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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen untertan
Heinrich Mann steht in meiner persönlichen Autorenrangliste ganz weit vorn, sein 'Untertan' ist eines meiner Lieblingsbücher. Als ich dann "untertan" von Joachim Zelter sah und las, was der Klappentext und der Verlag darüber verlauten ließen, machten sich schon ein paar Zweifel breit, ob Zelter diesem Maß, mit dem seinen Romans messen...
Veröffentlicht am 9. August 2012 von Heike M.

versus
5 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Und täglich grüßt die Entfremdung
Die These von der Entfremdung und den geschundenen Individuen wird doch nicht wahrer dadurch, dass man sie ständig wiederholt. Leider ist die irnonisch gehaltene Geschichte um Friederich nur das lästige Gerüst, um die immergleiche Pointe anzubringen. Der Kontext der Schule oder der Universität, der hier für Entfremdung sorgen soll, ist doch gerade...
Veröffentlicht am 14. September 2012 von Th. L.


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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen untertan, 9. August 2012
Von 
Heike M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: untertan (Gebundene Ausgabe)
Heinrich Mann steht in meiner persönlichen Autorenrangliste ganz weit vorn, sein 'Untertan' ist eines meiner Lieblingsbücher. Als ich dann "untertan" von Joachim Zelter sah und las, was der Klappentext und der Verlag darüber verlauten ließen, machten sich schon ein paar Zweifel breit, ob Zelter diesem Maß, mit dem seinen Romans messen würde, gewachsen sein wird. Den bewussten Vergleich zu Manns "Der Untertan" fand ich sehr gewagt. Schon nach den ersten Seiten wusste ich, der Verlag hatte nicht übertrieben und ich freute mich über jede Seite in diesem Roman. Virtuos setzt Zelter die Sprache ein, glänzt mit einer ausdrucksstarken Erzählweise, geprägt vom Übertreiben, Überspitzen und Überkünsteln. Er erzählt sachlich, mit Witz und Ironie. Gekonnt setzt er Aufzählungen und Wiederholungen als Stilmittel ein. Noch drastischer als Diederich Heßling ist Friedrich Ostertag untertan, den Lehrern, den Klassenkameraden, den Kommilitonen, den Professoren, den Adligen, den Reichen, den adligen Reichen und nicht zuletzt dem längst verstorbenen Urgroßvater, der das Spiel "Fang den Hut" erfand und auf dessen Erfindung die Familie Ostertag ihre Bedeutung und Tradition gründet. Er buckelt gegenüber allen von ihm geglaubt höher Stehenden schlimmer, als es der Untertan Manns je tat. Er biedert sich an und ist sich für nichts zu schade. Selbstachtung ist ihm fremd, in diesem Punkt unterscheidet er sich von seinem großen literarischen Vorbild. Er kann nicht nach unten treten, wie Heßling es tat, Friedrich Ostermann ist in der Hierarchie, zumindest stellt er sich auf diese Stufe, ganz unten.
Der Roman Zelters setzt in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts ein und streckt sich bis in die Gegenwart. So entstand auf lediglich 211 Seiten ein Entwicklungsroman, der ein markantes Sittenbild unserer Zeit abgibt und am Ende steht die Frage, sind wir alle nicht ein bisschen "untertan"?
Joachim Zelters "untertan" ist einer der besten Romane, die ich in diesem Jahr gelesen habe, eine Perle auf den Büchermarkt, sowohl die Sprache als auch die Aussage betreffend.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herrschaft gleich Angst und Schrecken und einige Silberstreife am Horizont.,, 16. April 2013
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: untertan (Gebundene Ausgabe)
Die Beschreibung eines Erfüllenden, eines Menschen, der nicht im Mittelpunkt stehen will, der zufrieden wäre, wenn man ihn in Ruhe ließe und nicht als Opfer degradiert. Hilflose Eltern, brutale Internats-Freunde, Marken- und Erbschaftsschnösel, irgendwie findet Friedrich Ostertag, der Mittelständische, dessen Großvater das Spiel Fange den Hut erfand, zur Fähigkeit zu schreiben, der Überlebensmechanismus eines Autistischen. Wie ein Ertrinkender klammert er sich an diese Fähigkeit, erzielt beste Erfolge, weil er sich in andere hineindenken kann. Kein Egoist, ein aufrichtig ehrlicher Mensch, bar jedes Bösen.

von Conti, der Adlige, den Friedrich vom Internat her kennt, brachte Friedrich Ostertag, den Zögerling und Hasenfuß, als eigenständiges Thema irgendwann zur Sprache. von Conti ist der Strahlemann, der alles Überragende, hinter dem Friedrich irgendwann mitsegelt, als Ghostdenker und Ghostwriter. Unverhofft stellt von Conti Friedrich in den Mittelpunkt, weil er unentbehrlich für ihn geworden ist. Langsam entwickelt Friedrich in diesem Windschatten ähnlichen Mutwillen, ohne jedoch wirklich die letzte, egoistische Durchsetzungskraft eines von Conti zu besitzen. Er erlebt Dinge sozusagen Second Hand, abgeschaut vom Freund, auf merkwürdig komische Art nachexerziert, sprachlich glänzend in Szene gesetzt.

Friedrich, der Könner und Schreiber, der von Conti ein Redner, Blender, Frauenheld und Beeindrucker, beide ergänzen sich perfekt, der eine der feiernde Tag, der andere die arbeitende Nacht. Friedrich Ostertag wurde für die Frauen nur ein Durchgangszimmer, ein Wartemann, er ist ein merkwürdige Gestalt, denkt man, gequält vom Dasein, dem Vater und überhaupt. Schule ein Drama, Internat eine Qual, aber doch erkämpft sich das Opfer Friedrich irgendwie durch zur Anerkennung, zum Gebrauchtwerden. Er kann viel mehr, schreibt sich Dinge von der Seele und wird zu einem absoluten Könner im wissenschaftlichen Bereich der Soziologie, der Politik, hochauffahrend, der Souffleur des Adligen von Conti.

Dieses Buch lohnt sich alleine schon wegen der unglaublich schönen, merkwürdig haften bleibenden Formulierungen. Es ist eine Persiflage auf den Schul-, noch mehr auf den Unibetrieb und nimmt sich besonders des Faches Soziologie an, in dem der Graf und sein Friedrich reüssieren, und zwar über alle Maßen. Der erste Satz für die Doktorarbeit, die Friedrich für von Conti schreibt: „Eine komfortable, reibungslose, vernünftige, demokratische Unfreiheit herrscht in der fortgeschrittenen industriellen Zivilisation....“ Was man zu studieren hätte, was eigentlich in Frage käme, um mit möglichst gut klingendem Verwirrendem phil zu sagen - die Auswahl der Studienrichtung, einfach gelungen und mehr als lesenswert.

Ein weiteres Zitat von Seite 145, im Zusammenhang mit der Dissertation: „Sätze der Machterhaltung. Wie sich solche Systeme verbessern lassen. Indem man die Menschen in Bewegung hält. Sie nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. Sie in Angst und Schrecken versetzt. Sie hetzt, verschreckt, vertröstet, verstört...Herrschaft gleich Angst und Schrecken und einige Silberstreife am Horizont.“

Ich kenne viele Menschen, die lieber im Hintergrund geblieben sind, denen aber mehr Anerkennung zuteil wurde als Friedrich. Er vergisst sich leider total, er denkt nicht an Karriere oder Vorwärtskommen, seine Träumereien sind ihm genug, in Ruhe gelassen werden schon der Himmel. Darauf zurückgeworfen braucht er im Grunde nichts, fatal ist, dass dieses Nichts von vielen ausgebeutet wird und mit nichts belohnt bleibt. Natürlich geht es Friedrich ähnlich, irgendwann geht es auch ohne ihn, vergessen und einsam, aber nicht ohne Träume, kommt er nach Hause zu den Eltern, wird wieder aufgenommen und erlebt.

Ich möchte das Ende nicht skizzieren, es ist einfach großartig, lebendig, voller staunendem Erleben, bei aller Trauer, die man für Friedrich empfinden kann. Er ist der Prototyp für einen Untertan, der ohne Falsch Großartiges leistet, sogar anerkannt wird, aber doch nur jene Dinge sucht, die ihm Ruhe und Gleichmaß verschaffen, ohne Chaos-Anforderungen einer übersteigerten, zum täglichen Drama neigenden Welt.
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer Persiflagen und Satiren mag, wird dieses Buch lieben!, 1. August 2012
Rezension bezieht sich auf: untertan (Gebundene Ausgabe)
Viele von den Überzeugungen, die wir so verinnerlicht haben, dass sie zu Wahrheiten geworden sind, werden hier auf die Spitze getrieben: ob es nun der Glaube an den gesellschaftlichen Aufstieg durch eine höhere Bildung, die Frage nach dem wissenschaftlichen Nutzen mancher akademischer Arbeit, die zweifelhafte Ehrfurcht vor bestimmten Eliten, die Käuflichkeit von Titeln und Karrieren, oder die Faszination von Geld, Adel, und Geld-Adel ist - durch das Schicksal von Joachim Zelters Hauptfigur kommt die ganze Absurdität einer Gesellschaft zutage, deren Bürger sich bereitwillig ausbeuten und ausnutzen lassen, nur um irgendwann einmal 'dazu' zu gehören, und gar nicht merken, wie sie sich selbst dabei verlieren.
Übrigens spielt das Thema von Mitgliedschaft und dem Wunsch nach Zugehörigkeit auch noch in Bezug auf die Eurokrise eine Rolle.

Was mir an Zelters Büchern, und an diesem besonders, gefällt, ist seine Verwendung der Sprache: kein Wort zu viel und keines zu wenig, Tragik und Ironie beginnen oft recht harmlos und subtil, und werden dadurch nur noch bedeutungsvoller.

Wenn ich mir am Ende des Buches noch mehr gewünscht habe, dann nur, weil ich schon lang nichts mehr gelesen habe, dass zugleich so intelligent und unterhaltsam geschrieben ist wie der 'untertan'!
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Satire um ein gescheitertes Leben, 22. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: untertan (Gebundene Ausgabe)
ein schmales Büchlein, ein großes Lesevergnügen.
Friedrich, schon als Kind fremdbestimmt, ins Internat abgeschoben, will geliebt werden, indem er die Erwartungen seiner Umwelt so gut es irgendgeht erfüllen will, sogar zum Ghostwriter und dabei zum Anbeter von Macht und Geld wird, ein hohles Leben, das scheitert.
Aber wie gesagt, ein großes Lesevergnügen. Viel steht zwischen den Zeilen. Überaus köstlich die Absätze über das Verfassen von Fußnoten!!!
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5 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Und täglich grüßt die Entfremdung, 14. September 2012
Rezension bezieht sich auf: untertan (Gebundene Ausgabe)
Die These von der Entfremdung und den geschundenen Individuen wird doch nicht wahrer dadurch, dass man sie ständig wiederholt. Leider ist die irnonisch gehaltene Geschichte um Friederich nur das lästige Gerüst, um die immergleiche Pointe anzubringen. Der Kontext der Schule oder der Universität, der hier für Entfremdung sorgen soll, ist doch gerade auch das Umfeld, wo sich Freiheiten einnisten können. Schön wäre, wenn Zelter einmal erklärte, was er für seine absolute Freiheit hält, von der er offenbar immer wieder auf Entfremdung zurückrechnet. Phantomschmerzen - und eine Geschichte, die selbst zum Untertan wird.
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untertan: Roman
untertan: Roman von Joachim Zelter
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