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Ikarus
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Ikarus

Auf der 64. Berlinale im Jahr 2014 wurde dieser aus der ehemaligen DDR stammende und dort im September 1975 in die Kinos gekommene Film außerhalb der Wertung gezeigt und fand bei seinen Besuchern viel Beachtung. Das in Berlin beheimatete Label "Icestorm" bringt nun den liebevoll restaurierten Film für alle Interessierten auf DVD an den Start. Es ist ein einzigartiger Film, der in gleich mehrfacher Hinsicht etwas ganz besonders ist und einen, einmal gesehen, einfach nicht mehr los lässt.

Der in einer Produktion des DEFA-Studios für Spielfilme von der "Gruppe Babelsberg" entstandene Film ist eigentlich nicht der typische Kinderfilm, als welchen ihn hier das Cover der DVD-Veröffentlichung bewirbt. Kein Geringerer als Heiner Carow (1929-1997), der zuvor mit "Die Legende von Paul & Paula" im Jahr 1973 DDR-Filmgeschichte geschrieben hatte, führte bei "Ikarus" die Regie und schrieb mit Unterstützung von Klaus Schlesinger auch das Drehbuch zu dem Film.

Mich hat es schon in Anbetracht der sonst damals üblichen strengen Kontrollen vor der Filmfreigabe überrascht, welch kritische Töne, auch gegenüber Unzulänglichkeiten in der DDR, der Film anschlägt. Da muss wohl der Umstand, dass der Streifen als Kinderfilm an den Start ging, die Prüfer milde gestimmt haben. Dennoch wurde es um den Film nach seiner Premiere relativ ruhig, weil das Thema des Films von einigen Genossen als "sozialismus-feindlich apostrophiert" beurteilt wurde.

Dabei schildert der Film in seiner Geschichte nichts, was nicht den damaligen Gegebenheiten entsprach. Erzählt wird die Geschichte des zu Beginn des Films gerade einmal acht Jahre alten "Mathias", hier einfach nur genial von Peter Welz gespielt. Er ist eines der in der DDR, mit deren hoher Scheidungsrate, typischen Kinder, welches bei seiner alleinerziehenden Mutter (Karin Gregorek) aufwächst. "Mathias" hat die Trennung seiner Eltern noch lange nicht überwunden und tut sich auch schwer mit dem neuen Freund seiner Mutter, welchen er auf Wunsch der Mutter auch ausgerechnet noch "Onkel Jochen" (Hermann Beyer) nennen soll.

Er flüchtet in seine Traumwelten aus einem Gemisch aus Vergangenem und Fantasien. Als die Sehnsucht nach seinem Vater (Peter Aust) bei Mathias zu groß wird, beschließt er kurzerhand, ihn zu besuchen. Er kommt allerdings etwas ungelegen, da der Vater gerade Damenbesuch hat. Dennoch nimmt sich der Vater, als er das Interesse von Mathias an einem Bild mit "Ikarus", das in seiner Wohnung hängt, bemerkt, die Zeit, ihm die Geschichte der Figur zu erzählen. Mathias zeigt sich begeistert, noch mehr, als ihm sein Vater anlässlich seines kurz bevorstehenden neunten Geburtstages einen Flug über Berlin verspricht.

Als dann der große Tag da ist, wartet Mathias ungeduldig auf seinen Vater. Irgendwann hält er es nicht mehr aus und macht sich auf die Suche nach ihm. Dabei erlebt er so einiges. Aber wird er den Vater noch finden und dieser sein Versprechen halten und mit ihm zu einem Flug aufsteigen? Kommen seine Eltern vielleicht sogar, wie er es gerne hätte, wieder zusammen? Oder muss er "Onkel Jochen" als neue Vaterfigur akzeptieren und etwa sein Glück hinter das der Mutter stellen?

Der Film zeigt in unglaublich einfühlsamer Art und aus der Sicht von Mathias dessen Gedanken und Gefühle. Er geht nahe, berührt und lässt tiefe Blicke in die Psyche und verletzte Seele des Scheidungskind "Mathias" zu. Unweigerlich spürte ich des Öfteren das Verlangen, den kleinen "Mathias", wenn er herzzerreißend und schluchzend ob der empfundenen Ungerechtigkeit der Erwachsenen in Tränen ausbricht, tröstend in den Arm zu nehmen. Peter Welz, der damalige Darsteller des Mathias, ist heute übrigens selbst ein namhafter Regisseur und ist vor allem durch Arbeiten an TV-Serienproduktionen wie z. B. "Pastewka", "SK Kölsch" oder auch "Notruf Hafenkante" u. Ä. inzwischen recht bekannt.

Namen weiterer in dem Film zu erlebender Darsteller wären die von Günter Junghans, Rolf Hoppe, Günther Schubert, Fred Delmare oder Carl Heinz Choynski und Willi Schrade neben noch vielen anderen mehr. Die für den Film 1974 in und rund um Ostberlin von Kameramann Jürgen Brauer eingefangenen Bilder zeigen zudem ein interessantes Stück des Berlins jener Tage inmitten der DDR in sehr authentischer Atmosphäre.

Das Bild des auf 35mm Film aufgenommenen Films wurde für die DVD und für mein Empfinden wirklich vorbildlich restauriert. Beinahe vergisst man bei dem mit satten und natürlichen Farben daherkommenden Bild, dass seit der Filmpremiere inzwischen beinahe vierzig Jahre vergangen sind. Bis auf einige der damaligen Aufnahmetechnik zuzuschreibende und kaum auffallende minimale Unschärfen bietet das Bild von der DVD sonst durchweg gute mittige Werte in der Schärfe als auch im Kontrast. Der Film hat eine Laufzeit von ca. 87 Minuten und präsentiert sich im 16:9 Bildformat bei der Wiedergabe von der DVD.

Das DVD-Menü zeigt sich mit einigen animierten Filmszenen und Soundfiles übersichtlich gestaltet. Nach Einlegen der DVD in den Player lässt sich über "Film" die Wiedergabe starten. Auf der DVD wurden in dem Film einige Marker zur Szenenanwahl oder für Kapitelsprünge während der Wiedergabe gesetzt. Neben einiger Trailer zu weiteren auf DVD veröffentlichten Titeln findet sich noch der gut einundzwanzig Minuten laufende schwarz-weiß DEFA-Dokumentarfilm "Geschieden" von Hans Wintgen aus dem Jahr 1986 als Extra auf der DVD.

Tonbewertung:

Die DVD bietet einen die Darsteller durchweg gut verständlich bleiben lassenden deutschen Ton ohne Auffälligkeiten im Format Dolby digital 2.0 an. Für die Musik bei "Ikarus" zeichnete unter anderem Komponist Peter Gotthardt, von dem auch schon die Puhdys-Titel "Geh zu ihr" und "Wenn ein Mensch lebt" beim Film "Die Legende von Paul und Paula" stammen, verantwortlich. Aber auch der "Dresdner Kreuzchor" und die Liedermacherin Bettina Wegner (Kinder-Sind so kleine Hände...) sind in dem Film musikalisch vertreten. Erstaunt hat mich, dass die DVD sogar optional einblendbare englische Untertitel anbietet. Leider wurden dann aber die deutschen Untertitel für Hörgeschädigte und Gehörlose vergessen.

Gesamteindruck:

Ich denke, man merkt meiner Rezension an, wie sehr mich dieser Film angesprochen und bewegt hat. Auch wenn der Film inzwischen selbst ein Stück Geschichte ist und Vergangenes aufzeigt, ist das, was er zu erzählen hat, noch heute so aktuell wie auch damals. Denn nach wie vor sind es bei jeder Trennung der Elternteile immer wieder die Kinder, die mit am meisten darunter zu leiden haben. Ein wunderbarer und mit sehr viel Gefühl daherkommender, einzigartiger Film in einer gelungenen DVD-Veröffentlichung durch das Label "Icestorm Entertainment".
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Der achtjährige Mathias lebt nach der Scheidung seiner Eltern bei der Mutter. Als er seinen Vater einmal spontan besucht, verspricht ihm dieser angesichts eines Bildes des sagenhaften Höhenfliegers IKARUS aus der griechischen Mythologie zum 9. Geburtstag einen gemeinsamen Rundflug über Berlin. Doch am Geburtstag wartet Matthias nach der Schule vergeblich auf seinen Vater, der das Versprechen wohl schon lange vergessen hat. Er geht seinen Vater suchen - und reflektiert parallel unschöne Szenen der Eltern vor der Scheidung.

Heiner Carow (1929-1997) drehte zwei Jahre nach seinem größten Erfolg "Die Legende von Paul und Paula" (1973) die Geschichte des Scheidungskindes Mathias nach einem Drehbuch des DDR-kritischen Schriftstellers Klaus Schlesinger (1937-2001). Einige zeitkritische Statements (unter anderem über die Möglichkeiten von Journalisten) versetzen den heutigen Zuschauer in Erstaunen über die bei der Abnahme wohl eher auf einen harmlosen Kinderfilm setzenden Zensoren. Neben den hervorragenden schauspielerischen Leistungen sind die interessanten Aufnahmen vom Ostberliner Alltag 1975 sowie die Musik Peter Gotthardts mit Songtexten der damals schon von Auftrittsverbot bedrohten Liedermacherin Bettina Wegner erwähnenswert.

Die DVD von ICESTORM präsentiert den Film, für dessen Digitalisierung Fördermittel zur Verfügung standen, in hervorragender Bild- und Tonqualität. Als Bonus ist der Dokumentarfilm GESCHIEDEN (DDR 1986) enthalten, der in einfühlsamen Einzelgesprächen mit Eltern und Tochter die Kinder als letztendlich besonders Leidtragende der Scheidung zeigt und damit eine treffende Ergänzung zu IKARUS darstellt. Eine Vermarktung als reiner "Kinderfilm" wird IKARUS nicht gerecht - in dieser Hinsicht ist auch das amateurhaft gestaltete (Wende-)Cover ein bedauerlicher Fehlgriff.

Eine sehr empfehlenswerte Veröffentlichung für Sammler des (ost-)deutschen Films.
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