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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Du musst Caligari werden!", 30. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Cabinet des Dr. Caligari - inkl. 20-seitigem Booklet [Blu-ray] [Deluxe Edition] (Blu-ray)
Endlich gibt es eine komplett restaurierte Version einer "Der" deutschen Stummfilm Klassiker.
Auch wenn "Metropolis" bei der breiten Masse bekannter ist, so ist "Das Cabinet des Dr. Caligari" in seiner Film- historischen Bedeutung gleich zu setzen !
Robert Wiene hat dem deutschen Expressionismus ein Denkmal gesetzt. „Der Expressionismus ist keine Mode. Er ist eine Weltanschauung“, hatte Herwarth Walden, der rastlose Begründer von Galerie und Zeitschrift „Der Sturm“ in Berlin, 1919 proklamiert. Und diese Weltanschauung wurde von Robert Wiene bis ins letzte Detail in Szene gesetzt !
Dieser Film gibt ein wundervolles Spiegelbild eines durch den WW I zu tiefst ins Chaos gestürzten Landes.
Was vorher war zählt nicht mehr. Neue Werte müssen her. Alles ist möglich. Nur im Chaos kann ein neues Deutschland erblühen. Keine klaren Linien mehr. Alles muss Ecken und Kanten haben. Abstrakte Formen und Farben.
All das atmet dieses verstörte Meisterwerk zu jeder Sekunde ein und wieder aus.
Ein Sigmund Freud oder Friedrich Nietzsche könnten sich an Caligari richtig abarbeiten.
Stummfilm hat seinen ganz eigenen Reiz. Sich darauf in unserer immer schneller drehenden Welt, bei der im Augenblick verharren immer seltener wird, einzulassen fordert !
"Das Cabinet des Dr. Caligari" wird nicht eben ein Mainstream Publikum anziehen. Sondern ist vor allem ein Film für Film Liebhaber und Menschen, die historisch interessiert sind.
Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hat hier wieder ganze Arbeit geleistet ! Unglaublich wie man es geschafft hat aus den Original Bändern und einigen Kopien das Filmmaterial in derartigem hochwertigen neuen Glanz erstrahlen zu lassen ! Kein vergleich mehr zu vorigen restaurierten Auflagen. Die Bilder sind gestochen scharf ! Den Fehler so manch anderer Restaurationen, den Film zu sehr zu glätten und ihm somit den ursprünglichen Charm zu nehmen, hat man vermieden. Vereinfacht gesagt hat man absichtlich nicht jede Körnung und Riss geglättet.
Jetzt kommen die verschiedenen Farbelemente des Films, die für einige entscheidenden Szenen wirklich Bedeutungsvoll sind, richtig zum tragen ! Vorher war das alles nur ein Brei aus schwarz-weiß und braun Tönen. Das Bild ist im Format 1,33:1 (1080p) !
Da werden sich sicher wieder welche drüber aufregen. Ich finde das dem Film angemessen, weil es so authentisch wirkt.

Für all das 5 Sterne !
Was allerdings das Bonus Material angeht, da bin ich von anderen Neu Auflagen der F.W.M. Stiftung besseres gewohnt.
Die 50 Min. Doku "Caligari - Wie der Horror ins Kino kam" ist richtig sehenswert und klärt uns über die damaligen Verhältnisse in der Gesellschaft auf und bringt uns den Expressionismus näher.
Zur Restaurierung gibt es außer einem kurzen Clip keine weiteren Infos. Ebenfalls zur Filmmusik. Dazu erfährt man Wissenswertes nur im 20 seitigen Booklet. Wirklich schade. Gerade richtige Filme Fans sind begierig darauf Einzelheiten zu Restauration und Hintergründen zu erfahren.
Aber gut. Das schmälert ja nichts an der Klasse des Films und dem was man mit neuster Technik daraus gemacht hat !
Ich bin sehr gespannt auf weitere Neu Auflagen von deutschen Stummfilmen. Ernst Lubitsch Frühwerke wären längst einmal an der Reihe
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DER Urknall des deutschen Kinos!, 13. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieser Film kann mit Fug und Recht als DIE Geburtsstunde des deutschen Kinos gewertet werden. Nie Zuvor hat ein Film solch einen Einfluss auf das öffentliche Leben der normalen Bürger gehabt, wie DAS CABINET DES DR. CALIGARI. Bereits Wochen vor dem Filmstart wurden Plakate aufgehängt mit kryptischen Botschaften und Zeichnungen. Dieser Film ist gleichzeitig der Einzug des Mediums in die Welt der Kunst und auch der erste Horror-Film überhaupt. Ja, von nun an galten auch Filme als Kunstwerke.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, wollten die Menschen das Neue, das Andere. Studenten und Philosophen richteten sich gegen die männerbündische Gesellschaft der Politiker mit ihren Normen und Ansichten, der verstärkten Rückgriffe auf die Ideale des Deutschen Kaiserreichs. In den Augen der Gegner dieser Politik, muss der Weltkrieg wohl als Konsequenz aus dieser Rückständigkeit gelten.
Zu dieser Zeit wurde auch der Stil des Expressionismus in Kunst und Literatur immer beliebter. Dieser Stil zelebriert den Umbruch, das Unförmige, der Umgang mit Farbe und Form wurde frei.
Für mich bedeutet dieser Stil vor allem aber das Ausdrücken der inneren Gefühle. Wo beim entgegengesetzten Naturalismus alles so echt wie möglich sein sollte, setzten die Expressionisten auf kantige Formen, zersprungene Gesichter, grelle Farben und spitze Winkel.

Diese eingangs erwähnten Gruppierungen, fanden im Expressionismus einen Stil, um die Umwälzungen, die sie sich wünschten, auszudrücken.
Zu dieser Zeit kam den Inhabern der DECLA-Filmgesellschaft auch die Idee, einen Film zu drehen, welcher sich komplett von all den anderen kurzen Sketschen und Nachrichtensendungen, welche das Kino damals dominierten, unterscheiden sollte. Er sollte, ähnlich dem Theater, eine in sich geschlossene Handlung aufzeigen und vor allem einen Erkennungswert, also einen Stil besitzen! So wurde auch hier auf den Expressionismus zurückgegriffen.

Die Drehbuchautoren Carl Mayer und Hans Janowitz schrieben eine sehr gewagte Geschichte über den Kuriositätenaussteller Caligari, welcher bei Tag einen Somnambulen Cesare (Schlafwandler für alle Nicht-Lateiner) ausstellt, der auf seinen Befehl hin kurz erwacht und den Leuten die Zukunft vorhersagt. Die Freunde Alan und Franzis lassen sich dieses Ereignis, wie viele andere Menschen, freilich nicht entgehen! Alan wird daraufhin der Tod vorhergesagt. Alan wird tatsächlich noch in dieser Nacht getötet. Franzis glaubt, Dr. Caligari und sein Somnambule stehen in direktem Zusammenhang mit den Morden. Was er, mit dem Zuschauer zusammen, aber herausfindet, überrascht uns wie eine Ohrfeige, wie der französische Filmkritiker Louis Delluc so treffend schrieb.

Man muss sich vorstellen: Zu dieser Zeit hat der Film wie ein Rausch, wie pure Aufregung gewirkt: Die gezeigten Morde, der Somnambule, der nachts durch die Strassen schleicht, die Szene, in welcher er zum ersten Mal die Augen öffnet, all das hatte eine wahnsinnig beängstigende Wirkung auf die Menschen von damals. Das Kino, einst ein Ort der Unterhaltung, wurde zu einem Ort des Schreckens und der Angst. Zumindest sagten dies die „bringt uns unseren Kaiser Wilhelm“-Anhänger. Diese dürften aber eher auf andere Details geachtet haben: Früher war es unsittlich, beispielsweise eine offene Jacke zu tragen, durch die Straßen zu schlendern und den Hut schief auf dem Kopf zu tragen…Nun, all das tut unser Held in der Geschichte und nicht nur er, die ganzen Menschen im Film haben diese bohemische Art zu Leben. Der Spaß am Leben siegt über den Ernst. Die Freizeit wird wichtiger als die Arbeit.
Caligari war also auch der erste Film der polarisiert hat, der Diskussionen aufwarf und der sich mit dem Thema Wahnsinn befasste.

Vor allem aber, war es dieser Film, der den Ruf der Deutschen als das Filmland Nummer 1 zementierte. Es ist bis heute beispiellos in der Filmgeschichte eines Landes, was in den Jahren 1920-1927 für hochkarätige, höchst unterschiedliche, Filme in so dichter Zeit entstanden. DER GOLEM, SCHLOß VOGELOED, NOSFERATU, DIE NIBELUNGEN, DR.MABUSE, DER LETZTE MANN, FAUST METROPOLIS um nur einige zu nennen. Hollywood schaute neidisch auf uns und kopierte fleißig unsere Ideen, Themen und sogar die Spezialeffekte (später auch unsere Regisseure, aber die gingen eher freiwillig, denn der Nationalsozialismus warf seine Schatten voraus).
Apropos Nationalsozialismus: Im Nachhinein sehen viele eine Warnung vor eben diesem in dem Film. Denn wie Dr. Caligari die Menschenmassen mit großen Versprechen anlockt und seinen Willen dem jungen Cesare aufdrückt, ihn regelrecht steuert, deutet auf die vielleicht insgeheime Sehnsucht der Deutschen nach einem Führer hin, einem dem man folgen möchte, der sagt was zu tun ist.
Nun, ich finde, es ist ziemlich weit hergeholt und auf das Trauma, das der Nationalsozialismus uns zufügte, zurückzuführen.
Fakt ist jedoch, dass sich durch den Film der Begriff Caligarismus formte…

Auf jeden Fall ist die DVD bzw. Blu-Ray der Transit Film hervorragend gelungen. Aus dem 94 Jahre alten Film wurde ein 4-K Master geschaffen, dass sich sehen lassen kann. Die ganzen Details der Kulissen und vor allem die ganzen Grauabstufungen sorgen für ein Erlebnis, welches wohl nicht mal in den Kinos früher so schön aussah! Endlich ist dieser Film Verfügbar und für die Ewigkeit gerettet. Niemand, der im geringsten was für Kino übrig hat, darf sich diesen Film entgehen lassen!

Noch eine Anmerkung von mir: Mir kommt DAS CABNIET DES DR. CALIGARI wie der Prototyp eines typischen Tim Burton Films vor: Dr. Caligari sieht fast 1:1 so aus, wie Danny DeVito als Pinguin in BATMANS RÜCKKKEHR, der Somnambule Cesare ist in seinem schwarzem Ganzkörperkostüm definitiv mit EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN verwandt,, die Kulissen sind A NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS extrem ähnlich und die ganze Stimmung ist einfach irgendwie Burtonesuqe. Ich glaube also, dass der gute Herr Burton sich diesen Film wohl auch einige male angeguckt hat.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragende Veröffentlichung!, 28. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Cabinet des Dr. Caligari - inkl. 20-seitigem Booklet [Blu-ray] [Deluxe Edition] (Blu-ray)
"Das Cabinet des Dr. Caligari" war ein wichtiger Wegbereiter des deutschen Kinos und ist bis heute ein genialer Film. Es ist für uns heutzutage natürlich etwas ungewohnt sich mit einem Stummfilm auseinander zu setzen, da wir seit vielen Jahrzehnten Tonfilme für selbstverständlich halten. Dennoch lohnt es sich, dieses Werk anzuschauen! Man glaubt es kaum, aber dieser Film war für die damalige Generation furchteinflößend und durch ein geschicktes Marketing wurde dieser Effekt noch zusätzlich verstärkt. Auf den Filminhalt gehe ich an dieser Stelle nicht ein und befasse mich kurz mit den technischen Gegebenheiten dieser Blu-ray.

Zum Bild: Dieses wurde neu viragiert (eingefärbt) und sieht nicht zuletzt durch seine Laufruhe, dem hervorragenden Kontrast und erstaunlichen Schärfe unglaublich gut aus - Respekt an die zuständigen Restauratoren! Ich bin mir jetzt gerade nicht ganz sicher aber ich meine, dass der erste Akt aufgrund der Verwendung eines anderen Quellmaterials qualitativ leicht abfällt, spätestens ab dem zweiten Akt wird es dann noch einmal deutlich besser. Das ursprüngliche Bildformat (1:1,33) wurde beibehalten, also nicht wundern, wenn sich links und rechts neben dem Bild dicke schwarze Balken befinden - das hat schon seine Richtigkeit ;-)

Die Tonspur (DTS-HD 2.0) wurde natürlich neu aufgenommen und klingt dementsprechend frisch und sauber.

Bonusmaterial: 20-seitiges Booklet mit vielen Infos zum Film, Doku: Dr. Caligari - Die Geburt des Horrors im Ersten Weltkrieg, Making-of der digitalen Restaurierung sowie Restaurierungsbeispiele. Ein Wendecover ist ebenfalls enthalten.

Ich habe mir "Dr. Caligari" zusammen mit "Nosferatu" gekauft, welche zeitgleich erschienen sind. Zwar waren die Filme etwas teurer als so manch aktueller Hollywood-Blockbuster im DVD/Blu-ray-Regal aber ich bin der Meinung, dass hier jeder Cent gut angelegt ist.

Übrigens: wenn ich mir die Kulissen von "Dr. Caligari" so anschaue dann habe ich so eine Vermutung, welcher Film US-Regisseur Tim Burton für seine Set-Designs inspiriert haben dürfte :-)
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5.0 von 5 Sternen Großartiger Film in sensationeller Aufmachung, 24. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Cabinet des Dr. Caligari - inkl. 20-seitigem Booklet [Blu-ray] [Deluxe Edition] (Blu-ray)
Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich diese BluRay beeindruckt hat! Ein ohnehin schon fantastischer und nach wie vor spannender, gruseliger, unheimlicher und mysteriöser Film, der nach einer halben Ewigkeit vom Staub der zeit fast völlig befreit wurde. Es ist eine sagenhafte Meisterleistung, die die RestauratorInnen da hingelegt haben. "Caligari" sah aus, als swäre er gestern gedreht worden.

Bin hin und weg. Enough said.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Mutter aller Horrorfilme in überwältigender Restauration..., 14. Oktober 2014
Von 
Ray "rayw260" (Rheinfelden) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der junge Francis (Friedrich Feher) sitzt mit einem anderen Mann auf einer Parkbank. Als er eine Frau (Lill Dagover) vorbeigehen sieht, erklärt er "Das war meine Braut und was ich erlebt habe, ist noch viel seltsamer als allws, was Ihnen begegnet ist, ich werde es Ihnen erzählen". In dieser Rückblende tut sich vor dem Auge des Zuschauers der Vorhang auf in die norddeutsche Kleinstadt mit dem Namen Holstenwall. Dort ist gerade Jahrmarkt und man sieht das Treiben im Städtchen verzerrt durch schräge Linien, schiefen Hausfassaden und Wände, geneigte Ebenen, unklare Wege oder schräg hängende Laternen. Dort lebt Francis und wird von seinem besten Freund Alain (Hans Heinrich von Twardowski) überredet sich ins Vergnüngen zu stürzen. Auf dem Jahrmarkt selbst gehört auch Dr. Caligari (Werner Krauss) zu den Schaustellern und Akteuren. Vom städtischen Beamten, der ihn sehr hochmütig und mit Verachtung behandelt hat, bekam er die Genehmigung, dass er sein Medium Cesare (Conrad Veidt), einen Somnambulen, präsentieren darf. Dieses zombieartige Wesen verbringt sein Leben in einem todesähnlichen Schlaf und kann nur durch die hypnotische Beeinflussung seines Meisters Caligari zum Leben erwachen. Das Publikum nähert sich neugierig. Noch während der Jahrmarkt im Gange ist, wird der Beamte, der die Genehmigung ausstellte, tot aufgefunden. Ein grässlicher Mord in der Kleinstadt, doch Francis und Alain befinden sich im Zuschauerraum und sehen die Erweckung des geheimnisvollen Mediums. Der Doktor gibt bekannt, dass Cesare in der Lage ist sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft zu sehen. Alain stellt ihm die Frage "Wie lange lebe ich noch ?", worauf das Medium "Bis zum Morgengrauen" antwortet. Ein Schock im ersten Moment, doch die beiden jungen Männer glauben der Wahrsagerei natürlich nicht und treffen auf dem Heimweg die hübsche Jane (Lil Dagover), in die sich beide Männer verlieben. Sie bemerken es und beschliessen, dass Jane entscheiden soll, wer ihr Herz erobern kann, Freunde wollen sie in jedem Fall bleiben. Dann ist Nacht. Am Morgen ist Alain tatsächlich tot. Wieder mit einem Messer, der zweite Mord innert weniger Stunden. Francis verdächtigt Caligari und beobachtet ihn. Dieser wacht neben einem sargähnlichen Kasten, in dem Cesare liegt. Dann geschieht ein dritter Mordversuch, der in letzter Sekunde von der Polizei vereitelt wird. War der Verdacht unbegründet ? Jedenfalls sitzt der vermeintliche Mörder im Gefängnis, aber dennoch wird Jane von Cesare in ihrem Bett angegriffen...
Am Ende einer wilden Verfolgungsjagd flieht Caligari in ein Irrenhaus. Francis scheint am Ziel seiner Ermittlungen im Fall Caligari angelangt zu sein: Es stellt mit Zeugen fest, dass Caligari mit dem Direktor identisch ist. Mit Hilfe hypnotischer Beeinflussung wollte der wahnsinnige Wissenschaftler die totale Manipulierbarkeit von Somnambulen nachweisen. Es bleibt allerdings ungeklärt, wie aus dem Diretor Caligari werden konnte, der im 18. Jahrhundert in Italien lebte und mit seinem Medium die Dörfer bereiste. Auch damals gabs immer wieder Morde, die in diesem Umfeld verübt wurden. Als Francis seine Erzählung beendet hat, geht er in das Anstaltsgebäude. Er begegnet dort Cesare, dem Direktor, auch seiner Braut Jane. Der Direktor sieht nun nicht mehr verrückt aus, sondern macht einen ganz normalen Eindruck. Francis selbst gehört zu den Insassen des Irrenhaus und unterliegt den dort geltenden Gesetzen der Realität. Der Direktor erklärt seinen Helfern, dass Franics ihn für diesen verstorbenen Caligari hält, dass er ihn aber nun, wo er die Krankheit kenne, den Mann heilen kann...,
Das hervorstechendste Merkmal dieses bahnbrechenden, expressionistischen Stummfilms aus dem Jahr 1920 ist weder die Geschichte noch die Thematik, sondern der Dekor. Ob aus ökonomischen oder künstlerischen Beweggründen, es war jedenfalls ein gewaltiger Schritt von den üblich naturalistischen Bauten zu dieser völligen Künstlichkeit der Welt des Doktor Caligari. Die Ausstatter Hermann Warm, Walter Reimann und Walter Röhrig waren Mitglieder der Berliner "Sturm" Gruppe und machten aus der finanziellen Not der Decla Filmgesellschaft eine innovative Tugend. Sie erstellten statt aufwendiger Kulissen aus Pappe, Leinwand und Sperrholz eine unnaturalistische Alptraumvision. Dadurch, daß alles irreal, gestaucht, kubistisch, schief, eben anders erscheint, akzeptiert man als Zuschauer selbst einen Jahrmarkt, der eigentlich nur aus einem Leierkastenmann, einem Treppengeländer, einigen angedeuteten Zelten, zwei stilisierten Karussells, diversen durchs Bild strömenden Statisten und einem gemalten Hintergrund besteht. Zur Amtsstube im Rathaus führen kafkaeske, endlos erscheinende Korridore. Autoritäten sitzen auf absurd hohen Stühlen, Schatten auf Wänden und Gesichtern sidnd aufgemalt. Besonders das fingerdicke Makeup von Conrad Veidt wirkt enorm geisterhaft.
"Das Cabinet des Dr. Caligari" ist ein Film von Robert Wiene aus dem Jahr 1919 und wurde bei seiner Uraufführung 1920 zum riesigen Kinoerfolg. Als Sensation galt, dass nun die Kunst Einzug in das noch neue Medium Film gehalten hatte. Aus diesen Grunde wurde der deutsche Film der Weimarer Republik weltberühmt und drohte Hollywood den Rang abzulaufen. Es enstanden weitere Meisterwerke wie "Der Golem" (1920, Carl Boese, Paul Wegener), "Nosferatu" (1922, F.W.Murnau) oder "Metropolis" (1927, Fritz Lang). Auch Jahrzehnte später ist der Einfluss dieses Kino-Frühwerks in der Filmgeschichte noch zu spüren - er ist so etwas wie der Archetyp des Psychothrillers, der tief in die Abgründe der Seele blickt und auch lange nicht alle seine Geheimnisse preisgibt. Sogar Martin Scorseses "Shutter Island" dürfte sehr stark von diesem Meisterwerk inspiriert worden sein.
Der Expressionismus selb ist eine den Anfang des 20. Jahrhunderts prägende Kunstrichtung. Durch die Vereinfachung der Formen und den Einsatz von kräftiger, kontrastreicher Farbgebung war es eine Gegenbewegung zum Realismus, Naturalismus und Impressionismus. Im Grunde eine Kunst des gesteigerten Ausdrucks. Die Erben dieser Filme können in den beiden Genres Film Noir und Horrorfilm angesehen werden. Am Ende erscheint die Handlung unwirklich, da sie sich scheinbar als Hirngespinst eines Insassen einer Nervenheilanstalt entpuppt. Doch diese Erklärung steht auf brüchigem Boden, da es offensichtlich ist, dass hier auch Autoritäten attackiert werden und die Figuren des Films Mühe haben mit der eigenen Identität. "Wer bin ich ? " steht allgegenwärtig im Raum und auch die bange Frage, wer das Gegenüber ist.
Siegfried Kracauer zog 1947 in seinem einflussreichen Buch "Von Caligari zu Hitler" eine interessante sozialpsychologische Parallele zwischen dem Filmstoff und dem aufkommenden Nationalsozialismus. So sieht er in Caligari eine der vielen Tyrannen-Figuren des Weimarer Republik. Die dem Drehbuch von Janowitz und Mayer durch Regisseur Robert Wiene hinzugefügte Rahmenhandlung interpretierte Kracauer als einen Akt politischer Verdrängung, da er die angebliche Intention des Films in sein Gegenteil verkehrt habe. Mit der Umkehrung der Rolle des Wahnsinnigen und des Gesunden sei die Autorität in Form Dr. Caligaris wieder bekräftigt worden. Für den Autor selbst, der die Allmacht der Staatsgewalt anprangern wollte, war Calgari das Symbol einer schrankenlosen Macht - die durch Militärdienstpflicht und Kriegserklärungen über Leben und Tod von Untertanen bestimmen können. Cesare dagegen das Bild des zum willenlosen Werkzeug abgerichtete kleinen Mannes und Francis fungiert als Vertreter der Vernunft und würde zumindest in eine positive Zukunft deuten, wenn da nicht Wienes fieser Widerhaken am Ende wäre, der Rätsel aufgibt.
Auf Grundlage des im Filmarchiv des Bundesarchivs erhaltenen Kameranegativs hat die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung eine digital restaurierte Fassung des Films in einer hochauflösenden 4 K-Version geschaffen. Die digitale Bildrestaurierung führte die in Bologna ansässige L'Immagine Ritrovata - Film Restoration & Conservation in den Jahren 2012 und 2013 aus, der Film erstrahlt somit jetzt in einem großartigem Glanz, wie es ihm auch gebührt.
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5.0 von 5 Sternen Das Cabinet des Dr. Caligari - inkl. 20-seitigem Booklet [Blu-ray] [Deluxe Edition], 21. Oktober 2014
Von 
Ulf Evers (Wattenbek) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Cabinet des Dr. Caligari - inkl. 20-seitigem Booklet [Blu-ray] [Deluxe Edition] (Blu-ray)
Die Bildqualität ist überwältigend - ich erinnere mich, früher eine ImportDVD mit wirklich grausiger Bild- und Tonqualität besessen zu haben, bei der ich mich immer gefragt habe, wie der Film zu seinem Ruf gekommen ist. Jetzt kann ich es verstehen.

Erzählt wird eine (Horror-)Geschichte, die so viele Wendungen hat, dass man sich auch nach dem Ende des Films nicht sicher sein kann, was nun wirklich passiert ist. (Ich musste spontan an "Shutter Island" von Martin Scorsese denken, auch ein Scorsese erfindet das Rad eben nicht neu).
Die auf der (teilweise verschollenen) Originalmusik von Giuseppe Becce basierende Neukomposition der Freiburger Musikhochschule ist der Wahnsinn, schöner kann das Original unmöglich gewesen sein. Jeder Ton unterstützt den Film, steigert die Spannung - ich bin restlos begeistert.

Zum Bonusmaterial gehört ein 50minütiger Film von Rüdiger Suchsland. Mir fällt es zugegebenermaßen schwer alle Einschätzungen und Meinungen dieses Films zu teilen, aber nichtsdestotrotz gelingt eine brauchbare Einordnung des Films in seine Zeit.
(Deutlich wird in diesem Film z.B. etwas, das bei mir immer in Vergessenheit zu geraten droht: auch damals war der Film ein Massenmedium. Die Menschen sind ins Kino geströmt wie im Film die Jahrmarktsbesucher ins Cabinet des Dr. Caligari - wie sehr sich doch die Sehgewohnheiten verändert haben, wie anders die Bildsprache doch geworden ist - massentauglich ist der Film heute nicht mehr)
Außerdem gibt es ein kurzes Making of, eine Restaurierungsbeispiele und ein gutes, informatives booklet.
Leider erfährt man wenig über die Schauspieler, viele Namen kennt man, aber z.B. über Friedrich Fehér hätte ich gerne mehr erfahren.
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