Kundenrezensionen


18 Rezensionen
5 Sterne:
 (16)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mozart aus Perm, 14. Februar 2014
Von 
Thomas Barisch (Euerbach, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Audio CD)
Es klingt wie ein Märchen: Im Reiche des mächtigen und gar despotischen Zaren Wladimir des Großen lebt über 1000 km vom Zarenhof entfernt in der östlichsten Stadt Europas am Fuße eines mächtigen Gebirges ein gütiger Gouverneur, der die Kunst über alles liebt. Aus zauberhaften Quellen hat er Geld und möchte es für die schönen und wahren Dinge des Lebens ausgeben, also nicht für Eishockey oder Fußball. Ein hochbegabter, aber mittelloser Zauberkünstler aus dem ebenso mittelosen Athen hat es über seine Studien ins ferne Sibirien verschlagen und eben diesen Zauberlehrling ruft sich der Gouverneur an seinen Hof. Respektlos fordert er gleich noch ein Orchester aus den gebildetsten Musikern des Landes und gute Sänger für einen Chor – und bekommt es! Und auf das sich der Ruhm aus dem fernen Osten weit über die Welt verbreite, will man auf Tonträgern die unbestritten göttlichsten Werke der Opernwelt, die drei Mozartopern komponiert auf Texten des Lorenzo da Ponte, bannen. Und nicht als verhusteten Mitschnitt einer Theateraufführung, nein zwei Wochen lang darf der Zauberlehrling mit seinen Musikern, die sich den schönen Namen „ewige Musik“ gegeben haben, im Theater des Gouverneurs proben, tüfteln, aufnehmen, seine unbescheidene Vision verwirklichen: einfach die beste Aufnahme dieser Opern zu machen!
Da staunt man im Land der Dichter und Denker schon, da wo Provinzgouverneure Orchester auflösen, pardon fusionieren, wo Rechnungshöfe solch sittenwidrigem Treiben in einem Opernhaus betriebswirtschaftlich schnell den Garaus machen, wo aber auch wohlbestallte Orchestermusiker ihre Probenzeiten äußerst ungern über den Tarifvertrag hinaus verlängern lassen. Und nun liegt es vor, in eleganter Buchform, das Wunder von Perm, in die Welt verschickt nun nicht von einem kleinen armen, aber leidenschaftlichen Verleger, nein dann doch von einem japanischen Riesenkonzern. Das Märchen scheint aber damit noch nicht zu Ende, soll doch die aus dem schönen Sachsen stammende schöne Sängerin der Gräfin gar zum orthodoxen Glauben des Zauberlehrlings übergetreten sein (Rondomagazin) und in der zauberhaft winterlich verschneiten Stadt wird weiter mit Leidenschaft aufgenommen, so verspricht es poetisch ein Videoclip. Subtiler und raffinierter kann Marketing ja auch nicht sein.
Das Wunder von Perm also - wird das Unvergleichliche Ereignis? Ja, eindeutig und das trotz der hohen Latte eines René Jacobs. Teodor Currentzis, der auf dem Bild im Buch jugendlich wie der deutsche Zauberjazzer Michael Wollny wirkt, und sein „Musikaeterna“ lassen Mozart wirklich so spannungsvoll vibrieren, dass man 3 Stunden gebannt zuhört, auch die Rezitative nicht vorzippt. Das klingt dermaßen rhythmisch, energiegeladen, immer wieder neu, aber nie manieriert und stellt so selbst Jacobs noch ein wenig in den Schatten. So drängt sich mir hier nochmal der Vergleich zu dem genialischen Jazz-Improvisator Michael Wollny auf. René Jacobs setzt manchmal noch größere Akzente im Blech, der Streicherklang des Concerto Köln ist dann aber dünner und alles wirkt, nach erstem nächtlichen Vergleichshören, fast vordergründig effektvoller. Wer bei Karl Böhm oder gar Karajan hängen geblieben ist, wird sicher einen Schock bekommen, andererseits hier eingestiegen erspart er sich manche Irrungen und Wirrungen der historisch informierten Spielweise (Harnoncourt, Östmann, Gardiner, Norrington). Trotz des vorherrschenden Extremismus klingt die Nozze unter Currentzis niemals übertrieben sondern auf schwer beschreibbare Weise organisch von der ersten bis zur letzten Note. Auch der von René Jacobs gesetzte Standard beim Begleiten der Secco-Rezitative durch das Hammerklavier, das sich auch in die Arien einbringt, wird noch mal leicht getoppt, durch knappes, witziges Improvisieren. Das wirklich schöne ist, das Currentzis nichts über einen Kamm schert, der Musik auch Ruhe und Atmen lässt („Canzonetta sull’aria“, „dove sono“). Ein kleines Wunder ist so die Arie der Barbarina zu Beginn des 4. Aktes, ganz ernst gesungen von Natalya Kirillova, da steht der tolle Tag einfach still.
Der weitere Unterschied zu Jacobs Aufnahme ist der Gesangsstil, der bei Jacobs dann doch mit Sängern wie Keenlyside, Gens und Kirchschlager, die auch große Häuser füllen, noch weit „opernhafter“ ausfällt. Obwohl konsequent mit wenig Vibrato gesungen wird, klingt das nicht aseptisch, wie bei manchen älteren Aufnahmen der „Alten-Musik-Szene“. Das schon angesprochene „Dove sono“ der Gräfin Simone Kermes, die gar nicht die Barockfurie herauskehrt, lässt einen im Übergang zur Wiederholung schon den Atem anhalten. Das bleibt sicher Geschmackssache, gerade bei Frau Kermes. Und wohl auch kein Dogma, die Männer dürfen sich eher ausleben. Die mir bisher völlig unbekannten Sänger ließen sich vom Dirigenten anstecken und gehen voll in ihren Rollen auf. Andrei Bondarenko ist ein viriler Graf, immer Edelmann, immer auch charmant (Duettino mit Susanna: „Crudel…“), angemessen auftrumpfend im „hai gia vinta la causa“, das schon berühmtere Sänger in Atemnot gebracht hat. Christian Van Horns Figaro unterscheidet sich von der Stimmfarbe nicht so sehr vom Grafen, gibt kraftvoll den großspurigen Möchtegernrevoluzzionär, möchte wohl gerne Graf anstelle des Grafen sein. Susanna und die Gräfin unterscheiden sich dagegen stärker, Simone Kermes eher dunkel herb, wie immer intensiv, wird doch von Fanie Antonelou fast in den Schatten gestellt. Rein stimmlich gesehen kann man den Grafen da schon verstehen, dass er sich diese Susanna nicht entgehen lassen will und sie führt ihn auch mit einer abgefeimten Unschuld und Raffinesse auf’s Glatteis. Mary-Ellen Nesi ist ein viel dunklerer Cherubino als Angelika Kirchschlager, sehr schön. Witzig der polternde, abgrundtiefe Antonio von Gerry Agadzhanian. Muss man sich diese Sängernamen merken, werden sie im knallharten Opernbusiness bestehen, in riesigen Staatsopern gegen das Orchester kämpfen? Fast wünscht man ihnen, dass sie lange in dieser Zauberwelt bleiben können.
Nur die Studioaufnahme an sich schafft noch keine Meisterleistungen, das zeigt die Schallplattengeschichte in teils ernüchternder Weise. Teodor Currentzis hat aber die märchenhaften Bedingungen genutzt, intensiv gearbeitet und damit doch ausgerechnet in Perm ein kleines Wunder vollbracht, dass man als Opernfan unbedingt gehört haben muss. Und vielleicht führen die rockige Rhythmik und der klare, sehr angenehme Gesang auch junge Menschen mal zur Oper? Dabei bleibt bei aller rhythmischen, „rockigen“ Unerbittlichkeit, allem Furor doch die unergründliche Mozartsche Leichtigkeit, aber auch Doppelbödigkeit gewahrt. Dem „Contessa perdono“ kann man sich eh nicht entziehen, Currentzis und seine Sänger machen das ganz ruhig, in sich gekehrt – Mozart, „Balsam für die Seele“, wie das altgediente Klassikfans immer gerne sagen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Extrem gut gelungene Studioaufnahme, 19. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Audio CD)
Ein Studio bietet andere Möglichkeiten, als ein Mitschnitt einer Aufführung. Diese Aufnahme macht sich diese Möglichkeiten zu nutze.
Der leichte Schleier an Nebengeräuschen fehlt, die Aufnahme wirkt dadurch unmittelbarer.
Pianopassagen in den Gesamtsstimmen werden quasi akustisch herangezoomt. Das Piano äußert sich vor allem in der Stimmfarbe und im Gesamtduktus, weniger in der Lautstärke.
In der Mehrstimmigkeit sind die einzelnen Stimmen und Texte erstaunlich gut zu verfolgen. (Z.B. des Grafen Rufe nach Marcellina im Finale des 2. Akts.)
Der Orchesterklang ist brillant. Auch hier sind einzelne Phrasen, die in anderen Aufnahmen im Gesamtklang untergehen, so gut herausgearbeitet, dass ich stellenweise das Gefühl hatte, das Werk neu zu entdecken.
Das improvisierende Hammerklavier und die Verzierungen in den Gesangsstimmen tun ein Übriges, die Aufnahme von allen zuvor gehörten abzuheben.
Die aufwendige Gestaltung der Verpackung macht diese CD zu einem Hingucker im CD-Regal - wenn sie denn, knapp zwei Zentimeter höher als normale CD-Hüllen, hineinpasst.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich...., 17. März 2014
"Le nozze di Figaro" aus Perm... als das Publicity Gewitter begann und man in allen möglichen und unmöglichen Medien hören, lesen und schauen konnte blieb dem skeptischen Klassikfreund eigentlich nur eines übrig: Wegschauen, weghören und sich verweigern.
Aber dann: Die moderne Technik genutzt, einige Schnipsel gehört.... und sofort die Aufnahme besorgt.
Und siehe - da ist er: Der nach Nikolaus Harnoncourts Deutungen vielleicht radikalste Interpretationsansatz der sich denken lässt. Konsequent durchdacht, bis ins letzte Detail durchgefeilt und doch: Lebendig, aufregend, klangschön .....

Ein Beispiel: Die Szene im großen Finale des zweiten Aktes, wenn der Gärtner Antonio die ganze Handlung droht auffliegen zu lassen. Wenn der Gärtner die Geschichte des Fenstersprungs (des Pagen) erzählt, untermalt Mozart dies zunächst mit pulsierenden Sechzehnteln der Streicher, die ich derart dynamisch und gleichzeitig exakt noch nie gehört habe. Mozart lässt den weiteren Dialog von quasi "klopfenden Achteln" in den Streichern begleiten, untermalt von liegenden Tönen der Bläser - die schon auf einem einsamen Höhepunkt angelangte Spannung wird durch die quasi Verlangsamung des Tempos weiter in fast unerträglichem Masse weitergesteigert. Die Streicher beginnen im Verlauf des Dialogs diese Figuren, immer "spitzer" und immer bohrender zu spielen, die Sänger nehmen diesen Tonfall exakt auf, und es entsteht auf der Hörbühne ein Moment, in dem man die Beklommenheit und Angst der Handelnden Personen zu hören und zu fühlen scheint.

Natürlich haben auch andere Dirigenten dies schon aufregend realisiert: Aber die die Spannung, die man im Opernhaus von Perm aufgebaut hat, ist in der Diskographie wohl bisher einmalig. "Jede Komödie ist eine gerade verhinderte Tragödie" - dieses Wort des Regisseurs M. Hampe fiel mir beim Hören dieser Aufnahme ein: denn wirklich, das ist einfach ganz großes Theater.

Es fällt auf, daß nun wirklich jeder Takt, jedes Rezitativ und jede Arie und jedes Ensemble mit einer liebevollen Aufmerksamkeit durchgestaltet wurde, und man reibt sich ein ums andere mal die Ohren, so neu klingt dieses doch so oft gespielte Stück.
Nun mag man einwenden daß es leicht gestelzt klingt wenn ein Stück derart akribisch gestaltet wird. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Man entdeckt in eben jenem Rezitativ, Arie, Ensemble andauernd neue, aufregende Details; sei es eine Begleitstimme, eine rhythmische Veränderung oder ein neuer Akzent.
Die Brillanz des Orchesters ist beispielhaft; auf Originalinstrumenten spielend ist der Klang transparent und kräftig zugleich, und der gesamte Farbenreichtum dieser Instrumente offenbart sich - quasi als konsequent zu Ende gedachte Aufführungspraxis.
Viel wurde über die Ausgestaltung des Continuos geschrieben und kommentiert: Das zuweilen mitspielende Hammerklaviers in den Ensembles und Arien mag zunächst befremden, allerdings ist dieses "Mitspielen" des Continuoinstrumentes durchaus historisch überliefert, und lenkt den Blick doch immer wieder als unaufdringlicher "Zeigestock" auf die Genialität der Musik.

Die Sänger ordnen sich diesem Konzept beispielhaft unter und bilden ein wirklich homogenes Ensemble. Ich verstehe nicht, warum man gerade hier in der zeitgnössischen Kritik die Leistungen der Sängerinnen und Sänger gegeneinander ausspielt und vergleicht. Da wird die Sängerin der Susanna (Fanie Antonelou) mal über den grünen Klee lobt, dann wiederum als charakterlos abqualifiziert. Mal liest man es wären keine großen Stimmen dabei, andererseits sind alles künftige Superstars am Werk. Mal singt Simone Kermes nicht überzeugend weil flach und gestelzt, dann ist sie wieder die große "Barockdiva" - daß sie einfach gut singt und die Rolle sehr individuell gestaltet ist die selten zu lesende Tatsache. Es gibt hier wirklich keine Schwachstelle, und gerade weil hier niemand den anderen überstrahlt, sondern jeder seine Rolle mit großer Lebendigkeit erfüllt ist dieser Figaro so grandios gelungen.

Auf jeden Fall hat T. Currentzis der Diskographie dieser grandiosen Oper eine grandiose Aufnahme hinzugefügt.
Ich freue mich auf jeden Fall auf die anderen zwei "da Ponte" Opern - die Messlatte liegt hoch und es wird uns, daß ist sicher, so manche aufregende Hörerfahrung beschert werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mozart gegen den Strich gebürstet, 5. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Audio CD)
Nun ist sie also da: Die so lang erwartete und von der Fachpresse mit (Vorschuss-)lorbeeren versehene Currentzis-Aufnahme des Figaro, der die beiden anderen da-Ponte-Opern Don Giovanni und Cosí fan tutte binnen Jahresfrist folgen sollen.
Wie zu erwarten, greift auch hier der Maestro mit seiner sibirischen Orchestertruppe, wie bei seiner Requiem-Einspielung, wieder energisch-rhythmisch, mitunter fast rau und brutal auf die mozartschen Klänge zu: Überwiegend rasche Tempi, manchmal hart an der Grenze des technisch Machbaren, kurz abgerissene Phrasenschlüsse, wild schrubbende Streicher und donnernde Pauken und Trompeten. Hier geht sich ein Aristrokratenehepaar ohne jegliche distanzierte Adelsattitüde live an die Kehle, begehrt ein trotziger Footman zu Gitarrenklängen gegen seinen Arbeitgeber auf, durchlebt ein Pubertierender die Qualen seines Daseins (und reisst bei seinem Fenstersprung akustisch das halbe gräfliche Schloss mit ein). Im wahrsten Sinne „ein toller Tag“. Die verhaltenen Momente scheinen da hingegen irgendwie nicht in das Gesamtkonzept zu passen und stechen auch technisch mit nahe an das Mikrophon herangezogenen Stimmen aus dem Klangbild heraus.
Das Orchester spielt blitzsauber und meistert die ihm vom Dirigenten aufgestellten Rennhürden mit Bravour (Holzbläser in der Ouvertüre!). Das Sängerensemble ist durchweg mit jugendlich klingenden Stimmen besetzt. Selbst in den Partien der Marcellina und des Basilio, die in der Aufführungspraxis üblicherweise mit Veteranen besetzt sind und die hier die allzu oft gestrichenen Capra-Capretta und Eselshaut-Arien präsentieren dürfen. Beide Paare, Conte/Contessa und Figaro/Susanna, sind einander sängerisch ebenbürtig und glänzen mit feuriger, emotionaler und stimmlich perfekter Interpretation ihrer Partien.
Die Aufnahmetechnik entspricht heutigem Standard, mit breitem Klangspektrum und hoher Dynamik. Sie kommt dem Anspruch des Dirigenten entgegen, indem sie selbst die feinsten Details innerhalb des Orchesterklangs abbildet, auch bei den etwas komplexeren Klangpassagen. Anfangs etwas irritierend sind leichte „Chorechos“ bei den Solostimmen, die dadurch etwas unfokussiert erscheinen.
Eine interessante und spannende Interpretation, die allerdings erfordert, von traditionellen Hörgewohnheiten Abschied zu nehmen.
Die „kartonierte Edelausgabe“ dieser Aufnahme besteht aus einem umfangreichen Booklet mit Besetzungszetteln von Sängern und Orchester, Tracklisten der einzelnen CDs, den üblichen Dirigentenbemerkungen und stückbezogenen Aufsätzen und dem vollständigen Libretto, alles viersprachig. Beim ersten Öffnen dieses dicken Booklet hört man schon das verdächtige Knacken der Seitenbindung, das darauf hindeutet, dass es sich nach mehrmaligem Anwenden irgendwann in seine Bestandteile auflöst. Die letzten drei Seiten bestehen aus den für Sony so typischen Plattentaschen, in denen die CDs eingezwängt sind und nur mit Anfassen am Rand, inklusive Fingerprints, entnommen werden können.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bemerkenswerte Aufnahme,... aber keine Referenz, 6. Juni 2014
Von 
S. Bilger (Dossenheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Enthusiasmus der Vorrezensenten ist verständlich, handelt es sich doch um eine musikalisch und klanglich beeindruckende Einspielung. Dennoch möchte ich mir einige kritische Anmerkungen nicht verkneifen.

Hocherfreut über den Service von Amazon, einem nach der Bestellung sofort den MP3-Download anzubieten, um die Wartezeit bis zum Eintreffen des Pakets zu überbrücken, hörte ich - durch die zahlreichen, positiven Kritiken neugierig - gleich hinein. Selbst in MP3-Qualität war die Durchhörbarkeit und Brillianz der Aufnahme, die effektvoll hochpolierten, historischen Instrumente, die rhythmischen Akzentuierungen und die Abkehr von aller plüschigen Routine auf Anhieb beeindruckend. Aber waren es nicht ein paar Effekte zu viel, Originalität um jeden Preis? Das mag Geschmacksache sein, aber für meinen Geschmack war es ein wenig des Guten zu viel. Dann die Sänger: erfreulich unverbrauchte Stimmen, jugendlich (bis auf ausgerechnet Mary-Ellen Nesi, die für den Cerubino etwas zu reif klingt), aber nicht gerade Spitzenklasse. Manche Passagen mehr ins Mikrofon gehaucht als gesungen (entsprechend der Forderung von Currentzis, dass man vor Studio-Mikrofonen nicht singen müsse, "als man ein riesiges Theater zu füllen hätte"). Die angestrebte, vibratoarme Stimmführung überrascht besonders bei Simone Kermes als Gräfin, die fast unangenehm scharf klingt.

Im ausführlichen Booklet, das ich wenige Tage später in Händen hielt (über das handling und die Haltbarkeit ist bereits geschrieben worden), wird dies alles vom Dirigenten plausibel begründet. Es wäre auch kaum etwas dagegen einzuwenden (ist schließlich auch Geschmacksache), gäbe es nicht die hervorragende, nach meiner Meinung in Bezug auf historische Authentizität Maßstab setzende Aufnahme von René Jacobs. Auch hier klingen die historischen Instrumente rhythmisch geschärft und durchhörbar, sind die Rezitative rasant und die Verzierungen der Sänger teilweise überraschend. Aber es wirkt alles kultivierter und absolut passend. Nur ist diese tatsächliche Referenz-Einspielung nicht bei einer major company, sondern bei "harmonia mundi" erschienen und hat daher nicht die Aufmerksamkeit gefunden wie die Neuproduktion von Sony. Dagegen erscheint diese doch mit entsprechendem Marketing-Aufwand etwas gehypt.

Um nicht missverstanden zu werden: dieser Figaro von Currentzis ist absolut hörenswert: Er muss sich aber nach meiner Meinung an den zahlreichen anderen, musikalisch auf vergleichbarem oder eben höherem Niveau stehenden Aufnahmen messen lassen. Da hätte ich sogar eher zu nur drei Sternen tendiert. Was die Aufnahme aber absolut auszeichnet sind Klangbild und Aufnahmetechnik (die aber eben auch die Schwächen erkennen lässt). Wer sich am Mozart Gesang erfreuen will, sollte ohnehin zu den historischen Aufnahmen von Erich Kleiber (1959) und Fritz Reiner (1952, trotz miserabler Klangqualität eine der beeindruckendsten Mozart-Aufnahmen überhaupt) greifen.

Technisch ist die Aufnahme tadellos. Sony scheint sich von den ursprünglichen SACD-Plänen verabschiedet zu haben und legt die Aufnahme als Blue-Ray vor (wofür es sicher mehr Abspielgeräte gibt als für die SACD). Diese enthält eine Hi-Fi Stereo-Version - 24bit / 192kHz und eine in Surround 5.1 - 24bit / 192kHz. Insbesondere die Surround-Version bietet noch mehr Feinheiten und Durchhörbarkeit. Die Instrumente und die Sänger stehen plastisch im Raum. Der Mehrpreis gegenüber der nur im direkten Vergleich flache wirkenden CD lohnt sich aber m. E. nur bei einer entsprechend, hochwertigen Anlage. Selbst in der MP3-Version kommen die Effekte gut rüber.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eine meisterleistung, 15. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Audio CD)
eigentlich hat thomas barisch in seiner rezension ja schon alles sagenswerte gesagt, von daher möchte und kann ich dem gar nicht mehr viel hinzufügen - es ist dies ein FIGARO der meisterklasse, voller ensemblegeist, voller freude, voller hingabe und auch voller gefühl.

zwei beispiele für das innere leben und die subtilität dieser aufnahme:

- act III: riconosco in questo amplesso: die wiedererkennungsszene in der sich marcellina als figaro's mutter entpuppt klingt hier einmal nicht buffo-komisch sondern ernst und wie die sänger fast im piano in sich selbst hineinsingen und so selber erst dessen was gerade geschieht gewahr werden, das gibt dem ganzen eine emotionale grösse, die dieser szene wirklich zusteht

- act IV: contessa perdono: wie andrei bondarenko seine entschuldigung im ppp zelebriert und simone kermes darauf ebenso innig antwortet und damit den 'tollen tag' noch einmal innerlich in der zeit stehen lässt ist nicht nur ganz grosses ohrenkino (um es mal pauschal auszudrücken), sondern auch ausdruck der musik als lebendiges gefühl (ich kann nur von mir sprechen, da mich dies einfach ohne wenn und aber berührt)

die protagonisten/sänger singen nicht einfach nur sondern agieren miteinander als wahres ensemble, da profiliert sich niemand sondern alles fügt sich zu einem gesamtpaket (und ist auch gesanglich ohne tadel!!!) - wie in einen stilleben, bei dem man zwar ausschnitte bewundern kann, aber alles ist ein gesamtbild von stimmigkeit wie sie heutzutage bei aufnahmen selten ist. nichts wirkt aufgesetzt sondern alles von herzen kommend und durchlebt - man fühlt sich als hörer dabei und mittendrin und nicht als betrachter. ein höheres lob kann man fast gar nicht vergeben.

uneingeschränkt empfohlen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erfrischend moderne Aufnahme - Klasse!, 7. März 2014
Von 
Niklas Morgan "History Reader" (Berlin, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Audio CD)
Die Experten hier überschlagen sich vor Lob. Das Wort "Referenzaufnahme" macht die Runde. Übertrieben? Aus meiner Sicht nicht. Referenzaufnahmen ändern sich zwar mit dem Zeitgeist. Genau so wie auch die Interpretationen klassicher Musik einer gewissen Mode unterliegen. Hier hat der junge griechische Dirigent Teodor Currentzis eine sehr moderne und erfrischende Aufnahme abgeliefert. Klar, gutes Marketing (man schaue sich hier nur mal den zweiten Film an!) gehört auch dazu.

Aber ich hatte erst am Wochenende das Vergnügen, diese Oper in Berlin zu besuchen. Und am nächsten Tag hörte ich mir diese Aufnahme an. Was für ein Unterschied! Die Berliner Aufführung war nicht schlecht. Aber was hier abgeht überzeugt einfach mehr. Allein die fast schon fetzigen Rezitative mit Hammerklavier statt Cembalo. Das ganze mit Improvisationen, mal eine Dissonanz, mal etwas Bach. Fast glaubt man, Meister Mozart selbst sitzt da am Hammerklavier und frischt seine eigene Komposition etwas auf. Dazu kommen Verzierungen bei den Arien, die die schon so oft gehörten Melodien leicht verändern, so dass man überrascht die Ohren spitzt. Was zu Mozarts Zeiten wohl bei Sängern übliche Praxis war, ging in den letzten Zweihundert Jahren wohl verloren. Die Einspielung nutzt zudem bewusst die Möglichkeiten des Tonstudios. Hier muss kein Sänger mit wallendem Vibrato eine riesige Halle füllen, hier können nuancierte Lautstärken von wirklichem ppp bis fff entfaltet werden. Noch nie so gehört: Die Bitte um Vergebung des Grafen im 4. Akt. Sehr leise, fast schon gehaucht gesungen.

Gerade wer die Oper gut kennt, und auch mehrere Aufnahmen im Schrank hat, wird hier wirklich mit etwas Neuem belohnt. Es hat sich wirklich gelohnt, dass man hier nicht einfach aus Kostengründen einen Livemitschnitt veröffentlicht, sondern sich das Team um den Dirigenten für 10 Tage ins Studio einschloss. Das Ergebnis übertrifft ähnlich teure Aufnahmen. Auch das Begleitbuch ist schön. Neben Interviews das komplette Libretto in vier Sprachen, und das in einer Schriftgröße, bei der man keine Lupe braucht. Eher selten beim CD Format. Dazu ein detailliertes Inhaltsverzeichnis der einzelnen Nummern, mit Verweis auf die Seitenzahlen im Libretto. So hat man schnell mal seine Lieblingsarie nachgelesen.

Daher können auch Neulinge, die nach "der besten Aufnahme" dieser Oper suchen, hier eigentlich nicht viel falsch machen. Es kann ihnen nur passieren, dass sie danach sämtliche anderen Aufnahmen eher langweilig finden, und auch beim nächsten Opernbesuch etwas enttäuscht sind. Ich jedenfalls freu mich schon auf die weiteren Einspielungen dieses Teams. Im Herbst soll die Cosi kommen, dann noch Don Giovanni.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Träumen schön, 28. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Audio CD)
Was für eine wunderschöne Aufnahme; hier hat ein hervorragend ausgewogenes Ensemble unter einem Dirigenten, der in Sachen Interpretation und gewählter Tempi allen arrivierten Kollegen ein Schnippchen schlägt, den tollen Tag wirklich mal "ernst" und beim Wort genommen. Herrlich die Einzelinterpretationen der Charaktere: der anfangs noch recht testosterongesteuerte Graf von Andrei Bondarenko (man höre nur die erste Szene zwischen ihm und Susanna!), die nicht so lyrisch süße, dafür aber pragmatisch-witzig auftrumpfende Fanie Antonelou als Susanna. Simone Kermes singt sich mit sinnierend fast körperlosem Ton schon mit dem Porgi amor in eine ganz eigene Liga. Dazu der androgyne Mezzo Mary-Ellen Nesis' Cherubino, Christian van Horn mit ausgeglichenem Bariton als wirklich guter Figaro - da stimmt einfach alles. Auch die musikalische Seite kommentiert das versiert und unter der frischen Leitung Teodor Currentzis frech aufspielende Ensemble Musicaeterna. Das ist nach Jahrzehnten wohl endlich die Referenzaufnahme des Werks, die sehr lange eine Spitzenposition halten dürfte. Bravo!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen At last!, 30. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Audio CD)
The style is so fresh, you can't take your ears off. The lack of vibrato is refreshing after decades of Wagnerian Mozart. Great discovery. Looking forward to the next recordings.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Mozart im Orchester, 21. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Audio CD)
Als würde Mozart im Orchester sitzen. Spannung total, ganz stark, kaufen und hören. Begeisterung garantiert. Bin gespannt auf weitere Aufnahmen mit diesem Dirigenten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Mozart: Le nozze di Figaro
Mozart: Le nozze di Figaro von Teodor Currentzis
MP3-Album kaufenEUR 14,99
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen