotengebirges, das den Lesefluss aber nie unterbricht, genügt das Buch wissenschaftlichen Ansprüchen. Umso schöner, dass es sich nicht so liest als sei es darauf aus. Voit findet eine plastische Sprache fernab von pseudo-wissenschaftlichem Einschüchterungs-Jargon, baut klare Sätze, zieht erhellende Querverbindungen. Dabei entwickelt er eine filmische Erzählweise, die sich nicht ängstlich an einer Chronologie entlang hangelt, sondern Schlüsselszenen herausarbeitet, Rückblenden und Zeitlupen einsetzt. Den Sänger belässt Voit nicht in seinem natürlichen DDR-Biotop. Er widmet sich auch der erstaunlichen Busch-Verehrung der 68-er im Westen. So erzählt diese Biographie eines linientreuem Dissidenten letztlich auch eine gesamtdeutsche Geschichte.

Wer nicht nur über Busch lesen, sondern ihn auch hören will: Ernst Busch 1960 Live in Berlin
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Jochen Voit, Nürnberger Buchhändler und freier Kulturjournalist bei der Süddeutschen Zeitung hat über den berühmtesten politischen Sänger und neben Gustaf Gründgens und Heinrich George einen der schillerndsten Bühnenstars des 20. Jahrhunderts, dem widersprüchlichen und linksradikalen Ernst Busch (1900-1980), eine großartige, kritische, romaneske, ja brillante Biographie geschrieben.

Mit "Er rührte an den Schlaf der Welt", mit Worten die wie Blitze einschlugen ürdigte der wortgewaltige Ernst Busch Lenin zum fünfzigsten Tag der Oktober Revolution. Wer war dieser in Kiel geborene Werftarbeiter Ernst Busch, diese Legende die am Juni vor 30 Jahren gestorben ist?

Die Biographie ist ebenso spannend geschrieben wie auch Buschs Leben verlief. 1917 trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, beteiligte sich am Matrosenaufstand, nahm Schauspiel- und Gesangsunterricht und war dann Theaterschauspieler bei Piscator in Berlin. Piscator gehörte zur Avantgarde der Weimarer Republik und so war Busch, der viel bejubelte Kino- und Schallplattenstar nun im "Olymp des Politischen Theaters" angekommen, wie Voit schreibt. Berühmt wurde er 1930 als Moritatensänger in der "Dreigroschenoper" Verfilmung.

Busch wurde zur Ikone der Linken und was er als "singendes Herz der Arbeiterklasse" sang, sprach oder spielte, ob Chansons von Tucholsky oder Eisler oder Gedichte von Erich Kästner wurde als Instrument seiner Faschismus Kritik immer zur Gratwanderung zwischen Kunst und Politik. Eine äußerst gefährliche Provokation nach 1933.

Busch kämpfte gegen den Faschismus im spanischen Bürgerkrieg, äußerte sich offen gegen Hitlers Machtergreifung, wurde Gefangener im Naziregime. Wegen Vorbereitung zum Hochverrat wurde er zum Tode verurteilt. Durch Intervention seines früheren Kollegen Gustav Gründgens entging er der Todesstrafe.

Nachdem ihn 1945 die Rote Armee aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit hatte lebte er zunächst in seiner alten Berliner Wohnung in der Künstlerkolonie, bis er nach Pankow übersiedelte und Mitglied der KPD wurde. Er wurde gefeierter Brecht Schauspieler in der DDR, Kultfigur der "Aufbaugeneration". Neben Heine, Goethe und Marx war er der bekannteste deutscher Künstler in der Sowjetunion. Für die westdeutschen 68 wurde zur vergötterten Kultfigur. Ambivalent wie Busch selbst war auch die Liste seiner Fans, sie reichte von Berthold Brecht über Heinrich Heine bis zu den Punks der Hamburger "Hausbesetzerszene". Als Stalinist wurde er im DDR Staat zum Querulanten, weil er als Nestbeschmutzer" Demokratiedefizite im Arbeiter- und Bauernstatt öffentlich kritisierte und einforderte.

Die Biographie zeichnet nicht nur ein hinreißendes Porträt von Deutschlands erstem "linksradikalen Popstar", einer schillernden Jahrhundertgestalt mit metallener Stimme, sondern auch von der ganzen Epoche.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ernst Busch - der schwierige Mythos 29. September 2012
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Das Erstlingswerk von Jochen Voit ist ein angenehmes Lesestück zur Person Ernst Busch's und dessen verschiedener Karrieren in der Weimarer Republik, dem Exil und der Zeit der DDR.
Überrascht hat mich der enorme Anhang aus Bibiligrafie und Fußnoten-Kommentaren, der insgesamt nahezu ein Viertel des Buches ausmacht.
Das ist gute Arbeit, auch wenn in der Retrospektive auch hier (wie in den anderen Busch-Biografien) nie gänzlich erklärt werden kann, was den Erfolg Busch's und seines Mythos' ausmacht.
Ein Mythos, der auch am Autor nicht spurlos vorübergegangen ist.
Aber das ist vielleicht auch das sympathische Moment am Buch: Voit schreibt mit einer deutlichen Distanz zu Busch, bei der aber partiell gewisse Anteile an Anerkennung, sowie eine Art Anteilnahme, wenn nicht sogar Mitleid mitschwingen, besonders in der Beschreibung Busch's letzter Jahre in der DDR.

Einige Bilder/Fotos in der Mitte des Buches lockern den Text auf, wenngleich ich mir gewünscht hätte, es gäbe mehr davon, - besonders zur Zeit vor 1945.

Alles in allem aber gut gemacht und durch die neuen Aspekte zu Busch's Leben und der Busch-Rezeption im Allgemeinen, durchaus empfehlenswert für alle, die sich mit Ernst Busch und der Geschichte der linken Kultur/Kunst beschäftigen.
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