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Das ist ein Vampir-Liebesfilm. Für tatsächlich Erwachsene. „Twilight“-Fans werden (vermutlich) nicht auf ihre Kosten kommen. Pubertär-fiebrig flitzt hier nur die kleine Schwester Ava (Mia Wasikowska) für kurze Zeit durch die Nacht. Familie eben, vermintes Terrain, wie so oft, auch hier.

Adam und Eve, verkörpert von Tom Hiddleston und der eigenwillig-hinreißenden Tilda Swinton sehen so aus, wie eben nur Vampire in einem Jim-Jarmusch-Film aussehen können. Beiläufig attraktiv, sich wie träge Wölfe verhaltend, die schon noch das können, was man Wölfen so nachsagt, aber keine Lust mehr darauf haben, über jedes sich anbietende Stöckchen zu springen. Dunkle Geschöpfe, wie fast alle Jarmusch-Figuren, gleichgültig ob sie am Tag oder in der Nacht aktiv sind. Der Independent-Regisseur könnte sich übrigens optisch ohne Mühe in diesen melancholischen Tanz der Vampire einreihen. Und Tilda Swinton sieht sowieso meist wie eine Schwester von David Bowie aus, hier in der Variante eines weißleuchtenden Wesens der Dunkelheit. Diese stets etwas ausgezehrt wirkenden Vampire sind uralte Wesen, von den Großen verschiedener Epochen beeinflusst, sehr gebildet, auch musikalisch, mit einer Affinität zu den legendären, psychedelischen 1960er Jahren, die ihren Musikgeschmack geprägt haben. Adam macht nicht nur betörend-hypnotisierende Musik, er, ein still gefährlicher, distinguierter Messie, sammelt auch wertvolle Vintage-Gitarren aus dieser Zeit, die die Aura unsterblicher Jugend ausstrahlen, (die Fender Stratocaster, mit der Dylan 1965 auf dem Newport Folk Festival auftrat, wird aktuell von namhaften Auktionshäusern auf bis zu eine halbe Million Euro geschätzt) und solche, die noch älter sind. Die äußere Erscheinung des Paares hat etwas Räudiges, das im effektvollen Kontrast zu ihren guten Umgangsformen steht, die aus einer längst vergangenen Zeit stammen. Beide sind überaus höflich, ihr Wortschatz umfassend und ihre Gespräche oft lyrischer Natur, manchmal auch etwas dekadent. Wenn Eve ihr „excusez moi“ haucht, sollte man sich jedenfalls nicht in Bissnähe befinden.

Jarmusch ist weder auf Klamauk, Horror, noch dramatische Spannung aus, was im Klartext heißt, dass dieser Film massenuntauglich ist und deshalb auch keine Vampirstory-Gelddruck-Maschine mit x Folgen sein und werden wird. Der Film schwelgt immer wieder im erlesenen Stillstand, den manche Menschen vielleicht nicht aushalten oder langweilig finden werden, was manchmal ein und dasselbe sein kann. Adam, ein snobistischer Undergroundmusiker mit vielen Talenten, haust in einer heruntergekommenen Villa, in einer heruntergekommenen Straße, in einer auf den Hund gekommenen Stadt. Sie ist so chaotisch vollgestopft, dass Teenagerherzen zu jubeln begännen, wenn dieser Film sie nur erreichen würde. Der Rock- und Klassikvampir pflegt elegisch seinen Weltverdruss, der mit einer latenten Todessehnsucht einhergeht. Seine Musik wabert gespenstisch durch die Welt und ist auch in Undergroundschuppen in Los Angeles, die Stadt, die er als Hauptstadt der Zombies (und Jarmusch vielleicht als die Zentrale der Filmverhunzer) bezeichnet, hineingesickert. Zombies, das sind für ihn die Menschen der Gegenwart, die er im Lauf der Jahrhunderte als degeneriert Gescheiterte sieht. Wie alle Feinsinnigen seiner Art, bezieht er den benötigten Lebenssaft aus Blutbanken, saubere, gereinigte Ware und ist darin Hipstern ähnlich, die ebenfalls komplizierte Ansprüche nicht nur im Hinblick auf ihre Ernährung pflegen. Die Hälse der Zombies, ob gewaschen oder nicht, scheinen auf ihn und seinesgleichen jedenfalls keinen besonderen Reiz mehr auszuüben. Seine Gefährtin Eve, mit der er seit Jahrhunderten mehrfach verheiratet ist, ist lebenslustiger als er. Sie läuft des Nachts schlafwandlerisch durch ein nur noch selten exotisch anmutendes Tanger, das von Drogendealern dominiert wird. Da lebt auch ihr Freund und Mentor, der Dramatiker Christopher Marlowe (John Hurt), der nebenbei endgültig Licht in die Shakespeare-Geschichte bringt, aber leider alsbald nach dem Motto „Was mich ernährt, zerstört mich“ sein Vampirleben aushaucht. Auch Adam und Eve geraten in Schwierigkeiten, aber erst am Ende des Films, der wieder einmal bestätigt, dass zuerst das Fressen kommt (in diesem Fall natürlich das Saufen) und dann die Moral. Elitäres Leben und Snobismus ist eben auch für Nachtschattengewächse nur dann unbeschwert zelebrierbar, wenn sie nicht auf Existenzielles zurückgeworfen werden. Aber vielleicht sind sie Brecht nie begegnet, und wir sind noch nicht am Ende des Films, wo endlich die Natur über feine Lebensart und gute Tischmanieren triumphiert.

Eines Nachts stellt Eve beim Skypen fest, dass ihr komplizierter Geliebter dieses Mal ernsthaft in Erwägung zu ziehen scheint, seiner filigranen Existenz ein endgültiges Ende zu setzen. Den hölzernen, zugespitzten Pfahl will er vielleicht durch eine edelhölzerne Patrone Kaliber 38 ersetzen, vielleicht auch nicht. Der Mann ist nicht so ohne weiteres zu durchschauen. Die pragmatisch veranlagte Eve, in der sich durchaus auch animalische Reflexe regen, nimmt komplizierte Nachtflüge auf sich, um sich um das Seelenheil, falls man das so nennen darf, ihres Gefährten vor Ort zu kümmern. Sie muss hereingebeten werden, das hat Jarmusch beibehalten, aber Knoblauch hat bei ihm ausgedient. Eine komplizierte und elegante Handschuh-Prozedur ist neu in der Geschichte der Vampire. Bemerkenswert ist, dass uns ausgerechnet dieses Paar der Nacht heimsuchen muss, um seit einer gefühlten Ewigkeit einmal wieder ein helles Licht auf eine Paar-Beziehung im Film geworfen zu sehen. Die langandauernde Liebe dieses Paar ist von wunderbar leichter, zärtlicher Selbstverständlichkeit. Die beiden harmonisieren aufs Schönste, wollen den anderen nicht ändern und lassen sich genügend Luft zum Atmen, was vielleicht grundsätzlich das Geheimnis erfolgreich gelebter Beziehungen ist. Sowohl erotisch als auch intellektuell aufgeheizt wird an Bluteis gelutscht, es knistert, aber von der unermüdlichen Mechanik des Beischlafs wird der Betrachter verschont - was für eine Wohltat. Die einzige Nacktszene weckt Erinnerungen an ein ikonografisches Bild von John Lennon und Yoko Ono. Nach dem Sündenfall der Teenager-Schwester, das ihren unverzüglichen Rauswurf aus der Villa ihres dunklen Schwagers zur Folge hat, bricht das unsterbliche Paar zu Eves Schlupfwinkel auf. Nicht etwa auf Schwingen, nein, sie nehmen ganz bodenständig einen Linienflug und bezahlen mit Kreditkarte. Ihre gefälschten Pässe lauten auf die Namen Daisy Buchanan und Stephen Dedalus. An dieser Stelle sei geseufzt, dass man sich Eves Schnelligkeit beim Lesen wünschen möchte, weil man dann im Laufe eines durchschnittlich langen Menschenlebens endlich doch annähernd genug gelesen hätte, noch dazu in den Originalsprachen.

Tanger und Detroit sind die außergewöhnlichen Schauplätze, mit denen dieser Film ebenfalls zu glänzen versteht. Wie gerne würde man sich besonders die Schauplätze abseits touristischer Pfade selbst einmal ansehen, wenn man nur den Mut dazu aufbringen könnte. Die Überreste des Michigan-Theater in Detroit ist nur einer der vielen interessanten Orte des Films. Das heute ausgerechnet als Parkhaus genutzte ehemalige Theater und Kino, von dem außer dem herrlichen, dem Untergang geweihten Deckengewölbe nicht viel übriggeblieben ist, dürfte eine Hauptrolle in der Sparte der Fotografie spielen, die mit „Lost Places“ überschrieben ist. Allein schon die nächtlichen Autofahrten durch die langsam sterbende, einst so prosperierende „Motor City“ machen den Film sehenswert. Ebenfalls sehens- und vor allem hörenswert ist die libanesische Sängerin Yasmine Hamdan, für die Jarmusch, selbst Musiker, (seine Band Sqürl spielt Adams Musik) unverhohlen Werbung macht. Im Film tritt sie in einer Bar in Tanger mit ihrem Song „Hal“ in voller Länge auf. Eve, der man durchaus auch hellseherische Fähigkeiten abnimmt, prophezeit ihre baldige Berühmtheit.

Ein Kritiker der FAZ hat „Only Lovers Left Alive“, ein Titel, der auf der Zunge zergeht, als ein Weihnachtsgeschenk für die Jarmusch-Gemeinde – und ein „Nichtereignis“ für die übrige Welt genannt. Nun, damit kann ich leben, wenn ich mich auch keiner wie auch immer gearteten Fan-Gemeinde zuordnen will. Das Kinojahr 2013 punktete mit Filmen von Woody Allen (Blue Jasmine), der Coen-Brüder (Inside Llewyn Davis) und eben mit diesem Film von Jim Jarmusch, der sich übrigens am liebsten in sein Haus bei Woodstock zurückzieht, weil ihm N. Y. mit seinem Lärm müde macht, und der in Interviews so kluge Sätze wie: „Wer nur immer weiter leben will, lebt linear, er verpasst den Kreis, der auch den Tod enthält.“ von sich gibt und ein wenig nach Adam klingt. Ich hoffe sehr, dass er, bevor sein Kreis sich schließt, uns noch mit dem einen oder anderen Film erfreuen wird. Gut finde ich auch, dass deutsches Geld dazu beitrug, diesen Film auf die Leinwand zu bringen. Was ich als „Nichtereignisse“ im Kino und anschließend auf DVD in den letzten Jahren betrachte, erspare ich Ihnen und mir.

Helga Kurz
1. Februar 2014
1313 Kommentare|122 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. November 2015
Ganz so alt wie die Eltern der Menschheit sind Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton) nicht , aber sie leben als Vampir -Paar schon Jahrhunderte. Vor 87 Jahren haben sie zum dritten Mal die Ehe geschlossen,
Ein Plattenspieler dreht eine Single, womöglich noch aus Schellack, die Kamera dreht sich in einem romantischen alten Haus bei Detroit, Adam liegt halb auf einer Couch, und ebenfalls sich drehend sehen wir Eve (Tilda Swinton) auf ihrem Himmelbett mit transparentem Stoff liegend , in langes weißes Gewand gehüllt, verträumt glücklich in ihrem Refugium in Tanger, beide sehen wir in der Pespektive, die auch für die Platte gewählt war.
Adam ist melancholisch, lebensüberdrüssig. Von einem befreundeten Zombie, der ihm gerade wundervolle legendäre Gitarren gebracht hat, darunter eine Fender Stratocaster, erbittet er eine einzige Patrone mit einer Kugel aus Hartholz anfertigen zu lassen, Kaliber 38, seine Pistole legt nahe, dass er sein irdisches Dasein nicht mit einem Holzpflock durch das Herz beenden will.
Bis es soweit ist, erfahren wir , das Frischblut Saugen so was von out ist, 15tes Jahrhundert. Er kauft sich Konserven, am liebsten O Rh neg., bei dem Laborarzt Dr. Watson, tritt selber als Dr. Faust oder Dr.Caligari auf.
Seine Wohnung, das Wohnzimmer ist ein Traum mit Gegenständen aus den 60ern, der Plattenspieler, der Verstärker, eine Revox-Bandmaschine und mehrere Monitorlautsprecherpaare (eines von JBL ?) sind für mich, Jahrgang 1954, ein Traum, ebenso weitere, nicht sortierte, aber auch nicht chaotisch im Raum herumfliegende Geräte und Teile wie Röhren aus der Analogzeit. Ich kam ins Schwärmen und erinnerte mich am meinen Thorens-Spieler, Marantz PM 8 Verstärkerschlachtschiff und Revox Symbol B Lautsprecher-Boliden aus den frühen 80ern.
Per Skype, Adam lebt zwar in den 60ern, aber wir schreiben das Jahr 2013 in dieser deutsch-englischen Koproduktion, spricht er mit Eve, und die feinfühlige Ehefrau merkt schnell, dass er seine geliebte Gattin braucht, und per Nachtflug nach Paris und von dort nach Detroit reist sie zu ihm.
Adam jammert über die Menschheit, die degenerierenden Zombies, er ist es leid, das großartige Wissenschaftler von der Antike über Galilei und Newton, der sich zu Adams Verdruß wohl dem Zeitgeist beugen musste und Allchemie betrieb, so schlecht behandelt wurden, und selbst Darwin sei in den USA immer noch nicht allgemein anerkannt (in manchen Staaten mit christlich-fundamentalistischer Prägung tatsächlich noch massiv bekämpft!) .Eva schimpft liebevoll, er solle sich lieber den schönen Dingen widmen , wie auch sie es tue.
Nachdem während eines unangekündigten Besuches Eves flippige, leichtlebig-unbekümmerte kleine Schwester Ava (Mia Wasikowski) hemmungslos die Blutvorräte geplündert und zuletzt den Zombie leergesaugt hat, wo hingegen das Paar den Nährstoff aus kleinen Stielgläsern , z.B. für Sherry, genußvoll und mit Eleganz, Kultur in sich hineinnippt, wird der Blutleereso gründlich entsorgt, dass er mit ihnen todsicher nicht in Verbindung gebracht werden kann. Ava wird hochkant rausgeschmissen, und die beiden reisen nach Tanger, wieder in zwei Nachtflügen, die sie, ungeheuer liebevoll zärtlich aneinandergekuschelt, verschlafen. Leider stirbt Eves Freund Marlowe kurz darauf an den Folgen verseuchter Konserven; ihres Lieferanten beraubt, schlendern beide schwächer und noch bleicher werdend durch das in Ockerfarben nachts beleuchtete Tanger, beobachten eine tolle einheimische Sängerin, und diese und ihr Lover müssen schließlich dran glauben, wir dürfen annehmen , das sie nicht leergesaugt, sondern nur angezapft und dadurch transformiert werden. Der Akt des Bisses (die Vampireckzähne bokommen wir nur selten und dann meistens blutverschmiert zu sehen), wird nicht mehr gezeigt, das Bild wird endgültig schwarz, es folgt der Abspann.

"Only Lovers Left Alive" ist ein Film über eine auch über große Distanzen funktionierende wunderbare Liebe dieser zwei Kinder der Nacht, uralt, weise, sie abgeklärt und glücklich Schönes genießend, er melancholisch, lebensmüde, mit der Entwicklung auf der Welt durch den zerstörerischen Einfluss der dummen Sterblichen hadernd. Alles ist ihrem schädlichen Einfuss ausgesetzt, ein ehemaliges wunderschönes Theater für 2000 Besucher ist ein Parkhaus, Detroit, wo Fords erste Autos entstanden, eine sterbende Stadt mit Vororten, die aus Betonklötzen mit schwarzen Fensterlöchern bestehen. Das Grundnahrungsmittel der Vampire ist zunehmend verseucht. Offensichtlich weiß die Menschheit nicht, dass großartige Leistungen der Wissenschaft, wunderbare Kompositionen von Menschen den Vampiren geklaut wurden, auch Shakespieres Werke sind längst nicht alle auf seinem eigenen Mist gewachsen, ein Konzert wurde Schubert allerdings von Adam geschenkt., Das amerikanische Stromnetz ähnelt (tatsächlich!) teilweise dem gordischen Knoten, Adam stellt schließlich aus kosmischer Energie die Stromversorgung seines Hauses mit einem von Eve aufrichtig tief bewunderten Genarator selbst her.
Unterlegt mit der wunderbaren, zum Träumen einladenden Musik von Jozef von Wissem und von Jarmuschs Band Sqürl gespielten Stücken sehen wir in traumhaften Szenen in wunderbaren Bildern ein ungeheuer sympathisches, harmonisches, zärtlich liebevolles, sich jenseits von Sex inniglich liebendes Paar. Tom Hiddleston, schlank, bleich und mit langen schwarzen Haaren, die große und noch schlankere, aber nicht skelettdürre Tilda Swinton mit langem weißen Haar und nicht der androgyn wirkenden üblichen Kurzhaarfrisur durchaus bezaubernd aussehend, sind, wenn sie Arm in Arm eng aneinandergeschlungen durch die Straßen gehen, auch optisch einfach bezaubernd, beglückend, ein Bild einer Harmonie, wie wir sie uns nur wünschen können. Die Namen sind bezeichnend, und die lustigen Anspielungen auf Ereignisse der Geschichte auch durch die Namen und Jarmuschs Erklärungen unserer Vergangenheit und ihrer Leistungen durch besonders Adam machen einfach Spaß, man ist schön amüsiert, bricht aber nicht so in Lachsalven aus, dass man dauernd die Stop-Taste drückem müsste, um dem Lauf der Geschichte folgen zu können.

Man kann vielerlei Intentionen in den Film interpretieren: Nostalgischer Abgesang auf das Analogzeitalter und die Zeit berühmter E-Gitarren sowie die Musik der 60er Jahre, eine Kritik an dem sich selbst bzw. seinen Heimatplaneten zerstörenden Verhalten des sog. Homo Sapiens, der sich immer wieder wahrer Erkenntnis versperrt hat, von den "Alten Griechen" bis in die Gegenwart. Wie richtig, unsere Spezies ist auf bestem Wege, ihre Lebensgrundlage, unseren Planeten bzw. sein Klima so zu beeinträchtigen, dass anzunehmen ist, dass die Natur und Evolution in nicht allzu ferner Zeit neue Wege einschlagen muss und wird, ohne uns selbsternannte Krone der Schöpfung.

Unabhängig von aller Symbolik und möglichen Interpretationen hat Jim Jarmusch einen gut 2stündigen Film erschaffen, dessen Bilder, geniale Kameraführung, wunderbare Drehorte, unterlegt mit zum Träumen einladender Musik und zwei Darstellern, die diese außergewöhnliche Liebesgeschichte bezaubernd, zärtlich, respekt-und liebvoll unseren Sinnen anbieten, einen Film, den man ohne viel Action oder Blutvergießen, heißen Sex oder Nacktheit bis auf eine einzige Szene fast wie ein Standbild, auf dem man sie einander zugewandt auf der Seite liegen sieht, einfach nur beglückt auf sich einwirken lassen kann. Und Swinton und Hiddleston das schönste Paar der Filmgeschichte, egal welchen Genres.

Ein traumhaft schöner, stimmungsvoller Film, mein erster, aber ganz besimmt nicht letzter Jim Jarmusch.

Doc Halliday
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am 21. Mai 2016
Vorneweg - der Film ist grandios und verdient für mich ein 5-Sterne-Rating. Über den Inhalt möchte ich keine Worte verlieren.
Diese Review soll eine Warnung vor der deutschen Blu-Ray (ich nehme an, auch der DVD) sein, die unfassbarerweise den englischen Originalton nicht ohne Untertitel anbietet. Nicht mal englische, nein, nur deutsche. Untertitel sind möglich.
Da diese aber auch geradezu grauenvoll übersetzt sind (die Wortwahl im Zusammenhang mit dem Originalton im Film ist äußerst fragwürdig), trübt das den Sehgenuss ungemein. Und da sie ja nicht ausblendbar sind, hatte ich die gesamte Dauer des Films Zeit, mich darüber zu ärgern, sie werden nämlich leider nicht besser.
Es ist mir in der heutigen Zeit unbegreiflich, dass es nicht möglich ist, den Film in der Originalfassung ohne störende Untertitel zu sehen - ich dachte erst, das Auswahlmenü wäre ein schlechter Witz.
Ich überlege ernsthaft, den Film zurückzuschicken, und mir eine Importversion zu kaufen.
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am 4. Oktober 2014
(Kinoversion)

Nach vier Jahren Pause ist Independent-Regie-Ikone Jim Jarmusch zurück. Nach seinem letzten Film, "Limits of Control" von 2009, wendet er sich nun dem Vampir-Genre zu und inszeniert ein Arthouse-Kunststück, das mit der unsäglichen "Twilight"-Saga ungefähr soviel gemein hat wie ein Mettigel mit Kaviar. Glücklicherweise, wohlgemerkt. Und wen Besseres als die unvergleichliche Tilda Swinton könnte er wohl als jahrhundertealte Vampirella mit Grandezza finden, um einen schönen Gegenentwurf zu Kristen Stewart zu kreieren? Genau. Als Arthouse-Kunstfilm mag "Only Lovers left alive" denn auch funktionieren, als interessanter oder gar spannender Genrebeitrag eher nicht. Denn letztendlich filmt Jim Jarmusch ("Broken Flowers", "Coffee and Cigarettes", "Ghost Dog", "Night on Earth") 123 Minuten lang zwei Vampire in ihrem düsteren Alltagsleben, nicht mehr und nicht weniger. Das ist schön anzusehen, bietet inhaltlich aber recht wenig. Aber Jarmusch ist ja dafür bekannt, sich gängigen Genrekonventionen gern zu widersetzen und am Mainstreamgeschmack vorbei zu inszenieren. Kein Problem, wenn man sowas mag, ein Problem, wenn man hier auf spannende, kurzweilige und vor allem blutige Vampiraction gehofft hatte. Aber wer würde das schon bei einem Jim-Jarmusch-Film? Eben.

Adam (Tom Hiddleston, "Thor") und Eve (!) (Tilda Swinton "We need to talk about Kevin") sind bereits seit mehreren Jahrhunderten verheiratet. Die beiden Vampire, in deren Augen Menschen Zombies sind, leben im exotischen Tanger (sie) und im heruntergekommenen Detroit (er). Da Adam ob des schlechten Zustandes der Welt zunehmend depressiver wird, sieht Eve sich veranlasst, ihrem untoten Ehemann einen aufmunternden Besuch abzustatten. Zusammen streifen sie durchs nächtliche, heruntergekommene Detroit oder hören die Undergroundmusik, die Adam komponiert hat. Als allerdings Eves jüngere Schwester Ava (Mia Wasikowska, "Stoker") auftaucht, gerät das meditative Dasein des untoten Ehepaars ganz schön durcheinander…

"Only Lovers left alive" ist ein ruhiger und sehr kunstvoll arrangierter Film. Hier passiert wirklich nicht viel, aber das, was passiert, ist in sehr schöne, arthouseähnliche Bilder getaucht. Eves nächtliche Streifzüge durch Tanger, Adams vollgestopfte und heruntergekommene Rumpelbutze am Rande der Stadt, ihre spärlichen Kontakte zu den "Zombies", all dies ist so düster wie schön anzusehen. Untermalt mit Soulmusik der 60er oder harten Rockklängen entwirft Jim Jarmusch ein Bild der Untoten, wie man es so noch nicht gesehen hat. Sie leben äußerst zurückgezogen und gehen auch nicht mehr auf die Jagd, da das menschliche Blut im 21. Jahrhundert für sie viel zu gefährlich ist; kontaminiert durch Drogen, Krankheiten, Alkohol und Ähnliches. Sie sind vollends umgestiegen auf qualitativ hochwertige Blutkonserven, die sie sich in Krankenhäusern besorgen oder von zwielichtigen Ärzten beschaffen lassen.

Adam ist über die Jahrhunderte immer mal wieder depressiv und des untoten Lebens überdrüssig geworden, weshalb er sich auch von seinem Mann für Alles, Ian, (Anton Yelchin, "Fright Night") vorsichtshalber eine Revolverkugel aus Holz besorgen lässt, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Bevor dies jedoch geschehen kann, eilt Ehefrau Eve zu ihm und versucht, ihn vom Sinn des Weiterlebens zu überzeugen. Tagsüber wird geschlafen, abends geredet, Schach gespielt, Musik gehört oder getanzt. Das einzigartige und von echter Liebe geprägte Band, das Adam und Eve verbindet, ist stärker als die Todessehnsucht, dennoch bleibt der tägliche Kampf um die Nahrung, auch, wenn dieser nicht mehr direkt am Menschen ausgetragen wird.

Eve kann den gelebten Jahrhunderten viel Schönes abgewinnen und sitzt in Tanger oft mit ihrem Vampirfreund Christopher Marlowe (!) (John Hurt, "Krieg der Götter") zusammen und erinnert sich an alte Zeiten. Wie Adam einst etwas komponierte, das Mozart dann als sein Stück herausgab, wie Marlowe Sachen schrieb, die dann Shakespeare unter seinem Namen veröffentlicht hat usw. usf. Als Eve dann jedoch in Detroit ist, um ihrem Liebsten seelische Unterstützung zuteil werden zu lassen, taucht ihre flegelhafte Schwester Ava plötzlich auf. Das nervtötende Ding säuft die Blutvorräte leer, macht die Clubs unsicher und sich dann auch noch an Ian heran, was erwartungsgemäß im Chaos endet.

Das ist das Wenige, was in "Only Lovers left alive" passiert. Für 123 Minuten ist das etwas wenig. Vor allem vermisst man den jarmuschtypischen Humor. Dieser taucht zwar in einigen Dialogen durchaus auf, aber leider viel zu selten, so dass der Film irgendwann doch ein wenig langweilig wird. Jarmusch beschränkt sich auf kunstvoll arrangierte Schauwerte und Kulissen, bietet inhaltlich aber wenig.

Dagegen können auch Ausnahmedarstellerin Tilda Swinton und der ebenfalls wunderbar agierende Tom Hiddleston nichts ausrichten. Swinton, wie immer von anämischer Schönheit, bewegt sich mit verträumter Gelassenheit und wallenden Gewändern durch die bunt zusammengewürfelten Kulissen, die Schätze aus mehreren Jahrhunderten bergen. Ihre immer noch vorhandene Lebensfreude als Eve wird eher in kleinen Gesten oder einem halben Lächeln sichtbar denn durch große, laute Bewegungen. Auch Hiddleston spielt seinen Adam mit künstlerischem Minimalismus, der ihm aber ausgesprochen gut zu Gesicht steht. Mit tiefer Stimme und dem Weltschmerz in den Augen wandelt er durch die Räume seiner verwinkelten Behausung am Rande einer langsam dahinsiechenden Stadt, der es ähnlich geht wie im selbst. Sein trockener Sarkasmus bricht sich zwar selten, dann aber sehr treffend Bahn. In den Nebenrollen überzeugen ein schlauer John Hurt als Dichter Marlowe, ein herrlich unbeholfener Anton Yelchin als Ian und eine schlampige, bluthungrige Version von Pippi Langstrumpf, Mia Wasikowska als Ava.

Wunderbarer Cast, abgefahrene Musik, verspielte, abgewrackte, beeindruckende Kulissen, eine künstlerisch angehauchte Inszenierung…nur leider etwas wenig Inhalt und zu wenig jarmuschtypischer Humor. Wenn Adam Eve vorschlägt, doch mal wieder einen Menschen direkt auszusaugen und diese darauf resigniert antwortet "Das ist so 15. Jahrhundert", wünscht man sich einfach mehr solcher Sätze. Ein bisschen mehr hätte es schon sein dürfen, als zwei Vampiren dabei zuzusehen, wie sie versuchen, in der heutigen Welt zu überleben, dabei aber fast immer nur unter sich bleiben. Dennoch, wer die Filme von Jim Jarmusch kennt und mag, wird mit seinen speziellen Inszenierungen vertraut sein und so auch "Only Lovers left alive" etwas abgewinnen können. Doch selbst für Jarmusch-Fans ist das diesmal etwas wenig. Wer auf einen blutigen und vor allem spannenden Vampirfilm gehofft hat oder beim Namen Jim Jarmusch nur ratlos die Stirn in Falten legt, sollte sich "Only Lovers left alive" auf keinen Fall ansehen. Für mich durchschnittliche drei von fünf Blutkonserven, die man leider auch nicht immer bedenkenlos konsumieren kann.
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am 5. Juli 2014
Vorweg: Jim Jarmusch - hier wieder sehr gut!
Den vorherigen Rezension habe ich sonst nicht hinzu zu fügen.

Nur hier aber der Trick um den Film (habe ihn auf DVD) auch genießen zu können:
1. Im Menü als Sprache "Deutsch" auswählen
2. Film starten
3. Über die Fernbedienung des DVD/BL-Players "Audio" auff die Tonspur 3 (5.1) oder 4 (Stereo) umschalten.
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am 1. August 2014
Die hat Jim Jarmusch in seinem -Only Lovers Left Alive- erschaffen. Ich halte den Film in keinem Fall für ein Meisterwerk, ein Kunstwerk ist er jedoch allemal. Selten wurden Vampire so cool, stylish, abgeklärt und aristokratisch dargestellt, wie in Jarmuschs Film. Wenn Tom Hiddlesteon(Adam) und Tilda Swinton(Eve) sonnenbebrillt durch die Nächte von Detroit und Tanger schlendern, ist das an kühler, attraktiver Eleganz nicht mehr zu überbieten. Brillant in Szene gesetzt werden diese Bilder von Kameramann Yorick Le Saux. Seine Bildsequenzen von Eve und Adam erinnern in ihrer Bildhaftigkeit fast schon an mittelalterlichen Brueghel-Gemälde. Durch diese Zutaten ist -Only Lovers Left Alive- ein interessanter, eigener, anderer Film geworden. Was Jarmuschs Ausflug in die Welt der(fast) ewig Lebenden fehlt, ist eine Story. Jedenfalls meiner Meinung nach. Da kann der Film nur wenig punkten. Jarmuschs Drehbuch birgt weder Überraschungen noch eine ansprechende Handlungsdichte. Würde die zu diesen phantastischen Bildern dazustoßen, wäre das für mich ein perfekter Film gewesen...

Eve und Adam sind ein Paar. Die beiden Vampire leben seit Jahrhunderten. Sie fristen ihr Dasein mit Blutkonserven, um in der Welt der Menschen nicht aufzufallen. Zur Zeit sind sie getrennt. Eve ist in Tanger und sucht dort die Nähe ihres väterlichen Vampirfreundes Marlowe(John Hurt). Adam hält sich in Detroit auf und versucht dort seine Musik an den Mann zu bringen, ohne dass er selbst bekannt wird. Als Mittelsmann nutzt er den Musikmanager Ian(Anton Yelchin). Adam ist schwermütig und denkt daran, seinem Vampirleben ein Ende zu setzen. Als Eve das bemerkt, fliegt sie nach Detroit. Dort angekommen genießt das Paar die Gemeinsamkeit, bis Eves Schwester Ava(Mia Wasikowska) auftaucht. Die hat schon vor Hundert Jahren für Stress gesorgt und schafft das heute immer noch. Das kurze Familientreffen endet schlecht und Adam und Eve müssen ihre Zelte abbrechen...

Jim Jarmusch kann es. Gar keine Frage. Es sind die Bilder und die Darsteller, die -Only Lovers Left Alive- so sehenswert machen. Nebenbei streut Jarmusch ein paar „Leckerchen“ in die Geschichte. Da gibt es Blut am Stil und es werden ein paar Geheimnisse um Schuberts musikalisches Genie und um Shakespeares Wirken gelüftet. Das Jarmusch seine Hauptdarsteller Adam und Eva und die „echten“ Menschen Zombies nennt, ist ebenfalls ein schöner Einfall. Ohne Musik geht es bei Jarmusch nicht. Der Soundtrack von Jozef van Wissem und SQÜRL ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber ungemein interessant. Man kann sich kaum passendere Musik für Jarmuschs Bilder vorstellen.

Ich konnte mich mit Jim Jarmuschs Film sehr gut anfreunden. Allerdings bin ich mir sicher, dass das nicht jeder hinbekommt. Aber sie wissen ja: Die Geschmäcker sind verschieden. Probieren sie einfach aus, wie es mit ihnen steht und geben sie -Only Lovers Left Alive- eine Chance. Ob ihnen der Film auch gefällt, kann ich nicht versprechen. Zwei unglaubliche coole Vampire allerdings schon...
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am 22. Mai 2016
Es ist halt eine Vampirgeschichte der "anderen Art".

Wenn du die Ewigkeit zur Verfügung hast, was fängst du damit an?

Da hätten wir 2 uralte Vampire, die sich genau dieser Frage stellen müssen. Adam und Eve (ja, die Namen sind Absicht), die mit ihrem nicht enden wollenden Dasein ganz unterschiedlich umgehen. Während die eine von der Welt, ihren Reizen und Klängen, Düften und Wundern begeistert ist und sie wie ein Schwamm in sich aufsaugt, ehrfürchtig vor der Einzigartigkeit der Natur niederkniet,... zerbricht der andere am Zahn der Zeit, den Wandlungen und Veränderungen, kann nicht ertragen, wie alles zerfällt und verwahrlost. Er ist verzweifelt, gelangweilt und kurz davor seinem unendlichen Dasein ein Ende zu setzen. - Ein Vampir im Selbstmordmodus.
Doch dann ist da noch Eve und die lässt nicht zu, dass ihr Geliebter so schnell aufgibt. Also werden die Fangzähne eingepackt und man macht sich auf den Weg, um den armen Jungen vor dem absoluten Absturz zu bewahren. Wird es gelingen?

Der Film erzählt diese Geschichte sehr langsam und Gefühlvoll. Setzt auf bildliche Eindrücke und Musik, die nicht ins Ohr sondern eher unter die Haut geht. Hiddleston einen ganzen Film lang nicht ein einziges Mal lächeln zu sehen hat schon Seltenheitscharakter. Aber sein Portrait des verzweifelten, genialen aber zu Tode betrübten Selbstmordkandidaten ist einprägsam und weit weg von jedem Vampir Klischee.

Großes Lob!
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"Only Lovers left alive" ist für mich neben "Broken Flowers" einer der besten Filme von Jim Jarmusch. Für die Spitze auf der Jarmusch Skala hat es zwar nicht ganz gereicht, ich fand ihn aber mehr als herausragend. Jarmusch schuf einen herrlichen Film, den man einfach lieben muss, mit grandiosen Kamerafahrten, tollen Dialogen, einer starken Story. Der Film ist sehr ruhig (das macht ihn auch aus finde ich), aber ruhig im Sinne von melancholisch. Inmitten der düsteren schnöden Welt glänzen Tilda Swinton und Tom Hiddleston als schöpferisches Adam und Eva Paar, aber eben als Vampire. Adam als melancholischer Part, der die Welt und Menschen als solches ablehnt und Eva als seine Muse die schwarzhumorig das gewisse Augenzwinkern mitliefert..

Nicht zu verachten ist natürlich auch der traurig schöne Soundtrack, dieser setzt dem Film seine Krone auf. Ein Gesamtkunstwerk, welches man unbedingt gesehen haben muss.

Als Bonusmaterial liegen der DVD u. a. Deleted und Extended Scenes sowie ein Musikvideo bei.
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TOP 1000 REZENSENTam 23. Oktober 2014
Gibt es einen Vampirfilm neueren Datums, der noch blutleerer daherkommt als "Twilight - Bis zum Morgengrauen" und seine diversen Fortsetzungen ? Schauen sie sich Jim Jarmushs "Only lovers left alive" an, denn hier gehts bei den Blutsaugern nur noch lethargisch zu und sie sind inzwischen so depressiv geworden, dass sie aussterben könnten.
Was waren da noch für Zeiten als Vampire richtig Lust auf Blut hatten - und zwar nicht wie Edward Cullen und seine Familie, die als "kalte Wesen" zu Vegetariern geworden sind, somit Tierblut tranken und ihre Mitmenschen in Ruhe lassen. Bela Lugosi oder Christopher Lee - waren beide keine Kostverächter und sie lechtzen förmlich nach dem roten Lebenssaft, der am besten schmeckte, wenn man das Opfer in den Hals biß und es ausbluten ließ. In Jarmushs Film gibts in kleinen Schnapsgläschen ein Schlückchen vielleicht, gelegentlich auch mal ein "Blut" am Stiel. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Der Vampirfilm ist in eine Phase gekommen, so ähnlich wie sie auch der Western durchgemacht hat...vom Heldenspektakel Gut und Böse und dem Kampf mit den Indianerfeinden...wurde es brutaler und dreckiger (Italo Western) aber auch differenzierter und melancholischer (Spätwestern) als eine Art Abgesang. Diese Tendenz ist nun auch im Vampirstreifen zum Hauptpart geworden, man hat es vielleicht in der Anne Rice Verfilmung "Interview mit einem Vampir" erahnen können, da dort mit Brad Pitt ein unglücklicher Vampir auftauchte, der mit seinem Dasein überhaupt nicht klarkommt.
Und von einer dieser unglücklichen Existenzen erzählt auch der optisch aus einem Guß gemachte "Only lovers left alive". Denn Adam (John Hiddleston) ist dem Vampirdasein überdrüssig - er lebt es ja ohnehin nicht mehr aus, sondern besorgt seine Blutampullen im Krankenhaus. Ein Glück, dass es geldgierige Ärzte wie Dr. Watson (Jeffrey Wright) gibt, bei dem Adam seine Rationen abholt. Geld hat der passive Vampir genug - er ist auch verheiratet. Seine Frau Eve (Tilda Swinton) lebt aber in Tanger, ihn hat es nach Detroit verschlagen -dort vollzieht sich ja auch ein Sterben dieser Stadt und mit dem Auto fährt er nachts durch die bankrotte Motor City, durch eine inzwischen menschenleere Metropole, die in diesen Autofahrten fast schon wie eine Geisterstadt anmutet. Darüberhinaus gibts hier in der Stadt eine große Musikszene, vor allem der psychedelische Sound ist gefragt und Schöngeist Adam ist auch ein toller Gitarrist, ein begnadeter Musiker - seit Jahrhunderten - und seinen Kumpel Ian (Anton Yelchin), der ihm eine Knarre besorgen soll, kennt er aus der dortigen Undergrundszene. Bei einem Telefonat bemerkt Eve die selbstzerstörerischen Absichten ihres Mannes und sie reist zu ihm. Ausserdem taucht auch noch Ava (Mia Wasikowska) auf, die jüngere Schwester von Eve und die bringt doch reichlich Wirbel in das lethargische und phlegmatische Leben. Denn sie wetzt noch ihre Zähne, während sich Adam und Eve über Literatur, Kunst und Musik austauschen und ihre Erinnerungen an die vielen Freunde der Vergangenheit wie Schubert, Mary Shelley, Lord Byron oder Christopher Marlowe austauschen. Letzter lebt sogar noch und ist nicht 1593 verstorben, er hat auch "Hamlet" geschrieben und lebt nun in Tanger. Dort wird aber mit kontaminiertem Blut gehandelt, was auch für Vampire nicht gesund ist. Ansonsten wollte Jarmush nach eigenen Angaben die beiden Figuren Adam und Eve als Metaphern für den gegenwärtigen Zustand menschlichen Lebens anlegen. Diese seien zerbrechlich und laufen Gefahr, empfindlich zu werden für die Gewalt der Natur und für das kurzsichtige Verhalten derer, die an der Macht sind. Der Film hat schöne poetische Ansätze und eine interessante Bildsprache, vieles ist dunkel in den Farben der Nacht gehalten. Die Mixtur schließt auch die progressive Undergrundmusik mit ein, die sehr gut als Gegengewicht zur Poesie der Geschichte passt. Alles in allem ist mir aber Jarmushs Vampirvariante ein bissel zu kulturverliebt und zu dekadent, in den Dialogen manchmal gestelzt und aufgesetzt. Und ich hab es ja etwas bedauert, dass Mia Wasikowska sehr schnell aus dem Haus geworfen wird, denn sie brachte Leben in den faden Alltag. Zu Recht beschimpft sie wütend ihre Schwester und den Schwagen, diese kunstbeflissenen Snobs als biedere Spießbürger. Diese laufen als ausgemachte Spaßbremsen dann mit ausgesaugter Langsamkeit und angezogener Handbremse beinahe schon in ihr Verderben. Doch der Untergang ist immer eine Frage guter Zähne. So macht Jarmush am Ende auch Hoffnung, dass Christopher Lee weiterlebt. Guter Film, aber kein Meisterwerk wie "Night on Earth", "Dead Man", "Ghost Dog", "Mystery Train" oder "Stranger than Paradise".
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manchem Rezensenten scheint hier in der Kino-verrohten Wahrnehmung entgangen zu sein, dass es eine der schönsten Liebesgeschichten ist - in die Unendlichkeit eines Vampirlebens transportiert. die friedvolle Stille und Freiheit der beiden die aus den Bildern große Gefühle voller Poesie malt, erschließt sich offenbar nur wenigen. Diese Liebe kennen heute leider nur wenige.
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