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am 23. Februar 2011
Viel wusste ich über den Film nicht. Das Thema kannte ich flüchtig, aber es interessierte mich. Spontan habe ich mir also die DVD bestellt und den Film noch am selben Tag angesehen... mit Begeisterung, denn ich wurde völlig gebannt und der Film ging mir persönlich sehr, sehr nahe. Noch nie hat mich ein Film so berührt wie dieser, noch nie hat mich ein Film mehr zum Nachdenken gebracht. Ich denke, dass jeder diese Sehnsucht in sich trägt und sich mit dem Denken der im Film handelnden Personen (brilliant gepsielt von Kate und Leonardo! Hut ab!) in gewissen Momenten seines Lebens identifizieren kann. Man denkt sich doch manchmal wirklich: Soll das schon alles sein? Und den Mut, seine Träume zu leben, haben wenige, aus der Angst heraus, sie könnten es nicht schaffen, sie zu erfüllen. Bevor ich den Film ''reinschmiss'' hätte ich niemals erwartet, dass er so eine enorme Wirkung auf mich haben könnte, doch ich bin sehr froh darüber. Ist man geisteskrank, wenn man sich mehr vom Leben verspricht? Nein, das ist man definitiv nicht, es ist ein natürlicher Wunsch, der bei manchen Menschen mehr, bei manchen weniger ausgeprägt ist.
Ich kann hier nur MEINE MEINUNG wiedergeben und ich erwarte von niemandem, dass er sie mit mir teilt und ich möchte niemanden dazu auffordern, mit mir darüber zu diskutieren, denn jeder macht seine eigenen Erfahrungen, aber ich bin mir sicher, dass bestimmt jeder schon mal in einem Moment seines Lebens darüber nachgedacht hat, ob das, egal was er hat, schon alles sein soll.
Ich persönlich kann den Film jedem ans Herz legen, doch jeder muss selbst wissen, ob ihm der Film gefällt oder nicht.
Ich möchte noch hinzusagen, dass ich Kate Winslets schauspielerische Leistung in diesem Film als die beste bewundere, die ich jemals gesehen habe! Leonardo DiCaprio spielt aber auch exorbitant gut! Ich hätte diesen Film wohl mit Oscars überhäuft, aber was bedeutet schon ein Oscar, wenn der Film einem gefällt, ist es doch wunderbar!

Ich hoffe, dass ich mit meiner Rezension weiterhelfen kann!
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TOP 1000 REZENSENTam 16. Juli 2009
"Zeiten des Aufruhrs" (Originaltitel: Revolutionary Road), das schriftstellerische Debüt des eigentlich schon fast vergessenen US-Autor Richard Yates ist Vorlage zu diesem gleichnamigen Film von Sam Mendes. Es handelt von einem Ehedrama aus der Wirtschaftswunderwelt der amerikanischen Mittelschicht.
Die Geschichte spielt 1955 und thematisiert die Hoffnungen und Sehnsüchte des selbstbewussten Ehepaares Frank (Leonardo di Caprio) und April Wheeler (Kate Winslet). Die beiden jungen Menschen lernen sich kennen, sind heiss und innig verliebt. Doch bereits sehr früh holt sie der Alltag ein.
Frank scheint in seinem Schreibtischjob gelangweilt, unterfordert und verrichtet diesen mit wenig Spass sondern noch erträglichem Frust. Er tut dies, so scheint es, aus dem Grund der Verantwortung, weil ein Mann für seine Familie zu sorgen hat.
Auch April findet das Leben als Hausfrau in einem schönen, idyllischen Haus in den Vorstädten von Connecticut mehr als mittelmässig.
Das Leben nimmt den gewohnten Gang: Kinder kommen, Streit kommt, die beiden hegen Ambitionen zum Ausbrechen aus dem Gefängnis konventioneller Lebensgemeinschaft und Vorbestimmung durch Normen, beide kompensieren ihren Frust mit nicht weiter wichtigen Beziehungen, bis April den Plan fasst, aus dem Alltag auszubrechen und nach Paris zu ziehen.
Frank gibt sich verhalten, willigt dann aber ein. Doch ist der grosse Plan nach Veränderung, nach einer besseren Zukunft nur eine Illusion, eine Lebenslüge ?
Sam Mendes hat vor 10 Jahren diesen wunderbaren "American Beauty" gedreht, ein fieser, satirischer Seitenhieb auf den "american way of life".
Die Geschichten sind sich nicht unähnlich, auch dort versucht der Titelheld sein mittelmässiges Dasein zu analysieren und einen neuen Weg zu suchen.
In "Revolutionary Road" geht er sogar noch einen Schritt weiter. Zwar werden die 50er Jahre thematisiert, auch die Bestimmung der Frau als Inventar einer dem schein nach glücklichen Familie mit Haus.
Der Stoff hat es aber in sich. Er erzählt von bitteren Wahrheiten für den scheinbar gefestigten und in der Gesellschaft integrierten Menschen von Heute, man findet sich teilweise selbst in den Figuren, die Hoffnungen und Ängste der beiden Protagonisten sind nicht neu. Dieses Gefühl ein Sekundenglück in die gesamte Lebenszeit retten zu müssen, kennt man doch zu gut.
Optisch ist der Film ganz grosses Kino, er erinnert an die Bilder aus Douglas Sirk Movies. Auch schauspielerisch agieren Leonardo di Caprio und Kate Winslet auf ganz hohem Oscar-Niveau.
Ich glaube es ist kein Zufall, dass Mendes das Traumpaar aus "Titanic" auswählte. Das Motto heisst Untergang Part II.
Ein kleiner Wermutstropfen bei aller vordergründiger Brillianz: Der Film ist nicht nur zynisch oder gallig, er ist in einem hohen Maße auswegslos deprimierend. Ein kleiner Hoffnungsschimmer wäre gut gewesen, aber selbst die wahrheitsliebende und gesund wirkende Figur im Film, der psychisch kranke John Givings, den die beiden kennenlernen, lebt gerade deswegen in der Klapse.
Das Schlussbild von April brennt sich heftig und trostlos ins Gedächtnis ein.
"Zeiten des Aufruhrs" wurde in den USA mit einer Bewertung R (Restricted) versehen, was soviel heisst, dass Jugendliche unter 17 Jahren den Film nur in Begleitung eines Erwachsenen ansehen dürfen. Als Grund für diese Einordnung werden Sprache, sexuelle Inhalte und Nacktheit angegeben.
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Zeiten des Aufruhrs ist ein packendes, berührendes, überaus gut inszeniertes und von seinen Hauptdarstellern nicht minder beindruckend gespieltes Melodram. In dessen Mittelpunkt steht ein junges Paar der amerikanischen Mittelschicht in den 50er Jahren, welches sich bei dem Versuch einstigen Träumen nachzujagen immer weiter von der Realität entfernt, sich immer tiefer in unlösbare (Gefühls-)Konflikte hineinmanövriert, bis die Katastrophe kaum noch abzuwenden scheint.

Dabei sieht zunächst alles so positiv aus: Mit ein wenig Kleingeld zieht man ins Grüne, ein eigenes Haus, nette Nachbarn - Freiheit. Was nicht lange auf sich warten lässt sind Kinder - das Glück scheint perfekt. Doch genau hier kippt die Geschichte. Sie fühlt sich mit der Rolle der Mutter, der liebreizenden Nachbarin und der fürsorglichen Ehegattin die kocht, wäscht und das Haus aufräumt völlig unterfordert und gelangweilt - sieht ihr Leben sinnlos verstreichen, jedes einst erträumte Abenteuer in unerreichbare Ferne rücken. Ihm geht es nicht anders. Er hat einen festen Job, den gleichen den sein Vater ausgeübt hat, sogar in der gleichen Firma. Aber es ist ein trockener Job, er macht ihm keinen Spaß, es geht nur ums Geld verdienen. Richtig Karriere machen wird er nie - darüber ist er sich bewusst. Um den Frust zu mildern, vergnügt er sich mit der einen oder anderen hübschen Kollegin, versucht eine Rolle auszufüllen, die an Selbstverrat grenzt.

Dann ein Hoffnungsschimmer. Es kommt zur Aussprache, beide gestehen sich ein, dass es nicht so läuft wie sie es sich vorstellen, beschließen gemeinsam das große Abenteuer - ab nach Europa, nach Paris, ein neues Leben. Doch es soll nicht sein, ein ungeplanter Umstand wirft die Pläne über den Haufen, die Situation wird dramatischer denn je...

Anschauen. Einfach anschauen. Ganz gleich, ob man (wie ich) etwas für die beiden Protagonisten Winslet und DiCaprio übrig hat oder nicht, dieser Film ist ein so richtig gut gemachtes Drama, eine spannende Gesellschaftsstudie, eine auf der Gefühlsebene mitreißende Geschichte eines Paares im verzweifelten Versuch Traum und Realität zu vereinen.
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am 13. Februar 2012
Viel ist geschrieben worden über die "Wiedervereinigung" des Titanic-Traumpaares Winslet/DiCaprio. Wer aber nun einen wundervollen Liebesfilm mit Happy-End erwartet wird enttäuscht oder eventuell sogar geschockt sein.

Regisseur Sam Mendes verfilmte hier das Erstlingswerk des Autors Richard Yates, das über verpasste Chancen und unverwirklichte Träume handelt. Konkret sind es hier das Ehepaar Frank und April Wheeler, die beide augenscheinlich das perfekte Leben führen
Jedenfalls das Leben, das die Allgemeinheit als absolut erstrebenswert erachtet; zwei wohl erzogene Kinder, ein schmuckes Eigenheim im Grünen und der Mann hat einen gut bezahlten Bürojob in der Stadt, während die Frau sich um Heim und Herd sorgt. Soweit die gutbürgerliche Fassade.

Im inneren der beiden Protagonisten sieht es wahrlich anders aus. Sie trauert ihrer eigentlich aussichtslosen Schauspielkarriere nach und er hat alle Träume (u.a.nach Paris ziehen) und Sehnsüchte ad acta gelegt und geht einem Job nach den er tief im Inneren hasst. Sie sind nach 7 Jahren Ehe zu dem geworden, was sie (was wir alle) nie werden wollten: angepasste, konservative Spießer!

Wie beide versuchen, aus diesem Dilemma herauszukommen, ist sowohl von DiCaprio als auch von Winslet allerhöchste Schauspielkunst. Jede Emotion spiegelt sich so in ihren Gesichtern und Gesten wider,d as man kaum glauben mag das es "nur" gespielt ist. Es ist eine helle Freude, ihnen dabei zuzusehen.

Sam Mendes nimmt sich viel Zeit für seine Geschichte und vor allem für die sensible Schauspielerführung, die uns einen tiefen Blick in ihr Seelenleben erlaubt. Unterstützt wird dieses noch durch einen wunderbaren Score von Thomas Newman, der auch schon Mendes vorangegangene Filme kongenial vertonte.

Erwähnenswert ist auch die Leistung von Michael Shannon. In nur einer Handvoll Szenen schafft er es als "irrer" John, die Wahrheit hinter der Fassade von Frank und April zu erkennen und den beiden gnadenlos den Spiegel vorzuhalten. Ein genialer Schachzug von Mendes,denn wie heisst es so schön: Kinder und Verrückte sprechen die Wahrheit!
Das der Film in den 50er Jahren spielt ist von geringer Bedeutung. Er ist wunderbar akkurat ausgestattet aber das Thema an sich ist absolut zeitlos und spielt gerade in unserer Gegenwart eine grosse Rolle.
Alleine die Schlussszene ist eine geniale Mischung aus Scheinheiligkeit, Verdrängen und auch Komik, die seinesgleichen sucht!

Ein Film, der einen wirklich zum Nachdenken bringt. Und das nicht nur für ein paar Minuten,sondern nachhaltig.
Zeiten des Aufruhrs ist fast schon ein Kammerspiel, das hohe schauspielerische Kunst und eine Story bietet wo sich ein jeder hinterfragen muss! An dieser Stelle ein Zitat aus der "cinema": "Mehr kann der beste Film der Welt nicht leisten." Dem schliesse ich mich an.
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am 31. März 2009
Es ist Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts in den USA. Frank Wheeler und seine Frau April haben zwei Kinder und träumen von einem unkonventionellen Leben. Das Einkommen sichert Frank in einem ungeliebten Job und April spielt ein wenig am örtlichen Theater neben ihren Hausfrauenpflichten. Beide sind dieses Leben satt und planen einen Neustart in Paris.

Mit ihrer mutigen Entscheidung stoßen sie im Verwandten- und Bekanntenkreis auf Skepsis bis hin zur Ablehnung. Dies scheint die beiden jedoch in ihrem Streben weiter zu bestärken. Die Krise kommt durch einen Karrieresprung für Frank und eine weitere Schwangerschaft für April. Werte und Pläne kommen auf den Prüfstand. Frank neigt zum bisher verachteten Establishment und will bleiben und April hält weiter an ihrem Ziel Europa fest. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Die spannende Lebensabschnittgeschichte wird mit interessanten Randfiguren in Szene gesetzt. Das führt zu zahlreichen filigranen bis auch harten Dialogen. Die willenfreien Protagonisten wirken wie in einer griechischen Tragödie, in der das Schicksal trotzdem seinen eigen Lauf nimmt. Die Geschichte wirkt zeitlos und könnte heute genauso passieren. Regie und Schauspieler leisten hervorragende Arbeit.
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VINE-PRODUKTTESTERam 11. März 2010
Sam Mendes' Filme laden immer zu wilden Interpretationen und Analysen sämtlicher filmischer Ausrucksmittel ein. Wer meinen Versuch nicht lesen möchte, dem sei vorab gesagt: Auch in dieser Literaturverfilmung nach Richard Yates, in der es um ein Thirtysomething-Ehepaar in einer US-Vorstadt der Fünfziger geht, gelingt Mendes das Unglaubliche: Er interessiert auch diejenigen für die persönlichen, gesellschaftlichen und vor allem Beziehungsprobleme, deren Welt das nun wirklich nicht ist und die ganz andere oder vielleicht gar keine Sorgen haben. Mit bis ins Letzte durchkomponierten und geleckten Bildern (nicht umsonst ist dafür Roger Deakins, der Kameramann der Coen-Brüder, verantwortlich) ist dieser Film alles andere als aalglatt, bei aller Künstlichkeit erreicht er, dass wir unmittelbar emotional an dem Schicksal des Ehepaars Wheeler teilnehmen. Gute Extras und vor allem eine herausragende Tonqualität runden das Bild dieser in jeder Hinsicht empfehlenswerten DVD ab.

Wie beginnt man eine Detailbeschreibung? Vielleicht mit einem Experiment: Sollten Sie jemand sein, dem seine derzeitige Tätigkeit eher wenig Freude bereitet, wie wäre Folgendes? Sie können mit Ihrer Frau und Ihren zwei Kindern in Paris leben, die Gattin kann problemlos die Brötchen für alle verdienen, und Sie können endlich einmal all das tun, wovon sie schon lange träumen, oder zumindest auf eine spannende Suche nach dem gehen, was Ihre wirkliche Bestimmung ist - vorausgesetzt, diese haben Sie noch nicht gefunden oder wissen es wenigstens nicht. Diese Zustandsbeschreibung trifft nach meiner Erfahrung auf sehr viele Menschen zu. Und man sollte doch eigentlich von dieser Aussicht begeistert sein - oder? An American in Paris, oh là là, la Tour Eiffel (der auch einmal am Rande eines Fotos im Filmbild prangt, aber näher wird der Protagonist ihm nie kommen), Erinnerungen an die US-Intellektuellen und starken Trinker wie Hemingway, die als Prohibitionsflüchtlinge in dieser schillernden Stadt noch einmal den Sinn des Lebens suchen konnten. Doch es ist Mr. Wheeler anzumerken, dass seine vorgebliche Begeisterung getrübt ist. Sam Mendes macht recht früh recht subtil klar, dass dieser Mann längst ein Gefangener des Vorstadt- und Ehekäfigs ist, eine tragische Figur. Nein, genau wie Gattin "April" eher im Herbst als im Frühling der Beziehung und des noch relativ jungen Lebens steht, ist Gatte "Frank" alles andere als frank und frei. Er wohnt zwar in der (im Original titelgebenden) Revolutionary Road, aber er ist eben der "Wheeler" (der Hamster im Laufrad?) in der Revolutionary Road anstatt ein Revoluzzer in der Wheeler Road, wie es im Dialog einmal heißt. Er hasst seinen Beruf, der irgendwie mit Werbung zu tun hat (deutlich konnotiert mit "Lügen verkaufen", so wie die Wheelers einander ihre hohle Ehefassade zurechtlügen). Aber er kann nicht mehr von ihm lassen, er trinkt noch den Kakao, durch den man ihn zieht.

Leonardo DiCaprio und Kate Winslet als die Wheelers stellen eine kongeniale Ergänzung dar, weil ihre unterschiedlichen Schauspielstile sich sehr gut ergänzen und demonstrieren, dass man auf höchst unterschiedliche Weise einander das (Ehe-)Leben zur Hölle machen kann. Auf den ersten Blick scheint es, als bekäme der männliche Part mehr Fett ab: Gleich nach fünf Minuten ist ein heftiger Streit zu sehen und zu hören, der uns durch Zeitsprünge relativ unvorbereitet mitten in die Magengrube trifft und uns nicht gerade für Frank Wheeler einnimmt. Leo DiCaprio/Wheeler ist der Extrovertierte, der Schreihals, das große Kind, der Möchtegernmann, und es kommt dem Film zupass, dass DiCaprio auch mit gut 30 immer noch ein bißchen wie ein Jüngelchen aussieht, aber eindeutig altersangemessen besetzt ist. Er ist das große Kind, das ein Mann sein will und tobend reagiert, wenn ihm sein Scheitern in der Demonstration von Männlichkeit vorgehalten wird. Ein weiterer Fehler: Er möchte die kriselnde Beziehung durch andauerndes Reden totanalysieren. Mehrfach ist er bar jeglicher Selbstbeherrschung unfähig, der Bitte Aprils zu folgen, endlich einmal den Mund zu halten, und in diesen Szenen war ich als Zuschauer ganz klar auf Seiten Aprils.

Während DiCaprio eher extrovertiert (und darin sehr gut) ist, geht es Kate Winslet als April Wheeler kontemplativ an. Bei ihr spielen sich die Dinge eher innen ab, von ihr bekommen wir weniger Text und Wutausbrüche, aber mehr stumme Großaufnahmen, mal traurig, mal verbittert, mal kalt. Letztlich hat auch sie die Probleme aus Einandersatthaben, Satthaben des Vorstadteinerleis und das Hausfrauendaseins sowie einer gescheiterten Schauspielerinnenkarriere nicht aufgearbeitet, sondern verdrängt. Wirkt sie in ihrer ruhigeren Art zunächst sympathischer, so trügt dieser Schein, sie ist gelegentlich äußerst schroff, kalt, verhärmt, gar brutal in ihrem Schweigen und ihren betont nüchternen Statements voller Gefühllosigkeit (auch wenn wir ihr die letztlich nicht ganz abnehmen, sondern sie aufgewallte unbewältigte Gefühle kaschiert). Kate Winslet erweist sich hier als wunderbare meist nach innen gekehrte Schauspielerin mit einem großartigen Kinogesicht, das stumm genauso viel sagt wie alle Worte DiCaprios. Eindeutige Schuldzuweisungen und gut/böse-Verteilungen gibt es hier nicht.

Aber dafür einen Riesensack bestechender Beobachtungen, die filmkünstlerisch kongenial eingefangen sind, nur ein Beispiel: Ein technischer Kraftakt war, an Originalschauplätzen die zur Arbeit in die Stadt gehenden Lemminge auf Straßen, Bahnhöfen und Gleisen unisono in ein und dieselbe Richtung gehen zu lassen, mit ähnlichen Hüten und Mänteln. Solche Einstellungen hat Mendes schon in seinem Meisterwerk "Road To Perdition" gefilmt. Doch ironischerweise gab es auf der "Straße ins Verderben" noch das gegen den Strom schwimmende Kind. In "Revolutionary Road" (wieder eine Straße des Lebens - der Titel sollte eigentlich viel eher Aufbegehren suggerieren als der andere) gibt es Vergleichbares nicht mehr. Und wenn, dann steckt man es in die Klapse, doch dazu im übernächsten Absatz. Mr. Wheeler, das große Kind, ist sicherlich nicht der Junge, der in "Road to Perdition" gegen den Strom schwimmt, sondern das mit dem Strom getriebene große Kind, ein negatives Zerrspiegelbild des Peter Pan, gefangen im Nimmerland und unfähig, erwachsen im Sinne von reif und autonom zu werden.

Ihm passiert schließlich etwas, das mir aus meiner jahrelangen Arbeit im Universitätsbetrieb äußerst realistisch erscheint. Wenn Studenten sich nicht anstrengen und durchfallen WOLLEN, um z.B. noch eine Wiederholungsmöglichkeit zu nutzen, so legen sie oftmals in gelöster Haltung und ohne inneren Druck ihre besten Arbeiten hin. Und als Mr. Wheeler scheinbar den Entschluss gefasst hat, nach Paris zu gehen, rotzt er mit LMAA-Haltung eine nach seinem Dafürhalten grottenmiese Werbekampagne hin, im Bewusstsein, sowieso zu kündigen - und hat damit durchschlagenden Erfolg. Was viel über Werbung und deren Verlogenheit aussagt. Die Aussicht auf einen Spitzenjob (doch hat er sich gefragt, ob er den nicht ebenso hassen würde?) lässt ihn am Paris-Projekt zweifeln, und dass April schwanger wird, gibt ihm ebenfalls einen willkommenen Vorwand: Mon Dieu, in einer Stadt, in der man glibberige Froschschenkel und schleimige Schnecken isst, wie es Frank eimal scherzhaft beschreibt, da lässt sich natürlich kein Kind zur Welt bringen! Und die von April erwogene Abtreibung kommt überhaupt nicht in die Tüte.

Wie schlimm es um die Beziehung der Wheelers zu einander, zu ihren Räumen, zu ihren Träumen tatsächlich steht, zeichnet sich immer deutlicher gegen Ende des Filmes ab. Ohne dass es zu bevormundend geraten ist, wird es auch noch durch eine Art Griechischen Chor erklärt, eine der interessantesten Nebenrollen, die ich je in einem Film gesehen habe. Der Sohn der nervigen Maklerin (Kathy Bates) kommt zwei Mal zu Besuch zu den Wheelers, er ist ein "Freigänger aus der Irrenanstalt" (so nennt er es selbst), in etwa im Alter der Wheelers, und seine schroffe Art wird allzu leicht als "irre" abgetan, weil sie etwas exaltiert daherkommt. Dabei ist unschwer festzustellen, dass dieser Mann in messerscharfen und schonungslos offenen Analysen als einziger alle Personen und speziell die Wheelers durchschaut. Jedes seiner Worte ist absolut wahr, dadurch wird er zum Griechischen Chor, zum Kommentator, zum Analysten - aber nicht zum Analytiker, denn er hilft nicht (es sei denn, man betrachtet es als Hilfe, wenn einem die verdrängten Probleme schonungslos offengelegt werden und man dann damit alleingelassen wird). Eine geniale, brutalstmögliche Figur, ein "weiser Irrer", dessen Wahrheiten ins Mark treffen und der niemanden schont, auch sich selbst nicht, auch den Zuschauer nicht. Geschätzte acht Minuten im Bild (zwei zusammenhängende mono- und dialogreiche Auftritte) und für den Film eminent wichtig: Eine großartig geschriebene und von Michael Shannon genau passend in nur leicht überkandidelter Schroffheit großartig gespielte Rolle. Er trifft genau die richtige Nuance, damit sein Gebaren vordergründig mit "Irrsinn" zu erklären ist, aber dennoch deutlich wird, dass das viel zu einfach wäre.

Gegen Ende wird's wieder "Road To Perdition". In einer langen, dialoglosen Szene mit den orchestral anschwellenden suggestiven Variationen des gleichen musikalischen Grundthemas (Thomas Newman) vollführt Kate Winslet einen kontemplativen Opfergang voller morbider Schönheit. So tat es auch Tom Hanks im Vergleichsfilm. Äußerliche Ruhe, ein lichtdurchflutetes Haus und Winslet/Hanks allein, aus einem sehr großen Fenster die Helligkeit betrachtend und doch nicht ans Licht gehen könnend. Die Grelle, die Einsamkeit - und das Blut als dramatischer und farblicher Akzent im auffällig überhellen Bild. Kann Leben nur in diese fast weiße Leere kommen, wenn Leben genommen wird? Kann man Ruhe und Frieden nur im Tode finden? Für das Ehepaar Wheeler verrate ich es nicht, aber eine wunderschöne Möglichkeit bleibt ihnen versagt: Im Schlussbild von "Revolutionary Road" blendet der Mann der Maklerin deren Geplapper einfach durch Ausschalten des Hörgerätes aus. Wenigstens er hat Frieden, und Mendes spielt hier wunderbar mit dem Filmton, der immer subjektiv eingesetzt wird (wie das schon der gute alte Fritz Lang in "M" konnte). Beispielsweise hören wir die Wheelers immer ganz laut miteinander reden, als seien sie ganz nah bei uns, als drehe sich alles nur um sie - auch und gerade, wenn sie sich auf einer eher geräuschvollen Party kennenlernen und der Ton der beiden viel näher zu sein scheint als das Bild. Die Wheelers haben augenscheinlich (oder besser ohrenscheinlich) nur einander, sie nehmen die Welt um sich herum erst gar nicht, dann nicht mehr wahr. Der Ton lügt und ist subjektiv, das Bild nicht: Die Welt, sie ist noch da - und droht die Wheelers zu ersticken. Doch wie gesagt, immerhin eine Nebenfigur kann dem auf hübsch unspektakuläre Weise entfliehen. Würde ich ab und an auch gern mal. Leider höre ich gut.
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am 21. April 2010
Dem britischen Produzenten und Regisseur Sam Mendes ist es gelungen die Story des 1961 erschienenen Romans(Revolutinary Road) von Richard Yates authentisch auf die Leinwand zu projizieren.
Mit Kate Winslet und Leonardo Di Caprio in den Hauptrollen verleiht er dem Drama den nötigen Tiefgang ohne dabei übliche Klischees zu bedienen. Man könnte fast schon von einem sozial- kritischen Hintergrund der Handlung sprechen.
Das Ehepaar Wheeler stellt sich gegen die traditionalen Konventionen und Werte der amerikanischen Gesellschaft in den 1950Žer Jahren. Mit ihren Ansichten stoßen sie grösstenteils auf Unverständnis und Skepsis. Sie beginnen ihre Ehe und schließlich ihr ganzes Leben in Frage zu stellen.
Der Inhalt und die Botschaft der Geschichte haben nicht an Aktualität verloren. Ein Film der nachdenklich macht und inspirieren kann, das eigene Leben einmal anders zu betrachten.
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am 5. April 2009
Ja, wie lange habe ich schon nicht mehr einen so intensiven wie nachdenklich stimmenden Film im Kino gesehen!!!

Frank und April Wheeler sind das perfekte Vorzeigeehepaar, zumindest oberflächlich, mit zwei Kindern und einem gepflegten Haus in einer US-Vorstadt Mitte der 50er Jahre. Sie taten das, was Menschen vor ihnen und auch heute noch eben so tun. Sie suchten und fanden sich, planten und heirateten. Doch Zufriedenheit will sich nicht einstellen, stattdessen spüren beide nur noch das Gefühl einer inneren, hoffnungslosen Leere in sich und sind vom Ehealltag gelangweilt.Aus Sehnsucht nach Veränderung und der verloren gegangenen Leidenschaft ihrer Jugend planen die beiden etwas Gewagtes. Sie wollen umziehen, nach Paris, der Stadt der Liebe und Träume. Hoffnung macht sich bei beiden breit, jedoch beginnt Franks Mut nach einer Zeit an zu bröckeln...

Man kann dem Film eine gewisse Ähnlichkeit zu "American Beauty" nicht absprechen, ist der Regisseur (Sam Mendes) doch derselbe und der geniale Soundtrack von Thomas Newman ebenfalls hier zu finden. Auch das perfekte Filmpaar aus "Titanic" spielen herausragend ihre Rollen, wobei man diesen Film als gelungenes Gegenstück zu "Titanic" bezeichnen kann. Zeigte man doch im damaligen Film, dass die Liebe stärker als der Tod ist, ist es bei "Revolutionary Road" eher so, dass sich die Liebe den Banalitäten des Alltages beugen muss.

Fazit: Dank der herausragenden Darsteller, genialer Dialoge über bittere Wahrheiten und trügerisch wirkender Bilder einer Vorstadtidylle zwingt ein der Film, sich mit sich selbst zu beschäftigen und obwohl er Mitte der 50er Jahre angesiedelt ist, ist die Thematik über alltägliche Ängste und Sehnsüchte immer noch aktuell.
MEHR KANN MAN VON EINEM FILM NICHT ERWARTEN!!!
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am 20. März 2010
Ich war sehr an dem Film interessiert, nachdem ich einiges darüber gehört habe.
Ich hatte ihn mir ein bißchen anders vorgestellt, nicht unbedingt derart dramatisch wie er war, aber das fand ich sogar recht gut. Je mehr Drama, umso besser.

Außerdem standen hier auch wieder Leo und Kate als ehemaliges Kitschpaar (Titanic) vor der Kamera, allerdings zum Glück überhaupt nicht schmalzig, wie es einst bei Titanic war, sondern in ungewohnte anspruchsvollen und erwachsenen Rollen.

Ich fand den Film einfach klasse und kann ihn nur weiterempfehlen. Mag sein, dass er am Ende etwas zu langatmig geraten ist, aber ansonsten ist man immer konzentriert bei der Sache dabei.

Allerdings rate ich den Leuten von diesem Film ab, die mit anspruchsvollen Filmen nichts anfangen können. Hierbei muss man seinen Geist benutzen und fähig sein, sich seine Gedanken darüber zu machen und analysieren zu können.

Wer anspruchslosen Kitsch erwartet, bei dem man sein Hirn abschalten kann, sollte den Film meiden!
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am 2. August 2009
Ein amerikanisches Durchschnittspaar, das der langen Weile der Bürgerexistenz nach Paris entfliehen und dort ein neues, abwechslungsreiches Leben aufbauen will, scheitert an der eigenen Unfähigkeit, aus den eingefahrenen Spuren auszubrechen. Der Traum von Freiheit und spannendem Leben in Paris löst sich in Luft auf, als die Protagonistin (Kate Winslet) ungewollt zum dritten Mal schwanger wird. Doch dies ist nur ein Vorwand des Protagonisten (Leonardo DiCaprio), weil ihm die Bequemlichkeit der bürgerlichen Existenz in den USA eigentlich lieber ist, als die Ungewissheit im Ausland. Die Aussichtslosigkeit der Situation treibt die Ehefrau zu der schlimmsten Entscheidung, die sie treffen kann, und ihren Mann ins Unglück.
Ein in jeder Hinsicht hervorragender Film: DiCaprio und Winslet in ihren Glanzrollen.
Dieser Film gehört eindeutig zum Besten, was in den letzten zwei Jahren in die Kinos kam.
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