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4.0 von 5 Sternen Kleinod eines fast Vergessenen, 27. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Santiago, der Verdammte (DVD)
[ACHTUNG: SPOILER]
Der Bandit Santiago (Arthur Kennedy) überfällt mit seinem Kumpan Vicente (Tony Martinez) einen Zug, wobei Vicente getötet wird. Santiago versteckt die Beute und flieht. Er stößt auf das Paar Manuel (Eugene Iglesias) und Maria (Betta St. John) Lopez, die im Grenzland zu Mexiko eine Farm betreiben. Schnell merkt Santiago, daß es Unstimmigkeiten zwischen den beiden gibt. Er überredet Manuel, der im Besitz eines Wagens ist, ihm zu helfen, die versteckte Beute zu holen und in die Stadt zu fahren. Dort treffen sie Guntz (Roy Engel), der für die Ware – Uhren – zahlt. Allerdings nur die Hälfte der vereinbarten Summe, da Vicente ja tot sei, Santiago erpresst mit brachialen Methoden das gesamte Geld von Guntz, läßt den jedoch am Leben. Dem ob dieser Gnade verdutzten Manuel erklärt er, nicht zum letzten Mal, daß man immer großzügig sein müsse. Die bedien gehen feiern und Santiago tanzt in der Cantina mit Tita (Charlita) zur Mariachimusik, spendiert Manuel Cerveza und Tequlia und feiert das Leben. Diese Haltung verwirrt Manuel, gefällt ihm aber auch. Zurück auf der Farm wird Santiago erneut Zeuge, wie Manuel Maria schlecht behandelt. Maria will mit ihm weggehen, Santiago versucht, ihr zu verdeutlichen, daß sein Leben, ein Banditenleben, nur allein zu führen und zudem nur dadurch zu ertragen sei, indem man sich belüge. Sie will dennoch mit ihm gehen. Manuel derweil beschließt, Santiago zu töten und das Geld, das bei ihm besser aufgehoben sei, an sich zu bringen. Er versteckt sich und wird gerade, als er den Anschlag verüben will, von einer Klapperschlange angegriffen. Santiago rettet ihn, verleirt jedoch allen Respekt vor dem Jüngeren, als er merkt, was der vorhatte. Nun erlaubt er Maria, ihn zu begleiten, was Manuel verhindern will. Maria entscheidet sich jedoch für Santiago. Gerade als die beiden die Farm verlassen, kommt Guntz mit zwei Männern auf die Farm gefahren und droht, Manuel aufzuhängen, sage dieser ihm nicht, wo Santiago und das Geld seien. Santiago kommt Manuel zur Hilfe, wird allerdings von dem sterbenden Guntz so schwer angeschossen, daß auch er sterben wird. Er schickt Manuel und Maria mit dem Geld über die Grenze, er habe einen anderen Weg zu reiten. Die beiden verabschieden sich mit den Worten „Adios, padre!“…

Edgar G. Ulmer, einer jener fast vergessenen Regisseure, die mit der Immigrantenwelle aus Europa kamen, realisierte diesen kleinen B-Western 1955. Es ist ein ungewöhnlicher Western. Zunächst einmal spielt er in der Gegenwart, wie uns bewußt wird, wenn Guntz und seine Leute in einem zeitgenössischen Automobil auf die Farm gefahren kommen. Und ebenso anachronistisch, wie sich ein Bandit wie Santiago in diesem Setting ausnimmt, wirken auch die Anliegen dieses Films. Nicht Rache, nicht der Kampf um Land, Vieh oder eine Frau, nicht die Eroberung unbewohnten Raums oder gar der Kampf gegen die Eingeborenen sind die sonst in Western üblichen Motive hier, sondern es ist die Frage nach der Moral, die Ulmer umzutreiben scheint. Er selber – geprägt durch Max Reinhardt – wies (laut Hembus' WESTERNLEXIKON) auf die Mysterienspiele hin, bei denen er mitgewirkt hatte.

In „The Naked Dawn“ (Originaltitel) hat man es ab dem ersten Moment mit der Frage zu tun, wodurch sich moralisch einwandfreies Verhalten auszeichnet? Besser: ist moralisch einwandfreies Verhalten überhaupt möglich? Kann ich richten über andere? Santiago versucht, dem sterbenden Vicente die Angst vor dem Tod zu nehmen, schließlich bietet er sich ihm sogar als (Ersatz-)Priester an. Dieser Santiago ist ein Freigeist, ein Libertin, einer, der das Leben genießt, laut und in vollen Zügen und der damit doch nur die eigenen Ängste zu überdecken sucht. Manuel, der uns als rechtschaffener Farmer begegnet, freundlich, ein wenig zu leutselig vielleicht, behandelt seine Frau schlecht und wird durch die Aussicht auf Geld plötzlich gierig, ja, ist sogar bereit zu töten. Maria wiederum scheint eine rechtschaffene Farmersfrau, hat jedoch lediglich geheiratet, weil ihre Leute das so wollten, bzw. daß es eine Hochzeit gab, musste sie sogar erzwingen. Sie will raus und läßt sich von Santiago die „große Stadt“ Vera Cruz schildern, was dieser zunächst auch tut, nur um sofort, als er merkt, worauf ihr Ansinnen hinausläuft, vom Dreck der Stadt zu berichten. Alle drei haben große oder kleine Träume und Anliegen und jeder sieht im anderen mittel- oder unmittelbar die Lösung seines vorhandenen Problems. Und im Geflecht dieser ebenso auf Beziehungs- wie auf Sachebene ausgetragenen Konfliktsituation geht jede moralische Eindeutigkeit verloren.

Ulmer bietet wenig, was den Westernliebhaber den Western so lieb haben läßt: Kaum werden wir Landschaftspanoramen ansichtig; Arthur Kennedy, der, nebenbei bemerkt, eine sehr gute Performance abliefert, ist mit seinen schwarz gefärbten Haaren und dem Schnauzer kaum zu erkennen (überhaupt kennt der Film lediglich Mexikaner als Helden/Personal; der einzige Weiße ist der Bösewicht Guntz), die Action fällt eher karg aus. Dieser Western verhandelt seine Anliegen im Dialog. Und wir merken gerade in den Dialogen, daß und wie sehr diese drei Menschen sich mögen; daß also hinter dem Horizont des Filmendes entweder ein noch viel tödlicherer Konflikt, ein echter Westernkonflikt – der zwischen zwei Männern um eine Frau – dräut, oder aber ein utopisches Miteinander. Das 1955 als Möglichkeit stehen zu lassen, nicht möglich gewesen sein dürfte. Allerdings bieten – neben Santiagos Tod als Königsweg, solchen Konflikten zu entgehen – die Abschiedsworte der beiden weit über das Klären der Verhältnisse hinausgehende Deutungsebenen. „Padre“ verweist Santiago natürlich in den Bereich der nichtsexuellen Beziehungsmöglichkeiten (was seinem Habitus, so wie wir ihn im Film gesehen/erlebt haben, allerdings nicht entspricht), doch erhebt es ihn, den Banditen, den Libertin, den Hedonisten – unter Verweis auf sein priesterliches Angebot gegenüber Vicente anfangs des Films – moralisch auch zu einer letztlich reinen Figur. Ulmer weiß geschickt und hintersinnig mit all diesen Versatzstücken und verschiedenen Ebenen zu spielen und dennoch gelingt es ihm eben auch, bei aller Symbolik einen wirklichen Western abzuliefern, bleibt er doch in den 82 Minuten Filmzeit immer konkret, immer in Bewegung, immer hart an der Story.

Ein Schmankerl nebenbei: Dieser Ausgabe des Films hat Koch Media dankbarerweise einen kleinen Text von Francois Truffaut beigestellt, in dem der Meister des französischen Kinos darauf hinweist, daß „The Naked Dawn“ ihm im Grunde den Weg gewiesen habe zu „Jules et Jim“. Erst durch die Konstellation dieser Figuren hätte er eine Möglichkeit gesehen, einen Zugang gefunden, wie die Dreiecksbeziehung aus Rochés Roman zu übernehmen und auf die Leinwand zu bringen sei. Ein wahrlich interessanter Nebenaspekt, der der Betrachtung von „The Naked Dawn“ noch einmal eine ganz andere Perspektive beigibt. Ein Kleinod des B-Western, keine Frage.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „He’s a Thief!“ – „He’s a Man!“, 2. Januar 2014
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Santiago, der Verdammte (DVD)
[Vorsicht, starke Spoiler!]

Beide dieser Beschreibungen, die erste von dem sich als “respectable man” bezeichnenden Bauern Manuel Lopez (Eugene Iglesias), die zweite von seiner Frau Maria (Betta St. John), treffen auf den Banditen Santiago (Arthur Kennedy) zu, wobei das Wort „man“ ganz sicher auch in seiner umfassenderen Bedeutung „Mensch“ verstanden werden kann.

Edward G. Ulmer gehört so eindeutig zu den sträflichst unterschätzten Regisseuren Hollywoods, daß man seine Verbitterung und die daraus resultierende Neigung, die eigenen Verdienste höher anzusetzen, als ihnen dies eigentlich zukäme, durchaus verstehen kann. In seinem Western „The Naked Dawn“ aus dem Jahre 1955 zeigt Ulmer denn auch beispielshaft, was jemand wie er mit einem kleinen Budget und der damit wohl einhergehenden geringfügigen Einmischung durch das Studio selbst auf die Beine stellen kann. Man gebe Ulmer drei ordentliche Schauspieler, ein Drehbuch, das sich eher auf zwischenmenschliche Konflikte und vielleicht sogar philosophische Fragen als auf Action konzentriert, und Ulmer gibt uns einen Western, der sich hinter den großen Filmen dieses Genres keinesfalls zu verstecken braucht. Und er gibt uns eine Geschichte über die Natur des Menschen, hin- und hergetrieben zwischen Gier und kleinlicher Selbstsucht andererseits sowie der Liebe anderseits.

Die Handlung ist denn auch schnell umrissen: Nach einem Eisenbahnraub versteckt sich der lebenslustige Bandit Santiago bei den beiden armen Bauern Manuel und Maria. Zusammen mit Manuel, der sich seine Hilfe gut bezahlen läßt, macht Santiago seine Beute bei dem korrupten Eisenbahnangestellten Guntz (Roy Engel) zu Geld, und von diesem Moment an trachtet Manuel danach, Santiago um eben dieses Geld zu bringen – und schreckt dabei auch nicht vor dem Gedanken zurück, seinen Gast umzubringen. Seiner Frau wird derweil immer mehr bewußt, wie sehr sie das Leben an der Seite ihres Mannes verabscheut, und so fleht sie Santiago an, sie mit sich zu nehmen. Als schließlich auch noch der von Santiago beraubte Guntz mit einigen bewaffneten Männern auftaucht, gibt dies dem Konflikt eine unerwartete Wende.

[Ab hier kommen jetzt knüppeldicke Spoiler!]

Der von Ulmer hier verfilmte Plot hätte wohl auch in vielen anderen Gewändern als dem des Westerns funktioniert, und doch ist das traurig-heitere Ende, bei dem Santiago geradezu eine Apotheose widerfährt, wenn er sich sterbend von den beiden versöhnten Eheleuten, die von seiner tödlichen Schußwunde indes keine Ahnung haben, verabschiedet und diese mit „¡Adiós, padre!“ antworten, in einem Western wohl am besten aufgehoben. Ein wenig erinnert die Figurenkonstellation, aber auch das Motiv der seelenzerfressenden Gier, an Hustons Klassiker „The Treasure of the Sierra Madre“ (1948), und doch sind die Figuren hier in sich widersprüchlicher und komplexer. Santiago erweist sich schon zu Beginn als Bandit mit goldenem Herzen, wenn er die ganze Nacht bei seinem sterbenden Kameraden bleibt, um ihm Trost zu spenden, wo er doch befürchten muß, daß er verfolgt werden könnte. Auch wird aus dem Dialog zwischen ihm und Vicente (Tony Martinez) deutlich, daß die beiden Mexikaner nicht etwa aus Gier zu Verbrechern geworden sind, sondern weil sie in ihrer von Revolution und Konterrevolution heimgesuchten Heimat immer wieder betrogen worden sind. Er ist ein lebenslustiger Genußmensch, der kein klares Ziel als nur das Umherziehen vor Augen zu haben scheint, und vollends sympathisch wird er mir, wenn er der zunächst verschlossenen Maria sagt, daß auch die Freude über ein schönes Kleid oder über Schuhe mit hohen Absätzen von Gott stammt und daß man sich ihr deshalb nicht argwöhnisch verschließen sollte. Eine Lebensphilosophie, die typisch für denjenigen ist, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Aber Santiago ist kein reiner volkstümlicher Heiliger, wie sein Name vermuten lassen könnte, sondern er kann auch jähzornig und harsch reagieren, und auf Marias Bitte, ihn mitzunehmen, entlarvt er die scheinbare Romantik seines Lebens als Lüge, wenn er ihr sagt, daß sein Leben alles andere als eitel Sonnenschein ist und daß er nach einigen Tagen wohl schon genug von ihr hätte. Dies mag zum Teil eine Taktik sein, weil er nicht die Ehefrau eines anderen Mannes mit sich nehmen möchte, zum Teil spürt man aber auch, daß Santiago mit seiner quasi-epikureischen Philosophie der Ungebundenheit und des Genusses die Leere seines Lebens verdecken möchte. Manuel, den wir innerhalb dieser Dreierkonstellation wohl als die am wenigsten liebenswerte Figur ausmachen, verfällt sehr schnell der Gier nach Santiagos Gold, doch malt er sich aus, wie er mit dem Geld seine Farm – die sein ganzer Stolz ist; man denke nur, was er über den selbstgebrannten Pulque sagt – verbessern könnte. Er will etwas aufbauen, sich und seiner Familie ein bleibendes Heim schaffen, und so denkt er, jemand wie Santiago wisse ohnehin nichts Sinnvolles mit dem geraubten Geld anzufangen. Doch es ist eben dies Bestreben nach einer Heimat, die ihn engherzig und kleinlich werden und ihn seine Frau wie ein Tier ausbeuten läßt. Man beachte nur, daß er seinem Gast zunächst stolz seine Schweine vorführt und ihm erst dann die die ganze Zeit im Zimmer sitzende und Tortillas backende Frau vorstellt! So also steht es um seine Prioritäten. Und dann ist er auch noch ein übler Heuchler, der, kurz bevor er den Mord an Santiago begehen will, zu Gott um Gelingen des Anschlages und vor allem darum bittet, sein Opfer möge schlafen – und der Gott obendrein mit einer Opfergabe aus dem Erlös seiner Mordtat zu bestechen versucht. Maria schließlich ist die scheinbar unterdrückte und in ihren Wünschen frustrierte Ehefrau, doch hat sie in ihrer Lebensgeschichte, die sie Santiago erzählt, schon bewiesen, daß sie es versteht, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und mit ihrer am Ende des Filmes getroffenen Entscheidung beeinflußt sie einmal mehr das Schicksal ihres Ehemanns, der mit ihr in eine ungewisse, aber von Hoffnung auf Erlösung geprägte Zukunft reitet. Hier spielen übrigens wieder die Namen der Protagonisten eine gewisse Rolle, denn „Maria“ ist ja der Name der Muttergottes, und „Manuel“ kommt von „Immanuel“, dem Namen des von Jesaja vorhergesagten Messias.

Auch abgesehen von den Namen ist „The Naked Dawn“ nicht arm an Symbolik: So unterzieht sich Maria beispielsweise einer ausgiebigen Waschung, der die Kamera mit einer gewissen Intimität beiwohnt, bevor sie sich an Santiago wendet mit der Bitte, sie von ihrem habgierigen und lieblosen Mann wegzunehmen.

Doch auch, wenn man sich nicht auf den zweifellos vorhandenen Subtext dieses Filmes einlassen mag, ist „The Naked Dawn“ ein Film voller Dramatik und elementarer Spannung. Über allem jedoch schweben auf eine schwer festzumachende Art und Weise eine heitere Leichtigkeit und ein gutmütiger, allzu menschlicher Humor, der uns wohl auch ein wenig von Ulmer selbst verrät. Insgesamt ist „The Naked Dawn“ ein sehr persönlicher Film, der vor allem durch ausgesprochen differenzierte und psychologisch glaubhafte Charaktere besticht, die er in einen packenden Konflikt zueinander setzt.

Die Bildqualität, in der Koch Media diesen starken Western präsentiert, hätte man sich jedoch besser wünschen können.
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4.0 von 5 Sternen Anschauen lohnt sich!, 27. April 2014
Von 
Kurt-André Lion "kurtandrelion" (Gelsenkirchen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Santiago, der Verdammte (DVD)
"The Naked Dawn" ist ein überaus interessanter Western von 1955, der den blauäugigen Arthur Kennedy in der Rolle des - lt. deutschem Filmtitel - "Santiago, der Verdammte" zeigt, einem Mexikaner! Hier hätte vielleicht der ebenfalls profilierte Schauspieler Pedro Armendáriz, 2 Jahre älter als Kennedy, die Rolle etwas authentischer ausgefüllt. Aber ich will nicht meckern, da Arthur Kennedy seine Rolle sehr gut verkörpert. Der Inhalt des Films ist bereits ausführlich von anderen Rezensenten dargestellt worden: Ein mexikanischer Outlaw auf der Flucht (Kennedy) trifft auf ein junges mexikanisches Farmer-Paar (Eugene Iglesias und Betty St. John), woraufhin eine überaus interessante und vielschichtige Dreiecks-Geschichte ihren Anfang nimmt, welche Francois Truffault zur filmischen Realisation seines Meisterwerkes Jules und Jim anregte. Um Wiederholungen in Bezug auf die Rezensionen von z.B. Tristram Shandy, Gavin Armour oder Eddie Lomax zu vermeiden, möchte ich lediglich auf einzelne Punkte hinweisen:

Im Booklet stammt diesmal der Schriftteil nicht von Hank Schraudolph sondern von Truffault selbst (Kurzartikel aus 1956). Die Bildqualität der DVD finde ich ordentlich. Der deutsche Ton hallt leider manchmal im Mittelteil des Films. Als Extras gibt's eine Bildergalerie und den amerikanischen Original-Trailer. Einen Aha-Effekt hatte ich bei dem Auftritt von Betty St. John, erinnerte sie mich in so mancher Einstellung tatsächlich an Angelina Jolie! Und wenn man sie - im Deutschen - sprechen hörte, hatte ich Marilyn Monroe vor Augen, denn auch wenn mit mexikanischem Akzent gesprochen, so handelt es sich hier um Marilyns deutsche Synchronstimme, Margot Leonard. Wenn man sich dann etwas näher mit Betty St. John befasst, so erfährt man, dass sie das junge Mädchen ist, welches in Der große Bluff zum Schluss auf dem Wagen Marlene Dietrich's "Little Joe" anstimmt. Es handelte sich dabei um ihre erste Filmrolle - mit 10 Jahren! In ihre Waschszene ist zwar sehr wohl in ihrer Rolle als "Maria" eine religiöse Komponente hinein zu interpretieren. Zum anderen handelt es sich aber m.E. auch um sicherlich eine der erotischsten Filmszenen aus dem prüden Amerika der 50er Jahre, ohne die Intimität der Darstellerin zu verletzen. Insgesamt bin ich Koch Media für die Veröffentlichung dieses 82-Minüter dankbar und kann jedem Western-Fan "The Naked Dawn" wärmstens empfehlen!
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5.0 von 5 Sternen An unique film, 31. Januar 2014
Von 
Markku Ojanen (Lempäälä Finland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Santiago, der Verdammte (DVD)
Erzählen sie mir, bitte, but it is so much easier to write in English. This is an amazing film in many ways. It has been filmed outside studios wtih a good story and fine actors. At first I didn't recognize Arthur Kennedy as a Mexican. He is so good and consistent, although I am not familiar about Mexican culture. What I especially liked were the philosophical questions concerning money, life and friendship in this film. Bravo Edgar Ulmer!
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der letzte Bandit, 16. Oktober 2013
Von 
Eddie Lomax - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Santiago, der Verdammte (DVD)
Dies ist eine reine Filmrezension zur Entscheidungshilfe für einen Kauf und sie beinhaltet leichte Spoiler.

-SPOILERWARNUNG-

Ein Bahnhof bei Nacht. Zwei Männer machen sich an einem Wagon zu schaffen, brechen die Tür auf. Sie rauben mehrere Pakete. Der Bahnhofsvorsteher bekam davon nichts mit, weil er sich im Saloon mit etwas zu essen versorgt hat. Doch nun kehrt er zurück, macht seinen Routine-Gang und sieht, das etwas vor sich geht. Er erwischt die zwei Männer, die gerade dabei sind, die Pakete auf ihre Pferde zu laden. Der Bahnhofsvorsteher schießt, trifft einen der Männer und wird gleich darauf von dem anderen niedergeschlagen. Die Räuber fliehen aus der kleinen Stadt und überqueren bald die mexikanische Grenze. Sie machen Rast, die Schmerzen des Angeschossenen sind zu groß. Vincente ist sein Name. Kurz darauf stirbt er in den Armen seines Freundes Santiago (Arthur Kennedy). Nachdem dieser seinen Partner begraben hat, reitet er weiter bis zum Morgengrauen. Er kommt zur Farm eines jungen Paares, Manuel (Eugene Iglesias) und Maria (Betta St. John). Sie sind noch jung und unbedarft. Santiago bietet Manuel Geld, wenn der ihn mit seinem Wagen in die nächste Stadt bringt. Manuel willigt ein. Santiago liefert die gestohlenen Pakete bei einem Amerikaner ab, der ihn sogleich um seinen Lohn bringen will und ihn umzubringen versucht. Der Betrogene rächt sich umgehend, knüpft den Mann auf. Manuel wird unfreiwillig zum Komplizen. Nach durchzechter Nacht kehren sie zur Farm zurück. Maria spürt, das sich etwas verändert hat.

"Ein Eremit, gewissermaßen."

Film-Exilant Edgar G. Ulmer ist einer der großen Unbekannten, stand er doch Zeit seines Lebens im Schatten seiner Kollegen Murnau, Lang und Siodmak. Dennoch wurde er zu einer Art König der B-Movies. Denn er drehte viele kleine Filme für wenig Geld und manches Mal kam dabei ein Klassiker heraus. Wie bei der Film-Noir-Perle DETOUR oder dem hier besprochenen Western THE NAKED DAWN aus dem Jahr 1955. In nur zehn Tagen drehte Ulmer dieses Lehrstück in Sachen Film-Ökonomie. Es ist erstaunlich wie viele Themen in dieser Geschichte behandelt werden, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunter gebrochen werden. Das Leid der einfachen Leute im allgemeinen, das der Mexikaner, die in bitterer Armut auf verschiedenen Wegen versuchen glücklich zu werden, im besonderen. Beispielhaft in seiner Einfachheit gelingen Ulmer Szenen von großer Wahrhaftigkeit.

"Ich bin besser als Du!"

Da wäre Santiago, denkwürdig verkörpert von Arthur Kennedy, ein Einzelgänger, einer der für ein freies und selbstbestimmtes Leben jederzeit bereit ist ins Zuchthaus zu gehen oder am Strick zu enden, aber niemals anders leben möchte. Einer der erst als Verbrecher auftritt und sich gefällt in der Rolle, mit der er kleinen Leuten Angst machen kann, dann jedoch aufrichtiger und ehrbarer erscheint als der verführbare Manuel, der zuerst mächtig beeindruckt ist von diesem erfahrenen Mann, der sich nimmt was er braucht. Bald schon entwickeln sich bei Manuel aber der Neid und die Gier in der Möglichkeit selbst ein Stück vom Kuchen zu bekommen. Angetrieben von niederen Beweggründen, die freilich erst in der Nacht geweckt werden in der er sich von Santiago zum leichten Leben verführen lässt, kommt es schließlich sogar so weit, das er mehr als einmal bereit ist Santiago zu ermorden um sich zu bereichern.

"Dein Haus ist zu unbescholten für mich."

Einzig Maria, seine Frau, tritt Santiago zunächst skeptisch gegenüber, erkennt ihn instinktiv als das was er ist, ein Bandit auf der Flucht nämlich. Bald schon aber wird ihr klar, das ihr Mann, das unbekannte Wesen, weit weniger wert ist als der Alte. Sie will sogar mit ihm fliehen. Doch Santiago gibt sich diesem Traum nur für einen kurzen Moment hin, handelt impulsiv nach seinen eigenen Wert- und Moralvorstellungen und sorgt dafür, das sich das Paar neu kennen und schätzen lernt. Am Ende opfert er sich gar für die beiden, weil er erkennt, das er keine Zukunft haben kann, während den beiden alles offen steht. So rät er ihnen, für ein besseres Leben in die Vereinigten Staaten zu gehen, die Heimat hinter sich zu lassen, in der sie doch nur arm bleiben würden.

"Dieses Land gehört Dir."

THE NAKED DAWN geht mühelos als klassischer Western der Fünfziger Jahre durch, spielt tatsächlich jedoch ganz zeitgemäß in der Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts, was man eigentlich erst bemerkt, wenn die Polizei mit modernem Automobil vorfährt. Dem Western-Feeling tut das keinen Abbruch, zu universell ist die Geschichte, die sich auch als Melodram lesen lässt. Wie sein Regisseur, führte auch leider der Film ein Schattendasein, lief er vor ca. zehn Jahren einmal im TV und es war lange keine DVD-Veröffentlichung weit und breit in Sicht. Bis jetzt. Man verzeihe mir die sehr ausführliche Ausbreitung der Handlung, ich gebe aber zu einige wichtige inhaltliche Begebenheiten für einen zukünftigen Filmgenuss ausgespart zu haben, so das durch die Lektüre dieses Textes das Filmvergnügen nicht komplett geschmälert werde.

Fazit: Ein kleiner großer Film von einem kleinen großen Regisseur, der es wert ist (neu) entdeckt zu werden.
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Santiago, der Verdammte
Santiago, der Verdammte von Edgar G. Ulmer (DVD - 2013)
EUR 15,99
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