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5.0 von 5 Sternen wunderbare Balladen in gehauchter Eleganz, 9. April 2001
Rezension bezieht sich auf: Portrait of Sheila (Audio CD)
Das Album „Portrait of Sheila" (1962) machte Sheila Jordan mit einem Schlag zu einer der besten Vokalistinnen, die der zeitgenössische Jazz zu bieten hat. Sheila Jordan schulte ihre gesangliche Ausdruckskraft früh an den Aufnahmen von Billie Holiday und Charlie Parker. Erste Engagements im Club Sudan von Detroit folgten. Dabei setzte sie den Songs den Stempel ihrer eigenen, unverwechselbaren Stimme auf. Jazzer wie der Pianist Tommy Flanagan und der Gitarrist Kenny Burrell engagierten Sheila Jordan häufig dann, wenn sie mit ihren Bands in der Stadt Auftritte zu absolvieren hatten. Besonders aber Charlie Parker protegierte Sheila stets zur kontinuierlichen Weiterarbeit. Offensichtlich war „Bird", wie man den Altsaxofonisten respektvoll nannte, früh klar, welches große Talent in den Stimmbändern der zierlichen Sängerin schlummerte. „Er machte mich", sagte sie einmal in lapidarer Dankbarkeit über ihn. Oder dies: „Ich wollte immer so singen wie er spielt". Charlie Parker retournierte mit den Worten, dass er Sheila „Million Dollar Ears" attestierte.
Aufgenommen in den bekannten Van Gelder Studios von Englewood Cliffs/New Jersey in zwei Sessions, am 19. September und am 12. Oktober 1962, entfaltete Sheila Jordan im wahrsten Sinn des Wortes jedes Thema im Ton galant-verruchter Vokalkunst wie mit dem Opener „Falling in love with love".
Mit gehaucht-balladesker Tiefe durchleidet quasi Sheila den Dameron-Sigman-Song „If you could see me now", begleitet von ihren kongenialen Partnern, dem Gitarristen Barry Galbraith, dem Bassisten Steve Swallow und Drummer Denzil Best.
Einmalig, wie die Grand Dame ihre Gesangslinien oft improvisierend mit den sinnigen Textenpassagen in Einklang bringt. Paradebeispiele sind die im Verführungston gehaltenen Songs „Am I blue" und „Dat dere", wobei die sparsam gesetzten Akkorde von Gailbraith, der schleppende Besenschlag von Best und Swallows murmelnde Tieftöne die erotisierende Stimmung der beiden Songs noch verstärken.
„When the world was young" ist ein wunderbarer Blues, getrieben von pastellartig gesetzten Saitenakkorden, die Galbraith im Dialog mit Best in faszinierende Klangbilder setzt: ein Blues-Hörspiel, dessen Vokal-Regisseurin suggerieren will, es sei möglich, den schlammigen Geruch des Flusswassers vom Mississippi sinnenhaft über die Stimme von Sheila Jordan wahrzunehmen. Ein weiteres Glanzstück ist "I'm a fool to want you", das schon vier Jahre zuvor von Billie Holiday 1958 mit Orchester eingespielt wurde. Bei Billie allerdings war der Song getragen vom Gesang einer großen, sterbenden Frau, die jegliche Hoffnung verloren hatte (Billie starb ein Jahr später am 17. Juli 1959). Es ist der Gipfel höchster Vokalisationkunst, wie Sheila Jordan Töne dieses Songs modalisiert, komprimiert, mit scheinbarer Nonchalance kaskadenähnliche Bögen eröffnet, um diese dann plötzlich wie unvermittelt abzubrechen, ja mit neuer Verve dann hochzuschnellen bzw. fortzuführen.
Es ist diese Leichtigkeit der Intonisationskunst, die sich fortsetzt sowohl in „Hum drum blues" wie auch im letzten Album-Song „Willow weep for me". Aber es ist auch jene scheinbare Verletzlichkeit, die erst die wahre, unverwechselbare Stärke und Größe dieser nunmehr 72-jährigen Jazzsängerin ausmacht. Am Schluss eines Gedichts von Peter Rühmkorf heisst es: „ ... die Drehtür durch, den Flur lang, Treppe runter, mitten rein in die Musik" - es kann nur Sheila Jordan gemeint sein.
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