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am 5. März 2014
Ich muss gestehen, dass mir diese Rezension schwerfällt. Nach einem ersten Lesen, bei dem ich praktisch durch das Buch getrieben wurde, bin ich bei einer zweiten Lektüre und breche alle drei Sätze ab, weil manchmal die Gedanken so dicht gewebt sind, dass es sich lohnt, dieses Buch auch Satz für Satz zu lesen.
Genau das macht für mich dieses Buch so faszinierend. Es ist spannend und eigentlich auch sehr schlicht von der Leseanforderung. Und auf der anderen Seite ist es so dicht geschrieben, dass es recht kompakt zahlreiche Teilgebiete dieses Themas vorstellt.

Wovon handelt dieses Buch?
Metzinger ist Philosoph, Bewusstseinsphilosoph, um genauer zu sein. Die Bewusstseinsphilosophie gehört auf der einen Seite zur Erkenntnistheorie und auf der anderen Seite zur Anthropologie. Der Autor arbeitet nun die neuesten Erkenntnisse der Neurophysiologie in sein Fachgebiet ein. Ab und zu liest man auch diesen Begriff Neurophilosophie. Und genau das bietet dieses Buch. Er befindet sich damit in einer guten Tradition. Seit Descartes wird der Geist, bzw. die Seele, direkt im Körper gesucht. Ab dem 19. Jahrhundert lokalisiert man auch die Vernunft in den Organen, allen voran natürlich dem Gehirn. Wichtige Autoren wie Schopenhauer und Nietzsche, die Neukantianer und die Phänomenologen gehören in diese Linie.

So wird zuerst die Frage nach dem Bewusstsein gestellt und nach den Leistungen des Bewusstseins. Von diesem aus untersucht der Autor Phänomene wie die außerkörperliche Erfahrung oder wo das Bewusstsein steckt, wenn ein Mensch eine Figur durch eine virtuelle Welt steuert, die Willensfreiheit und die Funktion von Träumen, die Empathie und wie der Mensch zu anderen Menschen in Kontakt tritt.
Es hatte in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder große Vorurteile zum Beispiel gegen Fernsehen und Computerspielen gegeben. Und hier argumentiert der Autor überraschend neutral. Ganz knapp gesagt bietet ein Computerspiel eine Art Phantom-Ich, an dessen Bild sich das Erleben grundsätzlich gleich, wenn auch mit anderer Gewichtung, ebenso polarisiert, wie an dem Ich, mit dem der Mensch durch die „realen Welt“ wandert. Eindeutig ist der Autor kein Kulturpessimist.
Und so gibt dieses Buch einige überraschende Antworten an die Hand. Die meisten mit der Vorsicht versehen, dass die Neurophysiologie trotz rasanter Fortschritte keine endgültigen Antworten liefern kann.
Trotzdem bietet es wie selbstverständlich Impulse für die Motivation, die Sensibilität, die Kreativität und das zwischenmenschliche Verstehen genauso, wie für die Orientierung in der Umwelt, die Reflexion und das Glücksgefühl. Nicht alles wird ausführlich behandelt. Aber immer wieder gibt es Hinweise, wie der Leser sein Vorwissen einbinden kann. Und das macht vielleicht den eigentlichen Reichtum dieses Buches aus: es knüpft sehr gut an das Vorwissen der Leser an und schafft es, (zumindest geht das mir so) weit auseinander liegende Wissensgebiete mühelos zu verbinden.

Für wen ist dieses Buch gedacht?
Der interessierte Laie wird ein leicht verständliches und gehaltvolles Einsteiger-Buch finden. Auch Fachleute aus Nachbargebieten (wie ich) können von diesem Buch sehr profitieren.
Ungewöhnlich ist auch, dass der Autor diese Verbindung von Gehirn und Bewusstsein längst nicht so klaustrophobisch beschreibt, wie das zum Beispiel Gerhard Roth tut und damit ein angenehmes Gegengewicht zu diesem harten biologischen Determinismus liefert. Und das würde manchen Neurophysiologen wieder ganz gut tun. In diesem Sinne sei es auch dem langjährigen Fachmann zur kritischen Überprüfung ans Herz gelegt.

Fünf Sterne für Lesevergnügen und Verständlichkeit; fünf Sterne gibt es ebenfalls für Sachlichkeit und Informationsdichte.
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am 16. November 2009
In den ersten beiden Teilen seines Buches gibt Thomas Metzinger einen fundierten und durch eine beeindruckende Zahl von Literaturhinweisen untermauerten Einblick in die moderne Hirn- und Bewusstseinsforschung sowie in sein Modell vom Ego-Tunnel. An der Qualität gibt es nichts zu rütteln. Schwachpunkt des Buches ist m.E. der dritte Teil mit dem Titel "Die Bewusstseinsrevolution". Hierzu vier Kritikpunkte:
1. Mit seiner Spekulation über künstliche Ego-Maschinen macht der Philosoph Metzinger den zweiten Schritt vor dem ersten, obwohl er in seinem Buch selber mehrfach betont, dass zunächst einmal eine philosophische Begleitung und Grundlegung der neuen Erkenntnisse der Hirn- und Bewusstseinsforschung vordringlich seien. Die verschiedenen Wissenschaften haben noch nicht einmal eine eindeutige, geschweige denn einmütige Definition von Selbst und Ich - da sind künstliche Ego-Maschinen kein akutes Problem.
2. Obwohl im Untertitel des Buches eine "Bewusstseinsethik" als thematisches Ziel genannt wird, bleibt Metzinger eben diese schuldig. Er stellt nur endlose Reihen von Fragen, die die Notwendigkeit einer solchen Ethik deutlich machen sollen, gepaart mit einigen einfachen Beispielen. Diese Fragen hat er vor wenigen Jahren wortgleich schon an anderer Stelle gestellt. Gibt es keine neuen Erkenntnisse? Seine Aussage "Ich habe meine Vorstellungen darüber, was ein wertvoller Bewusstseinszustand sein könnte, und Sie haben Ihre" (S. 333) ist banal. Natürlich kann er auch als Philosoph keine Vorgaben machen, aber wenn er nur "einige Grundideen skizziert" (ebd.), ist das für ein Buch mit diesem Untertitel zu wenig.
3. Metzingers Darstellungen bewusstseinsverändernder Drogen grenzen stellenweise an Schwärmerei für diese Substanzen, manches Mal erscheinen sie mir sogar naiv. Dieses sehe ich sehr kritisch (s.o. Punkt 1).
4. Als unnötig empfinde ich die an mehreren Stellen durchbrechende und m.E. unkontrollierte Polemik gegen die Kirchen, gegen Religion und gegen deren Vertreter (Spiritualität gut, Kirchen/Religion böse). Hier treten eindimensionale Klischees zu Tage, die dem Thema des Buches abträglich und in dieser Form eines Philosophen nicht würdig sind. Seine Warnungen vor einem "spirituellen Vakkum" sind nachdenkenswert, bedürfen aber keiner Polemik.

Die Lektüre dieses Buches war lehrreich, für mich sind viele Fragen aufgeworfen worden, zu manchen hätte ich mir hilfreichere Denk- und Lösungsangebote gewünscht. Ich bin gespannt auf das, was Metzinger noch veröffentlichen wird.
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am 8. September 2009
Metzinger's Bücher wie das englische "Being no One" sind für Nichtexperten schwer verdaulich und einige kürzere Artikel sind zwar verständlich, lassen aber Fragen offen. Diese Lücke füllt "Der Ego-Tunnel".
Persönlich halte ich Metzinger für den interessantesten deutschen Philosophen der Gegenwart - obwohl seine sprachlichen Fähigkeiten mit denen eines Sloterdijk oder Habermas nicht mithalten können.
Metzinger's Selbstmodell-Theorie der Subjektivität stellt einen genialen Wurf dar, der viele Ergebnisse der neueren Hirnforschung in ein einziges Modell zu integrieren vermag.
Neben der Beschreibung der Theorie findet man 3 Gespräche mit hochrangigen Wissenschaftlern. Auch fehlt sein "Steckenpferd" nicht - Fragen der Neuroethik.
Durch seine Theorie hat sich "mein" Selbstbild unwiderruflich verändert. Mehr kann man von einem Philosophen nicht erwarten - daher 5 Sterne.
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am 20. Februar 2016
Metzinger argumentiert vollkommen unvoreingenommen und mit starkem Bezug auf die empirischen Neurowissenschaften für eine neue materialistische Theorie des Bewusstseins, die er klar und für interessierte Laien verständlich präsentiert. Seine Argumentation ist dicht und kohärent und er scheut sich nicht, auch die ethischen und kulturellen Folgen dieses neuen Modells des Bewusstseins zu diskutieren. Auch das Nachwort "Spiritualität und intellektuelle Redlichkeit" ist ganz besonders empfehlenswert. Ich bin persönlich sehr froh, auf dieses Werk gestoßen zu sein.
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Thomas Metzinger, weltweit anerkannter Philosoph des Geistes, vertritt die These, dass das erlebte Ich von unserem Gehirn erzeugt wird, und dass das, was wir wahrnehmen, nur ein virtuelles Selbst in einer virtuellen Realität ist.

Führen die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung nach den Lehren von Kopernikus (Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums), Darwin (Der Mensch entstammt dem Tierreich) und Freud (Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus) zu einer weiteren Kränkung der Menschheit?

Nach Metzinger besitzt der Mensch ein bewusstes Modell seines Organismus als Ganzem, ein so genanntes phänomenales Selbstmodell. Dieses wird vom Gehirn aktiviert und erlaubt einem biologischen Organismus, sich selbst bewusst als Ganzheit zu begreifen. Der Inhalt des phänomenalen Selbstmodells ist das Ego.

Für das bewusste Erleben verwendet Metzinger den Begriff Ego-Tunnel. Unser bewusstes Leben bewegt sich im Ego-Tunnel. Das Konzept des Ego-Tunnels basiert auf dem älteren Begriff des Realitätstunnels von Robert Anton Wilson, ist mit diesem aber nicht identisch.

Für Metzinger ist der kontinuierlich ablaufende Vorgang des bewussten Erlebens ein Tunnel durch die Wirklichkeit.

Unser Gehirn erzeugt eine Simulation der Welt, die so perfekt ist, dass wir sie nicht als Bild in unserem Gehirn erkennen können. Anschließend generiert es ein inneres Bild von uns selbst als einer Ganzheit, das phänomenale Selbstmodell. Dieses Bild umfasst nicht nur unseren Körper und unsere mentalen Zustände, sondern auch unsere Beziehung zu Vergangenheit und Zukunft sowie zu anderen Menschen. Durch die Einbettung des Selbstmodells in das Weltmodell wird ein Zentrum geschaffen, das Selbst oder Ego.

Letztlich ist subjektives Erleben, eine spezifische Weise der Präsentation von Informationen über die Welt. Das deutliche und stabile Erleben, nicht in einem Tunnel zu sein, sondern tatsächlich und unmittelbar in Verbindung mit der äußeren Wirklichkeit zu stehen, ist eines der bemerkenswertesten Charakteristika des menschlichen Bewusstseins.

Metzinger arbeitet intensiv mit empirisch arbeitenden Wissenschaftlern zusammen. Seine dargestellten Experimente sind sehr anschaulich und überzeugen. Er entmystifiziert außerkörperliche Erfahrungen, beschäftigt sich mit luziden Träumen und erläutert die Bedeutung der Spiegelneuronen für die kulturelle Entwicklung der Menschheit.

Ob künstliche Ego-Maschinen jemals realisiert werden, mag dahin gestellt bleiben. Metzinger behandelt dieses Thema im Hinblick auf die damit verbundenen ethischen Fragen. Auflockernd wirkt in diesem Zusammenhang die fiktive Unterhaltung mit dem ersten postbiotischen Philosophen.

In sein Buch lässt Metzinger Interviews mit Wolf Singer (Prof. für Neurophysiologie), Allan Hobson (Prof. für Psychiatrie) und Vittorio Gallese (Prof. für Humanphysiologie) einfließen. Neben fachspezifischen Fragen ist es ihm ein Anliegen, sie zu ihren Erwartungen an die Geisteswissenschaften zu befragen.

Das Subjektive wird immer mehr Gegenstand empirischer Wissenschaften. Thomas Metzinger hat zu diesem Thema ein anschauliches und lesenswertes Buch geschrieben. Man darf gespannt sein auf die weitere Entwicklung.
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Keine Zweifel, das Buch von Thomas Metzinger behandelt das Thema Ego und Bewusstsein in sehr umfassender und auch für Nicht-Wissenschaftler verständlicher und ansprechender Weise. So wird z.B. anschaulich dargestellt, wie das Gehirn ein Repräsentations- bzw. Realitätsmodell der Welt erstellt, dieses jedoch selbst nicht als Repräsentation erleben kann. Schließlich erfüllt ein solches Modell nur dann seinen Zweck, wenn es zuverlässig für Realität gehalten wird. Das Gehirn konstruiert außerdem ein ganzheitliches Selbstmodell, zu dem insbesondere auch die Vorstellung von sich selbst als handelndes Wesen (Gefühl der Agentivität) gehört. Im Grunde funktioniert das Gehirn wie ein Flugsimulator, der nicht nur die Landschaft, sondern auch den steuernden Piloten simuliert. Hierzu gehört auch, dass das Gehirn maßgebliche Entscheidungsprozesse zur Handlungssteuerung nicht sehen kann. Sie sind unbewusst. Die Lösung dagegen wird auf die Stufe des Bewusstseins gehoben. Das sieht dann so aus, als käme die Lösung sozusagen aus dem Off. Und dieses Off interpretiert das Gehirn durchaus kreativ als ein lebendiges Ding, als kleines Männchen im Kopf, als Piloten, eben als Ich. Die Entwicklung der Ich-Vorstellung war vermutlich ein höchst wirksamer Trick, mit welchem vor Tausenden von Jahren ein ganz neuer Schwung in die Evolution gekommen ist. Damit erschlossen sich völlig neue Möglichkeiten und Werkzeuge wie Urheberschaft, Zurechenbarkeit, Verantwortung und Schuld. Trotzdem war es natürlich ein Trick. Ob nun die wissenschaftliche Erkenntnis dieses Zusammenhangs pessimistisch als ,Downgrade' (192) bezeichnet werden muss, bleibt allerdings dahin gestellt.

Natürlich ist es hoch interessant, die Prozesse der Selbstwahrnehmung zu betrachten und die Mechanismen der Entstehung einer Ich-Vorstellung im Detail zu erklären. Das Buch von Herrn Metzinger leistet dies in hervorragender Weise. Allerdings müssen wir eingestehen, dass dieses Detailwissen unser existentielles Grundproblem weder löst noch entscheidend verändert. Die im Buch aufgeworfenen philosophischen Fragen sind im Grunde ganz einfacher Art und beschäftigen die Menschen seit Urzeiten. Ich verweise hier z.B. auf die altindische Philosophie ,Advaita'. Spätestens mit der Entdeckung des Kausalgesetzes hätte man die Vorstellung vom individuellen, eigenständig handelnden Ich ad acta legen müssen. Schließlich gelten die Naturgesetze auch für das Subjekt, womit dieses selbst zum Objekt wird. Darüber hinaus sind mit wissenschaftlichen Methoden gar keine unabhängigen Objekte feststellbar, sondern nur sich wechselseitig bedingende Prozesse (den Prozess der Selbstwahrnehmung als Subjekt mit eingeschlossen). Die ,Welt' entfaltet sich stets als Ganzes. Ohne einen Subjekt-Objekt-Dualismus, also ,nondualistisch' betrachtet, ist der Mensch kein eigenständig handelndes Wesen IN der Welt, sondern ein vollkommener Ausdruck VON der Welt. Oder einfacher ausgedrückt: der einzelne Mensch und seine Wahrnehmung sind NICHTS und gleichzeitig ALLES. Das ist nun wirklich nicht neu, umso erstaunlicher ist es daher, dass sich das kollektive Bewusstsein der Menschheit einer nicht dualen (nondualen) Weltsicht nach wie vor sehr erfolgreich verweigert. Die Philosophie muss sich dieser Tatsache offensichtlich immer wieder neu stellen.

Außerdem geht es am Ende immer um die Frage, weshalb überhaupt etwas wahrgenommen wird, bzw. wie ohne Beobachter der Eindruck einer Welt entsteht. So plastisch das Bild vom Egotunnel auch sein mag, in gewisser Weise schwebt das Bewusstsein nicht in einem Tunnel, sondern eher im Nichts. Meiner Ansicht nach gleichen sich die Fragen nach der Herkunft des Universums und nach der Herkunft des Bewusstseins wie zwei Seiten derselben Medaille. Selbst wenn die neuronalen Mechanismen entschlüsselt werden, welche die Selbstwahrnehmung als Subjekt steuern, ist das Phänomen des Daseins an sich noch nicht erklärt. Außerdem gilt es zu bedenken, das der Versuch, die determinierten Mechanismen des Bewusstseins mit Hilfe von determinierten Mechanismen des Bewusstseins zu erklären, ein unauflösbarer Zirkelschluss bedeuten kann. Was bleibt, ist die kuriose Feststellung, dass da etwas existiert (nennt man es nun Welt, Materie, Energie, Gott oder was auch immer), das sich nicht erkennen lässt, da es das Erkennende selbst ist und sich, meiner Ansicht nach, in dem in hilfloser Weise ,Sein' genannten Zustand offenbart. Wie Metzinger selbst bekennt: Das größere Gesamtbild, nach dem wir suchen, lässt sich nicht im Egotunnel reflektieren (291).

Abschließend möchte ich anmerken, dass die von Metzinger an vielen Stellen als ,beunruhigend' bezeichneten Erkenntnisse des Buches keineswegs negativ als Verlust empfunden werden müssen. Schließlich wird ja nur ausgedrückt, was ohnehin schon der Fall ist. Und außerdem entlarvt das Buch den katastrophalen Albtraum vom getrennten und sterblichen Individuum als das, was er ist, nämlich als Traum (oder als Simulation, wie Metzinger sagen würde...)
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am 20. Oktober 2012
Eine neue Philosophie des Selbst ist es noch nicht, doch lesenswert sind die Gedanken des Philosophen allemal. Das Wort "Selbst" hat es Metzinger angetan. Es kommt im Buch bestimmt tausend Mal vor. Zwar bestreitet er, dass es existiere; seiner Meinung haben wir nur ein vom Gehirn konstruktiertes Selbstmodel, dass die Wirklichkeit simuliere und bestenfalls einer Repräsentation der Realität, einem Ego-Tunnel gleiche. Das erinnert ein weinig an Platons Höhlengleichnis und ist wirklich nichts Neues. Dann nennen wir das Selbst eben Ego-Tunnel, so what?

Und im Grunde fällt dem Autor auch nichts Besseres ein, als das Selbst durch die Hintertür wieder einzuführen, denn er gibt zu, dass wir gerade eine Entzauberung des Selbst erleben, unser Ego-Tunnel ein absolutes Unikat sei und Selbstmodelle eine Erfindung der Evolution seien. Die Evolution habe den Menschen nicht für dauerhaftes Glück optimiert, in der Bilanz sei das Leiden zahlreicher (das erinnert an Schopenhauer). Schließlich meint er, dass das bewusste Selbst weder eine Form von Wissen, noch eine Illusion sei, es sei einfach, was es ist! Also hat der Autor ein wenig zu hoch gepokert und gibt zum Schluss freimütig zu, dass es das Selbst ja doch gibt, wenn auch nicht so, wie wir uns das heute vorstellen.

Interessant wird es zum Schluss, dort, wo er schreibt, das Ego vermittle die Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Es strebe nach emotionaler und physischer Sicherheit und habe einen Drang zu bizarren Glaubenssystemen. Der religiöse Glaube sei der Versuch, dem Leben eine tiefere Bedeutung zu geben - es sei der zutiefst menschliche Versuch, sich endlich zu Hause zu fühlen. Und die Wissenschaft (die materialistische oder naturalistische, denn ein Idealist ist Metzinger wirklich nicht) stehle dem Menschen seinen Glauben, was ein Grund für das gegenwärtige Anwachsen des religösen Fundamentalismus sein könnte.
Was tun?, fragt Metzinger! Nimmt man uns den Glauben weg, müssen wir das Vakuum füllen, damit die Gesellschaft zusammenhalte, denn fehlende moralische Institutionen und Werte destabilisieren das Zusammenleben. Aber viel mehr als: Legalize it! fällt dem Autor dazu nicht ein. Er empfiehlt uns Soma, damit wir unser entzaubertes "Gottes-Gen" durch spirituelle Erfahrungen ersetzen. Kosmetische Psychopharmakologie sei der neue Zaubertrank - Bewusstseinsethik das neue Zauberwort. Der wünschenswerte moderne Bewusstseinszustand müsse drei Bedingungen erfüllen:

1. Minimierung von Leid
2. Fähigkeit zur Einsicht und zur Wissenserweiterung
3. Generierung eines Verhaltens, das weitere wertvolle Bewusstseinszustände ermöglicht

Um diesen Bewusstseinszustand zu erreichen, empfiehlt der Autor die Einführung eines flächendeckenden Meditationsunterrichts sowie einen Kurs in Medienhygiene an Schulen. Ziel sei es, die Achtsamkeit und Autonomie der Schüler zu stärken, um in der Moderne (über)leben zu können.

Was uns fehle, schreibt Metzinger auf der drittletzten Seite, sei nicht Glauben sondern Wissen. Wenige Seiten zuvor empfiehlt er uns aber das, was Gläubige, also Schamanen und Yogis, schon seit Jahrhunderten tun - auch das ist keine neue Erkenntnis.

Trotz der vielen Widersprüche ist es ein sehr gutes Buch, das darüber hinaus auch gut zu lesen ist.
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am 15. Februar 2015
Ein in jeder Hinsicht höchst lesenswertes und inhaltsreiches sowie für das Verständnis des eigenen ICH wichtiges Buch! Nach den Erfahrungen aus zahlreichen Diskussionen mit anderen Lesern erscheint es dem Rezensenten hilfreich zu sein, wichtige Begriffsbestimmungen und Kernsätze des Autors (hauptsächlich aus Teil I des Buches) in Stichwörtern zu erläutern:

BEWUSSTSEIN ist das Erscheinen der Welt als evolutionäres biologisches Phänomen. Es ist Teil der Welt und enthält die Welt. Es gibt keine Entität, die wir selbst sind, Erleben ist ein subjektives Phänomen.

PHÄNOMENOLOGIE: Beschreibung des Erlebens als solches (auch in veränderten Bewusstseinszuständen).

MEINIGKEIT: Eigenes Handlungsbewusstsein, Gefühl von Willensfreiheit. Globale Meinigkeit lässt uns den Körper als Ganzheit erleben (durch OBEs = out of body experience auch außerhalb des Körpers). Meinigkeit = Essenz des Selbstgefühls = ein transparentes Körperbild lokalisiert in Raum und Zeit. Agentivität (bewusstes Erleben einer Handlung), Emotion, Willensakte sind dazu nicht notwendig, Meditation genügt.

OBE’s: Können mit Elektrodenstimulation des Gyrus angularis bei jedem Menschen künstlich erzeugt werden, Schizophrenie führt häufig zu OBEs, diese führten geschichtlich zum Körper-Seele-Dualismus (Seele ist in allen Religionen ein Astralkörper, nach Ansicht des Autors ist sie der Fluss von Informationen im Gehirn).

REPRÄSENTATION: Widerspiegelung, Darstellung der Außenwelt als Wahrnehmung und innere Vorstellung. Der Mensch kann, im Gegensatz zu Tieren, sich selbst im Akt des Wissens und Denkens beobachten und damit seine Repräsentation noch einmal repräsentieren.
Wir präsentieren uns als repräsentative Systeme in phänomenaler Echtzeit, dadurch entsteht kulturelle Evolution. Aus Selbstpräsentation entsteht ein Phänomenales Selbstmodell = PSM

PHÄNOMENALES SELBSTMODELL (PSM): Sein Inhalt ist das EGO
PSM lässt uns selbst als Ganzheit begreifen. Es steht in Wechselwirkung zur Umwelt, es ermöglicht gegenseitiges Verstehen (durch Empathie, soziale Kognition, Spiegelneuronen), es ermöglicht uns durch Externalisierung Kooperation, Kultur, Bildung komplexer Gesellschaften.
PSM vermittelt das Gefühl von Meinigkeit, bildet das Selbstgefühl, ermöglicht bewusstes Erleben.

Das PSM ist TRANSPARENT: Das Medium, durch das uns Informationen erreichen, ist uns nicht bewusst (es ist durchsichtig wie ein Fenster, durch das wir einen draußen vorbeifliegenden Vogel betrachten).
PSM – SELBST- und/oder WELTMODELL: Wegen der Transparenz des PSM besitzt unser Gehirn keine Möglichkeit, herauszufinden, dass es Modelle sind. Das Erleben des SELBST wird dadurch verursacht, dass das PSM im Gehirn transparent ist.

PSM = EGO = ICH = SELBST: Ist Inhalt eines transparenten Selbstmodells, Inhalt eines inneren Bildes, im Gehirn eines Organismus!
Wir empfinden uns als Ego, weil wir nicht erkennen, dass es eine Simulation unseres Gehirns ist! Das PSM als eigener Standpunkt in ein Weltmodell eingebettet, ergibt eine stabile Erste-Person-Perspektive. Das PSM ist außerdem ein virtuelles Werkzeug auch für soziale Kognition (Artgenossen erkennen, ev. täuschen) sowie auch für Selbsttäuschungen durch Erschaffung metaphysischer Welten (Wahn- und Glaubensvorstellungen).

Der EGO-TUNNEL: Ist Metapher für bewusstes Erleben. Das Bewusstsein ist wie ein Tunnel, nur ein sehr kleiner Ausschnitt der realen Außenwelt (Filter) wird in unserem Wirklichkeitsmodell abgebildet. Unser bewusstes Erleben ist wie ein Tunnel DURCH die Wirklichkeit; das Gehirn erzeugt eine perfekte Simulation der Welt, deren Bild als Ganzheit (für unseren Körper, unsere mentalen Zustände, unsere Beziehung zu Vergangenheit und Zukunft, zu anderen Lebewesen) erscheint.
Das ICH (Innenperspektive, bewusstes Leben im Ego-Tunnel jetzt und hier) ist verbunden mit Körpergefühl: Es entsteht durch Gegenwärtigkeit (ist ein vom Gehirn erzeugtes inneres Phänomen), Meinigkeit, Agentivität und ein Ort im Raum–Gefühl. Die Fähigkeit, Freude zu empfinden, bzw. zu leiden, beginnt im Ego-Tunnel.

Das Ego ist ein vom Gehirn erzeugtes virtuelles Werkzeug; jeder von uns lebt in seinem eigenen Ego-Tunnel ohne direkten Kontakt zur Wirklichkeit, aber mit PSM plus Erster-Person-Perspektive ausgestattet. Dabei verleiht der Ego-Tunnel ein Gefühl von Kontakt zur Außenwelt mit gleichzeitiger außerhirnlicher Erfahrung und Gefühl des eigenen Selbst.

Das Ego und sein Tunnel sind repräsentative Phänomene, sie erzeugen ein inneres Bild von Wirklichkeit. Hirnphysiologisch gesehen ist das Ego ein sehr komplexes Ereignis der Erzeugung eines Aktivierungsmusters in unserem Zentralnervensystem.

HANDLUNGSZIELE: Das Gehirn ist ein komplexes System, das ständig danach strebt, Ordnung aus Chaos zu erzeugen. Überleben, Fitness, Wohlbefinden, Sicherheitsbedürfnis sind innere Darstellungen (Halluzinationen) von Zielen. Die Evolution hat uns nicht für Glück optimiert, sondern auf eine hedonistische Tretmühle gesetzt: Glück suchen, Unglück vermeiden ist der Motor unserer psychologischen Evolutionsausstattung (in der biologischen Evolution war/ist Glücklichsein kein zweckbestimmendes Kriterium).

EMPATHISCHES EGO: Das PSM erfordert soziale Korrelate, der eigene Ego-Tunnel steht in Erster-Person-Perspektive in sozialer Resonanz zu anderen Ego-Tunnels.
Soziale Resonanz durch geteilte Mannigfaltigkeit, auf 3 Ebenen: Phänomenologisch durch Empathie, funktional durch Handlungen, subpersonal durch den „Wir-Raum“ („wir“ Empfindung).

Die 6 wichtigsten Grundprobleme für eine Theorie des Bewusstseins:
1. Das Eine-Welt-Problem (Frage nach der Einheit des Bewusstsein); 2. Das Jetzt-Problem (wie ist das Erscheinen eines gelebten Moments möglich); 3. Das Wirklichkeits-Problem (warum werden wir als naive Realisten geboren); 4. Das Problem der Unaussprechlichkeit (worüber wird man nie sprechen können); 5. Das Evolutionsproblem (wozu war/ist Bewusstsein wichtig); 6. Das Wer-Problem (Frage nach der Entität, die bewusstes Erlebnis in der Wirklichkeit besitzt)

BEWUSSTSEINSREVOLUTION versus GLAUBE: (Das Ego ist auch ein auch virtuelles Werkzeug zur Selbsttäuschung):
Glaube ist ein unspiritueller Versuch, den Ego-Tunnel umzugestalten, die hedonistische Tretmühle zu überlisten. Er ist aber auch ein erfolgreicher Weg, stabile innere Zustände zu erreichen (wie eine Droge), das PSM als Wurzel allen Leidens ruhig zu stellen.
Wissenschaft zerstört mehr und mehr diese Funktion des Glaubens, wachsender religiöser Fundamentalismus ist die Folge. Die Schere zwischen Wissenden und Unwissenden wird immer größer (Bewusstseinsrevolution), es entsteht anthropologische und normative Leere.
Veränderte Bewusstseinszustände (durch z.B. Meditation, Schamanismus, Drogen, Medikamente) werden in ihren neuronalen Grundlagen immer klarer erkannt; Neurowissenschaft und Neurotechnologie werden sich früher oder später zu Bewusstseinstechnologien entwickeln; diese erfordern eine neue Bewusstseinsethik, die für Handlungen neuronaler Veränderungen 3 Postulate enthalten müssen: 1. Leid minimieren, 2. Erweiterung von Einsicht und Wissen, 3. Verhaltenskonsequenzen.

(Die Konsequenzen aus sich abzeichnenden neurotechnologischen Veränderungen – mit Ausblick auf mögliche Entwicklungen und deren Folgen - sowie Vorschläge für eine darauf adaptierte Ethik werden im Teil III des Buches ausführlich behandelt.)
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am 22. Januar 2015
Das Buch begeisterte mich durch seine ernsthafte Auseinandersetzung mit allen Aspekten des Bewusstseins im Licht unserer bisherigen neurologischen und psychologischen Erkenntnissen, ohne die Bereiche des religiösen Wahns auszuschließen und durch die Fragen, wie das Streben nach Erkenntnis das metaphysische Bedürfnis im Diesseits im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess gestillt werden kann, ohne einem Dogmatismus zu verfallen. Trost der Philosophie im multidimensionalen Ausmaß :-) Sehr lesenswert, auch mehrfach.
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am 29. September 2011
Metzinger stellt in dieser Monographie die Ergebnisse der Neurophysiologie und der Philosophie des Geistes zur Bewußtseinsforschung vor. Sein Ansatz ist naturalistisch. Ausgangspunkt: "Ein Ego-Tunnel ist ein Bewußtseins-Tunnel, der die zusätzliche Eigenschaft entwickelt hat, eine stabile Erste-Person-Perspektive zu erzeugen, eine subjektive Sicht auf die Welt. Es ist ein Bewußtseins-Tunnel plus das Erscheinen eines phänomenalen Selbst." ( S. 28)

Allgemein ist Bewußtsein das Erscheinen einer Welt. Es ist kulturell eingebettet, graduell (tritt in variierenden Stärkegraden auf) und besitzt verschiedene Aspekte: Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Gefühle, Wahrnehmungen, Selbstbewußtsein usw. Metzinger stellt in einer Tour durch den 'Tunnel' die verschiedenen Konfliktfelder vor: Wie aus dem rhythmischen Feuern der Nervenzellen sich selbst metarepräsentierende Bewußtseinszustände entstehen, wie bewußte Repräsentationen einen illusionären Punkt der Gegenwärtigkeit benötigen, wie die Transparenz des Weltmodells in unserem Kopf uns zu naiven Realisten werden läßt, daß wir selbst für die einfachsten Bewußtseinszustände (z.B. Farbwahrnehmungen) keine instrospektiven Identitätskriterien besitzen, wie Bewußtsein evolutionär als 'virtuelles Organ' entstand und ob es bewußte Erlebnisse ohne erlebendes Selbst gibt.

Das grundlegendste Selbstgefühl ist das Bild des Körpers in Raum und Zeit plus Transparenz. Der Organismus repräsentiert sich im Gehirn als Ganzheit, das Körpermodell wurde global verfügbar, zugänglich für bewußtes Erleben. Dieses Selbstmodell und die Kontrolle der eigenen Aufmerksamkeit ('attentionale Agentivität') ermöglichte Erweiterungsphänomene wie die 'Gummihand-Illusion' oder außerkörperliche Erfahrungen, aber auch mühelosen Werkzeuggebrauch, die Fähigkeit, sich in einer virtuellen Umgebung als anwesend zu erleben und sich künstliche Handlungsinstrumente anzueignen und sie mit dem Gehirn zu kontrollieren.

Bemerkenswerterweise ist Denken ursprünglich ein motorischer Vorgang. Gedanken sind Modelle erfolgreich beendeter Handlungen, abstrakte Formen des Ergreifens. Und 'Denken' ist größtenteils subpersonal, ein innerer Monolog aus Erinnerungen, Bewertungen und kleinen Geschichten! Es hat eher mit Musterverarbeitung und einem dauernden Wettstreit zwischen inneren Bildern zu tun. Das Ego dient dem Organismus zur Erklärung und narrativen Darstellung innerer wie äußerer Handlungen, zur Voraussage des eigenen Verhaltens, und zur Überwachung kritischer Systemeigenschaften.

Metzinger macht interessante Anmerkungen zu dem Streit zwischen Determinismus und Willensfreiheit und führt in die neuesten Forschungen zu 'Spiegelneuronen' ein, die selbst dann 'feuern', wenn wir andere Personen bei einer Handlung nur beobachten. Spiegelneuronensysteme existieren auch für Gefühle und Vernunft. Sie erlauben uns, andere Menschen ebenfalls als Egos zu erleben. Der Autor erörtert die Frage, unter welchen Bedingungen postbiotische 'Ego-Maschinen' möglicherweise zu Erlebnissubjekten werden und welche moralischen Konsequenzen das hätte, weist auf den 'kognitiven Gesichtsfeldausfall' der Gegenwartsphilosophie hin, die Leid und Schmerz aus ihrem Gegenstandsbereich ausklammert, und betont den Widerspruch zwischen den Ergebnissen der Neurophysiologie (Wir sind selbstlose Ego-Maschinen) und dem uns biologisch eingebrannten Überlebensimperativ: Das Ego ist ein System, das der eigenen Existenz einen fast unendlichen Wert beimißt und aus Sehnsucht nach Unsterblichkeit besteht. Abschließend entwirft er eine 'Bewußtseinsethik' für den Umgang mit dem sich abzeichnenden 'Phenospace' und problematisiert den zukünftigen Kampf um die begrenzte Ressource 'Aufmerksamkeit', der eine 'Neurodidaktik' erforderlich macht.

Das Werk verbindet inhaltliche Tiefe mit thematischer Weite. Es ist ausgezeichnet verständlich, ja unterhaltsam, und ich kann es vorbehaltlos allen an Bewußtseinsforschung und der Philosophie des Ichs interessierten Menschen empfehlen. Gewünscht hätte ich mir, daß der Autor die Gefahren erweiterter Zugriffe auf das Bewußtsein (die er sehr wohl sieht) noch etwas stärker akzentuiert. Erstaunlicherweise stellt Metzinger die Frage, was den Übergang zum bewußten Selbstmodell des Menschen möglich gemacht hat. Dies ist selbstverständlich unsere propositionale Symbol- und Satzsprache, die mit ihrer Fähigkeit zur Objektivierung einerseits beliebige Wirklichkeitskonstruktionen erlaubt und andererseits zur Emergenz eines Werteuniversums mit unauflösbaren Wertekonflikten führt. Weiterführend: MITHEN, Steven: Prehistory of the Mind: A Search for the Origins of Art, Religion and Science (1996), derselbe: Singing Neanderthals: The Origins of Music, Language, Mind and Body (2006), TOPITSCH, Ernst: Erkenntnis und Illusion: Grundstrukturen unserer Weltauffassung (1988²), EIBL, Karl: Animal Poeta - Bausteine der biologischen Kultur- und Literaturtheorie (2004) und TUGENDHAT, Ernst: Egozentrizität und Mystik: Eine anthropologische Studie (2003)
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