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4.0 von 5 Sternen eine Wucht
Den Tipp zu GB84 hatte ich im März aus dem www gefischt, ich weiß nicht mehr, mit welcher Suchanfrage. Gerade hatte ich begonnen, mich dafür zu interessieren (wie sollte mich eine Erinnerung an den Bergarbeiterstreik von 1984 auch nicht interessieren), da fand ich im Leipziger Buchmesseprogramm auch schon den Namen des Autors. Nichts wie hin.
David...
Vor 5 Monaten von Annette Lorenz veröffentlicht

versus
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein (Kriminal- ?)Roman, den man nicht gelesen haben muss
Positiv: eine erbarmungslose und detailreiche Analyse der Thatcher-Politik, wie sie nach meiner persönlichen Erinnerung in den österreichischen Medien in den Achtzigerjahren niemals veröffentlicht wurde. (Der ein Jahr dauernde Bergarbeiterstreik ist damals sozusagen spurlos an mir vorübergegangen.)
Negativ: es werden zwei große...
Vor 6 Monaten von focus veröffentlicht


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein (Kriminal- ?)Roman, den man nicht gelesen haben muss, 28. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: GB84: Roman (Gebundene Ausgabe)
Positiv: eine erbarmungslose und detailreiche Analyse der Thatcher-Politik, wie sie nach meiner persönlichen Erinnerung in den österreichischen Medien in den Achtzigerjahren niemals veröffentlicht wurde. (Der ein Jahr dauernde Bergarbeiterstreik ist damals sozusagen spurlos an mir vorübergegangen.)
Negativ: es werden zwei große Handlungsstränge ineinander verflochten, der eine enthält die Schilderung der Ereignisse samt kriminellen Details quasi von außen, in der 3. Person erzählt; der andere protokolliert Erzählungen betroffener Bergarbeiter aus ihrem persönlichen Erleben in der jeweiligen Ich-Form. Wer ist bloß auf den "originellen" Einfall gekommen, diesen zweiten Strang in einer derart winzigen Schriftgröße dazwischenzuschalten, dass der Text beinahe unlesbar ist?
Negativ: die brutalen Polizeieinsätze und bürgerkriegsartigen Kämpfe mit den streikenden Bergarbeitern werden in immer wiederkehrender Weise beschrieben und dadurch nicht eindringlicher, sondern ermüdend. Die Kapitel sind nach Wochen eingeteilt und sollten offenbar gefüllt werden, auch wenn es nichts "Neues" zu erzählen gab.
Negativ: abgesehen von einigen auch bei uns bekannten Politikern ist es für Nicht-Briten nicht einfach, bei den handelnden Personen Fiktion von Realität zu unterscheiden, z.B. hat der durchgehend nur als "der Jude" bezeichnete Stephen Sweet offenbar ein reales Vorbild anderen Namens. Durch die Überfülle von Details und Anspielungen bleibt die Verständlichkeit auf der Strecke. Anscheinend werden einige grausame Morde und gegen Ende ein streckenweises "Stream of consciousness writing" eines psychopathischen Protagonisten eingestreut, um den Leser bei der Stange zu halten.
Fazit: wer stilistische Eskapaden und "originelle" Zeichensetzung (am Ende vieler Sätze ein Gedankenstrich statt eines Punktes) schon für ausreichend hält, einen Roman "modern" zu gestalten, wer außerdem sehr gute Augen oder eine Leselupe besitzt, mit viel Geduld ausgestattet ist und sich nichts daraus macht, große Teile der Erzählung schlicht nicht durchschauen zu können, der ist mit diesem Buch gut bedient.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen eine Wucht, 21. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: GB84: Roman (Gebundene Ausgabe)
Den Tipp zu GB84 hatte ich im März aus dem www gefischt, ich weiß nicht mehr, mit welcher Suchanfrage. Gerade hatte ich begonnen, mich dafür zu interessieren (wie sollte mich eine Erinnerung an den Bergarbeiterstreik von 1984 auch nicht interessieren), da fand ich im Leipziger Buchmesseprogramm auch schon den Namen des Autors. Nichts wie hin.
David Peace. Ein dürrer Mann mit rasiertem Kopf und dicker Brille. Ein Brite, der aus einer nördlich gelegenen Industriestadt stammt, der inzwischen in Tokio lebt, und den nun also die Geister des Jahres 1984 bis nach Japan verfolgt haben.
Er war damals ein Kind oder ein Jugendlicher. Der Streik muss einen bleibenden Eindruck hervorgerufen haben. David Peace sagte, dass es ein Bürgerkrieg gewesen sei, dass Presse und Geheimdienste mobilisiert wurden, um zusammen mit der Politikerkaste den Wirtschaftsbossen den Weg in den Neoliberalismus zu ebnen. Die Streikenden wurden mit vereinten Kräften fertiggemacht.
Ja, David Peace hatte völlig recht mit seinen drastischen Worten. Der Streik war ein Knackpunkt nicht nur der britischen Geschichte. Erst nach diesem doch recht schwer erkämpften Sieg hatten die Neoliberalen den nötigen Mumm, um die ganze Welt unter ihre Knute zu zwingen. Aber zuerst und vor allem haben sie Großbritannien sehr verändert. Lennons Working Class Heroes waren geschlagen.
Dem Gespräch mit David Peace konnte ich sehr gut folgen, der darauffolgenden Lesung dagegen zunächst überhaupt nicht. Der Autor fiel zurück in einen nordbritischen Dialekt, sichtlich die Sprache seiner Kindheit, und ich verstand kein einziges Wort. Allmählich schaffte ich es, einzelne Begriffe herauszuhören, und schließlich gegen Schluss hatte ich zumindest einen roten Faden – ausgerechnet bei einem Abschnitt über einen brutalen Polizeieinsatz gegen die Streikenden.
Es war nicht schlimm, dass ich nicht so ganz mitkam bei der Lesung. Umso besser konnte ich auf Klang und Rhythmus der Worte hören – es war die Sprache der Streikenden von 1984, ein bisschen urtümlich, lakonisch, sich im Laufe des Geschehens an Heftigkeit steigernd bis hinein in ein Stakkato. Doch, ich verstand es, auf eine unbewusste Art. Den Wortlaut kann man später nachlesen.
Nach dem Nachlesen: Ein hartes, wuchtiges Buch. Arthur Scargill, die Schlacht von Orgreave, die NMU ... Und ein kleines fieses Detail, das ich mal ergründen muss. Offenbar suchte die NMU recht verzweifelt im Ausland nach Unterstützung. Aus der Sowjetunion kam ein bisschen Hilfe, auch wenn es ruhig hätte mehr sein können angesichts der großen Sprüche vom Klassenkampf und Proletarier aller Länder vereinigt euch. Die Frage ist bloß: hat sich daran unter Gorbatschow, ab 1985, etwas geändert? Wundern würde mich das gar nicht. Leider steht in Peaces Buch nichts Genaues, nur der Name Gorbatschow im Zusammenhang mit der Streikunterstützung.[Kommentar Juli 2014: Nachgeschaut, S. 435: "Die Premierministerin hat ihn [einen Strippenzieher namens Mr. Sweet] zu einem Dinner mit Michail Gorbatschow eingeladen. Der gehört dem Politbüro an und hat gute Aussichten, Staatspräsident zu werden. Die Premierministerin meint, Mr. Gorbatschow sei ein Mann, mit dem man Geschäfte machen könne. … Er [Sweet] wird Mr. Gorbatschow auf Herz und Nieren prüfen und ihn darum bitten, jegliche sowjetische Unterstützung für die NUM einzustellen -"]
Der Bergarbeiterstreik in Großbritannien ist ein bedeutendes Kapitel in der Weltgeschichte. Seit seiner Niederschlagung hält sich der Neoliberalismus für unbesiegbar. Und nach dem Schema der Zechenschließungen im UK haben sie auch die ostdeutsche Industrie plattgemacht. Im Bischofferoder Hungerstreik, so isoliert und so hilflos er war, spüre ich dieselbe Tragik, denselben Stolz wie beim britischen Bergarbeiterstreik.
GB84 ist nicht soeben erst erschienen, wie ich glaubte – das trifft nur für die deutsche Übersetzung zu. Das Original ist vor zehn Jahren herausgekommen. Die deutschen Verlage haben sich also nicht gerade die Finger danach geleckt. Zu hart, das Thema. Bloß keine schlafenden Hunde wecken. Obwohl man sich da im DGB-Deutschland wirklich nkeine Sorgen machen muss.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krimi Klassenkampf, 4. März 2014
Von 
Heino Bosselmann "Heino Bosselmann" (Rützenfelde, Mecklenburg-Vorpommern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
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Rezension bezieht sich auf: GB84: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach der legendären, m. E. die gängige (Krimi-)Prosa mittels einer spezifischen Splatter-Technik revolutionierenden Red-Riding-Tetralogie und dem ebenso atmosphärisch dichten wie bedrückenden Roman „Tokio im Jahr Null“ brühe man sich schon mal einen starken Yorkshire-Tee auf, denn auf seine Weise setzt David Peace dem letzten Akt des britischen Klassenkampfes ein literarisches Denkmal. Man taucht ein in eine brutale naßkalte Welt.

Denn "GB84" widmet sich in den 53 Kapiteln seiner „okkulten Geschichtsschreibung“ (D. Peace) den 53 Wochen des verzweifelten Bergarbeiterstreiks von 1984 in Mittel- und Nordengland. Der markiert ebenso das Ende der klassischen britischen Montanindustrie wie den Sieg der vom Neoliberalismus Hayeks inspirierten „Eisernen Lady“ Margret Thatcher über die einst mächtigen Gewerkschaften und damit über die traditionelle Arbeiterschaft des Tradeunismus. Nachdem die legendäre Premierministerin sich bereits im Falkland-Krieg und gegenüber der IRA so unnachgiebig wie durchsetzungsfähig zeigte, fertigte sie ebenso knallhart dezisionistisch den englischen „Gewerkschaftssozialismus“ ab, über den noch zehn Jahre vorher die Regierung Edward Heath gestürzt war. Der Schlacht nach außen folgt jene nach innen. Sehr hobbesianisch und an Schmitts Diktum erinnernd, daß souverän sei, wer über den Ausnahmezustand entscheide. Der umfaßt hier ein Jahr. – (Nebenher: Eigenwillig die Vorstellung, daß die Lady aus London mit dem im lieblichen Freiburg lebenden v. Hayek telefonierte und dessen Ideen begeistert materielle Gewalt werden ließ.)

David Peace entwirft ein Panorama der Gewalt, in dem die sozial Schwachen, aber einst Stolzen gebrochen werden, während der obsiegende Neoliberalismus die Unternehmer um „Mac the Knife“ McGregor und das Finanzkapital der „City of London“ stärkt. Aber eigentlich positive Helden gibt es bei Peace realistischerweise nicht: Der legendäre Gewerkschaftsboß Arthur Scargill, ein vom Marxismus inspirierter Klassenkämpfer, erscheint als lautstark polternder tragikomischer Held, der sich und seine Bewegung überschätzt, während über beide die Zeit schon hinweggegangen ist und auf der Straße das letzte Aufgebot des guten alten Proletariats zusammengeknüppelt wird. Die Legenden der Arbeiterbewegung sind Geschichte, während die Ideologie des ökonomischen Neoliberalismus sich anschickt, das globale Prinzip zu werden, als das es heute wirkt.

Die Logistik des Kahlschlags entwirft der perfide Stephen Sweet, Thatchers Mann fürs Grobe, der – allenfalls halblegal mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet – vor keinem Mittel zurückschreckt, assistiert vom korrumpierten Neil Fontaine, seinem Chauffeur, der für seine Art von Effizienz allerdings einen hohen Preis bezahlen muß. – So wie Thatcher aus dem Hintergrund ihre Prätorianer führt, stellt Scargill, der Gewerkschaftspräsident, in ganz ähnlicher Skrupellosigkeit die seinen auf. Neil Fontaines Pendant ist der wirre und blasse Funktionär Terry Winters, der sich vollends in Machenschaften verstrickt, insbesondere durch sein von sexueller Abhängigkeit bestimmtes Verhältnis zu einer MI 5-Agentin.

Jedes Kapitel beginnt mit einem kleingedruckten dramatischen Bericht von der Straße, um dann den Intriganten die Bühne zu eröffnen. Peace’ Erzählstil gleicht dabei der Kameraführung der DOGMA-Regisseure, sie wackelt im Tempo der Turbulenzen durch die Szenerie und richtet sich in scharfen Schnitten mal auf Regierung, Bosse und Büttel, mal auf die Funktionäre und die düsteren Straßen Yorkshires. Ebenso wie in seiner Red-Riding-Tetralogie und dem düsteren Tokio-Krimi ist die Handlung von einer negativen Anthropologie bestimmt. Das Tempo läuft auf Hochtouren, ähnlich wie ich „Damned Unites“, dem furiosen Fußball-Roman des Autors.

Es fällt einen das Frösteln in den nordenglischen Reihenhausstraßen an. Und man bekommt eine Politik illustriert, die mit härtestem Pragmatismus durchregiert, indem sie den widerständigen Arbeiter sozial deklassiert, mittels Employment Acts und Polizei-Phalanxen, mit der Streichung der Zuschüsse für die Schuluniformen der Kinder und deren Ausschluß von der kostenfreien Schulspeisung. Immerfort denkt man: Verdammt hartes Land!

Die wirtschaftliche Wiederbelebung Englands, die Verschlankungen und Effizienzsteigerungen, das sog. „gesunde Geld“, all das, was später mit der Globalisierung geradezu geheiligt wird, hat seinen Preis. Bezahlt wurde er wesentlich in der Kohleregion vom merry old England, das es so längst nicht mehr gibt. Maßgeblich wegen GB 1984.

PS: Ich bin etwas voreingenommen, halte ich doch Peace' sämtliche Werke schon aus Gründen seines unverwechselbaren Stils, der nicht jedermanns Sache und in seiner elektrisierenden Wirkung durchaus harter Tobak ist, für veritable Weltliteratur.
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5.0 von 5 Sternen Homo homini lupus, 22. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: GB84: Roman (Gebundene Ausgabe)
David Peace legt uns mit GB84 einen klassischen politisierten Roman Noir mit "hardboiled" Elementen vor. Vor der imposanten Kulisse des legendären, britischen Bergarbeiterstreiks, der für die Gewerkschaften in einem Fiasko und für die Regierung Thatcher in einem (Pyrrhus-)Sieg endete, entfaltet, knüpft und verwebt der Autor fünf Handlungsstränge miteinander.

Historische Persönlichkeiten, wie Margaret Thatcher, Exponenten ihres Kabinetts, Arthur Scargill ("der Präsident" der NUM), Ian McGregor (der Vorsitzende des NCB) kommen ebenso vor, wie fiktive Personen im Umfeld dieser Persönlichkeiten, die die "schmutzige", bisweilen kriminelle Arbeit für ihre Oberen besorgen (müssen). David Peace schafft es, diese Figuren mit ihren niederträchtigen Motiven und ihren klandestinen Machenschaften äusserst realitätsnah zu zeichnen und zu entwickeln. Exemplarisch sei hierbei der "Jude", Thatchers und McGregors taktischer Intrigant im Kampf gegen die Gewerkschaft NUM, erwähnt. Beängstigend, wie gut Peace das gelingt!

Sehr überzeugend sind auch die Schilderungen des täglichen Existenzkampfes aus der Sicht zweier direkt betroffener Bergarbeiter, Schilderungen, die die soziale Katastrophe betreffen, die grausam über sie hineinbricht. Hierfür hat der aus Yorkshire stammende Autor vor Ort recherchiert und Interviews mit ehemaligen Miners geführt.
Alles in allem ein äusserst realistisch gezeichnetes Crossover aus Sozialdrama, Krimi und Dokutainment, das uns David Peace hier vorsetzt. Und allen, die es bisher noch nicht wussten, wird klar: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sixteen tons and what do you get..., 24. März 2014
Von 
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(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: GB84: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zwanzig Jahre sind seit dem „Miner’s Strike“ vergangen, den der aus Yorkshire stammende David Peace in seinem beeindruckenden Roman „GB84“ beschreibt, aber noch immer spürt man die Wut des Autors über die Ereignisse, die im März 1984 ihren Anfang nehmen, als Ian McGregor, Vorsitzender des National Coal Board, die Schließung unrentabler und die Privatisierung der verbliebenen Zechen ankündigt. Dass dabei Arbeitsplätze im großen Stil vernichtet werden, steht außer Frage, und so beginnt in den folgenden Tagen in den Kohlerevieren Nord- und Mittelenglands der Streik der Bergarbeiter, der mehr als ein Jahr dauern und die englische Gesellschaft nachhaltig verändern wird.

Grund dafür ist der harte Kurs, den die „Eisernen Lady“ Maggie Thatcher und ihre Schergen gegen die Gewerkschaften fahren, deren Entmachtung und anschließende Zerschlagung oberste Priorität hat. Dabei gibt es kein Erbarmen, es wird mit äußerster Härte vorgegangen, seien es nun die körperlichen Auseinandersetzungen in den Straßenschlachten oder das Streichen von finanziellen Unterstützungen, die in erster Linie die Familien der Bergleute treffen. Thatcher treibt nicht nur einen, sondern viele Keile in die Gesellschaft, demonstriert absolute Härte und nimmt bewusst die Verelendung einer Klasse in Kauf, um ihre politischen Ziele durchzusetzen.

All dies beschreibt David Peace in seinem unnachahmlichen Stil, der reale Fakten und Personen mit Fiktionalem vermischt, wenn es die Dramaturgie erfordert. Eingeteilt ist der Roman in dreiundfünfzig Kapitel, für jede Woche der Streikdauer eine, deren Konstante eingangs die Schilderungen der beiden Streikposten Martin und Peter sind, die an den verschiedensten Stellen eingesetzt werden.

Der Romantext an sich setzt sich aus unzähligen Bruchstücken zusammen, in denen sowohl Regierungstreue als auch Gewerkschaftler im Zentrum stehen, wobei aber auch die letztgenannten keine Heiligen sind und sich korrumpieren lassen - in „GB84“ gibt es Schwarz und Weiß, aber vor allem gibt es jede Menge Grau.

David Peace hat mit seinem Werk den streikenden Bergarbeitern der Jahre 1984/85 ein Denkmal gesetzt. „GB84“ ist ein wichtiges Buch, fast eine Sozialreportage, führt es uns doch auf literarische Weise die menschenverachtende Politik einer neoliberalen Regierung vor Augen, die bis heute nicht nur in Großbritannien nachwirkt. Hart bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus, oft kaum zu ertragen und selbst für geübte Leser wegen der eingesetzten Stilmittel eine Herausforderung - aber jede einzelne Zeile ist die Mühe wert!
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GB84: Roman
GB84: Roman von David Peace
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