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TOP 1000 REZENSENTam 11. September 2009
Mit diesem gutgemeinten Rat- und manchem ebenso gutgezielten Peitschenschlag versucht Old Man Clanton, ein ruppiger und struppiger Walter Brennan, seine vier Söhne auf dem krummen Weg zu halten, nachdem sie sich von Wyatt Earp haben überrumpeln lassen.

John Fords brillanter Western "Faustrecht der Prärie" von 1946 ist voller derart archetypischer Szenen und wird zu Recht als eines der Pionierwerke des seinen Kinderschuhen entwachsenen, ernsthaften Westerns angesehen. Der Streifen basiert auf der 1931 veröffentlichten Biographie Wyatt Earps - "Frontier Marshall" von Stuart N. Lake -, die allerdings ein recht unkritisches Bild ihres Titelhelden zeichnet.

Ford erzählt die Geschichte des ehemaligen Marshalls von Dodge City, Wyatt Earp - absolut cool gespielt von Henry Fonda , der eine Rinderherde durch Arizona treibt und in der Stadt Tombstone in das Gehege der Clantons gerät. Old Man Clanton, der mächtigste Rancher vor Ort, hat es sich in den Kopf gesetzt, sich diese Rinder anzueignen, wobei er auch nicht davor zurückschreckt, die Tiere zu rauben und den zur Bewachung abgestellten James Earp niederzuschießen. Um die Hintergründe des Mordes an seinem Bruder aufzudecken, nimmt Wyatt Earp kurzerhand die Stelle des Gesetzeshüters von Tombstone an und lässt seine beiden überlebenden Brüder zu Deputys ernennen. Von nun an bemüht sich Earp unparteiisch und aufrecht darum, Recht und Gesetz in Tombstone Einzug halten zu lassen, wobei er auch mit dem selbstherrlich auftretenden Doc Holliday (Victor Mature) in Konflikt gerät. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter auf die Einzelheiten der Handlung eingehen, da sie vielen Lesern sicher auch aus anderen Verfilmungen des Earp-Stoffes bekannt sind.

Fords Verfilmung der Earp-Legende ist für mich einer der ganz großen Klassiker des Westerns, nicht zuletzt wegen mancher Szenen, die ich - seit ich sie als Kind zum ersten Male sah - nicht mehr vergessen kann. Da ist vor allem Henry Fonda selbst zu nennen, der Earp mit einer Mischung aus amüsanter Steifheit und packender Energie gibt. Unvergesslich und eigentlich des Titelbilds auf dem Cover würdig ist für mich die lässige, fast kindliche Art und Weise, in der Fonda auf der Veranda in seinem Stuhl sitzt und, das Bein an einen Pfosten gelehnt, hin und her kippelt. Und dann sind da diese zaghaften Annäherungsversuche an die Oststaatendame Clementine (Cathy Downs), die Earp zu den komischsten Tanzschritten der Westerngeschichte animieren. Eine andere große Szene ist die, in der Earp auf der Suche nach Holliday in den Saloon tritt, stets im Hintergrund des Bildes bleibend, und wir sehen, wie sich vor ihm, mit dem Rücken zu uns, die Clantons bedrohlich an der Theke nacheinander vor ihm aufbauen. So etwas hat Ikonencharakter!

Ford erzählt seine Geschichte gemächlich und nimmt sich immer wieder Zeit für Schnörkel wie etwa die burleske Abreise des kauzigen Schauspielers Granville Thorndyke, die eigentlich die Handlung nicht recht vorantreiben, aber trotzdem nicht fehl am Platze wirken. Bewegend ist auch die Szene, in der Thorndyke seinen Hamlet-Monolog hält, in der Mitte aber stockt, weil er in dieser rauhen Gegend schon so lange keinen Shakespeare mehr geben konnte. Hier springt dann Holliday für ihn ein.

All das, und auch die dunkle Eingangsszene, in der Helden- und Prärieromantik aufkommen, haben wahrhaften Kultcharakter. Einzig Victor Mature als Doc Holliday will mir nicht so gefallen, denn auf mich wirkt Mature in der Rolle des kultivierten Zynikers, der vor seiner besseren Vergangenheit davonlaufen will, zu vital und sinnlich. Wer einen stimmigen Doc Holliday erleben will, der sei auf Kirk Douglas in Sturges' "Zwei rechnen ab" verwiesen.

In "Faustrecht der Prärie" geht es um die Ausbreitung der Zivilisation und die Eindämmung von Willkür, Gewalt und Rohheit - nicht umsonst ist Earp ein regelmäßiger Besucher des Barbiers. In diesem Zusammenhang wirkt es ein wenig befremdlich, dass die dunkle und verruchte Schönheit Chihuahua (Linda Darnell - einfach wunderschön!), die entweder mexikanischer oder indianischer Abstammung ist, von Earp verächtlich in eine Pferdetränke geworfen und von Holliday beschimpft wird und am Ende sterben muss, damit die Bühne allein der etwas prüde wirkenden Clementine gehört. Aber ich will an dieser Stelle nicht zum Dominikaner werden ... Für mich bleibt Linda Darnell die reizendere der beiden Ladys! Und vielleicht stirbt Chihuahua auch nur deshalb nach der von Holliday vorgenommen Operation, weil dieser in Wirklichkeit gar kein Chirurg, sondern ein Zahnarzt war.

Nicht alle der gezeigten Szenen - so etwa Earps Besuch am Grab seines Bruders - wurden übrigens von Ford selbst gedreht, denn zwischen dem Financier Darryl F. Zanuck und Ford gab es einige Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Tempos und der Erzählweise des Films. Aufgrund der Gemächlichkeit des Films, die der Spannung allerdings keinen Abbruch tut, und der Verwebung der unterschiedlichen Lebensgeschichten gerät der berühmte Showdown am O.K. Corral fast ein wenig kurz, ist aber dennoch sehr dramatisch gestaltet.

Zusammenfassend kann ich diesen Film nur wärmstens empfehlen, und fast tut es mir ein wenig leid, dass ich dem Sturges-Pendant vor einiger Zeit nur vier, statt fünf Sterne gegeben habe. Einen vergleichbaren Fehler will ich heute nicht nochmals machen und so verbleibe ich denn mit der vollen Sternzahl und einem letzten geschliffenen Kurzdialog aus dem Film:

Earp: "Mac, you ever been in love?"
Mac: "No, I've been a bartender all my life."
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am 30. Juni 2015
Der Western MY DARLING CLEMENTINE (Originaltitel) sollte auch im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Situation des Enstehungsjahrs 1946 gesehen werden. Ein späteres klassisches Beispiel für einen allegorischen Western ist natürlich Fred Zinnemanns HIGH NOON, den Drehbuchautor Carl Foreman 1952 unter dem Eindruck der Verfolgungen während der MacCarthy Ära geschrieben hatte. John Ford hingegen wollte die unmittelbare Nachkriegszeit interpretieren. Die U.S.A. waren aus dem 2. WK als Sieger hervorgegangen, aber die Menschen mussten feststellen, dass die Zeit der isolationistischen Sicherheit vergangen war, insbesondere Pearl Harbor hatte schmerzhaft gezeigt, dass man den Rest der Welt nicht mehr länger ignorieren konnte. Unter den GIs die nach Hause zurückkehrten, befanden sich Filmemacher wie Frank Capra, John Huston, George Stevens und eben John Ford, die ihre Kameras in den Krieg mitgenommen hatten und nun mit neuen Sensibilitäten ihre Arbeit wieder aufnahmen. Eine Nation die mit den veränderten Realitäten der Nachkriegszeit konfrontiert war, konnte mit den in den 1930er Jahren so beliebten Screwball Comedies nichts mehr anfangen. Der Western hätte ebenfalls ein leichtes Opfer dieser neuen Realitäten werden können, stattdessen entwickelte er sich zu einem vitalen Medium, das wichtige gesellschaftliche Ereignisse und Fragen reflektierte und artikulierte. Das Genre funktionierte aber gleichzeitig als sicherer Hafen für die heldenhafte Vision der Geschichte Amerikas und seines Erbes weil John Ford seine Verehrung für Amerika, den zentralen Momenten seiner Geschichte, seiner mythischen Dimension und Legenden zu einem wesentlichen Bestandteil seines Werks machte.

John Fords CLEMENTINE wurde oft als poetisch-mythische Wiedererzählung der Wyatt Earp Legende beschrieben, die in der historischen Schiesserei am O.K. Corral kulminiert. Tatsächlich wird Earp (Henry Fonda) Marshal von Tombstone, um die Mörder seines Bruders zu finden und am Ende des Films hat er dessen Tod nicht nur gerächt, sondern auch die Stadt aus der Dunkelheit ins Licht geführt. Die Schlüsselszene, in der diese Transformation Tombstones zu einer modellartigen modernen Gemeinde dargestellt wird, ist aber nicht die Schiesserei am O.K. Corral, sondern die berühmte Tanz Szene die den Westerner Earp und die delikate Ostküsten-Lady Clementine Carter (Cathy Downs) miteinander verbindet und die Gründung einer zivilisierten Gesellschaft an der Front des Wilden Westens versinnbildlicht. Sie bilden eine perfekte Union der besten Elemente dieser unterschiedlichen Welten: die kontrollierte Maskulinität des Gesetzeshüters entspricht der verfeinerten aber temperarementvollen Kultur der Dame aus Boston. Der Film endet mit Wyatts herzlichem, aber fast schüchtern vorgetragenen Abschiedsgruss als er sich vorbereitet, seine gefallenen Brüder zur Beerdigung nach Hause zu bringen, während Clementine als Lehrerin in Tombstone bleibt. "Maybe I'll step by here again."

Selbstverständlich kann es nicht überraschen, dass sich ein begnadeter Mythenweber wie John Ford der geradezu überlebensgrossen Legende von Wyatt Earp und Doc Holliday annimmt (wer hätte die Namen nicht schon im Knabenalter gekannt?). Eine Legende, an der Wyatt Earp, wie wir heute wissen, selbst fleissig mitgewoben hat und dadurch eine stolze Anzahl von Regisseuren inspiriert hat. Den ersten Earp spielte wohl Walter Huston in Edward Cahn's LAW AND ORDER, sogar Jacques "Cat People" Tourneur nahm sich des Themas mit WICHITA an. John Sturges drehte gleich zwei Earp Filme, vor allem den bemerkenswerten GUNFIGHT AT THE O.K.CORRAL (1957) mit Burt Lancaster und Kirk Douglas die auf der Höhe ihrer Karriere eine Earp-Holliday Legende darstellen, die als solche CLEMENTINE kaum nachsteht. Aber Ford geht es nicht um persönliche Mythen, sondern um den Vormarsch der weissen amerikanischen Gesellschaft. Der Begriff Manifest Destiny drängt sich auf, ebenso wie der von Präsident Polk provozierte Krieg gegen Mexico. Nachdem "Pathfinder" John Charles Fremont den Weg nach Kalifornien gewiesen und die Route von seinem Reisebegleiter und Topographen George Carl Preuss kartographieren liess, war kein Halten mehr, spätestens 1848, nach dem Friedensvertrag von Guadalupe Hidalgo strömte alles nach Westen. Fremonts Report und Karte, die fast jeder wie eine Bibel bei sich trug, hatte einen profunden Einfluss auf die Massenemigration zum Far West, wodurch auch Jahrhunderte alte Kulturen verdrängt wurden. Die Route ist noch heute berühmt als der Oregon Trail.

So ist Henry Fondas Earp sowohl historisch gesehen als auch im Grunde seines Herzens ein Rassist, auch wenn er dies im Vergleich zu John Waynes sozial entfremdeten, irrationalen und pathologischen Ethan Edwards in zurückhaltenderer und kontrollierter Weise darstellt. Damit soll keineswegs behauptet werden, dass Ford die weisse Zivilisation über alles konzeptualisierte, in subtiler Weise tat er jedoch genau dies mit diesem ideologisch relativ simplen Film, in dem Fords spätere profunde soziale und moralische Ambiguität nicht zum Ausdruck kommt. CLEMENTINE zelebriert den Westen und Amerika als eine Gesellschaft, die es zu perfektionieren gilt, die Zugehörigkeit hat jedoch keinen inklusiven, sondern exklusiven Charakter.

Mit CLEMENTINE brachte Ford seine frühere Madonna/Magdalena Dichotomie in STAGECOACH zum Kentern. Dort ist der Outlaw Protagonist untadelig höflich gegenüber der Prostituierten Dallas, während hier der Mann des Gesetzes die ähnliche Personnage Chihuahua mit grösster Verachtung behandelt. Er taucht sie in einen Pferdetrog und befiehlt ihr, sich auf die Apache Reservation zu verdrücken wo sie hingehört. Da Wyatt eindeutig der moralische Arbiter der Narration ist, ist sein Verhalten nicht unerheblich für die Aussage des Films. Es ist denn auch Doc, der an der Schiesserei im O.K. Corrall auch deshalb teilnimmt, weil er ihren Tod durch die Hand von Billy Clanton (John Ireland) rächen will. Da Doc während der Schiesserei umkommt (die er historisch überlebte), bleibt der Film nicht einfach mythisch, sondern wird zutiefst moralistisch. Weder Chihuahua noch Doc scheinen es aus moralischen Gründen wert zu sein, am Aufbau der idealen Gemeinde teilzunehmen, insofern erhöhen sie natürlich auch die Qualitäten von Clementine, dem leuchtenden Beispiel für eine zivilisierte Gesellschaft. In diesem Kontext dürfte dieser Film, dem die übliche Komplexität von John Fords Werken fehlt, sein autoritärster Western sein.

Eine der wichtigsten Beziehungen der Handlung besteht zwischen zwei Männern, die eigentlich natürliche Gegner sein sollten, aber einen unausgesprochenen Respekt füreinander entwickeln, Wyatt Earp und Doc Holliday (Victor Mature), der Tombstone dominiert aber langsam an Tuberkulose stirbt. Earp spürt die Tragik des Mannes, er sieht dessen Hotelzimmer mit dem medizinischen Diplom an der Wand und die darunterstehende Arzttasche, obwohl Doc nicht mehr praktiziert und die ihm verbleibende Zeit an Spieltischen verbringt und sich ins Vergessen trinkt. Seine Geliebte ist die Prostituierte Chihuahua (Linda Darnell) mit der er nach Mexico gehen will, zumindest spricht er häufig darüber. Wenn er Blut hustet, weiss er, dass es dazu wohl nicht mehr kommen wird. Neben Doc, der ausschliesslich seinem eigenen Ehrencodex folgt, wenn auch in zynischer Weise, beeindruckt ein Darsteller, der ebenfalls für moralische Grautöne sorgt. Walter Brennan, der sich zwar weit ausserhalb des Gesetzes bewegt, aber in ähnlicher Weise alles seiner Autorität unterordnet. Obwohl Henry Fonda eindeutig im Zentrum der Handlung steht, verleihen ihm diese Akteure die Facetten seiner Aura von Aufrichtigkeit und helfen damit, CLEMENTINE nicht nur zu einem sehr guten Film, sondern zu einem Meisterwerk zu machen.

John Ford war jedoch kein Ideologe, eher ein sensibler Künstler der in vielen anderen Filmen eine besondere Affinität für weniger privilegierte Menschen oder Misfits zeigte. Seine fehlende Empathie für Chihuahua mag also eher sexuellem als rassischem Snobismus zugeschrieben werden, da Doc aus einem wohlhabenden Ostküsten Milieu stammend, mit ihr eine feste Bindung eingeht. Daraus würde sich auch die erheblich höflichere Behandlung von Dallas durch Ringo Kid in STAGECOACH erklären. Ringo fühlt sich zwar zu ihr hingezogen, aber wegen der rasanten Ereignisse kommt es nicht zu einer persönlicheren Beziehung. Wie sich ihr späteres Schicksal entwickelt, bleibt weitgehend der Imagination des Zuschauers überlassen. Soziale Akzeptanz ist also in beiden Fällen eng verbunden mit sexuellem Verhalten gegenüber einer anderen Rassen- oder Klassenzugehörigkeit.

Die zeitgenössischen Kritiken waren recht gemischt, einige warfen John Ford vor, der Film sei zu überladen mit Konventionen und Western Folklore um die Qualität von STAGECOACH zu erreichen, black hats und white hats seien zu offensichtlich gezeichnet. Nichtsdestotrotz gilt CLEMENTINE heute zurecht als Genre Klassiker, obwohl der Film einen ideologischen Subtext enthält, der von vielen übersehen wird. Vor allem werden kulturelle Konzepte von Rasse, Gender und Klassenzugehörigkeit in elitistischer Weise durchgesetzt. Dies wird umso offenkundiger wenn man einen Blick auf das Quellenmaterial wirft auf dem der Film basiert. Da findet man die mehr als verherrlichende und von unzähligen historischen Fehlern durchzogene Wyatt Earp Biographie von Stuart N. Lake. Auch John Fords eigene Erinnerungen an seine Begegnung mit Earp und dessen Schilderungen der Schiesserei am O.K. Corral dürften einen nicht geringen Einfluss gehabt haben.
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am 6. Juni 2014
20th Century Fox spendiert 'Faustrecht der Prärie' oder wie es im Original heisst 'My Darling Clementine' in Deutschland eine Blu-ray Veröffentlichung, noch bevor die Amerikaner und viele andere Länder in Genuß kommen dürfen. Denn viele weitere Klassiker lassen in Deutschland noch auf Ihre BD Veröffentlichung warten, wie z.B. 'Früchte des Zorns'(The Grapes of Wrath) oder 'So Grün war mein Tal'(How Green was my Valley), welche es beide übrigens im Ausland schon seit längerer Zeit auf BD gibt, sogar mit deutschem Ton!

Der Film erzählt die Geschichte von Wyatt Earp(Henry Fonda) und dem Shoot-Out am O. K. Corral in Arizona. Kein anderer als Regie Legende John Ford war hier am Werk und das merkt man auch an den zahlreichen tollen Aufnahmen. Nun zur Blu-ray:

Zum Bild:
Der Film stammt aus dem Jahre 1946 und ist somit nicht mehr ganz so frisch, jedoch hat 20th Century Fox hier wirklich gute Arbeit geleistet. Das Schwarz/Weiß Bild kann durch gute Schärfe und starken Schwarzwerten überzeugen, mit Sicherheit wurde hier mit Rauschfiltern gearbeitet, das sieht man in einigen dunklen Szenen, es wurde jedoch nicht übertrieben. Das natürliche Filmkorn ist durchaus noch vorhanden und versprüht filmischen flair. Die Nahaufnahmen weisen auch einen sehr hohen Detailgrad auf. In Anbetracht des Alters des Films ist das Bild wirklich sehr gelungen.

Zum Ton:
Der Ton liegt in 1.0 Mono DTS HD vor, einige Stellen laufen in Originalsprache und werden untertitelt. Die Originalsprache und weitere Untertitel sind natürlich auch dabei, sowie für Hörgeschädigte. Ich finde, bei so alten Filmen kann und sollte man nicht viel vom Ton erwarten, er sollte einfach seinen Zweck erfüllen, nämlich das alles gut verständlich ist. Das kann man hier durchaus behaupten, Dialoge sind sind klar, Musik und Effekte dezent.

Zu den Extras:
Als Bonusmaterial gibt es zwei Audiokommentare, die man dazuschalten kann, von Filmhistoriker Scott Eyman und Wyatt Earp III. Ich persönlich Schaue mir eigentlich nie FIlme mit Audiokommentar an, aber Fans bekommen hier bestimmt einige nette Informationen zu hören. Das wars aber auch schon von den Extras, soweit es mir bekannt ist gab es diese Audiokommentare auf der DVD nicht, für so einen Klassiker ist das immer schön, wenn kleine Extras dabei sind.

Fazit:
John Ford und Henry Fonda, eine Kombo der man Blind vertrauen kann. Die Blu-ray überzeugt durch ein knackiges S/W Bild, ein Western Klassiker, der in jede gut sortierte Filmsammlung gehört.
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am 15. Juli 2004
Tombstone liegt doch nicht im Monument Valley? Wen kümmert es, wenn ein John Ford den legendären Gunfight am O.K. Corral nacherzählt? Mit der Historie sehr freizügig umgehend, besetzte er die Rollen famos: Henry Fonda verkörpert brillant Wyatt Earp. Doc Holliday wird von Victor Mature dargestellt und Old Man Clanton spielt kein geringerer als Walter Brennan, der Liebhabern alter Western sicherlich ein Begriff ist. Auch unter den namen "Tombstone" und "My Darling Clementine" bekannt sei dieser Film allen empfohlen, die Klassiker zu schätzen wissen und denen der Name John Ford (Kavallerie-Triologie) ein Begriff ist.
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VINE-PRODUKTTESTERam 23. April 2013
Vorweg: Dies ist eine reine Filmbewertung; bzgl. der anderen Aspekte (DVD, Sprachfassungen...) verweise ich auf meine Mitrezensenten.

Ein teils großer Film des großen John Ford. Gar nicht mal, weil er so schön das Monument Valley im Gegenlicht filmen kann (denn was ist eigentlich so schwer daran?). Gar nicht mal, weil er sich an einer Western-Legende vergreift, dem berühmten Gunfight am O.K. Corrall, der Wyatt Earp und Doc Holliday zu Legenden machte. Schon eher, weil er sich einer konventionellen Dramaturgie verweigert, weil er eigentlich eine psychologische Geschichte mit ein paar Minuten Actionbeiwerk erzählt - und man immer noch rätselt, was das eine mit dem anderen eigentlich zu tun hat. Bei allem Gradlinigen, Konservativen, was so ein (früherer) John-Ford-Western an sich hat, strotzt die Geschichte nämlich geradezu vor antidramatischen Brüchen. Bei einer "legendären" Geschichte sucht man eher nach Ordnung, hier findet man Unordnung. Vieles zeigt Ford gar nicht direkt, sondern indirekt, oder er blendet es gleich ganz aus. Die Earp-Brüder kommen eher unfreiwillig nach Tombstone, sie bleiben dann auch unfreiwillig, weil man ihnen das Vieh gestohlen hat. Wer es gewesen ist und wie der Raub (inklusive des Mordes am jüngsten Bruder) vonstatten ging, lässt Ford aus. Die Frage nach den Tätern scheint ihn nicht sonderlich zu interessieren - obwohl es sich doch um die Antagonisten handelt, mit denen sich die Earps und Holliday das finale Duell liefern. Nach einer lieben langen Laufzeit von ca. 75 Minuten sind auf einmal die Schuldigen recht unvermittelt klar, da baut sich nichts auf, das wird eher beiläufig ermittelt. Kein Hitchcock, der immer einen starken Schurken brauchte. Dementsprechend am Ende Unordnung, wo man in einem klassischen (und bereits zu Drehzeiten legendären) Kampf eine musterartige Ordnung erwarten würde - Duellanten, die in Viererreihe aufeinander zuschreiten, oder so etwas. Beim Kampf dann aber haufenweise Chaos, Schüsse aus dem Off, dramatische gewalttätige Geschehnisse verdeckt hinter Zäunen, Vieh, Staub. Es ist kaum auszumachen, wer wann wen wie versuchsweise oder tatsächlich abknallt. Dasselbe, als Wyatt Earp zu Beginn des Filmes seine Kunstfertigkeit im Umgang mit einem betrunkenen Möchtegernrevolverhelden beweisen muss (leider wird das Klischee bedient, dass nur Indianer so austicken, wenn sie einen zuviel gehoben haben). Es knallt, es zischt, zu seh'n ist nischt. Wenn es, was selten genug vorkommt, in diesem Film einmal actionreich zur Sache geht, ist die Gefahr nie greifbar, sondern wirr. Und ersichtlich der dramatischen Geschichte untergeordnet, nicht Teil oder Höhepunkt eines klassischen Spannungsbogens, sondern abruptes Intermezzo bzw. am Ende Fast-Schlusspunkt.

Das ist irritierend, in einem in der ersten Hälfte fast schon langweilig plätschernden Film, der kein Ziel zu haben scheint, kein klassisches jedenfalls, keine Dramatik, keine Spannung. Aber irgendwie dann doch genial, denn die Kämpfe, die Männer hier ausfechten, sind ausschließlich innere Kämpfe. Da ist natürlich nicht der aufrechte Earp (den Henry Fonda so charismatisch spielt, wie es die Rolle eben hergibt) die Hauptfigur, sondern der tragische Doc Holliday. Frustriert, Tbc-krank, leere, müde, verbitterte Augen - Victor Mature überraschend gut. Dieser Mann ist grausam: zu anderen, weil er die Stadt kontrolliert und der unbesternte Sheriff ist, was er gewinnlerisch und skrupellos ausnutzt. Zu seiner Freundin Chihuahua. Vor allem aber zu sich selbst, denn er ist eher ein Verzweifelter als ein Böser, und er merkt sehr genau, wie tief er gesunken ist. Als Arzt taugt er offenbar schon lange nicht mehr. Gefühle hat er weitgehend begraben, aber immer noch soviel Restgefühl, dass er dies sehr genau merkt und darunter leidet. Meisterhaft die Szene, in der die heiße Chihuahua (klar ist sie heiß, sie wird ja auch von Linda Darnell gespielt) ihn küsst. Schon zuvor umgarnt sie ihn mit einem lasziven Lied, und wir sehen immer nur diese leeren Augen von Mature, wie kann das sein? Dann die Steigerung: Sie singt nicht nur "The first kiss is always the sweetest from under a broad sombrero". Sie gibt ihm auch einen solchen Kuss. Der Sombrero verdeckt ihn bzw. die beiden Gesichter. Das Lied und die laszive Art der Darnell und natürlich die Länge der Szene lassen aber geschickt in der Phantasie des Zuschauers einen besonders heißen, langen Kuss entstehen. Die Bildregie steigert die Spannung - und dass surprise nach suspense, ein Schock fast: Der Sombrero gibt das Bild wieder frei - und Mature hat immer noch die gleichen leeren Augen. Bei diesem Kuss, bei der Darnell??? Das mag eine sehr männliche Phantasie sein, aber Regie und Montage haben dies offensichtlich beabsichtigt - und so wird einem schlagartig klar, wie schlimm es um Hollidays Bitternis gegen alle und gegen sich selbst wirklich steht. Genial gemacht!

Während bei den Männern Holliday die heimliche Hauptfigur statt Earps ist, ist es bei den Damen Chihuahua statt Clementine. Von ihr war überhaupt noch nicht die Rede, dabei ist der Film doch nach ihr benannt (wie bei John Ford so oft, setzt er US-Volksmusik ein, hier natürlich das bekannte Lied "Oh my darling, oh my darling, oh my darling Clementine..."). Clementine, ein sprechender Name: die Gütige. Cathy Downs spielt sie. Wer bitte??? Hieß es nicht "Henry Fonda, Linda Darnell, Victore Mature in..."? Nun, ein mangelnder Bekanntheitsgrad muss nicht gegen schauspielerische Qualitäten sprechen und die arme Downs kann auch gar nichts dafür, aber die Figur der Clementine ist einfach zu stereotyp geraten und zu sehr an den Rand gedrängt. Clementine ist die "Zivilisierte", Chihuahua schon als "Nichtweiße" die "Wilde"; auch bei ihr leistet sich Ford archetypische Übertreibungen, die auf ein etwas seltsames Frauenbild schließen lassen. Wenn Clementine als die Kreuzbrave in biederer Kleidung und mit Dackelblick die Szenerie betritt, selbstverständlich Lehrerin ist, wenn am Anfang und am Ende ihr Lied-Leitmotiv erklingt und sich Earp mit einem (im Vergleich zum Obigen eher züchtigen) Kuss verabschiedet und die Gütige Clementine auf ihn warten wird - da kann einem schlecht werden. Wobei eines mal klar gesagt werden muss: Diese Übelkeit ist nicht auf den Charakter von Clementine zurückzuführen; sie hat wahre Größe, sie reist ihrem Freund Holliday nach, der sie fortgeschickt hat, man kann ihre Treue auch als Stärke interpretieren. Gut gestaltet und gespielt können solche Frauen unglaublich beeindruckend sein, vermeintlich devote Hingabe als Größe, Stärke, Treue aus Überzeugung und Liebe. Teresa Wright hat solche Parts gespielt in den 1940er Jahren, was wäre dies für eine Clementine gewesen. Weil ich solche Rollen also eigentlich liebe, ist umso ärgerlicher, wie Ford das enorme Potenzial dieses Parts verschenkt. Die Gütige entspricht äußerlich, biographisch und schauspielerisch so sehr dem Klischee, dass die potenziell beeindruckenden Seiten eines solchen Menschen unter die Räder geraten. Man kann ja noch verstehen, dass Earp sagt, ein besseres Mädchen werde Holliday nicht finden. Aber auch kein Schöneres, wie es heißt? Da hätte man mal mit dem Klischee brechen sollen, dass die Aufrichtige bloß nicht zu sexy wirken dürfe und der heiße Feger immer auch charakterlich ein Luder zu sein habe. Ford hat die beiden Frauenrollen zu archetypisch ausgestaltet und vor allem zu klischeehaft besetzt. Die wunderschöne Darnell als die "Gute", das wär's gewesen, wie z.B. in "Ein Brief an drei Frauen", oder in "Spielschulden" von Douglas Sirk, der bewusst eine positiv konnotierte Kleinstadtlehrerin entgegen dem Klischee mit der Sexbombe Darnell besetzt hatte. Der "gute Vamp", das ist doch einer der interessantesten Frauentypen, neben Darnell selbst war die jüngere Liz Taylor darin Meisterin (z.B. "Ein Platz an der Sonne").

Bei Clementine also ein eklatantes Missverhältnis zwischen narrativer Bedeutung der Rolle und Charisma der zu einseitig inszenierten Darstellerin. Und bei Chihuahua? Sie wirkt oft beeindruckend, wenn auch zu einseitig lasziv und mit zu übertrieben künstlicher Lockenpracht versehen. Aber auch aus ihrer Rolle wird schlussendlich nichts. Am Ende wird sie sich als tragische Schachfigur erweisen, als reines Mittel zum Zweck. Ihr Tod ist eigentlich ein Opfertod, der nur dazu dient, Holliday zu zeigen, dass er u.a. auch als Arzt versagt hat und dass er sein Leben neu ordnen muss. Passend dazu wird ihr nicht mal eine saftige Sterbeszene gegönnt; es wird nur berichtet, dass sie eine OP nicht überlebt habe, und dann ist sie raus aus der Geschichte. Nein, das ist kein Film der starken Frauenrollen; und das Leben einer weiblichen Figur als bloßer Katalysator für die Entwicklung einer männlichen Figur, das ist schon ein bisschen wenig und ärgerlich. Gerade bei der Darnell... Und gerade, weil man ab und an dann doch mal denkt, es würde mehr daraus. Darnell, wie sie ohne mit der Wimper zu zucken eine OP durchsteht, bei der sie unerträgliche Schmerzen durchleiden muss, weil Holliday keine Möglichkeit der Betäubung hat. Wild, stark, ungezähmt, das konnte sie immer gut; auch bei "Forever Amber" hat sie eine solche starke Szene, in der ihr Schmerzen nichts ausmachen. Clementine wäre vermutlich beim ersten Kratzer aus den Latschen gekippt. Nein, bei Chihuahua ist die Frage, ob der Westen "bezwungen" wurde, nicht so einfach zu beantworten. Umso bedauerlicher, dass ihr Tod dann eben doch eine Antwort gibt.

Insgesamt damit ein hochinteressanter Film mit Ärgernissen; ich schwanker zwischen drei und vier Sternen und runde einmal auf. Es sei am Ende bemerkt, dass sich die Vermutung, John Ford habe ein seltsames Frauenbild, in seinem (mir aber nur sehr unvollständig bekannten) Werk nicht durchgängig bestätigen wird. Trotz mancher anderslautender Kritik halte ich sein Spätwerk "Sieben Frauen" für schlicht großartig, sehr einfühlsam und fast schon eine radikale Gegenthese zu "My Darling Clementine" - denn in dem späteren Film sind die Frauen unbedingt Hauptfiguren und Subjekte statt nur Objekte für die Entwicklung der Männer.
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am 2. Juni 2007
Auch wenn die Story arg abweicht vom geschichtlichem Geschehen des W. Earp, tut es der Spannung keinen Abbruch und die erzählte Geschichte zwischen Earp und Holliday ist filmisch spannender als das reale Verhältnis vielleicht wirklich war.
Natürlich, dramaturgisch für heutige Filme nicht ganz so dicht und auch die Dialoge wirken das ein oder andermal hausbacken und schwülstig, der Schinken hat ja auch 60 Jahre auf dem Buckel. Doch dann sind da wieder diese düsteren Szene, diese unrasierten Darsteller (allen voran die Clantons), als wenn S. Leone das Casting bestimmt hätte. Und dann dieser einmalige Fonda, der steif, cool, überlegen und plötzlich hilflos wirkt. Unvergleichbar die Szenen beim Barbier, sein schüchternes Spiel beim Tanz und das kindliche Jonglieren auf einem Stuhl. Fonda wirkt unnachahmlich, einzigartig und für einen Western aus den 40ern spielt er den Charakter äußerst MODERN !!!

Wenn damals schon ein Cinemascope-Format zur Hand gewesen wäre (auch in S/W), hätte die unwirkliche Kulisse des Monument Valley dieses Meisterwerk in seinem Genre so gut wie unschlagbar gemacht.
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am 28. Mai 2007
Auch wenn die Story arg abweicht vom geschichtlichem Geschehen des W. Earp, tut es der Spannung keinen Abbruch und die erzählte Geschichte zwischen Earp und Holliday ist filmisch spannender als das reale Verhältnis vielleicht wirklich war.
Natürlich, dramaturgisch für heutige Filme nicht ganz so dicht und auch die Dialoge wirken das ein oder andermal hausbacken und schwülstig, der Schinken hat ja auch 60 Jahre auf dem Buckel. Doch dann sind da wieder diese düsteren Szene, diese unrasierten Darsteller (allen voran die Clantons), als wenn S. Leone das Casting bestimmt hätte. Und dann dieser einmalige Fonda, der steif, cool, überlegen und plötzlich hilflos wirkt. Unvergleichbar die Szenen beim Barbier, sein schüchternes Spiel beim Tanz und das kindliche Jonglieren auf einem Stuhl. Fonda wirkt unnachahmlich, einzigartig und für einen Western aus den 40ern spielt er den Charakter äußerst MODERN !!!

Wenn damals schon ein Cinemascope-Format zur Hand gewesen wäre (auch in S/W), hätte die unwirkliche Kulisse des Monument Valley dieses Meisterwerk in seinem Genre so gut wie unschlagbar gemacht.
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am 29. November 2008
"My Darling Clementine" ist ein Werk gelassener Meisterschaft. Wie seine Hauptfigur, Wyatt Earp, ist Regisseur John Ford seiner Fähigkeiten so sicher, dass er sie nicht demonstrativ zur Schau stellen muss, sondern als selbstverständlich voraussetzen kann. Wie Earp keine großen Worte macht und niemals unnötig mit dem Colt herumfuchtelt, so erzählt Ford seine Geschichte ruhig und lakonisch, ohne große Schauwerte, ohne Faxen, aber mit absoluter Sicherheit in der Wahl seiner Mittel. Jede Einstellung sitzt, jeder Dialog bringt die Situation auf den Punkt. In der ruhigen Art des Films liegt seine Kraft.
"My Darling Clementine" ist, wie "Stagecoach", ein archetypischer Western. Die kleine Westernstadt, das Hotel, der Saloon, der Sheriff, der Revolvermann, die Sippe der Mörder, das leichte Mädchen, die junge Dame aus dem Osten - alles ist da, und alles wirkt gleichzeitig mythisch und authentisch. Wer diesen Film gesehen hat, weiß, was ein Western ist, mit seiner eigenen, genretypischen Dramaturgie und seiner seltsamen Dialektik von Realismus und Märchen.
Henry Fonda ist Wyatt Earp. Von allen Heldendarstellern Fords war Fonda der vielseitigste. Über seine Darstellung des Ordnungsstifters, der so ruhig und unbeirrt sein Ziel verfolgt und stets kühlen Kopf behält, könnte man ein Buch schreiben. Fonda muss das beinahe Unmögliche darstellen: einen Mann, der den Posten des Sheriffs annimmt, um die private Rache für seinen Bruder zu verfolgen, und sich doch niemals von Rachegefühlen leiten lässt, sobald er das Amt übernommen hat, sondern es mit äußerster Integrität ausübt. Fonda glaubt man diese Figur nicht nur, sondern folgt ihm mit Vergnügen in die kleinen Eitelkeiten und Skurrilitäten dieses Mannes, der, wenn es darauf ankommt, entschlossen und souverän handelt, ansonsten aber kein stilisierter Westernheld ist, sondern ein Mensch wie wir alle.
Glänzend, wie stets bei Ford, die Besetzung der kleineren Rollen: Walter Brennan, fernab von "Stumpy"-Komik, als Old Man Clanton, Tim Holt und Ward Bond als Fondas Brüder, Linda Darnell und Cathy Downs, Grant Withers, Paul Fix ... allen sitzen ihre Rollenkostüme wie angegossen. Allerdings gibt es, ungewöhnlich für Ford, eine klare Fehlbesetzung: Victor Mature als Doc Holliday verfügt zwar über beachtliche Bildschirmpräsenz, und seine Szenen haben Energie, aber er wirkt einfach viel zu gesund und robust, und dabei nicht kultiviert genug für die Rolle des schwindsüchtigen Ostküsten-Arztes, der im Westen den Tod sucht (und er hat nicht die schauspielerische Klasse, um erfolgreich gegen seinen Typ anzuspielen). Das ist ein kleiner Makel eines ansonsten perfekten Films.

Die Ausstattung der DVD ist ähnlich puristisch orientiert wie der Film selbst: es gibt zwar viele Sprachfassungen, aber keine Extras. Die Bildqualität ist in Ordnung, die Tonqualität der deutschen Fassung dürfte besser sein. Der deutsche Titel "Faustrecht der Prärie" nimmt eine Spitzenstellung in dem seit Jahrzehnten andauernden Wettbewerb "Wer findet den unpassendsten deutschen Titel für einen fremdsprachigen Film" ein - nur ein sehr kleiner Teil des Films spielt in der Prärie, und es geht ja gerade darum, wie das Faustrecht (der Clantons und Hollidays) durch die gesetzliche Autorität des Sheriffs abgelöst wird. Sei's drum.
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am 2. August 2013
John Ford inszenierte diesen grandiosen Western-Klassiker 1946 nach einer Erzählung von Sam Hellman und lose angelehnt an die Wyatt Earp-Biografie von Stuart N. Lake.

Ford geht hier absichtlich sehr, sehr frei mit der Historie um. Er verlegt die Stadt Tombstone von Arizona in sein geliebtes Monument Valley, nimmt signifikante Änderungen an Handlungsabläufen und Figuren vor. Wyatt Earp etwa wird wie seine Brüder als einfacher, hart arbeitender Mann vorgestellt, und ist damit ein echter John Ford-Held. Dem Regisseur geht es weder um eine dokumentarisch akkurate Rekonstruktion der Ereignisse, noch um eine bis ins letzte Detail korrekte Biografie der Charaktere. Vielmehr erzählt er vor dem Hintergrund der in den Wilden Westen Einzug haltenden Zivilisation eine klassische Geschichte der Konfrontation von Gut und Böse.

Man könnte, da Filme bekanntlich auch immer Kinder ihrer Zeit sind, durchaus so weit gehen, diesen Western als Allegorie auf den erfolgreichen Kampf der Freiheit gegen den Faschismus zu interpretieren. Der Zweite Weltkrieg war ein Jahr zuvor mit dem Sieg der Alliierten und der völligen Kapitulation der Nazis zu Ende gegangen. John Ford, der den USA als Admiral gedient hatte, stand sicher noch unter dem Eindruck des Erlebten, als er nach Hollywood zurückkehrte. Auch Hauptdarsteller Henry Fonda hatte Kriegsdienst geleistet. "My Darling Clementine" war seine erste Arbeit nach seiner Rückkehr in die Heimat.

John Fords grandiose Bildkompositionen zeigen wie so oft eine sehr persönliche Geschichte. Er lässt seine Figuren im Vordergrund agieren, während dahinter der Fluss der Geschichte unaufhaltsam seinen Weg nimmt. Die Pioniere siedeln sich an und sorgen nach und nach für die Anbindung der so isoliert liegenden Stadt an eine dem Fortschritt aufgeschlossene Welt. Henry Fonda hatte in "Trommeln am Mohawk" (Drums Along The Mohawk, 1939) unter Fords Regie selbst einen heldenhaften amerikanischen Pionier gespielt.

Ford fängt die Szenerie genial ein. Er bedient sich beim Einsatz der Kamera einer bemerkenswerten Tiefenschärfe, sowohl bei Außenaufnahmen als auch in Innenräumen. Staub, Licht, Nebel, Regen, Rauch oder im Wind schwingende Lampen gehören zu den zusätzlichen visuellen Finessen, die einen Schauplatz mit Leben füllen.

Wyatt Earp (Henry Fonda), ehemaliger Marshall von Dodge City, treibt mit seinen drei Brüdern Rinder in Richtung Kalifornien, als sie nahe der Stadt Tombstone auf den Rancher Clanton (Walter Brennan) und seinen ältesten Sohn Ike (Grant Withers) treffen. Das Angebot, die Rinder sofort zu kaufen, lehnt Wyatt ab.

Schon in dieser Exposition beginnt Ford visuell mit der Gestaltung des späteren Konfliktes. Er kombiniert weitläufige Landschaftsaufnahmen mit den beteiligten Charakteren und lässt durch die Perspektive der Kamera keinen Zweifel aufkommen, wer hier die Helden und wer die Schurken sind.

Ford inszeniert auch die späteren Begegnungen der Earps mit den Clantons in Tombstone, ohne dabei zu viele Worte zu verlieren. Er lässt, wo immer er kann, die Bilder für sich sprechen und erschafft so unvergessliche Momente. Die Earps wissen, mit wem sie es zu tun haben, doch noch fehlen für eine Anklage wegen Mordes und Viehdiebstahls die Beweise...

In Tombstone kehren Wyatt, Virgil (Tim Holt) und Morgan (Ward Bond) ein, während James (Don Garner) draußen in der Prärie zurückbleibt, um auf das Vieh aufzupassen. Als die drei nachts an den Lagerplatz zurückkehren, sind die Rinder verschwunden. James ist tot, außerdem fehlt sein wertvolles Medallion aus Silber. Ford gewinnt sogar einer solchen Szene noch etwas besonders Einprägsames ab. James Leiche liegt neben seinem Pferd. Sein Fuß hängt noch im Steigbügel. Die folgenden Momente stiller Trauer zeigen ebenfalls, wie genial John Ford es verstanden hat, Emotionen über die Kraft der Bilder zu transportieren. Er zeigt die drei noch lebenden Brüder im strömenden Regen mit dem Rücken zur Kamera. Die Gesichter sieht man nicht.

Zuvor hatte Ford beim letzten Zusammensein am Lagerfeuer noch einmal den Zusammenhalt der vier Brüder beschworen. Nun wurde ausgerechnet der Jüngste, der kurz vor seiner Hochzeit stand, ausgelöscht und die Familie damit eines Teils ihrer Zukunft beraubt. Das Motiv der Einwirkung einer Form von Gewalt auf eine intakte Familie und die Folgen davon findet sich in vielen großen Filmen John Fords. Beispiele sind seine berühmte John Steinbeck-Verfilmung "Früchte des Zorns" (The Grapes Of Wrath, 1940), für die er einen seiner vier Regie-Oscars erhielt, und sein Jahrhundert-Western "Der Schwarze Falke" (The Searchers, 1956).

In Tombstone übernimmt Wyatt den ihm bereits zuvor angebotenen vakanten Posten des Marshalls, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen zu können. Seine Brüder werden seine Assistenten.

Wie Henry Fonda auf der Veranda in seinem Stuhl sitzt mit seinen Stiefeln an einem Stützpfosten, gehört ohne Frage zu den berühmtesten Bildern in John Fords Gesamtwerk und im Western-Genre allgemein. Es zeigt den aufrechten, unbestechlichen, stets wachen und aufmerksamen Mann des Gesetzes, der alles im Griff hat. Wie sehr Fords Blick auf die Pionierzeit in späteren Western von immer tiefer werdendem Pessimismus gekennzeichnet sein wird, zeigt sich etwa an folgendem Beispiel: In "Zwei ritten zusammen" (Two Rode Together, 1961), fünfzehn Jahre später, stellt Ford die berühmte Veranda-Szene aus "My Darling Clementine" (1946) praktisch auf den Kopf, wenn er den korrupten Marshall Mc Cabe (James Stewart) gelangweilt gähnend in einer ähnlichen Pose zeigt. In seinem letzten Western "Cheyenne" (Cheyenne Autumn, 1964) wird Wyatt Earp schließlich auf eine Weise porträtiert, die nichts mehr mit Henry Fondas Darstellung gemein hat. James Stewart spielt ihn darin als abgebrühten, gleichgültigen Zyniker.

Als Marshall von Tombstone sorgt Wyatt für Ordnung und erwirbt sich schnell den Respekt der Bevölkerung. Er und seine Brüder stellen sich in den Dienst der Gemeinschaft. Ihr Handeln ist in erster Linie sozial motiviert und erst in zweiter Instanz geht es um Vergeltung für den ermordeten James, ein exemplarisches Verhaltensmuster so vieler Ford-Protagonisten jener Jahre, anders als später etwa der von John Wayne verkörperte Ethan Edwards in "The Searchers" (1956), ein Rassist und Atheist, der von Hass und Rachedurst getrieben wird. Während Wyatt noch nach einem Weg sucht, gegen die Clantons vorzugehen, lernt er Doc Holiday (Victor Mature) kennen, einen berüchtigten Spieler mit der Reputation eines Killers, der mit der mexikanischen Barsängerin Chihuahua (Linda Darnell) zusammenlebt.

Das Verhältnis zwischen Wyatt Earp und Doc Holiday ist in "My Darling Clementine" deutlich reservierter und angespannter als in anderen Verfilmungen. Wirkliche Freunde fürs Leben werden die beiden nie. Schon ihre erste gemeinsame Szene legt diese Stimmung fest. Als die beiden zusammen trinken, besteht Holiday auf Champagner, während Wyatt eigentlich Whisky bevorzugt. Holiday ist aufgrund seiner persönlichen Situation ein Außenseiter. Personen, die aus den verschiedensten Gründen an den Rand einer Gesellschaft gedrängt werden, nehmen in Fords Filmen immer wieder eine signifikante Stellung ein. Holiday ähnelt ein wenig der Figur des Hatfield aus Fords "Stagecoach" (1939), und kann in seiner inneren Zerrissenheit auch durchaus als eine Vorstufe zu Ethan Edwards in "The Searchers" (1956) angesehen werden.

Eines Tages trifft Clementine Carter (Cathy Downs) in Tombstone ein. Sie ist auf der Suche nach Doc Holiday, den sie überreden will, zu ihr zurückzukehren. Clementine wird später in Tombstone bleiben und dort als Lehrerin wirken. Dieser Frauen-Typus, der repräsentativ für die enorme Wichtigkeit der Erziehung und Bildung in einer noch im Entstehen begriffenen Gemeinde steht, ist klassisch im Kosmos John Fords. Variationen solcher Charaktere finden sich nicht nur in seinen Western, sondern auch in anderen, meist besonders persönlichen Werken wie "Wem die Sonne lacht" (The Sun Shines Bright, 1953).

Wie praktisch alle großen Filme John Fords behandelt auch dieser ein Schlüsselereignis in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Ford selbst war sein Leben lang ein begeisterter Leser und liebte vor allem Werke, die sich mit amerikanischer Geschichte auseinandersetzten, was nachvollziehbar macht, warum ihn solche Themen auch in seiner Karriere als Filmemacher bis zuletzt nicht losgelassen haben.

Ford wurde in den 1890er Jahren geboren. Er hat sicher in jungen Jahren einige Menschen gekannt, die bereits zu der Zeit gelebt haben, in der seine großen Western spielen. Möglicherweise sind ihm durch diese Personen bereits Geschichten über den amerikanischen Westen zu Ohren gekommen, auch solche, die den großen Mythen jener Epoche und nicht gerade der absoluten Wahrheit verpflichtet waren, und die seine filmische Vision des Old West entsprechend beeinflusst haben, vor allem in seinen frühesten Western der Stummfilm-Zeit, sowie der 30er und 40er Jahre. In seinen Filmen der 50er und 60er Jahre wird John Ford einen viel dunkleren, pessimistischeren Ton anschlagen. Dem echten Wyatt Earp soll er übrigens noch persönlich begegnet sein.

"My Darling Clementine", sein erster Western seit "Stagecoach"(1939), gehört zu John Fords poetischsten Filmen. Er hat keinen besonders stringent aufgebauten Plot, aber das ist nicht das Entscheidende: Was dieses Werk so besonders macht, sind die archetypischen Szenen, mit denen der Geist einer Ära eingefangen und gleichzeitig der Konflikt zwischen den Earps und den Clantons geschildert wird. Für John Ford lagen die Wurzeln der amerikanischen Demokratie genau in jenem Zusammentreffen von Wildnis und Zivilisation, wie es in diesem Film gezeigt wird. Recht und Gesetz halten in Person Wyatt Earps und seiner Brüder Einzug in einen zuvor weitgehend rechtsfreien Raum. Die Clantons, die Gewalt und Anarchie repräsentieren, werden letztlich erfolgreich bekämpft. Der Weg dorthin fordert jedoch weitere Opfer, ein Thema, das man im John Fords Werken immer wieder vorfindet.

Mit dem Thema der von strahlenden Heldenmythen umwehten Geburt einer Nation wird sich John Ford auch in späteren Jahren filmisch auseinandersetzen. Besonders ambivalent behandelt er die Kernthemen aus "My Darling Clementine" in seinem grandiosen Alterswerk "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" (The Man, Who Shot Liberty Valance, 1962).

Der Showdown am O.K. Corall im Oktober 1881 ist ohne Zweifel die berühmteste Schießerei in der Geschichte des Wilden Westens. Legenden stilisierten sie oft zu einem Ereignis epischen Ausmaßes, in Wirklichkeit dauerte dieser Schusswechsel aber nur etwa 30 Sekunden. Zumindest was die Länge der Schießerei angeht, bleibt Ford den Fakten halbwegs treu.

Henry Fonda, der unter Fords Regie neben "Trommeln am Mohawk" bereits unvergessliche Auftritte als Abraham Lincoln in "Der junge Mr. Lincoln" (Young Mr. Lincoln, 1939) und natürlich als Tom Joad in "Früchte des Zorns" (The Grapes Of Wrath, 1940) geboten hatte, festigte mit seiner Darstellung des Wyatt Earp seinen Status als Superstar und lebende amerikanische Ikone. Fonda spielt Wyatt Earp mit der für ihn typischen stillen Autorität. Seine große Stärke als Schauspieler lag eben in dieser ruhigen Art. Selbst wenn er kaum eine Miene verzieht, weiß man in jedem Moment genau, was gerade in der Figur vorgeht. Seine Autorität äußert sich von innen heraus, so dass man gar nicht merkt, dass er schauspielert.

Im Umgang mit der holden Weiblichkeit wirkt dieser Wyatt Earp geradezu rührend schüchtern, zumindest wenn es um jemanden wie Clementine Carter geht, in die er sich offensichtlich verliebt hat. Für eine solche echte Lady erhebt er sich aus seinem Lehnstuhl und bringt ihr das Gepäck aufs Zimmer, was er bei Chihuahua nie getan hätte. Jemandem wie der heißblütigen Mexikanerin, die er bereits einmal beim Pokern als Betrügerin ertappt hat, spendiert er lieber eine Abkühlung im Wassertrog.

Während er nach einem Besuch beim Frisör- eine der komischsten Szenen, die John Ford je gedreht hat- beim gemeinsamen Tanzen und Feiern vor dem Gerüst der Kirche mit Clementine herrlich unbeholfen über das Parkett fegt, vollführt er nach einer Schimpftirade von Chihuahua seelenruhig im Stuhl balancierend eine kleine Tanz-Choreographie mit den Füßen. Auch das sind typische Ford-Momente, die zeigen, wie humorvoll er bei allem Ernst sein konnte. Tanz-und Gesangseinlagen sind natürlich auch ein Markenzeichen John Fords. Der Meister zelebriert das Leben, insbesondere das Leben in einer Gemeinschaft, als Abfolge von Ritualen.

Den Platz der im Gesamtwerk des gläubigen Katholiken John Ford so oft wiederkehrenden Figur des Predigers nimmt diesmal der Diakon von Tombstone (Russell Simpson) ein. Russell Simpson hatte unter anderem unter Fords Regie den Vater in "Früchte des Zorns" gespielt und Jane Darwell, damals die unverwüstliche Mutter, tritt diesmal in einer kleinen Rolle als Chefin des Bordells auf. John Ford liebte es, eine Vielzahl ihm vertrauter und lieb gewonnener Darsteller über viele Jahre hinweg immer wieder in seinen Filmen einzusetzen.

Die beiden als Antagonistinnen aufgebauten weiblichen Figuren und ihr Streit um die Gunst des todkranken Doc Holiday sind für Ford nur bedingt interessant. Die Entwicklung dieses Handlungsstranges dient eher dazu, die männlichen Protagonisten, allen voran Doc Holiday selbst, ihrem unvermeidlichen Schicksal zuzuführen.

Als Holiday später die von Billy Clanton (John Ireland) angeschossene Chihuahua, in deren Besitz sich das verschwundene silberne Medallion befand, in einem Hinterzimmer des Saloons notoperieren muss, hört man, wie sich nebenan eine Gruppe von Cowboys prächtig amüsiert. Auch das ist typisch für John Ford. Tod und Leben liegen wieder einmal ganz nahe beieinander.

Victor Mature überzeugt als Doc Holiday, auch wenn er für einen Mann, der an Lungentuberkulose leidet, eindeutig nicht krank genug aussieht. Holidays Selbsthass, den er mit Alkohol zu betäuben pflegt und seine Todessehnsucht vermittelt er trotzdem sehr gut, letzteres vor allem in der Szene mit dem ins Straucheln geratenen Schauspieler Thorndyke (Alan Mowbray), dessen Hamlet-Monolog er zu Ende spricht. Solche Szenen dienen einzig und allein der Charakterisierung von Figuren. Holiday spricht in dem Monolog über sich selbst, und Wyatt weiß das.

Die Clantons sind ebenfalls anwesend und erweisen sich als verrohte Tölpel, die für solcherlei Kultur nichts übrig haben. Der alte Clanton und Wyatt Earp bilden die beiden Antipoden des American Frontier. Hier der edle Viehtreiber, der nur zur Waffe greift, wenn er keine andere Wahl hat, nur in Notwehr tötet und sogar seinem größten Feind vor einem Duell noch die Chance gibt, sich freiwillig zu stellen, dort das personifizierte Böse, ein Mann, der seine eigenen Söhne wie Vieh behandelt und der seine Philosophie nach einigen deftigen Peitschenhieben in nur einem einzigen Satz zusammenfasst: "When you pull a gun, kill a man!"

In Kontrast zur Gewalttätigkeit des alten Clanton und seiner Söhne steht natürlich auch der wohl schönste Dialog des Filmes zwischen dem sanften Wyatt und dem Barkeeper: "Mac, have you ever been in love?" "No, I have been a bartender all my life."

Diese Special Edition bietet auf der ersten Disc die Kinofassung mit einem hervorragenden Audio-Kommentar von Ford-Biograf Scott Eyman und Wyatt Earp III. Der Kommentar geht unter anderem ausführlich auf John Fords Stil der Inszenierung ein und untersucht, inwiefern sich der Film an die wahren Ereignisse und Persönlichkeiten hält oder sich von der Historie entfernt, und warum Ford und Drehbuchautor Winston Miller dies getan haben.

Das Bild liegt im Format 4:3 Vollbild vor und ist sehr gut restauriert. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor und klingt im Original sauberer. Dazu gibt es entsprechende Untertitel. Der Audio-Kommentar ist deutsch untertitelt.

Von der deutschen Synchronisation möchte ich allerdings abraten, da sie die Original-Dialoge oft verfälscht wiedergibt und deren eigentlichen Sinn entstellt, zum Beispiel bei dem schon genannten berühmten Ausspruch des alten Clanton. Außerdem passen die deutschen Stimmen zum Teil nicht zu den Schauspielern, vor allem Henry Fondas Sprecher ist eine glatte Fehlbesetzung.

Die zweite Disc enthält die längere Preview-Fassung in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. In einer Dokumentation erläutert Restaurator Robert Gitt die Unterschiede zwischen dieser Preview-Version, die viel alternatives Material aus John Fords Rohschnitt enthält, und der finalen Kinofassung. Hier, ebenso wie im Audio-Kommentar auf Disc 1, erläutern die Experten anschaulich, welche Änderungen und Kürzungen Studio-Boss Darryl F. Zanuck im Vergleich zu der Fassung vornahm, die John Ford ihm zuerst vorgelegt hatte und warum er sich entschied, den endgültigen Schnitt zu übernehmen.

Fords bevorzugte Endfassung wäre, legt man die Preview-Version zugrunde, wahrscheinlich deutlich länger ausgefallen als die Kinofassung und hätte weniger Musik enthalten. Ein paar Szenen und Einstellungen in der endgültigen Kinofassung wurden sogar erst später von Lloyd Bacon nachgedreht, etwa der Kuss auf die Wange in der Abschiedsszene am Ende.

Auch Wyatt Earps Monolog am Grab seines Bruders James, eigentlich eine für Ford typische Szene, stammt nicht von ihm. Lloyd Bacon hat hier lediglich den Stil John Fords imitiert. Ford selbst hatte eine eigene Version dieser Szene gedreht, jedoch wurde diese von Studio-Boss Darryl F. Zanuck verworfen. Bei der Inschrift auf dem Grabstein ist zudem ein Fehler passiert. Die Lebensdaten sagen 1864-1882. Die Ereignisse in Tombstone fanden aber im Jahre 1881 statt.

An der Dokumentation über die Preview-Version bekommt man einen guten Einblick, wie das alte Studio-System Hollywoods oft funktioniert hat. Weder bei der Preview-Version noch bei der Endfassung von "My Darling Clementine", die 1946 in die Kinos kam, handelt es sich um einen klassischen Directors Cut, bei dem der Regisseur das letzte Wort gehabt hätte. Die Endfassung wurde vielmehr unter der Oberaufsicht des Studio-Chefs erstellt, der nicht selten sogar persönlich zur Schere gegriffen hat. Man muss bei der finalen Kinofassung daher von einem Producers Cut sprechen.

Man muss Darryl F. Zanuck allerdings zugute halten, dass er trotz aller Änderungen behutsam mit dem Material umging und somit sicherstellte, dass es sich immer noch um einen echten John Ford-Western handelt. Die Handschrift des Meisters ist von Anfang bis Ende unverkennbar. Der Film blieb insgesamt intakt.

Als weitere Extras gibt es Trailer und eine Bildergalerie und in der DVD-Hülle ein Inlay im Poster-Format, das wie die Seiten einer alten Zeitung gestaltet ist und weitere Informationen zu John Ford und dem Film bietet.

Eine wirklich sehr gelungene Edition mit ein paar kleinen Schönheitsfehlern in der Aufmachung. Die Erwähnung einer Übermacht von 300 Banditen auf der Rückseite des Covers ist natürlich Humbug. Zudem ist Doc Holiday in diesem Film ein Chirurg und kein Zahnarzt und Clementine Carter hat mit dem Kampf der Earps gegen die Clantons absolut nichts zu tun.

John Ford hat zweifellos viele tolle Western gedreht. "My Darling Clementine" (1946) ist für mich zusammen mit "The Searchers" (1956) und "The Man, Who Shot Liberty Valance". (1962) einer seiner drei besten. Einer der schönsten amerikanischen Western überhaupt, auch wenn er sich sehr viele Freiheiten gestattet und eindeutig auf romantische Weise einem Mythos huldigt.

Ein wunderbar stimmungsvoller Klassiker, der in jede gute Filmsammlung gehört und in dem Ford, wie es seiner damaligen Haltung entsprach, ein sehr optimistisches Bild jener Ära zeichnet. In dem vier Jahre später entstandenen, ebenfalls großartigen Western "Westlich St. Louis" (Wagon Master, 1950), der zahlreiche Parallelen zu "My Darling Clementine" aufweist, wird er dies erneut tun. Absolut unverzichtbar für jeden Western-Fan und für John Ford-Fans sowieso!
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am 21. August 2006
John Ford hat viele große Filme gedreht - "My Darling Clementine" gehört neben "Stagecoach" und "The Searchers" zu den besten Western Fords.Der Film entwickelt seine Geschichte, läßt sich glücklicherweise viel Zeit dabei, denn damit wir eine eigene Atmosphäre geschaffen, die weit über die Spannung des Fights am O.K.Corral hinausgeht. Auch Romantiker kommen nicht zu kurz - die Liebesgeschichte(n) werden sehr subtil dargestellt.

Hochinteressant ist der Vergleich zwischen den beiden hergestellten Fassungen des Films - sehr gut kommentiert!

Kleiner Fehler am Cover: "...gegen eine Übermacht von 300 Banditen..." - welcher Film ist da gemeint?
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