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58 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte kann Spaß machen !!!
Vielen Dank an meine Geschichtslehrer: Dieser ironische Vorsatz soll eigentlich nur sagen, dass sie auf ganzer Linie versagt haben. Ich habe mich mit Ach und Krach durch den Geschichts- und PW-Unterricht gequält. Nun fange ich an, mich 20 Jahre nach meinem Abi etwas intensiver für Geschichte zu interessieren und siehe da, Geschichte kann Spaß machen...
Veröffentlicht am 15. Februar 2009 von CF

versus
3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Merkwürdig sprunghaft
Das Buch ist sehr informativ, zumal mein Geschichtsunterricht sehr lange her ist.
Aber manchmal überspringt der Autor Zeiträume, und man fragt sich: Oh, schon (z. Bsp.) 1914 ?
Die Geschehnisse, die dem Ersten Weltkrieg vorangingen sind seltsam unterbelichtet, und das Gleiche passiert nochmal mit der Zeit des Dritten Reiches.
Während der Autor...
Vor 4 Monaten von Herr Kaufrausch veröffentlicht


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58 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte kann Spaß machen !!!, 15. Februar 2009
Von 
CF "Berliner" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Vielen Dank an meine Geschichtslehrer: Dieser ironische Vorsatz soll eigentlich nur sagen, dass sie auf ganzer Linie versagt haben. Ich habe mich mit Ach und Krach durch den Geschichts- und PW-Unterricht gequält. Nun fange ich an, mich 20 Jahre nach meinem Abi etwas intensiver für Geschichte zu interessieren und siehe da, Geschichte kann Spaß machen!
Christopher Clarke entführt uns in und führt uns durch die Geschichte Preußens. Teilweise chronologisch, teilweise nach Themen sortiert. Er zeigt uns, wie es der "Große Kurfürst" geschafft hat, Preußen zu einem Tonangeber im deutschen Reich zu machen, wie seine Nachfolger zwischen Pakten mit anderen Staaten hin- und herlavierend Preußen "größer" machten und er erläutert interessant den Weg Preußens durch die Revolutionsjahre 1848 bis kurz nach dem Krieg. Dabei stilisiert er Preußen nicht zu einem Mythos, zu einem Land in dem Milch und Honig flossen und alles eitel Sonnenschein war. Er verdammt Preußen auch nicht, wie es heutzutage auch noch manchmal der Fall ist. Er beschreibt Preußen mit all seinen Höhen und Tiefen, als ein ganz normales Land im Herzen Europas. Spannend und lehrreich von Anfang an.
Wer die gleichen Erfahrungen mit seinem Geschichtsunterricht gemacht hat, wie ich und dennoch meint, das kann es nicht gewesen sein, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt... Absolut empfehlenswert.
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99 von 109 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Preußen ohne Mythos, 2. September 2008
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Sir Winston Churchill bezeichnete Preußen einst als "die Wurzel allen Übels" und so verwundert es kaum, dass die Churchills Überzeugung zu Grunde liegende Sichtweise von Preußen als Hort des Nationalsozialismus aufgegriffen wurde und in der der Auflösung des Freistaats durch den Alliierten Kontrollrat am 25. Februar 1947 mündete. Nun bricht der 1960 in Sydney geborene Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharines' College in Cambridge mit diesem Diktum und zwingt durch sein eindrucksvolles Standard-Werk zu einer Revision des Preußenbildes, denn "Die Wahrheit ist, dass Preußen ein europäischer Staat war, lange bevor es ein deutscher wurde. Deutschland war nicht die Erfüllung Preußens, sondern sein Verderben"

Für Christopher Clark beginnt der Aufstieg Preußens jedoch nicht erst 1701 mit der Krönung Friedrich III. zu König Friedrich I. in Preußen, sondern bereits um 1600, als die Kurfürsten der Markgrafschaft Brandenburg gerade begannen ihre Position im Heiligen Römischen Reich zu festigen. 1613 etwa, konvertierte Kurfürst Johann Sigismund zum Calvinismus und wurde somit zu einem calvinistischen Herrscher über ein lutherisches Land, was zu einigen Differenzen mit dem Landadel führen sollte. Noch waren die brandenburgischen Hohenzollern lediglich Herrscher Brandenburgs, bis sie 1618 das Herzogtum Preußen erbten, welches außerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ursprünglich eine Region zwischen Hinterpommern und dem Kurland bezeichnete.

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurden die Länder der Hohenzollern vermehrt verwüstet und der Kurfürst wechselte mehr als einmal die Bündnisse, wobei Georg Wilhelm zuletzt in das eher sichere Preußen flüchten musste, wo er 1640 verstarb. Sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm erbte ein zerrüttetes Land, das vom Dreißigjährigen Krieg gezeichnet war, ein schweres Trauma zu bewältigen hatte, doch der junge Monarch schritt energisch zur Tat und begann nicht nur das Heer zu vergrößern, sondern auch zu modernisieren und durch bessere Ausbildung, wie Manöver zu einer schlagkräftigen Truppe zu machen. Als Folge des Dreißigjährigen Krieges erkannten die brandenburgischen Folgen, wie wichtig eine Festigung ihrer Souveränität im Reich ist und dass sich das bleibende Gefühl der Verwundbarkeit nur durch ein starkes Heer effektiv bekämpfen lässt. Um dieses zu erhalten brauchte man allerdings Gelder, die unter anderem durch häufige Wechsel der Bündnispartner lukriert wurden.

Erst als sich Friedrich III. zu König Friedrich I. krönte, wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, die zur Bildung eines stärkeren Einheitsgefühls der nun königlichen Lande führte und Preußen im Laufe des 18. Jahrhunderts zum Namen des neuen Königreichs werden ließ. Die Krönung, so Clark, passte jedoch in ihre Zeit, als viele europäische Herrscher eine Standeserhöhung anstrebten und diese im Falle Preußens eben doch zu einer besseren Integration des vormaligen Herzogtums führte.

Was an Clarks Werk besonders hervorzuheben ist, er nutzt eine klare und deutliche Sprache, deren Formulierungen für Laien genauso verständlich sind, wie für Historiker. Dabei erzählt er die Geschichte von Preußens Aufstieg lebendig und regelrecht spannend, indem er neben der Ereignisgeschichte auch immer wieder Biographien bedeutender Persönlichkeiten, sowie Berichten und ferner eben Geschichten miteinander verwebt. Dabei bleibt der Autor dem Anspruch des Werkes jedoch treu und hält sich an eine umfassende Darstellung der Geschichte, ohne abzudriften. Dabei würde man sich jedoch immer wieder wünschen, er hätte doch bei diesem oder jenen Thema etwas mehr aufgearbeitet und doch vergisst man darüber leicht, dass genau dies den Umfang des Buches gesprengt hätte. Tragisch ist das gerade beim Thema Religion in Preußen, worüber Clark als Autor von "The Politics of Conversion: Missionary Protestantism and the Jews in Prussia" ein sehr spezifisches Fachwissen besitzen dürfte, dem er in sein opus magnum leider nur geringfügig Rechnung tragen darf.

Fortschritte und Rückschläge zeichnen die Geschichte Preußens und Christopher Clark scheut sich nicht, die Geschichte Preußens frei von allen Mythen, als eine politische Erfolgsgeschichte darzustellen. Die preußische Sicherheitspolitik verlangte ein starkes Heer, das Heer eine Finanzierung durch Bündnisse und die außenpolitischen Interessen eine Abgrenzung von der bedingungslosen Kaisertreue. Somit waren Preußens größte Innovationen und Errungenschaften einer Kosten-Nutzen-Rechnung unterworfen, etwa die Aufnahme Vertriebener Hugenotten, welche als leistungsfähige Arbeiter und Handwerker ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Prosperität Preußens leisteten. Als Australier ist Clark denkbar in der Lage sich objektiv-distanziert mit Preußen zu befassen und eigentlich war auch "Preußen: Aufstieg und Niedergang 1600 - 1947" ursprünglich für britische Leserschaft gedacht, wobei von dieser anderen Perspektive aber interessante Impulse ausgehen.

An die Ära des Deutschen Reichs nähert sich Clark unter dem Aspekt an, dass Preußen in dieser Zeit innerhalb des Reichs(Seite 637) "mit 65 Prozent der Gesamtfläche und einem Bevölkerungsanteil von 62 Prozent de facto eine Hegemonialstellung" genoss. Von da an, befand sich Preußen in Auflösung und hatte sich trotz allem den gesamtdeutschen Interessen unterzuordnen, auch wenn der preußische Ministerpräsident gleichzeitig als Reichskanzler agierte und der König Kaiser war.

Mit einem über 100 Seiten starken Anhang aus Anmerkungen, Index, Quellen-, Literatur- und Abbildungsverzeichnissen, sowie einigen sehr sehenswerten Kartenmaterial ist Christopher Clarks "Preußen: Aufstieg und Niedergang" ein wahren Wälzer, bleiben doch mehr als 700 Seiten an Text, die das Werk schlicht zu "dem" aktuellen Standard- und Referenzwerk machen, eine lohnenswerte Anschaffung für historisch Interessierte ist es schon aufgrund des unkomplizierten Stils und der fundierten wie erst recht umfassend ausgearbeiteten Geschichte allemal.

Fazit:
Klar formuliert, umfassend und höchst fundiert ist Christopher Clarks ein Standardwerk gelungen, das Laien wie auch Historiker begeistern kann.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte – spannend wie ein Krimi, 15. August 2014
Christopher Clarke entführt uns in und führt uns durch die Geschichte Preußens. Teilweise chronologisch, teilweise nach Themen sortiert. Er zeigt uns, wie es der "Große Kurfürst" geschafft hat, Preußen zu einem Tonangeber im deutschen Reich zu machen, wie seine Nachfolger zwischen Pakten mit anderen Staaten hin- und her lavierend Preußen "größer" machten und er erläutert interessant den Weg Preußens durch die Revolutionsjahre 1848 bis kurz nach dem Krieg. Dabei stilisiert er Preußen nicht zu einem Mythos, zu einem Land in dem Milch und Honig flossen und alles eitel Sonnenschein war. Er verdammt Preußen auch nicht, wie es heutzutage auch noch manchmal der Fall ist. Er beschreibt Preußen mit all seinen Höhen und Tiefen, als ein ganz normales Land im Herzen Europas. Der glanzvolle Aufstieg Preußens, Kriege und Hegemonie im Deutschen Bund und die Auflösung 1947 durch die USA. Die Geschichte Preußens ist vielfältig und genau diese Vielfalt beschreibt Clark umfassend.
Clark geht auf sämtliche Einflüsse dieser Perioden ein. Das Resultat ist ein übersichtliches, flüssig geschriebenes Werk, das trotz seines Volumens bis zur letzten Seite interessant ist.
Doch nicht nur in der sachlichen und "methodisch reflektierten" Zugangsweise überzeugt der britische Historiker, auch erzählerisch ist ihm ein "Meisterwerk" gelungen. Mir gefällt besonders der souveräne Wechsel zwischen allgemeinen Thesen und anschaulicher, nuancierter und anekdotenreicher Erzählkunst.
Diese sehr neutrale, sehr informative, sehr gut beschriebene und detailliert geschilderte Buch kommt den großen Geschichtswerken preußischer Historiker wie Treitschke, Ranke und Droysen intellektuell gleich, übertrifft sie aber an Menschlichkeit. Clarks Preußen-Bild ist lebendig und differenziert. Vorurteile über das scheinbar so militaristische Preußen werden immer wieder überzeugend wiederlegt und klargestellt Und vor allem schätzt Clark Preußen als einen Staat ein, der eine "bis heute schätzenswerte zivilisatorische Leistung" darstellt.
Ein Standardwerk und Pflicht für jeden Geschichtsinteressierten, vor allem in Bezug auf deutsche und preußische Geschichte. Spannend und lehrreich von Anfang an.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meilenstein deutscher Geschichte, 7. Januar 2009
Von 
Gromperekaefer "gromperekaefer" (Luxembourg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Christopher Clark hat eine hervorragende Zusammenfassung der preussischen Geschichte von 1600 - 1947 geschrieben. Anders als Staaten wie Frankreich oder England, ist Preussen in kurzer Zeit aufgestiegen, bedingt durch überdurchschnittlich begabte Monarchen wie den Grossen Kurfürsten, den Soldatenkönig oder Friedrich den Grossen, respektiv durch das Genie des Staatsmanns Bismarck. Man nutzte allerdings ebenfalls dynastische Opportunitäten, sowie internationale Bündnisse zu Aufstieg und Territoriumserweiterung.

Dies bedingte dass man sich als kleines Fürstentum gegenüber anderen wie z.B. Sachsen oder Bayern absetzen konnte um dem führenden deutsche Staat jener Zeit, der Habsburgermonarchie, Paroli zu bieten. Dieser Dualismus zwischen Österreich und Preussen führte schliesslich zum preussischen Erfolg unter Bismarck. Preussen kann für sich die deutsche Führungsrolle gewinnen.

Dieser schnelle Aufstieg führte jedoch dazu, dass Preussen sich jeweils bedrängt fühlte, und sein Gebilde als fragil ansah, dies sowohl von innen (Bedrängung durch die Stände, Religionsunruhen, nationalistische Opposition, aufstrebendes Bürgertum, Armut welche in Revolten kulminiert), als auch von aussen, wo man sich von mehreren Fronten bedrängt fühlte..

Trotz schwierigen bis fast aussichtslosen Situationen, wie der napoleonischen Besetzung oder der Revolution von 1848, kann Preussen sich immer wieder vom Boden erheben. Der Absturz beginnt jedoch nach dem Abgang von Bismarck. In dessen Fussstapfen vermochte keiner zu treten, was später zum ersten Weltkrieg führte. Weitere politische Instabilität bedingte dann den Machtgewinn des Nationalsozialismus und führte zur bekannten Katastrophe.

Clark geht auf sämtliche Einflüsse dieser Perioden ein. Das Resultat ist ein übersichtliches, flüssig geschriebenes Werk das trotz seines Volumens bis zur letzten Seite interessant ist.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Manchmal bedarf es der Sicht eines Außenstehenden, 27. August 2009
Cristopher Clark hat ein fantastisches Buch geschrieben. Er schafft es, die Geschichte Preußens in einem hervorragend lesbarem Stil in seiner Gesamtheit darzustellen.

In seinem Dankwort schreibt er, er konnte sich auf eine der differenziertesten Historiografien stützen. Die schiere Detaillfülle, die er nennt, beweist, dass er davon reichlich gebrauch gemacht hat. Gleichzeit wird nie der Blick für das "große Ganze" aus den Augen verloren. Dadurch gelingt es einerseits, auch komplexere Zusammenhänge (wie z.B. die Heiratspolitik des Hauses Brandenburg um 1600) begreiflich gut darzustellen, andererseits mit Einzelheiten und Anekdoten den Erzählfluss aufzulockern.
Auch lässt Clark zwar keine Schlagworte ("Soldatenkönig" etc) aus, verwebt sie aber so geschickt innerhalb des Textes, dass sie bemerkt werden, ohne sich aufzudrängen.

Inhaltlich wird nahezu jedes Gebiet zumindest angerissen, dass sich zu Thema Preussen denken lässt. Dabei wechseln sich die Kapitel der Darstellung der Geschichte "grosser Männer" immer wieder mit Kapiteln über Religion, Aufklärung, Gesellschaft etc. ab.

Die absolut größte Stärke des Buches ist jedoch, wie der Autor in seinem Vorwort selbst bemerkt, die Perspektive. Clark kann aufgeschlossen an die Sache herangehen, ohne den Zwang, Preußen verteufeln oder auf Teufel komm' 'raus verteidigen zu müssen. Dabei geht nicht jede seiner Meinungen konform mit der herrschenden Lehre bzw. versucht er, differenzierte Aspekte bei Althergebrachtem aufzuzeigen (z.B. bei der Geschlechtergeschichte Preußens und dem Junktertum). Aber gerade letzter Punkt, macht das Buch auch für Preußenkenner interessant, da die oben genannte Denk- und Sichtweise in jedem Fall erfrischend wirkt.

Dieses Buch hat die Chance, zu einem Standardwerk der Gesamtdarstellung der Geschichte Preußens zu werden.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Territoriale und andere historische Kuriositäten, 4. Juli 2009
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
"Der preußische Sozialminister, Verzeihung, der brandenburgische Sozialminister Alwin Ziel (SPD) schlug gestern vor, das mit der geplanten Fusion von Berlin und Brandenburg entstehende neue Bundesland "Preußen" zu nennen...."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15. Februar 2002)

Die in Inhalt und Umfang nahezu erschöpfenden, bisherigen Rezensionen sind, ungeachtet des Historikerstreites um Rolle und Bedeutung des Staates Preußen für Deutschland, insbesondere in Bezug auf den Nationalsozialismus, sowie anderer Pro- und Kontra-Argumente, um einige interessante Kuriositäten zu ergänzen.

Das Kerngebiet des künftigen Amalgam "Preußen" befand sich in der "Mittelmark", jenem Teil der späteren Mark Brandenburg, inmitten des Siedlungsgebietes der Wenden, des westslawischen Stammes der Heveller. Nahezu 200 Kilometer Luftlinie östlich davon entfernt, außerhalb des Gebietes des "Heiligen Römischen Reiches" entsteht im 13. Jahrhundert ein Staat von Rittermönchen, den Herren des Deutschen Ordens. Im 15. Jahrhundert gerät dieses, nicht nur aufgrund von Nachwuchsproblemen zu einem Anachronismus gewordene, geschrumpfte Territorium unter polnische Oberherrschaft. Als erbliches Herzogtum erhält es mit Preußen eine Bezeichnung, die auf die ursprüngliche Bevölkerung, die Pr'usai zurückgeht; also jenes baltischen Stammes, der, milde ausgedrückt, von den frommen, wie aggressiven Schwarzkreuzträgern und ihren Siedlern erst christianisiert und schließlich assimiliert wurde.

In der zweiten Hälfte des 16. Jh. wird das Herzogtum von dem mittlerweile zum Kurfürstentum avancierten Brandenburg als eine im Königreich Polen gelegene Exklave erworben. Nachdem sich Kurfürst Friedrich III. mit Rücksicht auf seinen Lehnsherrn, den König von Polen, zunächst zum "König in Preußen" krönen ließ, wenden sich seine Nachfolger nunmehr außenpolitischen Aufgaben zu. Während mit der Eroberung "Westpreußens" und des "Netzedistriktes" eine Landverbindung zum nunmehr Ostpreußen genannten Landesteil geschaffen wird, gerät auch das dort hineinreichende Bistum Ermland in den Besitz der jetzt als "Könige von Preußen" genannten Monarchen. Zwei weitere Teilungen lassen Polen von der Landkarte verschwinden und bescheren dem militaristischen Staatsgebilde die Provinzen "Neu-Ostpreußen" und "Südpreußen" mit der Stadt Warschau. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Ostpreußen durch das wieder erstandene Polen erneut zu einer Exklave des mittlerweile führenden deutschen Teilstaates Preußen. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung (19.01.1919) erhielt die SPD (mit Ausnahme des Ermlandes, das mehrheitlich das Zentrum wählte) in Ostpreußen die absolute, bzw. relative Mehrheit.

Während bei der Wahl zum Deutschen Reichstag (6.11.1932) in weiten Teilen der ehemals sozialdemokratisch dominierten Wahlkreise die rechtskonservative "Deutschnationale Volkspartei" (DNVP) die Mehrheit gewinnt, blieb das katholisch geprägte Ermland in der Hand des Zentrums. Vier Jahre später stimmte mit Ausnahme des Ermlandes und einer kleinen sozialdemokratischen Insel das restliche Ostpreußen mehrheitlich für die NS-Partei, die nach dem Angriff auf Polen das "angegliederte Danzig-Westpreußen" in Hitlers "Großdeutsches Reich" zu integrieren versuchte.......

Durch Artikel I des vom alliierten Kontrollrat am 25. Februar 1947 erlassenen Gesetzes zur Auflösung des Staates Preußen, seine Zentralregierung und aller nachgeordneten Behörden, endet die Geschichte eines deutschen Teilstaates, der jedoch nie, die einheitliche Identität z. B. eines Bayern, Würtemberg oder Sachsen besaß.

Mit seinem "Preußen - Aufstieg und Niedergang" ist Christopher Clarks ein wissenschaftlich-objektives Standardwerk gelungen, das trotz der etwas zu kurz gekommenen "Sozialgesetzgebung & Sozialistenpolitik" Bismarcks mit 5 Amazonsternen zu bewerten, und eine Empfehlung für sein gerade (Oktober 2008) erschienenes zweites Werk "Wilhelm II: Die Herrschaft des letzten Deutschen Kaisers", ist.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für den Preußen in mir., 1. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich kann gar nicht genug Worte finden, um dieses umfassende Werk über einen qua Gesetz verstorbenen Staat, würdevoll wiederzugeben.

Das Gute an diesem sehr neutral, sehr informativen, sehr gut beschriebenen und detailliert geschilderten Buch ist, es stammt von einem Briten.

Es muss also erst ein Angelsachse kommen, um uns, Nachfahren dieses Ex-Staates, unsere verstümmelte Geschichte zurechtzurücken.

Ich bin gleich auf den ersten Seiten über seine wortgewaltigen Erläuterungen zur Intention dieses Buches gestolpert, war am überlegen, opportun tun oder meint er's ernst?
Im Laufe der liebevoll erklärten Entstehung Preußens aus der Mark heraus, umfassend
erklärt, wie oft die ganze Geschichte hätte anders laufen können, wenn... ja, wenn da nicht der Willen zum Durchhalten gewesen wäre.
Diesen Willen trägt auch Christopher Clark in sich. Mühevoll zusammengetragen und konsequent neutraler Logik folgend, erklärt er ohne zu verklären und dennoch: ich habe mich im Laufe dieses Buches in "mein Preußen" verliebt. Ich versteh die Sehnsucht meiner Großeltern sehr wohl, verstand sie auch durch Guido Knopps Reportagen schon, aber das hier, das ist Sehnsucht auf einem anderen Level, nicht profan. Ich will kein Geschichtsrevisionist sein, auf keinen Fall.
Viel mehr bin ich für ein neutrales Erbe für Alle. Für die Generation, die es als Heimat verlor, für die, die dort neu anfangen sollten und für uns, jene Nachfahren, für die das Land ursprünglich bestellt wurde.
Ich will keine Ernte einfahren, nein, ich möchte das Brot von dort essen dürfen und ohne Groll mit allen, die das Preußen-Gen in sich tragen, teilen dürfen. Egal, wie es in den Körper kam.
Ja, ich bin Preuße in Europa. Und da gehört ein Preuße hin.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kindle-Spezifikum: Einige Karten in der Kindle-Ausgabe aufgrund fehlender Schattierung wertlos., 29. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preußen: Aufstieg und Niedergang - 1600-1947 (Kindle Edition)
Ich besitze die Pantheon Taschenbuch-Ausgabe und habe mir dieses Buch als ersten Kindle Buch gekauft.
Daher war ich natürlich daran interessiert, wie die Abbildungen und Karten auf meinem Paperwhite dargestellt werden.
In der Einleitung wird "eine Geschichte von Brandenburg - Preußen in 6 Karten" wiedergegeben.
Während man in der Taschenbuch-Ausgabe die Ausbreitung des Staatsgebietes anhand unterschiedlicher Grauschattierungen problemlos nachvollziehen kann, ist dies in der Kindle-Edition absolut unmöglich, da hier die Grauschattierungen nicht dargestellt werden. Damit sind diese Karten in der Kindle-Edition wertlos.
In der Abbildung Brandenburg um 1600 kann man das Staatsgebiet anhand der Umrandung erahnen, während in der Pantheon-Ausgabe zusätzlich eine Grauschattierung sichtbar ist.
Bei diesen genannten Karten sollte die Digital-Ausgabe nachgebessert werden, da die anderen Karten die im Buch verwendeten Grauschattierungen gut wieder geben.

Die sonstigen Karten:
Die Karte "Der Jülich-klevische Erbfolgestreit"
Die Karte "Der Deutsche Bund 1815"
Die Karte zum Deutsch-Dänischen Krieg
und auch die Abbildungen sind OK.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "In Deutschland aufgegangen", 8. August 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Clark beweist auf fast 800 Seiten nicht nur ein gutes Gespür für das Wesentliche in der preußische Geschichte. Er versteht es auch, Preußen frei von zeitgenössischen Urteilen zu beschreiben. Sein Augenmerk auf den preußischen "Militarismus" ist eine messerscharfe Analyse des Außenbildes, das preußische Minister, Beamte und Generäle prägten. Der über 60 Jahre lang brodelnde Konflikt zwischen Monarchie und Demokratie sowie zwischen Erneuerung und Bewahrung generell dient Clark als ständiger Orientierungspunkt. Clark begründet Kriegen und Konflikte nicht mit der oft zitierten militärischen Aggressivität Preußens. Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 und die Niederschlagung der Revolution von 1848 aber auch der siebenjährige Krieg Friedrichs des Großen, vor allem aber die napoleonischen Kriege standen in europäischen Zusammenhängen, die Preußen nicht allein zu verantworten hatte.

Preußische Besonderheiten wie die anfängliche (und später eingeschränkte) Religionsfreiheit, das permanente außenpolitische Zögern und Verharren, der immerwährende Versuch, die Lücken im zerklüfteten Deutschen Reich zu schließen und natürlich die Hassliebe zwischen Hohenzollern und Habsburgern finden bei Clark pragmatische Erklärungen. Die preußischen Könige werden fair und unter historischen Geichtspunkten beurteilt. Dass Wilhelm II. etwas knapp beschrieben wird, liegt sicher auch an Clarks anderem Preußen-Buch, das er eigens dem letzen Deutschen Kaiser gewidmet hat. Auch das Kapitel über Bismarck ist erstaunlich kurz im Vergleich etwa zu Friedrich dem Großen. Clark priorisiert die Themen nicht nach Popularität, sondern nach historischer Wichtigkeit. So kommt auch der 30jährige Krieg nicht zu kurz.

Wo das Buch droht, ins Abarbeiten von Jahreszahlen zu verfallen, streut Clark geschickt Schilderungen von Zeitzeugen ein, von unbekannten Journalisten, Beamten, einfachen Soldaten. Sie helfen, Zusammenhänge zu verstehen. Was ich durch das Buch vor allem gelernt habe, ist, dass Preußen als brandenburgisches/hohenzollernsches Kunstprodukt eine bürokratische Klammer war, die weniger eng war als heute oft kolportiert. Preußen war seit der Krönung des großen Kurfürsten 1701 ein instabiler Verwaltungsapparat, der große Philosophen (Hegel), Strategen (Gneisenau) und Staatslenker (vom Stein) hervorgebracht hat, aber letztlich weder gegen das unglückbringende Deutsche Reich nach 1918, noch gegen die wiederauflebenden Bundesländer nach 1945 bestehen konnte.
War Preußen an sich böse? Wohl nicht.

Ein tolles, wenn auch langes Buch. Am Besten einen historischen Weltatlas beim Lesen bereit halten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut empfehlenswert für jeden, dem übliche Geschichtsbücher nicht ansprechen., 21. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Absolut empfehlenswert für jeden, dem übliche Geschichtsbücher nicht ansprechen. Durch den Schreibstiel und die wertfreie Aufbereitung der Entwicklungen bekommt man einen sehr guten Eindruck von den politischen und gesellschaftlichen Einflüssen. Auf der Basis kann man sich selbst ein besseres Urteil drüber erlauben, ob alle heutigen Trends wirklich in eine prosperierende Zukunft gehen oder eher einige Traditionen und Errungenschaften geopfert werden.
Es wird nicht nur die Entstehung der Mythen von Deutscher Zucht, Disziplin und Sitte erklärt sondern auch die sehr fortschrittliche akademische und vielseits bewunderte Lernfreiheit nach Humboldt. Auf der Zeitreise sieht man, daß die heutige Form Deutschlands oft an der Grenze zwischen vollständiger Auflösung und stärkenden Veränderungen stand, deren Ergebnis aber nicht einmal ansatzweise abzusehen war.
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