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67 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Karl der Große. Sein Leben und seine Zeit
In wenigen Monaten, im Januar 2014, jährt sich der Todestag Karls des Großen zum tausendzweihundertsten Mal. Passend zu diesem Jubiläum hat der Mediävist Johannes Fried eine umfangreiche Biographie des Frankenkönigs und Kaisers vorgelegt. Als Biographie kann das Buch natürlich nur mit Einschränkung bezeichnet werden, was Fried in der...
Vor 10 Monaten von Irulan Corrino veröffentlicht

versus
30 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Mediavist verliert sich im Elfenbeinturm des Quellenstudiums und verliert dabei Karl den Großen
Was hatte Johannes Fried mit diesem Buch im Sinn? Hat er sich je den Geschichts-interessierten Leser vorgestellt, der sich anlässlich des Jubiläumsjahres 2014 der Person und der Bedeutung Karls des Großen annähern möchte. Meine Antwort lautet: NEIN! Schon der anfängliche Hinweis auf die nachvollziehbar schwierige Quellenlage (aller...
Vor 5 Monaten von Cornelia Riess veröffentlicht


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67 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Karl der Große. Sein Leben und seine Zeit, 30. September 2013
Von 
In wenigen Monaten, im Januar 2014, jährt sich der Todestag Karls des Großen zum tausendzweihundertsten Mal. Passend zu diesem Jubiläum hat der Mediävist Johannes Fried eine umfangreiche Biographie des Frankenkönigs und Kaisers vorgelegt. Als Biographie kann das Buch natürlich nur mit Einschränkung bezeichnet werden, was Fried in der Einleitung selbst klarstellt. Der zeitliche Abstand zwischen unserer heutigen Zeit und der Karolingerzeit ist viel zu groß, die Quellenlage ist viel zu dürftig, als dass sich über Karl den Großen eine Biographie im modernen Sinne schreiben ließe. Jeder Annäherung an Karl, den Erneuerer des westlichen Kaisertums, sind von vornherein enge Grenzen gesetzt. Karls Handeln als König und Kaiser, als Kriegsherr und Gesetzgeber, als Beschützer der Kirche und Förderer der Wissenschaften lässt sich einigermaßen gut rekonstruieren, aber Persönlichkeit und Individualität des Frankenherrschers gewinnen selbst bei Ausschöpfung aller verfügbaren Quellen nur vage Konturen. Dennoch gelingt es Fried, ein farbiges und aussagekräftiges Bild von Karls Leben und Herrschaft zu entwerfen. Fried begegnet seinem Protagonisten mit sichtlicher Sympathie. Er sieht in Karl eine singuläre Erscheinung unter den Herrschern des Frühmittelalters, einen unzweifelhaft großen König und Kaiser, auch wenn es letztlich rätselhaft bleibt, welche Talente und Fähigkeiten diese historische Größe ermöglichten.

Fried betont eingangs, wie fremd die Welt des 8. und 9. Jahrhunderts für heutige Betrachter ist. Er hat sich daher entschieden, Leben und Herrschaft Karls des Großen umfassend zu kontextualisieren. Die - aus heutiger Sicht "primitiv" und "barbarisch" anmutenden - politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Umstände, unter denen Karl aufwuchs und herrschte, werden eingehend beschrieben. Mitunter tut Fried dabei zu viel des Guten. Was zunächst paradox erscheinen mag, Karls jahrzehntelange Kriegsführung einerseits, seine Religiosität, seine Fürsorge für die Kirche und sein lebhaftes Interesse an den Wissenschaften andererseits, ist kein Widerspruch, wie Fried darlegt. Jeder Frankenkönig musste sich als erfolgreicher Heerführer bewähren, um seinem Königtum Dauer zu verleihen. Permanente Kriegführung, sei sie offensiv, sei sie defensiv, schweißte den König und die Adligen des Reiches zusammen. Kriegsbeute gehörte zu den wesentlichen Einnahmequellen, auf denen die Herrschaft des Königs und des Adels beruhte. Karl war aber nicht nur von roher Eroberungslust getrieben. Am Beispiel der Eroberung Sachsens zeigt sich, dass die Ausdehnung des Reiches stets auch dem Ziel diente, das Christentum zu verbreiten. Verbreitung und Pflege der christlichen Religion lassen sich als eines der wichtigsten Leitmotive von Karls langer Herrschaft ausmachen. Der König und Kaiser war ein streitbarer, leidenschaftlicher Christ, der sich der Aufgabe verschrieben hatte, Heiden zu bekehren, die reformbedürftigen innerkirchlichen Verhältnisse zu ordnen und das einfache Volk zu einem gottgefälligen Lebenswandel anzuleiten. Die Förderung, die Karl dem Bildungswesen und den Wissenschaften angedeihen ließ, war kein Selbstzweck, sondern diente dazu, das kirchliche und religiöse Leben auf eine solide intellektuelle Grundlage zu stellen. Die Begegnung mit dem antiken Erbe in Italien öffnete Karl die Augen dafür, wie "rückständig" die Franken waren, wieviel kultureller Nachholbedarf bestand.

Auch unter den Bedingungen des späten 8. und frühen 9. Jahrhunderts war so etwas wie planvolle Politik möglich. Eroberung neuer Gebiete, Sicherung der Grenzen, Ausbau der Lokalverwaltung, Gesetzgebung, Ordnung der kirchlichen Angelegenheiten, Heidenmission, Aufbau von Schulen und Bibliotheken - all das waren keine zusammenhanglosen Einzelmaßnahmen, sondern Bestandteile eines Gesamtwerkes, das noch heute Bewunderung hervorruft, auch wenn sich nicht mehr rekonstruieren lässt, wie Karl und seine Ratgeber ihre politischen Konzeptionen im Einzelnen entwickelten. Freilich entwirft Fried kein unrealistisches Bild von der Effizienz und vom Erfolg der Politik des Königs und Kaisers. Anspruch und Wirklichkeit, Absicht und Ergebnis gelangten nie zur Deckung, konnten nicht zur Deckung gelangen, weil die Infrastruktur des Riesenreiches unterentwickelt war und blieb. Als langfristig wirksame Leistung hebt Fried den von Karl eingeleiteten Aufschwung der Wissenschaften und die Bewahrung eines Teils des antiken Schrifttums hervor. Das Hochmittelalter erntete schließlich die Früchte, die Karl mit seiner "Karolingischen Renaissance" gesät hatte, mit der Wiederaneignung und erneuten Fruchtbarmachung antiken Wissens. Karls Reich selbst war hingegen nicht von Dauer; schon unter seinen Enkeln löste es sich auf. Es hätte eines zweiten Herrschers von Karls Format bedurft, um das Reich zusammenzuhalten. Unter den Nachkommen des Kaisers fand sich aber niemand mit diesem Format.

Fried präsentiert keine neuen Einsichten und Erkenntnisse. Er fasst souverän zusammen, was man heute über Karl den Großen wissen kann. In seinem Buch behandelt er alle Aspekte und Themen, die in einer Biographie Karls des Großen vorkommen müssen: Den Zwist mit dem jüngeren Bruder Karlmann; die Eroberung des Langobardenreiches; die Sachsenkriege; das enge Verhältnis zum Papsttum; Außenpolitik und Kontakte zur Welt jenseits des Frankenreiches; wirtschaftliche und institutionelle Grundlagen der Herrschaftsausübung; Gesetzgebung; Pflege von Bildung und Wissenschaften; die intensive Fürsorge für Kirche und Religion; den Ausbau Aachens zur Residenz. Karls Familienleben wird nur gestreift, da es fast völlig im Dunkeln liegt. Was die Annahme der Kaiserwürde angeht, so vertritt Fried den Standpunkt, dass Karl seit 797/798 auf den Kaisertitel hingearbeitet habe, um seine mittlerweile immense Machtfülle mit einen passenden Rang zu unterstreichen. Fried sieht in Karl die treibende Kraft bei der Erneuerung des westlichen Kaisertums, nicht in Papst Leo III., der den Frankenkönig zu Weihnachten 800 in Rom zum Kaiser krönte.

Fried ist ein Autor von profunder Gelehrsamkeit, und das merkt man dem Buch an, im Positiven wie im Negativen. In fast allen Kapiteln fällt eine ungezügelte Detailverliebtheit auf, die die Erzählung unnötig aufbläht und stellenweise langatmig wirken lässt. Das Buch ist zu lang und zu umfangreich. Ein mutiger Lektor hätte es um 100 bis 150 Seiten gekürzt. Eine Straffung hätte dem ganzen Text nur gut getan. Nicht jedem Leser wird es gefallen, am Ende auf dieses dürre Fazit zu stoßen: "Karls Leben verschließt sich uns" (S. 593). Sind wirklich 600 Seiten nötig, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen? Manchmal vergisst Fried, dass er (auch) für ein nichtakademisches Publikum schreibt. Laien werden mit Sätzen wie dem folgenden nicht viel anfangen können: "Beatus selbst focht gegen den Adoptianismus, zitierte aber ausgiebig (ohne ihn als solchen zu erkennen) den spätantiken donatistischen Häretiker Tyconius, dessen verlorener Kommentar weithin aus diesen Zitaten erschlossen werden kann" (S. 165). Hier hätte der Rotstift des Lektors eingreifen müssen. Mancherlei stilistische Missgriffe kommen hinzu, etwa die gehäufte, an einigen Stellen geradezu exzessive Verwendung von rhetorischen Fragen. Erklärungsbedürftig ist auch, warum das Buch üppig mit Abbildungen ausgestattet ist, Stammtafeln aber fehlen. Kaum ein Leser dürfte die Verwandtschaftsverhältnisse der Karolinger, der bayerischen Agilolfinger und der Langobardenkönige ohne Zuhilfenahme solcher Tafeln durchschauen.

Dessen ungeachtet ist zu wünschen, dass Frieds Buch über die ferne, fremde und faszinierende Welt Karls des Großen viele Leser findet.
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5.0 von 5 Sternen Karl der Grosse, 9. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein wirklich hervorragendes Buch. Jeden der ernsthaft an Deutscher/Europäischer Geschichte interssiert ist sollte es gelesen haben. Ihn sollte der unvermeidliche Umfang nicht schrecken!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gewalt und Glaube, 6. Oktober 2013
Im Januar 2014 jährt sich zum 1200mal der Todestag Karls des Großen. Anlass für Johannes Fried, zu diesem Anlass auch einen gewichtigen Teil seines eigenen Lebenswerkes vorzulegen. Der emeritierte Professor für mittelalterliche Geschichte geht auf den gut 630 Seiten des Buches (mit anschließende umfassenden Anhang) umfassend, fundiert und auf der Basis vielfacher Quellen (und Indizien und Analogieschlüssen) dieser Herrschergestalt des Mittelalters nach.

Chronologisch geordnet zeigt Fried dabei auf, wie Karl bereits im Heranwachsen durch die Atmosphäre der Zeit geprägt wurde, schon in dieser frühen Phase die Grundthemen seiner Herrschaft und seiner Ziele gelegt wurden. Das Christentum auszuweiten, den eigenen Einfluss zu verbreitern, das Reich zu sichern, den Wandel der Welt zu erfassen und darauf zu reagieren, immer über den eigenen „Tellerrand“ hinauszublicken und Verbindungen und Beziehungen in die gesamte damals bekannte Welt zu knüpfen. Verbindungen und Beziehungen, die zu vielfachen Wechselwirkungen des sich ausweiteten Frankenreiches gerade mit der orientalischen Welt führten, Ausweitungen, die Zeit seiner Herrschaft auch mit durchgehenden gewaltsamen Auseinandersetzungen einhergingen.

„Von seinem ersten bis zu seinem letzten Herrscherjahr zog er in den Krieg“, formuliert es der Klappentext des Buches. Ein historischer Fakt, eine „Grundhaltung der Zeit“, die bereits in den jungen Jahren Karls prägend im Raume stand, wie Fried dem Leser vor Auge führt.

Wie überhaupt Fried hohen Wert darauf legt, den historischen „Raum des Mittelalters“ in vielfachen Facetten zu beschreiben, um dem Leser diese (fremde) Welt möglichst umfassend nahe zu bringen. Notwendige Voraussetzung in den Augen Frieds, um die Person Karl des Großen einordnen und in seinem Handeln verstehen zu können.

„Schlachtgetümmel, wohin er sah; der Umwelt, in der Karl aufwuchs, konnte er nicht entrinnen“.
Ein prägendes Element, natürlich aber nicht eine unreflektierte Grundhaltung, die durch Karl monoton „einfach so“ weiter vollzogen worden wäre. Durchaus zielgerichtet hat Karl in seiner Herrschaft auch vielfache andere Instrumente strategischen Handelns eingesetzt, wie Fried ausführt, um sein Reich zu festigen, auszuweiten und die Erkenntnisse anderer Kulturen für „seine Welt“ zu nutzen und zu sichern. Wie hoch der Einfluss gerade des Orients und des Islam für das Frankenreich unter Karl dem Großem war, auch davon kündet Fried in dieser Biographie und zeigt auf, dass dieser Einfluss noch weit größer war, als gemeinhin bereits angenommen.

Zudem lässt Fried immer wieder auch die Persönlichkeit Karls mit lebendig werden.

„Von Askese war Karl weit entfernt. Erfrischende Sinnlichkeit durchzog sein Dasein“. Dennoch aber, die Glaubensausbreitung und die Erziehung des Volkes zum Glauben waren zeitlebens vorherrschende Ziele Karls. Auch die Gründe für diese klare Haltung und Ausrichtung setzt Fried bereits in der Prägung der jungen Jahre an.

„Gier, Machtkämpfe, Gewalt und Eidbruch regierten die Welt, in der Karl erzogen wurde. Er wuchs in einer agonalen Gesellschaft auf“.
Eine Welt, die Karl „zu verbessern“ gedachte und dabei in seinen frühen Herrschaftsjahren zeigte, dass er aus den Fehlern der „Familiengeschichte“ seine Schlüsse gezogen hatte. Ein schlagkräftiges Heer, ein energischer Zug zur inneren Einheit und eine kühle, unterbindende Haltung gegen alles, was nach Trug und Verrat roch festigten in wenigen Jahren das Reich und seine Herrschaft ebenso, wie die konsequente Begegnung gegen alle Gefahren von Außen.

Genauso gründlich (und teils mit Längen und unnötiger Breite) wie die jungen Jahre beschreibt Fried die Umwelt des Frankenreiches, die frühen Herrschaftsjahre des „Kriegskönigs“ und die Faszination und Reibung mit Byzanz, den später ausgeprägten „Schutz der Kirche“ und die „Stärkung des Glaubens“, die Installation eines „Bildungssystems“, die Erneuerung der Kaiserwürde und die dann, in der letzten Phase der Herrschaft Karls, „Ordnung des Imperiums“.

Auch wenn durchaus nicht selten Indizien die Grundlage für Frieds Einlassungen bilden, in sich schlüssig wirkt das Bild, dass er von Karl und seiner Herrschaft vermittelt. Umfassend und breit wirft er einen Blick auf die Welt Karls des Großen und vermittelt dem Leser damit einen weiten Eindruck von den vielfältigen Verbindungen, Einflüssen, Konkurrenzen und der darin erkennbaren sehr klaren Handlungsweise und Zielausrichtung Karl des Großen.

Eine historische Biographie, die Person und Zeit fundiert darstellt und keine wesentlichen Fragen offen lässt, die aber nicht immer einfach in ihrem ausschweifenden Stil zu lesen ist.
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30 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Mediavist verliert sich im Elfenbeinturm des Quellenstudiums und verliert dabei Karl den Großen, 9. Februar 2014
Was hatte Johannes Fried mit diesem Buch im Sinn? Hat er sich je den Geschichts-interessierten Leser vorgestellt, der sich anlässlich des Jubiläumsjahres 2014 der Person und der Bedeutung Karls des Großen annähern möchte. Meine Antwort lautet: NEIN! Schon der anfängliche Hinweis auf die nachvollziehbar schwierige Quellenlage (aller Mediavistik) ist hier als Warnruf zu verstehen; denn es folgt eine von unglaublicher Pedanterie, Redundanz und - ja - Langeweile gekennzeichnetes Werk von über 600 Seiten, das wohl ein Lebenswerk großer Gelehrsamkeit ist, mit Fleiß akribisch zusammentragend, was an Quellen zu erreichen, wiederzugeben und zu interpretieren ist. Doch eben hinter dieser Gelehrsamkeit wird Karl der Große nicht greifbar. Eher schon verliert ihn der Autor zwischen den Folianten und Münzen, auf die er sich stützt.
Schon die Struktur des Buches ist sicher eine Wurzel des Übels und belegt beim Lesen geradezu bedrückend, was hier nicht gelungen ist. Die immer wieder gleichen Quellen werden anhand der Themen und Fragestellungen der Einzelkapitel herangezogen. Nicht nur ist damit Redundanz geradezu vorprogrammiert. Durch die enge Verhaftung aber auf die Quellenlage wird die Zeit eben nicht lebendig, umso weniger die Person Karls. Was sagen uns heute Archäologen und ihre vielfältigen Hilfsdisziplinen, was sagen andere Richtungen der Geschichtswissenschaft zur Zeit, zu den Lebensverhältnissen Karls? Das alles, was uns das Leben in der damaligen Zeit begreifbar machen kann, fehlt. Stattdessen folgt jedes Kapitel immer wieder der gleichen, ermüdenden Struktur: Auflistung von Fragestellungen zur Einkreisung des Themas, Darstellung der Quellenlage, akribische Wiedergabe der Quelleninhalte. Die Buchstruktur hat aber auch zur Folge, dass wesentliche, mich jedenfalls interessierende Lebensphasen und Ereignisse im Leben der Person und des Herrschers Karl zwar mehrmals erwähnt, nie aber mit dem Ziel einer biographischen Darstellung als Episoden beschrieben werden. Wie muss man sich denn nun die Sachsenkriege und eine Imensul vorstellen? Was war denn nun mit Tassilo von Baiern? Wie hat Karl der Große agiert, als sich sein Sohn Pippin gegen ihn stellte? Diese Themen werden zwar immer wieder erwähnt, jedoch nie jenseits des Quellenbezugs oder an einer Stelle abschließend. Wer sich erhofft, altes Schulwissen wieder aufzufrischen, wird bitter enttäuscht. Wer die unterschiedlichen Stränge des Lebens und Lebenswerks Karls der Großen verstehen will, ebenso.

Und was bleibt? Bei mir geradezu ein Groll gegen die Admonitio generalis und Kapitularien, die in unglaublicher Präzision wiederholtestens widergegeben werden. Doch damit nicht genug. Denn es paaren sich diese länglichsten Zitate mit einer Fülle völlig veralteter Begrifflichkeiten und Fachwörter, die keineswegs dem auch durchaus gebildeten Sprachschatz angehören.
Beispiel 1: Warum gebraucht der Autor den Begriff der "Brünne"? Wahrscheinlich um dem Leser mit dem Begriff der "Rüstung" nicht das Bild der hochmittelalterlichen Ritter zu suggerieren. Doch eine Definition des Begriffs ebenso wie die Begründung seiner durchgängigen Nutzung fehlt. Und typisch für dieses Buch: Weil eine "Brünne" nun nicht in Folianten zu finden ist, vergisst der Autor die Geschichte dahinter: Wie wurde es hergestellt? Gab es Kontakt zu Schmieden im islamischen Raum? Woher kam das Erz? Beispiel 2: Die Prosyknese, ein Wort, das nicht einmal im Duden-Fremdwörterbuch gelistet ist. Es ist diesem Autor im Elfenbeinturm der Gelehrsamkeit wohl gar nicht aufgefallen, dass es durchaus spannend und Lesebilder evozierend sein kann, die unterschiedlichen Grußformen für Herrscher der damaligen Zeit darzustellen.
Genug dieser Beispiele. Mein klarer Ratschlag: Nicht kaufen, sondern abwarten, bis andere Verlagshäuser Lesbares hervorbringen. Und nicht an andere verschenken, deren Freundschaft man sich erhalten will. Für jeden Mediavisten: Das eine Buch mit allen Quellen!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ist er der Gründer Europas?, 17. September 2013
Von 
Jouvancourt (Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
*

Zum 1200. Todestag von Kaiser Karl dem Großen hat der Frankfurter Professor Johannes Fried, einer der größten Experten des Mittelalters, ein Monumentalwerk zu Karl dem Großen geschrieben. Der Beck Verlag in München, als renommierter Geschichtsverlag bekannt, hat es herausgebracht.

Karl I. oder "der Große" wie er auch schon vor der Kaiserwürde genannt worden ist, war einer der wichtigsten Herrscher des Germanischen Reiches und "Vater Europas" nach dem Verfall des römischen Reiches. Seine Geburt wird auf den April 747 oder 748 gelegt, der Geburtsort liegt allerdings völlig im Dunkeln. Seit Jahrhunderten nehmen an die 20 Orte diese Ehre in Anspruch, wobei der wahrscheinlichste Geburtsort im Würmtal vor den Toren des heutigen Münchens liegt. Eine kleine Mühle ist es, in der die Wiege des Kaisers gestanden haben soll. Seine umfassende Bildung lässt allerdings auf eine ausgezeichnete lateinische Erziehung schliessen, man vermutet hier das Kloster in St-Denis/Frankreich. Beide Länder, Deutschland und Frankreich, führen ihr kulturelles Erwachen auf die Zeit von Karl I. zurück.

Johannes Fried untersucht in seinem beeindruckenden Werk die zahlreichen Schriften und Überlieferungen, die aus dem Erwachsenenleben des Kaisers bekannt sind und kommt oft zu überraschenden neuen Denkansätzen und Schlüssen. Wollte Karl i. im Jahr 800 wirklich nicht zum Kaiser gekrönt werden, wie er behauptete? Wie sahen die politischen Machtverhältnisse in dieser Zeit aus? Fried beweist, dass ohne den Willen von Karl I. nichts, aber auch gar nichts in Rom geschehen konnte! Er war vor seiner Krönung als Augustus und Kaiser bereits der Alleinherrscher. Auch der Anspruch Karls des Großen als Urheber des heutigen Europas kann nicht gelten, führt der Autor aus. Denn hier sei mühsam ein Mythos aufgebaut worden. Das Europa der damaligen Zeit war nur ein geografischer Begriff, niemals ein politischer. Karl herrschte über das Frankenreich, gewissermassen das heutige Zentraleuropa. Vom Ebro bis zur Schlei und der Elbe, vom Ärmelkanal bis zur Adria.

Karl der Große hat wesentlich dazu beigetragen, dass der kulturelle Niedergang, der als Folge der Völkerwanderung, des Untergangs des Weströmischen Reiches und der im Frühen Christentum zu beobachtenden bildungsfeindlichen Tendenzen in weiten Teilen Europas eingetreten war, aufgehalten und umgekehrt wurde. Die Eroberung großer Teile Europas eröffnete Karl die Möglichkeit, auf der Grundlage der lateinischen Sprache und Schriftkultur, der antiken Überlieferung und des Christentums eine kulturelle Überformung des gesamten Reiches herbeizuführen, die bis heute nachwirkt und die Entwicklung Europas anders als etwa Asiens oder Afrikas zu einem bei allen regionalen Unterschieden vergleichsweise einheitlichen Kulturraum in die Wege geleitet hat. Auch Gebiete, die nie zum römischen Reich gehört hatten und keinen Anteil an der antiken Stadtkultur besaßen wie weite Teile des heutigen Deutschland, wurden von dieser kulturellen Bewegung erfasst, deren wichtigste Träger die vom Herrscher aktiv geförderten Klosterschulen waren.

Dieses Geschichtswerk sucht seinesgleichen und ist heute die umfassenste Biografie des mächtigsten Kaisers des Mittelalters. Fried versteht es, dieses Thema sehr detailreich, anschaulich und spannend zu präsentieren. Beeindruckend!!!

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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Gewalt des Glaubens, 29. März 2014
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
"Eine objektive Darstellung des großen Karolingers ist schlechterdings nicht möglich."
(Prof. em. Dr. Dr. h.c. Johannes Fried)

Nach der von Fried mit herausgegebenen Aufsatzsammlung "Die Welt des Mittelalters: Erinnerungsorte eines Jahrtausends" war timediver® 2012 ein weiteres Mal auf den Autor aufmerksam geworden, als dieser in der (von ihm selbst vier Jahre zuvor ausgelösten) Kontroverse um seine Neudeutung des "Gangs nach Canossa" erneut Stellung nahm. Als einen der ersten "historischen Romane" hatte ich bereits 1994 das von Anachronismen nur so strotzende "Karl der Grosse: Der Roman seines Lebens" von Thomas R. P. Mielke gelesen, dem fünf Jahre später dann die inhaltlich zwar gelungenere, jedoch zäher zu lesende Romanbiographie "Karl Martell - Der erste Karolinger" als Lektüre folgend sollte. Die Besuche von Stätten karolingischem Wirkens und Erinnerungsorten, wie der Basilique de Saint-Denis, der Basilica Papale di San Pietro in Vaticano, dem Kloster Lorsch, der Basilika St. Marcellinus und Petrus und nicht zuletzt des Oktogons in der ehemaligen Pfalzkapelle des heutigen Aachener Münsters boten mir immer wieder einen Anlass, um mich erneut mit der Thematik auseinanderzusetzen....

....wie auch das Datum 28. Januar 2014, an dem sich der Todestag des ersten "abendländischen" Kaisers Carolus, der aufgrund seiner ambivalenten Leistungen nicht nur den Beinamen "Magnus" erhielt, sondern im Jahre 1165 auch noch heiliggesprochen wurde, zum 1200. Mal jährte. Im Vorfeld der vom 21. Juni bis zum 21.09.2014 avisierten Aachener Ausstellungstrilogie (Karls Kunst - Orte der Macht - Verlorene Schätze) ist timediver® auch auf Johannes Frieds 736seitiges Werk aufmerksam geworden, welches vom Münchner Verlag C.H.Beck als „Eine Biographie“ apostrophiert wurde. Mein Interesse hatte insbesondere der Untertitel "Gewalt und Glaube" erweckt.

Ein Blick auf die abschließenden Materialien, zu denen 92 Seiten mit Anmerkungen und ein 13seitiges Verzeichnis benutzter Editionen und Literaturtitel ist eine Bestätigung des wissenschaftlichen Anspruch, den der Autor mit seinem Buch erhebt. Demgegenüber führt jedoch Frieds Vorwort zu Irritationen, wenn er schreibt, dass sein Buch zwar kein Roman, aber dennoch eine Fiktion sei. Da die Tiefe des Lebens eines Menschen der vor 1200 Jahren gelebt und gewirkt heute nicht mehr ausgelotet werden könne, sei [ihm als Autor] nur die eigene Imagination geblieben. Hierbei muss er auch einräumen, dass er sein Bild Karls, trotz der gebührenden Heranziehung überlieferter Quellen, subjektiv geformt und gefärbt habe. Etwaigen Kritikern hält Fried bereits an dieser Stelle entgegen, dass auch ihr Bild nicht minder subjektiv und fragmentarisch sein könne....

....dieser, im Eingangszitat kumulierenden Apologetik muss jedoch dahingehend widersprochen werden, dass eine differenziertere Präsentation durchaus möglich. Seine Darstellung als ein "leidenschaftlich Christ", dessen Handeln alleine auf der Sorge um die Kirche beruhte, stellt eine Eloge im Stile der "Vita Karoli Magni" dar, welche bereits im 9. Jahrhundert vom getreuen Hofbiographen Einhard als literarisches Kunstwerk der mittellateinischen Literatur verfasst wurde. Tatsächlich nutze der heute als „Vater Europas“ verklärte Analphabet Karl alle Möglichkeiten, um der Welt seinen Willen aufzuzwingen. Ansatzpunkte zur Kritik ergeben sich nicht aus der heutigen Sicht, sondern bereits aus der des späten 8. und frühen 9. Jahrhunderts. Eroberungs- und Raubzüge, genauso wie "karolingische Renovatio" in Bildung, Gelehrsamkeit und Kirchenreform, die ihm die Rechtfertigung und Belohnung durch ein Papsttum einbrachte, welches letztendlich durch diese frühe Form eines "Joint Venture" weitaus nachhaltiger von seinen Taten profitieren sollte. (Bereits der Merowinger Chlodwig und insbesondere Karls Vater Pippin III. hatten zuvor bereits erkannt, wie lohnend eine Instrumentalisierung des Katholizismus für die eigenen Interessen sein kann.) Die Kirchenfürsten übten auch ein Nachsehen, dass es Karl mit der christlichen Nächstenliebe, insbesondere zu seinen nahen Verwandten und dem Gebot der Monogamie nicht allzu genau nahm. Müßig hingegen ist die Diskussion darüber, ob Karl selbst auf die Erlangung der Kaiserwürde hingearbeitet hatte oder ob Leo III. als spiritus rector dahinter stand, denn beide profitierten davon.

Es ist nicht verwunderlich, dass Frieds Erzählung mit dem "Idealbild Karls des Großen", welches Albrecht Dürer im Jahre 1512 gemalt hatte, seinen Abschluss findet. Denn unrealistischer könnte eine Darstellung mit den "Reichsinsignien" welche erst zwei Jahrhunderte später von den Ottonen im "regnum francorum orientalium" hervorgebracht werden sollten, nicht sein. Die im vorderen und hinteren Vorsatz des Buches abgebildeten Karten ("Karls Reich" und "Die Mittelmeerwelt" sind recht detailreich. Insgesamt 60 schwarzweiße Abbildung bieten eine Visualisierung lassen jedoch eine Stammtafel Karls und seiner Verwandten, insbesondere seines von ihm geschassten Cousins Tassilo III. vermissen.

3 Amazonsterne für eine Darstellung, die Gewalt und Glauben nebeneinander stellt, gleichwohl für Karl den Großen der Glaube lediglich ein, wenn auch das wichtigste, Gewaltmittel darstellte, welches bis heute zur Legitimierung sogenannter "Heiliger Kriege" und anderer Verbrechen herangezogen wird.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standardwerk, 16. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Karlsbiographie – die eigentlich keine ist – von Johannes Fried ist ein echtes Leseereignis. Warum ist es keine Biographie im eigentlichen Sinne? Weil Fried gleich zu Beginn klarstellt, dass man sich der Person Karls wenn dann nur auf fiktionaler Ebene nähern kann, da Zeugnisse seiner Selbst annähernd nicht überliefert sind. Aussagen über das Denken und Fühlen des großen Karls sind also nur auf dem Umweg über die sonstigen Quellen und damit bestenFalls indirekt möglich.

Fried folgt Karl nicht chronologisch, sondern in Kapiteln zu bestimmten Fragen, wie Kirche, Wirtschaft, Krieg, Hof, Kultur und gegenwärtiger Bedeutung. Dabei gelangt er zu der Erkenntnis, dass Karl vor allem ein Getriebener war, der alles richtig machen und den Menschen unter seiner Herrschaft Frieden und Auskommen sichern wollte. Nicht zu trennen sind alle seine Regierungshandlungen von seinem tiefen Verwurzeltsein im christlichen Glauben, so, wie man ihn seinerzeit verstand. So sah er sich als den vor Gott letztendlich für das gesamte Frankenreich Verantwortlichen, der auch die Taten seiner Untertanen würde rechtfertigen müssen. Ausdruck findet das u.a. in seinem Bemühen um die Kontrolle über die Kirche und seine Sorge um die rechte Lehre, denn nach dem Urteil seiner Zeit, war das Heil der Menschen im Diesseits wie im Jenseits auch von der korrekten Ausübung des Ritus sowie der Tradition der ursprüglichen Leere in erheblichem Maß abhängig. Somit beanspruchte er die alleinige Leitung von Reich und Kirche, wobei die Päpste zwar in hoher Würde standen, sich letztlich aber seiner Weisung fügen sollten.

Den Weg hin zur korrekten Lehre, zum vorgeschriebenen Ritus und zur effizienten und gerechten Führung des Reiches sah er in der seit der Antike vernachlässigten Wissenschaft und Bildung, die er aus diesem Grund förderte, wo immer er konnte und gleichzeitig das Kopieren von Büchern und Schriften in den Klöstern forcieren und Schulen nicht nur für angehende Kleriker einrichten ließ.

Auch die hohe Zahl an Kapitularien, die das Leben der Menschen regeln und vor allem für Gerechtigkeit und Frieden sorgen sollten, sind vor diesem Hintergrund zu sehen. Die Tatsache aber, dass immer wieder neue Kapitularien erlassen werden mussten, belegt, dass es mit der praktischen Umsetzung derselben eher haperte. Karls Versuch die Durchsetzung seiner Gesetze – wobei auch Stammesrechte berücksichtigt wurden – durch Grafen, die darüber in ihren Grafschaften wachen sollten und deren Kontrolle durch die „Missi“, zu gewährleisten, waren ebenso nur von minderem Erfolg. Dies vor allem, weil sich der Adel nur unzureichend an die neuen Gesetzte gebunden sah, statt dessen immer noch Familienstrukturen und –Interessen im Fordergrund standen.

Besonders dem alternden Kaiser sind diese Mängel immer wieder bewusst geworden, da sich die Zahl der Kapitularien gegen Ende von Karls Herrschaft enorm angewachsen ist. Selbst sein Versuch seine Nachfolge verbindlich zu regeln misslang, da sich Karls Sohn Ludwig, nicht an die auf Verlangen seines Vaters geleisteten Eide hielt. Karl hatte als Erben des Königreichs Italien seinen Enkel Bernhard vorgesehen, der dort seit dem Ableben seines Vaters geherrscht hatte. Dessen Herrschaft zu respektieren und unangetastet zu lassen, hatte Ludwig schwören müssen. Aber bereits kurz nach 814 setzte Ludwig seinen Neffen ab, ließ ihn blenden und in ein Kloster internieren. Genau das hatte Karl verhindern wollen, obwohl er selber bei der Beseitigung seiner Neffen am Beginn seiner Herrschaft nicht weniger zimperlich gewesen war.

Und so stellt Fried Karl den Großen – kurz gesagt - als einen Mann mit tiefem Glauben dar, der sich selbst in der obersten Verantwortung nicht nur für sein eigenen Tun sondern auch für das aller seiner Untertanen sah, der aber weder seinen Anspruch auf absolute Herrschaft über Kirche und Reich, noch seine dazu erlassenen Gesetzte nachhaltig durchsetzen konnte und somit schlussendlich als ein Gescheiterter gesehen werden müsse.

Frieds Buch ist von mitreißender Sprachgewalt, nicht nur inhaltlich ein Meilenstein, sondern auch literarisch gelungen. Die Quellen werden ausführlich gewürdigt, ohne dabei jedoch in den rein wissenschaftlichen Gestus zu verfallen, oder gar langweilig zu werden. Der Überblick, den man so über die dichte Quellenlage gewinnt, ist also ohne große Mühe erreicht, was in vielen anderen Werken nicht möglich ist. Ausführliche Anmerkungen und Nachweise aus Quellen und Literatur runden das Buch ab. Somit darf es wohl als ein kommendes Standardwerk zum Thema für viele Jahre gesehen werden.
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36 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schwere Kost und zuviel Spekulatives, 4. Oktober 2013
"Das folgende Buch ist kein Roman, dennoch eine Fiktion", schreibt der Autor Fried in sein Vorwort. Und weiter: "Es ist subjektiv geformt und gefärbt....". Und im Kapitel "Das Maß seiner Seele" schreibt Fried weiter: "Wir wissen kaum, wann und wo er geboren, wie erzogen wurde....wir kennen nur Taten, die ihm zugeschrieben wurden oder er sich zuschreiben ließ, aber die lebensentscheidenden Prägungen der Seele bleiben verhüllt und verborgen".

Es ist nicht Frieds Schuld, das Problem haben alle Mediavisten: Das Mittelalter und seine Protagonisten bleibt seltsam abstrakt, außer man sieht sich einen dieser unseligen modernen Historienfilme an (wie zum Beispiel "Die Deutschen" oder den neuen Dreiteiler "Karl der Grosse").
Es bringt mir nichts, zu wissen, mit wem Karl gerade verheiratet ist, wo er eine Schlacht geschlagen hat, wann er nach Rom reitet. Niemand, auch Fried nicht, kann heute die Fragen nach dem Warum und Wieso beantworten.

Meine Rezension dieses Buches ist subjektiv, nach meinen Vorlieben und Bedürfnissen geschrieben. Da ich das Buch nach nicht mal 50 Seiten Lektüre aus der Hand gelegt habe, kann ich nicht mehr als 2 Sterne vergeben. Es gibt zahlreiche andere Bücher, für die ich mir Zeit nehmen möchte.

Aber ich habe auch mit Fried selber ein Problem. Fried hat den Sigmund Freud Preis für wissenschaftlicher Prosa erhalten. Ich schließe mich trotzdem einer Amazon-Rezension an, die man über Frieds Werk "Das Mittelalter: Geschichte und Kultur" findet. Sein Stil sei "verschraubt und schlicht ungenießbar und für den interessierten Durchschnittsleser ungeeignet". Ich komme mit Frieds Büchern auch nicht klar, aber das liegt sicher an mir, man muss sich eben anstrengen.

Ich habe mir daher von der Journalistin Karin Schneider Ferber, Karl der Große, Theiss Verlag 2013, ein anschaulicheres, kürzeres, aber für mich auch fassbareres Bild von diesem Kaiser und seiner Zeit besorgt. 192 Seiten mit 120 Abbildungen sind leichter verdaulich als 736 Seiten Fried.

Zur Versöhnung: Frieds Wissen ist atemberaubend. Möglicherweise gibt es weltweit niemand, der Dokumente, Fresken, Inschriften, usw, so kennt wie er. Und er hat Fantasie, er kann die Lücken in den Quellen plausibel überbrücken. Hier liegt wohl die derzeit beste Karl-Biografie vor.
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2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindrucksvoll, 21. Februar 2014
Aus den spärlichen Quellen, die Karl selbst betreffen, und umfassender Kenntnis anderer Dokumente entwickelt Fried ein gewaltiges Panorama der Epoche. Er läßt seinen Leser keinen Augenblick im Zweifel, was belegt und was nur erschlossen ist. Natürlich ist es nur eine mögliche Sicht, aber der Verfasser verschweigt das auch nicht. Das Buch ist nichts für oberflächliche Lektüre, es ist aber durchweg gut lesbar geschrieben. So versinkt man auf ebenso unterhaltsame wie belehrende Weise in eine Welt, die uns fern und fremd ist und doch zu den Voraussetzungen der Gegenwart gehört.
Besonders zu loben ist der Verlag, weil er das Werk nicht in die lästige "reformierte" Rechtschreibung umgesetzt hat, sondern bei der leserfreundlichen klassischen Orthographie geblieben ist!
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1 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen anspruchsvolles Buch, 29. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Karl der Große: Gewalt und Glaube (Kindle Edition)
ist aktuell in den Medien. Hat mich einfach interessiert.
Ist die Entstehungsgeschichte von Frankreich und Deutschland
Basis für die späteren Nationalstaaten
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Karl der Große: Gewalt und Glaube
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