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am 10. Januar 2014
Bewertung: 4 Sterne

Kurzversion: Meine Erwartungen bezüglich dieses Albums waren nicht besonders hoch. Diese wurden jedoch deutlich übertroffen. Eine etwas wilde, stückwerkartige Sammlung von teils leicht überproduzierten Songs ohne thematischen Zusammenhang, musikalisch äußerst abwechslungsreich, die aber bis auf den schwachen Start großen Spaß macht. Die auch bei mir vorhandene Skepsis gegenüber der Überpräsenz von Tom Morello war unbegründet, lange hat Springsteen dadurch nicht mehr so rockig geklungen. Der Sound/die Produktion klingt dank Producer Ron Aniello sehr frisch und modern, ist aber nicht unbedingt jedermanns Sache.

Lange Version: Es macht meines Erachtens wenig Sinn, dieses Album mit den 17 bisher erschienenen Bruce-Studioalben zu vergleichen. Jedes Album steht für sich und sollte als solches auch singulär bewertet werden, d.h. es macht m. E. wenig Sinn Meisterwerke wie Born to Run oder Darkness on the Edge of Town mit Übersongs wie Born to Run, Jungleland oder Racing in the Street mit Alben von heute zu vergleichen. Die Alben von Springsteen haben sich seit jeher vor allem dadurch ausgezeichnet, dass jedes Album anders war, das trifft erst Recht auch auf High Hopes zu. Letztlich ist diese Vielseitigkeit auch das, was mich als Fan an Springsteen so fasziniert: Es gibt nur sehr wenige Künstler, die sich derart konsequent weiterentwickeln wie Springsteen. Durch seine Vielseitigkeit ist er auch heute nicht nur textlich, sondern auch musikalisch weiterhin relevant, was man nicht von vielen Superstars sagen kann, die seit den 60er oder 70ern auch heute noch unterwegs sind und Stadien füllen und meist vom Ruhm alter Tage leben. Dass bei dieser Vielseitigkeit auch mal was dabei ist, was einem Teil der Fans vielleicht nicht so gefällt, ist dabei völlig normal. Auch diesmal wird es wieder einige geben, die behaupten, High Hopes käme nicht an die Meisterwerke aus den 70ern und 80ern ran und Springsteen habe seit den 80ern kein ordentliches Album mehr zustande gebracht. Auch mir gefallen die frühen Alben insgesamt sicherlich besser als die Alben seit den 90ern und doch möchte ich kein einziges Album der 90er und 00er Jahre missen, denn selbst die eher durchschnittlichen Alben wie Human Touch, Devils and Dust, Working on a Dream oder auch zum Teil The Rising enthalten allesamt reichlich gute Songs. Und das trifft auch auf die Songs von High Hopes zu, die zum größten Teil bereits vor längerer Zeit geschrieben wurden. Vielmehr rechne ich Springsteen eben genau diese Vielseitigkeit, die Unberechenbarkeit und dieses Innovative sehr hoch an und würde es geradezu absurd finden, wenn er heute nochmals versuchen würde, Alben wie Born to Run oder Darkness on the Edge of Town zu kopieren; sowohl textlich wie auch musikalisch würde ich ihm das heute nicht mehr abnehmen. Seine Glaubwürdigkeit, sein Mut, sich ständig weiterzuentwickeln und auch Dinge zu machen, die der Fan gerade nicht erwartet – gerade auch was den Sound anbelangt – macht jede Springsteenveröffentlichung so spannend.

Auch diesmal hat es Springsteen geschafft, mich positiv zu überraschen, obwohl ich bis zuletzt äußerst skeptisch war, und diese Skepsis noch größer wurde, als ich hörte, dass er einen meines Erachtens extrem schwachen Song wie High Hopes – noch dazu ein Cover – als Titeltrack verwenden und Tom Morello eine bedeutende Rolle einnehmen würde. Fakt ist für mich, Springsteen schafft es auch heute noch, Songs zu schreiben, die mich berühren und die mir schlicht und einfach meist gut bis sehr gut gefallen. Auch auf High Hopes sind wieder einige Songs enthalten, die ich von nun an nicht mehr missen möchte.

Über die Beweggründe, die Springsteen dazu verleitet haben könnten, solch ein Album aufzunehmen, kann man nur spekulieren (offenbar steckt Tom Morello dahinter, der Bruce derart inspiriert haben soll). Gemunkelt wird z. B. auch, dass es sich hier um ein Übergangsalbum handelt, um noch den auslaufenden Megadeal mit Sony zu erfüllen. Während andere Künstler zu diesem Zweck meist wenig innovative Best-Ofs raushauen, die dann verkaufsfördernd vielleicht noch den einen oder anderen neuen Song enthalten, hat Springsteen wieder mal einen ganz anderen Ansatz gewählt und eine Kollektion von Songs herausgebracht, die eher an Tracks, The Promise oder Disc 3 von Essentials erinnert als an ein echtes neues Album. Als Fan soll mir diese Herangehensweise sehr recht sein. Sein neuer Produzent seit Wrecking Ball, Ron Aniello, hat in einem Interview außerdem ausgeplaudert, dass er gerade an rund 40 gänzlich neuen Songs für ein „echtes“ neues Bruce-Album arbeiten würde, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Man darf gespannt sein, was daraus wird.

Zurück zu High Hopes: Mit High Hopes hat der mittlerweile 64-jährige Springsteen nunmehr erstmals ein Album aufgenommen – in verschiedenen Studios -, das aus einem etwas wirren Mix aus Covern, Outtakes und Neuaufnahmen bereits bekannter (Live)Songs der letzten rund 15 Jahre besteht. Dass Bruce auf ältere Songs zurückgreift, die es auf frühere Alben nicht geschafft haben, ist nicht unbedingt neu (The River ist voll davon, ebenso Devils and Dust). Daher sollte man Songs wie Harry's Place oder Down in the Hole (beide geschrieben für The Rising) auch richtigerweise nicht als Outtakes bezeichnen, genauso wenig wie die Songs auf dem Album The Promise echte Outtakes waren, die es auf die entsprechenden Alben nicht geschafft haben, nicht weil sie nicht gut genug waren, sondern weil sie thematisch einfach nicht gepasst hätten. Völlig neu ist allerdings, dass Bruce Cover auf ein Studioalbum packt (abgesehen von den Seeger Sessions) und dann gleich drei an der Zahl. Das könnte man als Einfalllosigkeit bezeichnen. Aber offensichtlich waren ihm diese Songs zu wichtig und mit Ausnahme des Titeltracks sind die Cover auch gut.

Diese „anomale Herangehensweise“ bei High Hopes, wie Springsteen das Album selbst in einem Interview bezeichnet hat, bewirkt allerdings, dass das Album diesmal keinen roten Faden hat, kein echtes Konzept verfolgt. Bisher hatten eigentlich die meisten Bruce-Alben ein bestimmtes Thema, so wie zuletzt das geniale Wrecking Ball, das die Finanzkrise thematisierte. Bei WB war die Songreihenfolge daher auch ganz entscheidend: Es begann mit wütenden, bissigen Texten, und endete mit hoffnungsvollen, optimistischen Songs. Bei HH ist die Reihenfolge dagegen eher zweitrangig, einzig Dream Baby Dream zum Schluss macht Sinn, vor allem bei einem Album, das High Hopes heißt.

Fazit: High Hopes ist besser als erwartet, ein Album, das schlicht und einfach Spaß macht, aber das Album hätte m. E. nicht als neues Album, sondern als das bezeichnet werden sollen, was es ist: Eine Sammlung von Covern, Outtakes (oder wie auch immer man diese Songs dann auch bezeichnet) und Studioaufnahmen bekannter Live-Songs. So wurden im Vorfeld nur falsche Erwartungen geweckt. Die Songs sind in Ordnung, zum Teil aber überproduziert, wenngleich die moderne Produktion auch viele Songs noch interessanter und durchaus besser macht (American Skin z. B.). Dennoch wäre manchmal etwas weniger mehr gewesen (Down in the Hole), wie schon bei Wrecking Ball. Trotz des vielen Sound-Schnick-Schnacks ist es ein sehr rockiges, modernes Album geworden und deutlich weniger folk- und seegerlastig als Wrecking Ball, ohne dabei zu klingen wie die frühen Rockalben von Springsteen. Insgesamt eine feine, solide Ergänzung des bereits sehr umfangreichen Springsteen-Katalogs. Ein weiteres Meisterwerk wird es aber trotz einiger herausragender Songs sicherlich nicht werden.

Track-by-Track-Rezension:

High Hopes: Für mich nach wie vor einer der schwächsten Songs, die ich je von Springsteen gehört habe. Bereits 1995 auf der EP Blood Brother enthalten, habe ich nie Zugang zu diesem Song gefunden, habe ihn daher auch über all die Jahre nie vermisst. Es ist wohl Tom Morello zu „verdanken“, der den Song Bruce vorgeschlagen hat, woraufhin der Song dann in Australien live einige Male performt wurde. Die neue Version mit Tom Morello ist zwar besser als die 1995er Version, dennoch ist und bleibt es ein nur unterdurchschnittlicher Song, der darüber hinaus auch noch zu lang ist. 2/5

Harry's Place: Hat mit Mary's Place gar nichts gemeinsam, außer, dass beide Songs für The Rising vorgesehen waren. Wer sich aber Harry's Place anhört, wird schnell einsehen, dass der Song nicht auf The Rising gepasst hätte, weder textlich noch musikalisch. Die Produktion klingt sehr 80er Jahre-mäßig, vor allem das Sax von Clarence „Big Man“ Clemons, musikalisch ist HP eine Mischung aus The Fuse (The Rising-Album), Calling Elvis (Dire Straits) und You Belong to the City (Glenn Frey), textlich sehr düster. Eher untypischer, gewöhnungsbedürftiger, durchaus tanzbarer Bruce-Song, in den 80ern sicherlich mit Hitpotenzial: 2,5/5

American Skin (41 Shots): Der seit der Reunion-Tour 2000 bekannte Song, der die Erschießung durch 41 Schüsse eines farbigen unbewaffneten Jungen in NY durch die New Yorker Polizei thematisiert, erhält hier eine sensationelle Frischzellenkur, ähnlich wie Land of Hope and Dreams vom WB-Album, die ich als sehr gelungen empfinde. Einmal mehr darf hier Tom Morello „glänzen“. Würde man den Song nicht bereits so gut kennen, würde man ihn sicher auch in dieser Version noch mehr zu schätzen wissen. Gehört sicherlich zu den besten Songs, die Bruce seit 1999 geschrieben hat. Erst Recht in dieser Version: 5/5

Just Like Fire Would: Hervorragendes Cover der australischen Punk-Band The Saints, könnte aber auch aus der Feder von Springsteen stammen. Die Version entspricht ziemlich exakt der Live-Version, die Bruce vergangenes Jahr in Australien performt hat, plus dem hinzugemischten herrlich krächzenden Gesang von Little Steven. Der Song erinnert allerdings stark an John Mellencamp's Small Town, aber den mag ich ja sowieso :-). Song macht Spaß, hätte gerne noch etwas länger sein dürfen. 4/5.

Down In The Hole: Ein weiterer Outtake aus den Rising-Sessions. Toller, atmosphärisch-dichter Song, allerdings etwas überproduziert, erinnert stark an I'm on Fire, aber auch an Magic (den Song). Außerdem erinnern einige Stellen an einzelne Songs von The Rising. Wunderbare Backgroundvocals von Patti Scialfa (und allen drei Kindern von Springsteen/Scialfa), begleitet von einem zart gezupften Banjo. Definitiv eine Bereicherung des Springsteen-Song-Repertoires. Großartig: 4,5/5

Heaven's Wall: Bruce sprach ja mal davon, ein Gospelalbum aufnehmen zu wollen. Dieser Song könnte für ein derartiges Album gedacht gewesen sein. Erinnert mich etwas an What Love Can Do vom WOAD-Album. Geht ordentlich zur Sache, toller Groove, könnte ich mir gut als Show-Opener vorstellen. „Raise your Hand“ und auch ansonsten sehr biblischer Text, auch wenn man den angesichts des Genuschels kaum versteht. Sicherlich nicht jedermanns Sache, mir gefällt's: 4/5

Frankie Fell In Love: Magic-Outtake, eines meiner Highlights des Albums, obwohl recht simpler 08-15-Pop-Rock-Song, hätte auch wunderbar auf The River gepasst, auch textlich. Erinnert musikalisch etwas an Crush on You oder You Can Look, aber auch an My Lucky Day. Der Song macht einfach nur gute Laune und hat was Nostalgisches. Gefällt mir ausgesprochen gut: 4/5

This Is Your Sword: Mit unter drei Minuten recht kurzer, irisch-folkiger Song mit Ohrwurmgarantie, unterlegt von einem Dudelsack. Nett, solide, aber irgendwie auch etwas belanglos. 3/5

Hunter of Invisible Game: Beginnt wie Filmmusik, sehr schöner, langsamer walzerartiger Song im Stile von Terry's Song, aber weniger akustisch, sondern mit orchestraler Begleitung. Produktion erinnert an das WOAD-Album. Nicht so eingängig wie die beiden Songs zuvor, aber für mich einer der besten Songs auf HH. 4,5/5

The Ghost Of Tom Joad: Die mit über 7 Minuten etwas zu lange Rockversion vom gleichnamigen 1995er Meisterwerk, hier ziemlich exakt so performt wie bei den Liveauftritten seit 2008. Somit auch mit Tom Morello, der mit seiner Gitarre und noch mehr mit seinem gewöhnungsbedürftigen Gesang den Song nicht für jedermann wirklich verbessern mag. Die Live-Version hat mir seinerzeit wegen TM gar nicht gefallen, aber an diese Studio-Rockversion habe ich mich – trotz Morello - mittlerweile gewöhnt und muss eingestehen, dass der Song dermaßen rockt und mir auch in dieser Version immer besser gefällt: 4,5/5.

The Wall: Nach American Skin bester Song auf dem Album, der das Zeug zum Klassiker hat, zumal mit berührendem Text über einen Vietnam-Kriegsveteranen aus New Jersey. Klingt teils leicht nach Fields of Gold von Sting. Laut Ron Aniello neben Just Like Fire Would der einzige Song, bei dem die E Street Band in Gänze bei der Aufnahme auch anwesend im Studio war. Sehr angenehme, sparsame Instrumentierung, zum Ende die wunderbare Trompete von Curt Ramm, melancholisch, großartig: 5/5

Dream Baby Dream: Den Song, ein Cover der New Yorker Wave-Punk-Band Suicide, hat Bruce als letzten Song zum Ende der Devils and Dust-Tour 2005 allabendlich gespielt. Der sich immer wiederholende, sehr einfache Text geht gemeinsam mit der sich steigernden Instrumentierung richtig unter die Haut, vor allem, wenn man das dazugehörige Video (auf YouTube!!!), das Bruce als Dankeschön für die Fans der Wrecking Ball-Tour gemacht hat, vor Augen hat. Isoliert als Single sicherlich ungeeignet, aber als Abschluss eines Albums durchaus passend und dann auch 3,5/5.

Länge des Albums: 56:31 Minuten

Wie bei Springsteen üblich, gibt es wieder ein feines Booklet mit allen Texten, einigen Bildern und Infos zu den einzelnen Aufnahmen sowie lesenswerten Liner Notes. Die CD steckt leider wieder in einer nicht reißfesten Papphülle. Die Bonus-DVD ist lediglich beigelegt, ist zwar eine etwas billige Variante für eine Limited Edition, die aber den Vorteil hat, dass sie leicht herausnehmbar ist.

Bonus-DVD: Als Bonus gibt es bei der Limited Edition den rund einstündigen Teil des Konzerts der Wrecking Ball-Tour vom 30.6.2013 aus dem Londoner Olympic Park, wo das komplette Born in the USA-Album (alle 12 Songs von insgesamt 29 Songs, die an dem Abend gespielt wurden) aufgeführt wurde. Zu diesem Preis sollte man nicht allzu kritisch sein und als Fan nimmt man natürlich mit, was man kriegen kann, ABER: Es ist die nunmehr dritte Bruce-Live-DVD vom Hardrock-Calling-Festival (HRC) in London (nach der DVD London Calling vom HRC 2009 und den 6 Tracks auf der DVD Springsteen & I vom HRC 2012). Dagegen wäre nichts auszusetzen, wenn HRC jeweils außergewöhnliche Konzerte gewesen wären. War es aber auch diesmal nicht! Es gibt kaum ein lahmeres Publikum als das bei diesem Festival und die Performance war für Springsteen-Verhältnisse an diesem Abend auch nicht die beste, was u.a. daran gelegen haben könnte, dass am Abend vorher in Paris ebenfalls das Born in the USA-Album in Gänze aufgeführt wurde, was für Springsteen eher unüblich ist und durch diese Album-Shows viel an Spontanität, die Bruce-Konzerte immer so einzigartig machen, verloren geht. Wenn schon eine Album-Show, dann hätte ich mir die aus Mailand gewünscht (mit dem weltweit fanatischstem Publikum) oder gerne auch die in München, wo jeweils auch das BIUSA-Album aufgeführt wurde. Das wäre aber sehr viel aufwändiger (= teurer) gewesen für das Unternehmen „Bruce Springsteen“. Immerhin war diese Show in London, bei der Bruce' 87-jährige Mama und seine Schwester Pamela auf die Bühne durften.;-)

Das Born in the USA-Album wird zudem in diesem Jahr 30 Jahre alt und wir Fans hoffen auf ein ordentliches BITUSA-Jubiläums-Boxset, wie es sie zu den Alben Born to Run und Darkness on the Edge of Town gegeben hat, und ich wäre doch einigermaßen enttäuscht, wenn diese halbgare Bonus-DVD als Ersatz für eine derartige Box herhalten müsste. Als Bonus-DVD, wie gesagt, völlig i.O.! Klang und Bild sind gut.
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am 7. April 2014
Kann mir das mal einer erklären? In beiden großen Tageszeitungen meiner Heimatregion haben sich die Verfasser darüber beklagt, daß "High Hopes" wieder (?) nicht das erwartete (?) Alterswerk geworden ist. Kommt mal wieder runter, Leute! Ich meine, hat Bruce Springsteen jemals irgendwo geäußert, ein solches machen zu wollen? Und was sind die Merkmale eines "Alterswerks"?
Die Antwort erübrigt sich, weil das 18. Studiowerk vom Boss strenggenommen nicht einen neuen Song, sondern überwiegend Coverversionen und Neuaufnahmen enthält. Der Titelsong "High Hopes" wurde ursprünglich vor 19 Jahren veröffentlicht! Ob der Grund für diesen Release in der Erfüllung des Mega-Deals mit Sony zu suchen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es wäre immerhin möglich. Springsteen selbst schreibt in den Linernotes: "This is music I always felt needed to be released." Die Typen, die in den 12 Songs auftauchen, "verdienten eine Heimat und gehört zu werden."
Das sehe ich mittlerweile auch so, doch der Weg dahin war lang. "High Hopes" ist kein Hitalbum, sondern eine Liedersammlung, die erarbeitet werden muß. Songs wie das eigentlich für "The Rising" vorgesehene "Harry's Place", das ein gewisses DIRE STRAITS-Flair besitzt (inklusive Genuschel à la Mark Knopfler, mit dem es Springsteen auf dieser Platte allerdings mächtig übertreibt), "Heaven's Wall" mit seinem Gospelcharakter oder die zurückhaltende, ja zögerliche Erzählung "The Wall" wirken zunächst sehr unscheinbar. Der Kritiker der ZEIT hat mit seiner Schelte also durchaus recht, aber nur an einigen Stellen. Er hat sich viel zu sehr darin gefallen, das Album niederzumachen, nach dem Motto: "Seht her, ich pinkle dem Boss ans Bein!"
Im Grunde alles dummes Geschwätz, denn eines zeigt "High Hopes" ganz klar: Wenn Springsteen und seine Mitmusiker beseelt und voller Inbrunst loslegen, entstehen dabei auch nach 40 Jahren noch Kompositionen bzw. Interpretationen, die einem durch Mark und Bein gehen. Von wegen "Bitte aufhören, Boss!"! Allein wegen "American Skin", dem heimlichen Highlight "Down In The Hole" (noch ein Überbleibsel von "The Rising") und der Rockversion von "The Ghost Of Tom Joad" MUSSTE dieses Album veröffentlicht werden. Bei Letzterem legt Tom Morello (RAGE AGAINST THE MACHINE, AUDIOSLAVE), die treibende Kraft hinter diesem Output, mit einer Intensität los, wie ich sie seit "The Kingdom Of Heaven" von Melissa Etheridge nicht mehr erlebt habe. Vielleicht ist "Drei Soli für die Ewigkeit", wie manche Springsteen-Jünger schwärmen, ein wenig zu hoch gegriffen, aber das Teil ist Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn! Allerdings muß ich dabei, im Gegensatz zu "Kingdom", nicht heulen...
Es ist ganz klar, daß dieses Level nicht über 56 Minuten zu halten ist. Das führt zu einem qualitativen Gefälle, mit dem man erst mal klarkommen muß. Ist man über diesen Punkt hinaus, mag man "High Hopes" nicht mehr missen.
Wer sich dennoch grämt, hier nicht den Mainstream-Springsteen präsentiert zu bekommen, wird sich um so mehr an der Bonus-DVD erfreuen. Diese bietet 66 Minuten des Konzertes im Londoner Olympic Park vom 30.6.2013, und zwar das komplette "Born In The U.S.A."-Klassikerwerk. Der Gig ist für Springsteen-Verhältnisse zwar "nur" gut, aber "Glory Days" und "Dancing In The Dark" zünden immer!
Und wer nun immer noch ein "Alterswerk" will, sollte sich mal "Hunter Of Invisible Game" anhören. Überhaupt: Knorrig, knurrig und knarzig genug ist das Ding, vor allem auf Vinyl.
Smiling-Shark.com
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am 12. Januar 2014
Das Album wird seit Tagen kontrovers diskutiert. Manche Kritiker geben volle Punktzahl, andere verreissen es komplett und möchten Bruce am liebsten ins Altersheim stecken.

Man muss nicht immer vor bald 40 Jahren gepflanzte Bäume ausreissen um dem ewigen Kreis der Erneuerung gerecht zu werden. Manchmal kann oder muss man sich auch diesem Zwang einfach verweigern und bereits etablierte Tugenden pflegen. Bruce kann dies sogar ohne altbacken zu klingen oder sich selbst zu kopieren. Zum Beispiel in dem man bereits von Konzerten bekannte Stücke neu interpretiert und auf Platte presst. Wenn einem dann noch Tom Morello zur Seite steht, eröffnen sich ganz neue Perspektiven, Springsteens Spätwerk zu betrachten. Sofern man überhaupt von Spätwerk sprechen kann.

Dem Album wird immer wieder die wenig komplexe Komposition angekreidet, was ich so einfach nicht stehen lassen kann. Gerade das Einfache in Songwriting und Produktion machen Songs wie "American Skin (41 Shots)" oder das Cover "Dream Baby Dream" so eindringlich, so bemerkenswert. Dadurch können sie ihre Intention klar und unverhüllt transportieren, verstecken sie trotz großer Produktion nicht. Man spürt einerseits die Resignation vor der Realität, gleichzeitig legt einem Springsteen aber auch die Hand auf die Schulter und flüstert einem "auf geht's, wir schaffen das trotzdem" ins Ohr.

Dazu gesellt sich in (hoffentlich richtig gezählten) 8 von 12 Songs wie bereits erwähnt Tom Morello. Und wer die auf High Hopes veröffentlichte Fassung von Springsteens eigentlichem Folk-Song "The Ghost of Tom Joad" hört, wird ohnehin vor seiner Anlage niederknien. Nicht nur, dass der Song durch die lautstarke Neuinterpretation noch einvernehmender mit eigenem Charakter wurde, hier spielt auch Morello zu ganz, ganz großer Form auf. Seine Soli sind wahrlich außergewöhnlich, schon fast ein Statement für die Ewigkeit. Muss man einfach gehört haben, anders kann ich es nicht schreiben. Mich haben die letzten drei Minuten des Songs wirklich an die Wand geblasen.

Dazwischen tummeln sich natürlich allerhand Arena-kompatible Percussionrocksongs in bewährter Springsteenart, die in sich jedoch munter ohne Rücksicht auf Musikkonventionen winden. In "Heaven's Wall" zum Beispiel wechseln sich Fidel-unterstützter Springsteen Arenarock mit Gospel-artigen Chören, Bongos und Morellos Rocksoli ab. Mitreissend.

Nein, Springsteen liefert keinen über jeden Zweifel erhabenen Meilenstein ab, den jeder Musikfan unbedingt im Regal stehen hat. Davon hat der 20malige Grammy-Preistäger auch schon genügend im Backkatalog. Es ist aber ein mehr als grundsolides Studioalbum, das durchaus eigene Höhepunkte setzt und seinen berechtigten Platz in Bruce' Lebensgeschichte wie auch im Jahresrückblick 2014 finden wird. 5 Sterne sind ein halber zu viel, 4 ein halber zu wenig.

Wer kann, sollte natürlich wie immer zu Vinyl greifen.
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am 12. Mai 2016
High Hopes ist zwar sicher nicht das mitreißendste Album des Boss, aber ich verehre es allein schon für zwei Songs, die so typisch für ihn sind und für seine unveränderte Bodenständigkeit. Die Rede ist von "American Skin (41 shots)", das leider nach wie vor in den USA höchst aktuell ist, geht es doch um einen westafrikanischen Einwanderer, der von der Polizei in New York City mit 41 (!) Schüssen niedergemetzelt wurde, obwohl er in Unkenntnis der Gefahr nichts anderes wollte, als seinen Ausweis aus der Jackentasche zu holen um sich auszuweisen. Er hatte übrigens absolut nichts angestellt, sondern einen 08/15-Job wie sich danach herausgestellt hat. Und der zweite Song ist "This Is Your Sword", einer meiner absoluten Lieblingssongs, weil er mir immer dann wenn ich schlecht drauf bin wieder ein wenig Hoffnung gibt, daß alles doch noch irgendwie besser wird. Beide Songs sorgen übrigens live für ganz besonders viel Gänsehaut...
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am 18. Mai 2014
Alles super, es ist eben Bruce Springstreen. Natürlich gibt es, wie auf jeder CD, Lieder die man immer hören kann und welche, die man nicht ganz so mag. Bei mir überwiegen die Lieder, die ich mag und auch die DVD ist super.
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am 18. September 2015
Eine neue Bruce Springsteen Platte ist immer etwas besonderes.
Auf dieser Platte nimmt der Boss einen mit auf eine Hörreise durch ausschließlich lauter Outtakes der letzten Jahre.
Es dürfte auch das erste Mal sein, dass Cover Songs auf einer regulären Studio Platte vorhanden sind (High Hopes, Just Like Fire Would, Dream Baby Dream).

Die besten Lieder sind Harry's Place, Just Like Fire Would, Frankie Fell In Love(!) und die bis jetzt nur Live gespielte E-Street Band Version von The Ghost Of Tom Joad.
Mit Tom Morello (Rage Against The Machine), der auf 7 von den 12 Liedern mitspielt, hat der Boss einen ausgezeichnet Gitarristen an Bord, der ein paar groovige Solos beisteuert.

Der "Deluxe Augabe" der CD liegt noch eine nette Bonus DVD bei, auf der das gesamte Born In The U.S.A. Album live 2013 in London aufgeführt wird.

Die Platte ist keinen Falls schlecht und gehört auf jeden Fall in die Sammlung eines jeden Bruce Springsteen Fans, jedoch ist sie nicht umbedingt sein bestes Werk.
An der Pressqualität der Schallplatte gibt es auch nichts zu bemängeln.
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am 11. Januar 2014
Ich widme mich direkt den einzelnen Songs und bewerte jeden einzeln.

HIGH HOPES: Der Titelsong und Opener. Kenne das Lied schon von der "Blood Brothers"-DVD. Damals war ich total begeistert, mittlerweile etwas ernüchtert. Eine Nummer, die durchaus ins Ohr geht, mich aber nicht von den Socken hat. Der letzte Springsteen-Opener der das tat war "Radio Nowhere" vom Magic-Album. So gelungen finde ich HIGH HOPES nicht - dennoch ein netter Einstieg.
-> 3/5

HARRY'S PLACE: Nachdem ich den Titel las, hatte ich schon Bammel, dass es ein Song ähnlich wie "Mary's Place" sein könnte. Weit gefehlt: Dieser Song kommt sehr atmosphärisch und dicht daher. Bin positiv überrascht.
-> 4/5

AMERICAN SKIN (41 SHOTS): Bekannt von der NYC-Live-DVD. Gefiel mir da besser als nun als Studioversion. Dennoch bleibt es ein klasse Song mit einer starken Aussage.
-> 5/5

JUST LIKE FIRE WOULD: Erinnerte mich beim ersten Hören irgendwie an Joe Cockers "Fire it up". Trifft nicht ganz meinen Geschmack, ist aber eine ganz nette, durchaus tanzbare Nummer.
-> 3/5

DOWN IN THE HOLE: Absolute Überraschung. Hätte meiner Meinung nach auch auf "Magic" gepasst. Sehr eindringlich. Die Melodie erinnert etwas an "I'm on Fire".
-> 4/5

HEAVEN'S WALL: Nette Pop-Nummer, recht melodisch. Alles in allem durchaus "hörbar".
-> 3/5

FRANKIE FELL IN LOVE: Erinnert mich etwas an "My Lucky Day" und gefällt mir besser als HEAVEN'S WALL. Texlich allerdings weniger stark. Ne nette Nummer.
-> 4/5

THIS IS YOUR SWORD: Plätschert für mich so dahin. Kein Lied, das ich wegspulen würde, aber auch keines, das mich packt. Einer der schwächeren Songs.
-> 2/5

HUNTER OF INVISIBLE GAME: Netter Pop-Walzer, der mich allerdings auch nicht umhaut. Wie THIS IS YOUR SWORD eine schwächere Nummer.
-> 2/5

THE GHOST OF TOM JOAD: Neuauflage im rockigen Gewand. Das Duett mich Morello funktioniert klasse. Seine Gitarrensoli passen sehr gut. Starke Nummer.
-> 4/5

THE WALL: Abolute Perle des Albums. Sehr ruhig und auch textlich toll. Mein persönliches Highlight.
-> 5/5

DREAM BABY DREAM: Ein Cover-Song zum Abschluss. Ich persönlich mag das Lied umheimlich. Fand die Live-Version von der "Devils & Dust"-Tour schon klasse. Sehr eindringlich und wie ich finde sehr emotional. Besonders, wenn man das passende Video dazu kennt.
-> 5/5

FAZIT:
Ein Album vom "Boss", das seine Tiefen vor allem in der Mitte hat. Zum Ende kommen meiner Meinung nach 3 ganz starke Stücke, die hängen bleiben. Erinnert zumindest teilweise an THE RISING oder MAGIC und ist deutlich stärker als WORKING ON A DREAM.

-> 4/5
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am 17. Februar 2014
Über den Inhalt brauch ich nichts mehr hinzufügen - Der Boss erfüllt die Erwartungen.

Wovon ich aber enttäuscht bin, ist die Aufmachung einer "Limited Edition". Sie besteht aus der regulären CD (in unwürdig billigem Pappfolder - in Zeite von MP3 erwarte ich eigentlich bei einfachen CDs auch schon mehr) und einer beigelegten DVD (im Pappsleeve). Die beiden Teile sind dann mit einem Zettelchen (einem Backcover nachempfunden, welches auch die korrekte EAN und beide Inhaltsverzeichnisse liefert) in einer Folie eingeschweißt.

Keine gemeinsame Verpackung und die Teile in Pappe ist mir zu wenig. - Trotzdem drei Sterne für die Idee und den Inhalt der Einzelprodukte.
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Schon wieder ein neues Album vom Boss, wenn der in diesem Tempo weiter macht, wird es bald rekordverdächtig. Für mich ist diese neue Werk ein richtig gutes geworden und vor allen Dingen abwechslungsreicher als von Bruce gewohnt. Was natürlich nach dem Wegfall von Danny Federici und mittlerweile auch Clarence Clemons fast zu erwarten war, obwohl hier noch auf einigen Songs zu hören.
Die Hinzunahme von Ex-Rage Against The Machine-Gitarrist Tom Morello bei einigen Stücken empfinde ich als absoluten Winner. Alleine die neue Version von "The Ghost Of Tom Joad" ist den Preis des Albums wert. Die Gitarren klingen fast so hypnotisch wie bei Neil Young! Wenn das mal kein Klassiker wird?!
Ansonsten gibt es von jedem etwas, ein richtiger Gemischtwarenladen, was bei dem Alter der Songs kein Wunder ist. Verwunderlich ist nur, dass das alles trotzdem wunderbar zusammen passt. Es gibt keinen einzigen Ausfall, aber mindestens sieben absolute Burner, für meinen Geschmack. Deshalb werden die meisten Springsteen-Fans zufrieden sein und an diesem Album ihre Freude haben.
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am 24. Januar 2014
Für mich ist High Hopes das beste Album seit Devils & Dust.
Den Hintergrundchor, welcher mir auf "Wrecking Ball" zuviel erschien, empfinde ich
hir weniger häufig und auch nicht so aufdringlich.
Das Album glänzt auf jeden Fall mit Abwechslung.
"American Skin" und "The Ghost of Tom Joad" sind auch in diesen Versionen mehr als gelungen.
Die rockigen Songs auf dem Album erinnern mich zum Teil sogar an die guten alte Zeiten.
Die tolle Ballade "The Wall" und das Sensationelle "Dream Baby Dream" sind der Schlusspunkt eines sehr guten Albums.

Die beiliegende DVD braucht mein eigentlich nicht kommentieren. Live ist und bleibt er ein Held!!
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