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Kundenrezensionen

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am 29. März 2013
Man weiß gar nicht, was man an dieser Serie mehr loben soll: die vorzüglichen Schauspieler, allen voran Jörg Hartmann und Uwe Kockisch? die stimmige Atmosphäre der DDR der 80er Jahre? die Spannung? Man wird emotional wirklich "mitgenommen", ohne dass das Ganze irgendwann mal auf Soap-Niveau absinkt. Absolut unverständlich, dass die 2. Staffel schon ewig im ARD-Schrank liegt und es bisher nicht ins Programm geschafft hat.

Enttäuschend dagegen die DVD, nicht das klitzekleinste Extra. Weder bei der ersten noch bei der zweiten Staffel. Dabei hätte ich mich gerade hier über Kommentare der Akteure oder ein Making-of gefreut.

Fazit: Zugreifen, zumal die Doppelbox einen erheblichen Preisvorteil gegenüber den beiden Einzelausgaben bietet.
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am 19. Juni 2013
Die ARD-Fernsehserie habe ich erst auf DVD für mich entdeckt. Ganz ohne Christine Neubauer, Martina Gedeck, Veronica Ferres und Heino Ferch.... Ja, ich weiß. Ich mag die eben genannten - nur nicht inflationär.

In "Weißensee" liegen mir ganz andere, authentische Charaktere am Herzen, die wissen, wovon sie spielen: Katrin Sass, Uwe Kockisch, Anna Loos. Erweitert wird das Ensemble mit Hannah Herzsprung, Florian Lukas und dem herausragenden Jörg Hartmann als Stasi-Hardliner, der jedem Hollywood-Bösewicht die Schau stehlen würde, weil er einfach echt wirkt.

Der Plot hat Shakespearesche Größe. Zwei Familien in Ostberlin im Jahre 1980: Die linientreuen Kupfers und die Künstlerfamilie der Hausmann mit der Brecht und Weill-singenden Katrin Sass plus der seit Biermann so beliebten Songs, die man nur versteht, wenn man zwischen den Zeilen hören kann. Als sich Sohn und Tochter beider Familien ineinander verlieben, gerät die Sache unkontrollierbar ins Rollen.

Ein vorzügliches Ambiente wurde am Weißen See (und anderswo) geschaffen, dem immer noch beliebten Ausflugsort mitten in Berlin. Liebevolle Details, original-DDR-Utensilien von der Brauseflasche über den Abendkurier bis zum braungewellten Kleiderstoff, den meine Mutter auch trug. Das hat mich genauso gefreut wie der Wahrheitsgehalt der Geschichte. Das Grauen kommt auf leisen Füßen. Romeo und Julia in Ost-Berlin, die Königskinder, die zueinander nicht finden dürfen und sich selbst zerstören. Nicht umsonst hat die Stasi den alten Nazi-Jargon von der Zersetzung übernommen. Aufs Feinste wurde intrigiert und Strippen gezogen, bis Familien und Menschen kaputt waren. Manchmal auch buchstäblich.

Wer ins Netz der Stasi geriet, fand nur selten wieder hinaus. Wer bis dato nicht wusste, wie IM's geschaffen wurden, bekommt hier die Antwort. Nichts ärgert mich nach wie vor so wie die Kommentare von Mitbürgern von jenseits der Mauer: sie haben hier nicht gelebt und dürfen sich darüber keinerlei objektive Meinung bilden.

Ich war wieder mittendrin in meiner Vergangenheit. Ganz klare Ansehempfehlung für jeden, auch ohne Vorkenntnisse der Verhältnisse. Die Serie ist Aussage genug, deckt auch die Leichtigkeit des Seins ab, all die Träume, den Humor, den Witz, denn die DDR bestand nicht nur aus Bespitzelung, es gab auch das große Glück im Kleinen.
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Weissensee DVD Box Staffel 1+2

Als im Oktober 2010 die Erstausstrahlung der zunächst einmal auf nur sechs Episoden angedachten Fernsehreihe beendet war, regte sich massiver Widerstand unter den Fernsehzuschauern. Für die bis zu fast sechs Millionen Zuschauer bei jeder der einzelnen Folgen, war das offen gelassene Ende einfach nicht akzeptabel. Was folgten waren Tausende von Briefen, Aufrufe im Internet wie zahlreiche andere Aktivitäten, in den die Zuschauer eine Fortsetzung der erzählten Geschichte einforderten. So ließ man sich dann auch nicht lange bitten und bereits wenige Tage nach der Erstausstrahlung gab man bekannt, dass es weitere Folgen geben wird.

Im Herbst 2011 war es dann auch soweit und die Dreharbeiten zur zweiten Staffel, der auf einer Idee von Annette Hess (auch "Die Frau vom Checkpoint Charlie" 2007) beruhenden Produktion begannen. Wie auch schon bei den sechs ersten Episoden der Reihe nahm bei den nun abzudrehenden weiteren sechs neuen Folgen abermals Friedemann Fromm im Regiestuhl Platz. Nach der ersten Staffel wurde auch diese Zweite im Auftrag der ARD abermals durch die Ziegler Film produziert.

Die nun im März 2013 zur Veröffentlichung auf DVD gekommene zweite Staffel sorgte für einige mediale Aufregung. Da die zweite Staffel bereits seit Monaten fertiggestellt war, die Erstausstrahlung im TV durch die ARD aber erst für den Herbst diesen Jahres angekündigt wurde, fällte die an der Produktion finanziell mit beteiligte Ziegler Film den Entschluss, die zweite Staffel bereits vor deren TV-Premiere auf DVD zu veröffentlichen. Die Meinungen zu dieser für deutsche Verhältnisse dann doch eher ungewöhnlichen Entscheidung sorgte für reichlich Diskussionsstoff und fand sowohl Befürworter wie zum Teil auch heftigste Kritik. Für mich, der damals von den Folgen der ersten Staffel begeistert war, stand von vornherein fest, dass ich mir auch diese zweite Staffel auf DVD zulegen werde. So gesehen waren mir irgendwelche Wortgefechte und finanziell geprägten Geplänkeln zwischen Verantwortlichen egal und ich freute mich nicht bis in den Herbst warten zu müssen, sondern schon jetzt erleben zu dürfen, wie es weiter geht.

Neben der mir hier an dieser Stelle vorliegenden DVD-Box mit der ersten und zweiten Staffel in einem zusätzlichen Einsteckschuber, sind beide Staffeln natürlich auch als Einzelveröffentlichungen erhältlich. Die sechs Folgen der ersten wie auch zweiten Staffel finden sich dabei jeweils auf zwei DVDs verteilt, die einzeln lagernd und entnehmbar ihren Platz in zwei einfachen Klarsicht-Amaray-Case finden.

Ich möchte an dieser Stelle nun noch nicht zu viel vom Inhalt und der Handlung der insgesamt zwölf jeweils um die sechsundvierzig bis zu knapp fünfzig Minuten laufenden Folgen verraten.

Die Serie erzählt die Geschichte zweier Familien im Ost-Berlin der achtziger Jahre. Die eine der beiden ist die linientreue Familie "Kupfer", wo Vater "Hans" (Uwe Kockisch) und der älteste Sohn "Falk" (Jörg Hartmann) beide in hohen Funktionen bei der Stasi arbeiten. Weitere Mitglieder dieser Familie sind zudem noch die Mutter (Ruth Reinecke) und der jüngere der beiden Brüder, "Martin" (Florian Lukas). Mit im Haus wohnt auch noch "Vera" (Anna Loos), die Frau von "Falk" und deren beider Sohn "Roman".
Die Familiie "Hausmann" hingegen ist eher unangepasst und mit der Sängerin "Dunja" (Katrin Sass) und deren Tochter "Julia" (Hannah Herzsprung) eher auf Konfrontationskurs zur Partei der SED und der von ihr in der DDR vertretenen Politik und der Entwicklung im Lande.

Als sich "Julia" und "Martin" ineinander verlieben, wirft das die beiden Familien beinahe aus der Bahn. Die beiden kämpfen aber um ihre Liebe und das entgegen allen und sich immer mehr auftürmenden Problemen und Schwierigkeiten. Während die erste Staffel in der in ihr erzählten Geschichte im Jahr 1980 angesiedelt ist, setzt die zweite Staffel sieben Jahre später die begonnene Handlung fort. Der Übergang ist fließend und dadurch, dass auch beinahe alle Hauptrollen wieder mit dabei und von denselben Darstellern besetzt sind, ist man nach nur wenigen Minuten wieder mittendrin in der Filmhandlung.

Neben den bereits erwähnten Darstellern gibt es noch einige andere allesamt einfach nur hervorragend und stimmig miteinander aufspielenden Schauspieler in der Serie zu erleben. Stellvertretend für die vielen, sein an dieser Stelle noch die Namen von Hansjürgen Hürrig, Sven Lehmann, Stephan Grossmann oder auch Ronald Zehrfeld und Claudia Mehnert genannt.

Laut Pappschuber, in welchem sie die beiden Amaray-Case mit der ersten bzw. zweiten Staffel finden, beträgt die Gesamtlaufzeit aller zwölf Folgen in etwa 558 Minuten. Das Bild präsentiert sich dabei im 16:9 Seitenformat und gibt kaum Anlass oder Grund zu Kritik. Die Farben sind sowohl in ihrer Intensität wie auch Natürlichkeit gut ausgeprägt. Schärfe wie auch Kontrast sind mit deren von den DVDs zu erlebenden Werten und Einstellungen stimmig und passend gesetzt. Mechanische Beschädigungen oder auch Verschmutzungen fielen mir nicht während der Wiedergabe auf. Das Bild wirkt ruhig und ohne Auffälligkeiten.

Die DVD-Menüs zeigen sich bei beiden Staffeln klar strukturiert und gut bedienbar. Neben der Möglichkeit die jeweils drei Episoden von jeder der vier DVDs über "Alles Abspielen" am Stück, also ohne erneuten Startens der Wiedergabe ansehen zu können, besteht auch die Möglichkeit einzelne Folgen zur Wiedergabe zu bringen.
Hierfür öffnet sich nach Anwahl des Menüpunkt "Einzelfolgen" ein separates Fenster, von wo aus die in Textform dargestellten Einzelfolgen, direkt zur Wiedergabe gestartet werden können. Eine direkte Kapitelauswahl wird zwar nicht aufgezeigt, jedoch sind innerhalb aller Folgen einige bei Bedarf optional nutzbare Marker gesetzt.

Mit Extras oder eben auch Bonusmaterial halten sich leider beide Staffeln zurück. Außer dem Trailer zur ersten Staffel auf DVD findet sich in dem Case mit den DVDs der ersten Staffel noch ein sechzehnseitiges bebildertes Booklet. In diesem finden sich neben einleitender Worte, die Aussagen einiger der Hauptdarsteller zu den von ihnen in der Reihe verkörperten Rollen. Informationen zu einige der Drehorte und der Autorin Anette Hess, schließen, zusammen mit Angaben zu Cast und Crew bei der Produktion, das Booklet.

Tonbewertung:

Während die beiden DVDs mit den Folgen der ersten Staffel einen deutschen Ton im Format Dolby digital 2.0 anbieten, kommt dieser bei der zweiten Staffel komplett in 5.1 zu Gehör. In ihren Dialogen sind die Darsteller in beiden Staffeln und Tonfassungen stets gut verständlich. Der zweiten Staffel wurden zudem deutsche wie auch englische Untertitel und sogar eine Hörfilmfassung zugestanden.

Gesamteindruck:

Bei "Weissensee" sind sich sowohl Kritik wie auch Publikum einig und zeigen sich größtenteils begeistert von der Serie. Mir persönlich gefallen neben der gefühlvollen und zahlreiche Emotionen beim Ansehen hervorrufenden Geschichte, vor allem die allesamt hervorragend aufspielenden Schauspieler in dieser Produktion. Anette Hess ist es gelungen, die höchst interessanten und eigenen Charaktere liebevoll detailliert zu zeichnen. Inzwischen wird bereits an der dritten Staffel gearbeitet. Ich freue mich schon drauf.
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am 18. Juli 2013
Ich warte schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung ... Schauspielerische Meisterleistungen auf ganz hohem Niveau !!!
Ich bin in diesem System aufgewachsen und die Umgebung war mein zu Hause.
Die Handlungsorte sind mir teilweise sehr vertraut ... was war das für ein intensiver Kampf und mit welchen Mitteln wurde man bearbeitet um dann gebrochen zu werden ... sehr sehr erschütternd aber wahr... wirklich großes Kino
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am 10. Juli 2013
Genau wie die erste Staffel. Und beides in einer BOX. Perfekt! Top Schauspieler, TOP Geschichte. Ein abschließendes Ende. Hätte zwar gerne noch weiter geschaut, aber man soll ja immer aufhören, wenn es am schönsten ist. Kann man von dieser DVD Serie echt behaupten! Ich kann es nur Empfehlen, super!
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TOP 50 REZENSENTam 16. Oktober 2013
Für diese Rezension fällt es mir schwer klare und (hoffentlich auch) nachvollziehbare Worte zu finden. „Weissensee“ (und insbesondere die 2.Staffel) hat mich emotional so stark berührt, dass ich mehrmals nicht sicher war, ob ich die jeweils nächste Folge überhaupt noch sehen wollte. Die Authentizität und Glaubwürdigkeit in der filmischen Umsetzung ist so gut gelungen, die schauspielerischen Leistungen aller Protagonisten so überzeugend, dass diese (ja eigentlich widersprüchliche) Reaktion möglich ist.
Gerade die 2. Staffel erzeugt beim Zuschauen eine bedrückende Grundstimmung. Hier wird der Zustand der DDR in den 80ern besonders deutlich: auf der einen Seite die Erstarrung und Stagnation, ob nun politisch, wirtschaftlich oder geistig; die Verstrickungen vieler mit und in das System, das Netz von Überwachung und Bespitzelung – aber auf der anderen Seite die „Suche“ nach dem „richtigen“ Leben (siehe Titel der Rezension), nach moralisch vertretbaren Überzeugungen, nach einer Zwanglosigkeit des Daseins oder letztendlich auch die Möglichkeit eines Rückzuges in die kleinen privaten Komfortzonen und Nischen.

Jeder der die Verhältnisse kannte und entsprechend sozialisiert wurde, bekommt hier DEN Spiegel zur Selbstreflexion vorgehalten... Erst mit dem Wissen um den tatsächlichen Fortgang der zeitgeschichtlichen Ereignisse kommt überhaupt so etwas wie Hoffnung beim Gucken auf.

Ein Sinnspruch Adornos - „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ - [1] könnte eigentlich als Leitbild über „Weissensee“ stehen. Er reflektiert (in durchaus provozierender Form) den Unterschied zwischen dem Einen UND dem Anderen. Solange man sich persönliche Moral und ein Gewissen, den Sinn für das „Richtige“ nicht nehmen- oder abkaufen lässt, scheint damals wie heute noch Hoffnung zu bestehen.

Insofern ist „Weissensee“ ganz ganz großes Kino. Intensiv, emotional berührend und gleichzeitig hochaktuell. Die Fragen nach Moral und Gewissen stellen sich jedem Menschen, immer und in jeder Gesellschaftsordnung.

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[1] Theodor W. Adorno, Sinnspruch aus seinen „Minima Moralia – Reflexionen aus dem beschädigten Leben“

Für alle Interessierten: laut dem Medienmagazin DWDL.de soll eine dritte Staffel folgen:
dwdl.de/nachrichten/41910/ardserie_weissensee_erhaelt_eine_dritte_staffel/
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am 25. September 2015
Ich bin erklärtermaßen kein großer Freund klassischer Wende-Streifen, wie man auf Amazon mehreren meiner Rezensionen zu Produktionen dieses Genres entnehmen kann. Und so ließ mich anfangs schon der Titel "Weissensee - Liebe ist stärker als der Tod" erneut zweifeln. Zu sehr klang das nach dem üblichen Wende-Schmalz, irgendwo zwischen unglücklicher Liebe und Stasi-/Folter- oder Fluchtdrama. Und es stimmt: "Weissensee" zeigt ohne Retusche abermals die furchtbaren Seiten der DDR-Diktatur. Und es geht um eine große Liebe, die versucht, zwischen Freiheitsdrang und Repression zu überleben - und am Ende zumindest physisch am System scheitert.

Doch etwas ist in "Weissensee" völlig anders. Nicht irgendein politisches Ziel (etwa die Ausreise, eine halsbrecherische Flucht, die D-Mark oder die Wiedervereinigung) oder die Lächerlichmachung des Systems stehen im Vordergrund - es sind die Menschen, ihre Beziehungen und ihr täglicher Kampf um Würde und Recht. DAS ist es, was "Weissensee" so unglaublich gut macht. Es hat, was fast allen Veröffentlichungen zu diesem Thema bislang fehlte: Es zeigt glaubwürdig den Alltag in der Diktatur und die Spirale aus Unheil, die in Gang gesetzt wurde, sobald man sich dafür entschied, sich nicht anzupassen, nicht mehr für das System zu lügen und andere ins Unglück zu stürzen. Es zeigt die unglaublichen Risiken, die damit verbunden waren: Denn wer abwich, der gefährdete nicht nur nur sein eigenes Leben, er zog unweigerlich auch Freunde und Familie mit hinein. Es ist der ewige Mechanismus, der Diktaturen am Laufen hält, ein Kreislauf aus Angst und Gewalt, an dem Menschen zerbrechen können - selbst wenn sie stark sind.

Die Künstlerin Dunja Hausmann (herausragend: Katrin Sass) ist so eine starke Persönlichkeit. Im Ostberlin der 70er- und 80er-Jahre singt sie Lieder gegen das System und erzieht ihre Tochter Julia (Hannah Herzsprung) im Geiste der Freiheitlichkeit. Doch als die sich ausgerechnet in Martin Kupfer (Florian Lukas) - Sohn eines Generals im Staatsministerium für Inneres und auf dem Weg, als Volkspolizist die staatliche Karriereleiter hinaufzuklettern - verliebt, wird jener verhängnisvolle Kreislauf unwiderruflich in Gang gesetzt. Julia wird schwanger, doch die staatsnahe Familie Kupfer tut alles, um die Verbindung zum jüngsten Sohn Martin zu unterbinden. Die Dissidententochter, die Verbindungen in den Westen hat und gerade noch mit einer Flucht liebäugelte, kommt ins Gefängnis, ihre neu geborene Tochter nimmt man ihr weg. Was keiner ahnt: Ausgerechnet Martins Bruder Falk, spielt dabei eine tragende Rolle. Martin gerät zwischen die Fronten, muss sich entscheiden: Familie und System oder seine große Liebe und sein Kind. Er entscheidet sich für Julia, gegen seine Familie. Als die halb gebrochene Julia nach ihrer Freilassung sechs Jahre später erfährt, dass ihre tot geglaubte Tochter lebt, entscheidet sie sich zu kämpfen - mit Martin.

Julia und Dunja Hausmann, aber mit wachsender Intensität auch Martin verkörpern den Mut eines Volkes, das endlich ohne Angst leben wollte. Die Abscheu gegen die Verlogenheit und die Brutalität des Regimes, das vor nichts zurückschreckte, Menschen gnadenlos gegeneinander aufhetzte und quälte. "Wer sperrt die Menschen ein? Nur die alten Männer, die Angst haben... Angst vor dem Leben, Angst vor dem Tod. Angst vor unserem Mut...", singt Dunja Hausmann in der frei nach Weissensee verlegten Kreuzkirche. "Du hast den Mut zu lieben", attestiert selbst Martins Vater und MfI-General Hans Kupfer (Uwe Kockisch) an Julia gerichtet, als er erkennt, was das System seiner Familie angetan hat. Und schließlich ist da auch noch die alte Liebe Hans' zu Julias Mutter Dunja, die er einst für die eigene Karriere verleugnete...

Angst und Mut - die beiden zentralen und widerstreitenden Themen der Diktatur - und "Weissensee" versteht es hervorragend, sie einzufangen. Über insgesamt zwölf Folgen hinweg werden die Charaktere intensiv gezeichnet, entwickelt und in all ihrer Unvollkommenheit porträtiert - menschliche Abgründe tun sich dabei auf. Und eines ist allgegenwärtig und vor allem in fast allen Rollen durchweg glaubhaft und authentisch verkörpert: die Angst, die die Menschen in ihrem täglichen Dasein treibt. Es ist die Angst Martin Kupfers um die inhaftierte und gefolterte Julia. Die Angst seiner Mutter Marlene Kupfer, dass die Familie am unbarmherzigen Opportunismus der einen und am Freiheits- und Wahrheitsdrang der anderen zerbrechen könnte. Es ist die gierige Angst seines Bruders Falk Kupfer (ebenfalls großartig: Jörg Hartmann), einem Oberst im Dienste des Innenministeriums, davor, selbst in Ungnade zu fallen und seinen mächtigen Posten zu verlieren. Denn die Emporkömmlinge der Nomenklatura rütteln bereits an seinem Thron. Doch am besten eingefangen wird die Angst in der Rolle von Falks Frau Vera (phänomenal: Anna Loos), die von ihrem beherrschenden, eiskalt-berechnenden Mann, der selbst davor nicht zurückschreckt, sie als Spitzel gegen ihre Freunde einzusetzen, fast zugrunde gerichtet wird.

Regisseur Friedemann Fromm versteht es vortrefflich, aufzuzeigen, wie hoch der Preis für ein privilegiertes oder einfach auch nur halbwegs friedliches Leben in der DDR war: es bedeutete, mindestens ein oder zwei Leichen im Keller zu haben. Dabei setzt er bewusst nicht oder nur in sehr marginalem Maße auf typische Ostklischees. Muckefuck und Tempolinsen im Küchenregal werden zur fast schon normalen Alltagskulisse und fallen eher beiläufig ins Auge. Und der hin- und hergerissene Hans Kupfer steht für die häufig und gerne verschwiegene Menschlichkeit und Weitsicht, die sich manchmal selbst bis in die höchten Etagen des Staatsapparates schleichen konnte. Zum ersten Mal zeigt ein Werk über das Leben in der DDR - auch wenn es sich abermals ausschließlich um deren mächtige Schattenseite dreht - die Verwundung, das Trauma eines Volkes. Vielleicht gelingt das auch deshalb so gut, weil dem Thema erstmals Raum und Zeit gegeben wurde, sich zu entfalten, eine Atmoshpäre zu entwickeln. Und das macht aus "Weissensee" ein echtes Kleinod, wenn nicht vielleicht sogar ein kleines Meisterwerk unter den "Wende-Schinken". Hut ab und Kaufempfehlung!
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am 14. Juli 2013
Eine Geschichte über zwei Familien in der DDR, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Zum einen Familie Kupfer, die durch die Stasi-Ideologie geprägt ist, mit Vater Hans Kupfer der zu Beginn der ersten Staffel noch der Stasi-Hardliner ist und in der zweiten Staffel am System zweifelt und versucht etwas zu bewegen. Zum anderen Familie Haußmann die durch die Repressalien der Stasi-Überwachung und -haft geprägt ist. Ein Zweiteiler, der sein Geld wert ist und Einblicke gibt wie eine Familie durch Intrigen, Verrat und ein gesellschaftliches System, welches die totale Kontrolle und Macht gegenüber den Bürgern ausüben will zerbrechen kann.

Allerdings bleiben am Ende viele offene Fragen, die die Hoffnung auf eine dritte Staffel nähren.
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am 10. Oktober 2013
Sehr authentisch und ergreifend! Ich würde mich sehr über eine Fortsetzung freuen! Natürlich mit derselben Besetzung. Besonders hervorzuheben ist die Leistung von H.Herzsprung.
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am 16. August 2013
Wir haben die erste Staffel im TV gesehen und fanden sie super. Nach langem Warten haben wir uns die 2.Staffel gekauft. Es ist eigentlich eine Schande, dass sie noch nicht im TV lief - dabei gibt es soviel Müll, den man damit ersetzen könnte. Die 2. Staffel setzt nahtlos an das hohe Niveau der ersten an. Eine richtig gut gelungene Story deutscher Geschichte!
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