holidaypacklist Hier klicken Jetzt informieren Unterwegs_mit_Kindern Cloud Drive Photos TomTom-Flyout Learn More madamet HI_BOSCH_COOP Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip GC FS16

Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen34
4,4 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 22. März 2014
Das neue Buch von Michael Schmidt-Salomon weckt hohe Erwartungen und diese werden - das sei vorweggenommen - nicht enttäuscht! Nach Aussage des Verfassers beschließt es einen Zyklus von vier Büchern ("Manifest des evolutionären Humanismus", "Jenseits von Gut und Böse", "Keine Macht den Doofen", "Hoffnung Mensch"), die grundlegendes philosophisches und naturwissenschaftliches Wissen zur Welt vermitteln. Der Mensch in all seinen Facetten, in seinem evolutionären Gewordensein, in seinen Beschränkungen und Möglichkeiten, in seiner Bedeutung und Stellung auf der Erde (und im Kosmos) steht dabei im Mittelpunkt aller Überlegungen, die gleichzeitig auch zeigen, wie er - auf Basis von Wissen und Humanismus -, frei von übernatürlichen Annahmen, Orientierung im Dasein und Sinn im Leben finden kann.

"Hoffnung Mensch" ist ein großer Wurf und kann vielleicht als (bisheriges) Opus magnum des Autor bezeichnet werden. Es errichtet - in klarer, pointierter Sprache - ein großes, komplexes Gedankengebäude, das die Fundamente (sowie die geschichtliche Entwicklung) des Wissens um die Welt und des menschlichen Seins und Bewusstseins beschreibt und die den Menschen gegebenen Möglichkeiten aufzeigt, ihre existenziellen Grundprobleme und -bedrohungen zu überwinden, bzw. zu mildern. Den Grundtenor des Buches könnte man mit optimistischem Rationalismus umschreiben; dies zeigt sich schon im Vorwort ("Abschied vom Zynismus"), wo der häufig zu vernehmenden These, der Mensch sei ein fataler Irrläufer der Evolution, entschieden widersprochen wird.

Das Buch gliedert sich in 3 Teile mit 8 Kapiteln und einer Reihe von Unterkapiteln. In Teil 1 ("Die bedrängte Spezies") beschreibt der Autor die "Nöte des Menschseins", die "Erfahrung des Absurden", die "Widrigkeiten des Lebens" und die "Ungerechtigkeit der Welt", wobei auch die Religionen Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam in ihren Kernaussagen und vielfältigen Funktionen Erwähnung finden.

Im Kapitel "Das neue Bild des Menschen" erläutert Michael Schmidt-Salomon neben dem evolutionären Gewordensein des Menschen die Wurzeln seiner Kultur sowie den Aufstieg (Cicero) und Fall des Humanismus (bürgerlicher und sozialistischer Humanismus scheitern an Fehlinterpretationen der Evolution). Die von Julian Huxley aufgezeigte Alternative eines antidualistischen, naturalistischen, weltumspannenden "Evolutionären Humanismus" vermittelt - jenseits von Illusionen - als Weltanschauung Hoffnung.

In Teil 2 ("Die unterschätzte Spezies") beschreibt der Verfasser in mehreren Unterkapiteln die geschichtliche Entwicklung sowie den heutigen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Bereichen Physik, Kosmologie, Chemie, Biologie (Entstehung des Lebens) und Evolution (kosmisch, intergalaktisch, chemisch, biomolekular, biologisch und kulturell).

Das Kapitel "Das erfinderische Tier" handelt von der "Technologie des guten Lebens" (Erfolge in Technik und Medizin), im Kapitel "Das sinnliche Tier" wird aufgezeigt, wie weit die mit sexueller Auslese verknüpften Evolutionsmechanismen den Sinn für das Schöne im Menschen entwickelt und letztendlich zu Ästhetik und Kunst - als emotionelle Sprache und als Möglichkeit, Lebenssinn sinnlich erfahrbar zu gestalten - führten (dass der Verfasser auch Musiker ist, zeigt sich daran, dass der Bedeutung von Musik 20 Seiten gewidmet sind).

Im Kapitel "Das ethische Tier: Der Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit" vermittelt der Autor "Das Wunder der Empathie". Er erläutert, weshalb und wie sehr - mittels Spiegel- und Spindelneuronen - der Mensch zu empathischen Reaktionen fähig ist und wie entscheidend diese das Zusammenleben steuern. Der Mensch ist das empathischste Lebewesen, wobei allerdings Empathie (Nächstenliebe) zur eigenen Gruppe oft mit Ablehnung von fremden Gruppen verknüpft ist, was zu schrecklichen Grausamkeiten führen kann. Ingroup- und Outgroup - Denken sind anthropologische Konstanten, sie können aber - und müssen - kulturell gemäßigt, bzw. überwunden werden (ein geschichtlicher Überblick mit Hinweisen auf Lukrez, Thomas Paine, Olymp de Gouges etc. ergänzt die Ausführungen).

Der Teil 3 des Buches ("Hoffnung Mensch") beinhaltet dessen zentrales Anliegen: In einer Welt des Umbruchs, in einer Welt voll Krisen, Zerstörung und Unsicherheit, Glaube an die Menschheit und Hoffnung für die Zukunft zu vermitteln.
Ausgehend von 10 Problemfeldern (ökologische Zerstörung, ökonomische Fehlentwicklungen, Demokratiedefizite, Korruption und Kriminalität, Kriege, Gruppenideologien, Armut und soziale Ungerechtigkeit, Krankheiten und Seuchen, Bevölkerungswachstum, unzulängliche Bildungssysteme) werden mögliche "Wege aus der Krise" beschrieben und die dazu notwendigen geistigen und ethischen Erfordernisse sowie Verhaltensänderungen aufgezeigt. "Brennende" Geduld - nicht Duldsamkeit, alles beim Alten zu belassen - ist Voraussetzung zur Lösung der großen Weltprobleme. Geduld auch, Rückschläge zu verkraften und immer wieder neu zu beginnen! Besonders wichtig ist die Beseitigung struktureller Defizite, der Autor nennt dazu drei Hauptforderungen: 1. Die Etablierung einer rationalen Wirtschafts- und Finanzpolitik, 2. die Entwicklung intelligenter Technologien, 3. die Entwicklung einer transkulturellen, humanistischen Perspektive für einzelne Individuen und die gesamte Menschheit. Glaube an die Menschheit bildet eine entscheidende Ressource zur Lösung der globalen Probleme, "The Family of Man" als biologisches Faktum sowie als unvollendetes soziales Projekt, als Utopie und als Vision der Menschheit ist das Ziel und bietet Hoffnung.

"Hoffnung Mensch" bedeutet nach Ansicht des Autors, dass die oftmals zu hörende Aussage und die Grundeinstellung, dass rationale Argumente am Lauf der Dinge nichts ändern können, Fehlwahrnehmungen sind. Der Verlauf der kulturellen Evolution des Menschen zeigt, dass sich Dinge (durch Wissenschaft, Technik, Medizin, Kunst, Ethik) sehr wohl positiv verändert haben und weiter verändern werden. Michael Schmidt-Salomon ist überzeugt, dass in den nächsten Jahren die sozialen, ökonomischen und ökologischen Probleme besser gelöst werden können und die "Bedrohung Mensch" sich in "Hoffnung Mensch" verwandeln wird. (Darstellungen verschiedener Einzelaspekte und Perspektiven des Themas "Neuorientierung", Fragen der Bedeutung von Säkularisierung und der Möglichkeiten, Evolutionären Humanismus auch für gläubige Menschen zu weltanschaulicher Heimat werden zu lassen, ergänzen die Ausführungen dieses Kapitels).

Die Frage nach dem "Sinn" (nichts im Universum besitzt "Sinn an sich", Sinn oder Unsinn des Lebens kann jeweils nur subjektiv beantwortet werden, sinnliche Empfindungen und Erfahrungen sind die Voraussetzung dazu) und ein eindrucksvolles persönliches "Glaubensbekenntnis" des Verfassers bilden den Schluss des Buches. In Fortsetzung und Ergänzung zum "Manifest des evolutionären Humanismus" kann es Maßstab und Grundlage für die jeweils eigene Lebensorientierung des Lesers/der Leserin sein. Die mit sehr viel Wissens- und Nachdenkenswertem verbundenen rationalen Argumente für eine optimistische Zukunftssicht sind gut nachvollziehbar. "Eine bessere Welt ist möglich" heißt es im Untertitel; jeder von uns ist aufgerufen, seinen Teil dazu beizutragen (wobei natürlich fraglich ist, ob der Menschheit genügend Zeit für ein Umdenken und Umsteuern bleibt).
22 Kommentare|40 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 50 REZENSENTam 24. September 2015
Längst schon beginnen Menschen hinter die Fassaden fundamentalistischer Religionen zu blicken, um Bezugspunkte zu liefern, die der Menschheit Trost, Hoffnung und Frieden schenkt, ohne an mystifizierte Wesen glauben zu müssen. Dieses Buch liefert eine überzeugende Geschichte der Menschheit, mit allen Problemen, und zeigt eine hoffnungsvolle, humane Entwicklung der Menschheit. Der Mensch muss kein fataler Irrläufer der Evolution bleiben, sondern kann sich aus eigener Kraft aus allen selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien.

Heute sind die letzten Verwirrungen fundamentalistischer Religionen spürbar. Nachdem das Christentum sich über die Aufklärung unter mühsamen Opfern befreien konnte, erleben wir aktuell den schon über dreißigjährigen Krieg der islamischen Welt, sich selbst bloßstellend in den Aktionen des IS Staates. Wir lesen in diesem Buch auf Seite 273: „Der religiöse Fundamentalismus ist nicht nur das Resultat sozialer, politischer sowie ökonomischer Frustration und Ängste, sondern zugleich einer ihrer entscheidenden Ursachen: überall dort nämlich, wo der Fundamentalismus regiert, kommt es zwangsläufig zu wirtschaftlich-kulturellen Stagnation: rückständige Glaubensvorstellungen erzeugen rückständige Gesellschaftssysteme – und umgekehrt.“

Besser kann man die aktuelle Problematik der Menschheit nicht auf den Punkt bringen. Und natürlich, nicht Religionen alleine sind schuld daran, sondern auch die Ausprägungen gewisser negativer Eigenschaften des Menschen wie Gier, Hass, Zwietracht und hemmungsloser Konsum, Ausbeutung der Erde.

Michael Schmidt-Salomon erhielt von Robert Jungk folgenden Rat: „Du brauchst brennende Geduld, wenn du etwas bewegen willst!“ Man spürt diesem Buch diese Einstellung an und kann Seite für Seite erkennen, zustimmen und hoffen, dass die beschriebene Menschlichkeit zustande kommt, vor allem in einer weiten Entfernung von allzu hehren Gottheiten, die Menschen in Kriege und Kummer gestürzt haben.

Das wesentliche Bekenntnis von Michael Schmidt Salomon für mehr Menschlichkeit steht auf der letzten Seite. Es macht deutlich, warum man dieses Buch lesen sollte:

Ich glaube an den Menschen
den Schöpfer der Kunst
und Entdecker unbekannter Welten.

Ich glaube an die Evolution
des Wissens und des Mitgefühls
der Weisheit und des Humors.
Ich glaube den Sieg
der Wahrheit über die Lüge
der Erkenntnis über die Unwissenheit
der Fantasie über die Engstirnigkeit
und des Mitleids über die Gewalt.

Ich verschließe nicht die Augen
von den Schrecken der Vergangenheit
dem Elend der Gegenwart
den Herausforderungen der Zukunft
aber ich glaube
dass wir bessere Wege finden werden
um das Leid zu vermindern
die Freude zu vermehren
und das Leben zu bewahren.

Ich glaube an den Menschen
die Hoffnung der Erde ist
nicht in alle Ewigkeit
doch für JahrMillionen
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Oktober 2014
Als ich den Titel des Buches mit den zwei Wölkchen auf dem Cover das erste Mal las, so muss ich ehrlicherweise gestehen, war ich zunächst äußerst skeptisch und erwartete im Prinzip eine ' im wahrsten Sinne des Wortes naive Gutmenschenschnulze.Doch nach der Lektüre dieses Buches hat sich mein erster Eindruck als völlig fehlgeleitet herausgestellt und mein Urteil um 180 Grad gedreht. 'Hoffnung Mensch' ist das bisher ausgereifteste, am breitesten angelegte und tiefgründigste Werk Schmidt-Salomons. Man bemerkt die Weiterentwicklung und Reifung des Autors sowohl inhaltlich/philosophisch als auch im Bezug auf Duktus und Schreibstil deutlich. Letztere erscheinen insgesamt sehr ausgewogen und ausbalanciert. Man merkt, dass sich Schmidt-Salomon für sein Buch Zeit genommen hat und eine Weile zurückgezogen in einem italienischen Bergdorf in Ruhe daran arbeiten konnte. Was mir am besten an dem Buch gefallen hat, ist das breite Allgemeinwissen, welches man im Kontext jeweils eines übergeordneten Themas peu à peu beim Lesen verabreicht bekommt. Dabei sind die meisten Aussagen mit Fußnoten gut belegt und verweisen auf zahlreiche vertiefende Literatur, was ich persönlich immer sehr wertschätze. Es zeigt auf, dass der Autor aus einem Fundus einer breit gefächerten wissenschaftlichen, historischen und philosophischen Lektüre schöpft.
Schmidt-Salomon erzeugt in seiner Abhandlung einen gewissen Spannungsbogen: zuerst zeigt er auf eindringliche Art und Weise die Absurdität und Ungerechtigkeit des Lebens auf, sowie die Unausweichlichkeit des absoluten Todes ' sowohl des einzelnen Individuums, als auch der gesamten Menschheit als solches, als auch aller Erinnerungen von und an diese. Danach fängt er den Leser aber geschickt am tiefsten Tiefpunkt wieder auf und nimmt ihn sozusagen Stück für Stück wieder nach oben mit und zeigt die vielen positiven Errungenschaften, das Wissen und den Fortschritt der Menschheit in vielen Bereichen auf, die wir im Laufe der Jahrtausende bis zum 21. Jahrhundert erreicht haben. Dabei streift er so vielfältige Bereiche wie die Wissenschaftsgeschichte, hier vor allem die Evolutionsbiologie, Physik, Kosmologie, die Neurowissenschaften und die Philosophie des Geistes, aber auch solche Bereiche wie Erfindungen und Technologien, Medizin, Ethik und Kunst (hier v.a. Musik) werden ausführlich behandelt. Ein besonders großes Augenmerk erhält dabei die Geistesgeschichte des Humanismus, der Menschenrechte und der Philosophie von den Anfängen in der Antike über die Renaissance, die Französische Revolution und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung bis hin zur Gründung der UN im 20. Jahrhundert. All seinen Ausführungen liegt dabei ein naturalistischer, wissenschaftlich fundierter Blick auf den Menschen und seine Welt zugrunde, was bis zu den Überlegungen über eine säkulare, intellektuell redliche Spiritualität reicht. Keineswegs nimmt Schmidt-Salomon dabei einen naiven Fortschrittsautomatismus an, sondern zeigt vielmehr auf, dass Fortschritt sich nicht zwangsläufig einstellt, sondern dass es auch immer wieder zahlreiche Rückschläge in der kulturellen Evolution gab, wie z.B. den Untergang des Römischen Reiches und der antiken Hochkulturen. Mit Rückgriff auf seine eigene Doktorarbeit aus dem Jahr 1999 ('Erkenntnis aus Engagement: Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne') har er stets auch die zahlreichen schwerwiegenden Probleme und Defizite der Menschheit in der Gegenwart dezidiert im Blick: Die ökologische Zerstörung, die Ökonomische Fehlentwicklungen, Demokratiedefizite, Korruption und Kriminalität, Kriegerische Auseinandersetzungen, Gruppenideologien, Armut und soziale Ungerechtigkeit, Krankheiten und Seuchen, Bevölkerungswachstum sowie unzulängliche Bildungssysteme. Für viele dieser Bereiche streift Schmidt-Salomon zumindest einige interessante und vernünftige Lösungsvorschläge, wie die Entwicklung eines rationalen Finanz- und Wirtschaftsystems, das Cradle-to-Cradle-Prinzip, die Entwicklung intelligenter Technologien und vor allem die Entwicklung einer transkulturellen, humanistischen Perspektive, die eine Zurückdrängung des Kulturrelativismus beinhaltet.
Schmidt-Salomon war in den letzten Jahren vor allem wegen seiner dezidiert vorgetragenen Religionskritik bekannt. Diese schimmert in 'Hoffnung Mensch' zwar auch an vielen Ecken und Enden durch, wird von ihm aber nur dezent eingestreut und ist stets im Kontext des gerade behandelten, übergeordneten Themas eingebettet. Ein Leitmotiv im Buch ist die immer wieder auftauchende Kritik am moralischen Dualismus: Die Beschränkung der Empathie und des Altruismus auf die eigene familiäre, soziale, religiöse, nationale, geschlechtliche, biologische oder politische Gruppe, also die Unterscheidung zwischen Individuen, die zur Ingroup gehören, denen man höchst altruistisch begegnet und solchen, die nicht dazu gehören, die also zur Outgroup gehören und im Konfliktfall mit großer Regelmäßigkeit in der Menschheitsgeschichte dehumanisiert und brutal bekämpft wurden und werden. Nicht umsonst waren Nächstenliebe und Fernstenhass stets auf unheilvolle Art und Weise miteinander verknüpft. Schmidt-Salomon führt dies auf unser evolutionäres Erbe zurück, dem wir aber nicht zwangsläufig auf ewig verhaftet sein müssen, sondern, wie er zeigen kann, ethische Fortschritte möglich waren und sind.
Sein Werk ist dabei mit vielen kleinen Weisheiten gespickt, bei denen man denkt: 'wunderbar, genauso ist es, das trifft es genau!' Ein paar geistig geile Beispiele gefällig?
'Dass der Mensch zugleich das empathischste als auch das grausamste Wesen auf diesem Planeten ist, stellt also keinen Widerspruch dar. Im Gegenteil: Empathie und Grausamkeit sind oftmals auf unheilsame Weise miteinander verknüpft. Denn gerade das besondere Mitgefühl gegenüber Mitgliedern der eigenen Gruppe hat immer wieder zu grausamer Gewalt gegenüber Mitgliedern anderer Gruppen geführt. So reichte mitunter die (empathisch geteilte) Beleidigung eines einzelnen Gruppenmitglieds aus, um kollektive Blutfehden zu starten, die über Jahrzehnte hinweg unzählige Opfer forderten. Überblickt man die menschliche Geschichte, fällt hier ein Zusammenhang auf, der bis in die jüngste Vergangenheit hinein zu beobachten war und auf den in Deutschland vor allem der in Gießen lehrende Soziobiologe Eckart Voland hingewiesen hat: 'Je empathischer, kooperativer und altruistischer Gruppen nach innen hin strukturiert sind, desto militanter, feindseliger und grausamer treten sie in der Regel nach außen auf.'
'Nicht der technologische Fortschritt ist das Problem, sondern die Tatsache, dass wir ihm in ethisch-politischer Hinsicht noch immer so weit hinterherhinken. [..] Mit dem Smartphone in der Hand und der Bronzezeit im Kopf kommen wir nicht weiter! Wir brauchen zeitgemäße Ideen, die darauf angelegt sind, sich kontinuierlich weiterentwickeln zu lassen - keine unverrückbaren Dogmen, die gerade deshalb so gerne als 'heilig' und 'unfehlbar' deklariert werden, weil sie keiner kritischen Prüfung standhalten.'
'Im Anschluss an den deutschen Soziologen Max Weber (1864-1920) meinen viele, dass der wissenschaftliche Rationalisierungsprozess die Welt entzaubert habe, doch das ist nur die halbe Wahrheit: Denn bei genauerer Betrachtung hat die Wissenschaft nur den falschen Zauber ' den Glauben an magische Kräfte, an menschenähnliche Götter und Dämonen etc. ' entkräftet. Im Gegenzug jedoch legte sie einen sehr viel tieferen Zauber frei ' nämlich die unendlichen Dimensionen eines Universums, das um ein Vielfaches geheimnisvoller, mystischer ist, als es sich sämtliche Religionsstifter haben vorstellen können.'
'Da sie für die Einhaltung universalistischer Werte (etwa der Allgemeinen Menschenrechte) eintreten, werden Universalistinnen wie Kelek und Ahadi häufig als 'Kulturimperialistinnen', ja sogar als 'Kulturrassistinnen', beschimpft. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass 'der Westen' eigene Wertestandards entwickelt hätte, die man 'fremden Kulturen' nicht aufzwingen dürfe. Jedoch genügt schon ein kurzer Blick in die Geschichte um dieses Argument, das gerade auch in der Auseinandersetzung mit 'dem Islam' bemüht wird, zu entkräften: Vor 1000 Jahren beispielsweise hätte man in Bezug auf die Gewährung grundlegender Rechte wie der Meinungs-, Kunst- und Forschungsfreiheit sehr viel eher von östlichen als von westlichen Werten sprechen müssen. Denn diese Werte waren in muslimisch geprägten Regionen nachweislich sehr viel stärker beheimatet als im christlichen Europa. Es ist eben nicht wahr, dass Humanismus und Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie exklusive Kulturgüter des Westens sind ' sie sind vielmehr elementare Bestandteile eines Weltkulturerbes der Menschheit, an dem Menschen aller Kontinente und aller Zeiten mitgewirkt haben (ich erinnere hier nur an die 2500 Jahre alten Antikriegsschriften des chinesischen Philosophen Mo-Ti).'
Ich will es an dieser Stelle mit Zitaten bewenden lassen, sonst schreibe ich vor Enthusiasmus noch das halbe Buch ab. Das Buch ist wahrlich interdisziplinär und im besten Sinne populärwissenschaftlich angelegt, d.h. allgemeinverständlich geschrieben - aber dennoch seriös und präzise. Es kann eigentlich jedem geschichtlich, philosophisch und wissenschaftlich interessierten Menschen sehr empfohlen werden, auch Leuten, die nichts mit dezidierter Religionskritik zu tun haben. Es hat zumindest mir als chronischen Pessimisten mit plausiblen rationalen Argumenten und empirischen Daten aufgezeigt, dass Fortschritt keine reine Illusion des industrialisierten naiven modernen Westlers ist, sondern dass in der Tat, trotz aller Probleme der Gegenwart, in vielen Bereichen ' und nicht nur in Europa ' so etwas wie Fortschritt beobachtet werden kann, den man jedoch erst wahrnimmt, wenn man die Longue durée, also längere geschichtliche Zeiträume in den Blick nimmt. Der einzige wirkliche schnulzige Wehrmutstropfen findet sich am Ende des Buches in Form eines persönlichen Credos an die Menschheit in Gestalt eines Gedichtes. Aber über diese aus geschmacklich/ästhetischer Sicht durchaus diskutierbaren Abschlussferse kann man getrost hinwegblicken (ich meine: so schlimm sind sie jetzt nun auch wieder nicht), betrachtet man den natur- und kulturwissenschaftlichen Tiefgang, die breitgefächerte Allgemeinbildung, die Liebe zu einigen schönen Details (Musik) und die philosophischen Bonmots, welche Schmidt-Salomon in 'Hoffnung Mensch' auszubreiten vermag.
0Kommentar|14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
"Denn so seltsam es auch klingen mag: Von seiner Veranlagung her ist der Mensch das mitfühlendste, klügste, phantasiebegabteste, humorvollste Tier auf dem gesamten Planeten." (8)

Gegen die Ungerechtigkeit der Welt manifestierte sich im Laufe der Menschheitsgeschichte die Religion. Kern aller Religionen ist der Glaube an ein (gerechtes) Jenseits. Michael Schmidt-Salomon, bekannt dafür, den Menschen (supranaturalistische) Illusionen zu rauben, legt mit "Hoffnung Mensch" ein Werk vor, welches auf dem evolutionären Humanismus gründet und unabhängig von jeglichen Gottesbildern von dem Glauben getragen wird, dass sich die Menschheit positiv weiterentwickeln wird.

Auf acht Kapitel verteilt schlägt Schmidt-Salomon einen weiten Bogen durch die Menschheitsgeschichte und analysiert die Rolle und die Entwicklung des Menschen aus verschiedenen Perspektiven. Dabei glänzt er mit einem fundierten Wissen über naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Zusammenhänge, die in dieser komprimierten und auch anschaulichen Form auf dem Büchermarkt ihresgleichen suchen.

"Während traditionelle Weltanschauungen nur solche empirischen Befunde gelten ließen, die den jeweiligen Vorstellungen entsprachen, lässt der evolutionäre Humanismus nur solche Vorstellungen gelten, die empirischen Befunden entsprechen." (94) Nach traditionellen Vorstellungen handelt es sich bei empirischer Forschung und religiöser Weltanschauung um zwei getrennte Gebiete. Der evolutionäre Humanismus setzt dagegen auf die Einheit des Wissens.

Ob Mendel sorgfältig gearbeitet hat, wie der Autor schreibt (131), oder im Sinne seiner eigenen Theorie gemogelt hat, dürfte hier unerheblich sein. Die Ausführungen zu emergenten Phänomenen sind lesenswert, auch wenn Schmidt-Salomon - wie andere Autoren auch - nur den Rahmen abstecken kann, innerhalb dessen Bewusstsein erklärt werden muss. Was Bewusstsein im eigentlichen Sinne ist, liegt außerhalb unserer Erkenntnisfähigkeit.

Spannend wird es, wenn Schmidt-Salomon menschliche Eigenschaften bei Schimpansen und Bonobos beschreibt, einen Zusammenhang zwischen Schönheit und sexueller Auslese herstellt und die Entwicklung der Empathie und der Ethik aus dem Blickwinkel der Evolution erläutert. Dummerweise sind Empathie und Grausamkeit unheilvoll miteinander verknüpft. Dennoch sind in der kulturellen Entwicklung positive Akzente zu finden bis hin zur Forderung nach Grundrechten für Menschenaffen.

In seinem Resümee in den Kapiteln 7 und 8 beschreibt Schmidt-Salomon Krisen der Menschheit und Wege zu deren Beseitigung. Entgegen Huntingtons pessimistischem Ansatz in "Kampf der Kulturen" definiert Schmidt-Salomon personale Identitäten nicht nur über Rasse und Religion, sondern über eine Vielzahl von Kriterien, die erstgenannte Kriterien in den Hintergrund treten lassen. Auf diese Weise erhöhen sich die Gemeinsamkeiten unabhängig von Rasse und Religion. Zudem sind kulturelle Traditionen inhomogen und wandlungsfähig.

Ob es im Lager der religiös denkenden Menschen eine "bedeutsame Kurskorrektur" gegeben hat, vermag ich zu bezweifeln und auch die "humanistische Weltperspektive" erscheint mir im Hinblick auf die derzeitige reale Situation auf der Erde noch in weiter Ferne. (303) Vielleicht muss der zeitliche Rahmen erweitert werden, um zu solchen Ergebnissen zu gelangen. Der Sinn des Lebens ist subjektiv, ob es daneben noch einen objektiven Sinn gibt, kann niemand beantworten.

Schmidt-Salomon vermittelt Hoffnung in einem Maße, wie es der Rahmen des evolutionären Humanismus zulässt. Religionen mit einer jenseitigen Hoffnung werden dadurch nicht außer Kraft gesetzt. Sie werden infrage gestellt, aber in einer Welt voller Ungerechtigkeiten auf unbestimmte Zeit als Glaubensmodelle bestehen bleiben. In der Summe handelt es sich um ein aufklärendes und im Kern positives Buch.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Keine Kampfschrift diesmal, keine Abrechnung mit den Religionen dieser Welt, sondern eine vor Optimismus nur so strotzende Darstellung des status quo der Spezie Mensch, durchdrungen von der Hoffnung, dass wir nicht, wie die Lektüre einer beliebigen Tageszeitung eigentlich nahelegen würde, den Lebensraum Erde eher kurz- als langfristig gegen die Wand fahren, sondern dass wir sowohl Willen als auch die Fähigkeit besitzen, unseren Planeten in den kommenden Generationen zu einem friedlicheren und lebenswerteren Ort gestalten zu können.

Dabei gesteht Michael Schmidt-Salomon schon zu, dass ein oberflächlicher Blick auf das aktuelle Weltgeschehen eher zum Heulen als zur Proklamierung großspuriger humanistischer Thesen animiert: "Man müsste ja schon mit einem erstaunlichen Maß an Ignoranz oder Gleichmut ausgestattet sein, um angesichts der Nöte der menschlichen Existenz nicht hin und wieder am Leben zu verzagen" (26). Natürlich kann sich Deutschlands Chef-Atheist an dieser Stelle den Hinweis auf die bis heute weltweit am häufigsten anzutreffende Bewältigungsstrategie dieses Elends nicht verkneifen – Religion: "Sämtliche Medikament, die auf dem religiösen Markt zu finden sind, beruhen auf dem gleichen Wirkungsmechanismus: der Bereitstellung eines überindividuellen Sinnangebots zur Blockade individueller Existenzzweifel" (38). Schmidt-Salomon lehnt diesen auf dem Prinzip der Intoleranz basierenden Sinnstifter jedoch strikt ab; ein Zyniker, wer bei den unsäglichen Kollateralschäden der monotheistischen Bestseller im esoterischen Supermarktangebot noch an die klienteloptimierten Glückseligkeitsversprechen der abrahamitischen Religionen denken mag. Vielmehr weist Schmidt-Salomon darauf hin, dass allen Menschen eines gemein sei, welches uns alle verbinde und was ausreichen sollte, um so etwas wie ein globales Sinnangebot zu schaffen: "Denn für uns hat das Leben stets Bedeutung - und zwar aus einem einfachen biologischen Grund: Weil wir die Differenz zwischen Wohl und Wehe kennen. Ohne sinnliche Empfindungen gäbe es keinen Sinn, unser Dasein wäre völlig bedeutungslos" (326).

Ja, es wäre doch so schön...Eine globale Versammlung aller Menschen verständigt sich darauf, Folter, Kriege, Terror und Armut abzuschaffen, da alle Menschen qua Geburt in der Lage sind, Schmerzen zu empfinden und man genau dieses im Namen einer global community für alle Ewigkeit ausschließen möchte. Dem naiven Leser stellen sich da sogleich einige Fragen: Ist Fortschritt, so wie wir ihn definieren, ohne Konflikte, ohne Kriege, überhaupt denkbar? Wird es nicht immer Gruppen oder machtbewusste Individuen geben, die diesen globalen Kompromiss aufkündigen, um für sich und ihre Entourage das Maximum an Ressourcen in Besitz zu nehmen? Hat sich der Mensch, seines Zeichens Jäger, Sammler und Fleischfresser, nicht auch in einem evolutionären Prozess zu einer kriegerischen Spezies entwickelt? Sollte es nicht besser das Ziel sein, körperliche und materielle Sicherheit für möglichst viele zu erreichen, als der Utopie eines globalen Friedens hinterherzujagen? "Hoffnung Mensch" ist durchdrungen von dem (natürlich sympathischen) Impetus, dass Krieg, Leid und Verteilungskämpfe unsäglich dumm sind und dass der Mensch zu soviel mehr in der Lage ist. Und doch verhindert solch eine Utopie nicht den Tod auch nur eines einzig unschuldigen Menschen auf diesem Planeten. Dies kann nur geschehen durch eine Politik der kleinen Schritte, wenn es sein muss auch mit dem Mittel der Gewalt als ultima ratio.
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. März 2014
Um gleich Position zu beziehen: ich bin Mitglied der atheistischen Giordano Bruno-Stiftung, deren Vorstandssprecher Schmidt-Salomon ist.

Ich unterstütze damit den schwierigen Versuch der Giordano Bruno-Stiftung, den Atheisten in der Öffentlichkeit eine Stimme zu geben.

Es könnte aber sein, daß das neueste Buch von Schmidt-Salomon der atheistischen Sache nicht unbedingt dienlich ist.

Schmidt-Salomon möchte zeigen, daß die offenkundige Absurdität des menschlichen Daseins in Kenntnis der Kosmologie und Evolutionstheorie (vor dem Hintergrund der Entzauberung der Welt im allgemeinen und der Kränkung des Menschen durch neueste Erkenntisse zur sehr engen Verwandschaft mit den Menschenaffen) nicht zwingend zu intellektuell unredlichen Versuchen, sich mit Religion zu trösten, führen muß, sondern daß der vor allem in der angelsächsichen Welt konzipierte evolutionäre Humanismus (Julian Huxley), der das neue Wissen der Naturwissenschaften weiterverarbeiten" und zu fruchtbringenden Begriffen und Prinzipien zusammenfassen möchte, eine dem aufgeklärtem Denken angemessene Alternative sein könnte. Zwar stünde im Zentrum des evolutionären Humanismus ebenfalls ein Glaube, nämlich der Glaube an die Entwicklungsfähigkeit des Menschen hin zu lebensfreundlicheren und gerechteren Verhältnissen, dies sei jedoch der einzig akzeptable Weg für aufgeklärte Zeitgenossen, um nicht in Zynismus oder Depression zu versinken.

Aus meiner Sicht dürfte dieser Glaube aber kaum ausreichen, um die menschliche Suche nach Sinn" zu befriedigen. Dies scheint mir ein wesentlicher Grund dafür zu sein, daß der evolutionäre Humanismus auch 60 Jahre nach Julian Huxley's Aktivitäten in der UNESCO weltweit so wenig Anhänger hat.

Um seine Argumente für Eine bessere Welt ist möglich" zu entwickeln, behandelt Schmidt-Salomon zahlreiche Themen aus Philosophie, Religionsgeschichte, Evolution, Ästhetik, Ethik, Geschichte und aktueller internationaler Politik, erzählt Anekdoten, illustriert seine Thesen durch Fakten und zitiert Aphorismen bedeutender zeitgenössischer und historischer Persönlichkeiten. Die klare Darstellung der Philosophiegeschichte und der philosophischen Hintergründe des Atheismus weist Schmidt-Salomon als gelernten Philosophen aus.

Etwas fragwürdiger wird die Argumentation, wenn Schmidt-Salomon darwinistische Positionen in Anlehnung an den faszinierenden Evolutionsbiologen Richard Dawkins vertritt. Hier erreicht seine Argumentation bei weitem nicht die Stringenz der Argumentation seines englischen Vorbilds. Während Dawkins mit gekonnter britischer Ironie Thesen konservativer anglikanischer Theologen zerpflückt, tritt Schmidt-Salomon mit einer besserwisserischen Attitüde auf (siehe auch sein kürzlich erschienenes Pamphlet: Keine Macht den Doofen), die die Mehrheit in Deutschland als nicht angemessen empfinden dürfte und die dem theologischen Niveau der modernen protestantischen Theologie in Deutschland auch nicht ganz gerecht wird.

Fast peinlich ist seine oberflächliche Aufzählung der Gegenwartsprobleme, wie sie in jüngster Zeit in politischen Kommentaren und Feuilletons erregt diskutiert werden (Erderwärmung, Bankenkrise, Islamismus und vieles andere mehr), die nach Schmidt-Salomon der neue Mensch, der evolutionäre Humanist, schließlich einer Lösung näher bringen könnte.

Dem potentiellen Käufer des Buchs möchte ich empfehlen, vor dem Kauf das Credo des evolutionären Humanismus von Erich Fromm zu lesen, dem Schmidt-Salomon begeistert zustimmt (das Credo wird auch im Buch zitiert). Findet er das Credo gut, wird er auch vom Buch begeistert sein. Findet er hingegen das Credo eher peinlich, würde ich von einer Lektüre abraten, weil der oberflächliche Eklektizismus Schmidt-Salomons Skeptiker kaum überzeugen wird.

Zitat "Credo":

Ich glaube an den Menschen
Den Schöpfer der Kunst
Und Entdecker unbekannter Welten.

Ich glaube an die Evolution
Des Wissens und des Mitgefühls
Der Weisheit und des Humors.
Ich glaube an den Sieg
Der Wahrheit über die Lüge
Der Erkenntnis über die Unwissenheit
Der Phantasie über die Engstirnigkeit
Und des Mitleids über die Gewalt.

Ich verschließe nicht die Augen
Vor den Schrecken der Vergangenheit
Dem Elend der Gegenwart
Den Herausforderungen der Zukunft
Aber ich glaube
Dass wir bessere Wege finden werden
Um das Leid zu vermindern
Die Freude zu vermehren
Und das Leben zu bewahren.

Ich glaube an den Menschen
Der die Hoffnung der Erde ist
Nicht in alle Ewigkeit
Doch für Jahrmillionen.

(AMEN - im Sinne von SO SOLL ES SEIN)
99 Kommentare|32 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. März 2014
Wer die Bücher von Michael Schmidt-Salomon kennt, weiß, dass er gerne Klartext redet und auch der Polemik nicht abgeneigt ist. „Hoffnung Mensch“ schlägt definitiv neue Töne an.

„Es ist so leicht, Zyniker zu sein"

Der Fokus liegt nicht mehr primär auf den Defiziten der religiösen Weltsicht, sondern auf den positiven Antworten, die Humanisten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens geben können. Auf Seite 51 steht eine wichtige Kernaussage:

»Denn nur die allerwenigsten Menschen werden trostlose Wahrheiten an die Stelle hoffnungsvoller Illusionen setzen wollen.«

Das würde ich gerne vielen Aktivisten aus dem säkularen Umfeld ins Stammbuch schreiben. In Anlehnung an den Film „The Matrix“ („Du hast dich für die Rote Pille entschieden, somit werde ich Dir nun versuchen zu erklären was genau die Matrix ist … Ich habe nicht gesagt, dass es schön wird, ich hab nur gesagt, dass es die Wahrheit ist“) erwarten viele Atheisten von den Menschen, dass sie sich, ohne zu zögern, für die rote Pille entscheiden. Etwas mehr als nur den simplen Verweis auf die „Wahrheit“ müssen wir den Menschen aber schon bieten, damit sie sich von den „hoffnungsvollen Illusionen“ der Religionen verabschieden können. Eben das ist die große Stärke von „Hoffnung Mensch“.

Im ersten Kapitel werden die empörenden Rahmenbedingungen und die vielfach empfundene Absurdität der menschlichen Existenz schonungslos vorgeführt. Sehr gut gelungen finde ich in diesem Kapitel die übersichtliche Darstellung der „hoffnungsvollen Illusionen“, die Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam den Menschen anbieten.

Kapitel 2 skizziert anschaulich die kulturelle Entwicklung des Menschen vom “nackten Affen” zum modernen Menschen. Besonders gefallen hat mir hier die Kette der Vorfahren, von „Oma Chipman“ bis zu uns. Zum Schluss des Kapitels wird der Humanismus von Cicero bis Huxley behandelt, eine spannende geschichtliche Darstellung der Ursachen, die nach dem 2. Weltkrieg zur Entwicklung des evolutionären Humanismus geführt haben.

Kapitel 3 bis 5 behandeln den Wandel des physikalischen Weltbildes, einen Überblick über die wesentlichen Erkenntnisse verschiedener Teilbereiche der Biologie, die atemberaubende Entwicklung der Technologie, Medizin und Kunst. Gerade im Kunst-Kapitel merkt man, dass Schmidt-Salomon vom Fach ist. Kapitel 6 ist der Ethik gewidmet und erläutert eindrucksvoll die menschliche Fähigkeit zur Empathie.

Damit ist die Bestandsaufnahme im Buch abgeschlossen und der letzte Teil des Buches behandelt mögliche Perspektiven der Menschheit und eine Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Gerade das 8. Kapitel ist aus meiner Sicht das interessanteste, da es sich mit der schwierigen Sinnfrage befasst, auf die Religionen einfache Antworten bieten können. Ich hätte mir dieses Kapitel noch etwas ausführlicher gewünscht, gerade auch im Hinblick auf das Thema „Transhumanismus“.

Michael Schmidt-Salomon stellt die richtigen Fragen und gibt Antworten aus einer evolutionär-humanistischen Sicht. Ob diese Antworten den Leser letztlich bei der Frage nach dem Sinn des Lebens befriedigen, hängt von jedem selbst ab.
0Kommentar|16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Oktober 2014
Fast alle seine Bücher habe ich gelesen. "Hoffnung Mensch" ist sein bisher bestes und im Hinblick auf die Menschheitsentwicklung neben dem "Manifest des evolutionären Humanismus" auch sein wichtigstes Buch. Mit "Eine bessere Welt ist möglich" macht Michael Schmidt-Salomon allen Menschen Mut, die den von Karl Marx und Friedrich Engels als möglich vorausgesagten Rückfall der Menschheit in die Barbarei - der wohl schon begonnen hat - noch aufhalten wollen.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. September 2014
Absolut empfehlenswerter Lesestoff für die Menschen, die in Anbetracht der Menschheit nur zum Zynismus neigen, was einschließt, dass es auch für mich selber die richtige Medizin war, um auch aus einer anderen Perspektive auf die Errungenschaften des Homo sapiens zurückzublicken und einen hoffnungsvolleren Blick für die Zukunft zu erlangen, da der Autor ausführlich schildert, wie schlimmste Zustände über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende sich gebessert haben.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 31. August 2014
Bücher von Schmidt-Salomon kann man fast unbedebklich kaufen und lesen. Aber mit diesem Buch ist ihm ein wiklich absolutes Highlight geglückt. Der Geschichtsüberblick über die Entwicklung der Wissenschafte ist einzigartig. Unbedingt lesen!
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Gesponserte Links

  (Was ist das?)