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am 24. Februar 2014
Das Buch zeichnet eine in Inhalt und Form bestechend und übersichtlich präsentierte Faktenfülle der Biologie aus; man ist als Leser sofort positiv eingenommen.
Mit zunehmender Beschäftigung wird aber ein zweites Anliegen des Autors deutlich: Der Versuch der Abgrenzung der Biologie von den anderen Naturwissenschaften einerseits, die Begründung seines philosophisch geprägten Weltbildes andererseits, das er mit seiner Sicht der Fakten zu hinterlegen versucht.
Penzlin geht dabei von Descartes Dualismus aus, wobei er die res cogitans – das Mentale – offiziell (aber nicht wirklich) ausklammert und sich auf die res extensa als Gegenstand seiner Untersuchungen konzentriert.
Im Übrigen begibt sich der Autor als Dualist auf eine Gratwanderung zwischen der klassischen Philosophie, die er reichlich zitiert, und visionären Naturwissenschaftlern, die er immer wieder in die Schranken zu weisen sucht; dazu gehören insbesondere reduktionistische Ansätze in Bezug auf Bewusstsein oder „Geist“.
Der Autor reklamiert den Begriff „Evolution“ exklusiv für die Biologie, obwohl auch in anderen Gebieten – wie in der Kultur - analoge Mechanismen zu beobachten sind und auch diese Prozesse mit guten Gründen als Evolution bezeichnet werden können. Ebenso wird die Deutungshoheit der Biologie für den Begriff „Leben“ vehement verteidigt, obwohl andere Wissenschaften – man denke nur an die Medizin oder die Neurowissenschaften – neben bzw. zusammen mit der Biologie wesentliche Beiträge leisten.
Das führt im Detail fast zwangsläufig zu Positionen, die nicht jeder zu teilen bereit ist.
Gelegentlich drängt sich sogar der Eindruck auf, als beschreibe der Autor die Situation einer Konzeption, wie sie am Ende einer Entwicklung für einen bevorstehenden Paradigmenwechsel typisch zu sein scheint: Das Interesse der (Natur-) Wissenschaften wendet sich von der klassischen Biologie und seiner relativ „langsamen“ Evolution ab und neuen Entwicklungen wie der synthetischen Biologie, den Neurowissenschaften oder anderen interdisziplinären Wissenschaften zu.
Zu einer solchen Entwicklung passen Abgrenzungen, wie sie von Penzlin immer wieder vorgenommen werden, ganz und gar nicht.
Mein Fazit: Ein tolles, sehr empfehlenswertes Buch, das zum Denken anregt und aus dem man eine Menge lernen kann. Man muss aber bei den Interpretationen des Autors vorsichtig sein, sich eine eigene Meinung bilden, indem man gelegentlich die zitierten Stellen nach schlägt, um die Unterschiede in den Aussagen hier wie dort festzustellen.
Man sollte also über den Tellerrand schauen und gelegentlich den Text sogar gegen die Intentionen des Autors lesen, dann lohnt sich die Anschaffung dieses Buches wirklich.
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am 18. Januar 2015
In anderen Rezensionen stand, dieses Buch sei „leicht zu lesen“, oder gar „geistreich geschrieben“. Das ist nicht meine Erfahrung. Alle, die nicht Biologie oder Medizin studiert haben (oder noch studieren) werden an diesem Buch keine große Freude haben. Denn der größte Teil des Textes könnte auch aus einem x-beliebigen Physiologie-Lehrbuch stammen (und zwar eins von der trockenen Sorte!). Da geht es dann seitenweise um Details der „Intrazellulären Signalkaskaden“, um „allosterische Enzyme“, „freie Aktivierungsenthalpie“ oder die „Fettsäure-Biosynthese“ , und so weiter...

Die „Theorie der Biologie“, um die es im Buch laut Untertitel eigentlich gehen sollte, hat mich nicht nur von der Quantität, sondern auch von der Qualität etwas enttäuscht.

Das zentrale Anliegen des Autors ist überdeutlich: die Biologie als eigenständige Wissenschaft zu etablieren, und um sie herum „Brandmauern“ gegen die Gefahr des Reduktionismus zu errichten.
Das ist an sich ein löbliches Unterfangen, doch schießt er meines Erachtens hier übers Ziel hinaus, etwa wenn er immer und immer wieder betont, wie groß der Graben zwischen dem Lebenden und dem Unbelebten ist.

Was ist „Leben“ für ihn? Er gibt keine Definition, wohl wissend, dass alle Definitionen, die in der Geschichte der Disziplin gegeben wurden, sich dann als entweder zu eng oder zu weit entpuppten. „Leben“ ist für ihn nicht eine Sache, sondern eine Eigenschaft von Systemen, die aufgrund ihrer internen Organisation in der Lage sind, sich selbsttätig zu erhalten und zu reproduzieren. (An dieser Stelle habe ich mich gefragt, ob ein schwerbehinderter Mensch, der nicht in der Lage ist, sich selbsttätig zu erhalten, geschweige denn sich fortzupflanzen, eigentlich noch ein „richtiges“ Lebewesen ist? Oder der Kulturmais, der sich ohne unsere Hilfe auch nicht fortpflanzen kann: ist das vollwertiges Leben?)

Viren sind für Penzlin auch nicht lebendig, weil sie keinen Metabolismus haben und sich nicht selbsttätig fortpflanzen können. Andere Forscher sind da nicht so pingelig. Gerald Joyce etwa sagt „If something is able to undergo Darwinian evolution, it's alive.“ (eine Position, die auch von den Forschern der NASA geteilt wird. Wer nach Leben im Universum sucht, der sollte die Messlatte nicht zu hoch hängen).

Das ist das Leitmotiv des Buches: Der Graben, der das Lebendige vom Leblosen trennt. Sehr deutlich wird dies im Kapitel über die Evolution und den Ursprung des Lebens. Hier stellt der Autor nach und nach die gängigen Theorien vor, nur um dann abschließend festzuhalten: „Es gibt nur ein 'lebendig' oder 'nicht lebendig' aber kein 'mehr oder weniger lebendig', kein 'nahezu, aber nicht ganz lebendig'“ (s.130)
Er fügt dann noch hinzu, dass wir uns diese Übergangsformen gar nicht vorstellen könnten!.

An diesem Punkt wird in meinen Augen klar, dass an dem Konzept etwas nicht stimmen kann. Das wäre so, als wenn ein Linguist sagen würde: Die menschliche Sprache mit ihrer komplexen Syntax, Semantik und Pragmatik ist etwas ganz Eigenes und Einzigartiges, und es ist unvorstellbar, dass sie sich aus irgendwelchen tierischen Lauten und Gesten entwickelt haben könnte.
Für die Sprache wie für das Leben gilt: beide haben sich nun einmal, ob wir es uns vorstellen können oder nicht, aus Früherem entwickelt, auch wenn diese Übergangsformen heute nicht mehr existieren. Die Wissenschaft sollte an dieser Stelle nicht kapitulieren und wie Penzlin den „Hiatus“ (= Abgrund, Graben) betonen, sondern die Brücke suchen, die einmal über diesen „Abgrund“ führte (als es eben noch Abgrund war).

Denn so, wie Penzlin es hinstellt, grenzt die Entstehung des Lebendigen aus Leblosem schlicht an ein Wunder. Es sollte mich nicht wundern, wenn Kreationisten in ihren Büchern mit großem Genuss Stellen wie die folgende zitieren werden: „Der Graben zwischen Leben und Nichtleben ist mit den Fortschritten in Zytologie, Mikrobiologie, Biochemie und Molekularbiologie keineswegs flacher, eher tiefer geworden.“ (S.131) - Als Unterstützer für diese Position zitiert Penzlin dann noch Jacques Monod, der 1973 starb, also lange vor den modernen Theorien über die ersten Gehversuche des Lebens im porösen Gestein der „black smokers“.

Penzlin hat in seinem Bemühen, die Biologie „rein“ zu halten und sie gegen „Übernahmeversuche“ seitens der sog. Reduktionisten zu verteidigen, das Leben soweit von der restlichen Welt isoliert, dass es – zumindest für unbefangene Leser - wie von einer anderen Dimension erscheint. Konsequenterweise besteht er auch darauf, dass „Evolution“ nur in der Biologie vorkomme, und nicht im Universum, oder in der Kultur. Die Argumente, die er dafür präsentiert, sind altbacken, und können Leute, die mit Konzepten wie der Verallgemeinerten Evolutionstheorie vertraut sind, nicht beeindrucken (mit solchen Theorien hat der Autor sich übrigens nie befasst).
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am 2. Dezember 2013
Das Buch „Das Phänomen Leben“ kann ich bedenkenlos weiter empfehlen. Mir hat es viel Spaß und Freude bereitet dieses Buch zu lesen. Es ist verständlich geschrieben und somit leicht zu lesen. Wenn man ein gewisses Vorwissen mitbringt, dann fallen einem die Verknüpfungen der einzelnen Themenkomplexe nicht schwer. Somit ist dieses Buch für jeden Biologieinteressierten das Richtige.
Genauso gut eignet es für die Studenten, die sich immer Fragen wie man die verschiedenen Module miteinander verknüpfen kann – Dieses Buch ist ein super Beispiel.
Dieses Buch hat mir geholfen die Gebiete wie zum Beispiel Genetik und Ökologie zu einem definierten Thema noch mehr miteinander zu verknüpfen.
Der Kauf und das Lesen lohnen sich!
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am 13. Februar 2015
Den Autor ist es gelungen, die Besonderheiten des Lebens und der das Leben beschreibenden Wissenschaft, der Biologie, deutlich herauszuarbeiten. Wissenschaft besteht im Wesentlichen aus einen System von Modellen, welche die Realität möglichst exakt nachbilden sollen. Unerlässlich hierfür ist eine verlässliche Begriffsbildung. Die Begriffe Leben und Evolution gehören zu den für die Biologie wichtigsten Begriffen. Die Erweiterung ihrer Anwendung, lediglich gestützt auf oberflächliche Ähnlichkeiten mit Phänomenen außerhalb des Forschungsbereiches der Biologie, macht eine wissenschaftliche Verwendung dieser Begriffe schwierig bis unmöglich und behindert so wissenschaftliche Erkenntnis.
Gleichermaßen wichtig ist es auch, die übergeordnete Stellung der Philosophie gegenüber den Wissenschaften herauszuarbeiten. Sie ist als Erkenntnistheorie unverzichtbar für jede Art der Forschung. Die Spielarten des Naturalismus werden in diesen Zusammenhang m.E. zu Recht durch Heinz Penzlin als unzulänglicher Philosophieersatz kritisiert.
Nicht überzeugt hat mich der Autor allerdings mit seiner Kritik des Prinzips der Höherentwicklung (S.19). Der bisher rekonstruierte Stammbaum der Lebewesen zeigt, dass es zum aufeinander aufbauenden Erscheinen der ersten Zellen, der ersten Eukaryotenzellen, der ersten Mehrzeller mit verschiedenen Zelltypen bis zu den heute aus Organsystemen aufgebauten größeren Tieren keine Alternative gibt, weil Komplexeres nun einmal phylo- und ontogenetisch nur aus Einfacheren entstehen kann. Jede einzelne Art kann natürlich auch eine reduktive Evolution erfahren, aber das Gesamtbild zeigt den Fortschritt der Gesamtdiversität, den auch eine leider jederzeit mögliche, weltumspannende Katastrophe nicht würde ändern können, denn bliebe Leben übrig, würde dieselbe Tendenz unweigerlich zutage treten.
Auch mit einer „durchgängigen Zweckmäßigkeit der Formen und Funktionen“ der Organismen bin ich nicht einverstanden (S.23). Penzlin widerspricht sich hier selbst, da er auch Nutzloses in der lebendigen Natur findet. Vielleicht liegt die Lösung dieses Problem darin, anzuerkennen, dass die Evolutionsfaktoren Mutation, Drift und Selektion nur zusammen die Gestalt der Lebewesen bestimmen. Selektion spielt dabei eine besondere, aber eben nicht als dominierend zu quantifizierende Rolle. Auch den von Penzlin unterstützten Begriff der Teleonomie (S.27) finde ich nicht hilfreich, denn ein Ziel setzt die Vorstellung eines solchen voraus, also erfordert es auch eine Absicht. Selektion aber hat, ebenso wie die DNA (S.29), kein Ziel (was Penzlin auf S.112 ausdrücklich bestätigt), es ist mit Goethes Mephisto die stets verneinende Kraft, die nur auf diese Weise die Lebensfähigkeit der Organismen ermöglicht und erhält.
Zustimmen würde ich dagegen Penzlins Darstellungen zu Viren, zum Artbegriff sowie zur Verwendung des Begriffes Darwinismus. Letzteres nicht so sehr wegen des ideologischen Beigeschmacks von –ismen, sondern wegen der Weiterentwicklung der Evolutionsbiologie seit Darwin.
Das zehnte Kapitel „Autonomie“ scheint mir dagegen ein wenig unscharf formuliert. Hier befürwortet Heinz Penzlin zwar Wissenschaft und Weltanschauung, mir wird aber nicht klar, wie genau er diese definiert. Er hält unterschiedliche Weltbilder für kompatibel mit der Realität. Für ihn ist der Gedanke einer wissenschaftlichen und daher einzigen mit der Außenwelt kompatiblen Weltanschauung nicht akzeptabel, weil er sie scheinbar als inhaltlich feststehend und absolut sieht (S.416). Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, denn die Anerkennung einer evolutionären Entstehung der Organismen an sich setzt ja auch nicht voraus, ein bestimmtes Lehrbuch der Evolutionsbiologie als verbindlich erklären zu müssen.
Die hier geäußerte partielle Kritik soll aber in keiner Weise die außergewöhnliche Qualität der in diesem Buch vorgetragenen Argumentation schmälern. Ich habe viel gelernt und bin umfassend angeregt worden, neu über philosophische Aspekte der Biologie nachzudenken. Ich empfehle dieses Buch allen an allgemeiner Biologie und ihren philosophischen Fundamenten interessierten Lesern.
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