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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Für alle, die sich noch eigene Gedanken machen“, 29. Oktober 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
„Für alle, die sich noch eigene Gedanken machen“ haben die beiden Betreiber des Blogs „NachDenkSeiten“, Albrecht Müller und Wolfgang Lieb, die wichtigsten Beiträge des vergangenen Jahres hier in einem Jahrbuch nachgedruckt. Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwege aus Köln fasste in seinem Vorwort im letzten Jahrbuch den Wert dieses Buches zutreffend zusammen:
„Übersichtlich strukturiert und nach Themenbereichen gebündelt lässt sich eine kritische Chronik der Fehlentwicklungen des vergangenen Jahres in Ruhe nachlesen. Hier wird auch fündig, wer sich nicht auf Suchmaschinen (allein) verlassen und nicht endlos durch Texte scrollen möchte.“

Dieses Jahr hat der Journalist Jakob Augstein ein Vorwort geschrieben, das er mit den Worten schließt:;
„Die Medien der Gegenöffentlichkeit müssen Rückzugsräume für die Vernunft, für die Kritik, für die Neugier bieten. Den NachDenkSeiten gelingt dieses Kunststück.“

Die Informationen und die kritischen Positionen des Buches mögen die Debatte um die Zukunft von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft befruchten.

Ich selbst habe diesen kritischen Blog erst durch dieses Buch kennengelernt und habe ihn danach sofort auf die Liste der Favoriten gesetzt, die ich täglich verfolge.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unverzichtbar. Unerreicht., 29. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
1. Zentral: NSA-Skandal

Als in den 1980ern Geborener, mit dem Internet Aufgewachsener war der NSA-Skandel für mich DAS Thema 2013. Es freut mich daher, dass Lieb und Müller dieses Thema als Kapitel 1 ihres "Kritischen Jahrbuchs" aufgenommen haben.

Die Artikel zu diesem Thema sind aus den Monaten Juni bis August; jüngste Entwicklungen zu den Rechtsverstößen der US-Geheimdienste konnten die Autoren wegen des Redaktionsschlusses nicht mehr berücksichtigen.

Aber gerade die frühen Artikel zum Skandal unterstreichen, wie klar die Autoren diese Bedrohung schon frühzeitig (also vor der hierzulande erst mit Merkels Handy-Überwachung einsetzenden Skandalisierung) erfasst haben; und sie zeugen davon, dass die Autoren von Beginn an zu zutreffenden, man könnte fast sagen: hellsichtigen Bewertungen gekommen sind.

Schon der 1. Artikel (erschienen am 25. Juni 2013) analysiert die "Meinungsmache" der deutschen Medien treffsicher unter dem Titel "Der Bote des Unheils wird geköpft und nicht der Unheilverursacher. Und unsere jämmerlichen Medien machen das mit." Hier zeigt Müller auf, wie sich zahlreiche deutsche Medien zunächst auf den Irrweg begeben haben, den formalen Rechtsbruch Edward Snowdens und seine Flucht durch und in wenig demokratische Staaten in den Mittelpunkt zu rücken (Unvergessen und aus meiner Sicht unverzeilich der Deutschlandfunk: "Bedenken- und gewissenlos: Edward Snowdens bizarre Flucht"), anstatt den eigentlichen Skandal millionenfacher Verletzung u.a. deutscher Bürger in ihren Grundrechten an den Pranger zu stellen.

Müller wirft deutschen Medien i.E. überzeugend eine "kritiklose Übernahme US-amerikanischer Propaganda" vor. Propaganda klingt scharf, trifft es aber: Amerikanische Medien haben schließlich durchaus ein "Snowden-Bashing" betrieben, angetrieben u.a. durch nach Deutungshoheit strebende Politiker, die ein Interesse daran hatten und haben, Snowden in das Zwielicht des Verrätertums zu rücken.

Heute bewerten auch hochwertige amerikanische Medien wie die New York Times die Frage "Held oder Verräter?" eindeutiger in Richtung "Held".

2. Treffend: Die wirtschaftspolitische Analyse

Liest man die weiteren Kapitel, findet man vieles, was einem vergleichbar hellsichtig erscheinen muss. Die Autoren haben gerade auch in ihrer wirtschaftspolitischen Analyse überwiegend Recht behalten.

Zutreffend geißeln sie die sog. Eurorettungspolitik, also die auf Austerität setzende Wirtschaftspolitik einer Anpassung der Löhne und Gehälter und der Lebensstandards eruopäischer Bürger nach unten (herrvorragend etwa der Artikel zu den "Eurorettern" von Jens Berger, S. 145 ff.).

3. Weiterführendes zum Thema "Lügen mit Zahlen"

Hevorheben möchte ich noch das Kapitel 3: "Tricksereien mit Zahlen". Hier werden treffende Beispiele gebracht, wie mit Statistiken und Zahlen im vergangenen Jahr Meinungsmache betrieben wurde, etwa zur angeblich geringen Armutsquote junger Erwachsener, zum Lehrstellenmarkt oder - zentral - zu der mit beachtlichen Argumenten als "Kaffeesatzleserei" enttarnten, nicht endenden wollenden Propaganda zum demographischen Wandel.

Wer die Werke von Prof. Gerd Bosbach, Inhaber des Lehrstuhls für Statistik und Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Fachhochschule Koblenz, zum Thema "Lügen mit Zahlen" schätzt, wird im "Kritischen Jahrbuch" viel neues Anschauungsmaterial entdecken!

4. Zusammengefasste Bewertung

Insgesamt ist das Buch jedem ans Herz zu legen, der das Jahr noch einmal kritisch Revue passieren lassen will; mit dem Ziel natürlich, allgemeine Strukturen politischen Handelns und medialer Aufbereitung zu erkennen.

Auch Leser der NachDenkSeiten sollten sich nach meiner Einschätzung nicht damit begnügen, all das irgendwann im vergangenen Jahr schon einmal online gelesen zu haben. Mir jedenfalls ist es wichtig, die besten Artikel noch einmal in Papierform und vor allem in dieser Zusammenstellung zu Themenkomplexen zu haben!
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