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5.0 von 5 Sternen Lust auf DDR-Leselust?, 4. Mai 2014
Eberhard Kleinschmidt

Ich muss gestehn: Zu DDR-Zeiten hat mich der Literaturbetrieb „drüben“ überhaupt nicht interessiert. Sicher, Namen wie Johannes R. Becher, Anna Seghers, Stephan Hermlin, Christa Wolf hab’ ich als westdeutscher Literaturbeflissener schon zur Kenntnis genommen und das eine oder andere davon auch gelesen. Doch dass sich die DDR-Bürger auch beim Buch in einer Mangelsituation befanden - ich hätte es mir denken können, hab’ darauf aber keinen Gedanken verschwendet. Waren mir und meiner Frau, die mit ihren Eltern der CSSR republikflüchtig den Rücken gekehrt hatte, ja ohnehin der ganze Ostblock verschlossen. Sollten die in der DDR doch, wie gewollt, ihren eigenen Staat aufmachen – und lesen, was ihnen die marxistisch-leninistische Ideologie erlaubte …

Doch stopp! Fast hätte ich’s vergessen. Ich muss noch etwas gestehn: dass ich als Schüler und Student nur zu gerne die Möglichkeit wahrgenommen habe, günstig an die Brecht-Ausgabe und die Romane der großen Russen Dostojewski und Tolstoi aus dem Aufbau-Verlag ranzukommen. Ja, da gab’s nämlich auch bei mir so was wie „Tausche Zement gegen Hemingway“ – allerdings anders gewichtet, gerichtet und grenzüberschreitend im Sinne von „Tausche Hemingway gegen Zement“ - eine Freundin (Ost) meiner Großmutter (West) besorgte mir die begehrte Literatur und bekam dafür die benötigten Naturalien-Pakete …

Fast mit schlechtem Gewissen nehme ich also das Büchlein von Ruprecht Frieling in die Hände. Ich sag mir: „Nun befass dich doch nach 25 Jahren endlich mal mit dem Literaturbetrieb ‚drüben’! Wie war das denn?“ Ich hätt’s nicht gedacht, aber ich lege das Büchlein nicht eher aus der Hand, bis ich’s durchgelesen habe! Schon der zweite Untertitel macht mich neugierig: „Berichte aus dem untergegangenen Land der Leselust“. Die ehemalige DDR ein „Land der Leselust“? Wie denn das?

Schon bald kriege ich Lust zu lesen, was der Autor in einer Reihe von einzelnen Studien vor mir ausbreitet, übrigens, wie schon angedeutet, mit z.T. meine Neugier weckenden Überschriften wie bereits dem Cover-Titel („Kurze Geschichte der DDR-Literatur“), „Stumpfe Klingen, scharfe Pfeile“ (u.a. „Was ist ein politisches Buch?“, „Politische Ladenhüter, heimliche Bestseller“), „Wer ist der wahre Erbe? Diskussionen um Herrn Goethe …“, „Straßen nach Weimar sind Straßen zu Goethe“, „Am Lagerfeuer in Radebeul. Auf den Spuren Karl Mays in der DDR“, „Zu Gast bei Martin Luther“, „Der Verleger und das schöne Buch“ etc. etc.

Es sind in diesem Sammelbändchen übrigens lauter Artikel vereint, die Frieling in den Jahren 1982/83 an verschiedenen Orten veröffentlicht hat, wie z.B. bei dtv, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, Westermanns Monatshefte, Börsenblatt des deutschen Buchhandels. Er hatte als einer von ganz wenigen West-Journalisten die Chance, in dieser Zeit die DDR bereisen und dort recherchieren zu dürfen, wenngleich unter scharfen Auflagen. Seine Karriere als DDR-Reisekorrespondent endete allerdings mit einem Einreiseverbot, als sich der Staat durch Frielings Hotel- und Gaststättenführer und eine Bemerkung über wenig schmackhafte Pommes frites beleidigt fühlte!

Ich will hier nicht en detail auf Frielings Beobachtungen im „Land der Leselust“ eingehen. Ich will die Spannung eigener Lektüre nicht nehmen, sondern dazu anstacheln, das Büchlein selbst in die Hand zu nehmen. Es hält nämlich ein Lesevergnügen bereit, wenn man „vergnüglich“ findet zu lesen, welch seltsame Blüten der DDR-Literatur-, Lektüre- und Kulturbetrieb aus westlicher Sicht trieb. Deshalb nur ein paar Andeutungen, zugegebenermaßen willkürlich-subjektiv und von einem Leser, der nicht die Gelegenheit hatte, die sozialistisch geprägte Lesekultur selbst in Augenschein zu nehmen:
• Man lächle: Plaste-Körbe als Zugangsberechtigung beim Besuch einer mäßig bestückten Buchhandlung, in der selbst (ost-)inländisch Interessantes nur mit viel Glück unter dem Ladentisch und West-Lektüre bloß mit guten Beziehungen oder einer Ware (eben: „Zement gegen Hemingway“) zu bekommen ist.
• Man bedenke: Bücher als Mangelware als Folge von Papierkontingentierung und die DDR bezüglich Titelvielfalt als Schlusslicht in Europa.
• Man staune: Goethe als Vorreiter der Arbeiter- und Bauernmacht in einem touristisch höchst langweiligen, aber klassisch verschnörkelten Weimar.
• Man frage sich: Ein geschäftstüchtig vermarkteter Karl May, aber ganz ohne seine Romane, ohne Winnetou und Old Shatterhand?
• Man stelle sich vor: Das Großreinemachen in Halle, Eisleben, Wittenberg und Eisenach auf dem Weg zum 500. Geburtstag Martin Luthers, dem vom DDR-Staat vereinnahmten, auf marxistisch-leninistischen Forschungsstand getrimmten Reformator und Rebell.

All dies und noch viel mehr bekommen wir präsentiert in Form von Studien, Zeitschriftenartikeln und Interviews von einem Autor, der, wie wir längst wissen, so leserfreundlich, so klar, so prägnant zu formulieren versteht, dass man, ohne stecken zu bleiben, auch dieses Büchlein in einer Rutsche durchliest.
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5.0 von 5 Sternen Ein wichtiges Stück Zeit- und Kulturgeschichte, 9. Mai 2014
Von 
Spieler7 - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Tausche Zement gegen Hemingway: Berichte zur Literaturgeschichte der DDR (Bücher für Autoren 6) (Kindle Edition)
In den frühen 80er Jahren war es für unabhängige westdeutsche Journalisten nicht einfach, Einreisegenehmigungen für die DDR zu erhalten und über dort Erlebtes zu berichten. Einer der wenigen, dem dies gelang ist Rupi Frieling (seinerzeit Westberlin), der nun seine damaligen Reportagen in einem hochinteressanten Band veröffentlicht.

Im Vorwort erzählt er über die damaligen Arbeitsbedingungen, die sicherlich nicht einfach waren für den Freigeist Frieling, aber er machte das Beste daraus und nahm trotzdem kein Blatt vor den Mund.

Es folgt ein fundiert wertvoller Überblick über die Geschichte der DDR-Literatur; dabei lassen sich so manche Perlen finden oder erneut entdecken.

Die Reisereportagen schildern eindrucksvoll ein Land der Leselust, in dem die Einwohner Schwierigkeiten haben, ihren literarischen Hunger zu stillen, besonders natürlich den nach exotischen Köstlichkeiten, die nicht unbedingt im Kulturkaufhaus des sozialistischen Realismus zu finden sind.

Mitunter amüsant fand ich die beschriebenen Bemühungen der DDR-Oberen, bei den von ihnen vereinnahmten großen Denkern wie Goethe, Luther oder Karl May möglichst nur das herauszupicken, was ins sozialistische Weltbild passt; mich erinnert das frappierend an die politische Korrektheit unserer Tage, in denen Klassiker und Schulbücher umgeschrieben werden müssen, um vermeintliche Diskriminierungen zu vermeiden.

Trotz solch aberwitziger Versuche war die DDR wahrlich kein Volk von Literaturbanausen, sondern im Gegenteil ein Land der Leselust, wie Frieling auch im Vorwort resümiert. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch in Ostberlin, als ich keinerlei Schwierigkeiten hatte, das unfreiwillig erhaltene Begrüßungsgeld in Literatur zu investieren; beeindruckend dort die Vielzahl anspruchsvoller politischer Bücher (auch aus der BRD), die im Westen ein Schattendasein fristeten, wenn sie denn überhaupt erhältlich waren.

Frieling legt mit diesem Buch ein wichtiges Stück Zeit- und Kulturgeschichte aus einem Land vor, von dem man heute leider immer weniger weiß und das ist schade.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitreise in die DDR der Achtziger, 14. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Tausche Zement gegen Hemingway: Berichte zur Literaturgeschichte der DDR (Bücher für Autoren 6) (Kindle Edition)
Dass Ruprecht Frieling ein guter Schatzfinder ist, weiß ich schon aus Publikationen wie “Weltende” und “Hab Sonne im Herzen”. Diesmal hat er eigene Schätze ausgegraben und zwar aus aus seiner Zeit als Reisekorrespondent zu Beginn der Achtziger Jahre. Der junge quirlige Journalist reiste im Auftrag von auflagenstarken westdeutschen Magazinen in die DDR, um zur dortigen Buch- und Kulturwelt zu recherchieren. Eine handverlesene Auswahl seiner Artikel und Interviews präsentiert er uns im Buch mit dem bezeichnenden Titel “Tausche Zement gegen Hemingway”.
Und wenn man sich mit ihm auf die Zeitreise begibt, hat man unwillkürlich die Frage im Kopf: Wie habe ich diese Zeit eigentlich erlebt? Hatte ich überhaupt mitbekommen, dass es in der Leipziger Innenstadt Buchmessen gab und dass 1982 gleichzeitig ein Luther- und ein Goethejahr war? Undenkbar im anderen Teil von Deutschland. Doch der war von meiner rheinhessischen Dorfidylle weit entfernt und wenn ich über den Tellerrand hinausblicken wollte, fuhr ich nach Mainz, Wiesbaden oder Frankfurt, um in Klamotten-, Buch- und Schallplattenläden reichlich Stoff zu finden. Da gab es alles, was frau sich wünschte, seien es Wranglerjeans, Bücher von Carl Rogers, Rowohlts “Neue Frau”, selbstredend das gesamte Programm von Hemingway und Elpis (LPs), wie zum Beispiel die “Odyssee” vom kleinen Udo, der mit Rockband und leckerem Fläschchen Cognac den “Sonderzug nach Pankow” nehmen und in Ostberlin auftreten wollte.
In diesem Song traf Lindenberg den Nerv derjenigen, die sich schon lange fragten, ob “Honey” (Erich Honnecker) und seine Gefährten das Ideologie- und deutsch-deutsche Grenzgehampel nicht langsam selber lächerlich fänden. Nein, sie fanden es normal, dass im Jahre 1982 zum Beispiel entsprechende Gebäude (aber nur die) in den Städten Weimar, Eisleben und Wittenberg goethe-, luther- und ideologiegerecht aufgeputzt wurden und dass weder im Karl May Museum noch in der gesamten Republik ein einziges Buch dieses in Radebeul aufwändig zelebrierten Autors zu kaufen war.
Ich erlebe ganz neue Facetten unseres inzwischen untergegangenen Nachbarlandes, die ich mir zu der Zeit nicht entfernt vorstellen konnte. Mangel war die Regel, und das beim großen Lesehunger des Volkes, das vor dem Buchladen am Ostberliner Alexanderplatz Schlange stehen und warten musste, bis endlich ein Einkaufskörbchen frei wurde und dann doch nur selten das Gesuchte fand. Dafür jedoch gab es reichlich Lesestoff, den man nicht suchte, der aber den Verantwortlichen zur politischen Erziehung wichtig war.
Als gut bewachtes und ideologisch eng begleitetes “Feindobjekt Westjournalist” reiste Frieling nach Erfurt, Weimar, Halle und immer wieder nach Ostberlin und bewegte sich geschickt auf dem schmalen Grat zwischen Sachbericht und Systemkritik. Den Schalk im Nacken forderte er seine teils sympathischen, teils sperrigen Gesprächspartner heraus, immer auf der Hut, nicht über das Ziel hinauszuschießen und somit künftige Rechercheprojekte zu gefährden.

Mein Fazit: Dieses Buch von Ruprecht Frieling hat mich sehr gut informiert über einen ganz wichtigen Teil deutscher Vergangenheit und es hat mich zum Nachdenken gebracht dahingehend, dass ich in Zukunft manche Gegebenheiten deutsch-deutscher Gegenwart differenzierter mit mehr Hintergrundwissen betrachten werde.
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4.0 von 5 Sternen "Mann und Frau im Team", 25. April 2014
Alte Zeiten werden wach. Als alter DDR-Buchhändler hat man natürlich seinen Erfahrungsschatz.
Und "der" Aufklärungstitel der DDR von Siegfried Schnabl "Mann und Frau intim" ( http://www.amazon.de/intim-Fragen-gesunden-gest%C3%B6rten-Geschlechtslebens/dp/B001U3P25O/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1398425116&sr=8-3&keywords=mann+und+frau+intim) gibt in dieser Beziehung natürlich viel her. Heute wird dieser Titel bei Amazon für 2€ angeboten, damals waren es 11 DDR-Mark. Zur Zeit der Erscheinung des Titels gab es eine lebhafte Nachfrage. Tauschgeschäfte und Such-Anzeigen in Zeitungen. Beim Lesen In Frielings Titel kann man sich in diese real vergangene Zeit wunderbar rein versetzen - wie in eine Zeitmaschine.

[...]
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