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Kundenrezensionen

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am 26. April 2014
Achtung dies ist ein Theaterstück. Es spielen lediglich zwei Personen und es gibt keine Verfolgungsjagten, keine Landschaftsaufnahmen, keine Toten...

Für Zuschauer die Erotik mit Pornographie gleichsetzen wird es ebenfalls eine Entäuschung geben. Es gibt nicht viel nackte Haut und keine kopulierende Schauspieler.

Für die Zuschauer bei denen Erotik im eigenen Kopf beginnt, die bereit sind die eigene Phantasie zu bemühen, wird Venus im Pelz einige Überraschungen bereit halten.

Für mich waren die Wandlungen der Personen/Rollen überaus unterhaltsam. So verwandelt sich Emmanuelle Seigner in völlig unterschiedliche Personen. Diese Verwandlung ist der Schauspielerin vielleicht sogar etwas zu gut gelungen. So gibt es Szenen in denen das Tempo der Verwandlungen den Zuschauer fordert. Auch die Dialoge sind nicht gerade langsam und bestimmt ist mir die ein oder andere Anspielung entgangen. Das ist, für mich, ein gutes Argument, dass Stück noch einmal zu sehen.

Dabei geht es in diesem Stück nicht nur um Träume, geheime Wünsche und Erotik sondern auch um Macht und Rollenverteilung, Selbstaufgabe und Verwandlung. Schauspielerisch gelingt Seigner und Amalric eine atemberaubende Darbietung. Mit viel Sarkasmus zeigt Polanski warum der Geschlechterkampf lange schon entschieden ist. Die Gewinnerinnen zieren sich den Sieg anzunehmen. Vielleicht weil die Verlierer nicht fair gekämpft haben oder weil die neue Rolle nicht nur Vorteile hat.

Das es Polanski gelingt dem Zuschauer viel Freiraum für eigene Sichtweisen und Interpretationen zu lassen, hat mir sehr gut gefallen. Venus im Pelz kommt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, oder unnötig kompliziert daher, sondern schleicht sich sehr subtil und nachhaltig in die Gedanken des Betrachters.

Anders als im Theater, gelingt es der (einen) Kamera, den Zuschauer sehr dicht herran zu bringen. Dabei gibt es kein Gewackel und nicht den Hauch von Bewegungsunschärfe. Die Tonspur der Blu-ray ist das Beste was ich seit langen gehört habe. Abgesehen vom, für mich, sehr gelungenen Soundtrack, waren die Dialoge auch bei Zimmerlautstärke perfekt verständlich.
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am 8. Januar 2014
Polanski hat wieder einmal bewiesen, dass er einer der größten lebenden Regisseure ist. Was er hier mit den beiden Hauptdarstellern Emmanuelle Seigner (Vanda) und Mathieu Amalric (Thomas) in diesem Kammerspiel sich vor der Kamera abspielen lässt, ist Arthouse at its best, ist ein Blick in menschliche Abgründe. Ausgehend von Regisseur und Vorsprechtussi schlüpfen beide probeweise in zwei Rollen eines historischen Theaterstücks, das zu einer Reise in ihr jeweiliges Innenleben wird. Hier glänzt vor allem die Seigner, die von jetzt auf gleich in Tonfall und Habitus von einer kaugummikauenden, plollhaften Nachwuchsschauspielerein zu einer mondänen Dame der Gesellschaft des vorigen Jahrhunderts mutiert. Blitzschnell wechseln die Realitäten der Akteure mit den Dialogen des Stückes, ganz persönliches mit dem üblichen Theaterdonner. Und indem Vanda sich zur Domina und Göttin steigert und Thomas zum servilen Hündchen und Füßeküsser wird deutlich, dass es neben dem Lustgewinn beim Sex vor allem um Macht geht. Das macht der Rollentausch der Geschlechter deutlich, die völlige Selbstaufgabe geht mit der Unterwerfung bis zur totalen Verleugnung der eigenen Existenz. Und das bei witzig spritzigen Dialogen. (‘Und abends schaust du Arte und gehst schlafen und stirbst…‘) oder es wird mehrfach ‘Ambivalenz‘ mit ‘Ambiguität‘ verwechselt. Klar ist, dass bei Polanski die Frau als Siegerin die Manege verlässt. Selten ist ein Abspann so interessant wie hier, nachdem sich die Kamera zurückzieht d.h. die Anfangssequenz rückwärts läuft. Ein Geniestreich ohne den das Kino etwas ärmer wäre.
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am 11. Dezember 2015
... deklamiert Wanda(Emmanuelle Seigner) für sich. Aber kann man sich da noch sicher sein? Es wird jedenfalls schwierig. Wanda erscheint wie aus dem Nichts, als der Regisseur Thomas(Mathieu Amalric) ein Casting mit 35 Frauen in einem kleinen Theater beendet hat. Keine davon entsprach auch nur ansatzweise seinen Vorstellungen der Wanda, aus dem Stück -Venus im Pelz-, das er von dem österreichischen Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch adaptiert hat. Das spielt 1870, ist ziemlich gewagt und befasst sich mit Macht und Spiel in der Liebe. Eigentlich will Thomas nach Hause, doch dann erscheint diese seltsame Wanda. Sie kennt das Skript, hat den Text auf Tasche, schafft es Thomas ein paar Sätze vorzuspielen und überzeugt ihn komplett. Thomas bleibt im Theater und spielt das Stück mit Wanda durch. Die interpretiert den Stoff, ändert die Charaktere, setzt neue Akzente und sorgt dafür, dass bald nicht mehr klar ist, was ist hier eigentlich Theater und was Realität. Die Grenzen verschwimmen und Thomas verliert die Kontrolle. Ein Spiel zwischen Frau und Mann beginnt...

Einfach war das nicht. Gar keine Frage. Es geht vor allem um die Figur der Venus und das Stück von Sacher-Masoch, das es tatsächlich gibt. Man braucht schon ein wenig Zeit, um da reinzukommen und das Ende der Verfilmung erschließt sich dem Zuschauer auch nicht sofort. Roman Polanski hat in jedem Fall zwei brillante Akteure auf die Theaterbühne gestellt, die sich die lasziven Bälle der Story hervorragend zuspielen. Wie Emmanuelle Seigner ihren Charakter geradezu im Sekundentakt ändert, das hat schon was. -Venus im Pelz- unterhält auf der Theaterbühne, aber auch im Film kann der Stoff überzeugen. Für Freunde von anspruchsvollen Stücken, starken Dialogen und gutem Schauspiel ist der Film in jedem Fall sehenswert.
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TOP 500 REZENSENTam 7. April 2015
Der Meisterregisseur Roman Polanski hat das Zweipersonendrama des Broadway-Autors David Ives als Vorlage genommen, das seinerseits auf dem Klassiker "Venus im Pelz" von Leopold von Sacher-Masoch basiert. Der Marquis de Sade (1740-1814) lieh dem Sadismus den Namen und Leopold von Sacher-Masoch (1836-1895) dem Masochismus. Im kunstvollen Kammerspiel kommt es aber kaum zu jugendgefährdenden Praktiken, eher kreist es um die Liebe und ihre kuriosen Ausprägungen. Daß Emmanuelle Seigner, die Ehefrau von Polanski, und Mathieu Amalric die psychologisch vielschichtigen Charaktere überzeugend gespielt haben, ist leicht konstatiert. Ob Polanski aber zeitweise nur ein längeres Selbstgespräch führt oder ob die Verfilmung tatsächlich Anlaß zur Zuschauereuphorie gibt, weil der Film seine Bühnen-Vorlage deutlich in den Schatten stellt, ist schwer zu sagen; dafür müßte man sich das Broadway-Stück tatsächlich einmal ansehen. Mangels Zusatzinformationen auf dem Datenträger wie etwa Interviews erhält der Zuschauer darüber leider keinen Aufschluß. Er hat aber die schöne Erkenntnis gewonnen, wie unterhaltsam ein Zweipersonen-Film vermehrt um die eigenen Fragen und Assoziationen sein kann.
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am 5. Dezember 2014
2013 produzierte der achtzigjährige Roman Polanski in einer Koproduktion von Frankreich und Polen seinen neuesten Film „Venus im Pelz“.
Nachdem „Der Gott des Gemetzels“ zwei Ehepaare eineinhalb Stunden lang in einem einzigen Zimmer aneinander geraten sind, reduziert der Regisseur das Personal nochmals:
Nach einer einleitenden Kamerafahrt durch das verregnete Paris treffen ein Mann und eine Frau in einem Boulevardtheater aufeinander.
Als Vorlage diente erneut ein Theaterstück, diesmal von David Ives, nach Leopold von Sacher-Masochs skandalösem Roman „Venus im Pelz“
Der Autor und Theaterregisseur Thomas (Mathieu Amalric ) wird nach einem anstrengenden Castingtag, als er sich auf den Heimweg machen will, von der zunächst vulgär erscheinenden, rätselhaften Schauspielerin Vanda (Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner) bedrängt, die unbedingt noch für die Hauptrolle seiner geplanten Bühnenbearbeitung des Sacher-Masoch-Romans vorsprechen will.
Zunächst abweisend und ärgerlich lässt er sich schließlich darauf ein.
Die Folge ist ein sexuell aufgeladenes Machtspiel.
Fast in Echtzeit werden wir Zuschauer 96 Minuten lang diesem Spiel im Spiel aussetzt, dessen Prinzip schnell deutlich wird.

Man fragt sich, warum man sich dem unbedingt aussetzen soll.

Natürlich bietet Polanski wiederum dankbare Rollen, die auf schauspielerischen Exzesse abzielen.
Die souverän aufspielenden Schauspieler haben sichtlich ihren Spaß an den der Zerstörung ihrer Figuren.

Dieser will sich nur nicht so recht auf mich übertragen.
Mathieu Amalric erinnert in seinem Gehabe und seiner Ausstrahlung nicht ohne Grund sehr den jungen Roman Polanski selbst. Und ein Selbstporträt soll es wohl auch sein.
Also eine Aufarbeitung seiner Obsessionen?

Vielleicht – aber so recht zünden will es bei aller Brillianz der Inszenierung nicht.
Zudem ist die Ausstattung für eine Blu-ray Disc wieder einmal ärgerlich: Außer Trailer für diesen und andere Filme Fehlanzeige! (für Ausstattung gibt also nur einen Stern!)
Trotzdem: Sehenswert ist das allemal!
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am 23. März 2014
meine erste Filmrezension ;-)
... und ich will meine Motivation gleich voranstellen: ich bin euphorisch!
Dieses Stück hat das Zeug ein Klassiker zu werden(!) was Polanski hier vorlegt ist atemberaubend und fesselnd.

Wenn DAS "Arthouse " ist, wie einer meiner Vorredner meint, hat Arthouse einen neuen Fan. Ich bin froh das heute noch solche Filme möglich sind und (Achtung Spoiler ;-) ) danke denen auf Knien die Füße küssend die solch ein Projekt möglich gemacht haben.

Die Handlung wurde hier ja schon umrissen, daher lass ich sie mal außen vor. Was mich fasziniert hat ist die Flexibilität in der die Rollen angelegt sind und wie grandios spielerisch-virtuos sie auch umgesetzt wurden. Zeitweise beschleicht einen das Gefühl das die Beiden oder zumindest einer improvisiert. Das Theater wird zur Bühne des Kammerspiels über Kunst und Leben, Erotik und Lust, Macht und Manipulation.

Meines Wissens spielte Polanskis Ehefrau, Emmanuelle Seigner, 1999 in "Die neun Pforten" das letzte mal unter seiner Regie.
http://www.amazon.de/neun-Pforten-Blu-ray-Frank-Langella/dp/B00516WP0Q/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1395568989&sr=8-2&keywords=Die+neun+Pforten
Einziger Wermutstropfen für mich ist ihr leicht holpriges Intro. Die vulgäre, Kaugummi kauende Bewerberin gelingt Emmanuelle Seigner, meinem Gefühl nach, nicht so sehr. Sie spielt sich da noch etwas "warm" um im Theaterjargon zu bleiben. Als die keifende, überdrehte und laute Vanda nach der Stimmübung ihre Werte offenbart hat es mich fast aus den Schuhen gehoben. Da die Wendung so überzeugend gelingt und ich mir nicht sicher bin ob Polanski das nicht auch bezweckte mag ich dafür auch keinen halben Punkt Abzug geben.
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am 12. Mai 2014
"Gott hat ihn gestraft und hat ihn in eines Weibes Hände gegeben".

Mit diesem Bibelzitat läßt Leopold von Sacher-Masoch seine Novelle "Venus im Pelz" aus dem Jahre 1870 beginnen und auch in dem gleichnamig betitelten jüngstem filmischen Werk von Roman Polanski begegnet dieses Zitat dem Zuschauer in ironisch gebrochener Weise.

Die Filmfestspiele von Cannes 2012: Roman Polanski führt dem Festivalpublikum die restaurierte Fassung seines Filmklassikers "Tess" mit Nastasja Kinski vor. Sein Agent übergibt ihm dort das Script des Theaterstückes "Venus im Pelz" in dem der Bühnenautor David Ives die Novelle von Sacher-Masoch in die Neuzeit verlegt und frei interpretiert. Der Regisseur ist begeistert von dem Stück und beschließt die Verfilmung des Theaterspieles zu seinem nächsten Projekt zu machen. Die zuvor geplante filmische Adaption der historischen Dreyfuss-Affäre ist noch nicht so weit gediegen und soll sich noch einige Zeit in der Drehbuch-Phase befinden (Drehbuchautor Robert Harris hatte sich entschlossen zuerst eine Adaption der historischen Ereignisse in Romanform vorzunehmen und erst anschließend das Drehbuch zu verfassen. Der Roman ist hierzulande mittlerweile unter dem Namen "Intrige" erschienen). Außerdem sieht der polnisch-französische Regisseur sowohl seinen lang gehegten Traum einen Film mit nur zwei Protagonisten zu inszenieren in Verwirklichung treten (sein Spielfilmdebüt "Das Messer im Wasser" hat drei Protagonisten aufzuweisen) als auch nach Jahren wieder mit seiner Frau Emmanuelle Seigner zusammen zu arbeiten und zwar in französischer Sprache (letzte filmische Zusammenarbeit in "Die Neun Pforten" 1999).

Zum Plot des Filmes: Der Theater-Regisseur Thomas plant eine Bühnenadaption von Sacher-Masoch's Novelle "Venus im Pelz" findet jedoch keine Schauspielerin die seinen Ansprüchen für die Verkörperung der weiblichen Hauptrolle Vanda" des Stückes genügt. Nach einem langen und enttäuschenden Casting-Tag taucht schließlich mit arger Verspätung eine Bewerberin auf, die erst recht nicht (!) seinen persönlichenVorstellungen für die Rolle entspricht und obendrein auch noch (zufällig?) den gleichen Vornamen trägt wie die Protagonistin des Bühnenstückes. Mit Dreistigkeit und unverblümter Geschwätzigkeit bekommt es die ungebildet und prollig wirkende Vanda schließlich hin, trotz Verspätung und Antiphatie des Regisseurs ein Vorsprechen zu später Stunde zu erwirken...

Wie bereits erwähnt treten in Polanski's "Venus im Pelz" lediglich zwei Akteure in persona auf (verkörpert von den Darstellern Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric ) und die Handlung des Filmes spielt ausschließlich in einem alten Pariser Theater. Das Werk reiht sich in seiner Begrenzung des Raumes und der weitgehenden Isolation (eines der Haupthemen in Polanski's Oeuvre) der Charaktere von ihrer Außenwelt in viele andere filmischen Beiträge des Regisseurs ein ("Das Messer im Wasser", "Der Tod und das Mädchen", "Wenn Katelbach kommt", "Ekel"). Die Handlung des Filmes findet in Echtzeit statt, d. h. das aristotelische Prinzip zur Konstruktion von Dramen (Einheit von Raum, Zeit und Handlung, keine Zeitsprünge, Ortsveränderungen oder Nebenhandlungen) bleibt gewahrt.

Der Film ist eine kammerspielartige, komödiantische Farce mit Intellekt und dunklen Untertönen in der sich die zwei Protagonisten in einem Kampf der Geschlechter im Reigen von Unterwerfung und Dominanz gegenseitig umkreisen (mit letztendlich eindeutigem Ausgang). Um falschen Erwartungshaltungen vorzubeugen, sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnt werden, daß der Film kein prickelnder Erotik-Streifen ist und dies im übrigen auch gar nicht sein will. Im Fortlauf der Handlung erklärt sich Theater-Regisseur Thomas bereit, zusammen mit der Schauspielerin Vanda Szenen aus dem Stück Venus im Pelz" zu proben. Zunehmend verwischen die Grenzen zwischen der Realität und der Handlung des geprobten Stückes und die Protagonisten transformieren sich auch außerhalb der Probensituation mehr und mehr in die Figuren des Bühnenstückes (mit einem Ausgang der hier nicht verraten werden soll). Fast schon neckisch wird das ineinander Verlaufen der verschiedenen Ebenen auch durch den sehr gelungenen Soundtrack von Alexandre Desplat transportiert (im Vergleich ist die Musik hier weitaus präsenter als in der letzten Bühnenadaption von Polanski "Der Gott des Gemetzels").

Innerhalb des begrenzten Raumes des Schauplatzes inszeniert Roman Polanski seinen Film mit gekonnter Perfektion und Präzision und teilweise sogar überraschend verspielt. Ebenfalls hervorzuheben ist die hervorragende Cinematographie des Werkes (Polanski's erster digital gedrehter Spielfilm). Die beeindruckende Beleuchtung und Lichtdramaturgie innerhalb der Szenerie des alten Theaters durch Kameramann Pawel Edelman und das elegante Framing von Roman Polanski gehen Hand in Hand. Die Kamera wandert mit den Protagonisten durch das Theater und beleuchtet das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven, sodass hier trotz des begrenzten Raumes nicht der Eindruck eines statisch abgefilmten Theaters-Stückes entsteht (wie man es beispielsweise aus Fernsehübertragungen kennt).

Ein Herzstück des Filmes sind natürlich die schauspielerischen Leistungen, mit denen die Qualität eines Filmes dieser Art steht und fällt. Und die Schauspieler zeigen in Venus im Pelz" eine mehr als gelungene Leistung. Emmanuelle Seigner zeigt die wahrscheinlich beste Leistung ihrer bisherigen filmischen Laufbahn und wechselt spielerisch zwischen den verschiedenen Parts ihres doppelgründigen Charakters hin und her. Mathieu Amalric, dessen Rolle im Vergleich weniger schauspielerische Steilvorlage bieten mag als die des weiblichen Counterparts, bietet ebenfalls eine absolut überzeugende Vorstellung.

Nebenbei macht sich Polanski in "Venus im Pelz" auch einen Spass daraus, Analogien zu seiner persönlichen Vita spielerisch zu verarbeiten. Emmanuelle Seigner ist im realen Leben seine Ehefrau, die er bereits mehrfach für Film und Theater in Szene gesetzt hat. Mathieu Amalric der bereits an sich schon dem jungen Polanski ziemlich ähnlich sieht, wurde für "Venus im Pelz" nochmal eindeutig im Stile des jungen Polanski's zurechtgemacht (und spielt im Film ebenfalls einen Regisseur, der Seigner bzw. "Vanda" inszeniert.) An einer Stelle des Filmes erwähnt Vanda, dass sie früher einmal für die Rolle der Hedda Gabler viel Lob geerntet hat (eine Rolle aus dem gleichnamigen Theaterstück von Hendrik Ibsen). Wer die Vita von Polanski kennt weiß vielleicht, daß der Regisseur in Frankreich wirklich mal das Stück "Hedda Gabler" mit seiner Frau in der Hauptrolle inszeniert hat. Man sollte zwar keineswegs den Fehler begehen, die Rolle des Thomas im Film als "Alter Ego" von Polanski zu deuten, aber bis zu einem gewissen Grad wird schon mit der Realitätsebene schelmisch gespielt, was dem Werk einen zusätzlichen Reiz verleiht. Ein Film in dem zum einen die Verwischung der Grenzen zwischen der innerfilmischen Realität und der Handlung des geprobten Stückes fortschreitet und zum anderen feine Rinnsale von Realität aus dem echten Leben des Regisseurs hinter der Kamera einfließen und sich im Plot spiegeln.

In dem vordergründig eher leichten Werk sind die typischen Markenzeichen des Regisseurs vorhanden: von der klaustrophobischen Stimmung des begrenzten Raumes, der Isolation der Charaktere von ihrer Umwelt, bis hin zu Momenten absurder Komik. Besonders im Finale fühlt man sich auch an Polanski's Film "Der Mieter" erinnert. Ich habe den Film mittlerweile bereits mehrmals gesichtet,sowohl in der deutschen Synchronisaton als auch im französischen Original mit deutschen Untertiteln und favorisiere den O-Ton. Gerade Madame Seigner ist im französischen Original noch mal ein gutes Stück überzeugender wie ich finde.

Da hier in den letzten Tagen verstärkt sehr oberflächliche 1-Stern-Rezensionen aufgetaucht sind (in denen keiner der Rezensenten in der Lage war wirklich aufschlussreich zu benennen was an dem Film eigentlich genau bemängelt wird) vielleicht noch kurz ein paar Worte in punkto (falsche) Erwartungshaltung (was meiner Meinung nach ein Grund für die teilweise schroffe Beurteilung des Werkes durch die Rezensenten sein könnte).

Eher nicht empfehlenswert ist "Venus im Pelz" für Menschen

die von dem Film vorrangig erotische Szenen, voyeuristischer Art erwarten (diese Erwartungen werden nicht erfüllt).
die grundsätzlich nicht viel mit sehr dialoglastigen Filmen anfangen können.
die sich von Filmen gelangweilt fühlen, die lediglich an einem einzigen, sehr begrenzten Ort spielen.

Zur deutschen Blu-Ray:

Der Gesamteindruck des Bildes ist hervorragend. Die Bildschärfe ist durchgehend auf sehr gutem Niveau und die Szenen innerhalb des dunklen Theaters bieten einen exzellenten Kontrast. Die eher erdig gehaltene Farbpalette des Filmes wird harmonisch und in guter Sättigung präsentiert. Bonusmaterial gibt es außer Trailern nichts (weil auch wohl nichts produziert wurde). Über die Qualität des Tones mag ich in Ermangelung einer wirklich guten Anlage keine Äußerung treffen. Sowohl der deutsche als auch der französische Ton liegen jedenfalls in DTS-HD 5.1 vor. Bei der Bearbeitung der deutschen Tonspur hat sich EuroVideo an einem Punkt des Filmes eine willkürliche Freiheit gegenüber dem Original erlaubt. Im Finale des Filmes wird an einer Stelle einfach ein prägnanter Voice-Effect, der in der originalen französischen Tonspur vorhanden ist, komplett weggelassen. Wohl in Annahme, das den meisten Zuschauern dies eh nicht auffällt und um Kosten zu sparen? Auch wenn dies dem Film in seiner Gesamtheit keinen Abbruch tut, ist diese bestimmte Stelle im Vergleich zum O-Ton allerdings weniger intensiv, ganz zu schweigen von der Anmaßung das Werk eines als Perfektionisten bekannten Regisseurs eigenmächtig zu ändern (und sei es auch nur an einer Stelle).

Insgesamt kann man "Venus im Pelz" thematisch und inszenatorisch durchaus als eine Art Quintessenz des bisherigen Schaffens von Roman Polanski ansehen und das Werk bietet meiner Meinung nach wieder ein gutes Stück mehr "Polanski-Touch" als sein Vorgänger "Der Gott des Gemetzels". Wenn ich nicht die volle Punktzahl vergebe, dann lediglich um die Relation zu (meiner Meinung nach) anderen noch stärkeren Werkes des Regisseurs zu wahren. Werde mir den Film in Zukunft bestimmt noch einige Male mit Freude anschauen.
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am 30. Dezember 2013
Erst war ich ja skeptisch. Ist das wieder so eine Story, die ohne tiefere Kenntnis der echten BDSM-Szene daherkommt? Allein die Vokabel "Sadomaso" lässt das vermuten; und wenn dann noch die Frau, die sich für die dominante Rolle bewirbt, das Halsband umhat, schwant einem das Schlimmste.

Doch Surprise! Nach langem, nassgeregnetem und larmoyantem Geflehe, der Regisseur möge die Bewerberin doch bitte anhören, auch wenn das Casting schon vorbei ist, lässt er sich schwer genervt drauf ein. Sieht aus wie Polanski mit 40 und hat Polanskis Ehefrau aus dem wahren Leben als Partnerin. Und wie sie ihm aufspielt! Von einer Minute zur anderen stellt sie die wirkliche Vanda auf die Bühne, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Wer führt jetzt eigentlich Regie?

Mehr sei nicht verraten. Aber so viel, dass ich das kleine Kino in tiefer Befriedigung verließ. Genugtuung. Nicht nur, weil die schauspielerische Leistung von Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric auf Oscar-Niveau stattfindet. Auch das Script hätte von mir aus eine Auszeichnung verdient.
Ja, da hat jemand tiefe Einblicke in den Kern des Sadomasochismus -- und er verbindet das mit politischen Reflexionen. Das ist kein oberflächliches Geplänkel, sondern eine Kraftprobe, die jeden angeht, der mit Machtgefälle spielt.
Es ist eine umfassende Kritik an der Leichtfertigkeit, in der zur Zeit die Massen in die Szene strömen, um mal am Perversen zu naschen. Und mit dieser Art von Voyeurismus und mit der Einstellung, die dem zugrundeliegt, geht Polanski so gründlich ins Gericht, dass ich den Film zum Pflichtstoff für alle SM-Interessierten machen möchte.
Einfach großartig.
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am 23. Januar 2016
Ich habe den Film bei Love-Film ausgeliehen ohne mich vorher genauer zu informieren, was mich da erwartet. Ausschlaggebend war der Regisseur, das Cover und die Notwendigkeit einen Film auf die Leihliste zu bringen.
Um so mehr war ich erstaunt, was ich zu sehen bekam und das von Minute zu Minute mehr. Der Inhalt des Filmes wurde in diversen Rezensionen beschrieben, daher gebe ich das hier nicht wieder. Was mich beeindruckt hat war die Verwandlungsfähigkeit der Protagonisten, die wohltuende Langsamkeit und die immer wieder auftauchenden Irritationen, wenn mal wieder nicht klar war um was es gerade geht, um das Stück oder die entstehende "Beziehung" zwischen den beiden Akteuren. Auf jeden Fall ein Film der die Möglichkeit eröffnet selbst über die "Untiefen" in den Beziehungen zwischen Mann und Frau nachzudenken, ohne dass man zu stark von einer Betrachtungsweise beeinflusst wird. Gelungen finde ich auch das Ende des Films.
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am 13. Oktober 2014
Roman Polanski legt mit seinem neuesten Werk einen vergnüglichen, intelligenten - und manchmal auch bitteren- Geschlechterkampf vor. Ein Kammerspiel par excellence, das durch die darstellerischen Qualitäten von Matthieu Amalric und Emmanuelle Seigner in den Adelsstand erhoben wird. Obwohl man Polanski vielleicht auch diesmal wieder - nach "Gott des Gemetzels"- vorwerfen könnte, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, da er wieder das Genre des Kammerspiels gewählt hat und auch hier die üblichen Polanski-Sujets, wie Isolation und psychische Fehlentwicklung fehlen, hat er die Gratwanderung zwischen Arthaus und Mainstream wieder einmal spielend geschafft. Besonders verblüfft hat mich Emmanuelle Seigner, die ich eigentlich nicht gerade als Hochleistungsschauspielerin auf dem Zettel hatte. Sie spielt regelrecht um ihr Leben -die Verwandlung von einer einfältigen und plumpen Gelegenheitsschauspielerin zu einer des Regisseurs Amalric intellektuell ebenbürtigen -wenn nicht sogar überlegenen Partnerin - ist ganz großes Kino! Diesen Film kann ich nur empfehlen und freue mich schon jetzt auf den nächsten Polanski-Film "D", in der er die Dreyfus-Affäre verfilmt!
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