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am 29. April 2014
Anna Funder hat als 19jährige Ruth Blatt kennengelernt und ihre Lebensgeschichte erzählt bekommen, die sie als Grundlage für diesen Roman nutzte. Eine Geschichte über Hitlers Machtergreifung aus der Sicht dreier Menschen, die vertrieben werden und versuchen, alles in ihren Möglichkeiten steckende zu tun, um zu verhindern, was nicht zu verhindern war.

Inhalt:
Drei Menschen, deren Schicksale miteinander verwoben sind. Ernst Toller, Revolutionär und Schriftsteller, der dank seinem Bekanntheitsgrades einiges an Freiheiten genießt, Dora Fabian, seine Sekretärin und ihre Freundin Ruth. Es beginnt in den 20er Jahren, die die politische Ausrichtung der drei prägten und die Wurzeln des Nationalsozialismus zeigen, bis hin zu Hitlers Machtergreifung und der erzwungenen Flucht nach England. Von da aus organisieren sie den Widerstand, um weiter Einfluss auf ihr Heimatland zu haben, doch Hitlers Arm reicht selbst bis in ihr Exil.

Setting und Stil:
Über die Zeit der zwischen den Weltkriegen wissen wir ja hoffentlich dank des einen oder anderen Geschichtsunterrichts ziemlich viel. Beeindruckend ist, dass diesmal die Geschichte aus Sicht Vertriebener gezeigt wird. Völlig andere Perspektiven öffnen sich und man erfährt auch einiges über die englischen Ansichten der damaligen Zeit. Die Szenen, Begebenheiten und der umgebende historische Kontext sind authentisch und real beschrieben. Viele kleine Details zeigen die gute Recherche.
Das Buch ist in Ich-Perspektive geschrieben, wobei sich Toller und Ruth abwechseln. So kriegt man direkten Einblick in die Gedanken des Revolutionärs und den einer Frau, die zu seinem erweiterten Kreis gehört. Manchmal gerät die Geschichte dabei etwas in den Hintergrund, während sich Fakten an historische Momente reihen, zu denen dann nur erzählt wird, was die Charaktere währenddessen machten.

Charaktere:
Eine schwierige Zeit fordert starke Charaktere, die sich durchaus von den anderen abheben. So ist es auch hier, durchweg sind es Menschen, die sich berufen fühlen und mit Intellekt und Hoffnung an die Sache herangehen. Trotzdem haben sie auch alltägliche Probleme, die Liebe spielt eine nicht zu kleine Rolle und es bleibt nicht aus, dass sie immer wieder an ihre Grenzen stoßen. Es ist interessant, mehr über sie zu erfahren und den Abschnitt ihres Lebens mit ihnen zu durchleben.

Geschichte:
Einer der intensivsten Abschnitte der deutschen Geschichte wird uns kompakt aus der Sicht damals lebender Personen gezeigt. Manchmal passiert so viel, dass das normale Leben in den Hintergrund tritt und man von den historischen Fakten fast überrollt wird. Vieles ist bekannt, etliche Details waren mir nicht so geläufig, so dass ich froh über die Auffrischung bin. Im Gegensatz zum Geschichtsunterricht merkt man hier noch, dass hinter allem Menschen stecken, mit allen ihren Sehnsüchten, Ängsten und Schicksalen.

Fazit:
Ein Buch, dass ich jedem, der sich schon mit der Nazizeit beschäftigen durfte, ans Herz lege. Geschichte wird greifbar und anhand von Menschen erzählt und ich bin froh, dass es damals solche Menschen gab, die nicht aufgaben. Ein Buch zum Nachdenken, Weiterrecherchieren und ins Herz schließen.
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am 31. März 2014
Anna Funders erster Roman erzählt die Geschichte einer Gruppe deutscher Dissidenten, die bereits im Jahr 1933 nach London flohen. Die Romanfiguren sind historische Personen, die Funder mehr oder minder fiktionalisiert hat: Ernst Toller, zu seiner Zeit berühmter Dramatiker und ehemaliger Präsident der kurzlebigen Bayrischen Republik; Ruth Wesemann, verheiratet mit dem schönen, schillernden Hans Wesemann, Journalist im Vorkriegsberlin; Dora Fabian, Kusine von Ruth und Assistentin und zeitweilige Geliebte von Ernst Toller und eine der ersten Feministinnen; Jacob Berthold, renommierter linker Journalist. Ruth Wesemann (real Ruth Blatt) wird die einzige sein, die das Exil überlebt und nach langer Odyssee in Australien eine neue Heimat findet. Dort begegnet sie 1984 der damals 18jährigen Autorin, mit der sie bis zu ihrem Lebensende 2001 eine Freundschaft verband.

Funder erzählt folglich aus der Perspektive von Ruth; die zweite Perspektive ist die von Ernst Toller in seinem Exil in New York 1939. Toller schreibt in seinem Exil in eine Art biografisches Tagebuch, um Doras Verdienste zu würdigen, die nicht nur todesmutig seine Manuskripte aus seiner Wohnung rettete und nach London schaffte, sondern auch Herz und Motor des Exilwiderstands in London gewesen ist. Dieses Tagebuch wird 2001 gefunden und dem Wunsch des Urhebers gemäß Ruth übereignet. Mit Ruths Erhalt dieses Manuskripts steigt der Roman in die Geschichte ein; angeregt durch die Lektüre erinnert sie ihre Sicht der Ereignisse. Der Roman springt permanent zwischen der Gegenwart, der Vorkriegszeit und Kriegszeit hin und her; die Erinnerungen Tollers wechseln ab mit Ruths eigenen Reminiszenzen. Dieses formale Kunststück meistert Funder mit bravouröser Klarheit, ohne die Leserin zu verwirren.

Dabei wird schnell klar, dass die eigentliche Hauptperson Dora Fabian ist; sie ist Funders charismatische Heldin, um die alle anderen kreisen. Die schäbige Wohnung in der Great Ormond Street, die sie mit Ruth und Hans bewohnt, wird so zum Zentrum des deutschen Widerstands.

"Alles was ich bin" ist eine Geschichte über Zivilcourage und Moral. Und nicht alle, die das Exil nicht nur ihrer Muttersprache, sondern auch des intellektuellen Nährbodens beraubt hat, sind in der Lage, die Moral hochzuhalten. Dazu kommt der Kulturschock der englischen Gesellschaft, die die liberalen Linken mit ihrer Distanziertheit und ihrem befremdlichen Klassensystem konfrontiert. Das Asyl wird zudem nur unter der Bedingung gewährt, dass die Exilanten auf jegliche politische Agitation verzichten. Ausspioniert und terrorisiert von englischen Nazi-Agenten und streng beobachtet durch Scotland Yard, können die Exilanten nicht einmal vor der drohenden Gefahr aus Deutschland warnen. Vor allem der labile Hans Wesemann, in Berlin bestens vernetzt und am Puls der Zeit, leidet unter seiner neuen intellektuellen Stimm- und Bedeutungslosigkeit. Auf ihn wirkt der Verlust von Sprache und Kontext am verheerendsten; er wird Ruth und seine Freunde im weiteren Verlauf der Ereignisse auf jede erdenkliche Art und Weise enttäuschen. Für mich war er in seiner Komplexität die gelungenste Figur des Romans und weit interessanter als die glamouröse Dora. Funders Darstellung des Exils ist überzeugend; das Klägliche, die Armut, die ständige Angst wird fühlbar.

Der Roman liefert uns auch den Grund für die Hellsichtigkeit der Exilanten: Woher wussten sie es? So viele haben still gehalten und gehofft. Woher kam ihr sicheres Urteil? Ihre Kritik am Geschehen nutzte die bürgerlichen Werkzeuge: Journalismus, Karikatur, Satire. Die Reaktion auf diese Kritik war jedoch so unbürgerlich brutal, dass sie nicht umhin konnten zu erkennen, dass die Situation bereits lebensgefährlich war.

Es ist gut, sich an diese Exildeutschen zu erinnern. Das Verdienst von Anna Funder ist es, diese fast vergessenen Gestalten der deutschen Geschichte wieder in unser Bewusstsein gebracht und ihnen mit ihrem Roman ein Denkmal gesetzt zu haben.
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... (S. 343) wird Ruths Fazit am Ende ihres Lebenswegs sein. Die alte Dame, die nach einem Sturz schwer verletzt ins Krankenhaus von Sydney eingeliefert wird, hat ein bewegtes Leben hinter sich. Nach ihrer Entlassung aus fünfjähriger Haft wegen Landesverrats in Nazi-Deutschland musste sie sofort emigrieren. Kurz vor dem Unfall hat ihr Neurologe Ruth Wesemann mit der Diagnose beginnende Demenz konfrontiert. Sie selbst erlebt ihr Gedächtnis als besser als je zuvor. Mediziner würden Ruths lebendige Erinnerungen an Ereignisse vor 65 Jahren dagegen als Beleg für ihre nachlassende geistige Leistungsfähigkeit sehen. Ruths Erinnerungen werden mit fortschreitender Demenz oder mit ihrem Tod endgültig verloren sein. Teilen kann sie sie mit niemandem, zu fremd wirkt das Geschehen auf ihre australischen Bekannten. Im Krankenhaus besteht die Gefahr, dass Ruths Assoziationen als Beleg für eine Psychose gesehen werden. Ein Schatten im Türrahmen, ein klapperndes Schlüsselbund bringen Ruth in Gedanken zurück ins Berlin des Jahres 1933 und in die Zeit ihres Exils in London. Ruth lebte dort zusammen mit ihrem Mann Hans Wesemann (1895-1971) und ihrer älteren Cousine Dora Fabian, der Sekretärin Ernst Tollers (1893-1933). Im Londoner Exil werden bekannte Persönlichkeiten zu Niemanden aus der Provinz, denen man wie Kindern beibringt, wie sie sich in der fremden Kultur zu benehmen haben. Das Ehepaar Wesemann wird von Ruths wohlhabendem Vater finanziell unterstützt und gehört zu einer sozialistischen Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Zwar ist ihnen die Flucht aus Deutschland gelungen, damit sind sie jedoch noch lange nicht in Sicherheit vor ihren Verfolgern. Die Notgemeinschaft im Exil lässt Ruth einsehen, dass man selbst seinem Nächsten in unruhigen Zeiten besser nicht vertraut. Später wird sich herausstellen, dass Wesemann ein Gestapo-Spitzel war.

Die Sache, der Widerstand gegen die Nazis, sollte die Menschen zusammenschweissen und persönliche Gefühle dahinter zurückstehen, so sahen Ruths Gefährten im Exil die Zukunft ihrer Beziehungen. (S. 81) Anna Funder gibt uns Einblick in die Lebenswelt eines intellektuellen, bürgerlichen Milieus, das ein Hausmädchen als selbstverständlichen Lebensstandard benaspruchte - sogar in zwei winzigen Zimmern in London. In Ruths und Doras Freundeskreis diskutiert man über Arbeiterrechte, macht sich aber über die Lebensbedingungen des eigenen Hausmädchens keine Gedanken.

Anna Funders sorgfältig recherchierte Romanbiografie verknüpft mit einer in der Gegenwart spielenden Rahmenhandlung Ereignisse der Exiljahre in London und Ausschnitte aus Tollers Autobiografie. Ein Exemplar der Erstausgabe der Biografie Tollers weckt bei der betagten Ruth Erinnerungen an die Geschehnisse von 1933. Ruth Wesemann und Ernst Toller wechseln sich als Icherzähler ab. Das Leben der realen Ruth Blatt (1906-2001) spiegelt die Autorin in Dora Fabians tragischem Schicksal. Funder war mit Ruth Blatt bis zu deren Tod befreundet. Dora Fabian (1901-1935) rettete einen Koffer mit Tollers Autobiografie und seinen Tagebüchern aus dessen Wohnung. Die Nazis werteten ihre Tat als Vernichtung von Beweismitteln gegen Toller. Ruths leicht ironischer Erzählton hat mich als Leser direkt und sehr emotional angesprochen. Tollers Innensicht dagegen, des "aus einer anderen Welt angespülte Revolutionärs", konnte mich im Vergleich dazu weniger berühren.

+++ Gratisexemplar +++
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„Am Ende unseres Lebens erinnern wir uns am lebhaftesten an jene, die wir geliebt haben, weil sie es sind, die uns geformt haben.“

Bondi Junction, Sydney, 2001. Ruth hat erfahren, dass sie sterben wird. Das Problem ist in ihrem Gehirn, aber Ruth leidet nicht wie erwartet an Gedächtnisstörungen. Im Gegenteil, ihre Erinnerungen an früher sind lebendiger denn je.

„Ich bin ein Gefäß voll Erinnerungen in einer vergesslichen Welt“.

Und so nutzt sie die ihr verbleibende Zeit, um sich zu erinnern, an Ernst Toller, Dora Fabian, Mathilde Wurm und Hans Wesemann, an ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus und an ihre gemeinsame Zeit im Exil.

Die Freunde fliehen vor den Nazis nach England, sind dort aber aufgrund ihrer politischen Tätigkeit ständig von der Ausweisung bedroht. Viele der Flüchtlinge sehen nur noch im Suizid einen Ausweg aus ihrer Lage.

Aus den Berühmten und Privilegierten sind namen- und einflusslose Exilanten geworden, die mit ihrem neuen Leben unterschiedlich gut zurechtkommen. Plötzlich sind sie, die einem bürgerlichen Milieu entstammen, der Arbeiterklasse erschreckend nahe.

„Und obwohl wir uns über die Rechte der Arbeiter in Rage geredet hatten, wäre es mir nie in den Sinn gekommen, mich ganz praktisch in ihre Reihen einzugliedern“.

Also wird selbst in der winzigen Londoner Wohnung eine Putzfrau eingestellt.

Und dann ist auch noch die Gestapo hinter der Freundesgruppe her. Da ist es doppelt schwer zu ertragen, dass unter ihnen ein Verräter ist.

Anna Funder hat die wirkliche Ruth, aus der im Buch Ruth Becker wurde, kennengelernt und war befreundet mit der Frau, deren Verhalten ihr klarmachte, „dass, unter welcher politischen Herrschaft man auch lebt, es immer Menschen geben wird, die einen klaren Blick auf die Dinge behalten, egal, ob sich diese ganz entsetzlich oder nur halbwegs unangenehm darstellen: Es sind die Menschen, die sich entschließen, ihre Stimme zu erheben“.

Im Buch sind der wahren Geschichte Dinge und Personen hinzugefügt worden, aber das Gerüst des Buches beruht auf tatsächlichen Begebenheiten.

Das ist kein leichter Stoff, es ist kein Buch, das man schnell durchlesen kann, man braucht ein wenig Zeit und Ruhe, um sich einzulesen. Aber es ist lohnend, sich auf diese ungewöhnliche und faszinierende Geschichte einzulassen, an der man sehr schön sehen kann, wie die Politik in den Alltag hineinwirkt.

Das macht dieses Buch so aktuell, obwohl es in der Vergangenheit spielt. Denn auch heute benötigt man Mut, um sich der Mehrheit entgegenzustellen und sich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen.
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am 24. Februar 2014
Fast spielerisch und in bester Form gelingt es Anna Fluder mittels ihrer ausgeprägten, treffenden, die Personen in der Tiefe auslotenden Sprache, den Leser in die Zeit Ende der 20er Jahre und bis über die Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts hinaus zu entführen.

Eine Zeit, in der sich drohende Wolken breit machen, die Politik der Republik eher wankt als stringent ihren neuen Weg zu finden. Eine Zeit der Reibung zwischen überzeugten Pazifisten aus der Erfahrung des ersten Weltkrieges heraus und der Revanchisten, der unverbesserlichen Militaristen, die sich 1933 in klarer Form durchsetzen werden und damit den Anfangspunkt einer breiten und gnadenlosen Verfolgung Andersdenkender in den Raum setzen.

Anhand verschiedener Personen, vor allem der Sozialdemokratin Ruth und des Schriftstellers und freiheitlich denkendem Pazifisten Ernst Toller, vermittelt Flunder in ständigen Perspektivwechseln die Strömungen der Zeit und die verschiedenen Aufbrüche, die politische „Zeitenwende“ und die menschlichen Dramen, literarisch präzise fassbar.
Ebenso erlebt der Leser die Atmosphäre, die Verwirrungen, die Ziele und Ideale der Zeit hautnah mit. Wird hineingezogen in diese entscheidenden Entwicklungen, die mit der „Vernichtung“ auch der Freiheit zunächst endeten.

Eine Zeit des Kampfes im Untergrund, der sich u.a. Dora Fabian, Mathilde Wurm und deren Freund und Mitstreiter Ernst Toller aus dem Exil in London heraus verschrieben haben.

Eine Zeit und ein Kampf, der dem Leser sowohl in seinem (vorläufigen) harten Ende als auch in seiner Durchführung als auch in seiner Entwicklung aus den Jahren zuvor über die Machtergreifung 1933 bis hin zum Jahr 1935 hoch lebendig vor Augen geführt wird, in der die Verbindungen der vielen Personen, die Frage nach möglichem Vertrauen, aber eben auch zerstörtem Vertrauen (auch, wo man es nie für möglich gehalten hätte), eine ebenso wichtige Rolle spielt, wie das „Nacherleben“ der politischen Agitation, der Einschüchterung, des rücksichtslosen und brutalen Griffes nach der Macht.

Und ebenso gelingt das Nacherzählen im Roman und Nacherleben des Lesers im Blick auf die tiefen Motivationen der handelnden Figuren, vor allem im Blick auf den gewachsenen, begründeten Pazifismus und die Bereitschaft, für die eigenen, inneren Überzeugungen, für die eigene Freiheit, für die einem verbundenen Menschen, tatsächlich auch zu kämpfen. Mit den je eigenen Mitteln, ohne sich von der allseits drohenden Gefahr davon abhalten zu lassen.

Mit Personen, die gerade auch in ihrer treffenden, intim-menschlichen Darstellung ganz alltäglich naherücken:
„Wirklich sehr eigen. Er wischt seinen Penis nach dem Sex ab, von der Wurzel bis zur Spitze“.
„Man kann nicht wahnsinnig verliebt in einen Mann sein, wenn man das von ihm sagt, oder“?

Oder vielleicht gerade dann?
Vor allem, wenn gilt:
„Er ist jetzt ein einsamer Wolf. Wie ich“.

Einsame Wölfe in vielfacher Hinsicht, eine Charakterisierung, die auf viele der Personen im Roman letztendlich zutrifft in dieser Zeit, die spaltete und in die Einsamkeit des Misstrauens gerade die „Gegner der Macht“ führt.

„Dort warteten sie auf mich. Zwei Gestapo-Agenten und eine Frau, um die Leibesvisitation vorzunehmen“. Eine Gestapo, die zu jener Zeit noch fast unbehelligt in ganz Europa ihre „Greifer“ auf Suche schicken und ihre Fäden ziehen konnte.

Ein berührender, intensiver und auch sehr informativer Roman, der die Zeit der Machtergreifung, Machtsicherung und der Verfolgung jener, welche die Macht gefährden könnten, lebendig vor Augen führt.
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TOP 500 REZENSENTam 5. Januar 2016
Dieser Roman beruht auf langen Gesprächen der Autorin mit Ruth Blatt (im Roman Ruth Becker bzw. Ruth Wesemann), der Cousine und engen Freundin Dora Fabians. Dora Fabian wiederum war die Sekretärin und zeitweise Geliebte des berühmten Schriftstellers und Revolutionärs Ernst Toller und wie er und auch Ruth im Widerstand gegen die Nazis aktiv. Im vorliegenden Buch geht es vor allem um diese drei Persönlichkeiten. Dabei hat die Autorin Anna Funder historische und biografische Tatsachen geschickt mit Fiktion verbunden, sodass ein authentischer und gut lesbarer Roman entstanden ist.

Dabei ist Dora Fabian die tragende Figur. Zwar wird abwechselnd aus den Perspektiven von Ernst Toller und Ruth Becker erzählt, doch im Mittelpunkt von deren Erzählungen steht fast immer Dora. Sie ist diejenige, die die anderen zusammenhält, die den Überblick hat, die grandiosen Mut beweist.

Sprachlich ist der Roman hervorragend. Die Atmosphäre der 1930er Jahre lebt dadurch in einer einzigartigen Weise auf, wie ich sie noch nie erlebt habe. Ich muss zugeben, ich bin geschichtlich nicht besonders interessiert, aber Anna Funder konnte mich fesseln und mir diese schlimme Zeit der deutschen Geschichte nahebringen, indem sie mich dicht an der Seite der Protagonisten durch die Handlung führte.

Mit den Perspektivwechseln hatte ich zuweilen leider meine Probleme – es waren mir einfach zu viele und teilweise zu abrupte Wechsel. Funder springt von Toller zu Ruth, von der Gegenwart in die Vergangenheit, und in der Vergangenheit auch wieder in verschiedene Zeiten. Oft brauchte ich nach einem Wechsel einige Zeit, um mich beim Lesen wieder zurechtzufinden. Manche Teile der Erzählung hätte man vielleicht auch ein wenig straffen können.

Fazit:
Ein wichtiger und lesenswerter Roman, der dem Leser den deutschen Widerstand und die brutale Vorgehensweise der Nazis vermittelt, dabei aber die Einzelpersonen und -schicksale hervorhebt.
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am 10. Juni 2014
„Furcht ist das psychologische Fundament der Diktatur. Der Diktator weiß, dass nur der Mensch, der die Furcht überwindet, jenseits seiner Macht lebt, sein einziger gefährlicher Feind ist. Denn wer die Furcht überwindet, hat den Tod überwunden.“

„Drei Menschen, drei Schicksale, ein leidenschaftlicher Kampf für die Freiheit. 1935 werden in einem Londoner Hotelzimmer die bekannten deutschen Widerstandskämpferinnen Dora Fabian und Mathilde Wurm tot aufgefunden. Die Gestapo spricht von Selbstmord der beiden Frauen, die engstens mit dem charismatischen Revolutionär und Schriftsteller Ernst Toller bekannt waren. Von Hitlers Machtergreifung in Berlin an begleitet Anna Funder in ihrem großen Roman die Gruppe von Freunden, die über Nacht zu einer Bande Verfolgter wird. Sie fliehen nach London, wo sie neue Verbündete finden und große Gefahren auf sich nehmen, um den Widerstand gegen die Nazis zu organisieren. Aber sie sind dort nicht sicher – ein einziger Verrat wird die Freunde auseinandersprengen und in alle Winde zerstreuen. Packend und tief bewegend bringt Anna Funder Licht in eine der mysteriösesten Geschichten des Exils. Sie erzählt von der Verbindung dreier außergewöhnlicher Menschen, die in Zeiten größten Aufruhrs alles riskieren – für die Freiheit und die Liebe.“ (Klappentext)

„Als Hitler an die Macht kam, lag ich in der Badewanne.“ Mit diesem Satz beginnt eine überaus beeindruckende Erzählung über das Leben einer jungen Frau, die, gemeinsam mit ihren Freunden versuchte, den sich ankündigenden Wahnsinn eines neuen Krieges und der Gewaltherrschaft Hitlers zu verhindern – unter Einsatz des eigenen Lebens.

In Rückblenden erleben wir die gesamte Geschichte mit. Es gibt zwei Erzähler: Zum einen die Jüdin Ruth, die als einzige überlebt hat und nun, mit 95 Jahren, sich zurückerinnert. Der zweite Erzähler ist der Autor Ernst Toller – auch er einer der Widerstandskämpfer. Sein Leben jedoch endete schon früh, durch seinen niedergeschriebenen Nachlass – den Ruth liest – spricht er zum Leser.

Beide Erzähler schildern fesselnd und mitreißend. Vor allem Ruths Berichte sind von so einer ungeheuren Intensität, dass es mich beim Lesen gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Ganz deutlich nimmt man als Leser Anteil an den Gefühlen, Ängsten und Sorgen der Charaktere, die wechselnden Erzählperspektiven erlauben verschiedene Betrachtungsweisen – und kommen doch am Ende zum gleichen Ergebnis.

Ein starkes Stück Geschichte! Der zeitliche Rahmen beginnt früh, noch zu Zeiten des 1. Weltkriegs. Alles beginnt mit dem Wunsch nach Frieden, mit dem Wunsch, einen weiteren Krieg dauerhaft zu verhindern. Von der Gründung der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und ersten politischen Aktivitäten geht es weiter und endet im Exil und auf Todeslisten. Mehr als einmal hab ich mich gefragt, was ich wohl getan hätte… Schwer vorstellbar, ich hoffe, ich würde in einer vergleichbaren Situation richtig handeln. Aber weiß man es? Auf jeden Fall macht es für mich Sinn, mich immer mal wieder mit diesem Stück deutscher Geschichte auseinanderzusetzen.
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Anna Funder, die in Melbourne geborene australische Schriftstellerin, Rechtsanwältin und Dokumentarfilmerin wurde mit ihrem Sachbuch über die DDR „Stasiland“ bekannt. Es waren großartige literarische Reportagen, die Stasiagenten, Kollaborateure und ihre Opfer in ihren Verflechtungen mit dem strengen System, in Einzelschicksalen im Fokus von Nahaufnahmen zeigen. Auch in ihrem neuen Roman (Originaltitel „All That I Am“) „Alles was in bin“, ins Deutsche übersetzt von Reinhild Böhnke, zeigt die Autorin eindrucksvoll diese Art von Mut und Gewissen.

Vor vielen Jahren lernte Anna Funder l in ihrer Heimat Ruth Blatt kennen, einstige Sekretärin des Schriftstellers und Revolutionärs Ernst Toller. Die Geschichte ihres Lebens wurde zum Fundament dieses Romans. Ruth Blatt, die im Jahr 2001 im Alter von 94 Jahren starb, gehörte der Gruppe der deutschen Widerstandskämpferinnen um Dora Fabian und Mathilde Wurm an. Die beeindruckendste Heldin dieses Romans ist Dora Fabian, Feministin und Liebhaberin von Ernst Toller, der 1939 in New York, im Alter von 45 Jahren, im am Central Park gelegenen Hotel Mayflower Suizid beging, weil er sich selbst in New York von dem Siegeszug der Nazis bedroht fühlte. Seit der Machtergreifung waren der Jude Toller und seiner Freunde auf der Flucht.

Anna Funder zeigt an Hand von drei menschlichen Schicksalen den leidenschaftlichen Freiheitskampf im Londoner Exil, mit der Mission der Welt zu zeigen, was nach der Machtergreifung durch Hitler wirklich in Deutschland vor sich ging. Es sind drei außergewöhnliche Menschen, die für die Freiheit kämpfen und die mit allen Mitteln bemüht sind, unter großen Gefahren und möglichen Denunziationen den Widerstand gegen die Nazis auf die Beine zu stellen. Sie lebten dort in London, wo es Gestapo Agenten in den Straßen gab, wo man nie wusste welcher Emigrant und mögliche Verbündete die Seiten wechselte und wo man zusehen musste, ob und wann die Wohnungen von deutschen Agenten durchsucht wurden. Die Widerstandskämpfer waren nie sicher, sie lebten in einer ständigen Angst. Wer bisher glaubte in Londoner Exil in Sicherheit zu sein, der musste feststellen, dass es fast so riskant war in London zu leben, wie in Deutschland zu bleiben.

Mathias Wurm und Dora Fabian werden 1935 in einem Londoner Hotelzimmer ermordet aufgefunden. Die Gestapo spricht von Selbstmord. War es Mord oder Selbstmord? Die Frage ist bis heute nicht geklärt. Anna Funder versucht mit diesem ergreifenden Roman etwas Licht in das milchglasfarbene Exil Mysterium zu bringen. Sie recherchierte voller Akribie viele Monate die Geschichte des deutschen Widerstandes.

Es ist sicher eine dünne Linie zwischen Fiktion, Roman und Sachbuch, aber die Geschichte die Anna Funder in „Alles was ich bin“ erzählt ist möglicherweise die wahrscheinlichste Geschichte. In einem Interview wies die Autorin darauf hin, dass die Motivation des Romans nicht so sehr an seinem Anspruch besteht, was die einzelnen Fakten der „Detektivarbeit“ betrifft, sondern es geht um die psychologische Wahrheit. Es stehen nicht die Fakten im Zentrum, sondern es geht in erster Linie um die Würdigung der Menschlichkeit. Wie überlebt das menschliche Gewissen und welche Motivationen geben einem Menschen den Mut die eigenen Hände als Waffe gegen die Diktatur ein zu setzten? Diese Frage wirft der Kampf für die Freiheit auf und unter dieser Fokussierung ist es auch ein Roman unserer Zeit wenn man die Vorgänge in Russland, auf der Krim und in der Ukraine betrachtet.

„Alles was ich bin“ wurde schnell ein internationaler Bestseller, der 2012 in Australien mit dem begehrten „Miles Franklin Award“ ausgezeichnet wurde.

Es gibt Bücher, mit denen man gerne alleine und für sich bleibt. Nach der Lektüre dieses Buches sollte man einen Gesprächspartner haben, denn es gibt so viele packende und tief aufwühlende Empfindungen, existenzielle Fragen, Verflechtungen und Reflexionsebenen.
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am 18. Mai 2014
Der Roman „Alles was ich bin“ von Anna Funder erschien 2014 im S. Fischer Verlag Frankfurt am Main. Die Originalausgabe aus dem Jahr 2011 unter dem Titel „All that I am“ wurde verlegt von Penguin Books Australien und von Reinhild Böhnke aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.
Der Roman handelt im Wesentlichen von drei Menschen: dem Autor Ernst Toller, der Aktivistin Dora Fabian und der Zeitzeugin und Cousine von Dora, Ruth Blatt. Daneben gibt es viele weitere Charaktere, die die Handlung beeinflussen und mitbestimmen.
Von der Machtergreifung Adolf Hitlers bis zu ihrer Zeit im Exil und schließlich zum Tod von Dora Fabian und ihrer Freundin Mathilde Wurm begleitet der Leser die jungen Menschen, die sich der Meinung der Nazis nicht anschließen wollen und selbst aus ihrem Exil in London weiter für den Widerstand kämpfen. Trotz der Gefahr die ihnen droht glauben sie an eine bessere friedlichere Welt und erkennen erst durch den Verrat eines engen Vertrauten, dass ihr Glaube in die Menschheit leicht erschüttert werden kann. Das Thema des Buches ist der Widerstand gegen das Nazi-Regime, verwoben mit den Erinnerungen der Zeitzeugin Ruth Blatt wird dieser für den Leser erfahrbar.
Die mittlerweile über 80-jährige Ruth beschreibt aus der Perspektive eines gelebten Lebens ihre Geschichte von der Kindheit an, über die erste Begegnung mit ihrer Cousine Dora und wie sie fast unbemerkt zu der Bewegung des Widerstandes gegen die Nazis dazu gestoßen ist, bis hin in die heutige Zeit in der sie in Australien ihren Lebensabend verbringt. Sie lernte viele bedeutende Persönlichkeiten kennen, wie z.B. den Autor Ernst Toller. Eine große Schar von Freunden und Bekannten erkennt die Gefahr, die durch Hitlers Machtergreifung droht und stellt sich dessen Bemühungen in den Weg. Keinesfalls entsteht beim Leser der Eindruck nicht auch die Helden dieser Geschichte hätten Zeiten der Angst durchlebt. Im Gegenteil wird die Verzweiflung besonders dann spürbar als die Gruppe durch jemanden aus den eigenen Reihen verraten wird und sich Ruths Leben schlagartig ändert. Der Tod einiger liebgewonnener Menschen folgte daraus und hinterließ eine Lücke in ihrem Herzen, die sie bis zu ihrem Tod nicht schließen wird.
Insgesamt ist die Handlung des Buches schlüssig. Durch die vielen Charaktere und ihre teils verschiedenen Namen erlebte ich jedoch immer wieder Momente der Verwirrung. Sprachlich ist dieses Buch ein Meisterwerk, das stellenweise geradezu poetisch daher kommt. So war ich gebannt von Formulierungen wie: „Kummer ist die Verlängerung der Liebe“, „Schuld gegenüber der Welt ist das Rauschen der schwarzen Schwingen meiner Krankheit“ oder „Ich bin ein Gefäß voll Erinnerungen in einer Welt des Vergessens“.
Mein Gesamteindruck des Buches bleibt aber eher durchwachsen. Die Erzählungen aus dem Exil sind teilweise aufrüttelnd und schockierend gewesen. Die Sprache und die genutzten Stilmittel waren meines Erachtens perfekt. Dennoch bleibt ein unspezifisches Gefühl von Vermissen bei mir zurück. Mit ist nicht ganz klar, ob dies durch die zugrundeliegende Traurigkeit der Thematik verursacht wird oder ob mir in der Erzählung tatsächlich etwas fehlt. Dennoch kann ich nur jedem der diese Art von Romanen nicht scheut empfehlen, sich selbst ein Urteil zu bilden.
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am 25. März 2014
Rezension vom 04.03.2014 (8)

Anna Funders "Alles was ich bin" ist eins der wunderbaren Bücher, die man anfangs mit Interesse liest und mit zunehmender Lektüre mehr und mehr schätzt und zum Schluss mit großem Bedauern aus der Hand legt. Es ist eine ganz großartige fiktionalisierte Biographie über eine Gruppe von Menschen, die zu Beginn von Hitlers Machtübernahme Widerstand leistete und deren Leben dadurch zerbrochen ist.

Wie gesagt stand zu Beginn das Interesse an diesen Menschen im Vordergrund. Vor vielen Jahren hatte mich die Autobiographie Ernst Tollers, eines der Porträtierten, sehr ergriffen. Seine Schilderungen des ersten Weltkrieges haben mich auch beim Wiederlesen sehr erschüttert. Aus dieser traumatischen Erfahrung ist bei ihm, wie bei vielen anderen anfänglich kriegsbegeisterten Intellektuellen die Wunsch und unbedingte Wille entstanden, weitere Kriege unbedingt zu verhindern, die Gesellschaft gerechter und freiheitlicher zu gestalten. Er spielte 1919 in der Münchner Räterepublik eine bedeutende Rolle und entkam nur knapp der Hinrichtung. Es ist für mich ein völliges Rätsel, dass sein Name genau wie der vieler Weggenossen, in Deutschland kaum bekannt ist. Klar ist, dass er in absoluter Opposition zu den Nationalsozialisten stand, die seine Werke später auch verboten und verbrannten. Zur Zeit der Machtübernahme befand er sich bereits im Ausland, zu dem auch viele seiner Parteigenossen der USPD Zuflucht nehmen mussten. Zwei davon sind Ruth Blatt, hier im Buch als Ruth Becker eine der Erzählerinnen und ihre Cousine Dora, beide auch in London, ihrem Exilort sehr engagiert im Kampf gegen Hitlers Diktatur.

Ihr Leben und Wirken in London wird nun hier rückblickend und wechselseitig aus zwei Perspektiven und von zwei Zeitebenen heraus erzählt. Einmal ist es die mittlerweile 95jährige Ruth, die durch die an sie geschickte Hinterlassenschaft Ernst Tollers ins Erinnern kommt, einmal ist es Ernst Toller, der 1939 beim Verfassen dieser Aufzeichnungen auf die dramatischen Ereignisse im London der Jahre 1934/35 zurückblickt, die Dora das Leben kosteten. Erschütternd wird deutlich, wie lang der Arm des Terrorregimes auch ins Ausland war, wie erbittert die Feinde des "Reichs" auch hier bekämpft wurden, wie Misstrauen und Verrat schließlich das Leben aller, auch nach der Flucht ins Exil, zerstört hat. Toller war einer der Vielen, die auch in der vermeintlichen Sicherheit ihr Leben durch eigene Hand beendet haben. Ruth gelingt nach einem Gefängnisaufenthalt in letzter Minute die Ausreise nach Shanghai und der Neubeginn in Australien. Hier steuert sie hochbetagt einen wunderbar ruppigen, eigenwilligen Kommentar zum Alter bei und war Anna Funder Gesprächspartnerin. "I have always been contrary" sagt sie da über sich und Anna Funder legt ihr im Buch die Worte in den Mund ".... es eine der schwersten Aufgaben ist, das eigene Gewicht in der Welt zu bestimmen, alles, was ich bin, auf einen Nenner zu bringen und zu bewerten." Anna Funder ist es beeindruckend gelungen, diesem Leben den Platz zu geben, der ihm gebührt. Sie schreibt nüchtern, aber ergreifend, detailreich, aber spannend. Ihre intensive Recherche hat sie im Anhang dargelegt. Wie viel im Roman Fiktion oder Rekonstruktion ist, bleibt offen. Mich hat dieses Buch restlos überzeugt.
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