MSS_ss16 Hier klicken Kinderfahrzeuge 1503935485 Cloud Drive Photos Kamera16 Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle Sparpaket GC FS16

  • Stoner
  • Kundenrezensionen

Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen280
4,5 von 5 Sternen
Format: Hörbuch-Download|Ändern
Preis:9,26 €
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

"Den späten Herbst kannst Du in mir besehen:
Die letzten gelben Blätter eingegangen
An Zweigen, die dem Frost kaum widerstehen,
Und Chorruinen, wo einst Vögel sangen.
In mir siehst Du den späten Tag sich neigen,
Das Dunkel in die graue Dämmrung dringen,
Die Nacht mit ihrer Schwärze langsam steigen
Und Todes Bruder, Schlaf, die Welt umschlingen.
In mir siehst Du die Glut von alten Bränden,
Gebettet auf die Asche bessrer Zeiten -
Ein Sterbelager, wo sie muss verenden,
Verzehrt vom Brennstoff eigner Lustbarkeiten.
Siehst Du all dies, wird's Deine Liebe steigern:
Denn was Du liebst, wird Tod Dir bald verweigern."

Das Sonett 73 von William Shakespeare, ein Gedicht über Liebe und Verlust, nimmt in dem bereits 1965 in den USA veröffentlichten, damals unverständlicherweise kaum wahrgenommenen und heute wieder neu entdeckten, wunderbaren Roman von John Williams (1922 - 1994) eine Schlüsselfunktion ein. Zum einen für seinen Protagonisten, zum anderen fungiert es als roter Faden, als literarisches Rahmengerüst für den gesamten Text. Einen Bogen von über 65 Jahre überspannt der amerikanische Autor in seinem empathischen, leisen Roman, der die Frage aufwirft: Was bleibt nach dem Tod von einem Menschen übrig, der nicht durch großes Getöse auf sich aufmerksam machte?

Erzählt wird der Lebensweg William Stoners, einem Doktor der Philosophie an der Universität von Missouri im Fachbereich Englisch. 1891 auf einer kleinen Farm im tiefsten Missouri aufgewachsen, soll es der Sohn einmal besser haben als seine schon früh gealterten, leblosen Eltern. Sie schicken ihn auf die Universität. Doch das Studium der Agrarwirtschaft bricht er nach einem Einführungskurs in englischer Literatur und eben jener Begegnung mit dem Sonett des großen englischen Dichters ab, um sich fortan ausschließlich der Geisteswissenschaft zu verschreiben. Hier wird er sich erstmals seiner selbst bewusst. "Die Vergangenheit schälte sich aus dem Dunkel, in dem sie blieb, und die Toten erhoben sich, um vor ihm zum Leben zu erwachen; beide, die Vergangenheit und die Toten, mischten sich in die Gegenwart und unter die Lebenden, wodurch Stoner einen intensiven Moment lang eine Vision von Dichtigkeit überkam, in die er fest eingefügt war und der er nicht entkommen konnte, der er auch gar nicht entkommen wollte." Durch die Literatur lernt er zu sehen. Sie wird ihm zur Heimat, gibt ihm einen Platz und Hort, auch wenn das Leben und die Geschichte in großen, brausenden, zuweilen zerstörerischen Wellen über ihn hinwegzieht.

Wer war William Stoner? "Den Älteren bedeutet sein Name eine Erinnerung an das Ende, das sie alle erwartet, für die Jüngeren ist bloß ein Klang, der ihnen weder die Vergangenheit näherbringt noch eine Person, die sich mit ihnen oder ihrer Karriere verbinden ließe." Was auf den ersten Blick wie eine langweilige Beschreibung eines gewöhnlichen, nichtssagenden Lebens aussieht, offenbart allerdings auf den zweiten eine außerordentlich genaue Beobachtungsgabe. Mit Scharfblick fokussiert John Williams seinen Plot auf die zwei Leidenschaften in Stoner Lebens: die Liebe und das Lernen. Allerdings scheitert sein Protagonist in gewissem Sinne bei beiden. Seine Frau, die maliziöse Edith Elaine Bostwick, wird von dem Moment an, da er sie trifft, kalt und abweisend. Ihre Flitterwochen, in denen sie sich ihm mit einer nahezu brutalen Abneigung unterwirft, geraten zur Farce. Schon bald wird mit einem Klang des Unvermeidlichen offensichtlich, "dass seine Ehe scheitern würde, nach einem Jahr hoffte er nicht mehr darauf, dass es je besser werden würde. Er lernte mit der Stille zu leben und nicht auf seiner Liebe zu beharren." Gefangen in der leeren Hülle seiner Ehe, "versagt" er allerdings auch im universitären Gefüge. Stoner wird weder ein großer Lehrer, noch ein bekannter Gelehrter, sondern widmet sich mit scheinbar stoischer Zufriedenheit seiner ersten Liebe: die zur Literatur. Doch fehlt ihm auch hier das Talent, diese auf seine Studenten zu übertragen. Seine tief verwurzelte Zurückhaltung versteckt er hinter einer Fassade der Teilnahmslosigkeit.

Fazit: Nur wenigen, in ihren Grundzügen derart trauriger Geschichten, glückt es trotz alledem so unterschwellig zu triumphieren und zu berauschen wie diesem Roman. John Williams erzeugt in der Beschreibung von Stoners Schicksal auf unnachahmliche Weise eine seltene Welle der Empathie. In einer wunderschönen Sprache und plastischem Stil, der gerade in seiner Zurückhaltung eine immense Eloquenz aufweist, schildert der Autor das bescheidene, aber durchaus lebens- und beachtenswerte Leben eines Mannes und seine zunehmende Entfremdung von der modernen Welt. "Stoner" offenbart sich als College-, Liebes- und Entwicklungsroman, gehalten in leisen und zaghaften Tönen. Der Roman generiert großartige Charakterstudien, die zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Letztendlich ist das Buch auch eine Liebeserklärung an die Literatur, die Sprache, an das Mysterium des Verstandes und des Herzens. Ein Text, der trotz seines dunklen, trostlosen Timbres jede Zeile wert ist, gelesen zu werden, zudem wenn er so kongenial aus dem Amerikanischen übertragen wurden wie es Bernhard Robben gelungen ist.
66 Kommentare|183 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Februar 2014
Um meine Ausgabe liegt eine Banderole. „Ich habe mich in ihn verliebt“, schwärmt darauf die Schriftstellerin Ana Gavalda, „Stoner ist eines der phantastischsten Bücher, die Sie je in die Hände bekommen haben“ Schauspieler Tom Hanks. Die Rede ist von „Stoner“, einem Roman aus den Sechzigern, der längere Zeit nicht erhältlich war, jetzt wieder aufgelegt wurde und als Meisterwerk gefeiert wird.

Soweit würde ich nicht gehen. Allerdings habe ich Geschichte des Jungen vom Lande, der an der Uni seine Liebe zur Literatur entdeckt und sich für eine Karriere als Dozent entscheidet statt die väterliche Farm zu übernehmen, gern gelesen. John Williams schildert die Geschichte klar, ruhig und doch emotional, ich habe an der Selbstfindung des Titelhelden und seinem langen Niedergang Anteil genommen. Williams gelingt es sehr gut, in den Szenen Nähe zu erzeugen, und Stoner als Charakter lebendig zu machen. Das Leben an einer amerikanischen Uni in einer Provinzstadt in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts entsteht sehr klar vor dem Auge des Lesers.

Allerdings muss ich kritisch anmerken, dass mir die Psychologisierung der Nebenfiguren nicht ganz schlüssig erscheint. Stoners Frau Edith finde ich in ihrem Frust und ihrer extremen Kälte im Familienleben ebenso schwer nachzuvollziehen wie die unerbittliche Fehde, die Stoners behinderter Gegenspieler Lomax an der Uni anzettelt. Umso besser ist Williams stilistisch. Allein die Sterbeszene ist meisterhaft: Traurig, aber nicht kitschig. Williams sagt das Notwendige, und doch entsteht aus dem Wenigen ein berührendes Bild.

Deswegen spreche ich insgesamt eine Empfehlung aus, vor allem weil das Buch eine Aura des Zeitlosen, ewig Gültigen im menschlichen Dasein ausstrahlt: Stoner hat kurz Glück und muss danach erleben, wie manche Dinge ihren Lauf nehmen, ohne dass man sie beeinflussen kann.
0Kommentar|9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. Mai 2014
Ich bin noch ganz sprachlos, weiß noch nicht so genau, was ich davon halten soll. Was ich weiß ist, dass ich gerade ein Kleinod beendet habe, ein Buchjuwel, das seinen Weg zu mir gefunden hat.

Das ist kein positives Buch, es baut den Leser nicht auf, es unterhält auch nicht. Dieser Roman fordert seine Rezipienten und er stellt sie vor Situationen, die einfach nur ein Kopfschütteln provozieren.

John Williams veröffentlichte seinen Roman schon 1965 - allerdings fand er in seiner Heimat, der USA, kaum Beachtung und verschwand in der Versenkung. Anna Gavalda entdeckte ihn vor ein paar Jahren für den europäischen Büchermarkt, übersetzte ihn ins Französische und bahnte dem Autoren posthum den Erfolg, der ihm zweifelsfrei zustand/zusteht.

John Williams präsentiert seinem Publikum William Stoner, seinen Protagonisten, und nimmt es mit auf dessen Lebensweg. Wir begleiten ihn von dem Verlassen seines Elternhauses 1910 bis zu seinem Tode 1956. Dabei stehen wir neben ihm und erleben sämtliche Tiefschläge und die wenigen Hochzeiten hautnah mit. Distanz zwischen Stoner und dem Leser entsteht durch den Erzähler, der uns durch die Lebensgeschichte führt. Sprachgewaltig, mit wunderbaren Bildern, führt uns Williams mit Stoner durch seinen Alltag, lässt uns die Ehefrau verachten, ihn in seiner Duldsamkeit hinterfragen, an der wahren Liebe zu Katherine teilhaben und traurig zurück in Anbetracht dessen, was mit seiner Tochter geschieht.

DAS ist ein wirklich großer Roman, der ans Herz und ins Hirn geht und den Leser bedrückt, traurig und eben auch ein wenig sprachlos zurücklässt.
44 Kommentare|34 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Januar 2014
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
"Stoner" von John Williams war für mich eine sehr positive Entdeckung.
Schon die Beschreibung der letzten Zeit auf der Farm seiner Eltern am Anfang des Buches hat mich berührt und gefesselt. Mit so wenigen Worten wurde deren Leben beschrieben, jeder Satz zeigte mir wie reduziert und auswegslos dieses Leben in seiner sich ewig wiederholenden Gleichförmigkeit ist. Und obwohl die Eltern sich dessen durchaus bewusst sind, würden sie dieses Leben nie aufgeben. Denn seien wir ehrlich, welche Alternative hätten sie denn?
Aber natürlich soll es dem Sohn besser gehen, er soll andere Möglichkeiten erhalten, soll lernen - und wird deshalb vom Vater zum Studieren geschickt, aufs Landwirtschaftscollege.
Hier, am College, entdeckt Stoner durch Zufall seine Liebe zur Literatur - und entscheidet sich, nicht mehr auf die Farm zurück zu kehren.
Stoner hat also den Absprung gewagt, er folgt seiner Leidenschaft, seinen Idealen. Er hat seine Chance genutzt.
Was nun folgt ist für mich die Beschreibung eines realistisch aufgezeichneten Lebens.
Heirat mit der Frau, die er meint, zu lieben. Ein Kind, beruflicher Erfolg - alles läuft nach Plan. Während in seinem privaten Leben sehr bald Ernüchterung eintritt ( was er akzeptiert ) ist er auf beruflicher Ebene über Jahre hinweg sehr erfolgreich. Der Unterricht und die Arbeit mit seinen Studenten bestimmt sein Leben, dazu kommt allenfalls noch das zeitweise sehr präsente Verhältnis zu seiner Tochter.
Stoner ist in diesem täglichen Trott gefangen und lebt so Jahr für Jahr ( und das nicht unbedingt unglücklich ) bis ihm das Schicksal die für ihn überwältigende Erfahrung einer großen Liebe zukommen lässt.
Er lebt nochmals auf, traut sich fast, zu träumen und an eine gemeinsame Zukunft zu denken. Wie sehr habe ich Stoner diese wunderbaren Zeit gegönnt. Denn auch mir als Leser war sehr schnell klar, dass dies nicht von Dauer sein würde.
Die Realität holt ihn ein, gesellschaftliche und berufliche Zwänge setzen dieser Beziehung ein Ende. Denn Stoner und Katherine, seine große Liebe, erkennen in ihrer Klugheit, dass sie keine Chance haben. Die letzten Gespräche und Begegnungen der beiden sind in meinen Augen sehr beeindruckend.
Stoner lebt weiter, aber irgendwie ist es eher eine Art von Funktionieren. Es gibt kurze Momente des Aufbegehrens, der Erinnerungen, des Erkennens darüber, dass es in seinem Leben keine "Hochzeiten" mehr geben wird.
Sein Sterben wird überaus nachvollziehbar und realistisch beschrieben. Auch hier macht sich Stoner nichts vor, es ist eher eine Art Staunen darüber, dass dies sein, das Leben gewesen sein soll.

"Stoner" ist ein Roman, den ich als überaus ehrlich, realistisch und konzentriert empfand. Hier gibt es keine rosa Wölckchen, keine Menschen, die über sich hinauswachsen, und die Welt oder auch nur ihr Leben verändern, keine unrealistischen Hoffnungen - trotzdem habe ich das Buch nicht als depressiv oder niederschmetternd empfunden. In keiner Sekunde, auf keiner Seite.
"Stoner" ist für mich ein grossartiger Roman, der gewiss das Leben von vielen, vielen Menschen beschreibt. Ohne Schnörkel oder Schönfärberei. Aber dies zu erkennen und zu akzeptieren ist sicherlich nicht leicht.
0Kommentar|13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. September 2015
Cast a cold Eye
On Life on Death,
Horseman, pass by!
(Grabinschrift W.B. Yeats).

Das Buch schildert ein Leben. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts. Stoner, ein Bauernsohn, kommt vom Land an die Universität. Seine Leidenschaft, seine Berufung gilt nicht den Landmaschinen sondern der Literaturwissenschaft. Stoner studiert, promoviert, wird Dozent, er heiratet, wird Vater, hat eine Affäre, er wird zu Unrecht beruflich benachteiligt, er bleibt sich und seinen Prinzipien treu, er stirbt. Ein Leben.
Der Roman macht uns zum stummen schattenhaften Begleiter Stoners. Die Sprache ist unspektakulär, einfach, präzise.
Stoner lebt und werkelt in seinem Universitätsuniversum, die Weltereignisse werden wie durch ein dickes Milchglas wahrgenommen.
Wir spiegeln uns in diesem „Normalo“, nehmen Anteil, erkennen seine Endlichkeit und seine Begrenztheit und erspüren in seiner Geschichte unsere eigene Begrenztheit und Endlichkeit.
Die vom Autor gewählten, nahezu archetypischen Szenarien bauen sich bildhaft in unserem Bewusstsein auf:
Die karge minimalistische Kommunikation mit den Eltern, die ihren Sohn nicht verstehen, ihn aber aus Liebe gewähren lassen ... das Entgleiten der anfänglich so innigen Beziehung zur Tochter ... die schicksalhafte Hilflosigkeit als Opfer einer beruflichen Intrige ...
Es ist bewundernswert wie stoisch Stoner seinen Weg geht, aber es ist auch tieftraurig.
Wäre der Roman eine Farbe, würde ich ein helles Grau wählen, wäre er ein Musikstück dann das Adagio for Strings von Barber.
Natürlich ein Meisterwerk.
0Kommentar|5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. September 2013
Stoner kommt aus den einfachen Verhältnissen einer Farmersfamilie Ende des 19. Jh. Statt das Studium der Agrarwissenschaften abzuschließen entdeckt er seine Liebe zur Literatur und lehrt schließlich selbst. Mit diesem Start des Romans würde manch einer ein Heldenepos erwarten nach dem Motto vom Tellerwäscher zum Millionär, nicht so bei Stoner. Er ist kein Held, er bleibt eher im Hintergrund. Er liebt es zu lehren und geht in seiner Arbeit auf. Er könnte ein wirklich glückliches, aber unaufgeregtes Leben führen, wäre da nicht sein enttäuschendes Privatleben. Seine Ehe bleibt gefühlskalt und seine Frau kämpft mit allen Mitteln gegen ihn. Erst die Geburt seiner Tochter zeigt ihm was Liebe wirklich bedeutet.

Bei Stoner hatte ich immer das Gefühl er ist zu gut für diese Welt, selten wehrt er sich. Er scheint sich von seinem Schicksal treiben zu lassen, ohne eingreifen zu wollen oder zu können. Nur wenige glückliche Momente gibt es in seinem Leben, die man als Leser umso mehr mit ihm genießt. Das ist ein großer Pluspunkt des Romans, schon nach kurzer Zeit ist man Stoner sehr nah, obwohl er kein außergewöhnlicher Mensch ist. Genauso ist auch die Sprache von John Williams schlicht, aber bestimmt. Ein schlichter Roman, der in seiner Unaufgeregtheit einen Tiefgang bewirkt, den ich selten erlebt habe. Trotz der überschaubaren Handlung des Romans bleibt der Spannungsbogen die ganze Zeit erhalten. Ein Roman zum „Runterkommen“ im hektischen Alltag ohne zu langweilen. Großartig!

Der Sprecher Burghart Klaußner schafft es mit seiner Sprachmelodie genau die Stimmung des Romans einzufangen. Angenehm und ruhig erzählt er Stoners Leben.
0Kommentar|20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 31. Dezember 2013
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Nach so viel Lob über die „Neuentdeckung“ des Jahres war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Es wird als „zutiefst menschlich“ beschrieben und von vielen als persönliches Jahreshighlight genannt, wenn man sie danach fragt. Mir wird es vor allem als zutiefst deprimierend und trostlos in Erinnerung bleiben.

Stoner, der Sohn eines mehr oder minder einfachen (und sehr wortarmen) Farmer- Ehepaares, entdeckt seine Leidenschaft für Literatur und findet seine Heimat in der Universität Missouri, wo er Zeit seines Lebens lehren wird. Er heiratet jung und lebt fortan mit einer psychisch schwer gestörten Ehefrau und seiner Tochter Grace in einem kleinen Haus in der Nähe der Universität. Es ist ein ganz normales kleines unbedeutendes Leben, so scheint es, doch es ist ein Leben ohne jegliche Hoffnung, ohne Heiterkeit oder Lichtblicke. Allen Figuren fehlt eine gewisse Lebendigkeit des Geistes und selbst die Begeisterung Stoners für seine Literatur wirkt allenfalls durch seine Taten, nicht aber durch seine Rede, überzeugend, denn für Worte ist kaum Platz in diesem traurigen Roman.

Für Willy Stoner scheint in seinem Leben nur einen winzigen Augenblick die Sonne, doch auch dieser Augenblick wird ihm sofort von Missgunst und Neid (und dem Autor) wieder zerstört. Es scheint, als sei der Umstand, dass sein Protagonist tatsächlich Freude und Liebe empfunden haben mag, dem Autor sehr schnell unbehaglich geworden.
Ich bin sehr schwer in die Handlung hinein gekommen. Das lag vor allem an dem unbeteiligten Erzählstil und an der großen Distanz, die zu dem Leser gehalten wird. Wörtliche Rede wird nur sehr spärlich eingesetzt und so hat man oft das Gefühl, dass Stoner und die Personen in seinem Umfeld sehr sprachlos durchs Leben gehen. Mir kam es häufig vor, als würde der Autor leblose Figuren auf einem Schachbrett hin- und herschieben.
Nach den längeren Startproblemen wurde ich zwar immer noch nicht warm mit der Handlung und den Figuren, doch die Schilderung der Intrigen an der Universität und das abstrakte Verhalten von Stoners Frau ließen mich das Buch nicht aus der Hand legen.

Es ist erschreckend, wie wehrlos Stoner seinem Umfeld entgegentritt. Nur ein einziges Mal lehnt er sich auf, ansonsten erduldet er beinahe alles, was ihm Kollegen, Studenten und seine grässliche Ehefrau bieten. Er zeigt nicht einmal die Kraft, sich gegen Konventionen zu stemmen, als sich ihm die Chance auf ein anderes, glücklicheres und erfülltes Leben bietet. Er scheint sich wohl zu fühlen in der Trostlosigkeit.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich beim Lesen viele Emotionen empfunden habe. Ich war wütend auf Stoner wegen des stoischen Hinnehmens seiner unglücklichen Lebensumstände, die er durch seine Tatenlosigkeit selbst verschuldet, ja selbst geschaffen hat. Ich war fasziniert von der Beschreibung der psychisch schwer gestörten Ehefrau und ich war interessiert an den Intrigen eines bestimmten Kollegen, gegen den sich Stoner natürlich jahrelang nicht wehrt. Diese Klaglosigkeit, das kampflose Ergeben eines veränderbaren Unglücks haben mich beim Lesen gequält.
Ein Buch, das soviele Emotionen beim Lesen weckt, kann kein schlechtes Buch sein, aber es ist definitiv eines, das ich nicht gerne gelesen habe und das mir noch lange als das „Depri-Highlight 2013“ in Erinnerung bleiben wird.
22 Kommentare|64 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. September 2015
Dies ist die Geschichte von William Stoner, der 1891 als Sohn eines armen Farmerehepaares in Missouri zur Welt kam. Schon früh musste er mithelfen, den kargen trockenen Boden zu bewirtschaften. Im Alter von neunzehn Jahren wird er von seinen Eltern zum Studium der Agrarwirtschaft auf die University of Missouri in Columbia geschickt. Trotz großer Entbehrungen sehen sie darin eine Investition in die Zukunft. Doch bereits nach einem Jahr entdeckt Stoner seine Liebe zur englischen Literatur. Er wechselt ohne Wissen der Eltern sein Studienfach und macht seinen Magister in Literaturwissenschaft. Stoner kehrt nicht mehr auf die elterliche Farm zurück, er bleibt als Dozent an der Uni, wird es aber sein Leben lang nur bis zum Assistenzprofessor bringen ...

„Stoner“ ist eine ruhige, leise Geschichte – kein Roman im üblichen Sinne, sondern eher die fiktive Biografie eines bescheidenen, genügsamen Mannes. Das Werk des Autors John Williams (1922 – 1994), eines aus Texas stammenden Literaturprofessors, erschien bereits 1965 erstmals in den USA in geringer Auflage, geriet jedoch in Vergessenheit und wurde erst nach dem Tod des Autors wieder entdeckt. Es erschien 2002 in Neuauflage, wurde dann in mehreren Sprachen übersetzt zum Welterfolg, und erschien erstmals 2013 in Deutschland. Einige Anklänge an das Leben des Autors lassen sich nicht verleugnen.

In einer fast schon poetischen Sprache wird hier das Leben eines einfachen, schlichten Mannes erzählt, eines Mannes, der seinen Beruf über alles liebt, ansonsten aber nichts versteht, ja nichts verstehen will, das Leben hinnimmt wie es nun mal ist und lebt, so gut es eben geht. Sein Privatleben ist und bleibt bescheiden. Es gelingt ihm zwar die von ihm angebetete Edith Bostwick aus St. Louis zu erobern und zu heiraten, doch die Ehe ist von Anfang an freudlos. Bereits in der Hochzeitsnacht verweigert sich Edith, was der schüchterne Stoner aber mit stoischer Ruhe hinnimmt und sich stattdessen seinen Studien widmet. Die Eheleute führen gegenseitig einen Kleinkrieg, an dem auch die Geburt von Tochter Grace vier Jahre nach der Eheschließung nichts ändert. Erst im Alter von 41 Jahren erlebt Stoner kurzzeitig so etwas wie Glück, als er mit der jungen Doktorandin Katherine Driscoll eine Liebesbeziehung eingeht. Doch dieses Glück ist nicht von Dauer, Intrigen führen zur Trennung des Paares …

Obwohl wenig geschieht, ist man als Leser schnell gepackt von der Geschichte. Man ist zutiefst berührt von Stoner, man fühlt mit diesem außergewöhnlichen und doch so genügsamen Mann, man freut sich mit ihm und man leidet mit ihm, auch wenn es manchmal schwer fällt seine Handlungsweise zu verstehen und nachzuvollziehen. Durch Stoner erlangt man letztendlich die Erkenntnis, dass man sich manchmal dem Unabänderlichen fügen muss …

Fazit: Ein wunderbares Buch über das bescheidene Leben eines Mannes, der nach seinem Tod rasch vergessen wurde, dessen Geist aber in der Erinnerung des Lesers noch lange nachklingen wird.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Juni 2014
Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil es von Elke Heidenreich empfohlen wird. Ich schätze ihr Urteilsvermögen, was Bücher betrifft sehr und wenn sie sagt, das Buch ist gut, dann glaube ich das, und bisher ist es auch immer so gewesen.
So wie jetzt auch.
Stoner hat mich tief berührt und macht mich traurig. Auch noch im Nachhinein.
Schütteln hätte ich ihn manchmal können, wehr dich doch!
Seine Gelassenheit und (scheinbare) Aktzeptanz des Unabänderlichen, ruft zwar meine Bewunderung hervor und dennoch bin ich der Meinung, er hat viele Gelegenheiten, seinem Leben eine andere Richtung zu geben, einfach vorübergehen lassen.
Das fand ich deprimierend.

Ich bin nicht der Meinung, dass er sein Leben ertragen konnte, weil er in sich ruhte.
Es hat ihn nämlich zerfressen, von innen heraus, wie auch das Ende zeigt.
Ich werde es noch einmal lesen, da dies eines dieser Bücher ist, wo stets Neues auftaucht, je öfters mann es liest.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. Januar 2014
Ein Freund hatte mir begeistert das Buch empfohlen, ohne zu sagen, worum es geht. Nach den ersten Seiten hat es mich nicht mehr losgelassen: Dabei passiert an der Oberfläche eigentlich wenig. Es geht um die Biografie des Titelhelden. Ein Leben ohne aufsehenerregende Erfolge, Abenteuer oder Heldentaten. Aber je weiter man diesem Lebensweg folgt, desto deutlicher wird, dass es kaum größere Heldentaten gibt, als das Leben zu leben, auch zu ertragen, sich selbst zu finden und sich selbst treu zu bleiben. Das alles ist so ökonomisch und präzise erzählt, ohne Appelle, ohne falsche Rührung, ohne ein Wort zuviel - und doch merkt man in jeder Zeile die Anteilnahme, den Respekt und die tiefe Zuneigung des Autors für seine Figur, und die teilt sich dem Leser mit. Große Literatur.
0Kommentar|19 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Fragen? Erhalten Sie schnelle Antworten von Rezensenten

Bitte stellen Sie sicher, dass Sie eine korrekte Frage eingegeben haben. Sie können Ihre Frage bearbeiten oder sie trotzdem veröffentlichen.
Geben Sie eine Frage ein.

Haben sich auch diese Artikel angesehen

12,99 €
16,60 €
16,71 €

Gesponserte Links

  (Was ist das?)