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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über die Freundschaft (und die Kunst, sich gerade noch rechtzeitig zu Tode zu trinken)
Sie sind schon ein seltsames Paar, die zwei Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, der erfolgsverwöhnte, kontrollierte Stefan Zweig und der stets am Rande des Bankrotts entlang lavierende Alkoholiker Joseph Roth, radikaler Pazifist der eine, "begnadeter Hasser" der andere. Zweig, dem Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen eigentlich...
Vor 9 Monaten von Felix Richter veröffentlicht

versus
20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine saubere Seminarabreit in Form eines Fließtextes...
Volker Weidermann - Kulturchef der FAS - hat in diesem schmalen Band eine schöne, recht stimmige Beschreibung davon gegeben, wie sich einige jener Dichter und Autoren gefühlt haben müssen, die später als Exilliteraten bezeichnet wurden, als sie merkten, daß Hitlerdeutschland ernst macht, daß sie Verfolgte sind, daß ihr Leben nicht...
Vor 6 Monaten von Gavin Armour veröffentlicht


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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über die Freundschaft (und die Kunst, sich gerade noch rechtzeitig zu Tode zu trinken), 6. März 2014
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Sie sind schon ein seltsames Paar, die zwei Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, der erfolgsverwöhnte, kontrollierte Stefan Zweig und der stets am Rande des Bankrotts entlang lavierende Alkoholiker Joseph Roth, radikaler Pazifist der eine, "begnadeter Hasser" der andere. Zweig, dem Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen eigentlich ein Greuel sind, ist die Aufgabe zugefallen, seinen Freund vor sich selbst zu schützen, was im Wesentlichen heißt, ihn von der Flasche fern- und zum Schreiben anzuhalten, ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, zumindest was das Trinken angeht (er wird einige Monate vor Kriegsbeginn daran zugrunde gehen).

Zweig hat Roth nach Ostende eingeladen, wo er den Sommer 1936 verbringt. Hier hat sich eine kleine Gruppe von deutschsprachigen Schriftstellern zusammengefunden, denen der Nationalsozialismus die Heimat geraubt hat; Egon Erwin Kisch, Arthur Koestler, Irmgard Keun, Hermann Kesten und Ernst Toller gehören dazu. Während Deutschland und die Welt unaufhaltsam auf die Katastrophe zusteuern, haben sie hier eine kleine Idylle gefunden, die meisten von ihnen zum letzten Mal, in der sie diskutieren, schreiben, hoffen und, allen voran die frischverliebten Roth und Keun, trinken können.

Liebevoll und mit großem Detailwissen beschreibt Volker Weidermann die komplizierte Freundschaft zwischen den Stefan Zweig und Joseph Roth. Mit einfachen, knappen Worten zeichnet er ein atmosphärisch dichtes Bild zweier Menschen, die sich trotz der immer deutlicher werdenden Aussichtslosigkeit ihrer Situation Charakterstärke, Motivation und Kreativität bewahren können, und ihres kleinen, aber feinen und bei all den Widrigkeiten erstaunlich lebensfrohen Freundeskreises.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend, 18. Juni 2014
Von 
Heike M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Im belgischen Küstenort Ostende treffen sich im Sommer 1936 Stefan Zweig und Joseph Roth, um dort gemeinsam die Ferien zu verbringen. Ich kenne die Biografien der beiden Literaten und habe immer wieder Probleme, mir diese beiden völlig unterschiedlichen Männer als Freunde vorzustellen. Joseph Roth zähle ich zu meinen Lieblingsautoren und auch Stefan Zweigs Werk schätze ich sehr. Die Runde wird durch Irmgard Keun, Hermann Kersten, Ernst oller und Egon Erwin Kisch komplettiert. Sie sind Emigranten, weil sie – bis auf Irmgard Keun – Juden sind, weil ihre Bücher in Deutschland nicht mehr verlegt werden. So nah sie sich im Geiste sind, so sehr unterscheiden sie sich in ihrem Leben. Ost-Jude, West-Jude, Nicht-Jude, armer Jude, reicher Jude, Trinker und Pazifist, Liebende, Lebende, Verzweifelte sind sie. Und sie sind Freunde, wenn auch diese Freundschaft, insbesondere die zwischen Zweig und Roth, argen Belastungsproben ausgesetzt ist.

Diesen Roman habe ich sehr genossen. Ich fühlte mich Roth, Zweig und den anderen so nah, wie ich es durch das bloße Lesen ihrer Biografien nie war. Beeindruckend dabei ist, das Volker Weidermann mir dieses Leseerlebnis auf nur 160 Seiten bescherte. Es gibt keine überflüssigen Worte oder Dialoge und schon gar keine Längen. Die Urlaubsidylle ist jedoch nur scheinbar. Das wird sehr deutlich, wenn man von jedem der Protagonisten mehr Hintergrundinformationen erhält. Dieser Rückzugsort ist wie ein Mantel des Schweigens, der ihre eigentlichen Sehnsüchte verhüllt. Sein besonderes Flair hat Ostende nur durch die Gemeinschaft.

Für mich war es sehr interessant, ein wenig an den Gedanken und Gefühlen dieser literarischen Gemeinschaft teilhaben zu können. Ich habe ihre Hoffnungen, Wünsche, Abgründe und ganz persönliche Tragik erkennen können. Darüber hinaus bekam ich so ganz nebenbei einen kleinen Einblick in die Werke der Autoren und „Meine Freunde, die Poeten“ von Hermann Kersten ist sofort auf meinen Wunschzettel gewandert, weil es diesen Roman, den ich sehr gern weiterempfehle, noch einmal vertieft.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein trügerischer Frieden, 8. März 2014
Von 
Amazon Kundenrezensionen "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Ostende, ein feudales, aber recht günstiges Seebad im neutralen Belgien im Jahr 1936. Hier treffen sich im Sommer Schriftsteller, deren Bücher man in Deutschland verbrannt hat und die damit den größten Teil ihres "Marktes" verloren haben. Eine Rückkehr in das nationalsozialistische Deutschland (oder in das austrofaschistische Österreich - siehe Stefan Zweig) ist unmöglich); somit bleibt nur das Exil.
Für Stefan Zweig, den erfolgreichsten dieser Schriftsteller, ist es bereits "der zweite Juli". Er verbrachte bereits den Juli 1914 in Ostende; er erlebte die überstürzte Abreise der Gäste knapp vor dem Kriegsausbruch.
22 Jahre sind seither vergangen; Zweig ist weltberühmt und diszipliniert; sein Freund Joseph Roth ebenfalls genial (und schwer alkoholkrank). Eine sonderbare Freundschaft, ja Liebe verbindet die beiden Männer. Zweig finanziert Roth, der immer in Geldnöten ist (auch weil sein größter Erfolg - "Radetzkymarsch" - in Deutschland verboten ist). Sie lesen sich gegenseitig aus ihre Schaffen vor; ja, sie schreiben sogar manchmal für den anderen (der das Geschriebene dann umarbeitet).
Und dann kommt noch eine schöne, schwierige, selbstbewusste Frau nach Ostende: Irmgard Keun. Auch ihre Bücher sind - obwohl sie keine Jüdin ist - in Deutschland verboten ("Asphaltliteratur"), ebenso die von Egon Erwin Kisch, der unweit von Ostende im Hotel wohnt. Irmgard Keun und Joseph Roth verlieben sich ineinander. Kein Mensch kann das verstehen - aber die beiden verbindet (auch) das Trinken. Die Freundschaft zwischen Zweig und Roth ist nicht mehr so, wie sie einmal war...
Volker Weidermann hat ein faszinierendes Buch über Künstler geschrieben, denen der Nationalsozialismus in Deutschland letztlich die Existenz zerstört hat. Aktuell können sie sich noch mehr schlecht als recht über Wasser halten; da ihnen aber der - deutschsprachige - Markt weitgehend entzogen wurde, sind ihre Aussichten düster.
War im Jahr 1936 für diese Schriftsteller der "letzte schöne Sommer"? Es war eher der letzte Sommer der Freundschaft zwischen ihnen (trotz aller Querelen), denn für die meisten von ihnen ging es ab nun nur mehr bergab (siehe Joseph Roth und Stefan Zweig).
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein "dunkler Sommer" inmitten einer belgischen Strandidylle, 7. August 2014
Von 
Norma Schlecker - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Volker Weidermann widmet sich in seinem jüngsten dokumentarischen Roman “Ostende, 1936″ der Freundschaft zwischen zwei Exilschriftstellern gewidmet, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Stefan Zweig, der Mann von Welt und Millionär und Joseph Roth, der Säufer und “Grantl-, Schimpf- und Hasskönig des Exils”. Am Strand von Ostende, im Café Flore verbringen sie gemeinsam mit einer illustren Gesellschaft, die aus verschiedenen Künstlern auf der Flucht vor dem deutschen Faschismus besteht, einen denkwürdigen Sommer. Egon Erwin Kisch und seine Frau, Willi Münzenberg, Hermann Kesten, Ernst Toller und seine junge Gefährtin Christiane Grautoff gehören ebenso zur “Gesellschaft der Stürzenden” wie Irmgard Keun, die Deutschland als einzige ohne Zwang verlassen hat. Zwar wurden ihre Schriften verboten, doch verfolgt wurde sie nicht. In diesem “dunklen Sommer” begegnet sie Joseph Roth, dessen letzte Liebe sie sein wird. Die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Menschen haben vor allem eine Gemeinsamkeit, den Alkoholismus, den sie immer wieder als einzige Möglichkeit die Welt zu ertragen beschreiben und als Grundbedingung für ihr Schreiben. Währenddessen versucht Zweig seinen schwermütigen und kranken Freund vom Trinken wegzubringen. Er ist fast wie eine Mutter, die aus dem Sohn einen besseren Menschen zu machen versucht und ihm trotzdem immer wieder Geld gibt, damit er nicht ganz unter die Räder kommt.

Volker Weidermann ist ein feinsinniges, atmosphärisches und höchst interessantes Buch gelungen. Zahlreiche Anekdoten und Zitate machen aus “Ostende, 1936″ auch noch eine äußerst unterhaltsame Lektüre, die in all der Bedrückung auch für Lacher sorgt. Ein wunderbares Sommerbuch, das ich jedem literarisch Interessierten ans Herz legen kann.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Tragik elitären Scheiterns in verheerender Zeit, 2. Mai 2014
Von 
Ulrich Groh (Mittelhessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Die verheerende Zeit Adolf Nazis, seiner Wegbereiter und Schergen ist, so sollte man meinen, aus allen nur denkbaren Perspektiven erzählt worden. Eigentlich ist man der -zigsten Variante, das Grauen wie auch immer medial neu aufzulegen, überdrüssig geworden angesichts der nicht enden wollenden Beschäftigung mit ihr in Wort, Bild und Ton. Guido Knopp erteilt televisiönäre Aufklärung in Dauerschleife, während gerade der exakt einhundert Jahre zurückliegende Ausbruch des ersten Weltenbrandes den Literaturbetrieb und -markt mit zahllosen Neuerscheinungen zum Thema überschwemmt. Wozu also dieses Buch? Was kann es bereithalten, was nicht längst bekannt oder erschauernd zur Kenntnis genommen worden wäre ?

Ganz genaugenommen - nichts. Jedes Individuum, ob Bettler oder Reicher, sofern er nicht(!) zur tonangebenden Schicht zählte, litt auf seine ureigene Weise. Litt unter den Widrigkeiten zerfallender Moral, zerschellender Menschenrechte, unter Willkür, Bosheit sowie den alles zerstörenden Ratten der Gesellschaft, die dank Parteiabzeichens das Sagen erhielten und Deutschland marodierend zerpflügten. In diesem eher schmalen Band beleuchtet der Autor das Schicksal einer schreibenden, elitären Gruppe von Individuen, die infolge ebendieser wirren Verwerfungen in Ostende gemeinsam dem langsamen Untergang engegentaumeln. Die Bücher sind verboten, die pure Existenz bedroht. Alles steht auf der Kippe: Reputation, Einkommen, Selbstachtung, Weltanschauung, Würde. Man redet, lacht, liebt, trinkt, nein säuft, um die Realität ertragen zu können, bedient sich aller Verdrängungsmechanismen, derer vom Untergang Bedrohte habhaft werden können, um den klaffenden Abgrund zu vernebeln. Verzweifelt sucht man nach dem Ausweg aus der Hoffnungslosigkeit, was gerade deshalb so ungemein bedrückend und bleiern schwer ist, wenn man weiß, dass es ihn in der Realität nicht gibt.

Volker Weidmann gelingt es, dieses vielleicht schlimmste aller menschlichen Gräuel atmosphärisch so dicht zu zeichnen, dass es den Leser mit ungeahnter Wucht zu packen, zu fesseln vermag. Hierbei zeichnet weniger die durchaus als etwas voyeuristisch angelegte Sicht auf bekannte Schriftsteller jener Tage, sondern die Fokussierung auf Individualschicksale verantwortlich, die dem Grauen Gesichter verleiht und sie somit aus der grauen Masse reißt, ihnen Namen, Identität, Geschichte verleiht. Die Wucht der Konfrontation mit dem absehbaren Scheitern intelligenter Persönlichkeiten, die Tragik des sich deutlich abzeichnenden sukzessiven Untergangs kann niemanden unberührt lassen.

Insofern ragt "Ostende" aus der Flut der Neuerscheinungen hervor. Ein beklemmendes, bedrückendes, ein lesenswertes Buch, das gerade infolge seines Realitätsbezugs ungemein zu berühren und zu fesseln vermag.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Literatur verliert ihre Unschuld, 29. April 2014
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Volker Weidemann ist Literaturredakteur und Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. 2006 habe ich von dem Autor das Buch „Lichtjahre“ gelesen, eine glänzend, zum Teil amüsant aufbereitete Literaturgeschichte, die große Leselust aufkommen ließ. 2008 konnte ich spannend und aufschlussreich in dem Buch „"Das Buch der verbrannten Bücher" sachkundig und emphatisch über die Bücherverbrennung 1933 und die fast vollständig rekonstruierten Biografien von vierundneunzig in- und ausländischen Schriftstellern lesen. Gespannt war ich nun auf die Lektüre des im März 2014 erschienen Buches „Ostende“. Es ist mit seinen 160 Seiten ein schmales Buch, was spannend und aufschlussreich über Schriftstellerpersönlichkeiten auf der Flucht, im Exil und ihre Eigenart im "Sommer der Freundschaft“ 1936 in Ostende erzählt. Es könnte in diesem belgischen Seebad ein Urlaub am Meer unter Freunden sein, in einer Zeit wo bereits ihre Bücher verboten waren, die politische Situation sich täglich verschlechternd zuspitze und der Zweite Weltkrieg drohend am Horizont aufzog,

Da lesen wir von dem schwerreichen Stefan Zweig der mit Schreibmaschine und seiner Geliebten Lotte angereist war und dort seinen trinkfesten Alkoholiker Joseph Roth begrüßen konnte. Roth verliebt sich hier in Ostende in die emigrierte Schriftstellerin Irmgard Keun. Die hier versammelten Dichter auf der Flucht reflektieren darüber, ob sie noch einmal nach Deutschland zurückkehren können oder ob sie ihre Heimat endgültig verloren haben. Hitler ist an der Macht, ihre Bücher sind verboten, sie können nicht mehr ganz unbeschwert diesen Sommer der Freundschaft an einer sonnenverwöhnten Küste bei Meer und Getränken genießen. Die Perspektiven verkleinern sich, die ersten Suizide finden statt, Auswanderungen nach Mexiko und Brasilien folgen.

Stefan Ernst Toller, Freund von Joseph Roth, erhängt sich 1939 in New York. Joseph Roth geht nach Paris, leidet immer mehr unter dem Alkoholismus und stirbt völlig verarmt 1939 an Lungenentzündung. Irmgard Keun geht 1940 nach Deutschland zurück, lebt bis 1945 in der Illegalität, verarmt und leidet unter Alkoholismus. Stefan Zweig wandert nach Brasilien aus und nimmt sich nach Einnahme von Gift 1942 das Leben.

In diesem letzten Sommer von dem Volker Weidemann so spannend und aufschlussreich berichtet hätte man aus seinem Leben noch etwas machen können, das allerdings verhinderten die Nationalsozialisten die vier Jahre später dieses Ostende besetzten und es 1944 durch Luftangriffe fast vollständig zerstörten.

Volker Weidemann ist spätestens mit diesem emphatisch recherchierten, sehr bewegenden Buch das in einem sehr klaren Ton und in einer erzählerischen vielgestaltigen Leidenschaft eine berührende Geschichte erzählt, unter die Schriftsteller gegangen. In der Erzählkonstruktion erinnert das Buch etwas an dem Roman 1913 "Der Sommer des Jahrhunderts" von Illies, der die Geschichte von einem Sommer erzählte wo noch alles möglich war. "Ostende", einfach großartig und unbedingt lesenwert.
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine saubere Seminarabreit in Form eines Fließtextes..., 2. Juni 2014
Volker Weidermann - Kulturchef der FAS - hat in diesem schmalen Band eine schöne, recht stimmige Beschreibung davon gegeben, wie sich einige jener Dichter und Autoren gefühlt haben müssen, die später als Exilliteraten bezeichnet wurden, als sie merkten, daß Hitlerdeutschland ernst macht, daß sie Verfolgte sind, daß ihr Leben nicht mehr so sein wird, wie es immer gewesen ist.

Vornehmlich Stefan Zweig und Joseph Roth, deren "Gegensatz" als weltmännischer Westjude Wienerischer Prägung (Zweig) zum galizischen Ostjuden mit der Prägung des Stettls (Roth) er herausarbeitet, sind die Protagonisten dieses als Fließtext getarnten Aufsatzes, der auf offensichtlich sehr guter und genauer Recherche fußt. Zu diesen beiden gesellt sich Irmgard Keun hinzu, die es ebenfalls nach Ostende verschlagen hatte, in diesem Sommer 1936, als die Welt noch einmal wohlwollend nach Berlin schaute, auf die Olympischen Spiele. Sie hingegen war davongelaufen, weg aus Berlin, weg aus Deustchland, weg vor den Herrschern eines Landes, das sie kaum mehr wiedererkannte. In Ostende tat sie sich mit dem "großen Trinker" Joseph Roth zusammen und gemeinsam mühten sie sich, die Angst, den Unmut und die Hilflosigkeit gegenüber dem, was da unweigerlich aufzuziehen schien, wegzutrinken. Zweig hingegen war in jenem Jahr schon dabei, sich zu lösen von allem, was seine Welt, sein Leben ausgemacht hatte: Das Haus in Salzburg stand zum Verkauf, von Frau und Töchtern hatte er sich getrennt, mit seiner Sekretätin verband ihn bereits mehr als ein Arbeitsverhältnis und zum Ende dieses Sommers war er unterwegs Richtung Brasilien.

Es gelingt Weidermann durchaus, die Stimmung jenes Sommers einzufangen (zumindest gelingt es ihm, eine Stimmung zu erzeugen, die passen würde auf jenes Jahr), dazu hat er ganz offensichtlich eine Menge Briefe, Tagebuchaufzeichnungen, Notizen etc gesichtet. Etwas skizzenhaft fällt das Ganze denn auch aus. Man hat es hier nicht mit einem wirklich erzählenden Band zu tun. Kein Roman ist dies, wie Hans Pleschinski ihn im vergangenen Jahr vorlegte mit "Königsallee", auch keine Novelle, wie Klaus Modicks "Sunset". Eher eine in einen Fließtext gebundene Seminararbeit, eine Magisterarbeit, ausgeweitet auf einen Stimmungsbericht. Das gelingt gut, bleibt aber eben auch ein wenig im Bereich der "Fleißarbeit". Daß Weidermann nicht über die sprachlichen Möglichkeiten jener verfügt, die er da beschreibt, wie Denis Scheck despektierlich anmerkte, bevor er das Buch der Tonne überantwortete, mag sein, liegt wohl aber eben auch in der Natur der Sache. Sonst würde Weidermann wahrscheinlich nicht ÜBER Zweig, Roth oder Keun schreiben, sondern eigene Werke ähnlicher Qualität vorlegen.

Es bleibt festzuhalten, daß das alles angerissen, ein wenig skizzenhaft wirkt. Da gibt es keine Dramaturgie und keine Höhepunkte, keine Dramatik. Weidermann läßt in die einzelnen Szenen in den Cafés und den Strandbars der Promenade eines Ostende, das es, wie er im Nachwoiort schreibt, so nicht mehr gibt, immer auch ganze gedankliche Ausflüge in die Vergangenheit und die persönliche Geschichte seiner Protagonisten einfließen. Zweigs Werdegang ebenso wie Roths, angerissen auch der von Egon Erwin Kisch, Irmgard Keun natürlich. Klaus Mann wird als Autor und unbeliebter Kollege gestreift, die Manns generell finden Erwähnung usw. Ein wenig kommt der Eindruck auf, daß der Autor nicht wirklich genug Material hatte, um einfach nur von diesem Sommer zu erzählen.

Es bleibt ein schmaler, gut und schnell lesbarer Band, der uns ein wenig in Vergessenheit Geratene wieder einmal näherbringt, tiefe Einblicke in das Seelenleben dieser Menschen, die ab hier praktisch nur noch auf der Flucht waren (oder, wie Roth, bald starben), gelingen ihm nicht. Angst, daß die Heimat nicht mehr - nie mehr - sein wird, was sie war und wie sie war - ja, das schon, aber das wussten die Interessierten allerdings schon, gerade was Joseph Roth angeht, macht es den eigentlichen Movens seines Schreibens ja nunmal aus. Sei es drum. 3 gute und solide Sterne für dieses gut in der Sommerfrische zu lesende Bändchen. Man sollte allerdings eines nicht vergessen, wenn man es mitnimmt in die Ferien: Mindestens ein Buch von Zweig, eines von Roth und eines von der Keun einzupacken. Denn das macht dieses Werk allemal: Lust, die Betreffenden mal wieder zu lesen. Und es wäre ja ärgerlich, wenn man die entsprechenden Werke dann nicht zur Hand hätte.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Tragik verfolgter jüdischer Autoren, 5. Oktober 2014
Der biographische Roman ‚Ostende‘ von Volker Weidemann ist ein vielschichtiges Werk. Das Wort ‚Roman‘ kennzeichnet das Buch zu ungenau. Eigentlich ist es ein zeitgeschichtlich bedeutendes Dokument über das Schicksal verfolgter jüdischer Schriftsteller in der NS-Zeit, die zur Emigration gezwungen waren. Es ist der Zeitraum zwischen 1936 und 1938, in dem jegliche Hoffnung schwand, diese Diktatur würde enden; im Gegenteil, immer stärker wurde klar, die Welt steuert einer Katastrophe zu.
Im Mittelpunkt steht zunächst einmal die merkwürdige Beziehung zwischen dem 1881 geborenen, sehr erfolgreichen Stefan Zweig und dem alkoholkranken, auf Unterstützung angewiesenen Josef Roth, dessen Schaffenskraft anfängt zu versiegen. Es besteht zwischen beiden eine kaum verständliche Bindung, beide beraten, kritisieren und helfen sich bei ihrer Arbeit. Unbegreiflich fast, mit welcher Hingabe Zweig sich lange an Roth gebunden fühlte, bis er einsehen musste, dass er dessen Selbstvernichtung nicht verhindern kann.
Alles spielt zunächst in Ostende, wo sich gleichsam eine künstlerische Boheme immer wieder trifft. Erstaunlich, wie viele Berühmtheiten hier immer wieder zusammenkamen, unter anderem neben den beiden Genannten Egon Erwin Kisch, Koestler, Toller, selbst Max Schmeling wird erwähnt, weil er nicht bereit war, sich von seinem jüdischen Manager zu trennen. Immer wieder bricht in diese lebensfrohe, aber recht unbürgerlich lebende Gemeinschaft die Tragik der Ächtung, der Vertreibung durch, ihre existenzielle Not, da die eigenen Bücher nicht mehr erscheinen konnten. Und schwer lastet auf allen die Ahnung des Furchtbaren, das offenbar nicht mehr aufzuhalten ist.
. Die vielen Danksagen des Autors am Ende dokumentieren, wie stark er recherchiert hat, Einblick bekam in Briefe und Dokumente und natürlich auch Gespräche mit Menschen führte, denen die Personen des Buches nahe standen. Erschütternd ist das Schlusskapitel ‚Mystery Train, in dem der Autor die späteren Schicksale der Hauptpersonen seines Romans nennt. Viele von ihnen, auch Stefan Zeig, schieden durch Suicid aus dem Leben oder wurden ermordet.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menschen im Hotel, 17. Mai 2014
Im Sommer 1936 treffen die deutschsprachigen Exilautoren ein letztes Mal an Strand und Promenade in Ostende zusammen. Es kommen Stefan Zweig und seine Sekretärin Lotte Altmann, um zu schreiben; Joseph Roth, der weder Meer noch Strand etwas abgewinnen kann, war gekommen, sich Rat von seinem guten Freund Stefan Zweig zu holen und soll in diesem Sommer seine große Liebe zu Irmgard Keun erfahren. Zentrum des Zusammentreffens ist das Hotel de la Couronne.

"Jetzt sind sie Menschen auf der Flucht in einer Urlaubswelt. Der scheinbar immer frohe Hermann Kesten, der Prediger Egon Erwin Kisch, der Bär Willi Münzenberg, die Champagnerkönigin Irmgard Keun, der große Schwimmer Ernst Toller, der Stratege Arthur Koestler, Freunde, Feinde, von einer Laune der Weltpolitik in diesem Juli hierher an den Strand geworfene Geschichtenerzähler. Erzähler gegen den Untergang." S6

Neben all den Haupt- und Nebendarstellern ist das zentrale Thema der Novelle der Untergang des Abendlandes, das verzweifelte Hinauszögern einer nationalsozialistischen Begebenheit, das künstliche Festhalten an einem Leben der Kunst und Schönheit. Joseph Roth trinkt sich langsam aber stetig zu Tode,

Nur dort, wo er herstammte, war er nicht tausendfach zersplittert." S 143

Irmgard Keun leistet ihm dabei Gesellschaft, bis sie sich von einem anderen aus diesem Elend retten lässt und Stefan Zweig von seiner Frau in Trennung lebend sucht nach einem neuen Zuhause für sich und Lotte Altmann. Und Ostende? Ostende ist heute eine andere Stadt.

Die Novelle "Ostende" ist eine sehr melancholische Erinnerung und eine verdiente Hommage an unsere deutschsprachigen Exilautoren, die ihre Heimat zurücklassen, die vor den Nationalsozialisten fliehen mussten. Besonders berührt hat mich das letzte Kapitel "Mystery Train", das die Lebensenden eines jeden Autors beschreibt, der hier Erwähnung findet und die spätere Ausgrenzung der Literaten aus der deutschsprachigen Literaturszene andeutet; Sie waren auch in ihrem Genre ins Getto der Exilautoren verbannt worden.

Eine würdige Erinnerung an unsere ganz großen Autoren (!)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Roth säuft sich das Leben schön und Zweig schaut hilflos zu, 9. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Im Zentrum dieses kleinen Sachbuches steht die Freundschaft zwischen Stefan Zweig ("Schachnovelle") und Joseph Roth ("Hiob"). Beide könnten unterschiedlicher nicht sein und doch verbindet sie die gegenseitige Achtung vor der Kunst des anderen. Zweig, der finanziell ausgesorgt hat, ist ständig darum bemüht seinem Freund Roth zu helfen, sei es ihn zum Essen zu bewegen, ihn vom Alkohohl wegzubekommen, ihn zum Schreiben zu motivieren oder ihm einfach Lebensmut zuzusprechen. Roth, ein notorischer und ungepflegter Säufer, leidet an der Geschichte seiner Zeit. Einzig das Schreiben gibt ihm Erfüllung.
1936 treffen sich beide im belgischen Badeort Ostende zusammen mit anderen Schriftstellergrößen wie Irmgard Keun, die bald Roths Sauf- und Lebensgefährtin wird, Hermann Kesten oder Ernst Toller. Auch Kisch ist da mit seinen kommunistischen Freunden, die nach Auswegen aus dem nationalsozialistischen Desaster suchen.

Volker Weidermann präsentiert auf ganz wenigen Seiten (155) ein dichtes Jahr 1936. Er zeigt Menschen im Spiegel der Zeit, die in ihr durch sie zerissen sind, die keine Helden, die menschlich und kaputt sind, die sich verlieben und doch verloren sind.
Wir assozieren mit Zweig, Roth und Co wahre Schriftstellergrößen, wir als Leser idealisieren Menschen, die menschlicher waren als wie vielleicht selbst. Denen war keine menschliche Schwäche fremd, sie proftieren nur davon, dass wir primär auf ihr Talent und nicht auf ihr echtes Leben schauen.
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Ostende: 1936, Sommer der Freundschaft
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