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Kundenrezensionen

3,9 von 5 Sternen39
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am 4. Mai 2014
Ich habe soeben diesen Film gesehen und fand ihn ungeheuer gut gemacht. Er erinnert mich an die unendliche Einsamkeit, die ich fühlte, als ich 17 war. Wie schwierig es war, die gerade erst entstandenen Geheimnisse zu wahren und sich selbst zu entdecken, in einer Familie, die einem langsam zu eng wird. Dieses Zu-Eng-Werden spürt man bei Ozon fast körperlich mit. So gehen in dem Film immer mal wieder "aus Versehen" die Türen in der Familienwohnung Isabelles auf: Der Stiefvater platzt aus Versehen ins Badezimmer, der kleine Bruder erwischt die Schwester aus Versehen beim masturbieren. Alle sind irgendwie verlegen, betreten, gekünstelt natürlich und unbeschwert, die Sinnlichkeit der heranwachsenden Kinder ist schwer zu ertragen und einzuordnen. Ja, in dem Film geht es auch ums Verstecken und Aufdecken, ums Gesehenwerden und ums Sich-Zeigen von heranwachsenden und erwachsenen Menschen. Und er handelt von der Sehnsucht nach Aufrichtigkeit und Wertschätzung, die man als Jugendlicher hat.. und vielleicht bei den Erwachsenen nicht findet. Dieser Film wird mich noch einige Zeit nachdenklich zurücklassen.
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am 12. Dezember 2015
Als deutsche Produktion wäre dieser Film nicht vorstellbar, weil die Hauptfigur aus eigenem Antrieb und aus Neugierde mit Hilfe des Internet nach einer privaten (sexuellen !) Enttäuschung in die Tätigkeit einsteigt und dann auch noch positive Erfahrungen macht. Die Grundhaltung des Films und der Hauptdarstellerin ist dabei nüchtern beobachtend, aber trotzdem nicht kalt. Es geht weniger um erotische Darstellung als um eine fast anthropologische Beobachtungsweise. Angenehm bemerkbar macht sich das Fehlen des in D - Land bei diesem Thema unverzichtbaren moralischen Zeigefingers. Die junge Frau wird als Handelnde dargestellt und nicht als Opfer, damit allein werden aber Zuschauer mit allzu pump einprogrammierter political correctness, - also das neue Spießertum, Schwierigkeiten haben.
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TOP 1000 REZENSENTam 17. Juli 2014
Pascal Marti ist der Kameramann von Francois Ozons neuesten Film "Jung und schön", der von einigen Kritikern mit Bunuels "Belle de Jour" verglichen wurde. Für mich ist es ein sehr gelungener, ja sogar leichter Film über das Erwachsenwerden und über das Ausprobieren und fängt im "Sommer" an. Die 17jährige, sehr hübsche Isabelle (Marine Vacth) liegt an einem heißen Sommertag am Strand, sie wird dabei von ihrem neugierigen, jüngeren Bruder Victor (Fantin Ravat) mit dem Fernglas beobachtet. Der Junge nimmt in der Geschichte seiner Schwester auch insofern eine Schlüsselrolle ein, weil es sich andeutet, dass er sehr bald ebenfalls in diesen pubertären Sog fällt, der dann die Stufen zum Erwachsenwerden einleitet. Seine Schwester ist da schon mittendrin in diesem Weg und sie hat einen deutschen Freund. Mit diesem Felix (Lucas Prisor) verliert sie ziemlich unromantisch ihre Unschuld in den Ferien. Im "Herbst" ist die Familie wieder zurück in Paris. Isabelles Mutter (Geraldine Pailhas) und Isabelles Stiefvater Patrick (Frederic Pierrot) ahnen nicht, dass sich Isabelle heimlich für Geld mit Männern trifft. Sie verlangt pro Treffen meistens 300 Euro und einer dieser Freier ist der alternde Georges (Johan Leysen). Mit ihm trifft sie sich öfters. Durch einen Unglücksfall erfährt die Mutter im "Winter" vom Doppelleben ihrer Tochter. Dies führt zu starken familien Spannungen und auch der Freundeskreis, der von Isabelles Doppelleben weiß, begegnet ihr plötzlich anders, viel misstrauischer. Isabelle wird zu einem Psychologen geschickt. Auf einer Party flirtet sie mit ihrem Mitschüler Alex (Laurent Delbecque), der im "Frühling" dann ihr Freund ist und auch von der Familie gut aufgenommen wird...es normalisiert sich alles. Oder doch nicht. Da sie nicht in Alex verliebt ist, macht sie Schluß und verabredet sich wie früher in der Hotellobby mit "Unbekannt". Doch diesmal erscheint eine Frau (Carlotte Rampling)...
"Das Schmuckstück" war passabel, reichte aber nicht an die besten Werke von Ozon heran, der mir vor allem mit "Unter dem Sand", "Swimming Pool",, "Ein kriminelles Paar" und "Tropfen auf heiße Steine" gefallen hat. Sein letzter Film "In ihrem Haus" aus dem Jahr 2012 war auch sein bestes Werk seit "5x2" und mit "Jung und schön" konnte er sich jetzt sogar noch weiter steigern. So ist dieser leichte Jahreszyklus der jungen, sexuellen Experimente einer seiner bisher besten Filme und die Songs von Francoise Hardy passen sehr gut zu der Melancholie und Zärtlichkeit des Films. Dabei lässt der Regisseur den Zuschauer teilhaben an der Phantasie der Figur, die sich gegen moralische Grenzen erfolgreich zur Wehr setzt, indem sie tut, was sie will. Dabei hat man das Gefühl, dass dem Umfeld das Thema Prostitution viel mehr an die Nieren geht als der Protagonistin, die nicht unbedingt Schaden an ihrem Tun erleidet. Sie verändert sich aber auch ein Stück weit und möglicherweise ist das Schluß machen mit ihrem "normalen" Freund in einer ganz normalen Beziehung auch ein Zeichen, dass die auferlegten Konventionen keine Erfüllung mehr bieten. Sie baucht wahrscheinlich den Nervenkitzel des Moments und daher ist auch die Diskrepanz zwischen Lust und Liebe aufgezeichnet. Ein sehr gelungener Film.
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am 20. März 2014
Jung & Schön.

Schaut man sich den Trailer zum Film, denkt man sich womöglich: „Ein schöne Schauspielerin, Freizügigkeit, aber sicher kein Film für Menschen im Pubertätsgefängnis. Nein. Viel mehr … Kunstkino? Das muss es doch sein, sowas passt schließlich nicht ins Mainstream-Kino. Kunstkino … Arthouse … besteht nun wieder die Gefahr, dass ich absolut keine Ahnung habe was vorgeht und was mir der Regisseur eigentlich sagen will? Alles falsch!

Die folgende Inhaltsangabe hat minimale Spoiler – nichts jedoch, was den Film weniger sehenswert macht.

Jung & Schön, im Original Jeune et Jolie, zeigt die Geschichte der siebzehnjährigen Französin Isabelle, die unter dem Decknamen Lea ein Doppelleben als Prostituierte führt. Diese verbringt ihren Geburtstag mit ihrer Familie am Meer, wo sie einen jungen Deutschen kennenlernt, mit dem sie am Strand ihr erstes Mal hat. Weniger aus Liebe, mehr aus Interesse und dem Drang es hinter sich zu haben, wie es scheint. Einige Zeit später wird Isabelle von einem Fremden auf der Straße angesprochen, der sie für einen Eskortservice wirbt; außerdem sieht sie durch Zufall einen Bericht im Fernsehen über Studentinnen, die ihr Studium durch Prostitution finanzieren. Im Laufe des Films trifft sich Isabelle mit verschiedenen Männern und schläft mit ihnen für Geld.

Jung & Schön, der Titel bezieht sich unmissverständlich auf Isabelle, gespielt von der hinreißenden Marine Vacth. Ihre Geschichte wird in unfassbar einnehmenden Bildern präsentiert, die zwar eine ordentliche Portion Erotik beinhalten, aber dadurch nicht plump wirken. Der Film verurteilt die Protagonistin nicht dafür, dass sie einen eigenen Weg in der Entwicklung ihrer Sexualität eingeschlagen hat – er befürwortet dies aber auch nicht. Als Zuschauer kann genießt man die Bilder, ohne sich in irgendeiner Weise daran aufzugeilen, als würde man den neuesten Teil der American Pie Reihe anschauen. Man versinkt im Doppelleben Isabelles, bleibt dabei aber stets auf Distanz. Wir erfahren nicht wirklich, warum sie sich für den Schritt in die Prostitution entschieden hat. Offensichtlich war sie von der Art des schnell verdienten Geldes fasziniert, das kann jedoch unmöglich alles gewesen sein. Sie sagt selbst, dass sie während der Treffen mit ihren Freiern nichts empfunden hat, erst im Nachhinein. Doch was? Mir als Zuschauer wird nahegelegt, nicht über sie zu urteilen. Es ist nicht mein Recht, ich soll Toleranz zeigen. Nur weil es nicht meine Idee vom Leben ist, ist sie nicht schlecht. Zu erwähnen bleibt noch der Soundtrack. Eine Mischung aus modernem Pop und Trance (an passenden Stellen), sowie französischen Schlagern (wunderschön; schade, dass man als Deutscher beim Wort Schlager erst einmal schlucken muss.)

Jeune et Jolie schafft es, sich vom Mainstream Markt, auf dem uns immer wieder die gleiche Geschichte neu aufgegossen präsentiert wird, abzuheben und eine eigene, ruhige, fast melancholische, stets interessante und real wirkende Welt zu kreieren, in die man sich gerne über die 1,5 Stunden des Films ziehen lässt.
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am 15. Juni 2014
... kam Francois Ozons -Jung & schön" für mich daher. Ich hätte fast gesagt, halt so ein "Goldene Palme - Film". Aber nach-Blau ist eine warme Farbe- musste ich dieses Vorurteil aus meinem Repertoire streichen. -Jung & schön- war 2013 für genau diesen Preis nominiert. Ozon erzählt die Geschichte der 17jährigen Isabelle(Marine Vacth), die im Urlaub die körperliche Liebe kennen lernt und danach, gegen Bares, ohne Not, der Prostitution nachgeht. Für gutes Geld stellt Isabelle ihren Körper und ihre Fähigkeiten älteren Männern komplett zur Verfügung. Warum sie das tut? Da fangen meine Bedenken bei Ozons Film an. Ich kann es ihnen jedenfalls nicht sagen. Zu verworren war die Motivlage für mich, als dass ich sagen könnte, welchen Sinn dieses Handeln verfolgt. In jedem Fall endet Isabelle "Karriere" als Prostituierte, als der ältere Freier George(Johan Leysen) während ihres Besuchs stirbt. Alles kommt heraus und Isabelle sieht sich Tausenden von Fragen gegenüber...

Eine gute Kamera, starke Darsteller, hier und da seltsame Musik und ein Roter Faden, der sich gelegentlich verwickelt oder verschwindet. So habe ich Francois Ozons -Jung & schön- empfunden. Mit dieser Meinung stehe ich ziemlich allein da, der Film wird von vielen Kritikern als kleines Meisterwerk gehandelt. Ich hätte gern 3,5 Sterne gegeben, da das nicht ging, sind es vier, zu Gunsten des Angeklagten geworden. Sie müssen und dürfen mal wieder selbst entscheiden, was sie von -Jung & schön- halten. Probieren sie es einfach aus...
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am 4. Juni 2014
Der Trailer verspricht meiner Meinung nach zu viel "Action". Der Film jedoch ist eine eher zarte, leise Note und lässt den Zuschauer nicht ohne die Frage los, warum sich Isabell eigentlich prostituiert. Es ist sicherlich mal eine ganz andere (und irgendwie auch schönere Art) zu zeigen, wie man erwachsen werden kann - indem man einfach an etwas "reift" sich selbst "ausprobiert".
Jedoch zeigt der Film auch die negativen, schmutzigen Seiten des Geschäfts.

Was jedoch das wahrscheinlich ausschlaggebendste für mich war, diese DVD zu kaufen war die in dem Trailer nur undeutliche, atemberaubende Schönheit von Marine Vacth. Und deren nicht gespielter Melancholie, in der man sich verlieren kann..
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am 6. Dezember 2014
Ein sensibler Film, in dem alles am Platz ist. Die Bettszenen, das Andeuten der dunklen Seiten, die Reaktionen des Umfeldes - und vor allem die Arbeit der Hauptdarstellerin machen diesen Film zu etwas ganz Zartem und Kostbarem.
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am 24. April 2014
An den Anfang seines Films Jeune & Jolie setzt François Ozon den Blick durch einen Feldstecher auf eine halbnackte junge Frau, die im Folgenden Geschlechtsverkehr mit älteren Männern haben wird, für Geld. Diese klar voyeuristische Perspektive ist in ihrer Ehrlichkeit insofern bemerkenswert, als Jeune & Jolie nicht nur das Porträt der außergewöhnlichen Isabelle zeichnet, sondern auch Kommentar zur Bigotterie einer angeblich liberalen, intellektuellen Pariser Oberschicht sein will. Dass Ozon homosexuell ist, tut dabei zunächst nichts zur Sache. Er bekennt Farbe: die Frau interessiert ihn, fasziniert ihn, auch wegen ihrer Schönheit, ihrer Sexualität. Ozon handelt nicht bigott. Er steht mutig zu seiner Neugierde, zu seiner Begierde. Genau davon handelt der Film: von Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber. Vom Mut andere Wege auszuprobieren als die Mehrheit, bei vollem Bewusstsein, ohne sich dafür mit Alkohol oder Marihuana berauschen zu müssen. Und ohne diese Wege nur mittelbar – im Theater, der Kunst oder der Literatur – nachzuvollziehen. Nahezu alle Nebenfiguren und Antagonisten in Jeune & Jolie belügen sich selbst oder ihre Partner. Sie gerieren sich als moralisch integer und erwachsen, sind dabei aber genauso unmündig wie Kant es in seinem Aufsatz zur Aufklärung beschreibt:

"Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen."

Es muss aber kein Buch oder Arzt sein: es kann einfach die herrschende Meinung sein, aus der der Mutlose keinen Ausweg findet, eine Meinung die, wie Kant betont, ihre Ursache in bewusst geschürten Ängsten hat.

"Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotism und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zu Stande kommen; sondern neue Vorurteile werden eben sowohl als die alten zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen."

In diesem Sinne ist es dann eben doch relevant, dass Ozon homosexuell ist, denn er weiß vermutlich, wie es sich anfühlt, ausgegrenzt zu werden, weil er die "Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge" der Bourgeoisie zu Gunsten einer wahrhaftigeren Existenz für sich negieren musste.

Im besten Fall wird eine solche Negation als "krank" und "unnormal" stigmatisiert, dem oder der "Betroffenen" – wie Isabelle – ein Heilungsversuch beim Psychologen empfohlen. In schlechteren Zeiten werden die "Andersartigen" verbrannt oder auf schlimmere Weise ermordet. Immer ist der Grund für den Tugendterror der Wunsch, dem vermeintlich Guten zum Durchbruch zu verhelfen, indem man das vermeintlich Schlechte kriminalisiert und ausmerzt, ob nun zu Zeiten der Inquisition, der Hexenverbrennungen oder anderen Terrorherrschaften. Robespierre erklärt:

"Die Terreur ist nichts anderes als unmittelbare, strenge, unbeugsame Gerechtigkeit; sie ist also Ausfluss der Tugend; sie ist weniger ein besonderes Prinzip als die Konsequenz des allgemeinen Prinzips der Demokratie in seiner Anwendung auf die dringlichsten Bedürfnisse des Vaterlandes."

Nun, wenn der "Ausfluss der Tugend" seine Rechte fordert, wenn Katholiken, Idealisten und andere Fundamentalisten aus Reinheitswahn Gesetze zimmern, sind Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Freidenker und Prostituierte seit vielen Jahrhunderten unter den ersten Opfern.

Büchners Held Hérault fordert in Dantons Tod deswegen:

"In unseren Staatsgrundsätzen muss das Recht an die Stelle der Pflicht, das Wohlbefinden an die der Tugend und die Notwehr an die der Strafe treten. Jeder muss sich geltend machen und seine Natur durchsetzen können. Er mag nun vernünftig oder unvernünftig, gebildet oder ungebildet, gut oder böse sein, das geht den Staat nichts an. Wir alle sind Narren, es hat keiner das Recht, einem andern seine eigentümliche Narrheit aufzudringen."

Aber ist es wirklich so, dass wir immer noch in einer Gesellschaft leben, in der der Volonté générale alles Andersartige niedermetzelt? Wohl kaum. Aber in einem wirklich aufgeklärten Zeitalter leben wir wohl auch nicht, so sehr wir es uns gerne versichern. Dazu müsste der Einzelne besser oder überhaupt erst in der Lage sein, aus gesellschaftlich verankerten Denkschablonen auszuscheren, oder zumindest nicht sofort nach dem Arzt zu rufen, wenn es ein anderer tut. Wie schwer das in Wirklichkeit fällt, demonstriert François Ozon seinen Zuschauern auf meisterhafte Weise. Dort, wo sie hingehört, an das Ende des regulären dritten Filmaktes, setzt er die "Bekehrung" der Heldin, wie wir sie erwarten. Isabelle versöhnt sich mit der Welt, mit ihrer Mutter und besucht sogar eine Party Gleichaltriger. Hier betrinkt sie sich zwar nicht wie ihre Mitschüler, die ihre Ängste nur mittels Alkohol überwinden können, lässt sich aber noch einmal auf einen jungen Mann ihres Alters ein. Sie führen angeregte Gespräche über Nichtigkeiten, er reißt sie sogar aus ihrem Ernst, aus ihrer Melancholie. Sie streifen im Morgengrauen über den Pont-Neuf, sie bilden mit ihren Silhouetten ein Herz. Wahre Liebe, ideales Glück, schönste Harmonie scheinen möglich! Beim Sex profitiert Isabelle danach von ihren Kenntnissen, sie übernimmt die Führung als es nötig wird. Die Sonne strahlt ins Esszimmer der Familie. Gefrühstückt wird gemeinsam...

Ja, denken wir, da ist jemand nach allen Regeln der Hollywooddramaturgie "mit dem Elixier" zurückgekehrt in den Schoß der bürgerlichen Gemeinschaft. Isabelle ist zur "Wandlerin zischen den Welten" geworden. Nach dem "Coming of age" ist sie zu wahrer Reife und Erwachsenheit gelangt...

Moment, sagten wir "Erwachsenheit" und meinten Mündigkeit? Weil sich die junge Frau in die gängigen Normen der Bourgeoisie eingliedert? Ist es wirklich das, was wir von ihr fordern, dass sie ihren Mut, ihre Neugierde und Promiskuität von nun an verleugnet? War ihr Handeln so schlecht, hat sie so viele Menschen verletzt? Hat sie überhaupt andere Menschen verletzt oder haben sich diese Menschen nicht selbst verletzt durch ihre eigene Bigotterie? Das sind viele Fragen, die auch einen Filmkritiker überfordern können. Die "Zeit" übertitelt ihre Besprechung von Jeune & Jolie wie folgt:

"Was treibt die da nur? – François Ozon lässt eine Jugendliche sich prostituieren und bietet leichter Hand ein paar Ideen, warum sie das tut. Am Ende ahnt man: Wir brauchen das nicht zu verstehen."

Oder anders gesagt: niemand, auch kein Filmkritiker, kann beim Blick in den Spiegel dazu gezwungen werden, die Augen zu öffnen. Isabelle wagt es im letzten Filmbild – und erkennt sich selbst.
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am 22. Januar 2015
Ich habe den Film "Jung & schön" auf Sky Cinema geschaut und war positiv überrascht. Ja - hat mir gut gefallen.
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am 3. Mai 2016
Als Fan von Filmen F. Ozons war ich von diesem hier ziemlich enttäuscht. Die junge Dame ist zwar sehr hübsch, aber die ständigen Nahaufnahmen eines Schmollmundes und reizvolle Posen reichen halt nicht aus, einen Film inhaltlich zu füllen. Ansonsten wirkte das Fräulein
ziemlich hohl, auch die Gespräche mit Eltern, Stiefvater etc. blieben an der Oberfläche. Nur empfehlenswert füt Lolitaanbeter.
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