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TOP 1000 REZENSENTam 17. Dezember 2013
… zeichnet nicht nur den Mörder in „Phantom Lady“ aus dem Jahre 1944, sondern auch den Regisseur dieses Filmes, Robert Siodmak, aus. Da es sich nicht um einen wohlbekannten Klassiker aus der Schwarzen Serie handelt, soll hier versucht werden, möglichst nichts von der Auflösung preiszugeben, und wo dies doch geschieht, wird es rechtzeitig kenntlich gemacht.

Ausgerechnet den Abend seines Hochzeitstages verbringt der Architekt Scott Henderson (Alan Curtis) nach einem Streit mit seiner Ehefrau in einer Bar, wo er eine fremde Frau (Fay Helm) zu einem Theaterbesuch, den er eigentlich mit seiner Gattin vorgesehen hatte, einlädt. Die offensichtlich an großem Kummer leidende Unbekannte willigt ein, besteht aber darauf, daß weder Namen noch Adressen ausgetauscht werden mögen – und selbst den obligatorischen Drink nach der Vorstellung lehnt sie ab, um statt dessen flink zu entschwinden. Leider wartet auf Henderson zu Hause eine noch unerfreulichere Überraschung, denn seine Ehefrau liegt erdrosselt im Schlafzimmer, und die Polizei – wie die eigentlich auf den Mord aufmerksam geworden ist, ist eine von mehreren Fragen, die den Wahrscheinlichkeitskrämer verdrießen werden – wartet schon auf den Spätheimkehrer. Es kommt, wie es in einem Alptraum immer kommen muß: Das Alibi, das die fremde Frau Henderson verschaffen könnte, erweist sich als brüchig, denn zum einen scheint es unmöglich, die Identität der Fremden aufzudecken, und zum anderen vermag sich plötzlich niemand mehr – nicht Barmann, nicht Taxifahrer, auch niemand im Theater – mehr an die Dame zu erinnern. Henderson wird verurteilt und sieht seiner Hinrichtung entgegen, während seine getreue Assistentin Carol Richman (Ella Raines), die sich seit langem in ihren Chef verliebt hat, beschließt, die geheimnisvolle Fremde aufzuspüren, um Henderson vor der Hinrichtung zu bewahren. Unverhofft bekommt sie Unterstützung durch den Inspektor Burgess (Thomas Gomez), der Henderson zwar verhaften mußte, aber immer Zweifel an dessen Schuld hatte. Auch Jack Marlow (Franchot Tone), sensibler Künstler und Freund des Verurteilten, stellt sich den beiden bald an die Seite.

„Phantom Lady“ zeichnet sich durch eine Heldin aus, die alles andere als ein Phantom ist, sondern im Gegenteil beeindruckende Leinwandpräsenz besitzt, denn den funkelnden Augen Ella Raines‘ und ihrem kristallenen Charme kann man sich nur schwer entziehen. Doch auch die von ihr gespielte Frauenfigur sticht insofern aus der Riege ihrer Geschlechtsgenossinnen der Schwarzen Serie heraus als sie weder eine Femme fatale noch ein naives und harmloses Liebchen ist – erst am Ende wird sie, leider, in diese Rolle hineingedrängt –, sondern genau weiß, was sie will: Sie handelt zwar aus Liebe, wenn sie die „mean streets“ der Großstadt aufsucht, um Spuren zu finden, aber sie geht dabei kühl berechnend und entschlossen vor. Man denke nur an die grandiosen Szenen, in denen sie den korrupten Barmann durch beharrliches Starren dazu bringt, die Nerven zu verlieren. Andere Szenen wiederum lassen schon den Eindruck entstehen, Carol lege eben doch die vermeintlich typischen Frauentugenden der Selbstaufopferung und Duldsamkeit an den Tag – eben bis an den Rand der Selbstprostitution –, wenn sie sich beispielsweise in der Verkleidung eines ordinären Good-Time-Girls dem lüsternen Musiker Cliff (Elisha Cook Jr.) an den Hals wirft, um aus ihm Hinweise auf die geheimnisvolle Fremde herauszukitzeln. Um keinen Zweifel an der eigentlichen Tugend der Protagonistin aufkommen zu lassen, zeigt uns die Kamera stets, wie sie sich nach jedem Kuß, den sie Cliff zubilligen muß, angewidert abwendet. Gleichzeitig indes ist die Bebop Jam Session, zu der Cliff seine Eroberung mitschleift und bei der er, von ihr angefeuert, in orgiastischer Selbstentäußerung das Schlagzeug spielt, mit den German Angles, den recht schnellen Schnitten und der nervösen Musik eine so deutliche Metapher für Sex, daß man sich wundern mag, wie solcherlei an der Zensur vorbeigekommen sein mag. Vielleicht mochte da jemand ganz einfach Jazz? Übrigens findet sich eine ähnliche Szene, in der Musik mit orgiastischer Leidenschaft in Verbindung gebracht wird, auch in einem anderen von Siodmak gedrehten Noir, nämlich in „Criss Cross“ (1949), in dem wir Yvonne De Carlo ziemlich wild tanzen sehen können.

Trotz aller Ambivalenzen kann Carol jedoch als eine recht ungewöhnliche Noir-Heldin gelten, zumal der von ihr angehimmelte Scott alles andere als Mumm in den Knochen zu haben scheint, erkennt er doch anfangs nicht einmal, wie sehr ihm seine Assistentin eigentlich zugetan ist. Seine Passivität wird schon recht früh sehr eindrucksvoll von Siodmak in Szene gesetzt. So können wir sehr gut ermessen, wie sehr er unter seiner dominanten Frau gelitten haben muß, wenn Scott den Polizeibeamten bereitwillig von dem letzten großen Streit erzählt, während über seiner Schulter ein lebensgroßes Bildnis einer kühlen Blonden – natürlich muß das seine Frau sein – aufragt und Überlegenheit ausstrahlt [1]. Auch eine andere Szene verdeutlicht meisterhaft, wie sich die Schlinge immer enger um Scott zuzuziehen scheint: So steht er umringt von den drei Polizisten – Inspektor Burgess und seinen zwei eher wie schmierige und unverschämte, teils aber auch leicht vollpfostige Kleinkriminelle auftretenden Gehilfen – und berichtet von seinem Alibi. Die drei Cops haben anscheinend noch nie etwas von persönlichem Abstand gehört, und einer zündet Scott sogar eine Zigarette an, doch während Scott redet, zoomt die Kamera langsam, langsam an ihn heran, dabei die Gesichter seiner drei Plagegeister jedoch nie aus dem Frame lassend, so daß eine recht klaustrophobische Atmosphäre entsteht.

Ohnehin ist der Film visuell ausgesprochen stark: Carols Ausflüge in die nächtliche Großstadt mit ihrer Leere, ihren Gefahren und Verlockungen muß man gesehen haben, und Siodmak arbeitet hier meisterhaft mit Hell-Dunkel-Kontrasten, besonders wenn er eine sehr bedrohliche Szene auf einem scheinbar menschenleeren Bahnsteig in Szene setzt. Auch das erste Auftauchen des Mörders – ab der Mitte des Filmes wissen wir um seine Identität, was die Spannung jedoch noch steigert – wird von Siodmak in vorzüglicher Finsternis zelebriert. So sind von Anfang an seine weißen Hände, die beinahe ein Eigenleben zu führen scheinen, ein Blickfang in der meist dunklen Umgebung. Besonders eindrucksvoll inszeniert Siodmak dann den ersten Mord, bei dem wir quasi Zeuge werden, wenn sich der Mörder vor seinem Opfer erhebt und sein aufsteigender Schatten den Todgeweihten buchstäblich vor unseren Augen auslöscht.

Sicherlich gibt es gerade in „Phantom Lady“ einiges, was bei näherem Hinsehen nicht hieb- und stichfest ist. Würde eine Theaterdiva wirklich aus Eitelkeit einen Hut verleugnen, wenn sie wüßte, daß das Leben eines Unschuldigen davon abhinge? Und gäbe es nicht auch Bühnenphotos von ihr, wie sie in dem Kostüm mit dem besagten Hut auftritt? Woher wußte der Mörder eigentlich so genau, wen er alles bestechen mußte? Dies sind nur einige Fragen, die dem Zuschauer durch den Kopf schießen mögen, doch zumindest der Rezensent steht auf dem Standpunkt, daß Logik jederzeit von Ästhetik an die Wand gespielt werden kann, und einen Mangel an beeindruckenden Bildern kann man diesem Film ganz sicher nicht vorwerfen.

[1] Premingers „Laura“ erschien übrigens Ende 1944, während „Phantom Lady“ im Januar in die Kinos kam.
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VINE-PRODUKTTESTERam 20. Oktober 2014
Robert Siodmaks "Phantom Lady" weiß von Beginn an zu fesseln und zu begeistern, wenn in einem langen Schwenk ein Mann und eine geheimnisvolle, schöne, extravagant gekleidete Frau in einer Bar aufeinander treffen. Beide wenden die Blicke voneinander ab, wirken nicht glücklich, der Bartender wendet ihnen die Blicke zu, (neu)gierig. Schon hier ist jedes winzigste Detail bis aufs I-Tüpfelchen genau inszeniert. Die beiden gehen zusammen in eine Show, sie macht die Bedingung, dass man anonym bleibe. Dummerweise ist am nächsten Morgen die Frau des Mannes, mit der es offensichtlich nur noch auf dem Papier die Ehe gab, tot. Die abenteuerliche Alibigeschichte mit der "Phantom Lady" glaubt natürlich niemand. Der Mann, ein Bauingenieur mit Namen Scott (Alan Curtis), wird zum Tode verurteilt. Sekretärin Carol (Ella Raines) glaubt an seine Unschuld und kämpft auf Liebe und Tod…

"Ich dachte auch schon, vielleicht habe ich mir die Frau nur eingebildet", so Scott einmal. DAS wäre ein noch interessanterer Film geworden, aber wir erfahren dann doch recht schnell, dass es nicht so ist. Vielmehr haben wir es mit einem vertrackten Krimi zu tun; auch nicht schlecht. Und die Erzählweise ist sowieso Meisterklasse, wie schon der Beginn erahnen ließ. Siodmak ist ein typisches Beispiel für einen der Emigranten, die den Expressionismus der 1920er Jahre ein bisschen in den Film Noir eingebracht haben. Die ganze Inszenierung ist eine einzige Sinfonie aus Licht, Bewegung und Ton. Da gibt es eine lange dialoglose Zu-Fuß-Verfolgung, in der nur noch das Klackern der Schuhe, das schummrige Licht und der spiegelnde nasse Asphalt sowie atemberaubende Hell-Dunkel-Gegensätze in einer U-Bahn-Station zählen. Natürlich, wie das 1944 so war, nicht on location gedreht, sondern im besten Sinne die Künstlichkeit der Orte als bewusstes gestalterisches Element der Handlung und der Stimmung. Kontrastreiches Low-Key-Licht immer wieder; ein Mal beispielsweise Carol in der hellen und Scott in der dunklen Bildhälfte, was beredter ist als so mancher Dialog. Ein schroffer Wechsel zwischen Ruhe und Lärm, zwischen fluchtpunktartiger Weite und drängender Enge, wenn nach der genannten Verfolgungsszene eine extrem direkt und extatisch gefilmte Szene in einem Jazzkeller kommt, in der ein Schlagzeuger (Elisha Cook, Jr.) sich – und uns – fast bis zur Besinnungslosigkeit trommelt. Natürlich auch dies nicht zufällig, wobei hier zwecks Spoilervermeidung keine weitere Erklärung stehen soll. Man könnte noch zahlreiche weitere Beispiele nennen.

Kommen wir zu dem aus meiner Sicht wichtigsten Beispiel; zu dem, wo der Film gestalterisch immer noch herausragend, aber psychologisch misslungen ist. Man kennt aus Siodmaks "Der schwarze Spiegel" die platt-naive Ansicht: Einigen Menschen ist Mord zuzutrauen, anderen nicht, und schlaue Leute wissen immer, wer zu welcher Gruppe gehört; Grenzüberschreitungen ausgeschlossen. Wie langweilig, und wie falsch! Oder bin ich zu streng? Bekannt ist, dass Fritz Lang päpstlicher als der Papst war und sich grämte, "Das Geheimnis hinter der Tür" sei zu platt geraten. Zwar habe man damals noch nicht so viel über die Psychoanalyse wissen können, aber "ICH hätte es wissen müssen", so Lang. Diesen Maßstab möchte ich an Siodmak nicht anlegen, bei Filmen von 1944 muss man im Psycho-Genre einfach gewisse Abstriche machen. Was gleichwohl stört, ist die Penetranz, mit der "Phantom Lady" seine Botschaft vor sich herträgt; das wirkt von einer so unschuldig-naiven Beseeltheit, dass es wehtut. Also: Der Böse ist gaga. Carol im Moment der Bedrohung: "You're mad, mad, mad!" Drei Mal, wo ein Mal eigentlich gereicht hätte, das ist auch die Haltung des ganzen Filmes. Es gibt einen Dialog, in dem es nicht nur heißt, EIN Mörder sei geistesgestört, sondern ALLE Mörder seien es, waren es in der Geschichte ("Waren die Borgias etwa normal?") und würden es immer sein. Ein ewiges Naturgesetz. Und noch schlimmer: Wenn man dereinst einen Weg gefunden habe, nicht nur den Körper, sondern auch die Seele zu behandeln, so gäbe es keine Mörder mehr. Dies alles in einem heiligen Sendungsbewusstsein vorgetragen, dass ich den Eindruck hatte, die Filmemacher glaubten das wirklich. Hallo, geht es auch eine Nummer kleiner? Das ist ja schön bequem! Der Böse, das ist "der andere", auf den kann ich (herab)gucken und mit dem Finger zeigen, aber so bin ja nicht ich, das braucht mich keine Sekunde lang zu irritieren.

Der Film ist bei der Darstellung dieser gruseligen These immer noch von gar nicht hoch genug zu lobender künstlerischer Qualität. Beispielsweise, wenn das stellenweise absurd helle Licht punktuell die Hände des Killers anstrahlt – wozu dann (etwas zu lang und breit) erörtert wird, wozu Hände so alles fähig sein können. Der Killer ist übrigens ein Künstler, ein Bildhauer (spätestens seit "Die zwei Mrs. Carrolls" wissen wir, dass Künstler im Film Noir nicht wohlgelitten sind). Noch in der dramatischen Schlussszene ist keine seiner Plastiken nur zufällig ins Bild gerückt oder so ausgeleuchtet, wie sie es ist. Wieder sind Hände ein wichtiges Motiv, oder eine Statue, die einen Mann in einer grimmigen Pose mit überbordendem Haar- und Bartansatz (oder entsprechenden Schmuck-Insignien) zeigt. Der Täter, der sich offensichtlich selbst porträtiert hat, wirkt da wie eine Mischung aus einem Pharao und Dr. Mabuse; der Künstler nicht nur als Künstler-Schöpfer, sondern als Möchtegerngott.

Dummerweise ist er das nicht, und zum Ende möchte ich auf einen Aspekt zu sprechen kommen, den der geschätzte Rezensionskollege Montana noch stärker gewichtet hat. Der Mann als solcher ist in "Phantom Lady" eine recht jämmerliche Figur, nicht nur der Mörder, sondern letztlich auch Scott. Wie schlecht steht es um einen, dessen Frau nicht in die Scheidung einwilligt, dem Manne aber offensichtlich das Leben zur Hölle macht, sodass er mit der erstbesten völlig Unbekannten loszieht? In dem anfänglichen Dialog Scotts mit den misstrauischen Polizisten findet eine hübsch zynische, aber eben treffende Dekonstruktion von Scotts Männlichkeit statt. Was im Nachkriegs-Noir die Kriegstraumata anrichteten, hat hier schon der ganz normale Ehewahnsinn geschafft. Zudem ist Scott nicht der Einfühlsamste; hat er doch jahrelang nicht gemerkt, dass seine Sekretärin ihn liebt und dass ein anderer Mann… aber das darf man einfach nicht verraten.

Was bleibt, ist einer der am besten inszenierten Psycho-Noirs aller Zeiten, der zudem als spannender Krimi wunderbar funktioniert. Die ganze Kunstfertigkeit ist gelegentlich expressionistisch-gewagt, visionär (solche Zu-Fuß-Verfolgungen kannte ich z.B. in dieser Ausgefeiltheit erst ab "Vertigo", 1957), aber nie selbstzweckhaft. Ich habe schon fünf Sternleinchen für weit weniger niveauvolle Inszenierungskunst gegeben. Hier indes nur vier, weil der Psycho-Teil doch arg knirscht. Besser den Ball flach halten und ins Tor schießen, statt mit Getöse drauf zuzurennen und nicht zu bemerken, dass einen der Libero des gesunden Menschenverstandes eiskalt stoppt.
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TOP 1000 REZENSENTam 24. März 2014
"Zeuge gesucht", der im Original "Phantom Lady" heißt, ist ein Film Noir aus dem Jahr 1944 von Robert Siodmak und gleichzeitig dessen Auftaktsfilm in diesem Gerne, dem später die noch erfolgreicheren Klassiker "Die Wendeltreppe", "Rächer der Unterwelt", "Schrei der Großstadt" oder "Gewagtes Alibi" folgen sollten. Auch die Story von der treuen Sekretärin zu ihrem Boss wurde in der Folgezeit oft kopiert, mir fallen in diesem Zusammenhang Henry Hathaways "Feind im Dunkel" ein, in dem eine beherzte Lucille Ball für ihren Chef durchs Feuer ging, auch Fanny Ardent in "Auf Liebe und Tod", einem Meisterwerk von Truffaut, rettet ihren geliebten Arbeitgeber durch ihr Eingreifen. In "Zeuge gesucht" ist es Ella Raines, die nicht möchte, dass ihr Boss auf dem elektrischen Stuhl landet. Dieser Boss, gespielt von Alan Curtis, ist dann tatsächlich auch die einzige Kritik am ansonsten lupenreinen Vertreter der schwarzen Serie, denn er wird zu unbeteiligt dargestellt. Einen Mann, der sehr bald seine Hinrichtung erwartet, hätte ich gerne so kämpferisch und emotional gesehen wie beispielsweise ein Tyrone Power aus "Zeugin der Anklage".
Zur Story: Scott Henderson (Alan Curtis) hatte mal wieder wie so oft in letzter Zeit Krach mit seiner Frau. Der 32jährige Ingenieur versucht seinen Frust in einer Bar zu vergessen, wo er eine ebenso unglückliche Frau (Fay Helm) trifft, die zwar ihren Namen nicht nennt, aber sich von Scott dazu überreden lässt mit ihm eine Show der Diva Estela Monteiro (Aurora Miranda) zu sehen. Sie nehmen ein Taxi und erleben wie der Star vor Wut kocht, weil die mysteriöse Begleitung von Sctott denselben Hut aufhat wie sie selbst. Die beiden verabschieden sich. Als Scott Zuhause auftaucht, ist die Polizei unter der Leitung von Inspektor 'Burgess (Thomas Gomez) schon bei der Spurensicherung. Scotts Frau wurde ermordet und er gilt aufgrund des Streits sehr schnell als Hauptverdächtiger. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die geheimnisvolle Phantom Lady nicht auffinden lässt. Sogar der Barkeeper und der Taxifahrer beschwören, dass Scott alleine - ohne Begleitung - war. Nur seine loyale Sekretärin Carol Richman, genannt Kansas (Ella Raines) ist von der Unschuld überzeugt. Sie beginnt eigene Recherchen anzustellen. Auch Hendersons bester Freund, der Künstler Jack Marlow (Francot Tone) hilft mit, als er von Südamerika zurückkehrt. Doch die fremde Frau bleibt verschwunden...
Siodmak gelingt es eine mysteriöse Atmosphäre aufzubauen und zu halten, die Suspence-Anteile erinnern etwas an Alfred Hitchcock und die Form und Stil sind am alten deutschen Film orientiert, ein perfektes Spiel von Licht und Schatten sozusagen. Er bietet auch einen erschreckend makabren Schurken an, der schwer krank seinem Instinkt folgt, aber lange Zeit unentdeckt bleibt. Als aufmerksamer Zuschauer kommt man aber schnell dahinter, wer dieser Killer ist. Das Wissen tut aber dem spannenden Vergnüngen keinen Abbruch. Eine großartige Szene ist auch die finale Konfrontation zwischen dem rettenden Engel und dem enttarnten Teufel. Hier agiert der Schurke teuflisch gut.
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TOP 500 REZENSENTam 7. Dezember 2013
Tja, dumm gelaufen, wenn man des Mordes verdächtigt wird und die einzige Zeugin, die einem ein Alibi geben könnte, eine Zufallsbekanntschaft war, die auf eben dieser Bedingung beharrt hatte.
Nach einem Streit mit seiner Frau gabelt sich der Ingenieur Scott Henderson (Alan Curtis) in einer Bar die titelgebende "Phantom Lady" auf, die ihn statt seiner Frau ins Theater begleitet.
Als Henderson nach der Vorstellung nach Hause kommt, ist seine Frau tot, erdrosselt mit einer seiner Krawatten.
Obwohl seine Begleiterin an diesem Abend alles andere als unscheinbar war, im Theater den Zorn der Sängerin erregte, weil sie exakt den gleichen Hut trug und von einem der Musiker offensiv angeflirtet wurde, will sich seltsamerweise niemand an die geheimnisvolle Unbekannte erinnern.
Während Henderson die Hinrichtung wegen Mordes droht, macht sich seine Sekretärin Carol "Kansas" Richman (Ella Raines) auf eigene Faust daran, nach der "Phantom Lady" zu suchen...

Zunächst mal der eine leider nicht ganz unerhebliche Schwachpunkt des Filmes, er hat diverse kleine Logiklücken und Unglaubwürdigkeiten, die man einfach hinzunehmen bereit sein muss und von denen ich zur Vermeidung von Spoilern nur einige beispielhaft anführen kann:
Wie hat die Polizei den ohne Zeugen und offenbar lautlos erfolgten Mord an Hendersons Frau so schnell bemerkt?
Bei einem Mord durch Erdrosseln ohne jegliche Augen- oder Ohrenzeugen dürfte sich der Tod selbst heutzutage nicht auf die Minute genau feststellen lassen, geschweige denn in den Vierziger Jahren.
Woher weiß der tatsächliche Mörder von Anfang an, was genau Henderson zur Tatzeit tut und welche eventuellen Zeugen somit zum Schweigen gebracht werden müssen?
Ja, er ist ihm gefolgt, aber so schnell, so unbemerkt und so erfolgreich?
Immerhin hatte Henderson kein bestimmtes Ziel, sondern ist nach dem Streit mit seiner Frau einfach losgegangen und rein zufällig in der von ihm offenbar nie zuvor besuchten Bar gelandet.
Warum lässt sich im gesamten Theater kein einziger Angestellter oder auch Gast finden, der sich an den verschwundenen, sehr auffälligen Hut der Sängerin erinnert beziehungsweise warum beschränkt die Polizei ihre entsprechenden Befragungen auf die Sängerin und einen einzigen Musiker und befragt nicht zumindest auch die Garderobiere der Künstlerin, die deren Bühnengarderobe ja kennen müsste?
Selbst ein betuchter Mörder könnte wohl kaum eine gesamte Theaterbelegschaft, geschweige denn sämtliche Besucher einer ausverkauften Vorstellung bestechen.

Wer sich an solchen kleinen Ungereimtheiten stört, könnte ein gewisses Problem mit der Cornell-Woolrich-Verfilmung "Phantom Lady" bzw "Zeuge gesucht", dem ersten Film noir Robert Siodmaks für Universal, haben.
Wenn man darüber jedoch hinwegzusehen bereit ist, dann kann man einen ausgesprochen spannenden und gut gemachten Film entdecken, der vor allem die heute leider nur noch relativ wenig bekannte Ella Raines in einer Paraderolle zeigt.
Ähnlich wie Barbara Stanwyck hat auch Raines die ungewöhnliche Eigenart, selbst heute in rund 70 Jahre alten Filmen noch immer verblüffend modern, frisch und zeitgemäß herüberzukommen und es ist bedauerlich, daß sie, obwohl sie innerhalb von nur zwei Jahren mit "Phantom Lady", "Onkel Harrys seltsame Affäre" und "Unter Verdacht" gleich drei erfolgreiche und heute zu den Klassikern gehörende Filme der "schwarzen Serie" drehte, leider nie den Durchbruch zum wirklichen Star schaffte und sich bereits in den Fünfziger Jahren aus dem Filmgeschäft zurückzog.
Hier jedoch überzeugt sie auf ganzer Linie als loyale und patente Sekretärin "Kansas", die für ihren Chef zur Privatdetektivin wird.
Wie sie den Barbesitzer, der mit seiner Falschaussage mitverantwortlich für Hendersons Verurteilung ist, durch ihre bloße beharrliche Anwesenheit in seiner Bar und ihre durchdringenden Blicke zunehmend nervös macht, das ist einfach toll und könnte mit Sicherheit nicht von jeder Schauspielerin so minimalistisch und dabei doch so effektvoll gespielt werden.
Aber Raines kann auch ganz anders als minimalistisch und überzeugt genauso sehr als aufgedonnerte, etwas gewöhnlich wirkende Frau, die sich mit sehr offensiv zur Schau gestellten Reizen einen anderen mutmaßlichen Zeugen aufgabelt, um eventuell etwas aus ihm herauszubekommen.

Der Film ist von Woody Bredell in bester Noir-Manier mit wunderschönen und expressiven Licht- und Schatteneffekten fotografiert, wobei "Kansas" alias Ella Raines in ihrem weißen Regenmantel teilweise im wahrsten Sinne des Wortes wie eine Lichtgestalt in einer düsteren und bedrohlichen Umgebung erscheint.
Daß sich Kansas mit ihren Ermittlungen auf eigene Faust nicht nur Freunde macht, ist nicht verwunderlich und wenn sie in einer Szene mit dem sich offensichtlich in die Enge getrieben fühlenden Barbesitzer an einem einsamen nächtlichen Bahnsteig steht, kommt eine wirklich bedrohliche Stimmung auf.
Jedoch wird Kansas Hilfe von unerwarteter Seite bekommen, nämlich vom ermittelnden Inspektor Burgess (Thomas Gomez), der inzwischen Zweifel an Hendersons Schuld hegt, und auch Hendersons bester Freund Jack Marlow (Franchot Tone) reist extra aus Südamerika an, um seinem Freund beizustehen.

Daß der Film den tatsächlichen Mörder relativ früh preisgibt, tut der Spannung keinerlei Abbruch, ganz im Gegenteil, weil dies zum einen eine bessere psychologische Ausgestaltung auch seiner Rolle ermöglicht und zum anderen die Gefahr, in die Kansas sich mit ihren Ermittlungen zunehmend begibt, umso bedrohlicher sichtbar macht.
Auch die Beziehung zwischen dem bislang verheirateten Henderson und seiner patenten Sekretärin, die seit langem mehr als kollegiale Gefühle für ihn hegt, ist stimmig und überzeugend.
Sehr berührend zum Beispiel, wenn Henderson Kansas bei einem ihrer Besuche im Gefängnis fragt, ob es eigentlich einen Mann in ihrem Leben gäbe und sie sagt "Ja, meinen Boss", was Henderson dahingehend interpretiert, sie hätte inzwischen einen neuen Job und sich in ihren neuen Arbeitgeber verliebt.
Diesen beiden sympathischen Protagonisten wünscht man einfach ein gutes Ende und tatsächlich ist das Ende des Filmes nicht unbedingt noir-typisch, aber dennoch sehr stimmig und passend und obendrein ausgesprochen originell.

Sehr schön auch die sparsam und überwiegend in Nachtclubszenen eingesetzte, teilweise sehr jazzige Musik von Hans J Salter.

Fazit: Ein spannender, psychologisch stimmiger und sehr gut besetzter und gespielter, vor allem aber ausgesprochen effektvoll fotografierter Film noir, dem man kleinere Unglaubwürdigkeiten, die zu einem (klitzekleinen) Sternchen Abzug führen, gerne verzeiht.

Produziert wurde "Phantom Lady" übrigens von Eric Ambler-Gattin Joan Harrison, die als langjährige Mitarbeiterin Alfred Hitchcocks diverse Drehbücher für ihn schrieb, unter anderem das für "Rebecca".
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am 8. Januar 2014
Als Robert Siodmak, der begnadete Regisseur,seinem Bruder Curt Ende der 30er Jahre nach Hollywood folgte, war es zunächst sehr schwierig für ihn, überhaupt Arbeit zu finden. Sein Bruder vermittelte ihm schließlich einen Kontrakt mit dem kleinen Studio UNIVERSAL, das in den 30er Jahren mit Serien wie DRACULA und FRANKENSTEIN überlebt hatte. Entsprechend niedrig war das Budget, mit dem Siodmak arbeiten musste. Außenaufnahmen entfielen gänzlich und so haben wir es hier mit einer Studioproduktion zu tun,bei der es allerdings hervorragend gelang, das New York der frühen 40er Jahre und die typische Atmophäre von Cornell Woolrich zu generieren. Woolrich war ein Autor, der es meisterhaft verstand, die dunkle Seite von New York zu zeigen, lebte er doch selbst überwiegend nachts und ausschließlich in düsteren Hotels - teilweise mit seiner Mutter. Ihm verdanken wir eine ganze Reihe ausgezeichneter Stories, die zu Film Noirs verarbeitet wurden wie z. B. auch Hitchcocks "Rear Window" (Das Fenster zum Hof). Produziert wurde "Zeuge gesucht" von Joan Harrison, einer englischen Produzentin, die auch für mehrere frühe Hitchcock-Filme verantwortlich zeichnet.
Auf die Story will ich hier nicht eingehen. Das hat Tristram Shandy in seiner Rezension bereits ausführlich getan. Die Stars sind Franchot Tone (bekannt aus vielen MGM-Produktionen der 30er Jahre), Alan Curtis und als Debütantin Ella Raines, die noch in vielen späteren Noirs eingesetzt werden sollte. Als Nebendarsteller ganz hervorragend Elisha Cook jr. (Der Malteser Falke).
Siodmak produziert ausschließlich im Studio und schafft es, die Story fesselnd und spannend zu realisieren. Hier beginnt, was sich später in "Der schwarze Spiegel", "Die Killer", "Gewagtes Alibi" und vor allem in "Strafsache Thelma Jordon" in perfekter Weise fortsetzen sollte.
Das Bild ist ausgezeichnet, der Ton etwas künstlich. Das Beiheft sehr informativ voll von Background-Informationen, die man sonst überhaupt nicht zur Kenntnis bekommen würde.
Die 4 Sterne gibt es aufgrund der erkennbaren Budgetprobleme.
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am 8. Januar 2015
...atmosphärisch intensiv und kontrastreich, ästhetisch bebildert. Mit fast minimalistisch wirkendem Agieren der Darsteller,
überzeugt der Film "Zeuge gesucht" von Robert Siodmak letztendlich doch, trotz der etwas unglaubwürdig fatalistischen Verhaltensweise der männlichen Hautperson Scott Henderson, der allzu widerstandslos seiner Todesstrafe entgegensieht.
Das Highlight und der größte Lichtblick sowohl für den Betrachter, als auch in der Geschichte, ist die Hauptdarstellerin Ella Raines.
Als seine Sekretärin "Kansas", ist diese Augenweide (und überzeugende Schauspielerin) diejenige, die sich mit aller Intensität, für wirkliche Aufklärung des Falles einsetzt...
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am 9. März 2014
Dieser Artikel stand - gemeinsam mit einer anderen DVD - auf einem Wunschzettel zum letzten Weihnachtsfest. Mal davon abgesehen, daß der Film gut ankam, waren sowohl ich, als auch der Beschenkte gut bedient mit der Kaufabwicklung und dem Artikel selbst: Bild und Ton dieses Filmklassikers sind gut aufbereitet worden und die Lieferung des Artikels ging zügig. Bei diesem Kauf waren alle Beteiligten sehr zufrieden. Einer Weiterempfehlung steht also nichts im Wege.
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am 26. Dezember 2013
Phantom Lady von Robert Siodmak ist ein Film Noir aus dem Jahre 1944 und bildet gemeinsam mit Frau ohne Gewissenvon Billy Wilder und Laura (Cinema Premium Edition, 2 DVDs) [Special Edition]von Otto Preminger die drei frühen, stilbildenden Beispiele dieser Filmgattung. Robert Siodmak versuchte sich in der Folge, sehr erfolgreich, mehrmals im Film-Noir-"Genre" und wurde ein Experte dieses Filmstils (Criss Cross, The Killers, The Spiral Staircase, The Dark Mirror etc), ähnlich wie Preminger (Whirlpool, Where the Sidewalk Ends, Fallen Angel, Angel Face). Beide Regisseure, beides jüdische Emigranten, der Eine aus Berlin, der Andere aus Wien wurden somit zu den Künstlern in Hollywood die mit am einflußreichsten am Noir-Mythos mitgezeichnet haben. Wilder jedoch blieb der "Meister aller Klassen" und besuchte die düsteren Strassen der Verbitterung, Verlorenheit und Verzweiflung nur noch in The Lost Weekend und Sunset Boulevard. Manche sagen, Ace in the Hole sei auch ein Film Noir. Der Eine sagt so, der Andere so.

In einer Reihenfolge müsste Laura an erster Stelle stehen, als DER Hyper-Klassische-"Studio"-Noir. Die Titelheldin, deren Bild die Männer in ihren Bann zieht, ist nur bedrohlich durch ihre wahnsinnige Schönheit. Die Frau stellt sich aber als good-good-girl heraus, die fast nichts ahnt von den Obsessionen, die sie auslöst. Hier klingen aber schon sanft die Themen des Film Noir an, die ihn kennzeichnen werden: ohnmächtige Männlichkeit vs übermächtige Weiblichkeit. Der Kampf der Geschlechter wird zum Ende hin jedoch ins Positive hin aufgelöst. Es gibt also noch Trost.
Phantom Lady geht einen Schritt weiter. Die Titelfigur ist eine Leerstelle, eben die Zeugin die gesucht wird. Im Laufe der Handlung stellt sich heraus, daß besagte Dame in einer "mental institution" lebt, einem Irrenhaus. In dieser Lady klingen schon all die psychotischen Störungen der femme fatale an, die wir hier noch wie aus der Ferne betrachten dürfen. Später, in Double Indemnity, werden wir aus allernächster Nähe Zeuge ihres fatalen Sogs.
In Phantom Lady wird auch der männliche Held, oder besser gesagt, den wir als solchen ausmachen, von der "leading lady" im Laufe der Handlung verdrängt. Männlichkeit ist hier also ebenso ein Phantom, dem die Hauptfigur, Kansas, bravurös von Ella Raines gespielt, nachjagt. Sie ist quasi ein good-good-good-good-girl, die alles dafür tut, daß die Unschuld ihres Angehimmelten bewiesen werden kann. Alan Curtis spielt hier den männlichen Gegenpart so Pappkameradenhaft, daß man hier nicht mehr von bedrohter Männlichkeit sprechen kann, sondern schon fast von verschwindender.
Kansas wiederum stellt nicht nur einen konservativen Gegenentwurf zur "Phantom Lady" dar, also das all-american-girl aus der Mitte der Gesellschaft, die rechtschaffen, gut und aufopferungsvoll ist; auch sie deutet Abgründe an. In einem Kapitel des Films, geht sie soweit einen möglichen Zeugen, der Scotts (Alan Curtis) Besuch eines Konzerts mit jener Phantom Lady bezeugen und ihm somit ein Alibi für die Zeit des Mordes an seiner Ehefrau verschaffen könnte, so zu bezirzen, daß sie sogar mit ihm schlafen würde, wenn es sein müsste. Kansas "spielt" hier nur die lüsterne Schlampe, schlüpft in die Rolle der weiblichen Verführerin. Doch, obwohl Ella Raines daraus ein Schmierentheater macht, und sie nach jedem Kuss sich angewidert den Mund abwischt, ahnen wir doch etwas von ihrem sexuellen Potential. Die Verwandlung zur destruktiven Sex-Göttin wird hier nicht zur Vollendung gebracht, aber immerhin scheint eine Doppelgesichtigkeit durch, ein noch nicht Besorgnis erregender Grad an Schizophrenie. In einer Szene, in der Kansas mit dem Zeugen in ein Jazz-Lokal geht, und ihm, ein Drummer, dabei zusieht, wie er mit anderen Musikern jammt, kriegt die orgiastische Musik und die vor Ekstase verzerrten Gesichter von Kansas und dem Drummer deutlich sexuelle Bedeutung. Aber Kansas schaut dem Mann nur zu, während er sich an seinem Spiel, nun ja, aufgeilt, und sie sind körperlich getrennt. Der Sex hat etwas selbstbezogenes, ist also eher Selbstbefriedigung, als Geschlechtsverkehr. Der Mann bleibt ein kümmerlicher Wicht. Bis zum Schluß kommt es nicht zur Vereinigung von Kansas und ihrem Angehimmelten Scott. Dessen Stimme ertönt nur aus einem Sprechgerät, und Kansas lauscht entzückt seinen Worten. Nähe findet nicht statt. Die Krise der Geschlechter scheint eingeläutet.
Schon zu Beginn, als Scott von seiner nächtlichen Begegnung mit der Unbekannten nach Hause zurückkehrt und von der Polizei begrüßt wird, schwebt das Bild seiner ermordeten Ehefrau drohend und übermächtig über ihm. Da ist sie wieder, die ins Bild gepresste Weiblichkeit; wie das Bild von Laura, wie das Bild der Verführerin in Woman In The Window [UK Import]. Die Frau hat Macht über den Mann jenseits ihrer physischen Präsenz. Sie beherrscht seine Gedanken und das Bild, das er sich von ihr in seinem Kopf macht.
Die Krise der Männlichkeit wird am eindrucksvollsten durch den psychopathischen Mörder personifiziert, für den Mord oder Gewalt, Ersatz für Liebe und Sex sind. Dieser Mann hat schon komplett die Kontrolle über sich und seinen Körper verloren. Seine Hände führen ein Eigenleben und er erinnert an Conrad Veidt aus HANDS OF ORLAC 1924, oder an Peter Lorre aus M - Eine Stadt sucht einen Mörder - 80th Anniversary Edition (+ DVD) [Blu-ray]. Hier zeigen sich Siodmaks deutsche Wurzeln und seine Einflüsse. Die Verführergestalten des deutschen Stummfilms, die Mabuses und Nosferatus, sind in der Gestalt von Franchot Tone zu einem modernen Faschisten gereift, der sein Leben als wertvoller erachtet, als das seiner Opfer. Seine pathetische Kunst, seine Plastiken und Statuen, würden gut in eine Sammlung nationalsozialistischer Kunst passen.

Die Krisen, Obsessionen und Abgründe, die in Phantom Lady nur angedeutet sind, entfalten dann in Double Indemnity ihre volle Blüte. Die Frau ist kein bad-good-girl, wie in The Big Sleep [UK Import] z. B., sondern ein bad-bad-girl. Die Macht der Verführerin ist nun uneingeschränkt; die Krise der Geschlechter ist nun zu offenem Krieg geworden. Es herrscht mittlerweile Mord und Totschlag!
Double Indemnity ist ein "Brücken"- Film zur zweiten Phase des Film Noir, weg von den klassischen Studiokulissen mit A-Level-Hollywood-Stars, wo der männliche Held die Welt zum Schluß mit der Schönen im Arm retten, oder zumindest seine Rätsel auflösen kann, hin zu den düstereren Plots, bösartigeren Frauen, ohnmächtigeren Männern in semi-dokumentarisch gehaltenen Stil, mit B-Stars, kein Happy End.
In Phantom Lady gibt es noch Licht am Ende des Tunnels, in Double Indemnity sind wir endgültig in der Hölle gelandet.

ZUR DVD: die Film-Noir-Reihe von Koch Media hat ja mittlerweile hervorragende Arbeiten veröffentlicht, teilweise Filme, die so erst ihre Veröffentlichung auf DVD in Deutschland erfahren haben. Meistens warten diese Ausgaben mit etwas spärlichen Extras auf, wie Trailer und Fotodokumente von den Dreharbeiten oder promotional material. Das ist hier leider nicht unähnlich. Erwähnt sollte aber der sehr lesenswerte und sehr kluge Aufsatz von Thomas Willmann sein. Wer keine Lust hat 15,99 für diese Ausgabe ausgeben möchte, und sich trotzdem für einen Cineasten hält, sollte zweimal überlegen. Phantom Lady gehört in jede ernstzunehmende Filmsammlung. Merry Christmas.
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TOP 1000 REZENSENTam 15. Oktober 2014
[Enthält Spoiler]

Ich mag Robert Siodmaks »Phantom Lady / Zeuge gesucht« (1944) sehr, und ich wünschte, man könnte ihn zu den ganz großen Meisterwerken des Film noir rechnen. Doch solch ein Meisterwerk ist der Film trotz seiner vielen Vorzüge leider nicht.

Der Beginn ist meisterhaft: Es gibt keine große Exposition. Ein fast leeres Lokal, melancholische Jukebox-Musik, strangers in the night. Eine Zufallsbekanntschaft an der Bar, trübe Stimmung auf beiden Seiten. Aus einer Laune heraus willigt sie ein, mit ihm ins Theater zu gehen, damit seine Karten nicht sinnlos verfallen. Ein netter Abend. Man trennt sich, ohne einander den Namen genannt zu haben. Dann der Schock. Er kommt nach Hause, seine Frau ist tot, er selbst der Hauptverdächtige. Nur die Frau aus der Bar könnte ihm ein Alibi geben, doch sie ist eine phantom lady. Die eigentliche Geschichte beginnt.

Ella Raines spielt ›Kansas‹. Sie ist Mitarbeiterin des tatverdächtigen Scott Henderson, der ein Ingenieurbüro betreibt. Kansas himmelt ihren Chef an und macht sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Frau, während Scott im Gefängnis in eigenartige Lethargie versinkt. Sie bekommt Unterstützung durch den ermittelnden Polizeiinspektor, der an seinen eigenen Ermittlungsergebnissen zu zweifeln beginnt.

Die nächtlichen Szenen, in denen Kansas zwei Zeugen zur Korrektur ihrer Aussagen bewegen will, sind exemplarisch für die Szenengestaltung bzw. die Gestaltung von Szenenfolgen im Film noir. Absolut fabelhaft, was Siodmak hier zusammen mit seinem Ausstatter und seinem Kameramann zustande bringt. Unübersichtliche, manchmal klaustrophobische Bauten, kontrastreiche tiefenscharfe Schwarzweißbilder von Räumen, in denen überall Unheil zu lauern scheint, und eine Tonspur, deren Geräusche eine eigene Dynamik entfalten (insbesondere in der Verfolgungsszene und in der Jam-Session-Szene). Das wirkt ungeheuer modern. Die Stadt als bedrohliches Labyrinth, in dem der Einzelne unterzugehen droht. Auch die Schauspieler sind überwiegend in exzellenter Form, nur Alan Curtis wirkt ebenso farblos wie die Figur, die er spielt.

All das macht den Film auch beim wiederholten Sehen noch zu einem Vergnügen. Doch dann kommt der Schluss, und der ist in mehrfacher Hinsicht missraten. Ganz am Ende steht das Happyend, in dem Normalität und Biederkeit die Oberhand behalten. Dem wird die Ausnahmeexistenz des Künstlers gegenübergestellt: eine asoziale Lebensform, mindestens am Rande des Psychopathologischen. Genie und Wahnsinn reichen sich die Hand, so dass Gewalt und Mord nicht fern sind. Für diejenigen, die die plumpe Botschaft bis dahin nicht mitbekommen haben, hängt in der Schlüsselszene die Reproduktion eines Van-Gogh-Selbstporträts deutlich sichtbar an der Wand, – natürlich das mit dem verbundenen Ohr. Psychologie auf ›Bild‹-Zeitungsniveau.

Auch dramaturgisch ist die Auflösung der Spannungsszene am Schluss höchst unbefriedigend. Sorgfältig wird zunächst eine Situation der Ausweglosigkeit aufgebaut. Doch dann klopft es einfach an der Tür, der Bösewicht springt aus dem Fenster und Friede, Freude, Eierkuchen. Das war schon beim ersten Sehen des Films unglaublich enttäuschend und ist seitdem nicht besser geworden.

Zur DVD: Offenbar konnte man auf eine sehr gute Kopie zurückgreifen. Die Bildqualität ist exzellent, nur im ersten Filmdrittel ist eine ganz leichte Kratzspur am rechten Bildrand zu bemerken. Als Extra gibt es den Trailer. Deutsche Untertitel fehlen, auch die englischen Untertitel, die das Cover verspricht, habe ich nicht entdecken können. Sehr informativ ist Thomas Willmanns ausführlicher Essay zum Film im 12-seitigen Booklet.

Fazit: Unbedingt sehenswerter Film in sehr guter Präsentation. Unter den nicht erstrangigen Filmen der schwarzen Serie vielleicht der beste.
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am 30. März 2014
Der Film ist sicher gut, und trägt natürlich die Handschrift von Robert Siodmak. Aber man ist enttäuscht, wenn man einen richtigen Film Noir erwartet. Nach einem spannenden Beginn verläuft die Suche nach der Zeugin eher träge, und die Auflösung ist alles eher als überraschend. Das glatte Happy end ist dann das, was man gerade von dieser Filmgattung nicht erwartet! Es fasziniert die expressionistische Bildsprache, aber das wars dann auch schon.
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