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55 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kann schlechtes Gewissen töten?
Andere Rezensenten haben sich auf Schilderung von Handlung und Personen konzentriert. Ich möchte einen Blick auf die eher weichen Faktoren dieses Meisterwerks werfen. Es ist einige Zeit seit der letzten Lektüre eines Murakami vergangen.

Doch mit "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" liegt wieder ein großartiges Buch vor uns...
Vor 11 Monaten von Joerg Kilian veröffentlicht

versus
92 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Machen Sie Urlaub, Herr Murakami !
Ich nehme vorweg, dass ich (noch immer) ein Murakami-Fan bin und jeden in unseren Breiten verfügbaren Roman des Meisters mehrmals gelesen habe. Ich habe Romane wie Hard boiled Wonderland, Kafka am Strand oder Mister Aufziehvogel etc. genossen und bin sehr dankbar für die vielen schönen Stunden, die ich beim Lesen verbringen durfte.
Murakamis neuestes...
Vor 12 Monaten von Lector Tony veröffentlicht


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13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht der Beste aber immer noch etwas Besonderes, 14. Januar 2014
Von 
Frank Henningsen (Hamburg, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Murakamis neuer Roman hat mich nach der Lektüre zunächst ein bißchen zwiespältig zurückgelassen. Klar war es wunderbar sich diesem charakteristischen Sound wieder einmal zu überlassen, der Klarheit und Präzision der Sprache, hinter der immer wieder ungeahnte Tiefen zu schimmern scheinen, zu folgen...

Allerdings kamen mir viele Motive doch recht bekannt vor aus früheren Büchern; tja, macht ja auch nix, das kann man ja novh unter "ein Autor bleibt sich treu" abbuchen. Wichtiger für mich: das Spiel mit magisch-realistischen Elementen (das ich so sehr liebe bei diesem Autor) ist stark zurückgegangen, und über allem liegt eine gewisse (wohl durchaus gewollte) Farblosigkeit -- und im letzten Drittel fand ich das alles fast ein bißchen zäh und langwierig. Auf höchstem Niveau allerdings.

Trotz aller Vorbehalte angesichts der Hauptwerke dieses wundervollen Schriftstellers ist dies Buch dich insgesamt eine wundervolle Gelegenheit, sich einmal wieder Murakamis erzählerischem Sog zu überlassen (ohne wieder und wieder die alten Sachen zu lesen) - aber an die Höhepunkte "Mr. Aufziehvogel", "Kafka am Strand" oder "1Q84" reicht dies dann doch gar nicht heran. Soweit mein Eindruck direkt nach der Lektüre.

Aber dann, mit etwas Abstand, tat sich noch etwas. Ich wurd das Buch nicht los. Es blieben feine Fäden in des Lesers Seele, die auch eine ganze Zeit nach Ende der Lektüre noch nachwirken... so eine Art zartes aber anhaltendes Nachbeben; und so bin ich in der Rückschau weit weniger zwiespältig als ich es während des Lesens und direkt danach war... und was mach ich jetzt? Ich les die alten Sachen alle nochmal...

...ist er das, der Murakami-Effekt?
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5.0 von 5 Sternen wortfindungen, 22. April 2014
es werden mitunter die schwächen anderer autoren aufgezeigt indem sonst "unbeschreibliche gefühle" in worte gefasst werden und es schaffen, tatsächlich den leser zu ergreifen.
die handlung scheint permanent nur ein überwurf zum eigentlichen thema zu sein und kann sich dem leser nur als träger für die eigentliche aussage zu eignen.
ein buch das sehr sehr fesselnd ist durch seine beklemmung und die realistische beschreibung negativer gefühle.
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4.0 von 5 Sternen "Ein großer Roman über Freundschaft und Liebe, Schmerz und Schuld"? Oder eigentlich über ein ganz anderes Thema?, 26. Januar 2014
Von 
Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Wenn man auf das Marketing-Getrommel zu diesem Buch hörte, dann wird man sich bis zur Hälfte des Textes mindestens einmal gefragt haben, was denn an diesem Buch eigentlich so besonders ist. Der Anlauf, den Murakami braucht, um seine Geschichte dahin zu bringen, wo sie seine Leser vielleicht nachdenklich werden lässt, ist erheblich. Doch dann verdichten sich besonders im letzten Drittel des Buches Andeutungen und Lebensläufe zu einem Strang, der auf die eigentliche Frage hinausläuft, um die es hier geht.

Tsukuru Tazaki hält sich für einen farblosen Niemand. Er lebt alleine, hat gelegentlich Sex mit Frauen, merkwürdige Phantasien und leidet unter seiner Einsamkeit und einer schmerzlichen Wunde aus einer lange zurückliegenden Vergangenheit. Er hatte einmal vier enge Freunde in Nagoya, zwei Mädchen und zwei Jungen. Zwischen ihnen herrschte eine wunderbare Harmonie. Doch dann zog es Tsukuru nach Tokio zum Studium, während die anderen in Nagoya blieben. Während seiner Abwesenheit musste irgendetwas passiert sein, denn aus für ihn unerfindlichen Gründen wollten die anderen vier über Nacht nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Die Gründe für dieses abrupte Verhalten erfuhr Tsukuru nicht. Und er unternahm offenbar auch keine hartnäckigen Versuche, um sie zu finden. Vielleicht hatte er nicht den Mut, vielleicht fehlte ihm das nötige Selbstvertrauen, oder sein farbloses Selbstwertgefühl ließ ihn einfach kapitulieren. Und haben wir so etwas nicht auch schon selbst erlebt? Unsere Selbstwahrnehmung filtert unsere Sichtweise auf die Wirklichkeit. Wir sehen daher manche Dinge nicht. Vor allem können wir nicht begreifen, dass andere ein völlig anderes Bild von uns haben als wir selbst und uns aus Gründen, die wir nicht verstehen, mögen oder ablehnen.

Erst als Sara in Tsukurus Leben tritt und ihn auffordert, endlich einmal den Dingen auf den Grund zu gehen, beginnen die von Tsukuru selbst geschaffenen Verdunklungen der Wirklichkeit langsam zu verschwinden. Seine aus Blindheit verlorenen Lebensjahre wird Tsukuru nicht zurückbekommen, aber vielleicht eine neue Chance. Ob er sie nutzen wird, erfährt der Leser nicht, denn dort bricht Murakami die Handlung ab.

Wenn man sich auf dieses Buch einlässt, wird man sich vielleicht am Ende auch fragen, ob man selbst immer versucht hat, den Dingen auf den Grund zu gehen, oder ob nicht eine falsche Selbsteinschätzung den eigenen Blick trübte und man etwas übersah, was das eigene Leben in eine ganz andere Richtung geführt hätte.

Westliche Leser mögen einige Stellen in diesem Buch als etwas merkwürdig oder gar befremdlich empfinden. Insbesondere wenn Murakami über Sex schreibt, liest sich das recht spröde und wenig romantisch. Das ist jedoch der japanischen Kultur geschuldet, die wir sicher nicht immer verstehen.

Nach einem etwas holprigen Beginn hat mich dieser Roman besonders am Ende gefesselt und nachdenklich gemacht. Ich hätte das bis zur Hälfte nicht mehr erwartet.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leer., 6. April 2014
„Alles hat seine Grenzen. Auch das Denken. Man sollte diese Grenzen respektieren, aber sich auch nicht fürchten, sie zu durchbrechen.“

Der Kult-Autor Murakami hat wieder einen Bestseller ausgespuckt. Und leider liest es sich so auch. Im Zentrum des Geschehens steht Tsukuru Tazaki, der rückblickend seine Jugend mit seinen besten Freunden erzählt und tiefe Wunden aufreißt. Doch denen muss er sich nun stellen. Die Farbensymbolik, die bereits beim Umschlagdesign des Buches aufgegriffen wird, zieht sich durch die gesamte Lektüre. Die Story ist vielversprechend, aber leider nicht tiefgehend genug. Der Protagonist bezeichnet sich als farblos, weil sein Name nicht wie die seiner Freunde im Farbspektrum zu finden ist. Die Freundschaft zerbricht eines Tages und wird zum Gegenstand der Lektüre. Wäre Tazaki Künstler und kein Ingenieur, hätte das sogar interessant werden können – im tiefsten Leid Großes erschaffen. Doch dem ist nicht so, Tazaki erklärt jedem genau, welchen Beruf er ausübt und selbst gen Ende bleibt der Leser nicht mit hohlen Vergleichen verschont. Charakter-Klischees werden ebenso bedient, tiefsinnige Gespräche bleiben dabei leider zu selten.

„Freies Denken heißt im Grunde, sich auch von seinem Körper zu trennen. Sein Gefängnis zu verlassen, die Ketten zu sprengen und sich in die reinen Höhen der Logik emporzuschwingen.“

Der Titel von Murakamis neustem Werk klingt vielversprechend, die hochwertige Verarbeitung des Buches vom Dumont-Verlag ebenfalls. Das Buch ist auch sehr flüssig zu lesen, doch trotz philosophischer Gedankenflüge und unterschwelliger Spiritualität bleiben die Dialoge leer. Zuweilen hoffte ich, es läge nur an der Übersetzung, aber im Angesicht der vielversprechenden Idee die Thematik unterzubringen, schleppt sich die Geschichte zunächst dahin, um anschließend in rasender Geschwindigkeit ein Ende zu finden – und sich mit der Vergangenheit in Wohlwollen auszusöhnen. Abgründe werden aufgezeigt und im selben Atemzug wird sich versöhnt. Die Belohnung für all das ist – wie soll es anders sein: eine Frau. Originalität ist anders.
Die Geschichte bietet so viel Potential, doch der Autor verliert sich, es wirkt lieblos. Hoffentlich hat der Nachfolger wieder mehr zu bieten.
Für Murakami-Verehrer sicherlich ein Muss im Bücherschrank, für mich eignet es sich aufgrund der kreativen und hochwertigen Verarbeitung lediglich als dekoratives Schmuckstück – ohne Inhalt.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Typischer Murakami, 13. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Spannende Geschichte eines Außenseiters, der plötzlich, ohne für ihn erkennbaren Grund aus einer 5er-Gemeinschaft ausgeschlossen und daraufhin suizidal wurde. Jahre später begiebt er sich auf den Weg, den Grund dafür zu erkunden und wird böse überrascht...
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Murakami zurück in der Realität, 12. Februar 2014
In Murakamis neuem Roman wird der Leser nach seinen letzten Fantasy-Ausflügen in die nüchterne Realität zurückversetzt. Wem etwa 1Q84 zu fiktiv war, ist mit "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" gut beraten. Alle Murakami-Fans werden es ohnehin verschlingen.

Tsukuru Tazaki zieht als Einziger einer eingeschworenen Clique zum Studium nach Tokio. Er nutzt aber jede Gelegenheit, die alten Freunde in der Provinz zu besuchen und die Freundschaft zu pflegen. Bei einem seiner Besuche ist jedoch plötzlich niemand mehr für ihn erreichbar, schlimmer noch: nach verzweifelten Kontaktversuchen wird ihm schließlich mitgeteilt, die Freunde wollten nichts mehr mit ihm zu tun haben, der Grund dafür bleibt schleierhaft. Tazaki leidet im Stillen und konzentriert sich fortan auf sein Studium und sein eintöniges Leben in Tokio. Bis er sich in eine Frau verliebt und erstmals von der alten Geschichte erzählt. Von der neuen Liebe ermutigt, fasst Tazaki endlich den Mut, den Grund für die Verstoßung durch seine Freunde herauszufinden.

Murakami schafft es, den Leser schnell zu fesseln. Die Story ist spannend erzählt und berührt. Lediglich das Ende hat mich ein wenig enttäuscht, daher ein Stern Abzug. Aber das möchte ich hier nicht vorweg nehmen und ist sicherlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Daher kann ich das Buch dennoch uneingeschränkt empfehlen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Murakami in Bestform, 2. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe fast Alles von Murakami gelesen und genieße jedes neue Werk. Während bei den meisten europäischen und fast allen amerikanischen Autoren die Handlung - wenn auch in letzter Zeit mit sehr vielen, inzwischen fast schon irritierenden Sprüngen - doch linear verläuft schafft es Herr Murakami, jeden Roman als Zyklus anzulegen, nach dessen Umrundung man als Leser die Chance hat, über die Handlung hinaus zu treten und einen geistigen Schritt vorwärts zu machen. Die Pilgerjahre sind nach IQ84 und den Windup-Bird Chronicles mein Lieblingsbuch geworden. Warum an dritter Stelle? Manchmal habe ich mich beim Lesen gefragt, ob der Autor nicht gewisse Stellen aus früheren Werken zwar sehr effektvoll aber doch recycelt hat, es ist eine gewisse Routine spürbar, die aber Murakami-Neueinsteiger kaum bemerken werden.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 1. Buch von Haruki Murakami - 99% toll, das Ende offen, 16. Februar 2014
War für mich das erste Buch von Haruki Murakami - fand den Einband wunderschön und die Inhaltsangabe so gut, dass ich es kaum erwarten konnte, es zu lesen. Hatte es auch dann innerhalb von vier Abenden durch... hmmmm.

Die Geschichte toll, wobei einige Sequenzen mich anscheinend überfordert haben - zumindest kann ich im Rückblick nicht erklären, was diese für die Geschichte bedeuten sollten. Trotzdem konnte ich das Ende kaum abwarten - ABER, was ist das denn? Musste das Ende drei mal lesen und konnte es kaum fassen. Das sollte das Ende der Story sein? Er begibt sich seiner "Freundin" zuliebe auf eine Reise in die Vergangenheit (Pilgerreise ist etwas vermessen) und dann endet das Buch EINEN Abend vor dem Ziel (an dem er seiner Freundin das Ergebnis erzählen konnte)? Und wer ist die Begleitung seiner Freundin gewesen?

Muss ich nicht verstehen...

So hat das Buch leider einen schalen Beigeschmack, da ich das Ende nicht verstehe!
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die alte Formel und doch anders...., 27. Januar 2014
Wie einige Rezensenten bereits nahegelegt haben, gibt es eine Art Murakami-Kosmos mit einigen typischen Handlungsschemata und Charakteren. Wer dieses Buch in die Hand nimmt und bereits einige Bücher dieses Autors gelesen hat, dem öffnet sich die Welt eines guten alten Bekannten. Ich weiß nicht so recht, wie man dies - wie geschehen - als selbsternannter Murakami-Fan bemängeln kann, denn dass Murakami das Rad nicht mehr neu erfindet, kann einen "Fan" m.E. nicht wirklich irritieren / erschüttern. Gleiches gilt dem oftmals hier angesprochenen, offenen Ende. Dies ist doch sozusagen ein Stilmittel von Murakami.

Wer sich als Novize von dem in der Tat grassierenden Murakami-Hype anstecken lassen möchte, dem sei vielleicht wirklich ein anderes Buch des Autors empfohlen. "Kafka am Strand" könnte hier ein guter Hinweis sein. Doch zurück zu diesem Buch.

Die Beschreibung der "Pilgerjahre" ist einerseits eine leichte Variation des Bekannten und Bewährten. Andererseits: Was mir dieses Mal aber im Besonderen auffällt, ist die Weltverbundenheit dieser Geschichte. Die surrealistische Ebene - für die Murakami berühmt ist - findet sich in diesem Werk in nur noch marginaler Ausprägung. Stattdessen könnte diese Geschichte sich so oder so ähnlich tatsächlich an vielen Orten dieser Welt ereignet haben. Man vergleiche dagegen das Setting von IQ84...

Was mich im Besonderen berührt hat, ist die von mir so empfundene, tiefe Niedergeschlagenheit des Protagonisten. Eine verlorene Welt eines verlorenen Menschen... Oder legt das offene Ende doch eine andere Sichtweise nahe? Genau dies ist nun die Aufgabe der Fantasie des Lesers! Viel Freude!!!
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16 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Farbig erzählt, in einer farblosen Welt..., 11. Januar 2014
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Murakami feiert morgen seinen 65. Geburtstag, sein neuer Roman rast mit Lichtgeschwindigkeit auf Platz 1 der amazon-Liste...sein Erfolg ist auch u.a. auch für Kritiker nicht ganz nachvollziehbar. In seinem neuen Roman, scheint er den Nerv den Zeit zu treffen: Er schildert Traumsequenzen, die sich zwischen Realität, Unterbewusstsein, Grenzen und vielleicht deren Übergänge bewegen. Es skizziert den Beginn von Liebesgeschichten, unausgedrückten Liebesbezeugungen, die Frage nach den den wichtigsten Werten durchzieht - wie ein stiller Ton diesen Roman. Der Hang zum Suizid und dem was ihn nährt spielen hier genauso eine wichtige Rolle, wie etwa die Erfahrung von Verlust, der Wert von Freundschaft und sie Sehnsucht nach Liebe. Ein Cocktail, der wohl den Erfolg den er auch in seinem Land feiert, erklären lassen dürfte. Glaubt man den Zahlen in den Medien, hat er alleine in Japan schon 1. Mio. Exemplare verkauft, eine gigantische Zahl. Das Phantastische hat genauso hier ein Schwergewicht, wie die Fähigkeit - Menschen an ihren inneren Abgründen zu beschreiben. Ein Buch das sich zwischen der Polarität von Glück und Unglück bewegt. Menschen bewegen sich an Abgründen, erleben Verluste und sehnen sich nach Liebe, und all das nicht selten verloren in der eigenen Introvertiertheit und dem Alleingelassensein, ein Puls der zweifelsohne die heute Welt kennzeichnet und von Murakami treffender und ausgezeichneter nicht geschildert werden könnte. Nicht zu vergessen, dass Japan meines Wissens immer noch bis dato die höchste Selbstmordrate vorzuweisen hat. Doch keine Angst es geht hier nicht um Selbstmord, sondern u.a. um unsere innere Entsprechung dazu.

Tsukuru Tazaki ist der stille Held in diesem Roman. Beruflich scheint sein Leben zufrieden zu sein, er baut Bahnhöfe und hat ein geregeltes Leben. Doch die Vergangenheit sitzt wie ein tiefer stiller Schmerz in seinem Herzen. Privat ist sein Leben mehr als grau. Wir begegnen dem 36-Jährigen am Anfang des Buches in seiner Todessehnsucht. Grund dafür liefert die nicht ganz durchschaubare Zeit seiner Jugend- und Studienzeit. Eine damalige Clique von 5 Leuten (2 Mädchen / 3 Jungen) inkl. ihm, haben ihn ohne ihn aufzuklären, die Freundschaft aufgekündigt. Das komische daran ist, dass er nie nachgefragt hat. Für mich der einzige Schwachpunkt in dieser Geschichte, aber vielleicht soll das ja ev. die japanische Mentalität vor Augen führen, wer ausgeschlossen wird, fragt nicht nach. Der junge Tsukuru sehnt sich nach einer Freundin, beschreibt erotische Träume, erste Erfahrungen mit S*x bis er Sara kennenlernt, die spürt, dass er etwas Vergangenes nicht verarbeitet hat. Als sie ihn konfrontiert, macht sie eine Aufarbeitung und Klärung jener unaufgedeckten Geschichte zu einer Bedingung um überhaupt eine Beziehung zu führen. Die Sehnsucht nach Liebe konfrontiert ihn also damit, seine Vergangenheit aufzusuchen, und er beginnt seine damaligen Freunde, auf Drängen seiner Freundin aufzusuchen, um Licht in eine unausgedrückte Vergangenheit zu bringen. Was er nicht weiss: Das eines der Mädchen ermordet wurde. Murakami hält den Leser verhältnismässig lange hin, bis irgendwann klar wird, dass offenbar Tsukuru mit jenem Mord etwas zu haben muss, ohne nicht zuviel hier zu verraten.

Das Besondere an diesem Roman ist, dass ein introvertierter jungen Mann, der an inneren Abgründen steht, mit der Liebe zu einer Frau, seine eigene Vergangenheit beginnt aufzuarbeiten. Es braucht keinen grossen Aufwand bis er sich entscheidet, jene ehemaligen Freunde aufzusuchen, die ihm einst viel bedeutet haben, um heraus zu finden, was die Gründe jenes Ausschlusses waren. Somit ist dieses Buch auch ein Buch nach inneren Werten, der Bedeutung von Glück und die Frage danach, in welchem Verhältnis Liebe, Glück und Unglück zugleich bedeuten kann. Murakami versteht es die innere Auslotung seines Protagonisten in einer Weise nachzuzeichnen, die mehr als nachvollziehbar erscheint, nimmt man einmal jene erwähnte Einschränkung vorne weg. Der Wille Vergangenheit aufzuräumen um Liebe in der Gegenwart zu ermöglichen, ist ganz sicher eines der Themen um die es hier geht. Es ist aber auch eine Suche nach der Wahrheit, nach dem was Menschen bewegt Freundschaften zu kündigen, Erlebtes zu verschweigen, stilles Leid für andere unsichtbar zu halten. Mit dem Aufbruch, die damaligen Freunde aufzusuchen, beginnt auch eine Suche nach sich selbst und das Ziel sich selbst zu finden. Alleine schon wie Murakami versteht, Se*ualität zu schildern ist ein literarischer Genuss, den man selten so lesen kann. Und doch wandert dieser Roman, zwischen Tagtraum und Realität, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Farben und Farblosigkeit, zwischen Abgrund und Sehnsucht und Glück und Unglück. Doch die Liebesgeschichten bleiben bei Murakami offen, erreichen nie wirklich eine bis zum Schluss erlebte Ganzheit, nein, vieles lässt er offen, will gar nicht vollenden. Mit Sicherheit trifft Murakami den Nerv unserer Zeit, weil er Menschen beschreiben kann, die zwischen Sehnsucht und Abgrund, ihre eigene Identität suchen und auszuloten beginnen, auch wenn es nicht einfach für sie ist. Das sind Polaritäten, in denen sich meiner Meinung kein Leben entziehen kann, im Gegenteil. Genau hier findet Leben statt, genau hier entscheidet sich, welche Weichen Menschen in ihrem Leben stellen. Es ist der authentische Versuch, dem Leben so etwas wie Glück abzuringen, das vielleicht nie wie hier, ohne Liebe möglich wäre. Auch wenn mich dieses Buch nicht ganz zu 100% überzeugt hat, sei doch eines gesagt: Haruki Murakami ist ein fantastischer Autor. Eine zweideutige Aussage, die wirklich auch so gemeint ist. (Phantasie und Qualität auf höchstem Niveau) In der Gegenwartsliteratur gehört er zweifelsohne zu den Besten, die wir derzeit lesen dürfen. Und: Klar dürfte sein, dass Leser sich auch für frühere Bücher interessieren, weil man Lust bekommt noch mehr von diesem Autor zu lesen, inkl. mir.

Detail: Der klasse gemachte Schutzumschlag ist ein Wirklicher, den man sich öfters so wünschen würde! (Und seinen Namen erstmals richtig verdient.)
Und: Der Autor ist begeisterter Marathonläufer und sagte in Kyoto an Universität im Mai 2013, er möchte noch 85 Marathons laufen…

Empfehlung.

Nachtrag: (12.1.2014)

Das zuletzt neu übersetzte Buch von Murakami: Südlich der Grenze, westlich der Sonne (vom Mai 2013 / aus dem Japanischen übersetzt) das ursprünglich unter dem Titel "Gefährliche Geliebte: Roman" (2000 / aus dem Englischen übersetzt) veröffentlicht wurde, hat mir persönlich jedoch besser gefallen und konnte mich auch vollends überzeugen. Eine Neuübersetzung die für mich wirklich Sinn macht und weniger mit "Geldmacherei" zu tun hat, als damit, dem erstklassig geschriebenen Werk eine neue Frische zu verleihen, die sich auch im Lesegenuss bemerkbar machen dürfte. Neuübersetzungen sind vielleicht nicht immer besser, diese jedoch (vom Original und nicht vom Englisch übersetzt) ist wirklich gelungen. Viele Buchhandlungen haben heute beide Ausgaben, so dass man getrost sich beide Exemplare in eine ruhige Ecke nehmen kann, um Textpassagen zu vergleichen…Was man natürlich getrost auch mit 2 kostenlosen Leseproben einer Kindle -oder sonstigen ebook-Version machen kann…(Beide Versionen sind als ebook verfügbar)
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