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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen335
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Solomon Northup wird aus seinem geruhsamen Leben als Violinist und Familienvater im Norden der USA gerissen, als er unversehends von brutalen Menschenhändlern entführt und in die Sklaverei verkauft wird. Auf seiner Odyssee lernt er viel über die Lebensumstände seiner versklavten Mitmenschen und die Zustände auf den überwiegend unmenschlich geführten Plantagen.

Nachdem so wohl in den Feuilletons diverser Zeitungen, als auch bei der Oscar-Berichterstattung immer wieder "12 Years a slave" besonders hochgelobt wurde und der Streifen ja auch einige der begehrten Trophäen erringen konnte (u.a. "Bester Film"), entschied ich mich für einen Blindkauf. Historisch um Authentizität bemühte Filme kommen bei mir als Geschichtslehrer in der Regel sowieso gut an, dazu sind zwei meiner absoluten Schauspiel-Favoriten in Person von Benedict "Sherlock" Cumberbatch und Michael Fassbender dabei und das Thema ist prädestiniert für große Emotionen und herrliche Gänsehaut-Momente. Leider blieben insbesondere die letzten beiden Elemente, aus meiner Sicht, vollkommen auf der Strecke. Selten habe ich einen so nüchternen Film über die Unmenschlichkeit der Sklaverei gesehen, der den Zuschauer kaum eine Beziehung zu der Hauptperson knüpfen lässt. Denke ich an Spielbergs "Amistad" oder aber auch die Serie "Roots", so existieren einige Beispiele, die ihre Botschaft wesentlich effektiver herüber bringen. Selbst die 80er-Kultserie "Fackeln im Sturm" ging mit dem Thema wesentlich fesselnder um. Die Geschichte wird so auf ihre, zugegeben durchaus interessante, Handlung reduziert, provoziert mit authentisch wirkender Gewalt und bietet immerhin den Darstellern viel Raum zur Entfaltung - insbesondere Fassbender als rücksichtsloser Plantagenbesitzer hat mich hierbei beeindruckt.

Zur Technik: Hier trumpft die Scheibe richtig auf. Ein unermesslicher Detailreichtum, hervorragender Kontrast und Schwarzwert im visuellen Bereich, sowie die hervorragend abgemischte DTS-HD MA 5.1.-Audiospur (fast durchgängig perfekt ortbare Räumlichkeit, klare Dialogverständlichkeit) sorgen für ein Unterhaltungserlebnis auf der Höhe des technisch Machbaren. Die komplett in HD vorliegenden Extras (u.a. eine Doku über die Adaption der Buchvorlage, Interviews mit Darstellern und Hintergrundinformationen zum Filmteam) sind ebenfalls durchaus sehenswert und runden den diesbezüglich sehr guten Eindruck der Blu-ray ab.

Lange habe ich mit mir gerungen, ob der Film mit drei Sternen nicht zu knapp weg kommt, aber insgesamt wiegen die fehlende Emotionalität und der Mangel an wirklichen Gänsehaut-Momenten (bis auf den Schluss, der ansatzweise dazu inspiriert) einfach für einen Film mit derartigen Vorschusslorbeeren und einer gewissen historischen Zielstellung zu schwer. Die gefühlte Authentizität der Ereignisse allein ist zu wenig, die teils grandiosen Darsteller sorgen zwar für eine bewundernswerte Zurschaustellung von Schauspielkunst, aber auch das tröstet nicht komplett über teils langatmige Mimikstudien (gefühlt schaut man dem Hauptdarsteller in manchen Szenen minutenlang beim Herunterklappen der Mundwinkel zu - sorry für die Formulierung, anders kann ich es nicht beschreiben) und die (beabsichtigte?) Nüchternheit hinweg. Und irgendwie bleibt am Ende der Rezension doch so dieses Gefühl, dem Streifen schon ein wenig Unrecht zu tun und dieser seinen Anspruch vielleicht an einer ganz anderen Ecke versteckt, als dort, wo ich ihn zu finden gehofft habe.
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am 20. Januar 2016
Der Film ist sehr gut, schauspielerische Leistung hervorragend. Von kleinen zeitgeschichtlichen Fehlern abgesehen (...).
Was absolut abnervt ist, dass es ihn nicht in OV gibt. Ich wollte ihn in Englisch mit meinen Klassen gucken.
Wie, bitte, soll ein Afro-Amerikanischer Sklavenslang auf deutsch übersetzt werden??? Zumindest sollte OV im Angebot sein für diejenigen, die es etwas authentischer wollen.
Ich ärgere mich, dass ich ihn digital nochmal gekauft habe!
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am 4. März 2016
Dieser gut besetzte Film glänzt mit den eher unbekannten Schauspielern. Hauptdarsteller ist erstklassik besetzt. Brad Pitt hat eine Nebenrolle. Das Thema ist hart und wird auch teilweise so brutal gezeigt. Ende gut alles gut,oder?
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am 18. Mai 2016
Auczh wenn der Film vielleicht ein paar Schwächen hat, ist es immer noch en bildgewaltiger, beeindruckender und auch beklemmernder Film, den man gesehen haben sollte. Mir hat er gefallen und ich fand ihn richtig gut.
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am 17. Mai 2016
Das ist keine Geschichte, welches erzählt was Afroamerikanern so alles passiert ist und passiert sein könnte.
Es ist eine WAHRE BEGEBENHEIT..etwas was einem Einzelnen passiert ist, was sich zugetragen hat.
Wahre Begebenheiten und Biographien haben für mich eine besondere Wertstellung, sie heben sich aus der
Masse hervor. Verdienter OSCAR, gute Besetzung!!!
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am 13. Oktober 2014
diese Bezeichnung galt einmal für den grossen Stummfilmstar Erich von Strohheim.
Es könnte aber auch in der neueren Filmgeschichte nun für Michael Fassbender gelten, der hier wie ein Berserker agiert und den unberechenbaren, durchgedrehten Charakter des Sklavenhalters Edwin Epps kongenial auf die Leinwand bringt.
Brad Pitt, hier Produzent und als Schauspieler nur in einer sehr kurzen aber wichtigen Rolle zu sehen, nimmt sich angenehm zurück und riskiert in dem Film nicht den Glamour, der bei so einem Thema sicher nicht angebracht wäre.
Alle Schauspieler agieren auf sehr hohem Niveau. Kleiner Kritikpunkt wäre ausgerechnet die Hauptrolle. Chiwetel Eljofor konnte mich nicht 100%ig überzeugen, dafür umso mehr Lupita Nyong'o, die ihren psychischen und körperlichen Schmerz derart glaubhaft auf die Leinwand brachte, dass man es kaum aushalten konnte.

Steve McQueen führt sicher durch den Film. Manche Einstellungen sind für meinen Geschmack zu lang und nicht immer zielführend, Zur literarischen Umsetzung kann ich nicht viel sagen, da ich das Buch nicht gelesen habe.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein sehr guter Film ist, es zum Thema aber Besseres gibt.
Das ist aber eine Aussage auf sehr hohem Niveau, wenn man bedenkt mit welcher Konkurrenz er sich auseinandersetzen muss.
Einige Vor-Rezensenten haben ja einige Beispiele genannt.
Was mich wirklich genervt hat, war ausgerechnet die Musik von Hans Zimmer (den ich sonst sehr schätze),
Die Musik ist zweifellos gut, aber letztendlich nur eine Variation von Inception. Da erwarte ich von einem Oscar-Preisträger mehr.
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am 19. Februar 2015
Der Film hat 3 Oscars zurecht verdient. Durch den Hauptdarsteller leidet man in dem Film mit, der seine Familie und seine Freiheit verliert. Absolt sehenswert. Tragisch ist, dass viele Menschen auf der Welt das gleiche Schicksal auch heute noch erleiden müssen.
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am 18. Februar 2014
Darf man diesen Film kritisieren? Den angeblich wichtigsten Kinofilm, der bisher über die Sklaverei gemacht wurde? (The New Yorker) Einen Film, der von der Presse überschwänglich gerühmt, und für neun Oscars nominiert wurde? Darf man ihm nur zwei Sterne geben? - Nein, darf man nicht wirklich. Wer dieses Kunstwerk nicht lobt, setzt sich so manchen Verdächtigungen aus. (Vielleicht ist der Verfasser dieser Zeilen ein Rassist? Vielleicht hat er den Film gar nicht verstanden?)

::: Es tut mir leid, dass diese Review zu lange geworden ist. Eilige Leser mögen bitte bei Resümee 1 oder 2 weiterlesen.:::

-- Vorweg das Positive:
Der Film hat einige starke Episoden, deren buchstäbliche Bildgewalt sich nachhaltig ins Gedächtnis eingräbt. Die Visualisierung des physischen und psychischen Terrors der Sklaverei: Sie war das Hauptanliegen von Steve McQueen und in manchen Sequenzen ist sie gelungen. Und ja, durchwegs gute, vereinzelt sehr gute schauspielerische Leistungen, die von meinen VorrezensentInnenen schon gewürdigt wurden. Ein Hauptdarsteller, der glaubwürdig darum ringt, sein Leben zu retten und seine Würde. Chiwetel Ejiofor: 'Die bisher größte Herausforderung meiner Karriere.'

Doch als gesamtes hat mich das über zwei Stunden lange Historiendrama emotional kaum erreicht. Beim Nachspann war ich nicht erschüttert. Ich weiß, die meisten Zuschauer haben anders empfunden und waren tief betroffen. Ich weiß, - doch ich kann nur mein eigenes Erleben wiedergeben.

Eigentlich gehöre ich zu jenen, die sich rasch hineinziehen lassen in eine Filmwirklichkeit, die leicht gerührt sind und mitleiden. Doch bei 12 Years a Slave sprang der Funke nicht über. Einen so schrecklichen Film, der mich so wenig berührt hat, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Es wird gedemütigt, geprügelt, gepeitscht. Unter Schmerzen werden die Wunden gereinigt. Und wieder wird gedemütigt, geprügelt, gepeitscht. Dazwischen wird vergewaltigt, erstochen, gehängt. Tote werden begraben oder über Bord geworfen. Ein aufdringlicher Overkill an Grausamkeiten, der mich schon vor der Halbzeit erschöpft und auslaugt hat.

Da greift auch das alte Argument nicht: 'So ist es eben damals gewesen. Die Wahrheit ist zumutbar.' Nein, die Dramaturgie in Film oder Theater ist eben nicht die Wirklichkeit, und funktioniert nach eigener Dynamik. Maximal etwa sechs Spannungsbögen von der Exposition bis zur Auflösung kann ein Betrachter in zwei Stunden mit voller Anteilnahme verarbeiten. Das ist eine alte Erfahrung und ein klassischer Grundsatz in der darstellenden Kunst. Zwar kann ein Drehbuchautor diese Erkenntnis auch einmal bewusst über Bord werfen, doch dann muss er sich einiges einfallen lassen.

Statt als Zuschauer selbstvergessen und mitten im Geschehen zu sein - zurückversetzt in die Mitte des 19. Jahrhunderts - glaubte ich immer wieder, ich befände mich am Set, und würde bei den Dreharbeiten zusehen. Ein allzu leicht durchschaubarer Film, dessen methodisches und didaktisches Kalkül bei jeder Sequenz spürbar ist. Wie heißt es bei Goethe? Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

-- Lautere Absichten gibt es genug:
Manche Sequenzen sollen zeigen, wie verzweifelt die Sklaven waren (Patsey bittet Platt, sie heimlich zu töten). Manche Sequenzen sollen zeigen, dass in der damaligen Sklavenhaltergesellschaft auch die weißen Plantagenbesitzer Opfer eines unmenschlichen Systems waren. (Dazu ein erstaunlich modern anmutendes Zitat aus Solomon Northups Biografie: 'Es ist nicht so sehr die Schuld des Sklavenhalters, dass er grausam ist, wie es die Schuld des Systems ist, in dem er lebt.') Viele Sequenzen sollen Willkür und Sadismus zeigen. Auch die sexuelle Ausbeutung fehlt nicht. Auch die (von Eifersucht geprägte) Beziehung zwischen den Ehefrauen der Farmer und den Sklavinnen wird thematisiert. Alles höchst ehrenwerte Anliegen, und im Kino bisher selten erzählt. Nur: Die Methode mit dem Holzhammer habe ich nicht so gerne.

-- Sounddesign: Ein liebloser, penetranter Soundtrack durchzieht die ganze Produktion. Die lauten Zikaden, wie originell. Recycelte Musik des Blockbuster-Komponisten Hans Zimmer. Studio-Akustik bei Liedern im Freien. Was gibt es noch? Eine unnötig zerstückelte Geschichte, die keinen großen Bogen bildet und kein organisches Ganzes ergibt; manchmal laufen unverbundene, kammerspielartige Fragmente ins Leere. (Beispiel: die isoliert stehende Episode mit Mistress Harriet Shaw, - Dialog frei erfundenen.) Und dann gibt es noch den peinlich-lächerlichen Gastauftritt von Brad Pitt als edlen Retter aus dem Norden. Dazu jede Menge Regiefehler und historische Unmöglichkeiten.
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-- Film und Buch:
Die Gemeinsamkeiten: Die Storyline stimmt überein. Viele Filmdialoge wurden fast wörtlich dem Buch entnommen. Beide klagen an. Die Unterschiede: Auf der einen Seite steht eine facettenreiche und abwägend geschriebene Lebensgeschichte; auf der anderen Seite eine grimmige, reduktionistische Leinwand-Adaption, die dem Original nur stellenweise gerecht wird. Das liegt > an unnötigen Änderungen der literarischen Vorlage (Beispiel: Der Mord auf dem Mississippi-Dampfer), > an abweichenden Gewichtungen und Wertungen (Beispiel: der von Northup als vorbildlich beschriebene, prominente Baptisten-Prediger William Ford, - Zitat: 'ich kannte nie einen edleren Mann') und > an den hochgesteckten künstlerischen Ambitionen bei zu wenig Erfahrung und Professionalität. (Zumindest zwei qualvoll-quälende Plansequenzen mussten sein, - damit auch wirklich jeder merkt, dass es Kunst ist.)

Der britische Künstler Steve McQueen, der früher mit Video-Installationen bekannt wurde, im Originalton: 'I can't even say the word storyboard; I want to vomit.' (Frei übersetzt: Ich kann das Wort Storyboard nicht einmal aussprechen, ohne mich zu übergeben.) Für die beiden ersten Kino-Produktionen (Hunger und Shame) hat seine unsystematische und improvisierende Arbeitsweise gut gepasst. Doch die gestiegene Größenordnung seines dritten Projekts hat den Studienabbrecher McQueen und seinen angeblich unbezahlten Drehbuchautor nun leicht überfordert.

Für diese diffizile (und interpretationsbedürftige) literarische Vorlage hätte es ein eingespieltes Team von versierten Routiniers gebraucht, - mit mehr Sorgfalt, mehr Zeit, mehr Budget. Ein Regie-Autoren-Duo, das sich etwas fundierter mit der Geschichte der Südstaaten-Sklaverei in der Antebellum-Periode beschäftigt. Dann gäbe es wohl weniger unhistorische Szenen und Dialoge zu sehen, die so nicht hätten geschehen können.

Ich beschränke mich auf zwei Beispiele, um den nachlässigen Umgang mit den historischen Gegebenheiten zu illustrieren ( - obwohl gerade zu diesem Punkt noch sehr viel zu sagen wäre): > Die vielen Kinder der Sklaven, die damals in allen Altersstufen auf den Plantagen stets präsent waren, passten den Filmemachern nicht ins Konzept, und werden daher kaum gezeigt. Im Durchschnitt hatte eine Sklavenfamilie damals sieben Kinder. Die Darstellungen in der Fachliteratur decken sich mit dem Bericht von Solomon Northup: 'In einem Jahr besaß Epps 135 Feldarbeiter und fast ebenso viele Kinder.' > Platt konnte zwar seine Lese- und Schreibkenntnisse geheim halten, doch seinen Nordstaaten-Akzent und seine gebildete Ausdrucksweise konnte er längerfristig nicht verbergen. Seine auffällig andere Sprache müsste in Louisiana auf erstaunte Rückfragen gestoßen sein, zumindest bei Leuten wie Samuel Bass oder William Ford.
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-- Nebenbemerkungen:
Das gute, doch allzu prominente Schauspieler-Ensemble war ein mutloses Konzept. Die bekannten Gesichter haben beigetragen zu meinem Eindruck, dass ich Darstellern zusehe, die jemanden darstellen. Es gibt so viele erstklassige, unbekannte Schauspieler. Sie hätten besser in diese um Authentizität bemühte Arthouse-Produktion gepasst, - und das knappe Budget geschont. Doch die Produzenten wollten werbewirksame Namen.

Bei Kritik an Kunstwerken wird häufig entgegnet, dass es sich ja um ganz bewusst eingesetzte Stilmittel handelt, um beabsichtigte künstlerische Verfremdungen. Die nachfolgende Diskussion verläuft dann meist fruchtlos. Letztlich halte ich es für irrelevant, ob gewollt oder ungewollt; entscheidend ist die individuelle Wirkung beim einzelnen Zuschauer.

12 Years a Slave wird von vielen Bildungsservern für Schulen empfohlen, wie das bei hochgradig politisch korrekten Themenfilmen üblich ist. Es gibt Begleitmaterial für Lehrer. Ob sich McQueens eigenwillige Interpretation von Northups Bericht für den Unterricht eignet, muss jeder Pädagoge selbst entscheiden. Kein Prädikat der FBW. FSK-Empfehlung ab 12.
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-- Resümee 1:
Steve McQueen hat aus einem dramatischen historischen Stoff einen seltsam fiktional und stilisiert wirkenden Film gemacht. Die Themen sind vor allem der Terror und die Qualen der Sklaverei; Gewaltexzesse wiederholen sich in zermürbender Redundanz. Erst an zweiter Stelle interessiert sich der Regisseur für Northups Biografie, die er als Vehikel verwendet für seine einfachen Botschaften. O-Ton McQueen: 'I wanted to see the lash on someone's(!) back, I wanted to see the aftermath of that.'

Auch wenn das maßgeblich von Brad Pitt produzierte Kinodrama noch so viel gelobt und mit noch so vielen Preisen überhäuft wird: Mir fehlt es an seriösen und subtilen realhistorischen Bezügen. Beispiel: Das hier (soweit überhaupt) vermittelte Bild vom Alltagsleben der Sklaven traf nur in Ausnahmefällen zu. Zumeist lebten die Afroamerikaner nicht in einem sozialen und kulturellen Vakuum. In der Regel waren die versklavten Männer, Frauen und Kinder auf den Plantagen in die soziokulturellen Kontexte ihrer Slave-Communities eingebunden. Es gab vielfältge familienähnliche Bindungen, wenn auch instabil und häufig wechselnd.

-- Resümee 2:
Ein überdeutlich intentionaler Film mit erhobenem Zeigefinger. Ein vordergründiger Film, der so gerne tiefgründig und wichtig sein möchte. Ein wenig authentisch wirkender Film, dem eine sperrige, artifizielle Ästhetik anhaftet. Ein Film über ein tragisches Ausnahme-Schicksal mit wenig Kontext und eindimensionalen, holzschnittartigen Charakteren. Ein theatralisches Filmerlebnis, bei dem ich mich ständig geprüft fühlte, ob ich die Botschaft auch wirklich verstanden hatte: Sklaverei ist sehr böse. Ja, das hatte ich verstanden, und das wusste ich eigentlich schon vorher.

Hintergründe, Zusammenhänge und menschliche Widersprüche sind McQueens Zugang nicht. 12 Years a Slave ist (von wenigen Ausnahmeszenen abgesehen) ein simplifizierendes und dem damaligen politischen Bezugsrahmen enthobenes Lehrstück mit missionarischer Note. Eine Oscar-verdächtige, nicht ernstzunehmende Darstellung der Sklaverei in den USA. Rüdiger Suchsland (ähnlich Stephanie Zacharek und andere) hat zutreffend von einer 'aseptischen Passionsgeschichte' gesprochen. Ja, - ein drastischer und zugleich unterkühlter Film, der viele Zuschauer gelangweilt hat.

Für eines allerdings bin ich Steve McQueen dankbar: Er hat mich auf die Memoiren von Solomon Northup aufmerksam gemacht. Wahrscheinlich wäre ich dem lesenswerten Original sonst nie begegnet. Eric Foner beschreibt es als historisches Dokument und zugleich als Propaganda im Dienste der Abolitionsbewegung. Es ist in mehreren englischsprachigen Ausgaben erhältlich, und seit Februar 2014 auch in einer exzellenten deutschen Übersetzung. Nebenwirkung nicht ausgeschlossen: Wer das detailreiche und nachdenkliche Buch liest, könnte den Film mit anderen Augen sehen.

-- Literaturhinweise: > Die Twentieth Century Fox hat das Drehbuch von John Ridley im Netz veröffentlicht (Final Shooting Script, etwa 140 Seiten). Unter foxsearchlight.com/awards ist derzeit ein freier Download ohne Registrierung möglich. > Das ungekürzte Original von Solomon Northups 1853 publizierter Biografie wurde von der Universität North Carolina im Rahmen des Projekts 'Documenting the American South' online gestellt (zusammen mit einer Sammlung von anderen Slave Narratives): docsouth.unc.edu/fpn/northup.
3939 Kommentare|291 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. Mai 2016
Guter Film aber er wird meiner Meinung nach nicht ausführlich genug dargestellt. Die 12 Jahre, die Plat in Sklaverei ertragen musste, kamen mir vor wie 2 Jahre. Der Film wirkt unvollständlich, aber trotzdem auf jeden Fall sehenswert.
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am 20. Mai 2016
Sehr schöner, trauriger, schlimmer Film. Das einzige was mich bisschen enttäuscht hat (meckern auf hohem Niveau), dass nicht gezeigt wird wieviel Zeit vergangen ist, Zeitangabe und so. Aber ansonsten Mega Film
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