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5.0 von 5 Sternen Strauss-Jubiläum deluxe: Hochwertige Zusammenstellung in edler Optik, 7. Februar 2014
Von 
Klassikfreund (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Strauss: Sämtliche Opern (Limited Edition) (Audio CD)
Richard Strauss hat insgesamt fünfzehn Opern komponiert (1887 bis 1941). Sein Vorbild Richard Wagner hat dreizehn Opern geschaffen, allerdings mit einem gravierenden Unterschied: Zehn der Werke Wagners, der Bayreuther Kanon, sind auf der ganzen Welt fester Bestandteil der Spielpläne kleiner wie großer Opernhäuser. Das ist bei Strauss anders, und dieser Umstand wird zugleich zu einem großen Problem, will man sein Opernschaffen hochwertig edieren!

Die Deutsche Grammophon stand also vor der Aufgabe, den berühmten Werken – "Salome", "Elektra", "Rosenkavalier", "Arabella" und vielleicht noch "Ariadne" und "Frau ohne Schatten" –, die allesamt von erstklassigen Künstlern interpretiert worden sind und noch immer werden, die übrigen neun Opern zur Seite zu stellen. Für diese Bühnenwerke gelungene Aufnahmen zu finden, ist ungleich schwerer, da die Stücke doch seltener im Repertoire zu finden sind.

Glücksgriff – beste Voraussetzungen geschaffen

Nun hat man bei dieser Box eigens mit Decca, EMI, Sony, Deutschland Radio und den Salzburger Festspielen zusammengearbeitet, um möglichst viele auserlesene Einspielungen zusammenzutragen. Natürlich kann es immer nur eine Aufnahme je Werk geben, aber hat es hier wirklich geklappt, einen hochkarätigen Strauss "zu binden"? Dafür zunächst ein Einblick in die Zusammenstellung:

ARABELLA (1963; Prinzregententheater, München [live]) – eine sehr schöne, kapellmeisterliche Referenzaufnahme unter Joseph Keilberth (Bayrisches Staatsorchester) mit Lisa Della Casa und Dietrich Fischer-Dieskau in den Hauptrollen. Einziges Manko ist das leichte Hintergrundrauschen. (Als Alternative sei Thielemanns DVD-Mitschnitt empfohlen.)

ARIADNE AUF NAXOS (2000; Lukaskirche, Dresden) – die letzte Aufnahme Giuseppe Sinopolis. Mit der Staatskapelle Dresden, Deborah Voigt (Primadonna/Ariadne), Anne Sofie von Otter (Komponist), Ben Heppner (Tenor/Bacchus), Albert Dohmen (Musiklehrer) und Natalie Dessay (Zerbinetta) bietet der Italiener eine erstklassige Einspielung. (Als Alternativen auf CD seien Karajan, klassisch auf DVD Böhm und aktuell auf DVD Thielemann genannt.)

CAPRICCIO (1971; Herkulessaal, München) – wunderbare, feinsinnig intime Referenzaufnahme Karl Böhms mit dem Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks, unterstützt von einem namhaften Ensemble: Gundula Janowitz als Gräfin, Dietrich Fischer-Dieskau als Graf, Peter Schreier als Musiker, Hermann Prey als Dichter und Karl Ridderbusch als Theaterdirektor.

DAPHNE (1964; Theater an der Wien, Wien [live]) – weitere Referenzaufnahme Böhms (der 1938 der Uraufführungsdirigent war!), diesmal mit den Wiener Symphonikern. Paul Schöffler singt Peneios, Hilde Güden die Daphne, Fritz Wunderlich den Leukippos und James King den Apollo. Traumhaftes Ensemble in einer Nonplusultra-Einspielung des Werks, seit einem halben Jahrhundert unübertroffen.

ELEKTRA (1967; Sofiensaal, Wien) – geniale Interpretation unter Georg Soltis Leitung. Die Wiener Philharmoniker, Birgit Nilsson (Elektra), Regina Resnik (Klytämnestra), Marie Collier (Chrysothemis) und Tom Krause (Orest) bieten eine fulminante Elektra, die zu Recht als Referenz gilt. (Als Alternative zu nennen sind Böhms Referenz auf CD, sein klassischer Opernfilm auf DVD und aktuell Thielemanns DVD-Mitschnitt.)

FEUERSNOT (1978; Philharmonie, Berlin [live]) – "first time release" dieser Aufnahme von Strauss' zweiter Oper. Der Mitschnitt des RIAS Berlin ist mein Geheimtip. Unter der Leitung Erich Leinsdorfs spielt das Radio-Symphonie-Orchester Berlin und singt Gundula Janotwitz (Dietmut). Sie veredeln das Werk zu einem Juwel. (Historische Alternative ist die klanglich etwas unterlegene Aufnahme Kempes.)

DIE FRAU OHNE SCHATTEN (1989/91; Großer Saal im Konzerthaus, Wien) – Soltis zweite Referenzaufnahme in dieser Zusammenstellung. FroSch erklingt hier mit den Wiener Philharmonikern – Plácido Domino als Kaiser, Julia Varady als Kaiserin, José van Dam als Barak und Hildegard Behrens als dessen Frau – ungekürzt! Eine mitreißende Aufnahme des komplexen Märchens. (Als Referenz gelten ebenso Böhms FroSch auf CD wie Thielemanns FroSch auf DVD.)

[Meine weiteren Verlinkungen zeigt Amazon leider nicht mehr an und verweist darauf: "Ihre Rezension darf nicht mehr als 10 Links enthalten."]

DIE SCHWEIGSAME FRAU (1959; Salzburger Festspiele [live/mono]) – und wieder eine Referenzaufnahme, diesmal unter Böhms meisterhafter Stabführung (Wiener Philharmoniker). Das Sängerensemble bei Strauss' letzter Komödie ist exquisit: Hans Hotter als Sir Morosus, Hermann Prey als Barbier, Fritz Wunderlich als Henry Morosus und Hilde Güden als dessen Frau Aminta.

FRIEDENSTAG (1999; Lukaskirche, Dresden) – Sinopoli dirigiert die Staatskapelle Dresden bei dieser überzeugenden, relativ jungen und doch zugleich klassischen Einspielung. Der Einakter wird gesanglich von Albert Dohmen (Kommandant) und Deborah Voigt (Maria) bestritten und kommt als homogene Produktion daher.

GUNTRAM (1984; Italian Institute, Budapest) – gespielt vom Ungarischen Staatsorchester und der Leitung Eve Quelers, in der Titelrolle Reiner Goldberg. Eine solide Aufnahme des Strauss'schen Opernerstlings, allerdings mit einem unschönen Schnitt zwischen beiden CDs.

DIE ÄGYPTISCHE HELENA (1979; The UA Auditorium, Detroit) – das Detroit Symphony Orchestra unter Antal Dorati bietet eine gute Interpretation des Werks. Gwyneth Jones singt die Helena. (Als Alternative, die klanglich aber nicht perfekt ist, kann die Aufnahme unter Keilberth genannt werden.)

INTERMEZZO (1980; Herkulessaal, München) – Wolfgang Sawallisch dirigiert das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks. In den Hauptrollen: Lucia Popp (Christine) und Dietrich Fischer-Dieskau (Robert). Eine der wenigen Aufzeichnungen des Werks, aber glücklicherweise eine sehr schöne mit Referenzcharakter. Diese Komödie, der ein autobiographisches Ereignis zugrunde liegt, begründete zugleich das Genre der "Alltagsoper".

DIE LIEBE DER DANAE (1952; Salzburger Festspiele [live/mono]) – "first time release" der zweiten Aufnahme von Clemens Krauss mit den Wiener Philharmonikern. Die Oper wurde nach der Uraufführung nochmals mitgeschnitten, und die DG legt diese zweite Aufnahme nun vor. Jupiter wird von Paul Schöffler und Danae von Annelies Kupper gesungen. Diese nur 16 Tage jüngere Aufzeichnung ist dem Uraufführungsmitschnitt (Orfeo) klanglich etwas überlegen, dennoch aber nicht optimal. Unter dem Strauss-Freund Krauss erreichen die beiden Aufnahmen der letzten Oper des Komponisten jedoch Referenzstatus.

DER ROSENKAVALIER (1968; Sofiensaal, Wien) – Soltis großartige Einspielung mit Régine Crespin als Marschallin, Yvonne Minton als Octavian, Helena Donath als Sophie und Manfred Jungwirth als Ochs. Als Orchester brillieren die Wiener Philharmoniker. (Ebenso herausragend: Erich Kleiber und Carlos Kleiber (auf CD und DVD), Böhm, Karajan und aktuell Thielemann (CD und DVD).)

SALOME (1990; Jesus-Christus-Kirche, Berlin) – gute Aufnahme unter Sinopoli am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin. Leonie Rysanek singt Herodias, Cheryl Studer die Salome und Bryn Terfel den Jochanaan. (Böhm bietet eine großartige Salome in Hamburg und Wien auf CD und als Opernfilm, Solti eine klanglich besondere und Karajan meinen persönlichen Favoriten unter den Einspielungen.)

Bonus: ORCHESTERLIEDER (1982; Gewandhaus, Leipzig) – großartige Jessye Norman unter einem vorsichtig begleitenden Leipziger Gewandhausorchester. Normans wunderbar einfühlsame und voluminöse Stimme hinterlegt Kurt Masur mit einem schlanken Orchesterklang, der meiner Meinung nach durchaus noch etwas Fülle hätte vertragen können. Die CD ist ein gewinnbringender Bonus, da er einen schönen Eindruck vom Liederkomponisten Strauss vermittelt.

Große Interpreten, herausragende Aufnahmen

Dreimal der Strauss-Freund Böhm am Pult – "Capriccio", "Daphne", "Die schweigsame Frau" –; dreimal Sinopoli – "Ariadne auf Naxos", "Friedenstag", "Salome" –; dreimal Solti – "Der Rosenkavalier", "Die Frau ohne Schatten", "Elektra" –; einmal Keilberth mit "Arabella"; einmal der Strauss-Freund Krauss mit "Die Liebe der Danae"; einmal Sawallisch mit "Intermezzo" und einmal Leinsdorf mit "Feuersnot". Zweimal das Strauss-Orchester schlechthin, die Staatskapelle Dresden, fünfmal die Wiener Philharmoniker, dazu je einmal das Bayrische Staatsorchester und das Orchester der Deutschen Oper Berlin sowie bei der Bonus-CD das Leipziger Gewandhausorchester. Allein diese Auflistung liest sich wie das "who is who" des Musikolymps, dazu muß ich nicht noch zusätzlich die zum Teil brillanten Sänger anführen.

In Anbetracht der eingangs beschriebenen Problematik des relativ großen Anteils der weniger bekannten Strauss-Opern kann sich diese Zusammenstellung mehr als sehen lassen. Größtenteils sehr bekannte Einspielungen, darunter einige, die als Referenzaufnahmen gelten, dazu noch große Dirigenten, zwei privat mit Strauss befreundet, namhafte Orchester, teils von Weltrang, zahlreiche berühmte Strauss-Experten – was will man eigentlich mehr?

Sicherlich hätten es auch manch andere Aufnahme sein können, der Rosenkavalier bietet zum Beispiel einige weitere Hochkaräter in der Diskographie. Die mir bekannten alternativen Aufnahmen habe ich angeführt. Aber so viele Referenzmitschnitte in einer Box, ergänzt um mindestens gute Einspielungen der weniger bekannten Werke, das ist nur schwer zu finden.

Weiteres zu Box und Inhalt

Ebenfalls hervorzuheben ist die graphische Gestaltung der Box, in deren Innern sich das Begleitheft und die einzelnen CDs in Papphüllen befinden. Die Deutsche Grammophon hat auf eine edle Schwarz-Weiß-Optik gesetzt und die Box mit grotesk anmutenden, mythischen Jugendstil-Bildern versehen. Selten paßte das, was auf der Verpackung zu sehen ist, so gut zum Inhalt. Diese "besonderen" Bilder repräsentieren viele der Strauss'schen Opern im wahrsten Sinne. Am liebsten würde ich die Box im Regal rotieren lassen, so sehr gefällt mir ihre Aufmachung.

Das Begleitheft ist in englischer französischer, und deutscher Sprache. Es bietet einen Essay zu den Opern im allgemeinen, eine Beteiligten- und Titelübersicht zu den einzelnen Werken sowie einen Handlungsabriß. Am Ende werden die Opern noch zeitlich eingeordnet und die Daten der Aufnahmen separat angegeben.

Ein Strauss...

...für Auge, Ohr und Herz. Wer hier zugreift, kann eigentlich nichts falsch machen, denn eine interpretatorisch hochwertigere Zusammenstellung kann man derzeit nicht finden. Im Strauss-Jahr 2014 hat die Deutsche Grammophon mit ihrer Opern-Edition die Nase eindeutig vorn: ein Strauss-Jubiläum deluxe.
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