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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend und desillusionierend - ein monumentales Epos über eine amerikanische Familie
Philipp Meyer umspannt 170 Jahre der amerikanischen Familie der McCulloghs und führt den geneigten Leser in ein realistisches Gemälde der Besiedelung des Westens und des Lebens in Texas... Im 19. Jahrhundert erlebt der junge Eli, geboren am gleichen Tag wie der Bundesstaat Texas, sein "erster Sohn", wie seine Familie von Indianern brutal ermordet und er selbst...
Vor 10 Monaten von ArrowPen veröffentlicht

versus
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Na ja...
Aufgrund der praktisch durchweg positiven Kritiken habe ich mir das Buch zugelegt. Leider kann ich diesen so nicht ganz zustimmen.
Es gibt zwar durchaus interessante Passagen, hier vor allem der Part von Eli mit der Beschreibung seines Lebens bei den Indianern, die Story der beiden anderen Hauptcharaktere hinkt da dann doch etwas hinterher, sie kann nicht wirklich...
Vor 6 Monaten von achatschnorchler veröffentlicht


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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend und desillusionierend - ein monumentales Epos über eine amerikanische Familie, 4. Juni 2014
Von 
ArrowPen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Philipp Meyer umspannt 170 Jahre der amerikanischen Familie der McCulloghs und führt den geneigten Leser in ein realistisches Gemälde der Besiedelung des Westens und des Lebens in Texas... Im 19. Jahrhundert erlebt der junge Eli, geboren am gleichen Tag wie der Bundesstaat Texas, sein "erster Sohn", wie seine Familie von Indianern brutal ermordet und er selbst verschleppt wird. In der Folge lernt er die Gebräuche der Indianer und wird zu einem respektierten Mitglied des Stammes. Als er zurückkehrt in die "weiße" Gemeinschaft, findet er sich nur schwer zurecht... und begründet dennoch gewissermaßen eine Familiendynastie, von der Meyer aus wechselnden Perspektiven verschiedener Generationen erzählt.

Der Autor hat hier ein gewaltiges Epos erschaffen, das den geneigten Leser von der ersten Zeile an in den Bann schlägt, so hypnotisch, so grausam, so realistisch sind seine Schilderungen. Obschon er einschneidende Momente der US-amerikanischen Geschichte beschreibt, lernen wir faszinierende Charaktere kennen, die insgesamt aus Fleisch und Blut scheinen und absolut glaubwürdig sind.

Philipp Meyer schenkt dem geneigten Leser mit diesem unglaublichen Roman eine bewegende, erschütternde und facettenreiche Geschichte, wie sie nur selten zu lesen ist, und er streift eine Vielzahl zutiefst menschlicher Themen wie Gier, Opferbereitschaft, Rücksichtslosigkeit oder Ehre. Und ist dabei niemals klischeehaft. Seine Beschreibungen sind niemals weichgespült oder politisch korrekt, vielmehr nennt er die Dinge beim Namen, zeigt vielschichtige Beweggründe sehr unterschiedlicher und sich doch in Vielem sehr ähnlicher Menschen. Ein großartiges Buch in hervorragender Übersetzung.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beeindruckender Roman, 18. August 2014
Von 
Heike M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Ein großes Epos über die Besiedlung von Texas, so packend erzählt wie von Karl May, aber frei von falscher Romantik.", so Wolfgang Herles in seiner Literatursendung "Das Blaue Sofa" am 30. Mai 2014 im ZDF.

Eigentlich könnte ich es mir leicht machen und sagen, der Beurteilung von Herrn Herles schließe ich mich 100prozentig an. Philipp Meyer ist aber mit „Der erste Sohn“ ein wirklich beeindruckender Roman gelungen. Die Familiengeschichte der McCulloughs wird über einen Zeitraum von guten 150 Jahren, eng verwoben mit der texanischen Geschichte, erzählt. Dazu nutzt er drei verschiedene Zeitebenen. Die am weitesten zurückliegende lebt durch Eli McCullough. Als Junge wird er von Indianern entführt. Er durchlebt schreckliche Situationen, wird aber von den Comanchen auch stark geprägt. Sodass aus Eli der Gründer einer Dynastie wird, die zu Reichtum und Macht kommt. Peter, Elis Sohn und in dessen Augen ein Schwächling, steht im Mittelpunkt der zweiten Zeitebene. In diesem Part geht es um die Auseinandersetzungen mit den Mexikanern. Und schließlich taucht der Leser in das Leben von Elis Enkelin Jeanne Anne McCullough ein. Sie ist eine starke, geschäftstüchtige Frau, die erkennt, die Zukunft der Familie und damit eng verbunden die von Texas liegt nicht in der Rinderzucht sondern in der Förderung von Öl. Eines zeigen aber alle drei, ihr Leben ist ein Kampf, dem sie sich auf ganz individuelle Art stellen.

Philipp Meyer hat eine wirklich großartige Familiensaga geschrieben. Seine Charaktere sind vielschichtig, ausgefeilt und nicht in schablonenhaft. Sie entsteigen gefühlt dem wahren Leben, haben gute und schlechte Eigenschaften und nicht alle ihre Entscheidungen sind vom Leser in Gänze nachvollziehbar. Aber auch mit den historischen Ausführen langweilt Meyer seine Leser nicht, sie sind interessant und haben immer einen Bezug zur Familie McCullough.

“Der erste Sohn“ hat mich von der ersten Seiten angesprochen und gefesselt. Es hat alles, was ich von einem guten Roman erhoffe, einen interessanten Plot, eine gute Charakterisierung der Personen und eine lebendige Sprache. Es ist einer jener Romane, die man aufgrund ihrer Vielfältigkeit, gern auch einem Re-read unterziehen kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großartige Orchestrierung amerikanischer Geschichte, 16. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Als ich durch eine Buchvorstellung auf den zweiten Roman von Philipp Meyer "The Son" aufmerksam gemacht wurde, musste ich sofort an Cormac McCarthy`s "Blood Meridian" denken (wie viele andere auch). Und in der Tat gibt es Parallelen, wobei jedoch "Blood Meridian" amerikanische Geschichte im Querschnitt durch die Zeit um die Mitte des 19ten Jahrhunderts erzählt. "The Son" hingegen hat seinen Anfang in dieser Zeit und gibt einen Längsschnitt durch amerikanische Geschichte bis ins Jahr 2012.

Erzählt wird die Geschichte der Gründung und des Aufstiegs der Dynastie der McCulloughs von Viehzüchtern zu Ölbaronen, mit all den Irrungen und Wirrungen der Geschichte, sowie persönlicher Schuld, familiärer Spannungen und Verwerfungen, Intrigen, Gier, Gewalt, Liebe, Tod, Schicksal, Verstrickung und all das eingebettet in 150 Jahre US-amerikanischer (texanischer) Geschichte. Meyer erzählt die Geschichte dabei aus der Perspektive der einzelnen wichtigsten Familienmitglieder, wobei er jedoch nicht chronologisch vorgeht, sondern Zeitsprünge vornimmt, die uns gleichsam die Zukunft schon vorausahnen lassen.

Mit der Geschichte der McCulloughs transportiert Meyer jedoch sehr viel mehr als nur teils phänomenale und beeindruckende Episoden aus dem Leben der Familienmitglieder, er erzählt exemplarisch die Gründungsgeschichte der USA, ohne jeden Pathos und Patriotismus, sondern so, wie es wohl war (und auch in "Blood Meridian" grandios geschildert ist): eine einzige blutige Abfolge von Brutalität, Mord, Habgier, Diebstahl im großen Stil, Lüge und Betrug, die keinen unschuldig lässt, im Gegenteil: alle sind Opfer und Täter gleichermaßen, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten. Auf den letzten Seiten ist dies auf die griffige Formel gebracht: "He was no better. His people had stolen the land from the Indians (...) And the Indians (...) had themselves stolen it from other Indians."

Die Familiengeschichte beginnt mit dem Begründer der Dynastie - Colonel Eli McCullough - im Jahr 1848 und endet im Jahr 2012, und erzählt von den ganz frühen Tagen der USA, mit teilweise atemberaubenden Geschichten aus der Zeit der Komantschen, den Rinderzüchtern bis zu den Ölmagnaten von heute. Die Episoden aus Elis Zeit bei den Komantschen zählen m.E. zu den absoluten Höhepunkten des Romans.

Durchwegs grandiose Naturbeschreibungen und -erlebnisse "...there were deer, turkey, bear, squirrel, the occasional buffalo, turtles and fish from the river, ducks, plums and mustang grapes, bee trees and persimmons - the country was rich with life the way it is rotten with people today. The only problem was keeping your scalp attached.", gepaart mit authentisch erscheinenden (und grausamen) Schilderungen des indianischen Lebens zu der Zeit... "In the morning, just after breakfast, they cut off his hands and feet because the nerves were all dead, and when the screaming began to abate, they moved the fire under the stumps where the nerves were still fresh. (...) Toshaway told me this had once been a regular event, but over the years, as they began to raid farther and farther away from the camp, the risk of bringing back a full-grown male prisoner just to torture had not been worth it."

Ebenso beeindruckend ist die Geschichte des Sohns Peter, der als erster beginnt Rechnungen bezahlen zu müssen und (Familien-) Geschichte zu begreifen... "This family must not be allowed to continue" und am Erbe des Vaters verzweifelt "... each of us walks in his own fire of his own sins, lies down in his own torment...".

Die Geschichte verliert etwas an der fesselnden Spannung der frühen Episoden, je mehr wir uns ins Amerika von heute bewegen, dennoch ein durch und durch lesenswerter und erstklassig erzählter Roman von - wie es scheint - einem neuen Erzähler von Weltrang aus den USA. Und mit 4,5 Sternen hat Philipp Meyer mit "The Son" fast die volle Punktzahl erreicht.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Generationenroman über die Härte der Besiedlung im Süden der USA, mitte des 19.Jhds......, 22. Juli 2014
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wirklich, ich hatte mit mir gerungen, ob ich mich auf diesen Wälzer einlassen wollte. Liest man hier die Lesermeinungen quer, wird eigentlich deutlich, wie viel dieser Roman vom Leser zu fordern scheint. Wer sich auf diesen Roman einlässt, sollte sich vorher wirklich überlegen, auf was er sich einlässt. Wir lesen hier im Grunde einen Roman in der Gründungszeit, des Bundesstaates Texas. Und wer meint, schon genug über die damalige Besiedlungszeit zu wissen, nur weil er viel Cowboy-Filme gesehen hat, könnte hier ev. ernüchtert werden. Zumindest mir wurde bewusst, wie sehr ich durch frühere Cowboy-Serien im Grunde in meiner Auffassung, Meinung und Bildung über die Gründungszeit, gerade im Westen der USA beeinflusst und vielleicht auch einseitig informiert bin. Das ist keine gemütliche Country-Romanze hier. Wenn ich Kommentare lese wie: "schlichtweg nicht schön zu lesen!" frage ich mich, was denn aus so einer Zeit erwartet wird. Hier wurden Menschen abgeschlachtet, beraubt, entführt. Indianerstämme wurden ausgelöscht! Hier wurde um Existenzen gekämpft, hier ging es ums Überleben, ging es um Untergang, um den Willen der eigenen Daseins-Berechtigung. Doch wissen wir das nicht alles schon vorher, bevor über solch ein Buch urteilen? Im Folgenden möchte ich auf Stärken und Schwächen eingehen, denn dieser Roman hat wirklich beides. Und wenn Schriftsteller etwas von ihren Lesern abverlangen, riskieren sie immer, dass sie entweder nicht verstanden werden, oder Leser frühzeitig das Handtuch werfen. Eines ist klar: Phillip Meyer will hier eine Geschichte über den südlichen Westen schreiben, auf 3 Generationen verteilt, schön im Wechsel, auch im Wechsel der Perspektiven, und er will so real es eben für ihn möglich war, so diese Geschichte erzählen, mit aller Nüchternheit, Brutalität und egoistischer Skrupellosigkeit, die man durchaus für die damalige Zeit annehmen darf. Wer also eine gemütliche Cowboy-Indianer-Besiedlungsstory erwartet, dürfte hier ernüchtert werden..

Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, oder besser die Strukturierung dieser Geschichte. Schwerpunktmässig wird aus 3 verschiedenen Perspektiven erzählt. Eli (1849), Peter (1915) , Jeanni (1942). Das bedeutet auch, dass aus drei verschiedenen Zeitepochen erzählt wird. Der Leser wird jede Person über mehrere Jahre begleiten und an Leben, Lebensverlauf und Lebenstragig / Glück soweit vorhanden teilhaben. Peter ist der Sohn von Eli. Jeanni (JeanneAnne) die Enkelin von Peter. Eli erleben wir über gut 30 Jahre lang. (1849-1881) Geboren ist er 1836, hier erleben wir den Teenager, der erlebt, wie seine Familie von den Indianern (Comanchen) ermordet wird. Eli (Tiehteti) wird über drei Jahre bei den Indianern leben und von ihnen lernen. Er erlebt die Werte, Bräuche, die Jagt usw. des Indianer-Lebens. Der Leser bekommt dabei einen nicht unwesentlichen Einblick, in das damalige Indianer-Leben, das mir kein Cowboy-Western, bis dato vermitteln konnte. (Der mit dem Wolf tanzt, trägt Züge davon) Der Leser kann die Innenwelt der Indianer miterleben und nachvollziehen. Aus meiner Sicht klasse gemacht und wirklich interessant zu lesen. Der Autor muss eine Menge an Wissen sich angeeignet haben, sonst hätte er nicht so detailliert darüber schreiben können. Der bittere Tropfen dabei ist jedoch, das Meyer eben auch die ganze Tragik und Brutalität beschreibt, die damals herrschte und dem Leser in voller Wucht zumutet. (Nichts für zartbesaitete Seelen) Darüber hinaus, will Meyer erzählen, wie es für Eli gewesen sein muss, als er nach 3 Jahren wieder zurückkehrt. Denn die Gruppe seines Stammes ist am Ende, wurde von einer Pocken-Epidemie dahingerafft und sieht sich der eigenen Auslöschung konfrontiert...Der damalige Bürgerkrieg spielt dabei eine nicht unbeachtliche Rolle...

Mit Peter (geb. 1870) werden uns vor allem mit seinen Tagebuchaufzeichnungen zwischen 1915-1917 Einblicke in die damalige Skrupellosigkeit, im Existenzaufbau geschildert. Landkäufe, Indianerkämpfe, Ölbohrrechte, Vieh und Pferdeklau das Niederbrennen von Nachbarhöfen, das Bestrafen von Leuten die Vieh klauen, wird durch Selbstjustiz mit aller Härte durchgesetzt, gerade die Familie Garcia wird regelrecht abgeschlachtet, die Farm niedergebrannt. Übertäter werden hingerichtet, selbst wenn sie sich loyal zeigen, der eigene Machtanspruch, die Gier nach Land, nach Geld und letztendlich Wohlstand findet hier keine Grenzen. Das ständige maximieren von Rinderherden, sowie die unfreiwillige Dezimierung sind ständiges Thema in diesem Roman. Auch die Indianer klauen, stehlen, morden und brennen nieder...löschen ganze Familien samt Kinder und Frauen aus. Mexikaner sind die Feinde des McCullough-Clans, auf beiden Seiten sind Verluste zu verzeichnen, wobei der Clan immer besser wegzukommen scheint. Hier wird wirklich der Wandel von Rinderzucht hin zum Gewinn von Ölquellen geschildert, auch deren Auswirkungen und Konsequenzen. Andere scheinen immer mehr zu verlieren, die McCulloughs scheinen immer reicher zu werden. Die Tatsache, dass er die Tochter des Erzfeindes seiner Vaters, Petro Garcia liebt, ein grasser Einschub, zwingt Peter, sein eigenes Leben nicht mehr länger fremdbestimmt durch seinen Vater zu leben...

Und Jeanni? (geb. 1926) Sie wird dadurch, dass sie erbt und mehr oder weniger alleine dasteht, auf ihre Art auch überfordert. Sie übernimmt mittlerweile ein millionenschweres Unternehmen und muss sich eingestehen, von Ölquellen und Rinderherden eigentlich keine Ahnung zu haben. Sie wird zwar zwei Ehemänner finden, doch auch irgendwann wieder begraben, eine alternde Frau, die einsam und etwas bitter geworden ist. Auch ihre Geschichte beginnt im Grunde während ihrer Teenyzeit, während sich in Europa der Weltkrieg anbahnt. Auch sie wurde hart, durch die damalige Zeit, Lichtblicke gibt es nur begrenzt in ihrem Leben. Letztendlich eine einsame Witwe, die noch ihre Kinder hat, und den ganzen Geldgier-Wahn in Frage stellt. Obwohl sie mit Geld gesegnet ist, ist ihr Leben emotional arm. Auch ihr Leben nimmt einen tragischen Verlauf, als sie vom Urenkel von Peter McCullough aufgesucht wird. Er will einen Teil seiner Familiengeschichte mit einem Historiker aufdecken und ahnt Schlimmes....

Hier wird immer im gleichen Rhythmus erzählt: Eli, Peter, Jeanni. Warum der Autor manchmal Zeitangaben macht, und manchmal nicht, lässt sich für mich nicht schlüssig erklären. Dem Wechsel von Perspektiven und den damit verbunden Personen, hätte das vermutlich gut getan. So wird man zumindest anfangs, öfter mal in den am Anfang abgebildeten Stammbaum blicken, um nicht die Orientierung zu verlieren, mit Sicherheit eine der Schwächen diesen Romans. Denn dadurch muss man sich als Leser mehr anstrengen und öfters orientieren, um noch den Faden in Händen zu behalten. Aus meiner Sicht hätte hier das Lektorat deutliche Zeichen setzen müssen. Über die geschilderte Brutalität kann man sicher verschiedener Meinung sein. (Die damalige Zeit war doch brutal!) Abgesehen davon, hat hier Meyer einen gewaltigen Wurf abgeliefert, den ich nur bewundern kann. Man kann hier wirklich in eine andere Welt abtauchen, auch wenn sich keine konkrete Figur findet, mit der man sich identifizieren könnte, am ehesten wohl noch mit Eli. Die Kapitel mit ihm hatten mich am meisten angesprochen, und einen wirklichen Einblick in das Leben von Indianern gegeben, was ich für äusserst literarisch wertvoll halte. Aber klar, ist das keine hohe Literatur.

Aber die Schilderung von Menschenschicksalen so zu beschreiben, dass einen die Menschen, trotz all ihrer Tragik oder Brutalität, noch im Nachhinein beschäftigen, deutet zumindest für mich darauf hin, es hier mit einem ganz grossen Autor zu tun zu haben. Wir lesen hier bewegenden Lebensgeschichten und Lebensschicksale. Meyer hat keinen grossen Spannungsbogen hier, oder einen Höhepunkt, auf den das Buch zusteuern würde. Aber die Art wie er es erzählt wird, finde ich einfach fantastisch, immer mit einem feinen Zug von Melancholie ohne dabei schwer zu werden. Klar, wir erfahren etwas über die damalige Brutalität der damaligen Zeit. Gefühle gibt es hier wenig. Emotional gesehen, wird hier gespart. Die Menschen hier, speziell die Indianer sehen sich der Ausrottung gegenüber. Die anfänglichen Grundbesitzer, sehen sich mit den Jahren, Massen von Menschen ausgesetzt, derer sie gar nicht gewöhnt sind. Zumindest nach dieser Lektüre habe ich ein wenig mehr das Gefühl, ein wenig mehr nachempfinden zu können, wie die Menschen damals gelebt und gehandelt haben. Das gilt sowohl für die Weissen wie für die indianischen Stämme, die darin vorkommen. Wer die Zumutung aushält und sich hier durchbeisst, hat die Möglichkeit einen wirklich großen Roman lesen zu dürfen, nur dass nicht jeder dafür gemacht ist, ist auch klar. Für mich ist Phillip Meyer eine Bereicherung am literarischen Himmel, dessen Leseerfahrung ich trotz aller schmerzhafter Momente, die darin vorkommen, ich nicht missen möchte, weil ich sie als bereichernd empfand und nicht nur das, es hat mich auch nachdenklich gemacht, zu was Menschen, Grundstücksbesitzer, Spekulanten, Farmer, Siedler, Indianer, Viehzüchter, Pferdezüchter, Soldaten, Männer, Frauen fähig sind...Dem Autor kann man zu diesem wirklich großen Wurf nur gratulieren!
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konsequente Entmystifizierung, 13. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das ist die Geschichte über die Erschaffung von Texas.
1836 wird dieses Gebilde ein Staat der USA und in diesem Jahr wird Eli McCullough geboren, einer der Protagonisten in diesem Roman. Er wird der Gründungsvater der McCullough-Dynastie sein. Elis Lebensweg in jungen Jahren bildet einen von drei Erzählsträngen. Die anderen beiden Stränge handeln zum einen von Peter, dem Sohn des Colonels und zum anderen von Jeannie Anne.
Bevor Eli seine Dynastie gründen kann, muss sehr viel schreckliches passieren: mit ihm und dem jungen Bundesstaat.

Fast unglaublich, wie sich dieser Eli durchschlägt. Von Indianern entführt, lebt er mehrere Jahe in einem Comantschenstamm, sozusagen als Pflegekind und Sklave bei einem starken Krieger. Er lernt dort zu überleben. Er lernt das Kämpfen, lernt Skrupellosigkeit aber auch die Liebe kennen.Dieser umherziehende Stamm ist seine Heimat, bis eine Pockenepidemie den Niedergang einleitet. Eli kommt zurück zu den Weißen, muss sich anpassen und tut dies, ohne sein kämpferisches Wesen aufzugeben.. Man steckt ihn schließlich zu den Texas-Rangern, einem halbstaatlichen Killerverein. Später wird er dank seiner Durchsetzungsfähigkeit, seiner Härte und seines gewaltsamen Vorgehens ein König der Viehzüchter und noch später Öl-Baron.

Sein Sohn Peter ist aus anderem Holz geschnitzt. Er ist ein belesener Mann mit tiefsinnigen Gedanken, die ihm oft im Weg stehen. Erst seine Liebe zu Maria, der einzigen Überlebenden der mexikanischen Familie Garcia, die auf Befehl seines Vaters massakriert worden war, entfremdet ihn nachhaltig von seinem Vater.Er setzt sich gegen den Alten durch und lebt eine glückliche Beziehung.

Jeanne Ann als Protagonistin des dritten Strangs lebt als alte Frau in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts. sie hat sich nach anfänglicher innerer Unsicherheit zu einer Verteidigerin des Reichtums ihrer Familie entwickelt. Doch sie ist sehr irritiert, weil sie bald sterben wird und damit dieses schöne Fleckchen Erde mit den weiten plains und dem Ölvorkommen verlassen muss.zum Schluss wird es dann noch einmal Ernst für sie, als ein bisher nicht bekannter Urenkel in ihr Leben tritt.

Dieser Roman ist ein gewaltiges Epos. So spannungsreich und detailliert die Darstellung der Personen, der Landschaften, der blutigen Machtkämpfe, dass der Leser oft die Luft anhält.
Edle Indianer? Ja auch, aber meist blutrünstige Skalpjäger und Pferdediebe.
Nette Rinderzüchter? Ja auch, aber meist brutale Schinder, Diebe,eigensinnig, gewalttätig und absolut skrupellos.

Wir haben es hier mit einem Western zu tun, der eine andere Sicht auf den "Wilden Westen" eröffnet.
Eine konsequente Entmystifizierung, wenn man so will auch der USA als demokratischem,friedliebendem Staatsgebilde.
Ohne Schuld ist in diesem Roman niemand; jede/r Einzelne hat mehr oder weniger Blut an seinen Händen.
Eli fasst es so zusammen:" Man konnte andere abschlachten und plündern,aber solange man es für Menschen machte, die man liebte, war es immer in Ordnung."

Phillip Meyer hat über fünf Jahre an diesem großartigen Werk gearbeitet. Besonders intensiv hat er den Alltag der Indianer recherchiert und einige ihrer Fertigkeiten erlernt (nicht das Skalpieren)
Meyer ist zu beglückwünschen für diesen mehr als gelungenen Roman. Und wer dieses Werk liest, taucht komplett in eine andere Welt ein.
Eine Welt voller Blut, Schweiß Tränen und Tragödien.
Man schätzt sich glücklich, in dieser Welt nicht um sein Leben kämpfen zu müssen.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amerikanisches Epos, 6. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hat Philipp Meyer in seinem Debüt „Rost“ den Niedergang der amerikanischen Gesellschaft, die Zerstörung des „amerikanischen Traums“ zum Mittelpunkt seiner bildkräftigen Schilderung gesetzt, so zäumt Meyer in „Der erste Sohn“ nun das Pferd von hinten auf, geht an den Anfang zurück, an die „Geburt des amerikanischen Traums“. Wie sie wirklich war.

Hart, mit aufgekrempelten Ärmeln und einer gehörigen Portion Rücksichtslosigkeit steht der Clan der McCulloughs Mitte der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts im neugegründeten Texas angesichts der „neuen Welt“ und der Chance, sein Glück zu machen. Wobei, was sich nach Siedler-Romantik anhört, besser als „sein Glück zu zwingen“ formuliert werden sollte.

Eli Mccullough ist „der erste Sohn des neuen Staates Texas“ und er erzählt im Buch zunächst seine Erinnerungen, die von einer ganz besonderen Prägung künden.

Denn Meyer hat nicht im Sinn, edle Indianer und schweigsame, aber gerechte Cowboys neben gottesfürchtigen und hart arbeitenden Siedlern als Hauptrollen zu besetzten (wenn solche auch durchaus hier und da im Buch erscheinen, nicht selten als Opfer).

Die Realität, das schmutzige, dreckige, auch grausame Erleben schildert Meyer in seiner bildkräftigen, klaren Sprache mit Augen, die nicht wegsehen und nicht ausblenden, wenn es massiv wird. Im „Wilden Westen“.

Land, Öl, Reichtum, Macht, Einfluss, sich nehmen, was man begehrt. Mit jedem Mittel, das zur Hand ist. Damit stehen die McCoulloughs bei weitem nicht alleine da.

Sehr differenziert, sehr die Personen auslotend geht Meyer dabei vor. Es geht ihm nicht um schnelle Colts, Helden, ehrbare Staatengründer, „edle Wilde“ oder Intrigen, Gewalt und Rücksichtslosigkeit in erster Linie, es geht ihm um die Realität von Menschen in einer nicht einfachen, vielschichtigen und sehr fordernden Situation. Die Härte mit sich bringen und Brüche nach sich ziehen.

Männer, Frauen, Söhne, Töchter, deren Kern, das dringt aus dem Hintergrund der Abläufe mehr als einmal in den Vordergrund der Lektüre, das „Schaffen und Bewahren“ ist. Vor allem für sich selbst.
Die Aneignung eines eigenen Lebens und die Sicherung und Weitergabe dieses hart erkämpften Standes im Leben an die eigene Familie. Der Aufbau einer Dynastie, das Denken, das die Familie der Kern des Lebens ist, man sich als Familie nur untereinander nahe steht, „da draußen“ Gegner nur auf Fehler und Schwächen lauern und all das um jeden Preis verteidigt werden muss.

Aus Erfahrung heraus, nicht aus Fantasien oder Bösartigkeit heraus gespeist. Zumindest, was Eli Mccullough angeht.

Ob gegen Indianer (die mit massiver Grausamkeit und brachialer Härte nichts anderes als Blut hinterlassen und nur durch militärische Gewalt Schritt für Schritt zurückgeschlagen werden können) oder gegen Konkurrenten, das bleibt sich am Ende fast gleich.

Wobei Meyer auch diese indianische Welt aus der „Innensicht“ heraus durchaus differenziert, aber ohne jede Folklore, darstellt. Über das gefangene Kind, das in einem Stamm heranwächst und später die dort erworbene „Lebenshaltung“ mit aller Härte weiter lebt.

Und das später diese innere Prägung mit in seine Familie hineingibt.

Wobei scheinbar nicht jedes der Kinder die gleiche Härte mit auf den Weg bekommen hat. Auch die Brüche dieses Lebens, die Ausgrenzung, Abwertung, die auftritt, wenn einer „aus der Reihe tanzt“ sind Teil dieser hervorragend erzählten epischen Familiengeschichte.

Bis hin zum eigentlich Scheitern dieses „anders Seins“, denn da fehlt dann wieder die nötige Rücksichtslosigkeit, wirklich etwas zu ändern, statt sich nur zu beklagen.

Eine Geschichte Amerikas in der Neuzeit, ein Blick auf die innere Haltung Darwinscher Auslese, ungeschminkt und ohne romantische Verklärung, wortgewaltig und fesselnd.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gier, Gewalt und Skrupellosigkeit, 2. Dezember 2014
Von 
Hamlet - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der amerikanische Autor Philipp Meyer wird mit seinem Monumentalepos „Der erste Sohn“ einmal mehr seinem Ruf als Chronist Amerikas gerecht. Dieser haftet ihm seit seinem ersten Roman „Rost“ an, in dem er den Niedergang des „Rust Belt“, dieser ältesten Industrieregion im Nordosten der USA beschreibt.

In „Der erste Sohn“ steht die Familie McCullough im Zentrum des Geschehens, und exemplarisch an drei Vertretern aus unterschiedlichen Generationen betrachtet Meyer mehr als 150 Jahre amerikanische Geschichte mit Schwerpunkt auf der Besiedlung des „Wilden Westens“.

Drei Hauptfiguren und drei Handlungsstränge in verschiedenen Zeitebenen, die teilweise parallel erzählt werden, bieten eine differenzierte Sicht auf die Ereignisse, die im Frühjahr 1836 ihren Anfang nehmen: Genau an dem Tag, auf den die Gründung des Staates Texas fällt, wird dem Ehepaar McCullough der erste Sohn Eli geboren. Er wird der Stammvater der McCullough-Dynastie werden. Mit dreizehn Jahren verliert er seine Familie bei einem Überfall der Comanchen, die den überlebenden Halbwüchsigen verschleppen. Er passt sich an, wächst bei dem Stamm auf und eignet sich die Fertigkeiten an, die er zum Überleben braucht.

Nachdem Eli als einer der wenigen seines „Stammes“ eine Pockenepidemie überlebt, verlässt er die Indianer und geht zurück zu den Weißen. Seine Fähigkeiten und die Skrupellosigkeit, die er sich in der Zwischenzeit angeeignet hat, setzt er gezielt zu seinem Vorteil ein, und so ist es nicht verwunderlich, dass er in kürzester Zeit vom Viehbaron zum Ölmilliardär aufsteigt.

Ganz anders sein Sohn Peter, schwach, ein Schöngeist, der weder in diese Zeit noch in dieses Business passt. Seine Liebe stellt er über die Forderungen seiner Herkunftsfamilie und macht auch gegen den Widerstand seines Vaters unbeirrt seinen Weg.

Die Stärke und Gier Elis bricht erst wieder bei seiner Urenkelin Jeanne Anne durch, die sich von einer unsicheren jungen Frau zu einer Patriarchin entwickelt, die das Familienerbe verteidigt und zusammenhält, selbst um den Preis des persönlichen Glücks.

„Der erste Sohn“ ist eine Mischung aus Historie, Western und Country Noir – mit Protagonisten, die in jeder Tragödie ihren Platz finden würden, denn jeder ist sowohl Täter als auch Opfer. Gier, Gewalt und Skrupellosigkeit scheinen selbstverständliche Instrumente zu sein, um ans Ziel zu gelangen, und Moral ist hier absolut fehl am Platz.
Philipp Meyer entzaubert den Wilden Westen und wagt höchst beeindruckend einen anderen, einen schonungslosen Blick auf den Gründermythos Amerikas.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Na ja..., 12. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Kindle Edition)
Aufgrund der praktisch durchweg positiven Kritiken habe ich mir das Buch zugelegt. Leider kann ich diesen so nicht ganz zustimmen.
Es gibt zwar durchaus interessante Passagen, hier vor allem der Part von Eli mit der Beschreibung seines Lebens bei den Indianern, die Story der beiden anderen Hauptcharaktere hinkt da dann doch etwas hinterher, sie kann nicht wirklich fesseln. Erschwert wird das Lesen durch unglückliche Satzbauten, die aber natürlich auch an der Übersetzung liegen können.
Unter einem "Epos", wie das Buch gerne bezeichnet wird, stelle ich mir aber auf jeden Fall etwas anderes vor.
Schade, des Thema hörte sich wirklich spannend an und hätte Potential für mehr gehabt.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was hinter dem amerikanischen Traum steckt..., 11. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich fand das Buch grandios, brutal, verstörend, erhellend und den Leser fordernd zugleich.
Meyer zeigt auf, was es mit dem amerikanischen Traum auf sich hat. Das Buch zeigt nämlich auch den Aufstieg einer amerikanischen Familie aus dem Nichts zu Multimillionären mit politischem Einfluß. Es beschreibt metaphorisch das der Zenit der amerikanischen Weltmacht überschritten ist und es zeigt auf, dass das das Land den Weg beschreiten wird, den bislang alle Mächte genommen haben...
Zugleich beschreibt es das Leben als immerwährenden Kampf, der brutal und rücksichtslos ausgetragen wird. Eine Sicht, die Leser in Europa sicherlich so nicht teilen können und wollen. Hält man aber kurz inne, und fragt sich, ob ein solches Werk auch von einem deutschen, französischen oder britischen Autor hätte geschrieben werden können, erkennt man, dass die Antwort "ja" lautet. Nur wäre die Darstellung nicht über (im wesentlichen) nur drei Generationen möglich, sondern müßte über 2000 Jahre gehen - und das würde mit einem Romanaufbau wie Meyer ihn gewählt hat natürlich nicht funktionieren. Da es aber die Geschichte von Eroberungen, Kriegen, Betrügereien, Lieben, Mord, Kultivierung und Zerstörung von Landschaften und den immer währenden Kampf ums Überleben ist, könnte die Geschichte selbstverständlich auch in Europa angesiedelt sein; auch wenn wir das vielleicht nicht wahr haben wollen. Meyer zeigt auf in welch komprimierter Form die USA in der Zeit von !830 bis heute die Erfahrungen gemacht haben, für die wir Europäer wesentlich länger brauchten.

Ich fand es wohltuend, dass er nicht den berühmten Zeigefinger erhoben hat, sondern es dem Leser überläßt, die Charaktere zu beurteilen.
Man kann in Eli, den brutalen Patriarchen sehen, der für seine Ziele über Leichen geht und alttestamentarisch mit Feinden verfährt. Aber ist er nicht auch liebevoll, hat er nicht auch eine weiche Seite? Ist er nicht auch ein Abziehbild unserer Zeit, in der viele Menschen so konsequent ihr Leben nach ihren Vorstellungen leben möchten? Das Beispiel von Eli zeigt auf, welchen Preis man dafür u.U. bezahlen muß.
Peter ist nicht nur der Gutmensch, der auf (finanziellen) Rosen gebetet, sich ewig als Opfer fühlend, schließlich seine Familie aufgibt. Er war eben auch an Ermordungen beteiligt, hat sie nicht verhindert. Er hat die ungesetzlichen Landkäufe seiner Familie mitgetragen und er hat nicht dafür Sorge getragen, diese zu unterbinden. Und seine Kinder sind ihm schlußendlich egal.
Leanne ist nicht nur die Bewahrerin der Flamme, die Frau, die sich durchsetzt. Sie ist einsam, erfolgreich aber verloren, weil sie an etwas festhält, was keiner mehr haben will. Sie verliert ihre Kinder, weil ihr das Geschäft wichtiger ist.
Meyer zeigt auf, dass der Aufstieg wie ihn der amerikanische Traum symbolisiert immer mit Verlusten bei anderen Menschen einhergeht oder gar mit deren Untergang. Das hat aber nichts mit Kapitalismuskritik oder ähnlichem zu tun, denn er beschreibt auch (historisch korrekt), dass schon die Indianer ihren Traum vom Leben dadurch verwirklichten, dass sie andere Stämme vertrieben bzw. auslöschten.

Das Buch besticht durch seine vielen eingearbeiteten Motive und seine vielen zulässigen Deutungsmöglichkeiten. Und es ist trotzdem ein reines Lesevergnügen.
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5.0 von 5 Sternen Ein wuchtiges Epos, 18. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Der erste Sohn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Spannend finde ich, dass die Geschichte von Texas aus drei Perspektiven beschrieben wird: Eli, der Gründer einer Rinder- und Öldynastie. Sein Sohn Peter. Und Elis unglückliche Urenkelin Jeanne.

Eli, geb. 1836, muss mitansehen, wie seine Familie von Indianern ausgelöscht wird. Er wird von dem Stamm verschleppt, und - ganz Opportunist - passt er sich rasch an die neuen Verhältnisse an, wird zu "Tiehteti". Später, als die Indianer nach und nach dezimiert werden, kehrt Eli in die Welt der Weißen zurück. Er sichert sich einen riesigen Landstrich in Texas und wird steinreich.

Lagerfeuerromantik, tapferen Pioniergeist und edle Rothäute findet man in diesem Epos nicht. Die Besiedelung von Texas ist geprägt von Morden, Vertreibung und Profitgier. Wie Eli einmal sinngemäß zu seinem Sohn Peter sagt: Wir haben das Land von den Mexikanern geraubt, die haben es den Indianern weggenommen, und eines Tages wird es uns jemand rauben. So läuft es eben.

Das Buch ist packend geschrieben. Ich habe es verschlungen, obwohl mir sowohl Eli als auch Jeanne herzlich unsympathisch waren. Der Part von Eli gefiel mir dennoch. Schon allein seine Zeit bei den Indianern ist total spannend. Zu Jeanne habe ich gar keinen Zugang gefunden. Die Frauenproblematik - Jeanne, geb. 1926, eifert ihrem Urgroßvater nach, sucht in der texanischen Männergesellschaft jedoch vergebens nach Anerkennung - kam mir allzu platt rüber. Sehr angetan war ich dagegen von Peter. Zur falschen Zeit am falschen Ort geboren, versucht er, eine Stimme der Vernunft zu sein, doch findet er in dieser brutalen, raffgierigen Welt seinen Platz nicht.

Ein Manko: Die Sprache rutscht manchmal ins Moderne ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man Mitte des 19. Jahrhunderts schon Wörter wie "Fans" gebraucht hat. Oder dass eine Frau wie Jeanne "labern" sagt. Doch insgesamt: Ein faszinierendes Buch! Absolut empfehlenswert für alle, die epische Romane lieben und zudem etwas über die (ungeschönte) Geschichte von Texas erfahren möchten.
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