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54 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kann schlechtes Gewissen töten?
Andere Rezensenten haben sich auf Schilderung von Handlung und Personen konzentriert. Ich möchte einen Blick auf die eher weichen Faktoren dieses Meisterwerks werfen. Es ist einige Zeit seit der letzten Lektüre eines Murakami vergangen.

Doch mit "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" liegt wieder ein großartiges Buch vor uns...
Vor 10 Monaten von Joerg Kilian veröffentlicht

versus
12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die fablosen Pilgerjahre des noch falbloseren Herrn Tazaki
Wie schon zahlreich in Vorgängerrezensionen geschehen, möchte ich kurz auf den Inhalt eingehen. Der Roman "Die Pilgerjahre des fablosen Herrn Tazaki" erzählt die Geschichte, eines japanischen Ingenieurs der, entflammt von einer neuen Liebe, aufbricht, um das rätselhafte Zerbrechen seiner Jugendfreundschaften aufzuklären. Lange bevor die...
Vor 10 Monaten von Flo veröffentlicht


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54 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kann schlechtes Gewissen töten?, 17. Februar 2014
Andere Rezensenten haben sich auf Schilderung von Handlung und Personen konzentriert. Ich möchte einen Blick auf die eher weichen Faktoren dieses Meisterwerks werfen. Es ist einige Zeit seit der letzten Lektüre eines Murakami vergangen.

Doch mit "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" liegt wieder ein großartiges Buch vor uns – auch wenn "Kafka am Strand", das ich sowohl in der deutschen als auch in der englischen Fassung gelesen habe, mir nach wie vor als sein bemerkenswertestes Werk erscheint.

Der Einband mit dem transparenten Schutzumschlag ist alles andere als farblos und deutet grafisch die Farbensymbolik der Geschichte an. Sehr praktisch und wertig auch das leuchtend rote Lesebändchen. In Zeiten digitaler Bücher spielt der bibliophile Charakter von Hardcover-Büchern eine zunehmend wichtigere Rolle.

Wie immer bei Dumont sind Typografie und Papier optimal auf einander abgestimmt. Im Gegensatz zu den Einbänden der IQ84-Trilogie bleibt das Buch – einmal aufgeschlagen – jedoch nicht offen liegen.

Wie kaum ein anderer beherrscht Murakami die Kunst, den Leser absolut mit der Handlung zu verschmelzen; als würde der Leser das Buch selbst schreiben, während er es liest! Man hat das Gefühl, dass alle seine Bücher in den gleichen Landschaften spielen.

Die Personen scheinen miteinander verwandt und sind in ihren Wesenszügen so klar und reduziert, dass einem die sonst eher fremden Japaner hier sonderbar vertraut vorkommen. Ebenso geht es dem Protagonisten, der sich auf seiner ersten Auslandreise in Helsinki zwar einsam – aber nicht fremd fühlt.

Während frühere Bücher häufig in zeitlosen Räumen des vergangenen Jahrhunderts spielen, so ist diese Handlung fest in unsere Jetzt-Zeit gesetzt. Ein bei Murakami auffälliges Stilmittel hierfür, ist die unverblühmte Nennung von Markennamen wie Facebook, Lexus, Marlboro, TAG Heuer.

Wiederkehrendes Stilelement ist auch die Inszenierung vordergründig unbedeutsamer, spekulativer und bizarrer Gegebenheiten – wie in diesem Buch der sechste Finger, der im Laufe der Geschichte zu einem mystischen Hintergrundmotiv aufgeladen wird.

Auch die Verwendung seltener Worte und Fremdworte ist ihm lieb: "Diese Möglichkeit schwebte wie eine feste, kleine Lenticulariswolke ständig über ihnen." Erst ein Blick in Wikipedia gibt Aufschluss: eine Wolke in Linsenform, die an ein außerirdisches Raumschiff erinnert.

Und wer hat Beiläufigkeit besser so konzis inszeniert: "Sara nahm einen Schuck von ihrem Mojito und inspizierte die Form des Minzblatts von allen Seiten."

Synästhesie, das Zusammenklingen und Überlagern verschiedener Sinneseindrücke um Stimmungen zu erzeugen, ist wohl sein wichtigstes Stilmittel. Meist benutzt er dafür Musik, hier das Thema "La Mal du Pays" aus den Années de Pèlerinage von Franz Liszt. Die wiederkehrenden Erinnerungen daran legen einen Schleier grundloser Trauigkeit über die Handlung.

Und immer wieder das Spiel mit der fast nicht wahrnehmbaren feinen Linie, die das Realistische vom Phantastischen trennt: "Er hatte gelebt wie ein Schlafwandler … wie jemand, der von einem Orkan überfallen wird, sich von einer Straßenlaterne zur nächsten hangelt."

"Er hing gerade noch an der Welt wie die trockene Hülle eines Insekts, die an einem Ast schaukelt und kurz davor ist, vom nächsten Windstoß für immer davon geweht zu werden." Ständig grenzüberschreitend, Assoziationen auslösend, abschweifend jedoch immer wieder in den Alltag zurückkehrend: " … und stupste mit einer sanften Geste, die an die weiche Nase eines großen Hundes denken ließ, eine Taste des Haustelefons an."

Oder wenn seine Gedanken sich nächtens im Kreise drehen und er immer wieder an den Ausgangspunkt zurückkehrt: "Es war wie bei einem Schraubenkopf ohne Schlitz – er wußte nicht mehr, wo er noch ansetzen sollte."

Den wie gelähmten Zustand zwischen Träumen und Wachen, kann kein anderer so gut beschreiben wie Murakami: "Er konnte weder seine Lippen noch seine Zunge bewegen. Nur lautloser, trockener Atem entströmte seiner Kehle."

Wenn es in dem Buch Längen geben sollte, sind diese so gut bemessen, dass genau in dem Moment, wo man sie wahr nimmt, wieder ein spannendes Element auf der Bühne erscheint. Beim Lesen wird Bewußtheit erzeugt – oft durch das Dehnen und Zusammenziehen von Zeitempfindung.

Das Buch lebt von dem Faszinosum der Versenkung; lebt von der Suche nach Erkenntnis und endgültigen Wahrheiten in philosophischen Dialogen: "Die Freiheit des Denkens kann man nicht erreichen, wenn man willentlich danach strebt."

Manchmal ahnt man eine Verwandschaft zu Hermann Hesses "Glasperlenspiel": die Bewunderung der Perfektion des Geistes und die Ohnmacht und Zerissenheit gegenüber der Unvollkommenheit und Hinfälligkeit des Körpers.

Vermutlich ist auch in diesem Buch viel Autobiografisches eingearbeitet. Es geht um die metaphysischen Transformationen menschlicher Existenzen, die mit unsichtbaren Schicksalsfäden aneinander gebunden scheinen: Verhaftung überwinden, loslassen, überleben …

Es geht um Schuldigkeit, Todessehnsüchte und Identitätsverlust… Kann schlechtes Gewissen töten? Es geht um die Sinnhaftigkeit des Lebens, darum für andere bedeutsam zu sein.
Ein Leitmotiv des Buchs ist unterdrückte Sexualität und die Angst von deren Auswüchsen, die scheinbar immer unterhalb der Oberfläche lauern.

Im letzten Kapitel werden alle Geschenisse noch einmal kontemplativ zusammengefasst:
"Es ist schon seltsam … dass diese wunderbare Zeit vorbei ist und niemals wieder so sein wird. Dass der Fluss der Zeit all unsere fabelhaften Möglichkeiten mit sich fortgetragen hat und sie nun verschwunden sind."

Das Ende ist diffus optimistisch, fast heiter – aber auch melancholisch, immer mit der Melodie des Themas von "La Mal du Pays" im Ohr …
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150 von 181 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zukunft ist gelb, 10. Januar 2014
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Wer Glück malen möchte, braucht viel Blau: Für den weiten Himmel, das Meer und einen Hauch von Freiheit. Wer wütend ist, sieht rot. Wir werden gelb vor Neid oder ärgern uns schwarz. Farben sind untrennbar mit Gefühlen verbunden. Zehn Millionen Farbtöne kann der Mensch unterscheiden. Ein magischer Regenbogen, der sich seit Urzeiten in unserer Seele widerspiegelt. Farben sind aber auch Signale, werden weltweit verstanden und sind in ihrer Wirkung seit Jahrhunderten gleich. Dennoch interpretiert sie jede Kultur auf ihre ganz eigene Weise. In den traditionellen japanischen Handwerkskünsten zum Beispiel nehmen sie oft eine wichtige Rolle ein. Das glänzende Schwarz und erdige Rot der Lackwaren, das unergründlich tiefe Indigo-Blau von Noren (Vorhänge), der intensive Kontrast japanischer Schlösser mit ihren weißen Wänden und Renraku-gebrannten Kacheln in Anthrazit, die fein abgestimmten matt-erdigen Töne einer vermeintlich einfachen Teeschale und natürlich die immense Farbenvielfalt der prächtigen Kimono-Stoffe.

Farben spielen auch im neuen Roman Huraki Murakamis eine tragende Rolle. Fünf junge Leute zwischen sechzehn und siebzehn bilden den Kern. Alle eint eine zufällige Gemeinsamkeit: Sie tragen in ihrem Nachnamen eine Farbe. Die beiden Mädchen heißen Shirane (weiße Wurzel) und Kurono (schwarzes Feld), die Jungen Akamatsu (Rotkiefer) und Oumi (blaues Meer) und rufen sich auch in ihren Farben: Aka, Ao, Shoro und Kuro. Zudem verfügen sie jeder über ganz individuelle Eigenschaften. Shiro ist eine musisch begabte Schönheit, Kuro eine anregende, unermüdliche Leserin mit einem einmaligen Sinn für Humor, Aka ein bescheidener Schüler mit einem hervorstechenden Intellekt und Ao ein physisch markanter, geradliniger Typ und zudem ein herausragender Rugby-Spieler. Stop! Das sind erst vier! Da fehlt doch noch einer. Richtig: Tsukuru Tazaki teilt als einziger die farbliche Stofflichkeit der anderen nicht. Sein Name verweist auf keinen kolorierten Bezug. Dieser Umstand, der ihm schwer zu schaffen macht, lässt ihn glauben, dass er in allem eher mittelmäßig sei (einzig eine besondere Affinität zu Bahnhöfen ist ihm eigen). Tsukuru fühlt sich farblos, fad, unauffällig und reizlos. Um Robert Musils berühmtes Werk heranzuziehen: Er hält sich für einen Mann ohne Eigenschaften.
Ein einschneidendes Vorkommnis zerbricht die freundschaftliche, intensive Bande der fünf radikal. Ab sofort wird Tazaki von den anderen geschnitten, aus ihrem Kreis ausgestoßen. Er fällt in ein schwarzes Loch und steht kurz vor der Selbstaufgabe. Knapp zwanzig Jahre soll er seine Freunde nicht mehr sprechen und sehen. Nun, mit 36 Jahren und einer neu beginnenden, zarten Liebe zu Sara, macht er sich auf den (Pilger-)Weg in seine Vergangenheit, um die Ursache des damaligen dramatischen Zerwürfnisses herauszufinden. Vielleicht aber auch, um doch noch Farbe in sein Leben zu bringen, das die letzten Jahre nichtsagend an ihm vorbeigeglitten ist und das auch sein neuer, ebenfalls "farbiger" Freund Haida ("graues Feld") nur kurz beleben konnte. Denn dieser verschwindet ebenso mysteriös und symbolhaft wie die Vier zuvor.

Für surreale Beschreibungen von dystopischen Welten ist Haruki Murakami schon lange bekannt. Gefühlsmäßig verarmte und vereinsamte Menschen, mitunter Gewalt, Paralleluniversen, deren Grenzen zur realen Welt fließend und daher von dieser kaum zu unterscheiden sind, durchziehen das gesamte Oeuvre des japanischen Autors. Sein neuestes Werk allerdings bildet hierbei eine Ausnahme. Das Surreale hält sich dezent zurück, auch wenn es einige schwer greifbare Situationen gibt. Der mysteriöse Herr Midorigawa ("grüner Fluss") zum Beispiel, der die ganz individuellen Farben eines jeden Menschen sehen kann, dafür aber bald sterben wird, die in Formaldehyd eingelegten, kleinen, 6.!! Finger eines Menschen oder diverse andere vage angedeutete symbolische Botschaften. Zudem durchlebt sein Protagonist zeitweise wirre (Wach-)Träume an der Grenze zum Übergang in ein anderes Bewusstsein. Aber auf mystische Wesen wie die nächtens aus dem Maul einer toten Ziege steigenden und aus imaginären Fäden eine "Puppe aus Luft" spinnenden "Little People" ("IQ84") oder sprechende Schatten und mysteriöse Einhörner ("Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt") wird der Leser vergeblich warten. Dies könnte die Murakami-Fan-Gemeinde vielleicht enttäuschen, wie die sehr gespaltenen Meinungen auf dem japanischen Buchmarkt, wo das Buch bereits im Frühjahr 2013 erschien, aufzeigen.

Warum gefällt mir der Roman trotzdem ausgesprochen gut?
Die Stilistik ist es jedenfalls nicht. Mit seinem lapidar-kühlen Duktus und einfachem Satzaufbau zählt Murakami nicht zu den Sprachkünstlern. Bei ihm liegt die Finesse im Detail: im formalen Handlungsaufbau, in seiner gewieften Erzählweise, in der strukturellen Melange unterschiedlicher Themen. "Vereinfacht ausgedrückt war es die Aufgabe einer Geschichte, eine bestimmte Problematik in eine andere Form umzuwandeln. Durch Merkmale und die Richtung dieser Wandlung deutete sich auf der erzählenden Ebene eine Antwort an.", ist in "IQ84" zu lesen. Darin ist Haruki Murakami zweifelsohne ein Meister. Soziologie, Literatur und Musik fließen in einem wohldurchdachten Potpourri zusammen, werden perspektivisch verwirbelt und zeitlich verschliffen, auch wenn dies im jüngsten Werk nicht direkt ins Auge sticht, sondern eher zwischen den Zeilen verborgen liegt. Neben dem zentralen Farbthema finden sich zum Beispiel immer wieder Einschübe zu Franz Liszts "Le mal du pays" (Heimweh). Entstand diese Musik doch gleichfalls als Teil eines Entwicklungsprozesses bei dem der Komponist unter dem Eindruck seiner Reisen musikalisch immer mehr zu sich selbst fand. Ein Merkmal, das auch Murakamis Protagonist auszeichnet. Der japanische Autor fungiert jedenfalls erneut als souveräner Strippenzieher, als Mittler zwischen Vergangenheit und Jetztzeit. "Bald tauchen, wie von der Melodie angelockt, gewisse Bilder hinter seinen Augenlidern auf - tauchen auf und verschwanden wieder. Es war eine Reihe von Schemen ohne Form und Inhalt. Verschwommen stiegen sie vom dunklen Rand seines Bewusstseins auf, durchquerten lautlos sein Gesichtsfeld und gelangten auf die andere Seite, wo sie verschluckt wurden und verschwanden. Wie winzige Lebewesen mit einem rätselhaften Umriss, die die Linse eines Mikroskops durchquerten."

Murakamis jüngstes Werk entpuppt sich als Buch über die Bedeutung der Werte im Leben eines Menschen, der Entdeckung seines wahren Ichs und dessen möglichen Freiheiten. Es ist ein sensibler Text über Einsamkeit, die Wichtigkeit von Freundschaften und persönliche Wertigkeiten. Dem Japaner ist es erneut hervorragend gelungen, seine an der Wegkreuzung der Gegenwart stehenden Figuren, von dort aus die Vergangenheit genau in Augenschein nehmen zu lassen und Wege zur Zukunftsgestaltung zu entwickeln. Ein Buch, das voller Wahrheiten über das Leben steckt und den Leser in einen permanenten Sog zieht. Es liest sich flüssig, ohne flach zu sein. Einen nicht unerheblichen Anteil hat daran gleichfalls die Übersetzerin Ursula Gräfe, die dem deutschen Leser das japanische Werk ohne spürbare Qualitätsverluste zugänglich machte. Auch wenn das offene Ende den Leser grübelnd und nachdenklich zurücklässt. Aber: "Ein Schriftsteller ist kein Mensch, der Fragen löst. Es ist ein Mensch, der Fragen aufwirft." Denn auch wenn einiges im Unklaren bleibt, so hat Haruki Murakami alles gesagt. Oder vielleicht doch nicht? Für mich persönlich ist Tsukuru Tazaki keineswegs so farblos, wie er sich selbst hält. Er strahlt in einem warmen, goldenen Sonnununtergangsgelb. Ein Gelb, das neben Rot und Blau zu den Primärfarben gehört und Bestandteil der schillernden Orange- und Grüntöne des Schmetterlingsflügels auf dem außergewöhnlich schönen Buchcover ist. Und letztendlich ist Gelb in Japan eine kaiserliche Farbe. Sie steht für Mut und Stärke, Weisheit, Glück und für die Zukunft. Eine Zukunft, die Tsukura vielleicht neu gestalten wird. Auch wenn er zunächst noch ziemlich ratlos vor ihr steht: "Das Leben war wie eine schwierige Partitur (...). Sechzehntelnoten und Zweiunddreißigstelnoten, seltsame Zeichen und kryptische Anmerkungen. Alles richtig zu lesen war eine Aufgabe, die beinahe unmöglich zu bewältigen war, und selbst wenn man alles richtig lesen und sogar in die richtigen Töne umwandeln konnte, hieß das noch lange nicht, dass man den Sinn verstanden hatte und anderen verständlich machen konnte. Ganz zu schweigen davon, jemanden glücklich zu machen. Warum musste das Leben so unendlich kompliziert sein?"

Haruki Murakami, meinen allerherzlichsten Glückwunsch zum 65. Geburtstag am 12. Januar 2014!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen großartig, 20. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki: Roman (Kindle Edition)
Eine packende und faszinierende Kombination: analytisch, sachlich und in knapper Prosa werden Emotionen und tiefe Gedanken beschrieben und nacherlebt. Ein Sachbuch der Gefühle, ein Reiseführer an den Grenzen des Unbewussten. Ein brillantes Ende, das den Bogen der Erzählung genau richtig abschließt. Packend und doch mit kühler Distanz, die mich umso mehr in den Bann gezogen hat. Empfohlen für jeden Leser, ein perfekter Anlass, um ein persönliches Gespräch zu führen, oder auch sich seinen eigenen Gedanken zu öffnen
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die fablosen Pilgerjahre des noch falbloseren Herrn Tazaki, 22. Februar 2014
Wie schon zahlreich in Vorgängerrezensionen geschehen, möchte ich kurz auf den Inhalt eingehen. Der Roman "Die Pilgerjahre des fablosen Herrn Tazaki" erzählt die Geschichte, eines japanischen Ingenieurs der, entflammt von einer neuen Liebe, aufbricht, um das rätselhafte Zerbrechen seiner Jugendfreundschaften aufzuklären. Lange bevor die eigentliche Handlung des Romans ansetzt gehörte Tsukuru Tazaki, der Protagonist, zu einer Gruppe aus fünf Freunden. Verbunden waren sie über die Farben in ihren Namen, die immer wieder als ein sprachliches Bild herhalten müssen. Nur in Tsukuro Namen steckt keine Farbe. Der farblose Tsukuro Tazaki also. Die Gruppe der Freunde droht auseinander zu fallen, als die Schule endet und sich einige der Wege trennen. Vier der fünf Freunde bleiben in ihrer Geburtsstadt, nur der farblose Tsukuro entschließt sich dafür an die Universität nach Tokio zu gehen und seine Freunde nur noch am Wochenende zu sehen. Das unvermeidliche passiert und eines Tages kommt er zu seinen Freunden zurück, doch niemand möchte mehr etwas mit ihm zu tun haben. Tsukuro nimmt das erstmal so hin. Er schluckt es runter. Was soll's, denkt er sich und traut sich nicht einmal zu fragen, was ihm seine Freunde vorwerfen. Eine Lebenskriese entsteht. Die Farben sind buchstäblich aus einem Leben entwichen und er versucht zu sterben. Nicht aktiv, sondern passiv. Wie man versuchen würde, mit einer Lupe ein Blatt zu entzünden, versucht er mit spitzen Gedanken sein Herz zu erstechen. Selbstzweifel fressen ihn auf, denn die Erklärung, warum seine Freude ihn verstießen, liegt auf der Hand. Er passte nicht zu ihnen. Er ist zu langweilig, zu gewöhnlich, einseitig und überhaupt völlig stumpf. Farblos eben.
In diesem Wissen fristet er sein Leben, ist nicht in der Lage die Liebe in sein Herz zu lassen oder sich neuen Freundschaften hinzugeben. Seine Vergangenheit steht wie eine Mauer vor seiner Zukunft und wäre Sara, seine neue Liebe, nicht aufgetaucht, wäre das für immer so geblieben. Doch sie schickt ihn auf eine Reise, die die Ereignisse der Vergangenheit erklärt.

Murakami erzählt die Geschichte kühl und sachlich. Selbst große Liebe wird da seziert und erscheint im kalten OP-Licht kaum mehr beachtenswert. Es ist wie eine Wahrheit, die man direkt ins Gesicht gesagt bekommt. In diesem Buch wird nicht jedes Geheimnis gnadenlos penetriert, es ist offen, wie das Leben selbst. Man muss selber den Sinn hinter den Geschichten suchen, entscheiden, ob man sie für wahr oder gelogen hält, denn das Band zwischen Wahrheit und Fiktion wird in den verschiedenen Erzählungen oft gedehnt und es ist nicht klar, ob man dem Erzähler trauen kann. Das finde ich gut, dafür gibt es zwei Sterne.
Demgegenüber stehen unzählige Schwächen, die das Buch aufweist. Neutral zu betrachten sind hierbei die verhaltenen Dialoge, denn man muss sich vor Augen führen, dass wir in Japan sind. Die Menschen dort sind eben anders - so meine Vermutung. Ob einem das gefällt oder nicht, ist eine Geschmackssache. Ich fand es nicht berauschend, wollte dem Buch aber auch keinen Strick daraus drehen. Was mir allerdings sehr negativ aufgefallen ist, sind die endlosen Wiederholungen von schon Gesagtem oder schon Passiertem. Hier frage ich mich ganz offen, ob Murakami überhaupt will, dass man sein Buch sorgfältig ließt? So etwas möchte ich von einem Autor sehen oder hören. Es ist albern, mir auf allen drei Seiten, dasselbe zu erzählen. Das ist schlecht und hat mich gestört. Darüberhinaus begegnet man in diesem Buch nur einer Person. Die Charaktere scheinen sich nur unmerklich voneinander zu unterschieden. Jeder sagt dasselbe, spricht auf die gleiche Weise, haut dieselben mehr oder weniger tiefgründigen philosophischen Randbemerkungen raus; hier konnte ich einfach kaum Unterschiede erkennen und interessante Dialoge kamen so leider auch nicht zustande. Miserabel, würde ich schreiben, wenn man dem Mann nicht fast einen Nobelpreis gegeben hätte. So schiebe ich es liebend gerne auf mich, dass ich der tiefen Materie anscheinend nicht begegnet bin.

Bei anderen Mängeln des Buches bin ich gerne bereit, die Übersetzung zu beschuldigen, so werden z.B. einmal die Wörter Intuition und Instinkt einfach gleichgesetzt. So etwas geht nicht. Die Sexszenen/Träume möchte ich auch nur kurz ansprechen, obwohl ich mich tagelang darüber auslassen könnte. Regelmäßig musste ich mir dabei am Kopf kratzen bei soviel skurriler Merkwürdigkeit. Die Anlehnungen an die Psychoanalyse und an die verzweifelte Traumdeutung sind so gewollt und forciert, das ich froh war, als ich es weglegen konnte. Zum Abschluss möchte ich noch etwas positives Sagen. Es sieht toll im Bücherregal aus. Schöner Einband.

Ein klassischer Fall von außen Hui innen...
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63 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Murakami in Höchstform, 9. Januar 2014
Äußerlich fehlt es Tsukuru Tazaki an nichts. Und dennoch hat er vor 16 Jahren das Wertvollste verloren, das er je besaß: seine vier besten Freunde. Warum sie ihn verstoßen haben, weiß Tsukuru nicht. Die drei Jungen und zwei Mädchen lernen sich in der 10. Klasse kennen und bleiben bis zum Ende ihrer Schulzeit eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie sind wie fünf Finger einer Hand. Alles machen sie möglichst gemeinsam, um die Harmonie dieser Einheit nicht zu zerstören. Dennoch fühlt sich Tsukuru von Anfang an ein wenig ausgeschlossen, denn die anderen nennen sich in Anlehnung an ihre Familiennamen Aka (Rot), Ao (Blau), Shiro (Weiß) und Kuro (Schwarz). Nur Tsukuru bleibt Tsukuru, wie das Verb für “etwas machen”. Seinem Namen Genüge leistend verlässt er als Einziger der Fünf die Stadt Nagoya, um Bahnhofsarchitektur zu studieren.

Oberflächlich betrachtet führt der erwachsene Tsukuru ein Leben ohne große Probleme. Er ist bei der Eisenbahn angestellt, wird von seinen Vorgesetzten geschätzt. Er besitzt eine schöne Zweizimmerwohnung in Tokio. Er ist allein, aber nicht einsam. Seine Schwestern behaupten sogar, das Single-Leben sei ihm zu angenehm und er würde deswegen keine Lust haben zu heiraten. Dann aber verliebt sich Tsukuru in Sara und die merkt gleich, dass in ihrem Freund noch die Wunde von früher schwelt. Besonders skeptisch macht es sie, dass es in Tsukurus Fünferclique nie eine Romanze gab. Tatsächlich hat er sich nur nachts erotischen Träumen mit Shiro und Kuro hingegeben, was ein untrennbares Gewirr aus Schuldgefühlen und Sehnsüchten in ihm auslöste. Sara stellt Tsukuru vor die Wahl: Entweder, er trifft sich noch einmal mit jedem Einzelnen seiner Freunde, um herauszufinden, warum sie ihn verstoßen haben, oder sie beendet die Beziehung.

Ich glaube, man lernt viel über die japanische Mentalität, wenn man Murakami liest. Die Sprache ist zweckmäßig und aufgeräumt, die Sätze so aseptisch sauber, dass sie jedem überflüssigen Füllwort entbehren. Das gilt auch für die Figuren, die fast wie am Reißbrett entworfen wirken, die sich in Dialogen kühl und höflich analysieren, als wenn es sie selbst nichts angeht, und Pläne schmieden, die sich immer ohne großes Aufhebens in die Tat umsetzen lassen. Andere Dinge dagegen bleiben unausgesprochen und rätselhaft. Denn immer lauert im Verborgenen auch eine dunkle und unbekannte Realität. Eine Schattenwelt, wo die Menschen ein zweites Gesicht haben, wie Freuds Ich und Es.

All diese Erzählelemente muss man mögen, sind sie doch für westliche Lesegewohnheiten eher ungewöhnlich. Dennoch ist "Herr Tazaki" ein sehr gut zugänglicher und auch spannend zu lesender Murakami, will man doch unbedingt hinter das Geheimnis der Fünf kommen. Wer sich auf die irritierend schöne Andersartigkeit der magisch-realistischen Romanwelt einlässt, wird belohnt.
Genauso wenig wie ich jeden Tag Sushi essen oder einen Art House Film sehen will, möchte ich jeden Tag Murakami lesen. Aber wohldosiert bleibt’s eine besonders köstliche Delikatesse, die - zumindest meinen - europäischen Gaumen schult.
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91 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Machen Sie Urlaub, Herr Murakami !, 20. Januar 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki: Roman (Kindle Edition)
Ich nehme vorweg, dass ich (noch immer) ein Murakami-Fan bin und jeden in unseren Breiten verfügbaren Roman des Meisters mehrmals gelesen habe. Ich habe Romane wie Hard boiled Wonderland, Kafka am Strand oder Mister Aufziehvogel etc. genossen und bin sehr dankbar für die vielen schönen Stunden, die ich beim Lesen verbringen durfte.
Murakamis neuestes Werk allerdings ist gelinde gesagt eine Frechheit. Weniger eine Frechheit vom Autor selbst, denn es erscheint mir fast klar, dass ein Schriftsteller, der schon so viel geschrieben hat und alle Jahre einen neuen dicken Schmöker rauswerfen muss, irgendwann beginnt, von sich selbst abzukupfern. Genau das tut Murakami immer öfter - und ganz besonders in diesem Text!
Eine Frechheit ist es jedoch vor allem vom Verlag, der sich erdreistet, dieses Buch in so großartigen Tönen anzupreisen, als sei es ein neuer Meilenstein der Literaturgeschichte. Haben die Verlage heutzutage keine professionellen Lektoren mehr?! Das war und ist ein Hype sondermaßen um diesen Roman. Wirklich kaum zu fassen!
Ich frage mich, ob ein ehemals vielfach preisgekrönter und für den Nobelpreis gehandelter Autor, der in den letzten Jahren nur mehr von sich selbst abschreibt und wirklich nichts nennenswert Neues mehr produziert noch immer dieselben positiven Kritiken und Vorschusslorbeeren verdient wie früher.
Wäre der vorliegende Text der Debütroman eines jungen Autors, so würde ich sagen: Na ja, ganz gut, da können wir ja vielleicht noch einiges erhoffen. Dieser Text jedoch wurde von einem MEISTER des Erzählens verfasst und verdient deshalb auch eine schärfere Kritik. Offensichtlich gelangweilt und ideenlos geschrieben bezieht er sich auf ein gutes Dutzend Protagonisten aus früheren Murakami-Romanen, mit den selben Ängsten und Schwächen und Vorlieben und Handicaps und Symbolen und Metaphern. Der selbe Duktus, die selbe Leier, die gleichen erotischen Episoden, ein Haufen uralter Versatzstücke aus dem Fundus früherer Texte und ein Schluss, der so viel offen lässt, dass man sich fast schon genarrt fühlt. Nicht dass ich mehrdeutige Schlüsse rundweg ablehne (es gäbe hier viele großartige Beispiele in der Literatur), aber in diesem Text wirkt es so, als schaltete man mitten im Finale einer Sonate den CD-Player einfach ab und überließe den frustrierten Hörer der Stille.
Ich finde, auch wenn jetzt mancher Fan protestieren wird, dass Herr Murakami eine Pause nötig hat. Vielleicht zwei oder drei Jahre, wo er mal was anderes macht, als zu schreiben. Dann klappt's vielleicht auch wieder mit den neuen Ideen.
Ich bleibe ein Murakami-Fan, aber der vorliegende Roman verdient meiner Meinung nach nicht mehr als zwei Sterne.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Farblos, blutarm, fade - schade!, 5. März 2014
Von 
Susanne Preusker "SP" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nein, eigentlich gibt es nicht viel rumzunörgeln an dieser Geschichte, dem neuen Bestseller des Kult-Autoren, hochgelobt, allseits angepriesen, überall gefeiert. Die Pilgerjahre lesen sich flüssig, technisch-stilistisch ist das Ganze gut und sehr professionell gemacht, wir treffen auf alte Bekannte wie "Die Schöne", "Der Einsame" und vagabundieren mal wieder größtenteils durch japanische Großstädte. Wir lesen die Geschichte, erfreuen uns an vielsagenden Andeutungen, machen uns auf die Suche nach der tiefsinnigen Botschaft des Ganzen und fühlen uns diffus irgendwie ganz gut unterhalten und sehr im Zeitgeist verhaftet, weil wir ihn ja schließlich lesen, den neuen, angesagten Murakami. So weit, so gut. Allerdings gibt es bedauerlicherweise aber auch nicht besonders viel zu loben: Holzschnittartig, erschreckend beliebig kommt sie daher, diese Geschichte, wie am Reißbrett entworfen und eilig, fast lieblos zu Papier gebracht. Farbe fehlt, Leidenschaft, das Mitreißende, das Wichtige, das, was ein Buch unvergesslich machen kann - all das fehlt. Man könnte meinen, der Autor sei nach dem Motto verfahren: "Mein Name ist Murakami und egal, was und wie ich es schreibe - ein Verkaufsschlager wird es sowieso." Und damit hat er anscheinend recht, was weder ihn noch seine Leserschaft adelt. Mit dem Nobelpreis wird das so wohl nichts - bleibt jedenfalls zu hoffen.
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5.0 von 5 Sternen Aufarbeitung der Vergangenheit, 16. Dezember 2014
Von 
Hanna91 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Tsukuru Tazaki ist sechsunddreißig Jahre alt und lebt in Tokio, wo er als Ingenieur Bahnhöfe umbaut. Vor kurzem hat er Sara kennengelernt, mit der er gerne eine Beziehung beginnen würde. Doch Sara ist der Überzeugung, dass Tskuru etwas belastet und möchte nicht mit ihm zusammen sein, bis er dies aufgearbeitet hat. Daher erzählt Tskuru ihr von dem einschneidenden Erlebnis in seinem zweiten Studienjahr, als seine vier besten Freunde den Kontakt zu ihm abbrachen. Sara ermutigt Tskuru, jetzt, nach sechzehn Jahren, den Grund hierfür herauszufinden, und so beginnt für Tskuru eine Reise in die Vergangenheit.

Die Geschichte beginnt in der Vergangenheit, und der Leser erfährt zunächst, wie Tsukuru seine vier Freunde kennen lernte und wie diese ihn schließlich einige Jahre später verstießen. Immer wieder springt die Geschichte währenddessen in die Gegenwart, wo Tsukuru Sara von den Vorfällen erzählt. Durch die Sprünge erfährt man, wie Tsukuru Jahre danach über den Verstoß denkt und welche Konsequenzen dieser für sein Leben hatte und noch immer hat.

Die Geschichte wird in ruhigem Tempo erzählt und schlägt einen nachdenklichen, melancholischen Ton an. Mit einer gewissen Wehmut denkt Tsukuru an die schönen Momente seines Lebens zurück und versucht zu analysieren, was passiert ist. Doch viele Geheimnisse lassen sich nur lüften, indem er den direkten Kontakt zu seinen alten Freunden sucht. Daher macht er sich ab der Hälfte des Buches auf, um diese zu besuchen. Die Begegnungen sind aufschlussreich und werfen nochmals ein gänzlich neues Licht auf Tsukurus Situation. Doch wie wird Tsukuru mit diesen neuen Informationen umgehen?

„Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ erzählt auf eindringliche Weise die Geschichte von Tsukuru, der mit dem Verstoß aus seinem Freundeskreis lange Jahre nicht abgeschlossen hat. Wie ist es überhaupt dazu gekommen? Hat der Vorfall sein Leben geprägt oder wäre es ohne ihn ähnlich verlaufen? Und kann Tsukuru nach alle den Jahren noch die ganze Wahrheit darüber herausfinden, was seine Freunde damals zu ihrer Entscheidung bewegt hat? Das Buch konnte mich schnell in seinen Bann ziehen, zum Nachdenken bringen und meine Neugier wecken. Murakamis schriftstellerisches Können machte die Geschichte für mich zu einem beeindruckenden Leseerlebnis.
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5.0 von 5 Sternen 'Aber es gibt keinen Ort mehr, an den es dich zurückzieht, nicht wahr? Keinen vertrauten Ort der vollkommenen Harmonie.', 10. November 2014
Von 
sabatayn76 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Inhalt:
Im Alter von 36 Jahren lernt Tsukuru Tazaki Sara kennen, eine Frau, die ihn sehr interessiert, der er vertraut und bei der er sich zum ersten Mal seit Jahren öffnen kann. Er erzählt ihr die tragische Geschichte seines Lebens: von seinen vier besten Freunden, mit denen er alles teilen konnte und die ihm vor 16 Jahren urplötzlich und ohne Angabe von Gründen die Freundschaft gekündigt haben. Tsukuru Tazaki hat unter der Trennung von seinen Freunden sehr gelitten, war depressiv und suizidal. Doch über die Jahre hat er die Trauer und das Gefühl von Einsamkeit und Verlorenheit tief in sich begraben. Sara ist sich sicher, dass Tsukuru noch immer von der Geschichte belastet ist und rät ihm, seine alten Freunde aufzusuchen und um Erklärung zu bitten.

Mein Eindruck:
Ich habe schon sehr viele Bücher von Haruki Murakami gelesen, und auch 'Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki' hat mir sehr gut gefallen.

Der Roman liest sich flüssig und ist unterhaltsam. Sprachlich fand ich das Buch bisweilen etwas zu banal. Dies hat zwar dazu geführt, dass ich den Roman sehr schnell lesen konnte, allerdings empfand ich den Schreibstil stellenweise als sehr simpel und dadurch etwas enttäuschend.

Inhaltlich hat mir das Buch aber so gut gefallen, dass ich dennoch großen Spaß am Lesen hatte und ich dem Roman dennoch 5 Sterne geben möchte. Murakami konnte mich durchweg neugierig auf den Verlauf der Geschichte und die Auflösung machen und mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Die Reisen, die Tsukuru unternimmt, um seine alten Freunde zu treffen, wurden zudem so bewegend geschildert, dass ich den Roman stets spannend und mitreißend fand.

Mein Resümee:
Meiner Meinung nach ein hervorragender Einstieg in Murakamis Werk: spannend, unterhaltsam, bewegend.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttaeuschend banal, 9. Februar 2014
Ich moechte mich nicht gerade als Murakami-Fan bezeichnen, aber ich habe seine Romane - besonders "Kafka am Strand" und "Mister Aufziehvogel" - mit Vergnuegen gelesen und als bereichernde Lektuere empfunden. Der neue "Herr Tazaki", den ich mir sofort gekauft habe, war hingegen eine Enttaeuschung. Zwar sind viele der bewaehrten Murakami-Zutaten auch hier wieder dabei: ein Geheimnis, das aufgeklaert werden muss; ein Protagonist, dessen Innenleben von Problemen belastet ist; das sexuelle Motiv; und die eingeschobene Erzaehlung einer seltsamen Geschichte. Aber diesmal geriet mir das Lesen fast zur Qual.
Ob dies an der Uebersetzung liegt oder daran, dass auch das Original nicht so gut gelungen ist, kann ich nicht beurteilen; jedenfalls sind die Seiten mehrheitlich angefuellt mit entsetzlichen Banalitaeten, und dies zudem in einer Sprache, die sich nicht mehr mit dem Attribut "schmucklos" verteidigen laesst.
Ganze Kapitel lang wird Kaffee bestellt und getrunken, die Kleidung oder Gesichter von Personen beschrieben usw. Die Dialoge sind weitgehend entweder anspruchslos ("Du hast einen guten Geschmack", "Die Krawatte steht Dir gut". "Freut mich, dass sie Dir gefaellt") oder lange, geradezu theoretische Abhandlungen und Analysen, die in gesprochener Sprache eigentlich nicht vorkommen und seltsam unrealistisch und hoelzern wirken.
Haeufig habe ich mich ueber schlampige Beschreibungen oder Behauptungen geaergert. Zum Beispiel, als der alte Haida einen Fremden Klavier spielen sieht: "Wegen der raschen und kraftvollen Beherrschung seiner Finger vermutete Haida einen namhaften Pianisten in ihm". Wirklich? Was ist "rasche Beherrschung von Fingern"? Und wieso namhaft - wohl eher geuebt oder kompetent? Und etwas spaeter wird die Wirkung der Musik so beschrieben: " Ihre ungezwungene Schoenheit erschien ihm wie das harmonische Zusammenwirken zwischen frischer, ozonerfuellter Luft und einem klaren, kuehlen Bergbach". Ozonerfuellt? Meinen wir sauerstoffreich? Und wie wirken die beiden denn nun zusammen? Ich habe ja nichts gegen originelle Ausdrucksweise, aber dieses Buch wirkt ueber lange Strecken einfach schnell und lieblos heruntergeschrieben (oder -uebersetzt) und ohne Ueberarbeitung gedruckt. Da helfen auch die vielen, nicht selten originellen Metaphern nicht mehr.
Schliesslich fehlt mir auch die Spannung, die Murakami gewoehnlich so subtil und anhaltend erzeugen kann. Nicht einmal, als unser Herr Tazaki nach langem Hin und Her endlich mit seinen ehemaligen Freunden ueber das bedrueckende Raetsel sprechen kann, kommt Spannung auf. Etwa in der Mitte des Buches habe ich das Interesse an Tazaki und seinem Geheimnis verloren.
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