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am 26. Juli 2015
Orson Welles (1915-1985) war einer der Filmschaffenden, die das populäre Kino auf ein selten hohes Niveau künstlerischer Qualität hoben. Er erreichte den Höhepunkt seines Schaffens in den 40er und 50er Jahren und hätte zweifellos einen bisher unbekannten Grad von Komplexität erreicht, wenn ihm nicht die Kontroversen mit den amerikanischen Studios entgegengestanden hätten. Niemand hat sich so kämpferisch und gleichzeitig geistreich mit Fragen gesellschaftlicher und individueller Macht und der damit einhergehenden Korruption auseinandergesetzt wie er (Citizen Kane 1941, The Third Man 1949, Mr. Arkadin 1955, Touch of Evil 1958). Seine persönlichen Konflikte zeigen aber auch, wie schwierig es für Regisseure wurde, in Hollywood kritische künstlerische Arbeit zu leisten, da zunehmend jeder Aspekt der Filmproduktion kompromislos dem Profit untergeordnet wurde.

Touch of Evil (Originaltitel) war dann auch der letzte Hollywood-Film dieses begnadeten Regisseurs, bevor er frustriert vom Filmgeschäft in den USA, seine Arbeit endgültig nach Europa verlegte. Der Film entstand wieder einmal unter den erzwungenen Bedingungen der Universal Studios, die wie nach dem Welterfolg Citizen Kane die erste Schnittfassung strikt ablehnten. Die Universal Fassung betrug nach vielen Diskussionen lediglich 95 Minuten und wurde mit einigen nachgedrehten Szenen als B-Picture und Double Bill in die Kinos gebracht und finanziell prompt floppte. Nichtsdestotrotz zog Touch of Evil das Publikum in seinen Bann, da der Film damals zu den schwärzesten Werken des Noir Genres zählte, weshalb er zumindest in Europa durch Filmkritiker wie François Truffaut geradezu begeisert beschrieben wurde. Nicht wenige sind der Meinung, dass dieses Werk gleichzeitig das Ende des klassischen Film Noir markierte. Diese 1998 restaurierte Fasssung erschien 13 Jahre nach dem Tod des Regisseurs, sie basiert auf Orson Welles berühmtem 58-seitigen Memo und dürfte wohl der Originalfassung entsprechen. Auf jeden Fall hält der Film narrativ weit besser zusammen als fast jeder andere. Wegen der Komplexität der Handlung sollte dieser Beitrag lediglich als einer von vielen angesehen werden.

Ort der Handlung ist ein fiktives Kaff namens Los Robles an der U.S.-Mexico Grenze, das als Metapher für die dunklere Seite des amerikanischen Bewusstseins steht und als solche in die populäre Kultur einging. Sowohl in Filmen als auch Songs und Romanen hatte der Satz "going down to Mexico" nur eine Bedeutung, nämlich dem U.S. Gesetz zu entfliehen oder alle moralischen Grundsätze fallen zu lassen. In den anspruchsvolleren Filmen versuchten die Charaktere sich selbst zu testen, dem Chaos die Stirn zu bieten um ihr besseres - oder schlechteres - inneres Selbst zu finden: Treasure of the Sierra Madre, Night of the Iguana, Under the Volcano (alle von John Huston), Suddenly Last Summer (Joseph Mankiewicz), The Wild Bunch und The Getaway (beide von Sam Peckinpah) mögen als Beispiele dienen. Ein literarisches Exempel statuierte Cormac McCarthy mit seiner Border Trilogy.

Die südliche Seite von Los Robles wird durch die ungeschnittene und dadurch berühmte und vielfach besprochene Kamerafahrt vorgestellt. Dieser “opening shot” entsprang nicht einer Laune des technisch Machbaren, sondern ist stilistisch und thematisch notwendig, das gesamte Konzept von Zeit und Raum basiert darauf. Mit Schnitten wäre das Gefühl dafür verlorengegangen, wie lange es dauert vom Scharfmachen und Verstecken der Zeitbombe im Kofferraum eines Cabriolets das dem wohlhabenden Geschäftsmann Linnekar gehört, der sich mit einer Striptease Tänzerin vergnügt, bis zur Explosion. Wir wüssten nichts über die Distanz die diese tickende Zeitbombe zurücklegt. Ausserdem nutzt Orson Welles diese schwebende Kamerafahrt, um uns Los Robles vorzustellen, das offenbar von Prostitution und Drogenhandel lebt. Neonreklamen einschlägiger Etablissements säumen die Strasse. Man amüsiert sich unter Kolonnaden, die einstigen Reichtum andeuten, nun aber verblichen sind und als Staffage von Saloons, Gambling Halls u.ä. dienen. Als das Cabriolet Charlton Heston und Janet Leigh passiert, die entlang der Strasse flanieren, bleibt die Kamera auf sie geheftet bis sie die Grenze erreichen, wo sie dem Cabrio wieder begegnen. Dabei steigt die Spannung spürbar - und dann explodiert in einiger Entfernung die Bombe und in den Flammen sterben die Insassen des Fahrzeugs. In dieser Kamerafahrt von 3 Minuten und knapp 30 Sekunden erhalten wir ein Maximum an Informationen, auch in Form von Stimmungsbildern.

Insgesamt ist es Orson Welles gelungen, die typischen Stilelemente des Noir zusammenzufassen um sie sofort wieder ad absurdum zu führen. Der mexikanische Drogenfahnder Mike Vargas (Charlton Heston) und seine amerikanische Frau Susan (Janet Leigh) verbringen ausgerechnet in Los Robles ihre Flitterwochen - möglicherweise bietet die Stadt doch einige Sehenswürdigkeiten die der Regisseur dem Zuschauer vorenthält. Als die Autobombe hochgeht, schaltet sich Vargas sofort in die Ermittlungen ein, da die Bombe mexikanischen Ursprungs ist, dabei benötigt er die Kooperation des amerikanischen Police Captain Hank Quinlan (Orson Welles). Da Vargas ein aufrechter und nicht korrumpierbarer Polizeioffizier ist, während Quinlan reichlich kreative Auffassungen von Recht und Ordnung hat und diese auch skrupellos durchsetzt, prallen die beiden aufgrund ihrer gegensätzliche Ansichten bald aufeinander. Der legendäre Quinlan folgt bei den Ermittlungen seiner bewährten "Intuition" die ihn auch rasch zum Bombenleger führt: Pancho der heimliche Liebhaber von Linnekars Tochter, in dessen Zimmer sich auch zwei Stangen Dynamit finden. Nachdem Vargas die Echtheit dieser Beweise offen anzweifelt, überschlagen sich die Ereignisse und entwickeln sich zu einem verwirrenden Geflecht aus Lügen, Intrigen und Gewalt. Susan wird von einem Gangster der mit Quinlan konspiriert in ein entlegenes Motel entführt, wo sie von seinen Komplizen terrorisiert, mit Drogen vollgepumpt und vergewaltigt wird. Das gesamte Ausmass von Gewalt und Korruption steigert sich mit jeder Minute und am Ende werden einige Handlungsabläufe ins Gegenteil verkehrt, sodass dann auch einige moralisch fragwürdige Elemente obsiegen. Diese Entwicklungen sollten jedoch zum Nachdenken anregen.

Aber wer fragt bei einem solch gewaltigen Film nach der Logik des Plots? Man bewundert die Regiearbeit und die Bildkunst von Russell Metty, der genau weiss, wann eine Szene eher mit scharfen Kontrasten oder in weicheren Grautönen am besten wirkt. Auch Henry Mancini gelingt ein Jazz inspirierter Score, der aus dem Film ein atmosphärisches Erlebnis macht. Mancini sagte, dass dies seine beste Arbeit für Universal war. Es gelingt ihm tatsächlich, das Publikum durch die Handlung zu führen indem er jedem Charakter einen eigenen musikalischen Stil verleiht. Glänzende darstellerische Leistungen - wenn auch Charlton Heston neben Orson Welles etwas abfällt - runden den Film ab. In einer Cameo Rolle ist auch Marlene Dietrich als Bordell Besitzerin und Wahrsagerin Tanya zu bewundern, trotz weniger Dialogzeilen, hat sie einige der besten.
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Die dreckige Kleinstadt Los Robles an der mexikanisch-amerikanischen Grenze bietet einige Bordelle und ist ein Zentrum des Drogenhandels - alles unter Kontrolle der Gangster-Familie Grandi. Gerade als der mexikanische Drogenermittler Vargas (Charlton Heston) mit seiner amerikanischen Frau Susan (Janet Leigh) die Grenze überschreitet, erschüttert die Explosion einer Autobombe den Ort. Der angesehene amerikanische Polizei-Captain Quinlan beginnt die grenzüberschreitenden Ermittlungen. Die Zusammenarbeit des abgewrackten und desillusionierten Quinlan mit dem streberhaften Vargas wird sich sehr schwierig gestalten und für alle Beteiligten tragisch enden ...

TOUCH OF EVIL markiert das Ende der sogenannten SCHWARZEN SERIE, die 1941 mit John Hustons THE MALTESE FALCON begann. In dem bedrohlichen Milieu verwischen jegliche Unterschiede zwischen Gut und Böse, hier verkörpert vor allem von der tragischen Figur des Police-Captains, der im Dienste der Gerechtigkeit auch Beweise fälscht. Legendär wurde die nahezu 4 Minuten ungeschnittene Eingangsszene, in der die Kamera einem fahrenden Auto folgt und parallel die Figur des mexikanischen Drogenermittlers eingeführt wird. Ebenso unübertroffen ist die tragische Schlussszene, die in der Konsequenz einen wehmütigen Abschied vom Film Noir darstellt und symbolhafterweise an einer Mülldeponie spielt.

Die Studiobosse von UNIVERSAL hatten 1958 wenig Verständnis für Orson Welles weitausholendes Drama und setzten gegen seinen Willen eine 16 Minuten gekürzte Fassung durch, die ab 1958 auch in Deutschland mit Jugendfreigabe ab 18 Jahren zu sehen war. Der nach Orson Welles Intentionen 1998 wiederhergestellte Director's Cut wurde 2003 von UNIVERSAL auf DVD veröffentlicht und leider mit der 1998 für das Fernsehen erstellten nahezu unerträglichen Neusynchronisation versehen.

KOCH MEDIA hat für die Blu-ray-Veröffentlichung keine Mühen gescheut. Auf Disc 1 befindet sich der Director's Cut mit der alten deutschen Synchronfassung, die in den eingefügten Szenen mit der Neusynchronisation komplettiert wurde. Wer die Synchronfassung von 1998 zum Vergleich erleben möchte, hat dazu auf einer zweiten deutschen Tonspur Gelegenheit. Wahlweise kann der Film in 16:9 oder 4:3 wiedergegeben werden. Zwei Dokumentationen (38 min, englisch, deutsche Untertitel) vervollständigen die Disc. Auf der zweiten Blu-ray befinden sich die Kinofassung von 1958 (4:3 oder 16:9) und die Previewfassung von 1958 (16:9) - beide mit der alten Synchronfassung und deutsch oder englisch untertitelbar. Bild- und Tonqualität sind dem Alter des Films entsprechend absolut in Ordnung. In dem stilvollen Mediabook aus der Reihe Masterpieces of Cinema (FSK-Logo abziehbar) befindet sich ein 12-seitiges Booklet mit einem informativen Text von Sascha Westphal.

Eine hervorragende Veröffentlichung, die jedem Sammler klassischer Filme zu empfehlen ist.
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am 13. Dezember 2014
Und das sowohl vom Film her als auch von der hervorragenden Bestückung dieser BD-Box !

Produktrezi zu : Im Zeichen des Bösen - Masterpieces of Cinema Collection [Blu-ray]

Was für ein gelungenes Filmwerk vom Multitalent Orson Welles. Darsteller, Drehbuchautor & Filmregisseur, all dies zusammen leistete seinerzeit der kom­po­si­to­risch ton­an­ge­bende Amerikaner in diesem wunderbar nostalgisch anmutenden & höchst unterhaltsamen Film noir.
Diesen Streifen habe ich auf Anregung eines besonders ehrenwerten Gleichgesinnten geordert & mich vom allerfeinsten unterhalten gefühlt.
Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meinen Freund Ralf !

Nachfolgend, liebe Filmfreunde & Interessierte an dieser BD-Ausgabe, gebe ich Euch auch mal einen kleinen Einblick hinsichtlich Ausstaffierung dieser Filmbox & ich bewerte meine Media-Artikel immer als Gesamtprodukt.

► ZUM STREIFEN : Im Zeichen des Bösen ( USA 1958 ) / Originaltitel: Touch of Evil
==============
Zwei Pärchen verlassen das mexikanische Städtchen Los Robles, eines zu Fuße & das Andere per Cabriolet. Just auf US-amerikanischen Boden kommt es zu einem Unglück & für das Spaziergängerpaar, dem mexikanischen Rauschgiftfahnder Miguel Vargas alias Charlton Heston nebst Gattin Susan ( Klasse : Janet Leigh ) beginnt eine wahre Odyssee um Leben & Tod.

Unfehlbarkeit kann tödlich sein, ja durchaus & den Beweis dafür inzenierte Orson Welles, nach Vorlage des Kriminalromans „ Badge of Evil “ vom Autoren-Duo Robert Wade & Bill Miller, optisch sowie auch sozialkritisch sehr eindrucksvoll in bewegenden Bildern.
Regisseur & Autor Orson Wells bietet seinem Zuschauer hier neben vieler weiterer, ausgezeichnet agierenden, auserwählten Stars ein ganz starkes Schauspiel.
Und nicht minder die bildhübsche Janet Leigh als die in Not geratene Ehefrau eines Latino-Polizisten. Desweiteren noch mit Akim Tamiroff, Joseph Calleia & Marlene Dietrich sowie Dennis Weaver etc. .
Für die m. E. sehr gute sowie absolut stimmig untermalende Filmmusik war seinerzeit der amerik. Komponist Henry Mancini zuständig.

Mein Eindruck ⋙ Sehr sehenswert

► DREI FASSUNGEN
===============
⋙ DISC № Eins ⋘ ( siehe dazu auch Foto № 4 )

1. ) Rekonstruktion / Directors's Cut von 1998
Laufzeit : exakt 110:47 Min. sowie reine 108:06 Min. ohne Abspann
Mit einem separaten Kapitelmenü von 1 bis 22 !

Tonspuren : DTS-HD Master Audio 2.0 in Deutsch & Englisch
Wahlweise entweder die 58er dt. Tonfassung od. die gewöhnungsbedürfigere 98er Neusynchronisation in Deutsch. Beide dt. Synchros sind gut sowie auch stets klar & deutich verständlich.
Mein Tipp : Die 58er Tonfassung ist m. E. charakterlich etwas passiger ausgewählt, denn so kamen mit Horst Niendorf für Protagonist Charlton Heston & Walther Suessenguth für Orson Welles hier doch recht gute Sprecher stimmig zum Einsatz.
Tonschwankungen der hier nachträglich hinzugefügten Szenen sind allerdings wahrnehmbar & dennoch ist die Qualität durchaus akzeptabel.
TOP ≫ Es sind Untertitel für beide Sprachen vorhanden & zuschaltbar

Bildformate : Wahlweise 1.37:1 - 4:3 od. 1.85:1 - 16:9, beide ( 1080p - 23,976 fps )
Beim Bildformat 1,37:1 wird bei HD-Auflösungen, um das Seitenverhältnis an einem Breitbildschirm anzupassen, vom Format 4:3 ( Vollbild ) auf 16:9 ( Pillarbox ) umgewandelt.
Das Bild erscheint dann, ohne nachträgliches Einstellen, auf einem 16:9 Bildschirm mit 1.37:1 ( Vollbild ) zwar in den stimmigen Proportionen, allerdings beidseitig mit breiten, schwarzen Randbalken versehen.
Auch qualitativ ist das 1.37:1 ( Vollbild ) hier gegenüber dem anamorphen 1.85:1 eher nur mäßig & recht schwankend in der Darbietung.
Meine Empfehlung : Das qualitativ gute, recht saubere TV-Format 1.85:1 ( 1080p - 23,976 fps ) mit einer ordentlichen Bildschärfe sowie mit einem guten Schwarzwert im akzeptablen Kontrastverhältnis

⋙ DISC № Zwei ⋘ ( siehe dazu auch Foto № 5 )

2. ) Kinofassung von 1958
Laufzeit : exakt 95:22 Min. & zeigt bei 95:11 Spielminuten ledgl. den Schriftzug 'ENDE'
Mit Kapitelmenü von 1 bis 19 !

Tonspuren : DTS-HD Master Audio 2.0 in Deutsch & Englisch
Ton & Musik erklingen recht sauber & auch die Dialoge sind allzeit gut zu verstehen.
GUT ≫ Ebenfalls mit optionalen UTs beider Tonfassungen

Bildformate : Wahlweise in 1,37:1 ( Vollbild ) od. 1.85:1 ( anamorph ), beide ( 1080p - 24 fps )
Im Bezug auf die Bilddarbietung hier allerdings mit einigen Einschränkungen, denn ein leichtes bis mittelstarkes Filmkorn ( dieses wirkt grießig ) ist vorhanden & dieses beeinträchtigt den Sehgenuss schon einwenig.
Zudem noch etwas zu kontrastreich an Helltönen & auch Verunreinigungen auf dem Filmstreifen sind mitunter noch vorhanden.
Kurzum : Eine eher mittelprächtige Bildqualität

3. ) Vorpremiere / Previewfassung von 1958
Laufzeit : exakt 108:59 Min. & zeigt bei 108:48 Spielminuten ledgl. den Schriftzug 'ENDE'
Mit Kapitelmenü von 1 bis 21 !

Tonspuren : DTS-HD Master Audio 2.0 in Deutsch & Englisch
Auch hier eine durchweg saubere Wiedergabe & stets gut verständlich.
GUT ≫ dt. & engl. UT

Bildformat : Das S/W-Bild wird hier nur in 1.85:1 ( 1080p - 23,976 fps ) wiedergegeben
Hier ist ledgl. teilweise ein ganz minimales Filmkorn vorhanden sowie bisweilen auch ein Paar aufflackernde, hellere kleine Fleckchen, welche Relikte vom Schmutz auf dem Zelluloid, wahrnehmbar.
Zumeist wird hier aber eine recht ordentliche Bildqualität geboten.
TIPP : Diese Fassung ist ebenfalls sehr sehenswert

Auch Folgendes ⤵ ist überdurchschnittlich gut gelungen

► DIE AUSSTATTUNG : Beide Blu-ray Discs mit FSK ab 16 J.
=================
Stabiles Amaray Keep-Case mit optisch ansprechendem Covermotiv.
Rückseitig mit Credit sowie Inhaltsangabe zur Story & Infos zur DVD sowie über die Filmschaffenden.
GUT ≫ Beide Silberlinge sind beidseitig gesondert gebettet ( siehe Foto № 2 )
TOP ≫ Ein Wendecover ohne FSK-Flatschen ist vorhanden

LABEL : Koch-Media
PRODUKTION : Albert Zugsmith für Universal Pic.
GENRE : Krimi / Thriller ≫ Subgenre: Film noir

#############
SPECIAL FEATURES : reichlich
#############

⋙ EXTRAS allgemein ⋘

+ Ein höchst informatives, 16-seitiges Booklet über Wells Am­bi­ti­onen & die vorh. drei Fassungen
+ Je BD ein top gestaltetes, animiertes Hauptmenü mit Sondtrack & Kapitelauswahl

⋙ BONUSMATERIAL auf Disc № Eins ⋘

+ Orig. Kinotrailer nur im Originalton ( 02:10 Min. )
+ Audiokommentar mit Restaurationsproduzent Rick Schmidlin ( v. 2008 ) & mit zuschaltbaren UTs
+ Audiokommentare u.a. mit Protagonist Charlton Heston ( v. 1999 ) & mit zuschaltbaren UTs
+ Featurette „ Bringing Evil to Life “ mit exakt 21:00 Min.
+ Featurette „ Evil lost and found “ mit exakt 17:06 Min.
+ Eine originelle, automatische Bildergallerie mit 10:01 Min. Laufzeit

⋙ BONUSMATERIAL auf Disc № Zwei⋘

+ Audiokommentar mit Filmhistoriker F. X. Feeney ( v. 2008 )
+ Audiokommentar mit d. Filmhistorikern James Naremore & J. Rosenbaum ( v. 2008 )

HINWEIS : Untertitel für die Audiokommentartoren zu allen 3 Fassungen sind auch via +/ Skipfunktion zuschaltbar !

ANMERKUNG : Alle Zeitang. sind lt. Player ermittelt

► FAZIT
=======
4 bis 5 *

Ja­woll, so veröffentlicht man klassische Streifen auf dem Medium Disc !
Ein wirklich top ausgestattetes Media-Produkt mit einem ausgezeichneten & sehr sehenswerten Film noir aus den Endfünfzigern.
Hinsichtlich Bildqualität zwar zumind. bei der Kinofassung mit Einschränkungen, dennoch ganz allgemein eine annehmbare Filmqualität.

Liebe Interessierte, mit dieser Filmbox könnt Ihr schlussendlich eigtl. nicht wirklich viel falsch machen.
Mit bestem Gruß,
Dirk

8,5 von 10 Punkte für den Gesamteindruck
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am 24. Januar 2014
präsentiert sich diese Mediabook-Edition, von Koch.
Ich war damals total frustiert und entäuscht, als ich mir 2003 die DVD von "Im Zeichen des Bösen" anschaute
und feststellte, dass nur, die mir völlig unbekannte Synchronisation von 1998 enthalten war.
Eine seelenlose und uninspirierte Neuvertonung des Klassikers.
Für solche Neuvertonungen wurde, völlig zu Recht, der Begriff "Pornosynchro" erfunden.
Aber nun zur aktuellen Situation, denn auf Blu-Ray liegt der Klassiker in DREI(!!!) restaurierten Versionen vor.

Disc 1:
"Directors Cut" von 1998 - 111 Minuten.
Zwei deutsche Tonspuren mit den Synchronisationen von 1958 und 1998 in 2.0 DTS-HD. Die 58er Synchro ist an einigen Stellen
mit der 98er Synchro aufgefüllt und dadurch komplett in deutsch. Bild in 1.37:1 oder 1.85:1.

Disc 2:
Kinofassung von 1958 - 95 Minuten.
Synchronisation von 1958 in 2.0 DTS-HD, an einigen Stellen aufgefüllt mit der 98er Synchro bzw. Englisch mit deutschen Untertiteln.
Bild in 1.37:1 oder in 1.85:1.

Previewfassung von 1958 - 108 Minuten.
Synchronisation von 1958 in 2.0 DTS-HD, ergänzt mit der 98er Synchro bzw. Englisch mit deutschen Untertiteln. Bild in 1.85:1.

Zum "Directors Cut" auf Disc 1.
Man kann ja zwischen der 58er und der 98er Synchronisation wählen.
Schaut man sich den Film mit der 58er Kinosynchro an, die an einigen Stellen mit der 98er Synchro ergänzt wurde, fiel mir folgendes auf:
Nach meinem Empfinden ist die Tonhöhe bei beiden Tonspuren nicht identisch. Die 58er hört sich korrekt (besser) an,
die 98er aber scheint mir zu tief. Sehr deutlich zu hören beim Sprecherwechsel.
Zudem passen die wechselnden Stimmen überhaupt nicht zueinander.

Die Bildqualität aller Fassungen (in 1080p) schwankt zwischen sehr gut und schlecht.
Einige Szenen sind unscharf und/oder verrauscht, und haben einen überzogenen Kontrast.
Laut Bonusmaterial, sei das mit dem Kontrast von Orson Welles und dem Kameramann Russell Metty aber so gewollt...
Stichwort Bonusmaterial: etwas entäuschend! Zu jeder Fassung gibt es zwar verschiedene Audiokommentare - leider nicht untertitelt!
Auf Disc 1 haben es immerhin zwei kurze Dokus geschafft (17 und 21 Minuten).
Die Filme, sowie die beiden Dokus, sind entgegen der Audiokommentare jedoch deutsch untertitelt.

Das Mediabook ist sehr schön gestaltet, es enthält ein 12-seitiges Booklet, mit vielen zeitgenössischen Infos zum Film.
Der FSK-Sticker ist nur aufgeklebt - ich habe ihn vorsichtig abgezogen. An dieser Stelle wellt sich jetzt leider
die Oberfläche. Besser wäre es, wenn er auf der Verpackungsfolie gewesen wäre.

Trotz der Mängel ein großes Dankeschön an die "Köche" für diese Edition. Endlich wieder die Kinosynchro von 1958.
Drei verschiedene Fassungen des Klassikers und alle in HD, dazu eine sehr schöne Verpackung des Ganzen im Mediabook, zum fairen Preis.
Möge die "Masterpieces of Cinema"-Reihe von Koch-Media noch lange fortgesetzt werden. Nach "Einsam sind die Tapferen" ist
"Im Zeichen des Bösen" meine zweite Blu-Ray aus dieser Reihe und bestimmt nicht die Letzte...
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am 3. Februar 2014
Es ist die wohl berühmteste Eingangsszene der Filmgeschichte, mit der Orson Welles’ Meisterwerk von 1958 "Im Zeichen des Bösen" beginnt und sie gehört zum Besten, was ein Film überhaupt bieten kann: Fast vier ungeschnittene Minuten lang zeigt Kameramann Russell Metty in einer perfekt durchkomponierten Bilderfolge einen Blick in die Straßen des mexikanischen Städtchens Los Robles. Die Kamera verfolgt dabei zwei Autos. Im Kofferraum des einen Straßenkreuzers tickt eine Bombe. Mit dem anderen Wagen wollen der mexikanische Drogenfahnder Mike Vargas (Charlton Heston) und seine Braut Susy (Janet Leigh) gerade in den amerikanischen Teil der beschaulichen Grenzortes einreisen, als die Bombe in ihrer Nähe explodiert.

Vargas vermutet, dass der Sprengstoff schon in Mexiko platziert wurde und schaltet sich in die Ermittlungen des amerikanischen Kollegen ein. US-Polizeichef Hank Quinlan (Orson Welles) hat dabei aber seine ganz eigenen Vorstellungen von Recht und Ordnung und so geraten die beiden Ermittler schnell aneinander. Als Vargas herausfindet, dass Quinlan Beweismittel manipuliert, beginnt er gegen den Polizisten mit dem legendären Ruf zu ermitteln und setzt damit eine verhängnisvolles Geflecht von Intrigen und Gewalt in Gange…

Orson Welles ("Citizen Kane",1941) schrieb das Drehbuch (nach dem Roman "Unfehlbarkeit kann tödlich sein" von Whit Masterson; Originaltitel "Badge of Evil"), führte Regie und spielte die Hauptrolle. Dem Vernehmen nach trug Orson Welles als fettleibiger, abgehalfterter Polizist Hank Quinlan diverse Prothesen, viel Make-up und künstliche Fettpolster, was seine furchteinflößende Gestalt bei den schwarz-weißen Licht- und Schatteneffekten noch düsterer zur Geltung kommen ließ.

Der packende Thriller greift Elemente des Film noir auf und ist bis in die Nebenrollen mit markanten Darstellern brillant besetzt: Marlene Dietrich (als Tanya, Quinlans wahrsagende Freundin und Nachtclubbesitzerin), Zsa Zsa Gabor (ebenfalls eine Nachtclubbesitzerin) und Joseph Cotten (seit seinen Anfängen im Filmgeschäft ein Freund von Orson Welles) glänzen in erstklassigen Gastrollen. Mit seiner bildgewaltigen Filmsprache und der atmosphärischen Musik von Henry Mancini beschwört der Film die düstere Atmosphäre der kleinen Grenzstadt mit ihren heruntergekommenen Vergnügungsetablissements. Jede einzelne Kameraeinstellung wurde dabei vom Regisseur und seinem Kameramann mit perfektionistischer Akribie in Szene gesetzt.

Alfred Hitchcock zeigte sich von Orson Welles’ innovativem Meisterwerk derart beeindruckt, dass er später in Anlehnung an dessen Film ein verlassenes Motel, den eigenartigen Nachtportier und die Darstellerin Janet Leigh als wesentliche Elemente seines eigenen Films "Psycho" (1960) übernahm. Auch in "Psycho" wird der Aufenthalt im Motel zur Gefahr für die Frau (ebenfalls Janet Leigh).

Dabei entstand dieser letzte Hollywood-Film von Orson Welles unter schwierigen Bedingungen. Die originale Schnittfassung wurde von den Universal Studios abgelehnt und nach vielen Querelen von Produzent Albert Zugsmith schließlich in einer radikal geänderten, mit einigen von Regisseur Harry Keller nachgedrehten Szenen und in einer auf 95 Minuten gekürzten Version in die Kinos gebracht - wo der Film beim schockierten Publikum floppte.

Der maßlos enttäuschte Orson Welles schrieb ein leidenschaftliches 58-seitiges Memorandum und bat um Rücknahme der Änderungen. Gleichzeitig aber wurde "Im Zeichen des Bösen" zu seiner letzten Produktion in den USA. Von der Bevormundung durch kommerzielle Interessen frustriert, kehrte er Hollywood den Rücken und produzierte fortan nur noch in Europa.

Sein Memo aber diente 1998, 14 Jahre nach Orson Welles` Tod, als Vorlage für eine sogenannte „reconstructed, restored version“, die inzwischen als Director`s Cut bezeichnet wird. Diese von Walter Murch (arbeitete auch mit Francis Ford Coppola an "Apocalypse Now", 1979, und der "Redux"-Version, 2001) nach Welles' Vorstellungen nahezu originalgetreu geschnittene Version ist düsterer und härter als die Kinofassung von 1958 und gewann inzwischen mehrere Filmpreise.

Das Blu-ray-Doppelpack von Koch Media präsentiert das Meisterwerk in dieser 1998 rekonstruierten Fassung in der Originallänge von 111 Minuten mit einem hervorragend restaurierten Bild (1080/24p), dazu Tonspuren in Englisch und Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0). Weiterhin gibt es die 95-minütige Kinofassung von 1958 sowie die 108-minütige Vorpremieren(Preview)-Fassung von 1958, die sowohl Szenen aus Welles` erster Schnittfassung als auch einige neu gedrehte Szenen (deutsch untertitelt) des 2. Regisseurs Harry Keller beinhaltet.

Auf diese Weise erhält der Filmliebhaber jetzt erstmals alle 3 Versionen hoch aufgelöst und in exzellenten Sprachfassungen (Blu-ray Nr. 1 mit dem Director`s Cut in verschiedenen Ton-Versionen von 1958 und 1998). Dabei liegen die Kinofassung und der Director's Cut jeweils sowohl im 1,85:1 Widescreen-Format als auch im 1,37:1 (open matte)-Format vor, die Preview-Version dagegen ausschließlich im Format 1,85:1.

Noch immer streiten Cineasten über diese von Universal Pictures in 1.85:1 Widescreen veröffentlichte Fassung, da der Film in 1.37:1 gedreht wurde. Dazu vermerkt Autor Sascha Westphal im informativen Booklet: "1957...war Hollywood im Prinzip schon ganz auf das amerikanische Breitwandformat umgestiegen...Welles und Metty haben diesem Wandel insofern Rechnung getragen, dass sie die Bilder...so komponiert haben, dass der Film in beiden Formaten jeweils eine eigene Atmosphäre entwickelt.Die vom Studio bevorzugte Breitwandversion wirkt eindeutig klaustrophobischer als die open-matte-Fassung."

Erstmals erscheint nun mit den neu in HD-Technik abgetasteten Versionen eine qualitativ rundum überzeugende Veröffentlichung dieses Meisterwerks des späten Film noir! Ein Muss für jeden Filmliebhaber, der obendrein noch ein reichhaltiges Paket an Extras erhält: Neben dem schon erwähnten 12-seitigen Booklet und ergänzenden Audiokommentaren von Charlton Heston und Janet Leigh, dem Restaurationsproduzenten Rick Schmidlin, dem Filmkritiker F. X. Feeney, den Filmhistorikern James Naremore & Janathan Rosenbaum gibt es zwei aufschlussreiche Featurettes: "Bringing Evil To Life" (21 Min.) und "Evil Lost And Found" (17 Min.). Allerbeste Voraussetzungen also für einen langen, spannenden und unterhaltsamen (Heim-)Filmabend!
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am 13. Oktober 2015
Oft klingt es wie eine Ausrede oder der klägliche Versuch, einen mäßig begabten Künstler schön zu reden, doch bei Orson Welles stimmt es eindeutig: Er war seiner Zeit voraus. Keiner seiner Filme erntete zur Zeit ihrer Veröffentlichung das Lob, das ihnen zustand. Erst viele Jahre später erkannte man die außergewöhnlichen Qualitäten seiner Werke, die anders waren als die gewohnte Hollywood-Filmkost der damaligen Zeit. Welles war ein wagemutiger Kämpfer, der sich nicht dem Willen der Studios beugen wollte und seine eigenen Visionen auslebte, der experimentierte und ausprobierte, bestehende Mechanismen regelrecht in ihre Einzelteile zerschlug und seinen Kopf durchsetzte. Oder es zumindest versuchte, denn die großen Filmstudios nahmen sich mehr als einmal das Recht heraus, seine (nach damaliger Auffassung) ungewöhnlichen Filme nachträglich zu verändern. Eine Unsitte, die verdeutlicht, unter welch immensem Druck Filmemacher in Hollywood damals gewesen sein müssen. Welles wollte seine Visionen nie dem Kommerz opfern - was ihn zwangsläufig dazu trieb, keine Filme in Hollywood mehr zu produzieren.

"Im Zeichen des Bösen" war sein letzter "großer" Hollywood-Film, der seinerzeit, wie zuvor schon "Der Glanz des Hauses Amberson", vom Studio verkürzt und überarbeitet wurde. Welles verfasste daraufhin ein umfangreiches Memo mit ausführlichen Änderungswünschen, das jedoch (wer hätte das gedacht) nicht beachtet wurde. So erschien der Film, um mehr als eine Viertelstunde verkürzt, in der Version des Studios und floppte prompt an den Kinokassen. Dass Welles daraufhin die Nase voll hatte und künftig nur noch in Europa (mit wesentlich geringerem Budget) Filme realisierte, ist mehr als verständlich. Glücklicherweise existiert ebendieses Memo noch, sodass man sich in den 90er Jahren daran machte, den Film mithilfe des noch vorhandenen Restmaterials so zu gestalten, wie Welles ihn ursprünglich im Sinn hatte. Was man erblickt ist nichts weniger als ein Meisterwerk, ein atmosphärisch dichter, spannender und bis ins kleinste Detail perfekt inszenierter Kriminalfilm. Dass Welles vor allen Dingen ein technischer Virtuose war (Licht, Kamerafahrt, Schnitt etc.) beweist dieser Film mindestens genauso eindrucksvoll wie sein Meisterwerk "Citizen Kane" - nicht umsonst zählt die erste Szene, eine etwa dreiminütige Kamerafahrt ohne Schnitt, zu den berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Schaut man sich diesen Film an, so wird einem klar, dass Welles - hätte er damals bei Hollywood tun und lassen können was er wollte - womöglich neue Maßstäbe gesetzt hätte. In Europa hatte er immer das Problem, seine Filme kaum finanzieren zu können, was man ihnen (obgleich sie meist von außerordentlicher Qualität sind) leider recht deutlich ansieht.

Erfreulich ist, dass Koch-Media diesen Film mehr als würdig veröffentlicht hat: 2 Blu-Ray-Discs mit gleich drei Versionen des Films (der Director's Cut von 1998 sowie die Kino- und Previewfassung von 58) und einigen interessanten Extras (mehrere Audiokommentare und Interviews) kommen mit einem sehr informativen Booklet daher. Bild und Ton sind von absolut großartiger Qualität - was will man mehr?
Mir bleibt nichts weiter zu sagen als: Kaufen! Es lohnt sich. Ein Meisterwerk in der Version, wie sie dem Meister sicher gefallen würde, dazu in bester Qualität. Hier kann man nichts falsch machen.
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am 28. Januar 2014
Orson Welles (1915 - 1985) arbeitete sich von der Theaterarbeit über den Rundfunk bis hin nach Hollywood. Sein künstlerischer Anteil am amerikanischen Kino ist unbestritten, schließlich war Welles der ideale Filmemacher, verantwortlich für Drehbuch, Produktion, Regie und Darstellung in einer Person. Aber beliebt hat er sich in Hollywood mit seiner vielseitigen (und daher kaum kalkulierbaren) Kreativität nicht gemacht. Noch bevor der Terminus ‘Film Noir’ zum Fachbegrif für ein eigenes Genre wurde, hatte Welles die verdrehten Bildwinkel, das spezielle Zusammenspiel von Licht und Schatten und die negative Grundhaltung seiner Filmthemen zum eigenen Markenzeichen gemacht. Dazu steuerte der mit den Jahren immer umfangreichere Welles dann gerne noch den maliziösen Übervater als Hauptdarsteller bei.

Typische Bespiele hiefür aus seinem Schaffensbereich sind :
Citizen Kane (1941)
Von Agenten gejagt (1943)
Macbeth (1948)
Der dritte Mann (1949, offiziell nur Darsteller, aber Welles Einfluss ist unverkennbar)
Herr Satan persönlich (1955)
Im Zeichen des Bösen (1958)
Der Prozess (1962).

Nachdem Welles schon bei HERR SATAN PERSÖNLICH nach Streitigkeiten über den Filmschnitt mit dem Produzenten sein Schnittrecht verlor, widerfuhr ihm das gleiche nach Disputen ums Drehbuch und eigenmächtigem Verlassen des Sets während der Dreharbeiten zu IM ZEICHEN DES BÖSEN. Einige Szenen wurden sogar von einem anderen Regisseur (Harry Keller) nachgedreht. Wenngleich die Kritiker die beiden vorgenannten Werke wohlwollend aufnahmen, so zeigte ihnen das US-Kinopublikum seinerzeit die kalte Schulter. In den konservativen 50er Jahren waren den Amerikanern Welles Werke zu intellektuell, zu linkslastig und zu pessimistisch geprägt. Welles siedelte in der Folge nach Europa, wo er sich als Darsteller in mehr oder minder guten Streifen Kapital für künftige Eigenproduktionen beschaffte.

In einer mexikanisch-amerikanischen Grenzstadt blühen Drogenhandel und Mord. Verantwortlich sind die Bandenmitglieder der Gangsterfamilie Grandi. Diese entführen die Ehefrau des Drogenfahnders Mike Vargas um den Gatten gefügig zu machen. Von der amerikanischen Seite her rollt der selbstherrliche Polizeichef Hank Quinlan die zusammenhängenden Verbrechen auf seine Art auf. Er bedroht Verdächtige und schüchtert sie ein, er fabriziert Beweise, wo diese fehlen. Diese krude Ermittlungsarbeit führt zum unweigerlichen Dissens mit dem aufrichtigen Mexikaner Vargas, der schließlich den korrupten Sumpf trockenlegt und seine Frau zurückbekommt.

In seinem letzten US-Werk lässt Welles es noch einmal so richtig krachen. Einige seiner Darsteller dürfen dabei ihre Rollen so richtig deftig überziehen. Neben Welles selbst als fetter Sheriff Quinlan sind dies Akim Tamiroff als geschwätziger Onkel Joe Grandi, Marlene Dietrich als düstere Wahrsagerin Tana und Dennis Weaver als hypernervöser Nachtportier des Motels Mirador. Den weiteren Stab zieren so bekannte Namen wie Charlton Heston, Janet Leigh, Joseph Cotten und Zsa Zsa Gabor. IM ZEICHEN DES BÖSEN ist ein sehr atmosphärischer Thriller im Film Noir Stil, der eben genau so eine bärenstarke Besetzung benötigt, um den unbändig chargierenden Welles mit seiner Hauptrolle nicht davonkommen zu lassen.

Nachdem ihm die von Universal geschnittene Kinofassung nicht gefallen hat, legte Welles in einem 58-seitigen Manifest die von ihm gewünschten Änderungen fest. Erst 1998 wurde das seinerzeit fast unbeachtete Manuskript in einer rekonstruierten Fassung teilweise umgesetzt. Auch über das Bildformat hat es schon vor der Produktion Diskussionen gegeben, zumal sich seinerzeit im Kino das Breitwandformat gegenüber dem Fernsehformat schon durchgesetzt hatte. Gedreht wurde auf 35 mm im sogenannten Open Matte- (Offene Maske-) Verfahren, das sowohl eine Kino- wie auch eine Fernsehfassung ermöglichte.

Was bietet uns diese Blu Ray Veröffentlichung auf den 2 Scheiben also an ?
1) die Vorschau-Version im Format 1,85:1, Laufzeit 109 Min.* mit 1 Audiokommentar
2) die Kinoversion in den Formaten 1,37:1 und 1,85:1, Laufzeit 95 Min.* mit 1 Audiokommentar,
3) die rekonstruierte Fassung in den Formaten 1,37:1 und 1,85:1, Laufzeit 110 Min.* mit 1 Audiokomm.,
- Bonus-Featurettes : Bringing Evil to Life (21 Min.*) und Evil lost and found (17 Min.*) in denen sich etliche Beteiligte über die Zusammenarbeit mit Welles und den Dreharbeiten äussern,
- ein 6-seitiges Booklet mit diversen Fachartikeln.

* Die o.g. Film-Laufzeiten (auf- bzw. abgerundet) wurden von mir mit dem BD-Player gemessen und weichen daher eventuell von den Herstellerangaben ab.

Bewertung der WS-Formate : Erwarten Sie bitte kein auf Hochglanz poliertes HD-Bild. Alle 3 Versionen haben bei der Vielzahl der Dunkelszenen so ihre Probleme mit Laufstreifen, Lichtblitzen, Bildrauschen und Körnigkeit, vor allem am Anfang des Films. Danach pegelt sich die Bildqualität auf solider Basis ein, auch wenn o.g. Beeinträchtigungen gelegentlich weiter erscheinen. Der deutsche Ton bewegt sich auf Standard-Niveau. Seien wir insgesamt froh, dass Dank ergiebiger Recherche und sorgfältiger Rekonstruktion dieses Meisterwerk jetzt in 3 Versionen zum Kauf auf BD vorliegt.
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am 25. Juli 2015
Ich behaupte mal, dass es solch eine BR-Box-Zusammenstellung nur ganz selten gibt...

Varianten:
restaurierte Fassung
vom Prod. der restaurierten Fassung Rick Schmidlin kommentierte Fassung
Kinofassung
Previewfassung
Fassungen, bei denen entweder auf den Bildteil oben bzw. am Rand verzichtet wurde

Der Film ist ohnehin ein "Inselfilm" (sagen wir man darf max. 10 Filme mitnehmen und wenn man denn dort Strom hätte für Monitor/BR-Player), ein ewiges Meisterwerk der Filmgeschichte

PS: Wer glaubt, Orson Welles spielt hier "nur" sich selbst (den Dicken, als den man ihn später kennt und ggf. so in Erinnerung behielt), der täuscht sich: Bei den Filmaufnahmen war er noch schlank, im Film dafür dickleibig/schmierig/usw. - dafür war er sicher täglich für mehrere Stunden in der "Maske"...
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am 26. November 2013
Hallo,nehmt mal die alten Rezensionen hier heraus!Dieser Artikel ist noch nicht erschienen.
(Erscheinungstermin Jan.2014)
Zudem soll diese Fassung im 4:3 Format und in der Langfassung vorliegen!!!!
Damit entfallen alle Kritikpunkte!
Über den Film gibt es keine zwei Meinungen.Das letzte Meisterwerk des Film Noir!!!!!
Also gebe ich mal unter Vorbehalt die volle Punktzahl.
Bin gespannt und freue mich,denn auf diese Fassung habe ich lange warten müssen.
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