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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heartbreaker, 21. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Benji (Audio CD)
Ich habe seit einigen Tagen ein etwas merkwürdiges Morgenritual. Menschen legen ja morgens meist Musik auf, die ihnen hilft, in die Gänge und gut drauf zu kommen. Ich hingegen schiebe "Benji" in den Player, und meist dauert es nicht länger als bis zum ersten Refrain von "Carissa", bis ich feuchte Augen habe. Und wenn es nicht das Requiem an Mark Kozeleks Cousine zweiten Grades ist, dann treibt mir meist der nächste Song "I Can't Live Without My Mother's Love" zuverlässig das Pipi aus der Tränendrüse.
Erklären kann ich es nicht wirklich. Es muss wohl einfach die reine Schönheit dieser Songs sein, die mich immer wieder zu dieser vermeintlich masochistischen Musikwahl treibt.
Mark Kozelek war immer ein Musiker, der zu berühren verstand, das war schon in den 90ern mit den Red House Painters so. Auf "Benji", benannt nach einem Film aus Kozeleks Kindheit, geht der 47-Jährige jedoch weiter als je zuvor in sein Inneres. Hier werden keine fiktiven Charaktere bemüht, keine Geschichten erzählt, keine Allegorien und Parabeln konstruiert, nein, "Benji" ist so etwas wie eine vertonte Autobiographie. Die Songs handeln von Kozeleks Vergangenheit, von seinen Gedanken, seinem Jetztzustand und ganz viel von seiner Familie. Vattern widmet er ein unverblümtes "I Love My Dad", während er auf dem erwähnten "I Can't Live ..." schon einmal den unvermeidlich bevorstehen Tod seiner 75-jährigen Mutter reflektiert. Wer hier keinen Kloß im Hals hat, ist ein Klonkrieger. Gleich zwei Songs, "Carissa" und "Truck Driver", sind Nachrufe auf Verwandte, die auf die gleiche Weise ums Leben gekommen sind: Explodierende Spraydosen. Doch, wirklich. Scheint ein Familienschicksal zu sein. Überhaupt sind Tod und Krankheit allgegenwärtig auf "Benji". "Jim Wise" erzählt von einem Freund seines Vaters, der seiner geliebten Frau am Krankenbett auf ihren Willen Sterbehilfe leistete und nun vorraussichtlich den Rest Tage wegen Mordes hinter Gittern verbringen wird. Und dann wären da noch die Songs über das Schulmassaker von Newtown und den Serienkiller Richard Ramirez ... Kozelek redet um keinen heißen Brei herum, trägt sein Herz auf der Zunge und legt sein Innerstes bloß. Selbst dass ihn der Rücken und die Prostata piesacken und ihn die Angst plagt, beim Koitus einen Herzinfarkt zu erleiden, erfährt der Hörer, und hier schrammt der Gute schon arg an der Grenze zu "Das sind Dinge, von denen ich gar nichts wissen will".
Dabei scheinen Kozeleks Texte eher einem "stream of consciousness" entsprungen zu sein, denn sie lesen sich, als würde er sie dir gerade am Lagerfeuer erzählen. Es gibt keine Pointen, keine Erkenntnisse, keine abgeschlossenen Betrachtungen. Eher wirken die Songs wie Versuche, das Erlebte zu verarbeiten und allem einen Sinn zu geben. Es sind keine gelungenen Versuche, eher work in progress. Wenn er auf "Dogs" seine sexuelle Vita ausbreitet, schließt er mit dem hilflosen Fazit "It's a complicated place, this planet we're on". Zwischen aller Schwermut und Nachdenklichkeit lugt dann aber doch immer wieder subtil ein sinistrer Humor und feine Selbstironie durch die Zeilen, wie etwa in "Ben's My Friend", wo er von einem Postal Service-Konzert erzählt.
So nackt und unmittelbar wie die Texte ist auch deren musikalische Umsetzung ausgefallen. "Benji" ist wohl das reduzierteste aller Sun Kil Moon-Alben. Um seine düsteren Bilder zu zeichnen, reichen Kozelek meist schon seine raue Stimme und sein virtuoses Spiel auf der Nylonsaitengitarre. Dabei können sich die musikalischen Gäste durchaus sehen lassen. Unter anderem stehen ihm Will Oldham (aka Bonnie 'Prince' Billy) und Sonic Youth-Drummer Steve Shelley zur Seite, um den Songs die benötigten Akzente zu verleihen, dabei aber keinen Ton zu viel spielen.
Zugegeben: Es mag morgens bessere Alben geben, um in Stimmung für den Tag zu kommen (so ca. alle). Mit "Benji" ist Kozelek jedoch ein außergewöhnlich authentisches Album gelungen, das den Hörer fesselt und tief berührt. Nicht umsonst bezeichnete "Pitchfork" ihn unlängst als einen der besten Musiker der Gegenwart. Wünschen wir uns also, dass er dann mal langsam macht beim Schnackseln, dem lieben Herzen zuliebe, und er uns stattdessen noch ein paar weitere solch fantastischer Platten beschert. Und er um Himmels Willen einen großen Bogen um Spraydosen macht.
P.S. (I): Der Special Edition liegt eine Bonus-CD bei, auf der diverse Live-Performances der Songs von "Benji" zu hören sind. Der Mehrwert hält sich in Grenzen, außer vielleicht, dass sie obige These bestätigt. Der spielt live und solo nämlich wirklich so gut.
P.S. (II): Der Titel der Rezension ist inspiriert vom Song "I watched the film The Song Remains The Same", in dem Kozelek den Einfluss, den Led Zeppelin auf ihn hatten, hervorhebt. Hören kann man das nicht. Aber glauben.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kozeleks Erzählungen, 17. Februar 2014
Von 
Mapambulo "Mapambulo" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Benji (Audio CD)
Bei diesem Album darf mal gespoilert werden, einfach deshalb, weil es ohnehin nicht anders zu erwarten war: Mark Kozelek hat zusammen mit seiner Begleitkombo Sun Kil Moon wieder ein einzigartiges Album vorgelegt, das war schon beim Vorgänger “Among The Leaves” so und wird, man ahnt es, auch in den nächsten Jahren nicht anders sein. Der Ansatz, die kleinen, persönlichen Betrachtungen mit den großen, schlagzeilenträchtigen Ereignissen zu verknüpfen, ist nicht eben neu, Kozelek gelingt es dennoch auf eindrückliche, weil unprätentiöse Art und Weise, den Zuhörer mit der Vertonung dieser, seiner “Geschichtensammlung” anzurühren. Damit nicht genug, er darf sein Album auch fern jeder Peinlichkeit nach einem tierischen Serienheld seiner Kindheitstage benennen, den er sich zusammen mit seinen Großeltern im Kino anschaute – einfach nur, weil er das Gefühl hatte, die Stimmung der Platte sei auch so schon traurig genug.

Die beiden Stücke “I Can’t Live Without My Mothers Love” und “I Love My Father” sind von einer so unverstellten Klarheit und Intimität, wie man sie heute nur selten zu hören bekommt, in Kozeleks Liebeserklärung an seine Eltern schwingen Wahrhaftigkeit, Dank und Nachsicht für ein ganzes Leben mit. Ähnlich nahe gehen einem die beiläufigen Berichte zum Unfalltod einer früheren Freundin (“Carissa”) oder die Irrwege des väterlichen Freundes “Jim Wise”. Man weiß nicht, ob Kozelek ein sonderlich religiöser Mensch ist (zum Gebet reichte es jedenfalls nach eigener Aussage nicht), seine Zeilen an die Opfer des Schulmassakers in Newton (“Pray For Newton”) oder die Gedanken zum Tod des Serienmörders Richard Ramirez (“…Dies Of Natural Causes”) lassen bei allem Befremden doch auch Mitgefühl und ehrliche Sinnsuche erahnen.

Mehr als andere Alben zuvor ist “Benji” ein sehr reduziertes, zurückhaltend instrumentiertes geworden, es dauert bis zum vierten Song (“Dogs”), bis sich mal ein Schlagzeug aus der Deckung wagt. Die akkustische Begleitung folgt völlig uneitel dem Sog der Geschichten, bei “I Watched The Film The Song Remains The Same“ sogar ganze zehn Minuten lang, selten einmal wie bei „Richard Ramirez...“ mischt sich unterschwellig etwas Aggressivität dazu. In dieser Hinsicht ist der Schlußakkord „Ben’s My Friend“ eine überraschende Ausnahme, man könnte ihn fast schon als ausgelassen bezeichnen – Kozelek dreht einen wunderbaren Reigen samt verträumtem Bläsersatz und man fragt sich unweigerlich, ob nicht auch Sonnenscheinchen Jack Johnson im Hintergrund mit am Zupfen ist. Nach Angel Olsen und ihrem „Burn The Fire For No Witness“ ist dies jedenfalls schon die zweite Platte in diesem Jahr, die allein deshalb überzeugen kann, weil sie nichts von sich hermacht. mapambulo:blog
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5.0 von 5 Sternen Vergilbte Fotos, Erinnerungsfetzen, ein mentales Logbuch, 7. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Benji (Audio CD)
Es passiert mir ganz selten, dass ich weine während ich Musik höre. Hier ist es mir passiert. Mark Kozeleks suchen und finden von Schönheit in den kleinen, profanen Dingen, an Orten wo normalerweise nie jemand suchen würde, ist einzigartig in seiner Ehrlichkeit und "Nacktheit". Ja, Kozelek kling nackt. Er breitet uns sein Herz aus und offenbart uns intimste Gefühle und sagt :"Hier ist mein Herz. Es ist nicht perfekt, aber es ist mein Herz." Kozeleks Songs können eigentlich niemanden kalt lassen, der ein Mensch ist und in dessen Adern Blut fließt. Irgendwo gibt es für uns alle einen gemeinsamen Nenner, der uns alle trifft. Und genau diesen Nenner spricht Kozelek ohne Schnörkel und mit einfachsten Mitteln, aber mit größter Effektivität an. Sowas nenne ich Genie. Für mich momentan vielleicht der beste Songwriter und Texter auf diesem Planeten.
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Benji
Benji von Sun Kil Moon
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