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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmosphärisch dichter historischer Kriminalroman.
Wer beim Stichwort Münchenkrimi‘ eine problematische Mischung aus den üblichen Klischees (dutterte Maderl, köstlicher Gerstensaft etc.) und erzwungener Aktualität (1914 ist angesagt) befürchtet hat wird hier angenehm enttäuscht! Die Autorin verwebt gekonnt das historische Umfeld des emotional aufgeheizten Sommers 1914, die ärmliche...
Vor 7 Monaten von Frank Stefan Becker veröffentlicht

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schade um das verschenkte Potential.
Pünktlich zum Jubiläum wird das Drama um den I. Weltkrieg mit einem Kriminalroman verarbeitet. Der geschichtliche Kontext weiß zunächst den Leser in den Bann zu ziehen. Dies liegt vor allem an den "befremdlichen" Gegebenheiten, vor allem im Bereich der Stände. Leider beschränkt sich "Der eiserne Sommer" auf sein...
Vor 7 Monaten von Amazon Kundenrezensionen veröffentlicht


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmosphärisch dichter historischer Kriminalroman., 3. Oktober 2014
Von 
Frank Stefan Becker (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
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Wer beim Stichwort Münchenkrimi‘ eine problematische Mischung aus den üblichen Klischees (dutterte Maderl, köstlicher Gerstensaft etc.) und erzwungener Aktualität (1914 ist angesagt) befürchtet hat wird hier angenehm enttäuscht! Die Autorin verwebt gekonnt das historische Umfeld des emotional aufgeheizten Sommers 1914, die ärmliche Lebensweise vieler Münchner, den Standesdünkel des über allem stehenden Militärs und die verklemmte, unterdrückte und dafür heimlich ausgelebte Sexualität der Oberschicht zu einem Zeitbild, das weit mehr als nur die Kulisse für die aufzuklärenden Morde darstellt. Dieses sorgfältig recherchierte Panorama ist nicht nur glaubwürdig, es enthält auch viele interessante Details wie z.B. zum Frauenstudium (S. 55) oder zum latenten Antisemitismus, wenn von den ‚vielfach angebotenen Dukatentöpfen der schönsten Töchter Israels‘ (S. 12) die Rede ist, von denen man sich als Offizier aus Karrieregründen leider fernhalten müsse.
Durch den Kunstgriff zweier Erzählebenen – zum einen das Tagebuch eines verschuldeten Aufsteigers im Offiziersmilieu, zum anderen die Schilderung der polizeilichen Ermittlungsarbeit – verliert das Buch zwar an Spannung, da man den Täter schon früh ahnt, gewinnt dafür aber an literarischer Tiefe und historischer Plastizität. Ein wesentliches Element des Lesegenusses ist die bildhafte Sprache, wenn z.B. auf S. 113 spöttisch von der ‚ganzen Dampfnudelmystik von deutschem Blut und Mannestum‘ die Rede ist oder es heißt, dass nach dem Attentat von Sarajewo ‚sich plötzlich jeder Beamtenhintern zum Generalstäbler‘ berufen fühle.
Einziger Wermutstropfen ist in meinen Augen die Hauptperson des Kommissars Reitmeyer, die seltsam blass bleibt; zwar pflichtgetreu und sorgfältig agiert, aber doch persönliche Eigenschaften vermissen lässt. Hier schimmern die Vorbilder mancher moderner Standardkrimis durch, in denen Kommissare grundsätzlich kein Privatleben haben, mit unfähigen Vorgesetzten kämpfen müssen und dennoch ihre Pflicht tun. Wie aus der Moderne gefallen wirkt auch der überschlaue Polizeischüler Rattler, doch das sind eher nebensächliche Aspekte.
Nicht unbedingt mehr zur Handlung gehörend, aber als bedrückender Ausblick auf die nach 1914 kommenden Schrecken ist dem Buch ein sehr lesenswerter Epilog angehängt.
Man kann gespannt sein, wie die Autorin die (vermutlich für die Zeit nach 1918 geplante) Fortsetzung gestalten wird – die Phase der Räterepublik und der Freicorps böte sicher einen farbigen und spannungsreichen Hintergrund, von dem man auch als Münchner meist viel zu wenig erfährt.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen eher historischer Roman als Krimi, aber als solcher richtig gut gelungen, 9. September 2014
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Normalerweise gehören Krimis gar nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Genres, aber der historische Bezug auf die Schüsse von Sarajevo hatte mich auf den hier rezensierten Debutroman von Angelika Felenda aufmerksam gemacht und da ich historische Romane recht gerne lese und die Thematik gerade jetzt 100 Jahre nach Kriegsausbruch ja sehr präsent in diversen Medien ist, hatte ich spontan zugegriffen.
Wer allerding wie ich fälschlicherweise annimmt, das Attentat auf Franz Ferdinand und Sophie Chotek würde in dem Roman näher thematisiert, der sei dahingehend gewarnt, daß dies nicht der Fall ist und das Attentat eigentlich nur als Aufhänger für den zeithistorischen Zusammenhang des fiktiven Romanes dient.

Der Kriminalfall, um den es vordergründig geht, führt den ermittelnden Kommisar Reitmeyer in Militär- und Homosexuellenkreise und ist von solider Spannung, jedoch hat mich der Roman als Zeit- und Sittengemälde noch weitaus mehr überzeugt als als einfache Kriminalgeschichte.
Die Autorin macht nicht den Fehler so mancher Autoren historischer Romane, die die Protagonisten aus längst vergangenen Zeiten wie heutige Menschen sprechen und agieren lassen, sondern schafft es wirklich, eine sehr stimmige und authentisch scheinende Schilderung der Zeit und Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen.
Insbesondere wie der Kommisar beim Militär gegen Mauern zu laufen scheint, weil dieses seine eigene Gerichtsbarkeit hat und die Befugnisse der von den Militärs eher wenig geschätzten Polizei dort an ihre Grenzen stoßen, fand ich thematisch sehr interessant und es scheint von der Autorin auch sorgfältig recherchiert zu sein.
Ferner ist der Roman mit einer ganzen Menge interessanter und vielschichtiger Nebenfiguren bevölkert und auch das Privatleben des Kommissars kommt im Roman nicht zu kurz.
Auch wie die Bevölkerung auch nach den Schüssen von Sarajevo weiterhin ihrem bisherigen alltäglichen Leben nachgeht, unverändert Standesdünkel und Klassenbewusstsein pflegt, nicht wahrhaben wollend, daß die halbe Welt der Katastrophe entgegenschlittert, hat die Autorin sehr gut eingefangen.
Für das fünfte Sternchen fehlte mir zwar ein wenig echtes Mitgerissensein, was womöglich daran liegt, daß der Kriminalfall als solches eher wenig spektakulär ist und sich des Rätsels Lösung auch relativ zeitig abzuzeichnen beginnt, auch hätte die teilweise sehr ruhig vor sich hinplätschernde Geschichte an der einen oder anderen Stelle einfach ein wenig mehr Pep vertragen können, aber dennoch hat mir der Roman (insbesondere für einen Erstling!) gut gefallen und ich freue mich auf weitere Fälle für Reitmeyer.
Ich traue der Autorin durchaus zu, daß es sogar noch Potential nach oben gibt.
Wer also eher ein stimmiges und offenbar gut recherchiertes Gesellschaftspanorama des schicksalhaften Sommers 1914 sucht als einen nervenzerfetzend spannenden Reißer, dem kann ich "Der eiserne Sommer" guten Gewissens empfehlen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Münchner Lokalkolorit im Jahre 1914, 15. September 2014
Von 
Der Wanderer (Unterfranken, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Angelika Falendas Kriminalroman erweitert das ja so beliebte Genre der Lokalromane mit dem Ort München und der zeitlichen Verortung in das Jahr 1914. Der Beginn des 1.Weltkrieges liegt ja nicht nur zeitlich sondern auch bezüglich meines - unseres? - Wissens mehr im Nebel als der Beginn des 2.Weltkrieges. Dabei liegt die Wurzel des 2. Unheils ja zum großen teil im 1.Weltkrieg. Der neue Roman gefällt mirrecht gut,als er Lokalkolorit, geschichtlichen Hintergrund in dosierten Maßen vermittelt, so auch zum Nachlesen anregt und kein besserwisserischer Geschichtswälzer sein will. Wer München kennt (oder mag) ist sicher leicht von Vorteil, man kann das buch aber auch so lesen. Der dezente,altmodische Dialekt ist auch mehr Andeutung,führt in die Epoche, aber nervt nicht durch Penetranz,was andere als Oberflächigkeit vielleicht ansehen.
Das Personalentlehnt sich leider wieder den Brunetti und Kluftinger-Klischees,also kein Krimi ohne Vice-Questore Patta oder dem übereifrigen Kollegen Maier. Dagegen gefällt der Herr Kommissär Reitmeyer mir schon, ein Kommissar mit musischen Vorlieben und ohne die psychpathischen Ticks der angelsächsischen und schwedischen Kollegen. Wenn er im Mittagschlaf träumt, im Orchester und Mottl die Tannhäuser Ouvertüre zu spielen, zeigt das ein schönes Einfühlungsvermögen in die damaligen Musikvorlieben der gebildeten Jugend (da stört nur, dass der Tannhäuser halt ohne h hinter dem T geschrieben wird). Solide,durchaus durchschaubar die Kriminalhandlung, auch hier ohne die Exzesse der amerikanischen Konkurrenz,deren Hauptaugenmerk ja inzischen der immer ekligeren Tötungsarten von meistens Frauen gilt. Insoweit auch hier etwas altmodisch, man könnte fast sagen,ein Krimi aus der guten,alten Zeit,in dem man sich an einem verregneten Tag gut einrichten kann.
Dabei ist die Handlung ja wahrlich nicht betulich, sondern auch erschreckend.Standesdünkel, Antisemitismus, Offiziersarroganz,überhaupt der ganze verlogene Mief dieser Tage - das wird schön herausgearbeitet. Leichte satirische Anspielungen zeigen auch auf das heutige Bayern,in dem es ja auch noch unmöglich ist, dass im Hause eines Ministerialdirigenten ein SPDler ein und aus geht.
Reitmeyers erster Fall hat mir gut gefallen,er war Anregung, mich mit dieser Epoche zu befassen und über einen zweiten Fall auf diesem Niveau würd` i mi freun.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Militär, Macht und Morde, 17. August 2014
Von 
progue - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
1914. Zur selben Zeit, als in Sarajevo die tödlichen Schüsse auf den Thronfolger Österreich-Ungarns fallen, kommt es in München zu einer Mordserie. Sebastian Reitmeyer ist der zuständige Kommissär, der die Morde bearbeiten muss, und sein Leben ist bestenfalls frustrierend. Sein Chef verlangt von ihm, dass er Statistiken fälscht, um aufzuzeigen, dass die Kriminalität am Steigen ist, der Polizeipräsident setzt ihn allein auf den Fall an, wobei er nach außen hin so tun muss, als wüsste er von nichts. Denn die Spuren führen ins Leibregiment des Königs, und Polizisten haben beim Militär nichts zu sagen. Sie dürfen bei ihnen nicht ermitteln, sie dürfen niemandem beim Militär auf die Füße treten, ja, sie dürfen nicht einmal atmen, wenn es nach den Herren Offizieren geht. Genauso schlimm ist es, wenn es um höhere Beamte geht oder andere Stützen der Gesellschaft - entweder stehen sie von vornherein außerhalb jeden Verdachts oder Beweise werden aus der Welt geschafft, Verbrechen vertuscht, möglicherweise ein Bauernopfer erbracht, um alles unter den Teppich zu kehren. Es macht es für Reitmeyer nicht einfacher, dass er mit großbürgerlichen Freunden aufgewachsen ist, mit denen er musiziert hat (und in die Schwester eines dieser Freunde er seit Jahr und Tag verliebt ist) und ein anderer seiner Freunde nicht nur Rechtsanwalt, sondern auch linksorientiert ist. Die Welt steht vor einem Krieg und er sitzt zwischen allen Stühlen.

Die Autorin schafft es, die katzbuckelnde und intrigante Zeit kurz vorm 1. WK wieder auferstehen zu lassen. Da wird in die Verschwörung des Militärs eingeführt, in die grölende, nationalistische und adlige Welt der Offiziere, die auf alle anderen herabsehen - selbst auf ihresgleichen, die eben nicht adlig sind. Man bekommt Einblick in die Häuser der Großbürger und Ministerialbeamten, wird in die Unterschicht und deren heruntergekommenen, stinkenden Wohnungen herumgeführt. Alles dreht sich im Kreis, alle hängen an den Fäden einiger weniger Kriegstreiber, welche die Puppen tanzen lassen und bereit sind, dafür mehr und mehr Menschen zu opfern. Der Kommissär hat in dieser Zeit und Welt keine Chance auf eine ordentliche Ermittlung, geschweige denn auf Recht oder Gesetz.
Von daher ist der historische Aspekt wirklich gelungen. Die Zerrissenheit, der sich die einfachen Menschen ausgesetzt waren, gut herübergebracht.

Leider hatte ich ein wenig Probleme mit dem Hauptprotagonisten selbst. Ich bekam ihn selbst nie wirklich zu fassen, bei all dem, was er tat oder dachte, blieb er mir fremd. Ich habe darüber nachgedacht, woran das liegen mochte und komme zu dem Schluss, dass er mir zu ambivalent beschrieben wurde. Bevor irgendwo erwähnt wurde, dass er Anfang 30 ist, hielt ich ihn für einen relativ alten, verknöcherten, strengen Beamten, auch wenn er teilweise sehr ehrenvoll war. Dann wiederum machte er auf mich den Eindruck eines weitaus jüngeren Mannes, gerade wenn es um seine Liebesverwicklungen ging, bei denen er sich wie ein Pennäler anstellte. So war er mir immer zu blass, konnte nicht aus dem Schatten seiner besser agierenden und authentischer herüberkommenden Nebenprotagonisten lösen.

Fazit: Interessantes Setting von vor 100 Jahren, komplex und intrigant, und mit einer Hauptperson, die noch ein bisschen mehr "Fleisch" auf den literischen Rippen vertragen könnte.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Zeitreise, 8. Oktober 2014
Von 
Ritualium "Bücherjunkie²" (Vicus Plawe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Als großer Fan von Krimis und mit der Deutschen Geschichte als ein weiteres Hobby, lässt es mein Herz immer höher schlagen, wenn Autoren diese beiden - für mich unschlagbaren - Komponenten verbinden und mich mit einer spannenden Geschichte in die Zeit entführen, für die ich mich doch so interessiere. Angelika Felenda ist ein solider Kriminalroman gelungen, mit einer herrlichen Mischung aus Münchner Lokalkolorit und jeder Menge Charme des frühen 20. Jahrhunderts.

Gut, ob man beim Vorabend des Ersten Weltkrieges und einem skrupellosen Mörder aus Militärkreisen vom "Charme" des 20. Jahrhunderts sprechen kann, das sei dahin gestellt, aber die Geschichte bietet eine unglaublich dichte und authentische Atmosphäre, sodass man als Leser schon nach kürzester Zeit abtaucht und sich auf eine spannende Zeitreise begibt. Der Krimi beginnt sehr gemächlich - auch wenn es gleich am Anfang einen Mord gibt - und entwickelt sich dann Stück für Stück zu einem großen Netz aus Verdächtigungen, Verschwörungen und jeder Menge Fragen. Mir persönlich gefällt es immer sehr gut, wenn ich als Leser völlig im Dunkeln bleibe und trotzdem jederzeit zum "selber Ermitteln" und Nachdenken angeregt werde. Der Autorin ist das hier sehr gut gelungen und so bekommt man bis zum Schluss immer mal nur ein kleines Häppchen an neuen Informationen, die einen am Ende trotzdem in die Irre führen. Mir haben das ganze Ermitteln und die sich ergebenden Zusammenhänge sehr gefallen. Ich fand sie schlüssig und habe bis zur letzten Seite mitgefiebert, das macht für mich einen guten Krimi aus.

Der Spannungsbogen ist wie das gesamte Buch eher gemächlich, einen bis zum Zerreißen gespannten Thriller darf man nicht erwarten, aber dennoch fliegen die Seiten nur so dahin, denn man will ja wissen, was hier eigentlich los ist! Dazu tragen auch einige Tagebucheinträge und Notizen bei, die immer mal wieder eingestreut werden und neue Sichtweisen und Details enthüllen - sehr schön gemacht! Als kleine Hobby-Historikerin hat mich aber vor allem die authentische und dichte Atmosphäre begeistert, die Angelika Felenda zu erzeugen weiß. Man fühlt sich quasi, als wäre man mitten drin in diesen letzten Tagen vorm Ausbruch des Ersten Weltkrieges, als hätte man sich in eine Zeitmaschine gesetzt und wäre im Juli 1914 in München wieder raus gekommen. Selbst als nicht Ortskundige kannte ich viele Orte und Straßen, was mich gleich nur noch mehr in die Geschichte hinein gesaugt hat. Die Zeitgeschichte wird hier in einen sehr unterhaltsamen und spannenden Rahmen gepackt, sodass man quasi ohne es zu merken noch einiges über die Zeit und die Menschen lernen kann.

Herr Kommisär Reitmeyer ist für meinen Geschmack leider etwas blass geblieben. Man erfährt eigentlich fast nichts über ihn oder sein Leben, was ihn seltsam konstruiert wirken lässt und die Verbindung zu ihm auch unnötig erschwert. Die restlichen Charaktere warten nämlich zwar auch nur mit wenig Hintergründen auf, sind aber insgesamt irgendwie charismatischer und interessanter gezeichnet wie der Protagonist, was ich sehr schade finde. Ich hoffe wirklich, dass sich in den kommenden Bänden bzw. Fällen noch etwas bei ihm tut, denn das ist bisher mein einziger Kritikpunkt an einem sonst wirklich gelungenen Kriminalroman.

Bis auf den blassen Protagonisten ist "Der eiserne Sommer" ein wunderbar unterhaltsames Buch, das einen mit auf eine spannende und auch lehrreiche Zeitreise nimmt. Wer sich für Geschichte und Krimis begeistern kann, sollte unbedingt zugreifen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannung kurz vorm Ersten Weltkrieg, 8. September 2014
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
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München im Frühjahr 1914. Ein junger Mann wird tot aufgefunden. Zunächst sieht alles nach einem Unfall aus, aber dann sieht eine Ärztin genauer hin – und schon ermittelt Kommissär Sebastian Reitmeyer in einem Kriminalfall, der bald nicht nur seine Karriere, sondern gleich den ganzen Staat gefährdet.

Denn die Ermittlungen in diesem Mord, der nicht der einzige bleibt, führen in die höhere Gesellschaft und in die Offiziersränge des Militärs. Leider durfte zu jener Zeit nicht gegen das Militär ermittelt werden. Reitmeyer wird von seinen Vorgesetzten nahegelegt, die Ermittlungsergebnisse nicht zu veröffentlichen. Gerade jetzt, kurz nach dem Attentat in Sarajewo, darf der Ruf des Militärs nicht leiden.

Aber Reitmeyer bringt es nicht über sich, seinem Vorgesetzten zu gehorchen. Schließlich ist die Familie der Ärztin Caroline, in die Reitmeyer verliebt ist, in den Fall verwickelt…

Dieser historische Kriminalroman hat mir ausgesprochen gut gefallen, nicht nur, weil er in einer Epoche spielt, die bisher in Krimis eher selten vorkommt, sondern, weil er einfach gut geschrieben ist.
Die Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, die immer stärker zu spürende Spannung, ob das Attentat in einen Krieg mündet, und die damalige Geisteshaltung werden in diesem Krimi lebendig.

Sebastian Reitmeyer ist ein sympathischer und authentischer Charakter, der sich trotz der obrigkeitshörigen Gesellschaft und der hierarchischen Behörde seinen Gerechtigkeitssinn bewahrt hat. Die Ungleichbehandlung von einfachen Leuten und „höheren“ Militärangehörigen bei ein und demselben Delikt, der Standesdünkel, die Heuchelei in moralischen Fragen und das Verbot, gegen das Militär zu ermitteln, lassen ihm keine Ruhe. Genau deshalb schafft er es, die ungeheure Schweinerei aufzudecken, die hinter der Mordserie steckt.

Schön, das dies der Auftakt zu einer Serie ist, denn ich liebe so kompetent und gut geschriebene historische Romane, die sich von der Masse dieses Genres abheben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr guter Erstling (authentischer historischer Kriminalroman), 5. September 2014
Von 
Max Lupin (Osnabrück, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
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Ich bin begeistert. Ich schreibe das selten und in der Regel nur dann, wenn ein Produkt (in diesem Fall eben ein Buch) mich wirklich positiv überraschen konnte.
Im Fall von "Der eiserne Sommer" gelang das, obwohl ich wirklich (meiner Meinung) sehr hohe Ansprüche an Authentizität von historischen Romanen lege - zumal, wenn es um die - für heutige Leser emotional, moralisch und kontextuell in der Regel nur schwer zu erschließende - erste Hälfte des 20sten Jahrhunderts geht, deren "Bewohner" an so vielen Stellen so viel anders dachten als wir. So vieles aus dieser Zeit ist heute so dermaßen "political incorrect", dass es für Otto Normalbürger kaum noch fassbar ist - geschweige denn, dass es verständlich wäre. So schwingt immer dann, wenn mir ein historischer Roman aus dieser Zeit unter kommt bei mir die warnende Frage mit: "Stellt das gerade wirklich dar, wie es damals gewesen ist?" und "Haben die Leute damals wirklich so gedacht?". Mit anderen Worten: Ist es authentisch?
Im Falle von "Der eiserne Sommer" gelingt der Autorin vor dem Hintergrund eines gelungenen Krimis ein überaus gelungener historischer Roman - oder eben anders herum: vor der Kulisse eines gut ausgearbeiteten, authentischen historischen Romans breitet sich ein Krimi aus, der die gut 400 Seiten nicht langweilig werden lässt.
Dabei lebt dieses Buch freilich davon, dass es diese beiden Ebenen wunderbar verknüpft, Ausblicke zulässt, aber auch frühzeitig Spuren streut und dabei ohne große Effekthascherei auskommt. Vielmehr noch ist es aber eine grammatikalisch und stilistisch nüchtern, inhaltlich schlüssige Darstellung eines Kriminalfalles wie er sich wirklich zugetragen haben könnte ... damals, als die Welt noch völlig anders war ... sowohl geographisch, als auch in den Köpfen der Menschen.
Sehr positiv stimmt mich, dass dieser Roman so treffend die Zeit "vor dem Kriege" einfängt - den letzten "unbeschwerten Sommer" bevor die Welt in einen Abgrund stürzte. Es ist mal eine andere Sicht - eine, die dem Leser ein mulmiges Gefühl machen kann.
Um sich zu verdeutlichen, was ich meine, stelle man sich vor, dass dieser Roman einen letzten schlagschattenartigen Blick auf eine untergehende Welt wirft, die es nur wenige Monate später nicht mehr gibt; das drohende "vor einer Minute war sie noch da" dieser Welt schwingt stets mit - es ist wie eine unausgesprochene Erinnerung daran, dass alles sich abrupt ändern kann.
Die frustrierende, von Intrigen und komplexen Seilschaften geprägte Gesellschaft der damaligen Zeit, die nur wenig später einer für sie so katastrophalen Transformation unterzogen wurde, ist das Eine, was dieses Buch so lesenswert macht. Das Andere sind die sorgsam ausgebreiteten Nebencharaktere, die den teilweise etwas blass (aber darum nichtsdestoweniger authentisch) wirkenden Hauptcharakter ergänzen und erst aus dem Krimi einen lebenden, atmenden historischen Roman werden lassen. Der Hauptcharakter freilich wirkt auf mich - und das sei das einzige Manko, das ich hier nennen möchte - etwas hölzern. Er ist dabei aber so sehr Mensch seiner Zeit, dass dies auch gewollt sein kann - gewissermaßen ein Ergebnis der Welt, in der er lebt und in deren Abgründe er hinab steigt.
Fazit:
Unterhaltsame, für mich begeisternde und für Leser historischer Krimis sicherlich sehr interessante, wenn auch kurzweilige (die 400 Seiten sind schnell gelesen) Kriminalgeschichte mit der richtigen Menge "Historie". Ein sehr guter Einstieg und hoffentlich bald fortgesetzt. Für selbigen nächsten Teil wünsche ich mir freilich, dass die (Haupt- und Neben-) Charaktere intensiver erforscht werden, damit sie noch plastischer wirken.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender Krimi vor historischem Hintergrund, 1. September 2014
Von 
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Das Attentat von Sarajewo und der Beginn des ersten Weltkrieges jähren sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Ich hatte ja zuerst den Verdacht, dass dieses Buch der marketing-technisch geschickte Versuch ist, sich mit einem historischen Krimi an den Strom von Dokumentationen u.ä. anzuhängen, der zur Zeit die Büchertische und das TV überschwemmt.
Aber damit habe ich der Autorin Angelika Felenda und dem Suhrkamp-Verlag Unrecht getan, den "Der eiserne Sommer" ist nicht nur ein richtig spannender Krimi, sondern eines der (wenigen) guten Beispiele, bei dem der historische Hintergrund nicht nur Staffage für eine beliebige Krimihandlung ist, sondern tatsächlich die Handlung von der Historie beeinflusst und vorangetrieben wird.

An der Isar wird die Leiche eines Mannes gefunden. Dieser ist nicht, wie anfänglich vermutet, ertrunken, sondern wurde auf raffinierte Weise ermordet. Kommisär Reitmeyer und sein Team ermitteln und die Spur führt in das berüchtigte Cafe Neptun, wo sich hohe Offiziere vergnügen. Und während Reitmeyer Verbindungen zwischen der illegalen Münchner Schwulenszene und dem Militär entdeckt geschehen weitere Morde.
Doch die Ermittlungsergebnisse Reitmeyers sind in Zeiten einer politisch-militärischen Krise zu brisant. Ermittlungen gegen das allmächtige Militär verbietet der Polizeipräsident. Doch Reitmeyer forscht weiter nach und gerät so selbst ins Visier der Täter...

Man merkt schon, dass Autorin Angelika Felenda vor ihrem ersten Krimi Romane u.a. von Mo Hayer übersetzt hat. Ihr Held Reitmeyer erinnert in vielen Dingen an die Helden skandinavischer Krimis. Ein kleiner Polizist, privat eher unbeholfen und in persönliche Probleme verstrickt, ermittelt getrieben von Pflichtbewusstsein und Gerechtigkeitssinn trotz aller Widerstände bis zum bitteren Ende. Doch Reitmeyer ist keine bloße Wallander-Kopie, sondern ein ganz eigener Charakter.
Überhaupt sind die Charakterzeichnungen der handelnden Personen eine Stärke der Autorin: Von Reitmeyer und seinem Team bis hin zu seiner heimlichen Geliebten Caroline und seiner sich immer in sein Leben einmischenden Tante sind das alles lebendige Figuren, mit denen man beim Lesen des Buches mitlebt. Nach dem Schluss fragt man sich unwillkürlich, wie es jetzt mit diesen Menschen weiter gehen wird.

Auch der Aufbau des Romans überzeugt. Parallel laufen verschiedene Erzählstränge. Während Reitmeyers Ermittlungen den Hauptstrang bilden, werden durch andere Quellen wie einem Offzierstagebuch oder Zeitungsmeldungen Parallelhandlungen vorangetrieben. Leider wird dem kundigen Krimileser bereits im letzten Drittel des Buches klar, wohin die Lösung gehen wird, was der bis dahin hohen Spannung etwas Abbruch tut.
Doch "Der eiserne Sommer" ist neben einem Kriminalroman vor allem das Portrait einer verlogenen Gesellschaft mit Doppelmoral. Hinter den Kulissen von Ehre, Sitte und Anstand und dem miltaristischen Offiziersmythos tut sich schnell ein Abgrund auf.
Hier liegt die große Stärke des Buches, da es ein sehr treffendes Portrait der Gesellschaft und des verlogenen Mitärkultes der damaligen Zeit zeigt. Und dass die Autorin ausgerechnet München als Schauplatz geählt hat ist genial, denn hier ist der Gegensatz zwischen vordergründiger menschelnder Gemütlichkeit, Vetternwirtschaft und kaltblütigen Handeln aus Machtgier besonders deutlich.

Ich freue mich schon auf Reitmeyers nächsten Fall.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeitgeschehen 1914, 26. Dezember 2014
Ein historischer Kriminalroman, der uns nach München in das Jahr 1914 zum Vorabend des 1. Weltkriegs führt.

Zum Inhalt.
Eine Mordserie an jungen Männern trifft München die Hauptstadt des Königreichs Bayern.
Kommissär Sebastian Reitmeyer ein verantwortungsvoller Kriminalist mit eigenem Kopf ermittelt in ­dieser Sache. Er ist ein Mann aus eher bescheidenen Verhältnissen, doch durch seine Schule und Ausbildung hat er auch Zugang und Freunde aus höheren Gesellschaftsschichten.
Diesen Freunden fällt in der Kriminalhandlung eine mehr oder weniger große Rolle zu.

Meine Meinung.
Die Autorin versteht es die Umstände und den Zeitgeist vor dem 1. Weltkrieg hervorragend zu beschreiben.
­Möchte hier ­einige Beispiele nennen, die mir ins Auge gefallen sind.
Ein ausgeprägtes Obrigkeitsdenken und Standesdünkel.
Unterschwelliger bis offener Antisemitismus.
Reibungen zwischen Militär und Polizei.
Einblicke in die Kunst- und Künstlerszene.
Politische Ausrichtungen, Parteien, Gewerkschaften, Streiks und Arbeitsbedingungen.
Deckelung und Verschleierungen von bestimmten Straftaten durch die Obrigkeit.
Eine florierende Homosexuellenszene mit ihren Spielarten.
Straftaten über Erpressung bis hin zu gezielten Morden.

Auch wird dem Volk genau aufs Maul geschaut, sehr interessant die Vorgänge nach dem Attentat auf das österreichische Thronfolgerpaar und kurz vor der Mobilmachung, welche schon fast in Hysterie ausarteten.

Fazit.
Für mich hätte der Kriminalfall etwas gestraffter behandelt werden können, doch die soziale Komponente der Zeit war glänzend beschrieben.

Der nächste Fall von Reitmeyer ist schon vorgemerkt!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen atmosphärisch, spannend und tolle Historie, 31. August 2014
Von 
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(TOP 500 REZENSENT)   
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"Der eiserne Sommer " ist eines dieser Bücher, die passend zu 100 jährigen Bestehen des 1. Weltkriegs auf den Markt kommen und die Atmosphäre der damaligen Zeit zu Beginn des Krieges gut widerspiegelt.

Das Buch beginnt in München in den ersten Tagen des Krieges, der durch das Attentat eines Serben auf den österreich-ungarischen Thronfolger in Sarajevo ausgelöst wurde. In München wird ein Toter an der Ludwigsbrücke gefunden und führt Kommissar Reitmeyer nicht nur in ein brisantes Milieu, sondern sorgt auch dafür, dass seine Ermittlungen von mehreren Seiten torpediert werden. Der Tote ist ein Offizier aus dem Homosexuellenmilieu und dies nicht nur unter Strafe, sondern die Polizei darf auch nicht gegen das Militär ermittelt, abgesehen davon, dass es Homosexuelle beim Militär natürlich nicht geben darf. Nicht nur sein Chef verbietet ihm die Wahrheit herauszubekommen, sondern auch eine Seite, mit der er eigentlich nicht gerechnet hat, nämlich seine Freundin. So wird er immer wieder auf falsche Fährten geführt und der Fall gestaltet sich mehr als schwierig.

Das Buch ist einfach toll. Die Zeit, in der diese Geschichte spielt, ist geschichtlich sehr interessant und der Handlungsort München ,wird einem als Leser sehr gut nahe gebracht, auch dadurch , dass immer wieder Passagen bayrischer Mundart eingebracht werden. Spannend, informativ und sehr atmosphärisch gelingt es der Autorin Angela Felenda den Leser in den Sog dieses Buches zu ziehen, das für mich leider viel zu schnell zu Ende war
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