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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Klick ist ein Klick: Hauptsache Verkehr auf der Seite, 21. November 2013
Von 
Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Auch wenn Ryan Holiday hierzulande kaum bekannt ist und auch wenn sich sein Buch vor allem auf die US-Verhältnisse bezieht, so kann man doch viel aus ihm lernen oder sich in den eigenen Beobachtungen bestätigt fühlen. Holiday ist nicht nur recht jung, sondern auch Marketing-Chef der amerikanischen Klamotten-Kette American Apparel, die es auch in Deutschland gibt. Außerdem steht er als Medienstratege hinter dem Bestsellerautor Tucker Max, der Bücher schreibt, vor denen Bildungsbürger entsetzt zurückschrecken.

In diesem Buch geht es grundsätzlich um Blogs, darum wie sie funktionieren, wie man sie fast unbemerkt für eigene Zwecke benutzen kann, wie sie schmerzfrei zum eigenen Wohlergehen Leute manipulieren und wie sie auf diese Weise verantwortungslos enormen wirtschaftlichen Schaden bei anderen anrichten. Dies ist keine wissenschaftliche Untersuchung, auch wenn sich der Autor am Ende auf bekannte Medienkritiker beruft, sondern eher ein durchdachter und lakonisch geschriebener Bericht eines Insiders.

Holiday unterteilt sein Werk in zwei Teile. Im ersten Teil ("Das Monster füttern - Wie Blogs funktionieren") schildert er wie man vorgehen kann, um unbemerkt und kostenlos Aufmerksamkeit für die eigenen Produkte in diesen Medien zu erzeugen. Beispielsweise erzählt er, wie er eigene Werbeplakate mit Ausdrücken tiefster Empörung überklebte, das Resultat fotografierte und sogleich an einige unbedeutende kleine Blogs verschickte, selbstverständlich als unbeteiligter Kommentator unter einem Pseudonym und dem Titel "Habe ich zufällig auf dem Heimweg entdeckt!". Dann musste er nur noch warten, bis sich diese Neuigkeit auf größere Blogs hocharbeitete und dort größere Empörungs- und Aufmerksamkeitswellen produzierte.

Nachdem er die Strukturen der Schriftmedien dargelegt hat, kommt Holiday dann zu neun Taktiken, wie man Blogs unbemerkt von außen für die eigenen Zwecke einspannt. Eigentlich verbreitet er dabei nicht viel Neues, denn solche Tricks werden schon seit Jahrzehnten innerhalb der Medien benutzt, um höhere Auflagen oder Einschaltquoten zu erzielen. Immer nach dem Motto "Gib den Bastarden, was sie wollen!" (S. 93). Doch gegenüber den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Medienlandschaft stark verändert. Völlig neue Aspekte treten dabei nun in den Vordergrund.

Über Twitter, Facebook oder die von Holiday ins Visier genommenen Blogs verbreitet sich jeder noch so große Blödsinn in Sekunden. Und ist er einmal in der Welt, richtet er zum Teil erheblichen Schaden an. Ein geradezu klassisches Beispiel ist die vermeintliche Nachricht von vor einigen Jahren, dass sich bestimmte Toyota-Modelle in den USA auf geheimnisvolle Weise selbst beschleunigen, was zu tödlichen Unfällen geführt haben soll. Das ökonomische Desaster, das Toyota durch diese scheinbar wahren Nachrichten erlitt, war enorm. Wen interessiert da noch, dass die NASA nach einiger Zeit feststellte, dass nichts an diesen Mitteilungen stimmte und dass die Autos völlig in Ordnung waren. Die Verunfallten hatten einfach Gas- und Bremspedal verwechselt.

Internetseiten brauchen Seitenaufrufe und Klicks. Deshalb werden sie alles dafür tun, denn allein davon hängt ihr wirtschaftlicher Erfolg ab. Holiday erklärt dies detailliert im zweiten Teil seines Buches ("Das Monster greift an - Was Blogs bedeuten"). Unter anderem geht es dort um Manipulationsmuster, Online-Unterhaltung, die süchtig macht, um die sogenannte Link-Wirtschaft, bei der ein Link die Illusion einer glaubhaften Quelle erzeugt, um Online-Erpressung (beispielsweise durch gefakte Produktvideos), um die iterative Schwindel-Philosophie des Online-Journalismus ("Hauptsache schnell raus, wenn es nicht ganz richtig ist, machen wir eben ein Update!"), um Häme im Internet, die als Humor getarnt wird und um Blogs als Werkzeug von Hass und Bestrafung (der Pranger des 21. Jahrhunderts).

Beinahe am Rande erwähnt Holiday, dass die Konstruktion so mancher Internetseite extra so aufgebaut ist, dass man möglichst viel Verkehr und möglichst viele Klicks erzeugt, etwa durch die Illusion einer demokratischen Ordnung mit Diskussionsforen und Abstimmungsbuttons. Weil es das eigene Ego bedient, fallen darauf viele Menschen herein und bescheren so dem Seitenbetreiber enorme zusätzliche Einnahmen.

Obwohl der Text immer wieder Ereignisse in der US-Szene und die dortigen Blogs wie gawker.com oder huffingtonpost.com reflektiert, bietet er einen sehr guten Einblick in Manipulationstechniken, wie man sie überall, aber eben besonders im Internet findet. Betroffene haben wegen der extremen Ausbreitungsgeschwindigkeit selten eine Chance, sich gegen die Heimtücke solcher Methoden zu wehren. Wenn auf diese Weise anonym Gerüchte gestreut werden, die auf den fruchtbaren Boden einer inzwischen zum Allgemeingut gewordenen Empörungskultur fallen, ist wohl alles zu spät. Ein lehrreiches Buch.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beichte des Medienhetzers, 2. Dezember 2013
Von 
Roter Reiter (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Das, was Ryan Holiday in seinem Enthüllungsbuch “Operation S***storm” über Meinungsmache und Manipulation scheinbar seriöser Medien berichtet, lässt niemanden kalt. Und Holiday muss es wissen. Denn er war der Schlimmste von allen.

Holiday beginnt seine schonungslose Beichte mit einem nüchternen Statement: “Mein Job ist es, die Medien zu belügen, damit diese wiederum Sie belügen.” Als eigenwilliger PR-Manager für Unternehmen und Bestsellerautoren überschreitet er mehrfach die Grenzen des Rechts und die der Ethik sowieso, um seine aggressiven Botschaften zu vervielfältigen. Er besticht Blogger, streut Gerüchte, entfacht “einen Feuersturm der Empörung”, um die Sogwirkung seiner “Nachrichten” zu verstärken. Mit Erfolg! Seine Meldungen zieren die Aufmacher der Blogs und Portale, werden zum Gesprächsstoff amerikanischer Großstädte.

Holiday: “Ich trickse die Blogger aus, und die tricksen ihre Leser aus.” Aus einer kleinen Übertreibung wird so in Windeseile ein Mediensturm, der auf falschen und gelogenen Informationen basiert. Auch in den Tageszeitungen natürlich, denn “80 Prozent daz4edaller Journalisten verwenden bei der Recherche ihrer Storys Blogs als Quelle.”

Roter Reiter Fazit: Ungemein spannend und schonungslos ehrlich räumt das Buch mit der Vorstellung unabhängiger Medienberichterstattung auf. Zur Ehrenrettung des Autors sei gesagt, dass er längst die Fronten gewechselt hat. Gut für ihn, damit er nachts wieder beruhigt einschlafen kann. Gut für Sie, denn sonst wäre dieses spannende Protokoll einer ethisch verrotteten Medienlandschaft nie erschienen.
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