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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alien in Berlin
Ich war skeptisch bis ablehnend eingestellt gegenüber der "grassierenden" Nabelschau im Web von Prominenten, sei es nun das Ausstellen von Krankheitsgeschichten oder anderen privaten Themen.

Der Blog von W. Herrndorf "Arbeit und Struktur" hat mich eines besseren belehrt. Er ist sprachlich sehr ansprechend, verfällt keinem der gängigen Jargons...
Vor 10 Monaten von Trachsel veröffentlicht

versus
33 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ... irgendetwas dazwischen.
Lesenswertes Buch, das unweigerlich zum Nachdenken anregt. Darüber, ob man die Chance des eigenen Lebens wirklich nutzt, oder ob man es nicht doch mit sinnlosen Kleinigkeiten und Ängsten verplempert.

Wunderbar, der Schwarze Humor – oder ist es nicht vielmehr der glasklare Durchblick – wenn es um Kirche und Esoteriker geht. Sensationell der...
Vor 12 Monaten von pedalritterkatze veröffentlicht


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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alien in Berlin, 31. Januar 2014
Von 
Trachsel (Zürich, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Kindle Edition)
Ich war skeptisch bis ablehnend eingestellt gegenüber der "grassierenden" Nabelschau im Web von Prominenten, sei es nun das Ausstellen von Krankheitsgeschichten oder anderen privaten Themen.

Der Blog von W. Herrndorf "Arbeit und Struktur" hat mich eines besseren belehrt. Er ist sprachlich sehr ansprechend, verfällt keinem der gängigen Jargons. Die Geschichte seiner letzten Lebensjahre ist packend und hoch interessant, mit viel Selbstironie und beeindruckender Ehrlichkeit beschreibt Herrndorf seine Fährnisse. Medizin, Suizid, Lektüre, Schreibarbeit, Freundschaft, Sport, Atheismus, Aberglauben, Wissenschaft… und weitere Themen unakademisch, aber klug, manchmal nur in wenigen, aber umso signifikanteren Sätzen. Nicht besserwisserisch, er weiss um sein Nichtwissen und Ausgeliefertsein. Im Grunde ist im Text auch ein Science Fiction versteckt (er schätzte offenbar Philip K Dick), nämlich die Geschichte eines Aliens in Berlin, der wegen seines irrelaufenden Gehirns und Wahrnehmungsstörungen die Umgebung und auch sich zunehmend als fremd erfährt. Wegen "kleinen" epileptischen Anfällen stieg er erst gar nicht mehr vom Rad, sondern fuhr weiter, ähnlich Albert Hoffman auf seinem Rad unter der plötzlichen Wirkung des damals ihm unbekannten LSD. Nur dass bei Herrndorf der Lauf irreversibel, schrecklich und tödlich war. Besonders beeindruckt mich die Loyalität und grosse Menschlichkeit seiner Freunde und Kumpel diesem "Alien" gegenüber.

Ich lese heute weiter...
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164 von 177 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schreiben gegen die Zeit, 7. Dezember 2013
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Gebundene Ausgabe)
Wenn man die letzten Aufzeichnungen eines inzwischen nicht mehr lebenden Menschen in den Händen hält, neigt man wahrscheinlich zwangsläufig dazu, in einer gewissen Form von Ehrfurcht zu erstarren, sie als Vermächtnis zu begreifen. Aber vielleicht hätte Wolfgang Herrndorf das selbst gar nicht gewollt, diese übertriebene Ehrerbietung, diesen Pathos.

Für diese Annahme scheint schon der Buchtitel zu sprechen, der nüchterner kaum sein könnte: "Arbeit und Struktur". Was damit gemeint ist, dafür gibt Herrndorf in seinem im Buch enthaltenen Tagebuchblog einige Hinweise. In seinem Eintrag vom 21.08.2010 schreibt er z.B.: "Mir ist nicht klar, wie man aus dieser Nachruhm-Sache irgendeinen Trost ziehen kann. Ich arbeite nur, um zu arbeiten." Arbeiten um zu arbeiten - welch bemerkenswerte Formulierung. Man muss sie wohl im Zusammenhang mit seiner unheilbaren Tumorerkrankung sehen. Für ihn ist das Schreiben eine Art von Selbstvergewisserung, ein Strohhalm, eine Verbindung zum Leben. Andere würden bei einer tödlichen Diagnose zusammenbrechen, Herrndorf bleibt aufrecht, er weiß, was er braucht: Arbeit und Struktur.

Hat er also sein Tagebuch mehr für sich geschrieben als für andere? Ist es eine Art Therapie, mit begrenztem Informationswert für andere? Aus meiner Sicht keinesfalls. Denn Wolfgang Herrndorfs Buch hat durchaus Botschaften an uns "Weiterlebende", wie ich finde. Eine könnte z.B. sein, wie unwichtig Erfolg werden kann im Angesicht einer tödlichen Krankheit. Als die Filmrechte von Tschick verhandelt werden, schreibt Herrndorf in seinem Blog: "Jetzt könnte ich sechsstellige Summen verdienen, und es gibt nichts, was mir egaler wäre." Eine noch wichtigere Botschaft ist vielleicht die Bedeutung der Zeit. Wolfgang Herrndorf weiß, dass seine abläuft, so schreibt er gegen sie an, und erst durch dieses Getriebensein vollendet er solche wunderbaren Bücher wie Tschick oder Sand, die bis zu seiner Krankheit jahrelang als unfertige Projekte auf der Festplatte seines Computers schlummerten.

Man erfährt im Blog zum Beispiel auch, welche Bücher Wolfgang Herrndorf in seiner ihm verblieben Zeit unbedingt noch lesen wollte: die "Jane Eyre" von Bronte ist darunter oder auch Dostojewskis "Idiot". Und man fragt sich natürlich als Leser dann selbst: Welche Bücher würde ich noch lesen, wenn ich wüsste, mir bleibt nur noch die Zeit für ein paar wenige? Dieses Gefühl der Endlichkeit, das Auskosten von Restlebenszeit, das Bewusstsein für das, was im Leben wirklich wichtig ist - das ist es, was aus meiner Sicht die Lektüre des Buches lohnenswert macht.
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107 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstehen und annehmen ist eben eine Kunst..., 7. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Gebundene Ausgabe)
Ich hatte mich gefragt, wie lange es wohl dauern möge, bis hier die erste Rezension erscheint, die anprangert, dass der Blog als Buch erscheint. Es ist nicht einfach zu verstehen (oder auch nicht), was Wolfgang Herrndorf bewegt hat, was sein Ansinnen und Anliegen war. Seine Schonungslosigkeit, sein schmerzender Zynismus und seine besondere Sicht auf die materielle Welt waren besonders und machten ihn zu einem Unikum.
Wer sich hier echauffiert, vor seinem Selbstmord habe Herrn Herrndorf kaum jemand gekannt, bewegt sich schlichtweg auf dünnem Eis und wagt hier weder eine fundierte noch reflektierte Aussage. Hier wird eine Meinung damit untermauert, welchen Popularitätsstatus der Autor wann hatte. Ist das überhaupt wichtig?

Ich habe Herrn Herrndorfs Blog fast täglich verfolgt und gerade in der letzten Phase dachte ich ständig: "Ich lese jemand beim Sterben zu." Sein Zynismus, seine schonungslose Offenheit und seine besondere Auseinandersetzung haben mich wie noch nie vorher tief berührt. Er war ein perfektionistischer Wortkünstler, dessen Ansinnen nicht die Popularität war und der Sätze nicht zu Papier brachte, weil er eine gut konstruierte Geschichte verkaufen wollte, sondern weil er es einfach schreiben MUSSTE.
Sein Ende passt wie ein letztes Puzzlestück in seine Geschichte, so erschütternd es auch ist.
Zwischendurch beeindruckten mich immer wieder sein besonderer Humor und seine schonungslose Auseinandersetzung mit dem Unausweichlichen. Er sprach dort weiter, wo andere schweigen. Bringt seine ganze Wut auf das Leben, die Welt und die Medizin zum Ausdruck und schonte dabei auch sich selbst nicht.

Ich ziehe meinen Hut vor seinem Talent und seiner besonderen Art zu schreiben. Wer diese Ansicht nicht teilt, wer das Buch nicht lesen will, dem sei dies zugestanden, so wie immer, wenn es um Kunst geht.

Aber wenn man von etwas wirklich keine Ahnung hat und nur meint, man müsse mal sagen, wie es zu sein hat, dann wäre man so manches Mal besser beraten, dort zu meckern, wo man sich wirklich gut auskennt.

Das Leben ist nicht schwarz und auch nicht weiß. Es gibt viele Grautöne dazwischen. Wie gut.
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78 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Zu 100 Prozent tödlich" - Das Ende der Bohème, 7. Dezember 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Gebundene Ausgabe)
Die Neugier auf das Leben und Sterben der Schriftsteller ist ein altes Phänomen. Bei literarischen Märtyrern wie Kleist oder Kafka ist die Biographie posthum ein auratischer Teil des Gesamtwerks geworden. Bei Wolfgang Herrndorf hat diese Aufladung noch zu Lebzeiten stattgefunden, unter der Regie des Autors selbst, der seine Krankheit zum öffentlichen Ereignis gemacht und damit auch ein Genre bedient hat (siehe Schlingensief und viele andere Sterbensberichte bzw. Krebsbücher)

Es beginnt im März 2010 mit heftigen Kopfschmerzen und neurologischen Ausfällen: Tasse Tee über die Computertastatur gekippt, neben den Stuhl gesetzt, im Badezimmer hingefallen und nicht mehr hochgekommen; zum Telefon gerobbt, Notarzt gerufen. Kurz darauf wird bei Wolfgang Herrndorf der bösartige Hirntumor diagnostiziert –„zu hundert Prozent tödlich“. Es ist das Ende der Bohème von Berlin Mitte, das Ende der Bummeljahre eines Schriftstellers, der zuvor schon seine altmeisterliche Malerei aufgegeben hatte.

Nach der ersten Krebsoperation aber schreibt Herrndorf wie entfesselt im Wettlauf mit dem Tod. Die Trilogie, die dabei entsteht, ist so vielfältig wie nur möglich: ein postmodern verschachtelter, ins Brutale verliebter Thriller („Sand“), ein Jugendbuch, das die Freundlichkeit der Welt lehrt und in kürzester Zeit ein Klassiker wurde („Tschick“), und dieses Tagebuch, das den Alltag mit der Krankheit zum Tode stabilisieren hilft. Die Gefühle der Verzweiflung, die Herrndorf in Schach halten musste, werden vor allem in den Kapiteln „Rückblende“ deutlich: Panikattacken, Todesangst, Zusammenbrüche. Dann wieder Euphorien und nie gekannte Arbeitsschübe. Und schwarzer Humor, wenn es zum Beispiel um die Vorteile des radikal verkürzten Lebens geht: „nie wieder Steuererklärung…“

Drei Monate nachdem Herrndorf den Tumor in seinem Schädel mit dem Revolver erledigt hat, ist das Blog nun als Buch erschienen. Und liest sich nun im Zusammenhang noch einmal anders, eher wie ein „klassisches“ Tagebuch. Wo vorher das offene Ende war, die Todesdrohung, da ist die Lektüre nun bestimmt von der Gewissheit. Statt Präsens im Internet – das Buch als Aufbewahrungsort für die Reflexionen eines Verstorbenen.

Man liest beeindruckt, wie Herrndorf in der Maschinerie der Krebsmedizin Herr über sein hinschmelzendes Restleben bleibt. Man liest beklemmende Details aus dem Alltag eines Todkranken, der bis auf weiteres noch Fußball spielt und bei (fast) jedem Wetter im Plötzensee schwimmt. In seiner schäbigen Berlin-Mitte-Hinterhofwohnung lässt er sich – inzwischen Erfolgsautor – quälen vom Techno-Gebummer des dumpfen Nachbarn: „Musik. Gehe zum Nachbarn und schlage vor, ihn umzubringen. Oder die Musik leiser zu drehen. Eine friedliche Möglichkeit. Eine unfriedliche. Biete an, wenn es am Geld liegen sollte, ihm die teuersten, drahtlosesten, luxuriösesten Kopfhörer zu kaufen, die es gibt. Aber er will gar keine Kopfhörer. Die störten auf dem Kopf, und er wolle einfach nur seine Bumsmusik hören.“

Manchmal wirkt Herrndorf wie eine Hiobsgestalt. Als wärs mit dem Hirnkrebs und den epileptischen Anfällen noch nicht genug, wird er am 4.Januar 2012 noch von einer Autofahrerin auf dem Fahrrad übersehen und zu Boden gerammt: „Schultereckgelenksprengung“, wieder Mordsschmerzen, Krankenhaus, man will ihn zunächst nicht operieren, „lohnt ja nicht mehr“. An dieser Stelle war ich einen Moment fassungslos.

Auch viele gute Gedanken über Literatur sind im Tagebuch zu lesen. „Ich halte den Roman für den Aufbewahrungsort des Falschen. Richtige Theorien gehören in die Wissenschaft, im Roman ist Wahrheit lächerlich.“ Zum Roman gehören: „das Unglück, die neurotische Persönlichkeit, das falsche Weltbild, das falsche Leben.“ Wie richtig ist das gesagt! Herrndorf preist seine Lieblingsbücher, darunter ein vergessenes Werk der Jugendliteratur, „Pik reist nach Amerika“ aus dem Jahr 1927, aber er äußert auch drastische Antipathien. Martin Walser hält er „für den senilsten Sack der deutschen Literatur“. Ganz schlimm erwischt es den Kritiker Weidermann.

Kurz: ein Blog, ein Buch. Wille und Werk. Eine große Passionsgeschichte. In „Arbeit und Struktur“ geht es ums Ganze, um das Leben, um den Tod.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Danke fürs Mitnehmen, 28. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Gebundene Ausgabe)
Wolfgang Herrndorf habe ich vom ersten Satz an geliebt. Tschick hab ich gleich zweimal hintereinander gelesen, weil ich mich nicht trennen konnte und ich hab ihm einfach nicht übel nehmen können, dass seine Bücher nicht, wie sonst üblich und erwartet, irgendwie Varianten seiner Vorgänger waren. Und nein, ich wusste nicht, dass er krank war. Ich wusste auch nicht, dass wir ein Jahrgang sind und offenbar als Kinder ganz ähnlich waren und vermutlich auch als Erwachsene. Das weiß ich erst jetzt und das mag eine Erklärung dafür sein, dass mir Wolfgang Herrndorf so nahe gekommen ist, wie nur wenige Autoren.

In "Arbeit und Struktur" lebt uns Wolfgang Herrndorf Sterben vor. So nahe, dass es erschreckend ist. So nahe er sich selbst noch kommt, denn manchmal scheint er sich selbst zu bestaunen. Ich habe oft bedauert, für so Vieles keine Vorbilder gehabt zu haben.
Fürs Sterben hätte ich jetzt eins. Und dafür bin ich ihm dankbar. Er hat mich mitgenommen durch Phasen der Verzweiflung, der Abgeklärtheit und Distanz. Ich war sentimental durch ihn, hab mich festgeklammert und dann plötzlich losgelassen. Ich habe jetzt eine Ahnung davon, wie es ist, zu wissen, dass man das Alter, so wie man es sich vorgestellt hat, nie erreichen wird. Wie sich Zukunftssorgen plötzlich vom Diffusen lösen und auf Tage übertragen, für die man schon einen Kalender hat. Wie ein ganzes Leben plötzlich zusammenschnurrt und zur vollendeten Vergangenheit wird. Das war erschreckend und schön und das erfüllt mich mit Demut und mit - ich sagte es schon - großer Dankbarkeit.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tief beeindruckendes Dokument und große Kunst, 2. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Kindle Edition)
Ein blog nachträglich durchzulesen - werde ich das durchhalten? Das habe ich mich gefragt, als ich Arbeit und Struktur zu lesen begonnen habe. Und ab der 1. Seite nie mehr. Denn dieses Kunstwerk fesselt 1. durch die Situation des Autors (er beschreibt seine letzten Lebensmonate), die natürlich und leider den denkbar spannendsten Plot liefert. 2. Durch die liebenswerte, professionelle, immer noch bis fast zum Schluss ironisch-humorvolle Sprache von Wolfgang Herrndorf, 3. -dies allerdings nur, wenn man Literaturliebhaber ist - durch die ständigen Anspielungen und Selbstverortungen des Autors in seinem eigenen Gemälde deutscher und internationaler Literatur.

Wie Herrndorf bei ständig rückwärts schreitendem körperlichem Zustand seiner ungewöhnlich offenherzigen, neugierigen und lebensliebenden Persönlichkeit treu bleibt, wie er sich, selbstbewusst und gehalten, in seinem tollen Netz aus Freunden und geliebten Menschen bewegt ohne etwas zu beschönigen, wie er beobachtet, plant (seinen selbstbestimmten Tod), trauert und die einfachen Dinge, wie das geliebte Freibad Plötzensee geniest - das ließ mich nicht mehr los. Am Ende trauert man mit und ist den Personen (Kathrin Passig) dankbar, die das Erscheinen dieses Buches mit ermöglicht haben. Klare 5 Sterne!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nachlass eines zu früh Verstorbenen, 30. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Gebundene Ausgabe)
Wer sich bereits im Werk von Herrndorf umgeschaut hat, ist dankbar, hier einen Nachruf von ihm selbst verfasst vorzufinden. Er wusste von der Diagnose und erhielt den Hinweis, wie er mit der Aussicht auf den baldigen Tod infolge des Glioblastoms umgehen könne: Arbeit und Struktur! Mitgeteilt von einem Langzeitüberlebenen, ein Richter, der mit ihm auch das Wissen teilt, dass man abends dann unter der Bettdecke weinen würde. Berührende Tagebucheinträge, die mitleidlos die eigene Befindlichkeit beschreiben, von Tumor-bedingten Epilepsie-Anfällen bis zum Urlaub am Meer, Volleyball, Schwimmen oder das Radeln durch sein Berlin, das so dicht an meinem Berlin liegt, ich gebe es zu. Zwischen Mitte und Plötzensee bspw. dazwischen der Invalidenfriedhof, den man passiert. Oder die freundschaftliche, leidende Beziehung im Freundesnetzwerk, die Lektoren eingeschlossen, aber nicht den Nachbarn unter ihm, der nichts kapiert und alle mit seiner Musik zudröhnt. Seine Exit-Strategie ist zieht sich durch seine Überlegungen, die Betrachtung des Lebens aus der Sicht des Todgeweihten, der eigentlich in uns allen steckt, oder? Man sollte sich für diese aufwühlende Lektüre Zeit lassen, vor allem aus Respekt vor dem Autor und dem Vergessen. Dieses Buch behalte ich in meiner Bibliothek, es gehört in den Nachlass der Altvorderen für die Nachgeborenen!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wertvolle Erfahrung, 19. März 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist eine echte Herausforderung für den Leser. Man weiß natürlich zu Beginn, um was es geht, und ist froh, so locker und leichtfüßig, oftmals trotzig vom Autor empfangen zu werden. Alles nur eine ziemlich verrückte Geschichte - so war mein erster Eindruck, wohwissend, dass noch ganz Anderes kommen würde.

Auffallend sind die nüchternen Beschreibungen der Ereignisse. Über Gefühle wird nur spartanisch berichtet, oft genug muss man sie aus Andeutungen erschließen, z.B. wenn das Haltbarkeitsdatum eines gekauften Produktes genannt wird, und man sich zunächst fragt, was das jetzt soll. Dann wird es einem auf brutale Art klar ...

Trotz Pistole als 'Exitstrategie' schlägt sich Wolfgang Herrndorf unglaublich tapfer, erträgt, all die Hiobsbotschaften, die ihm die Ärzte (mal mehr, mal weniger deutlich) mitteilen, die OPs, Chemos und Bestrahlungen ebenso wie die ersten auftretenden Beeinträchtigungen. Ich weiß nicht, ob ich das so könnte. Beim Lesen kommt mir immer wieder der Gedanke: Respekt vor diesem Menschen.

Auf der anderen Seite lernt man einen beinahe idealen Freundeskreis kennen - Menschen ohne falsches Mitgefühl aber mit einer fast vorbildlichen Hilfsbereitschaft. Vielleicht ist das eine Idealisierung, aber mich hat es nicht gestört.

Was das Buch nicht zuletzt ausmacht, ist seine Offenheit. Man hat zumindest das Gefühl, dass hier nichts ausgelassen wird, nichts, was unangenehm oder peinlich wäre. Der Arzt reicht ein Taschentuch - und man weiß bescheid. Wenn man sich während der Lektüre auf etwas verlassen kann, dann ist es die Ehrlichkeit des Autors.

Ist das jetzt große Literatur? Ein Buch, das einen fesselt bis zum Schluss, eine Situation hautnah miterleben lässt, die man aus eigener Erfahrung nicht kennt, das einen als jemand anderen entlässt als man zuvor war, ist meiner Ansicht nach in der Tat große Literatur. Für mich war es aber vor allem eins: eine wertvolle Erfahrung.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Arbeit und Struktur ?, 11. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Gebundene Ausgabe)
Es ist schwer dieses Buch zu kommentieren. Sollte man sich lieber in Stille üben,…..vielleicht.
Warum liest man solche Bücher überhaupt. Man erhofft wieder eine Antwort zu finden. Tagtäglich werden wir mit dem Tod konfrontiert und blenden ihn aus bis es uns selbst betreffen mag. Die letzte Wahrheit und die Auflösung aller Rollen.
Man kann sich in dieser Zeit vor Aufregung kaum noch zurückziehen. Was hätte Herr Herrndorf dafür gegeben sich noch etwas weiter aufzuregen.
Es ist komisch, ich lese wie schnell das Leben zu Ende sein kann und werde mich wahrscheinlich morgen wieder aufregen . Wie kurios das Leben zu uns allen ist. Da hat man sein ganzes Leben keinen Geldsegen, schreibt einen Bestseller und dann das.
Was bleibt Respekt und Achtung, auch vor diesem Werk , dem Tod und trotzdem hat es ein paar Seiten gedauert bis ich warm geworden bin.
Vielleicht ist aber auch ein Grund solche Bücher zu lesen, der Grund es hier zu erreichen . Die komplette Verabschiedung aus dieser Welt und der Gedanken darüber. Ich weiß weder wer noch wo ich hier eigentlich bin wie schon Herr Herrndorf einfügt.
Manchmal ist es für mich erstaunlich wie ein Mensch den Glauben und auch die so genannte Esoterik komplett vertäufelt. Natürlich respektiere ich diese Meinung. Aber wenn man schon Zweifel an der Existenz anmeldet so stehen die Chancen doch 50:50 auf eine Belehrung.
Würden sie bei dieser Chance nicht Lotto spielen gehen. Das lasse ich mal so stehen.
Kann mann sich in Arbeit und Struktur flüchten. Bis zu einem gewissen Grade heilsam. Mir fällt da ein Zitat von Dostojewski ein das mich schon seit längerem begleitet: "Mancher denkt sich Abenteuer aus und ganze Romane und dichtet sich das Leben zurecht, um wenigstens auf diese Weise nach Wunsch zu leben".
Mich verwundert immer wenn Menschen alles ausschließen können. Wenn ich mir die Welt zur Zeit so betrachte fühle ich mich als Verrückter unter Verrückten. Wir werden alle zu Eremiten.

Ich habe den Kauf nicht bereut, muss aber trotz der Demut gestehen , das die Werke "Leben" und "Noch eine Runde auf dem Karussell" eher mein Fall waren. Deshalb auch nur vier Sterne.
Jeder ist so wie er ist, das macht die Vielfalt aus.

Beenden möchte ich mit dem letzten Eintrag aus Herrn Herrndorfs Blog:

Schluss

Wolfgang Herrndorf hat sich am Montag, den 26. August 2013 gegen 23.15 Uhr am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen.

Was folgt ist Stille……………...
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Niemand kommt an mich heran..., 20. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Gebundene Ausgabe)
... bis an die Stunde meines Todes.“ Das sind nur ein paar von den Worten, die mich an Wolfgang Herrndorf so beeindrucken. In seinem Blog -Arbeit und Struktur- konnte man vom 8.3.2010 bis zum 20.8.2013 miterleben, wie Herrndorf, nach dem Bekanntwerden der Diagnose Hirntumor, lebte und starb. Dieser Blog war vielleicht eines der eindrucksvollsten literarischen Dokumente der letzten Jahre. Wer da mitlas, den ergriff es tief und mächtig. Der bekam einen sehr anschaulichen Bericht darüber, wie es ist, wenn der eigene Körper sich gegen seinen „Besitzer“ wendet. Viele Menschen erleiden so ein Schicksal. Aber nicht viele können es so präzise, unterhaltsam(ja... tatsächlich), spannend, unprätentiös und gefühlvoll schildern, wie Herrndorf das konnte. Ohne -Arbeit und Struktur-, das wusste Herrndorf von Anfang an, hätte er es nicht geschafft, so lange durchzuhalten, ohne wahnsinnig zu werden. Sein frei gewählter Tod am 26. August 2013 war eine logische Konsequenz von all dem, was Herrndorf für lebens- und erlebenswert ansah.

Wenn einer, der sich gern bewegt, der es liebt einen Fußball übers Feld zu dreschen oder mit dem Rad durch Berlin zu rasen, plötzlich mit der Rebellion des eigenen Ichs konfrontiert wird, dann ist das heftig. Wenn einer, der gern liest und der schreiben kann wie wenig andere, Probleme mit Worten und Sätzen bekommt, ist das eine Katastrophe. Bei Herrndorf beginnt es mit einer Einlieferung in die Psychiatrie und der Diagnose Hirntumor. Unheilbar! Von da an bestimmt die Krankheit Herrndorfs Leben. Er, der bisher mäßig literarisch erfolgreich war, ist gerade dabei mit -Tschick- einen großen Wurf zu landen. Es winken Auflagen um Auflagen und endlich mal Geld in der Kasse. Und jetzt das! Herrndorf informiert sich. Bei Ärzten und im Internet. Er wird zum Spezialist für seine eigene Krankheit und erkennt schnell: Das Ende wird kommen. Vielleicht in einem, bestimmt aber in den nächsten fünf Jahren. Herrndorf ist keiner, der sich einfach hingibt, alles in die Ecke wirft und auf den Tod wartet. Er stürzt sich in die Arbeit. Romane müssen fertig geschrieben werden. Vielleicht sogar neue Projekte begonnen werden. Nur mit Arbeit und Struktur wird Herrndorf dieses Leben meistern können. Inmitten all dieser Arbeit muss Herrndorf mehrfach operiert werden, erhält Bestrahlungen und Medikamente. Immer wieder erleidet er epileptische Anfälle und wird aus seinem normalen Leben gerissen. Herrndorf versucht, seinen Freundeskreis zu halten, all die Spinner, die plötzlich etwas von ihm wollen, abzuwimmeln und vor allem seine Beziehung zu C. seiner engsten Vertrauten, aufrecht zu erhalten. Eine gewaltige Aufgabe für einen todgeweihten Mann. Doch Herrndorf stellt sich diesem Kampf, mit allem, was er zu bieten hat...

Am Ende von Herrndorfs Bericht breitet sich nur noch unendliche Traurigkeit in einem aus. Da laufen die Tränen und man fragt sich: Warum? Dabei ist -Arbeit und Struktur- kein trauriger Bericht. Das hätte Herrndorf auch nie gewollt. Im Gegenteil: Obwohl sich der Text stark und intensiv mit dem Tod befasst, so ist er doch eine Hymne auf das Leben. Das eine ohne das andere undenkbar. Egal ob Herrndorf im März durch den eiskalten Plötzensee schwimmt, in der Psychiatrie die Spatzen füttert oder mit den Kumpels auf dem Bolzplatz kickt; er liebt das Leben. Im Angesicht des Todes wird dann jeder einzelne Moment so kostbar wie eine geweihte Reliquie. Es sind diese Momente, aus denen man bei -Arbeit und Struktur- so viel Hoffnung und Freude ziehen kann. Ganz nebenbei sind Herrndorfs Texte brillant geschrieben.

Es ist schade, dass Wolfgang Herrndorf nicht mehr unter uns weilt. Der Mann hatte vermutlich noch eine Menge zu sagen. Mit -Arbeit und Struktur- hat er uns teilhaben lassen an seinem Leben. Diesen Mut hätten nicht viele gehabt. Zurück bleiben Texte vor dem Tod und für das Leben. „Ich habe für mein Leben nie Gesetze gebraucht“ lässt Herrndorf uns wissen. Damit spricht er vielen Lesern aus der Seele. Mit seinen Texten hat er zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass wir ihn auch nach seinem Tod nicht vergessen werden.
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Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf
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