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5.0 von 5 Sternen Elgars Beitrag zur Musiktherapie, 7. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Music for Powick Asylum (Audio CD)
„Der Geiger aus dem Irrenhaus“ nannte Volker Schmidt seinen Elgar anlässlich des 75. Todestages würdigenden Artikel in der „Zeit“. Kennt man sich in Elgars Biografie nicht aus, so kann dieser Titel gedanklich schnell in die Irre führen, denn kam Elgar nicht in aus dem Irrenhaus, sondern ging in es hinein – und zwar als Musiker, nicht als Patient.

Elgar war als Komponist und Instrumentalist weitgehend Autodidakt. Er, der Sohn eines Musikalienhändlers, kam naturgemäß schnell mit Musik und Instrumenten in Berührung, spielte als Kind die Geige, lernte Klavier und das Fagott. Schon als Jugendlicher spielte er mit seinem Vater im „Worcester Glee Club“ und im „Worcester Philharmonic Orchestra“, arrangierte, komponierte, dirigierte und gab Geigenunterricht.

Im ländlichen Umfeld der kleinen Stadt Worcester, die zu jener Zeit etwa 27.000 Einwohner zählte, kannte man also den Namen Elgar – zunächst als den des lokalen Musikladens, ab den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts kannte man – wenn man sich denn für Musik interessierte - auch den Namen des Sohnes des Hauses: Edward.

Für Musik interessierte sich in dieser Gegend besonders Dr James Sherlock, Leiter des „Worcester City and County Lunatic Asylum“, das in dem kleinen Nachbardorf Powick gelegen war. Sherlocks Interesse war vornehmlich von den therapeutischen Möglichkeiten von Musik geleitet. Um diese Möglichkeiten zu untersuchen und ggf. auch zu nutzen war bereits 1856 eine „Brass Band“ in Powick gegründet worden, die sich im Laufe der Jahre zu einem kleinen Orchester entwickelte, das zunächst von Elgars Violinlehrer Frederick Spray geleitet wurde. Diese Band spielte freitags für die Patienten der Anstalt zum Tanz auf. Sherlock war vom therapeutischen Nutzen der Musik offenkundig sehr angetan:

„Die wöchentlichen Tanzabende sind wie bislang fortgeführt worden und zeigen immer die gleichen positiven Ergebnisse: bei keiner anderen Art an Freizeitaktivität hat sich bislang ein so deutlicher kurativer Einfluss eingestellt und deren Wert wird auch noch dadurch verstärkt, dass eine große Anzahl von Patienten daran teilnehmen kann.“ (zit. n. Lyle, Andrew: Music for Powick Asylum. Begleittext zur Aufnahme SommCD 252, erschienen 2014.)

1879 übernahm Elgar den Posten von Spray und war bis Ende 1884 als „Bandmaster“ für die Musik in Powick zuständig. Er fand ein Orchester vor, das aus Mitarbeitern der Anstalt und anderen Musikern aus dem Umfeld Worcesters bestand, die Elgar wohl sämtlich kannte. Im besten Falle standen Elgar 19 Musiker zur Verfügung, wobei die jeweilige Freitagabend-Besetzung aber höchst variabel war, was sich auch in den unterschiedlichen Kompositionen zeigt. In voller Stärke umfasste das „Orchester“ folgende Instrumente: Piccoloflöte, Querflöte, Klarinette, 2 Kornette, Euphonium, Bombardon, acht Violinen, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier. Nicht umsonst sprach Elgar später von seinem „exzentrischen Orchester“. Entsprechend des Anlasses hatte Elgar für diese Besetzung Tanzmusik zu komponieren, Musik, zu der die Patienten des „Asylum“ ausgelassenes „leg-wiggling“ betreiben konnten. Insofern erwarten den Hörer auf dieser CD, die erstmals die erhaltenen Powick-Musiken (und drei andere kleine Werke) vorstellt, keine ewigen Meisterwerke. Stattdessen hört man gut gemachte Unterhaltungsmusik des späten 19. Jahrhunderts, die nicht selten an Schubert’sche Tänze gemahnt oder dem Hörer bekannt vorkommt, weil sie Elgar, z.B. in den „Wand of Youth“-Suiten aufgegriffen hat. Tatsächlich kann man die Ansammlung der Polkas, Quadrillen und Lancers (einer Art Quadrille) als Elgar’sche Gute-Laune-Musik hören, die auf der vorgestellten CD vom Innovation Chamber Ensemble unter der Leitung von Barry Collett mit viel Spaß and der Freude musiziert wird. Tatsächlich mutet es wie ein Versuch der Ehrenrettung an, was Michael Kennedy in seiner großen Elgar-Biografie in Anlehnung an William Reed schreibt:

„Darüber hinaus enthalten die Quadrillen für Powick, wie schon W. H. Reed hervorgehoben hat, erstaunliche Beispiele von plötzlichen Brüchen in der Mitte eines Taktes, so wie man sie auch im Finale der zweiten Symphonie, im Finale des Cello-Konzertes und an anderen Stellen finden kann. Der Stil zeigte den Mann.“ (Kennedy, Michael: A Portrait of Elgar. Oxford 1968, S. 13. Übers. der Verf.)

Um dies wahrzunehmen, muss man schon sehr genau hinhören.

Für den an Elgar Interessierten eine unverzichtbare CD, die neben der weitgehend unbekannten Musik auch noch mit einem hervorragenden Einführungstext aufwarten kann.
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Music for Powick Asylum
Music for Powick Asylum von Innovation Chamber Ensemble (Audio CD - 2014)
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