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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine Sensation, aber äußerst lesenswert!
Längst war bekannt, dass Max Frisch (1911-1991) während seiner Berliner Jahre ein tagebuchartiges Journal geführt hatte. Als 2011 die zwanzigjährige Sperrfrist für seinen Nachlass ablief, stellte es also keine allzu große Überraschung dar. Nun liegt also eine Auswahl aus dem „Berliner Journal“ im Suhrkamp Verlag vor. Dabei...
Vor 8 Monaten von Manfred Orlick veröffentlicht

versus
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tagebuch 1973/74
Das Berliner Journal ist legendär, 20 Jahre Sperrfrist, und jetzt? Leider muss ich sagen, ich habe doch einiges mehr erwartet. Im Vergleich zum Tagebuch 1966-1971 fällt der Text doch ab und ist schliesslich vor allem für Germanisten und Hardcore-Fans interessant. Max Frischs Selbstzweifel, Schilderung von Schriftstellerkollegen und Beschreibungen vom...
Vor 6 Monaten von zueribueb veröffentlicht


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine Sensation, aber äußerst lesenswert!, 11. Februar 2014
Von 
Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Aus dem Berliner Journal (Gebundene Ausgabe)
Längst war bekannt, dass Max Frisch (1911-1991) während seiner Berliner Jahre ein tagebuchartiges Journal geführt hatte. Als 2011 die zwanzigjährige Sperrfrist für seinen Nachlass ablief, stellte es also keine allzu große Überraschung dar. Nun liegt also eine Auswahl aus dem „Berliner Journal“ im Suhrkamp Verlag vor. Dabei konzentrierte man sich auf Passagen von allgemeinen literarischem Interesse, während private Notizen aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen weggelassen wurden. An Uwe Johnson, der eine Fotokopie von Teilen des Journals aufbewahrte, schrieb Frisch später: „Ich weiß nicht mehr, was darin steht, viel Krudes, viel Selbstgerechtigkeiten“.

Max Frisch war im Februar 1973 mit seiner Frau Marianne von Zürich nach Berlin gezogen, weil es ihn in der Schweiz einfach zu eng wurde und er einen künstlerischen Neuanfang suchte. Vom ersten Tag an machte er persönliche Notizen (vom Warten auf die Handwerker bis zum Einkauf auf dem Wochenmarkt). Dazwischen Anmerkungen über Treffs mit Schriftstellerkollegen ( Günter Grass, Uwe Johnson u.a.) oder erste Eindrücke, die die Stadt auf ihn macht: „Berlin ohne eine einzige Zeitung von Rang.“ Kritisch setzt er sich mit den Ansichten anderer Schriftsteller (Alfred Andersch) auseinander oder vermerkt seine tägliche Lektüre (z.B. Christa Wolf). Häufig trifft er sich auch mit ostdeutschen Schriftstellerkollegen (Wolf, Biermann, Kunert, Becker). Dabei hatte Frisch den Vorteil, die geteilte Stadt als Außenstehender ohne jegliche Befangenheit zu sehen.

Doch bereits nach einigen Tagen bemerkt er, dass er „beim Schreiben schon an den öffentlichen Leser denkt“. Trotzdem wird er seinem Journal noch bis 1980 seine Gedanken, Erfahrungen und Erlebnisse anvertrauen. Neben Betrachtungen zur Literatur und Auseinandersetzungen mit dem eigenen Werk finden sich auch ganz private Äußerungen über seine Frau und die Ehe allgemein: „M. wie jeder Partner, der viele Jahre mit einem Partner lebt und fast alle Tage des Jahres, muss oft anhören, was sie schon kennt.“

Die vorliegende Suhrkamp-Auswahl endet im März 1974, als Frisch zu einer Lesereise in die USA aufbrach. Dies war ein tiefer Schnitt in seiner Biographie, denn hier traf er die 32 Jahre jüngere Amerikanerin Alice Locke-Carey und diese Beziehung verarbeitete er noch im Herbst 1974 in seiner berühmten Novelle “Montauk“.

Eine Sensation ist das „Berliner Journal“ sicher nicht. Wer große philosophische Überlegungen sucht, blättert vergeblich. Die oft selbstkritischen Notizen legen vielmehr den Menschen Max Frisch frei und sind daher äußerst lesenswert - und das nicht nur für Frisch-Fans.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literarische Selbstbefragung als Gesellschaftskritik, 22. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Aus dem Berliner Journal (Gebundene Ausgabe)
Über die nicht unproblematische Herausgebersituation und Textauswahl kann man sicher lange streiten, aber lässt man dieses (mit einem sehr genauen Kommentarteil ausgestattete) Journal, wie es nun einmal vorliegt, auf sich wirken, so fällt Folgendes auf: eine ungeheure Ehrlichkeit in der Selbstbefragung, gerade, was die Rolle des Schriftstellers angeht. Der Erfolg seiner Bücher ist Frisch nicht geheuer; er gesteht sich offen ein, dass erst die damit verbundene finanzielle Unabhängigkeit ihn die Lage versetzt hat, die Gesellschaft, in der er lebt, mit kritischer Distanz zu betrachten.
Als er 1974 mit seiner Ehefrau aus dem ihm zu behaglich vertraut gewordenen Zürich nach Berlin zieht, interessieren ihn vor allem die Verhältnisse im Osten, die er luzide, aber ohne die übliche Selbstgerechtigkeit des Westens entlarvt, als "Bürokratismus mit sozialistischer Phraseologie", ohne jede Mitbestimmung von der Basis.
Lesenswert, oft unter die Haut gehend sind die Portraits der Kollegen: die Geltungssucht des "Staatsschriftstellers" Günter Grass, der ohne wöchtenliche politische "Hirtenbriefe" nicht leben kann, der Aktualität nur erträgt, wenn er selbst drin vorkommt, die Sensibilität Uwe Johnsons (den Frisch siezt, gerade weil sie einander so sehr verbunden sind), die Gereiztheit von Alfred Andersch. Für einen Moment stellt sich der Tagebuchautor Biermann, den er schätzt, im Westen vor, und es erscheint gerade zu hellsichtig der Pausenclown von heute, ohne dass seine damaligen Verdienste geschmälert würden. Doch zugleich lässt Frisch diese Kollegen mit all ihren Schwächen gelten, sieht sich selber als im menschlichem Umgang oft tölpelhaft, ungeschickt an. Seine Bewunderung für den jungen Handke ("Wunschloses Unglück") verlieh er ja schon in dem parallel zu diesem Journal entstanden Roman "Montauk" Ausdruck. Wie unbestechlich sein literarisches Urteil war, zeigen auch seine Einträge zu dem damals im Feuilleton maßlos überschätzten "neuen Leiden des jungen W" von Plenzdorf.
Zwischendrin immer wieder fiktionale Textinseln - etwa die atemberaubende Vision von Zürich als einem zweiten Berlin, durch eine Mauer geteilt. Auch die Reflexionen übers Altern sind tiefgehend, ohne Larmoyanz, wenn er etwa konstatiert, dass seine Sprache unsinnlicher werde, die Wörte "keinen Hall mehr haben" oder er seinen Kampf gegen den Hang zum Alkohol schildert.
Man liest dieses "Berliner Journal" - der Titel ist eine Verbeugung vor Brechts "Arbeitsjournal" - und fragt sich,
ob es einen solchen Typus von Schriftsteller, der dezidiert politsch denkt und analysiert, aber ohne Allwissenheitsattitüde, der öffentlich agiert, ohne um Aufmerksamkeit zu betteln, und der dann folgerichtig auch tiefsinnig, mit eigenem Ton, aber immer verständlich und genau schreibt, überhaupt noch gibt?
So allezu viele Kandidaten fallen mir da leider nicht ein.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus dem Nachlass, typisch Frisch, 1. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Aus dem Berliner Journal (Gebundene Ausgabe)
Max Frischs "Berliner Journal" steht in der Tradition seiner beiden vorherigen Tagebücher. Nach 20 Jahren Sperrfrist, Frisch sprach davon, dass die Hefte erst einmal in den deep freezer gehören, liegen die Auszüge aus den ersten beiden Heften (1973/74) nun vor. Die Eintragungen beginnen mit der Übernahme der neuen Wohnung und enden unmittelbar vor der Reise nach New York, die später in Montauk ihren literarischen Ausdruck finden wird. Die Hefte 3 bis 5 aus dem Archiv behandeln fast ausschließlich Frischs Privatleben (Ehe) und sind deutlich weniger ausgearbeitet als die ersten beiden Hefte.

Das vorliegende "Berliner Journal" enthält Beiträge über Fischs Leben in Berlin, in sich geschlossene fiktionale, meist kurze Texte, Gedanken & Beschreibungen zur DDR sowie zahlreiche Porträts über diverse Literaten (u.a. Uwe Johnson, Günter Grass, Jurek Becker, Wolf Biermann). Dass dabei allzu private Texte aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen ausgespart worden, empfinde ich im facebook-Zeitalter als wohltuend. Frischs Porträt von Johnson bspw. oder seine Beschreibungen einiger DDR-Literaten interessieren mich mehr als der Blick durchs Schlüsselloch und Krisentexte über das Scheitern der Ehe mit Marianne Frisch. Ich halte nichts vom öffentlich-gläsernen Menschen, ich bin gerne ein Privatmensch. Im "Stiller", "Mein Name sei Gantenbein" oder "Blaubart" finden sich genug Ansichten über die Problematik zwischen Mann und Frau.

Auffallend ist, dass Frisch kaum über seine Eindrücke vom West-Berliner Leben schreibt, aber um so neugieriger und ausführlicher Ost-Berlin betrachtet. Frischs Blick auf drüben ist klar, zuhörend und interessiert. Dabei teilt Frisch nicht den damals bei der westeuropäischen Linken populären naiv romantischen Standpunkt zum real existierenden Sozialismus. Auch hier ist er, wie bei den Porträts, um eine vielschichtige Zeichnung bemüht. Aus den Alltagsschilderungen und Gesprächsanalysen gewinnt Frisch grundlegende Einsichten. In diesem Zusammenhang typisch Max Frisch ist z.B. seine pointierte fiktionale Beschreibung der geteilten Stadt Zürich. Ein anderer dichter Text nimmt die grandiose letzte Erzählung "Blaubart" (1982) vorweg. Im Berliner Journal berichtet Frisch auch über die lange missglückten Arbeiten an der Erzählung "Regen", bzw. "Klima". Diese mündeten letztendlich in die 1979 veröffentlichte wunderbare und meisterlich knappe Erzählung "Der Mensch erscheint im Holozän".

Die Lektüre des "Berliner Journals" macht Lust auf Frischs Sprache, seine hervorragenden, angenehmen und berührenden Schilderungen und Analysen. Ein Autor, dem die Zeit nicht geschadet hat, ein Werk (und Gesantwerk), das zum Lesen einlädt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie eine Reise mit der Zeitmaschine, 10. April 2014
Von 
Gerhard Mersmann "GM" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus dem Berliner Journal (Gebundene Ausgabe)
Der Wert von Tagebüchern bezieht sich in seltenen Fällen auf literarische Güte. Zumal bei Schriftstellern stellte man sich ansonsten nicht umsonst die Frage, warum zur Klärung der sprachlichen und kompositorischen Qualität nicht das zu nehmen wäre, was von den Autoren selbst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Das Interesse an Tagebüchern ist vor allem aus der historischen Perspektive heraus dennoch nicht zu unterschätzen. Tagebücher geben Einlass in die Tagesroutinen, die ganz profanen Ängste, Sorgen, Quälereien oder Ausschweifungen. Daraus kann ein Bild entstehen, das das abgestimmte oder von den Feuilletons erschaffene relativieren. Und in besonders seltenen Fällen bekommt die Nachwelt noch Informationen, die nicht unbedingt das Bild der Person oder des Werkes präziseren, sondern Einblick geben in das, was man die Lebensbedingungen des Zeitalters zu nennen pflegt, zu denen auch die politischen Umstände der Existenz zählen.

Nun, lange nach seinem Tod, erscheint ein Band mit dem Titel Aus dem Berliner Journal. Es bezieht sich tatsächlich auf die täglichen Notizen Max Frischs während seiner Berliner Jahre, die 1973 in einer Wohnung in Friedenau begannen und den Rest des Jahrzehntes andauern sollten. Da das Journal vieles enthielt, was Personen des Zeitgeschehens betraf, war Max Frisch weise genug, die Publikation mit einer 20jährigen Sperrfrist zu belegen. Und die Max Frisch Stiftung, die nun letztlich darüber entschied, was aus den Journalen veröffentlicht werden sollte, war klug genug, das Private und die Beziehung Frischs zu seiner damaligen Frau nicht für die Publikation frei zu geben. In Zeiten, in denen der Voyeurismus zum Massenphänomen geworden ist, haben Charaktere wie Max Frisch und Marianne Oellers auch postum ein Recht auf Schutz.

Neben den nicht untypischen Krisen eines Schriftstellerlebens hinsichtlich akuter Schreibblockaden, Alterungshysterien und Alkoholübertreibungen bietet Aus dem Berliner Journal vor allem Einblicke in Lebensumstände und Studien von Psychogrammen interessanter Literaten jener Zeit. Die Leserinnen und Leser werden Zeugen der Auftritte Uwe Johnsons, sie erhalten Einblicke in die prekäre Existenz Wolf Biermanns in der Chausseestraße, sitzen zusammen mit Christa Wolf am Tisch, wenn sie ihr Verhältnis zur DDR erklärt. Damalige Upcomer wie Jurek Becker sind ebenso mit von der Partie wie Günter Kunert. Max Frisch nutzte das Interesse der DDR, mit literarischen Größen aus dem Ausland Verkehr zu pflegen. Als Etablierter mit einem Schweizer Pass passte er genau in den Fokus der Parteibürokraten. Er ließ sich auf das Werben ein und besuchte Ost-Berlin so oft wie möglich. Und erhielt Einsichten, die bis heute sehr wertvoll sind.

Gerade die Lebens- und Schaffensbedingungen der DDR-Schriftstellerinnen und –Schriftsteller sind vor allem aus heutiger Zeit sehr interessant, weil sie aus der Perspektive eines unabhängigen Geistes geschildert werden, der sich zu keinen Ressentiments verpflichtet sah. Frisch, der immer das Prätentiöse genauso ablehnte wie das gierige Understatement, korrigiert mit seinen Notizen nicht nur das Bild des einen oder anderen Zeitgenossen, sondern er schildert die geteilte Stadt Berlin als einen Status des Irrwitzes, für den beide Seiten teuer mit dem Stigma des Provinziellen bezahlten. Der freie Westen verströmte den gleichen Kleinbürgermief wie die Hauptstadt der DDR.

Aus dem Berliner Journal ist ein wichtiges Dokument. Es ist wie eine Reise mit der Zeitmaschine und gibt Einblicke in das Leben wichtiger Figuren der Zeitgeschichte, es dechiffriert ideologisch beladene Darstellungen von Lebensumständen in Ost und West und es vermittelt eine Ahnung von den Krisen des literarischen Schaffens.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DAS HÖRBUCH: eine perfekte Umsetzung des Textes von Max Frisch, 2. August 2014
Der Schweizer Schauspieler und Dramaturg Franziskus Abgottspon liest sehr zurückhaltend, wohlklingend und auch meditativ die gesamte Buch-Ausgabe von Max Frischs AUS DEM BERLINER JOURNAL. Das "ungekürzt" auf dem CD-Cover bezieht sich auf den Text der Buchausgabe, nicht auf das Berliner Journal von Frisch, das ja erheblich gekürzt wurde, denn nur so wurde eine Veröffentlichung von der Max-Frisch-Stiftung erlaubt. Darüber wurde vor einigen Monaten als das Buch erschien, ausführlich in den Feuilletons der überregionalen Zeitungen diskutiert.

Der Text von Frisch eignet sich hervorragend zum Vorlesen lassen; Frisch, der in West-Berlin wohnte, aber viel über Ost-Berlin und Ostberliner Befindlichkeiten schreibt, notierte hier keinen zusammenhängenden Text. Gedankenblitze, Momentaufnahmen, Emotionen, Einschätzungen, manchmal ein kaltes, höfliches Lästern über andere........ eine eiskalte Höflichkeit --- die durch die ruhige erkennbar Schweizer Stimme von Franziskus Abgottspon noch höflicher wird. Am Inhalt ändert es jedoch nichts.

Viele Kollegen von Frisch kommen vor in diesem Text, den meisten davon begegnet er - ständig - auf Augenhöhe und umgekehrt. Die Texte über Günter Grass rufen gelegentlich ein Schmunzeln hervor ("Schwierigkeit mit Günter Grass, meine Schwierigkeit").
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitdokument aus den 70ern, 22. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus dem Berliner Journal (Kindle Edition)
Faszinierendes Zeitdokument aus den 70er Jahren.
Authentische Berichte Über DDR Autoren wie Kunert, Biermann , Wolf,
Becker .... Nichts ist vergleichbar mit dem lakonischen Erzählton von Max Frisch. Ein Meister der Sprache!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich ist die Sperrfrist abgelaufen, 3. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus dem Berliner Journal (Gebundene Ausgabe)
Lange hat es gedauert bis die FRISCH-Freunde an seine letzten Tagebuch (Journal)-Eintragungen gelangen konnten. Das Warten hat sich zweifellos gelohnt. Seine geschilderten Kontakte und Eindrücke die unter Beobachtung stehende DDR-Literaturszene betreffend vermitteln eine gute Vorstellung von den dortigen Verhältnissen zu Beginn der 1970er Jahre. Die grenzüberschreitenden Verbindungen aus der Perspektive eines neutralen Betrachters machen den besonderen Reiz seiner Schilderungen aus.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen !... und Abend bei Grass. Nieren", 1. Februar 2014
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Aus dem Berliner Journal (Gebundene Ausgabe)
Volker Weidermann, exzellenter Frisch-Biograph, nennt die Aufzeichnungen Max Frischs „Nachrichten aus dem Totenreich“. Und in der Tat. Die Auszüge aus dem „Berliner Journal“ des Schweizer Autors (1911-1991) lesen sich so oder ähnlich. Kommen sie doch jetzt, über 20 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, auf uns. Herausgegeben von Thomas Strässle unter Mitarbeit von Margit Unser.

Nach 20 Jahren! „… dass ich beim Schreiben schon an den öffentlichen Leser denke, gleichviel wann es dazu kommen könnte.“, notierte Max Frisch im „Berliner Journal“. Umso erstaunlicher und auch ein wenig unverständlich ist es, dass der Leser nur „Auszüge“ dieses Tagebuchs zu lesen bekommt. War doch der Stiftungsrat der Max-Frisch-Gesellschaft per letztwillige Verfügung angehalten zu veröffentlichen. Warum also nur die Notate, die Max Frisch in den Jahren 1973 und 1974 (das gesamte „Berliner Journal“ umfasst die Jahre 1973-1980) in Berlin gemacht hat? „Aus persönlich-keitsrechtlichen Gründen kann und soll diese private Chronik nicht veröffentlicht werden…“, so der Herausgeber. Frisch hatte es wohl anders gewollt. Bleibt zu hoffen, dass es sich Stiftungsrat und Herausgeber noch einmal anders überlegen.

Dennoch: eine sehr verdienstvolle Edition, die nicht nur den Berlin-Aufenthalt von Max Frisch „erzählt“. Die Aufzeichnungen – sozusagen als Fortsetzung der Tagebücher von 1946-1949 und 1966-1971 - sind, wenn auch oft nicht durchgearbeitet und nicht in allen Teilen überzeugend, ein bedeutendes literarisches Zeugnis. Sie sind Selbstbeobachtung und Reflexion, enthalten Alltagsnotizen und essayistische Texte. Und: Sie geben einen sehr interessanten Einblick in das literarische Leben im geteilten Berlin dieser Jahre.

Am 6. 2. 1973 notierte Max Frisch „Übernahme der Wohnung (Sarrazin Strasse 8) und Abend bei Grass. Nieren.“ Max Frisch ist mit Frau Marianne in Berlin-Friedenau angekommen, bezieht eine Wohnung in unmittelbarer Nähe von Günter Grass und trifft Kollegen, Freunde und Bekannte. Er ist auf der Suche nach Inspiration, nach neuen Orten und neuen Freundschaften. Und er beginnt – wieder einmal – Tagebuch zu schreiben. Eine für Frisch liebgewordene, ja notwendige Übung – vor allem dann, wenn seine schriftstellerische Tätigkeit stockt. Allerdings weiß er, „…dass ich nicht schreiben, weil ich anderen etwas zu sagen habe.“ Aber – er hat!

Zum Beispiel sehr viel über sich selbst, über seine Alter, über das er sich, was die kommende Jahre anbetrifft, so auslässt: „Das Bewusstsein, dass ich noch drei oder vier Jahre habe, brauchbare Jahre, aber es wird kein Alltagsbewusstsein, daher immer wieder Erschrecken“. Das ist Resignation, auch Angst vor dem Alter, das ist auch der immerwährende Kampf gegen den Alkoholismus. Dabei ist er gerade 61 – und sollte noch fast zwanzig Jahre leben und arbeiten. Erst aber einmal heißt es: „Ich leben jetzt ohne Vorsatz“.

Noch aber lebt er – wenn auch „ohne Vorsatz“? - im geteilten Berlin, das seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Sein Interesse bezieht sich nicht nur auf die geographische Teilung, sondern auch auf die „geteilte Literatur“. Dabei macht Frisch erhebliche Unterschiede aus. Während ihn Westberlin, das ihn langweilt, nahezu kaum interessiert, entwickelt er geradezu ein Faible für Ostberlin. Hier, so glaubt er, wird die Kunst ernster genommen. Und wenn er im Radio die „Sprache der DDR“ hört, ist er „froh“.

In Ostberlin also sucht er Kontakte, führt er Gespräche, trifft er Kollegen. Es kommt zu häufigen Begegnungen mit Wolf Biermann, mit Christa und Gerhard Wolf und mit ost-berliner Verlagsleuten und Kulturfunktionären. Er trifft Jurek Becker und Günter Kunert, Kant und Strittmatter. Und Frischs Wahrnehmung: „Alle sind hier Kommunisten, aber die glaubwürdigen.“ Er zeigt sich, wenn auch nicht ganz unkritisch, fasziniert von der Offenheit der Gespräche und von der Diszipliniertheit. Aber auch von einer „Hackepetergemütlichkeit“ ist an einer Stelle leicht ironisierend die Rede.

Die Porträts, die Max Frisch von Kollegen zeichnet, sind teilweise großartig. Günter Grass ist ihm geschätzter Kollege und Freund, dennoch stören ihn dessen regelmäßigen und allgegenwärtigen Kommentare zur Tagespolitik. Er sieht ihn als großen „Verlautbarer“, „als könne er Aktualität ohne Grass nicht ertragen Wie heilt man ihn?“ Auf Enzenberger wirft er einen ironischen Blick. Anders sein Verhältnis mit Uwe Johnson. Es ist geprägt von großer Achtung, fast von einer Art Zuneigung. Immer wieder kommt er auf ihn sprechen, trifft er sich mit ihm und seiner Frau Elisabeth. Und er notiert: „Es stimmt nicht, dass im Alter keine neuen Freundschaften mehr entstehen.“

Ein Journal aus einer geteilten Stadt und in einem Teil zugleich eine bemerkenswerte literarische Skizze, in der Max Frisch seine Berliner Erfahrungen und Erlebnisse auf seine Heimatstadt Zürich überträgt. Eine Mauer trennt Zürich in Ost- und West-Zürich, in ein armes und ein reiches Zürich, verbunden zwar noch durch Brücken über die Limmat und getrennt durch langsam verrostenden Stacheldraht und einen Todesstreifen. Atmosphärisch dicht und sehr präzise beschreibt er die Führung eines ausländischen Gastes durch das geteilte Zürich.

Ein anderes Szenario bezieht sich auf ein Gerichtsverfahren über einen „seines Wissens völlig“ unschuldigen Mann. Als es am Ende zu dem erwartendeten Freispruch kommt, bleibt der Mann sitzen. „Er kann nur den Kopf schütteln. Der Mann ist sich selbst so unsympathisch geworden, grenzenlos unsympathisch“. Diese Skizze finden sich später in „Blaubart“ wieder.

In beiden Fällen ist Max Frisch wieder ganz der große Schriftsteller. Auch deshalb ist dieses „Berliner Journal“ keinesfalls ein Nebenprodukt eines alternden Autors, sondern wie auch seine früheren Tagebücher ein wichtiger Bestandteil des Werkes von Max Frisch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tagebuch einer Literaturgröße des 20. Jahrhunderts, 15. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Aus dem Berliner Journal (Gebundene Ausgabe)
Im Vorfeld wurde sehr viel Wirbel um dieses Buch gemacht. Nach 20 Jahren Verschluss jetzt erstmals zu kaufen.

Da ich momentan in Berlin bin, hatte mich das Buch und den Menschen Max Frisch sehr interessiert. Seine Zeit während der Teilung Berlins und seine Beschreibungen der damaligen DDR sind sehr authentisch rüber gekommen.

Anregendes wenn auch kurzweiliges Buch!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tagebuch 1973/74, 27. April 2014
Von 
zueribueb (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Aus dem Berliner Journal (Gebundene Ausgabe)
Das Berliner Journal ist legendär, 20 Jahre Sperrfrist, und jetzt? Leider muss ich sagen, ich habe doch einiges mehr erwartet. Im Vergleich zum Tagebuch 1966-1971 fällt der Text doch ab und ist schliesslich vor allem für Germanisten und Hardcore-Fans interessant. Max Frischs Selbstzweifel, Schilderung von Schriftstellerkollegen und Beschreibungen vom DDR-Kulturapparat. Die Höhepunkte fand ich das kritische Portrait von Günter Grass und die Zürich-Berlin-Analogie.
Beim Berliner Journal ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die Edition ein grosses Thema. Nur zwei von insgesamt fünf Heften wurden publiziert. Die restlichen drei seien zu wenig ausgearbeitet, ein Konvolut, und vor allem sprächen persönlichkeitsrechtliche Gründe gegen die Veröffentlichung. Auch im publizierten Text gibt es erhebliche Auslassungen. Da fragt man sich, was da so persönlichkeitsverletztend sein soll. Wenn man die heutigen Anspüche an den Persönlichkeitsschutz auf das Werk von Max Frisch anwenden würde, könnte man das halbe Werk nicht veröffentlichen, wie z.B. Montauk, das in dieser Zeit entstanden ist. So ist zu hoffen, dass in ein paar Jahren das Berliner Journal doch noch umfassender ediert wird. Dann wird man es erst richtig würdigen können.
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