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Wer Klaviermusik in hoher Qualität sucht ist hier richtig. Iiro Rantala ist ein wahrer Meister der Melodie und Rhythmik. Die leicht melancholische Musik dieses Albums versetzt einen schnell in meditative Zustände gerade weil Rantala mit 2 Streichern zusammen spielt. Das klingt nicht altbacken sondern sphärisch zeitlos. Ich kann wirklich alles von Iiro Rantala empfehlen und besonders auch den groovigen und witzigen Jazz seines Trios "Trio Töykeät". Gekauft habe ich digitale 16bit44khz Dateien (volle CD-Auflösung) bei Qobuz da Amazon leider immer noch das minderwertige mp3 Format verkauft.
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am 28. Februar 2014
Unter den Jazzpianisten der Gegenwart ist kaum einer so kreativ und vielseitig wie der 1970 in Helsinki geborene Iiro Rantala. Er hat bereits den Preis der deutschen Schallplattenkritik und den Echo bekommen. Sein Idol ist J. S. Bach.

Irgendwo in Sten Nadolnys Jahrhundertroman "Die Entdeckung der Langsamkeit" steht sinngemäß ein Satz, der das Zeug zum Aphorismus hat: Vielen Leuten, die sich des großen Überblicks rühmen, fehlt in Wirklichkeit der Sinn für die Kostbarkeit des Details.

Gibt es eine Übersetzung Nadolnys ins Finnische? Offenbar, denn der 1970 in Helsinki geborene Jazzpianist Iiro Rantala trachtet mit einer geradezu obsessiven Gründlichkeit danach, die beiden Ideale zu verbinden. Rantala darf derzeit als der wichtigste Historiker im Jazz gelten, einer, der die Geschichte seiner Kunst aus der Vogelperspektive überblickt und ihre Urgemeinde im Barock geortet hat. Zum anderen weist Rantala ein unendlich feinsinniges Gespür für Farben und Nuancen auf, er ist ein wahrer Kammermusiker, ein Poet, der auf musikalische Weise irgendwo zwischen Rilke und Hölderlin steht.

Iiro wer? Rantala? Muss man den kennen? Ja, muss man. Er ist einer der wenigen Jazzer, die gleichzeitig den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und den Echo bekommen haben. Unter den Jazzpianisten der Gegenwart ist er wuchtiger als Brad Mehldau, witziger als Joachim Kühn, raffinierter als Tord Gustavsen. Vor allem hat Rantala ein Fundament, in dessen Estrich er noch heute so tief steckt, als sei er mit gegossen worden. Dieser Estrich ist Johann Sebastian Bach, den hält Rantala für den Nabel des Jazz, für den Nukleus, für das Impulsfeuer.

Das sagt er nicht wie eine geborgte Weisheit. Rantala ist zweikanalig aufgewachsen, er hat immer gejazzt und immer Klassik gespielt, und als sich der junge Finne beruflich entscheiden musste und damit überfordert war, hat er beides studiert: Jazz in Helsinki an der Sibelius-Akademie, Klassik an der Manhattan School of Music in New York. Frucht dieser Doppelkompetenz ist, dass Rantala zu komponieren versteht wie ein Klassiker. Dass er eine späte Beethoven-Sonate konzertreif zu interpretieren vermag. Dass er eine Zwölftonreihe entziffern kann. Dass er andererseits das Real Book, den ewigen Zettelkasten des Jazz, irgendwo öffnet und gleich loslegt, als warte er schon 42 Wochen auf diesen Moment.

In den Jazz-Olymp spielte er sich mit einer kuriosen Platte, "Lost Heroes", auf welcher Rantala einigen verstorbenen Helden der Musikgeschichte huldigt, vorzugsweise Jazzpianisten (Evans, Svensson, Garner, Tatum, Petrucciani, Peterson). Aber er kriecht nicht einfältig in ihre Kleider, sondern spielt raffiniert mit stilistischen Eigenheiten. Das ist so abgebrüht, dass man glaubt, Rantala habe das alles komponiert. Hat er aber nicht. Da gibt es eine als Entdeckung der Schnelligkeit getarnte und sehr witzige Art-Tatum-Anverwandlung, aber es gibt auch zarte Inseln der Lyrik (wie die Liebeserklärung an Jean und Aino Sibelius). Kurzum: Fans des Jazzklaviers werden hier sozusagen in der zweiten Dimension maximal verwöhnt.

Das war Rantalas erster Beitrag als Jazz-Historiker. Der zweite hieß folgerichtig "My History of Jazz", in dem jeder Moment Jazz kombiniert wird mit einer Variante aus Bachs "Goldberg-Variationen". Da begegnet der Thomaskantor also seinen späten Kollegen George Gershwin, Thelonious Monk oder Kurt Weill – und das ist so wunderbar verschwurbelt und gemixt, dass die Freude kaum heller sein könnte. Doch ist die Platte nicht nur ein Generationentreffen, sondern eine geistreiche Examensprüfung über Stile und Techniken. Rantala selbst zählt sie auf: "Barock, Ragtime, Bebop, Swing, skandinavische Melancholie, französische Balladen, Fu-sion, Tango und Smooth Jazz". Zwischendurch gibt es dann auch eine abgefahrene Version über den unverwüstlichen "Caravan".

Soeben ist Rantala noch einen Schritt weiter gegangen. Er hat nämlich das gute alte Klaviertrio der Klassik (mit Violine und Cello) dem Jazz dienstbar gemacht. Das konfrontiert einen mit der ungewöhnlichen Situation, dass man in der nächsten Sekunde, wenn es schon so intensiv beginnt, gleich das Tschaikowski-Trio erwartet – aber es kommt dann doch "Somewhere Over The Rainbow". Das sind die schönsten Erwartungsenttäuschungen, die man haben kann. Die CD ist eine faszinierende Mischung aus Wohlfühlmusik und Grenzgang.

Und zwischendurch vermittelt einem Rantala immer das Gefühl, der alte Bach luge durchs Dachfenster herab zu uns kleinen Krautern, die wir zum Teil noch immer glauben, er habe mit dem Jazz nichts zu tun. Ein Irrtum.
Quelle: Wolfram Goertz, RP
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