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Tom Rob Smith, der mit seiner Trilogie um den russischen Agenten Leo Demidow eine große Schar von Lesern für sich gewonnen hat, geht diesmal einen völlig anderen Weg, um seine Geschichte zu erzählen. Denn anstatt eine schlüssig konstruierte Handlung in den Mittelpunkt zu stellen, beschränkt er sich im überwiegenden Teil des Buches darauf, einen Dialog zwischen Daniel und seiner Mutter Tilde ablaufen zu lassen. Dabei nimmt Daniel die Rolle eines Zuhörers ein, der mit gezielten Fragen versucht, den merkwürdigen Ereignissen auf den Grund zu kommen, bei seinem Vorhaben jedoch an der Hartnäckigkeit seiner Mutter scheitert. Und so ist sie es, die die knapp bemessene Zeit dazu nutzt, um von grausamen Verbrechen, einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft und der unrühmlichen Rolle von Daniels Vater zu sprechen.

Gefühlvoll geschrieben, schonungslos offen und erst spät zu durchschauen ist dieser Thriller, der von der panischen Angst der Mutter, den Zweifeln ihres Sohnes und dem Unverständnis des Vaters lebt. Deshalb wundert es nicht, dass auch der Leser in seinem Urteilsvermögen schwankt und mal dem Vater, dann wieder der Mutter und zuguterletzt dem Sohn Glauben schenkt. Ein verworrenes Geflecht aus Wahrnehmungen und Fakten, das vom Autor mit einem Gespür für menschliche Schwächen erzählt wurde und durch seine authentische Darstellung fesselt und berührt.

Fazit:
"Ohne jeden Zweifel" ist ein langsam in Fahrt kommender Thriller, der seine Spannung aus der Frage zieht, was in einer kleinen Gemeinde in Schweden wirklich geschehen ist und wie viel von den geschilderten Ereignissen der Fantasie einer neu hinzugezogenen Einwohnerin entspringt. Ein Buch, das vor allem einfühlsamen Lesern mit einem Hang für psychologisch ausgefeilte Geschichten zu empfehlen ist.
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am 4. November 2013
Was macht man als Sohn, wenn die Mutter Hals über Kopf von der Auswanderung nach Schweden zurückkehrt und den Vater schwer belastet?

Wenn man vom Vater per Telefon hört, dass die Mutter psychiatrisch behandelt wurde und von Verschwörungswahn befallen wäre.
„Sie bildet sich Dinge ein – wirklich schlimme Dinge“.

Die Mutter, die doch immer bei klarem Verstand geschäftlich „die Hosen anhatte“?

„Aber vergiss nicht, dass man Frauen schon seit Hunderten von Jahren zum Schweigen bringt, in dem man ihnen vorwirft, sie wären nicht zurechnungsfähig“.

Geisteskranke Mutter oder gemeingefährlicher Vater?

Das bleibt abzuwarten, denn Daniel trifft seine Mutter, holt sie in London vom Flughafen ab und sie erzählt ihm ihre Geschichte. Die Geschichte der „Rückkehr“ nach Schweden (die Mutter ist gebürtige Schwedin). Die Geschichte vom Neuanfang mit wenig Geld, den Plänen mit dem alten Hof, den sie und ihr Mann, Daniels Vater, erworben haben.
Und die Geschichte von Hakan, dem Großgrundbesitzer, unausgesprochener Führer der dörflichen Gemeinschaft um den Hof von Daniels Eltern herum.

Ein Scheusal in Menschengestalt? Einer, der von Beginn an das Land einfach haben will, schon von der Vorbesitzerin erwerben wollte, die es ihm nicht gab. Einer, der von der ersten Begegnung an Daniels Mutter demütigte und Daniels Vater auf seine Seite zog, als „Kumpel“.

Hakan, dessen Adoptivtochter Mia, eine Schwarze, von jetzt auf gleich aus der Einöde verschwunden ist. Ein Verbrechen? Ein Mord? Begangen von Hakan? Oder einfach nur Einbildung der Mutter?

Es wird für Daniel (und den Leser) nicht leicht, richtig und falsch, Wahn und Realität, Wissen und Vermutungen zu unterscheiden. Lange Zeit nicht leicht, zu unterscheiden, ob Vater oder Mutter „im Recht“ sind. Und ebenso wird es schwierig sein, die Rolle von Daniels Großvater, den seine Mutter seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, richtig einzuschätzen. Denn da scheinen Dinge in der Jugend seiner Mutter geschehen zu sein, die nicht recht zu fassen sind, die ihr aber in der Gegenwart zum Vorwurf gemacht werden können.

Bis sich im letzten Viertel des Buches die Fäden entwirren werden, in überraschender Weise.

Smith wählt einen interessanten Stil für seinen Roman. Über den größten Teil des Buches hinweg lässt er Daniel als Zuhörer seiner Mutter still sitzen und entfaltet die Geschichte als reinen Bericht der Mutter. Was ihm ganz hervorragend von der Hand geht.
Personen, Verbindungen, Beziehungen, Ereignisse, überaus spannend und emotional dicht schildert Smith die Erlebnisse der Mutter, die lange Fahrt auf dem Fluss zur „Träneninsel“, den Leuchtturm, die kraftvolle Persönlichkeit Hakans, die Lebensfreude Mias und deren ominöses Verschwinden.

Und lässt doch jederzeit offen, ob all das nur ein Wahngebilde ist, ob Daniels Vaters recht hat mit der großen Sorge um seine Frau.

Etwas Dunkles, Böses lauert hinter den Zeilen, dem sich der Leser kaum entziehen kann und der Auflösung entgegenfiebert. Die anders ist, als man denken könnte bei der Lektüre, aber dennoch nicht enttäuscht.
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am 26. Januar 2014
Tom Rob Smith hat mit "Kind 44" einen Thriller geschaffen, der die paranoide Stimmung der sowjetischen Gesellschaft nach dem zweiten Weltkrieg in einer Intensität widerspiegelt, wie kaum ein zweiter. Nach einer Trilogie hat er sich offensichtlich von der Hauptfigur und dem Thema verabschiedet. Leider vertraut der Verlag weder dem Autor noch den Lesern und versucht völlig verkrampft Erwartungen aufzubauen, die an der Trilogie anknüpfen.
Insofern sind die Erwartungen, vielmehr die vom Verlag geweckten falschen Erwartungen der größte Irrtum, wenn man dieses Buch liest. Weder Titel "Ohne jeden Zweifel" noch der verschämte Hinweis, es handele sich um einen "Thriller" tragen der wirklichen Qualität des Buches Rechnung. Befreit man sich von diesen Irrtümern, erhält man einen Roman, der (durchaus mit Parallelen zu "Kind 44") die von Paranoia geprägte Stimmung zwischen Mutter und Sohn in einer hervorragenden Qualität widerspiegelt.
Nur die Erwartung eines Krimi oder Thriller verdirbt das Lesevergnügen.
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am 21. März 2014
Daniel hatte eine wohlbehütete Kindheit. Seine Eltern liebten sich über alles und führten eine erfolgreiche Gärtnerei, die sie aufgaben um sich schlussendlich in Schweden, die Heimat seiner Mutter, zur Ruhe zu setzen. Ihr Sohn wiederum blieb in London und zog mit seinem Partner Mark in eine Wohnung. Seitdem haben sie sich nicht mehr gesehen und führten nur Kontakt über E-Mails. Die Besuche nach Schweben verschiebt Daniel immer verschiebt immer wieder, aus Angst zu seiner Sexualität stehen zu müssen, bis ihn eines Tages ein besorgter Anruf seines Vaters erreicht. Seine Mutter sei in einer geschlossenen Anstalt untergebracht worden, sie gilt als gefährlich und scheint psychische Probleme zu haben. Kurzerhand besorgt Daniel sich ein Flugticket nach Schweden um das nächstbeste Flugzeug zu erwischen. Doch dieser Plan ändert sich bald, als ihn nichtsahnend seine Mutter informiert, dass sie auf den Weg nach London sei und sich aus der Anstalt selbst entlassen hat. Seinem Vater soll er nichts glauben und ihn auch nicht über ihren Aufenthaltsort informieren. Sie behauptet, er ist in einem Komplott verstrickt und hat sie in die Psychiatrie einweisen lassen, damit sie als verrückt gilt. Auf einmal steht er zwischen den Stühlen. Wen soll er glauben? Seiner Mutter oder seinem Vater?

Schon mit diesem Anfang schafft Tom Rob Smith eine Dramatik und eine verzwickte Situation, die kein Kind jemals erleben möchte. Wen soll man glauben und welchen Elternteil soll man trauen? Seine Mutter reist zu ihm nach London und erzählt ihm chronologisch eine Geschichte, bei der weder der Leser noch Daniel weiß, was wirklich wahr, was Fiktion ist oder was genau dahinter steckt. Spricht sie doch über die Wirklichkeit? Aber sie gilt doch als krank... ist sie doch gesund?
Erschreckende Dinge und verworrene Gedanken, die einen nicht sofort erschließen, werden zu einem Netz, dessen man sich schwer entziehen kann. Seine Eltern haben sich aus reinen Geldgründen nach Schweden abgesetzt und der Ort schien sie von Anfang an nicht zu akzeptieren. Die Dorfgemeinschaft grenzt sie aus und jeder scheint gegen sie. Einmal ist man der Meinung, man darf der Mutter nicht glauben, dann wiederum hat man das Gefühl man muss ihr glauben schenken. Ständig in dieser Schwebe gehalten, läuft man dabei durch eine Geschichte, die ein idyllisches Schweden zeichnet mit all seiner Natur und Fröhlichkeit, dass überschattet wird von moralischen Wunschdenken. Klischees werden durchbrochen und man bekommt einen Blick auf die Lebensweise dort, die mehr als finster ist. Dorfharmonie, die scheinheilig ist, vermeindliche Nächstenliebe und christliche Tugenden, die hinter dem Rücken auf einmal verschwunden sind. Auf den gekauften Hof in Schweden lebend, geht es um Intrigen und seltsam anmutende Momenten, die fast schon traumhaft wirken, die an den Verstand der Mutter Zweifeln lassen. Trotzdem spürt man, dass dahinter mehr steckt, doch sie lässt sich weder vom Leser, noch von Daniel zu Vorgreifungen überreden.
Im Kontrast dazu steht Daniels eigene Stellung als ungeouteter homosexueller Mann, der seinen Eltern eine Lüge vorgelebt hat. Mit seinem Partner Mark zusammenlebend, konnte er sich in diesem Punkt nie bei seinen Eltern öffnen, egal wie viel Liebe sie für ihn aufgebracht haben. Selbiges gilt auch für die Eltern, die ihn über die reale finanzielle Situation der Eltern nie aufgeklärt haben, ihn damit nicht belasten wollten. Ein stetig schleichender familiärer Zusammenbruch scheint zu entstehen, dessen Folgen man noch kennenlernen wird.
Die Erzählungen der Mutter dominieren die Handlung. Ihre Erzählweise ist unterkühlt, analysierend, fast schon verhärtet und werden durch ihre panischen und paranoiden Momente durchbrechen. Der Leser weiß nur Schritt für Schritt, was Daniels Mutter mitteilen will. Aber was davon ist die Wahrheit? Diese enthüllt sich erst zum Schluss, als der Fokus von der Mutter verschwindet und sich auf die Suche nach der Wahrheit hinter der Geschichte begeben wird. Eine Suche, die mehr als eine Überraschung birgt.
Wer versucht hinter den Lücken der Geschichten zu gelangen, hat es schwer. Tom Rob Smith gelingt es mit psychologischer Detailverliebtheit eine authentische Geschichte zu erschaffen, die nicht nur um eine Ecke gedacht hat. Die Rollen sind strikt getrennt und trotzdem kann sich der Leser nur schwer ein Urteil bilden, ist stetig verunsichert wie er welche Personen einschätzen muss. Die Entwicklung der Charaktere ist sehr unterschiedlich und er findet jeweils passende Auslöser, um aus seinen Konzeptfiguren wahrliche Menschen zu machen. Verzweiflung, Missglaube, Verrat und die Lügen über sich selbst und die, die andere erzählen, treiben ein unheimliches Spiel in diesem Thriller. Lügen, die einen nicht nur einmal den Mund offen stehen lassen. Der Autor kennt die Schwächen der Menschen und weiß, wo er sie anlegen muss um sie zu dramatischen Szenarien zu verbinden. Dabei ist es gerade die psychologiche Komponente, die einen das Fürchten lehrt. Sehr tiefgehend gezeichnet bis ins kleinste Detail stimmig, sodass sich jedes Häarchen in das Ende fügt.
Manchen wird die Spannung fehlen, obwohl diese gerade durch die Verunsicherung zum Reißen gespannt ist. Seltsam ruhig kommt der Thriller daher und es schleicht sich der ein oder andere Durchhänger durch, es entstehen Längen. Manchmal fällt die Spannungskurve, durch den schlichten Aufbau, nach unten und man muss sich bis zum Ende durchbeißen, sich etwas aufraffen um weiter zu lesen, da gerade die Erzählweise der Mutter, die stringend die Geschichte erzählt, einen anfängt zu nerven. Doch das Ende belohnt einen, ist perfekt ausgeschlüsselt und beantwortet die kleinste Frage, was man nie für möglich gehalten hat. Es bricht mit Moralvorstellungen und bringt in einem Entsetzen herver, auch wenn es an mancher Stelle fast zu perfekt und versöhnlich erscheint und die Glaubwürdigkeit etwas angekratzt wird.

Fazit
"Ohne jeden Zweifel" ist ein tiefenpsychologischer Thriller, der mit der Verunsicherung seiner Leser spielt. Tom Rob Smith hat ein Gespür für menschliche Schwächen und schafft eine dynamische Geschichte, die, trotz ihrer leisen Töne, einen unglaublichen Sog entwickelt. Eine Geschichte, die Schwedens Idylle auf den Kopf stellt und psychologisch dicht erzählt ist.
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TOP 1000 REZENSENTam 27. Juli 2014
Der 29-jährige Daniel wohnt in London, seine Eltern sind vor einigen Monaten auf einen Hof in Schweden gezogen. Eines Tages erhält er einen Anruf von seinem Vater: Seine Mutter Tilde musste in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Bevor Daniel ins Flugzeug steigen kann, ist seine Mutter schon bei ihm in London eingetroffen. Daniel ist ihre letzte Hoffnung, denn sie weiß: Ihr Mann versucht mit anderen Bewohnern der Gegend, ein Verbrechen zu vertuschen. Mit Hilfe von Beweisstücken erzählt sie Daniel streng chronologisch ihre Geschichte. Wie wird Daniel darauf reagieren?

Das Buch beginnt mit einem längeren Kapitel, in dem Daniel von der Einweisung seiner Mutter erfährt und diese kurz darauf bei ihm in London eintrifft. Wie konnte sie so schnell die Klinik verlassen? Sie selbst ist überzeugt davon, gesund zu sein; ihr Mann der sie hat einweisen lassen ist ihrer Meinung nach Teil der Verschwörung. Gleichzeitig erhält Daniel aber auch Anrufe von seinem Vater, der ihn auf die Krankheit seiner Mutter hinweist und ihn warnt, dass sie auch gewalttätig werden könnte. Wem soll Daniel glauben? Ich konnte sein Dilemma nachvollziehen und war gespannt auf seine Reaktion.

Daniel beschließt zunächst, seiner Mutter die Chance zu geben, ihre Geschichte zu erzählen. Diese beharrt darauf, chronologisch vorgehen zu müssen, damit alles verständlich ist. Sie beginnt ihre Geschichte mit dem Umzug nach Schweden, und als Leser weiß man nicht, worauf ihre Erzählung überhaupt hinauslaufen soll. Ihre Geschichte wird immer wieder von Daniels kurzen Reaktionen auf das Berichtete unterbrochen. Für mich als Leserin war es interessant abzuwägen, ob das Erzählte tatsächlich der Wahrheit entspricht und ob die von Tilde vorgelegten Beweisstücke tatsächlich als solche angesehen werden können.

Tildes Erzählung wirkt zwar authentisch, war mir aber etwas zu ausschweifend. Nach 310 Seiten Erzählung folgen 90 Seiten Konsequenzen. Dieses Seitenverhältnis war mir zu unausgeglichen, den ersten Teil empfand ich als zu lang und den zweiten als zu kurz. Dennoch faszinierte mich das Verwirrspiel des Romans. Da Daniel noch nie selbst in Schweden war, kennen er und auch man selbst als Leser die beteiligten Personen nur so, wie Tilde sie schildert. Doch wie bösartig sind Chris, Håkan, Doktor Norling und der Bürgermeister wirklich? Diese Ungewissheit sorgt für eine beständige, untergründige Spannung. Die Beantwortung aller drängenden Fragen kommt im Verhältnis zu Tildes Geschichte wie gesagt etwas kurz, hat mich aber überraschen und überzeugen können.

„Ohne jeden Zweifel“ lebt von der Ungewissheit des Lesers, inwiefern das Erzählte der Wahrheit entspricht und welche Konsequenzen dies haben wird. Dies führt zu einer beständigen untergründigen Spannung während der eher ruhigen Geschichte. Wer psychologische Verwirrspiele mag und bei der Suche nach Wahrheit Hartnäckigkeit beweisen kann, ist bei diesem Buch richtig.
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am 1. Januar 2014
Als Daniels Eltern nach Schweden auswanderten, um einen Neuanfang zu wagen, schien alles voller Erwartungen und Vorfreude zu sein. Anfangs hielt seine Mutter Tilde ihn regelmäßig auf dem Laufenden. Sie berichtete, wie schön es in ihrer alten Heimat sei und betonte immer wieder, dass er sie bald auf ihren gemeinsamen Hof besuchen sollte. Doch Daniel schob diesen Besuch immer hinaus, weil er sich davor fürchtete sich nach so langer Zeit vor seinen Eltern zu outen und Ihnen seinen Freund vorzustellen.

Als dann der Anruf von seinem Vater kam, erwischte es Daniel eiskalt. Hatte keine Ahnung, dass seine Mutter in die Psychiatrie eingeliefert wurde und daraus entflohen ist. Sie sei verrückt, so der Vater und höchstwahrscheinlich auf dem Weg zu ihm nach Deutschland. Er soll vorsichtig sein, denn sie ist gefährlich.

Wie hatte Daniel nur so blind sein können? Hat er die Zeichen seiner Mutter verkannt? Als seine Mutter Tilde tatsächlich bei ihm auftaucht, erkennt er sie kaum wieder. Sie scheint durcheinander zu sein, faselt etwas von Verschwörung und Gefahr, die ihr aus dem schwedischen Dorf droht. Und was viel schlimmer ist: sie beschuldigt seinen Vater, ihr nach dem Leben zu trachten.

Irgendetwas ist in Schweden passiert. Doch wem soll Daniel glauben? Hat sein Vater recht - ist Tilde eine Gefahr für sich selbst und andere? Oder kann er den Worten seiner Mutter glauben schenken - ist sein Vater in Schweden zu einer anderen Person geworden und will er seiner Frau tatsächlich etwas antun?

Mein Fazit

Das ist mein erstes Hörbuch von Rob Tom Smith, aber bestimmt nicht mein letztes.

Ich habe mich von der ersten bis zur letzten Minute total unterhalten gefühlt und hier und da die eine oder andere überraschende Wendung erlebt. „Ohne jeden Zweifel“ ist ein psychologisches Meisterstück, welches den Zuhörer oft hinters Licht führt.

Die beiden Sprecher Beate Himmelstoß und Friedrich Mücke haben auch eine tolle Arbeit geleistet indem sie Tilde und Daniel ihre Stimme liehen.

Wer hier Action oder einen blutrünstigen Thriller erwartet, der mag eventuell enttäuscht sein. Doch für alle anderen hat Tom Rob Smith einen spannenden und bewegenden Psychothriller geschaffen.
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am 2. November 2014
Ich habe die bisherigen Bücher von Tom Rob Smith mit der (Lebens-)Geschichte des Agenten Leo Demidow verschlungen. Die Story war sowohl spannend und abwechslungsreich, aber als geschichtsinteressierter auch historisch und politisch interessant zu lesen. Man konnte sehr gut das Lebensgefühl der Menschen in Russland und während des Kalten Krieges nachempfinden.

In diesem Buch erscheint die Story zunächst sehr interessant und macht neugierig, leider flacht der Spannungsbogen zunehmend ab bis dann das abrupte Ende ohne jedwede weitere Erklärung kommt. Wirklich ziemlich einfallslos und lasch, letzen Ende genauso wie die im Buch handelnden Charaktere. Die Klärung am Ende ist bereits nach dem ersten Buchdrittel vorhersehbar und wird leider nur allzu schlecht bestätigt.

Insgesamt daher eine absolute Enttäuschung. Offensichtlich wollte man mit dem Buch nur auf der Erfolgswelle der vorherigen schnelles Geld machen. Das klappt aber leider nur einmal. Ich zumindest werde mir von Tom Rob Smith kein weiteres Buch mehr kaufen.
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TOP 500 REZENSENTam 4. Februar 2014
Tom Rob Smith kennt man von seiner Trilogie um den russischen Agenten Leo Demidow. In seinem neuesten Buch, einem Psychothriller, scheint er nun Teile seiner eigenen Familienhistorie zu verarbeiten, denn ebenso wie der Protagonist Daniel hat er schwedisch-englische Eltern.

"Ohne jeden Zweifel", so der Titel der aktuellen Veröffentlichung, suggeriert eine trügerische Sicherheit. Aber recht schnell muss der Leser feststellen, dass in dieser Geschichte offenbar doch nichts so ist, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Daniel lebt mit seinem Freund in London und versucht sich dort als Landschaftsgärtner eine gesicherte Existenz aufzubauen. Etwas, was seine Eltern nicht geschafft haben, und die deshalb nach dem Verkauf der Familiengärtnerei in ein Dorf in Südschweden umgesiedelt sind. Seiner Mutter Tilde bekommt diese neue Umgebung offenbar nicht, denn für sie ist dieser Ort buchstäblich ein Sündenbabel, dessen Bewohner in Menschenhandel und Missbrauch verwickelt sind. Aber ihre Vermutungen nimmt niemand ernst, am wenigsten ihr Mann Chris, der sie in die Psychiatrie einweisen lässt. Tilde kann fliehen, und ihre Anlaufstelle ist ihr Sohn Daniel, der die Anschuldigungen, die seine Mutter erhebt, kaum glauben kann. Und so macht er sich auf den Weg nach Schweden ...

Tom Rob Smith erzählt die spannende Geschichte einer Familie, deren Mitglieder ihre Geheimnisse gut verborgen haben und in der Lügen und Verrat weit zurückreichen und noch immer die Gegenwart beeinflussen. Sehr stimmungsvoll beschreibt er nicht nur die äußeren Bedingungen, sondern auch das Misstrauen und die Paranoia der Familienmitglieder untereinander, wobei deren Umgang miteinander von Zweifeln geprägt ist.

Es dauert eine ganz Weile, bis der Autor die Rahmenbedingungen für seine Geschichte entwickelt. Er macht das sehr ausführlich und detailliert, was einerseits zwar zu Lasten des Tempos geht, andererseits aber das Interesse des Lesers an den Ereignissen in dem schwedischen Dorf schürt, wobei die Aussagen von Daniels Mutter Tilde zu Beginn durchaus mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden können.

Ab dem Zeitpunkt, an dem Daniel vor Ort in Schweden ist, nimmt der Thrill-Faktor deutlich zu, die Spannung steigt, und man möchte nur zu gerne wissen, welche sprichwörtlichen Leichen er bei seinen Recherchen ausgräbt. Ab diesem Zeitpunkt kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Hochspannung ohne sinnloses Gemetzel - eine klare Leseempfehlung meinerseits!
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am 23. Februar 2014
Als wir nebeneinander im Fond eines Taxis saßen, die Hände verschlungen wie ein durchgebranntes Liebespaar, fiel mir ihr Atem auf. Er roch schwach metallisch und erinnerte mich an geriebenen Stahl, falls es so etwas gab. Um ihre Lippen zog sich eine schmale blaue Linie, als wäre sie extremer Kälte ausgesetzt gewesen. Meine Mum erriet meine Gedanken, öffnete den Mund und zeigte mir ihre Zunge. Die Spitze war so schwarz wie Sepiatinte. Sie sagte:
"Gift."
--

INHALT:
Daniel ist gerade auf dem Weg vom Supermarkt nach Hause, als er einen Anruf von seinem Vater bekommt - der ihm mitteilt, dass seine Mutter offensichtlich unter einer Psychose leidet und eingewiesen werden musste. Doch bevor Daniel sich auf den Weg dorthin machen kann, um seinen Eltern beizustehen, wird seine Mutter bereits aus dem Krankenhaus entlassen und flieht zu ihm, um ihm ihre Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die voll ist von Anschuldigungen und Verbrechen, und die auch Daniels Vater stark belastet...

MEINE MEINUNG:

SCHREIBSTIL
Die Geschichte um Daniel, seine Eltern und eine Verschwörung in einem schwedischen Dorf wird aus zwei Perspektiven erzählt: Der von Daniel selbst und der seiner Mutter, die ihm ihre Sicht der Dinge darlegt. Dabei gelingt es Tom Rob Smith verblüffend gut, die beiden Stimmen unterschiedlich zu gestalten. Zwar ist immer ersichtlich, wer gerade spricht, da die Erzählungen der Mutter auf den Seiten versetzt sind - was übrigens sehr besonders aussieht -, aber auch ohne diese Kennzeichnung wirken die beiden Figuren in ihrer Art und Weise der Berichterstattung sehr unterschiedlich. Der Autor konzentriert sich dabei viel auf Dialoge, ebenso aber auch auf Beschreibungen, die sich ausgleichen und so ein stimmiges Bild ergeben.

CHARAKTERE
Daniel ist der Sohn liebevoller Eltern, genau diese haben ihn jedoch auch lange vor den schrecklichen Dingen des Lebens bewahrt, sodass er heute nicht wirklich für sich einstehen und ihnen nicht einmal mitteilen kann, dass er schwul ist. Seine Mutter Tilde wirkt über weite Strecken äußerst klar, hat zwischenzeitlich jedoch auch deutliche paranoide Momente, die es einem immer wieder schwer machen, zu entscheiden, ob ihre Aussagen nun stimmen oder nicht. Daniels Vater lernt man kaum persönlich kennen, stattdessen erfährt man von ihm hauptsächlich aus Tildes Erzählungen, weswegen man ihm schon nach kurzer Zeit Misstrauen und Abneigung entgegen bringt, obwohl man nur wenig von ihm erfährt. Insbesondere jedoch die Dorfgemeinschaft ist wunderbar charakterisiert - die Herrschaft einzelner Personen, die Unterordnung der Frauen, der feste Zusammenhalt. Alle scheinen ihre kleinen, fiesen Geheimnisse zu haben, die dafür sorgen, dass man keine der Figuren so schnell wieder vergisst.

STORY
Interessant an der Geschichte ist vor allem, dass man nie weiß, was man denken oder von den agierenden Charakteren halten soll. Ist Daniels Mutter verrückt? Ist sein Vater in die schrecklichen Ereignisse verwickelt, die in ihrem Dorf vorgehen? Oder spielt Tildes Wahrnehmung verrückt und sie ist tatsächlich so psychisch labil, wie ihr Mann behauptet? Genau wie Hauptcharakter Daniel selbst weiß man nie, woran man ist. Auf der einen Seite wirkt die Geschichte seiner Mutter manchmal abstrus, ihre Gedankensprünge sind nicht immer nachvollziehbar, ihre Anschuldigungen schrecklich. Gleichzeitig sind ihre Argumente schlüssig, ihre Beweise durchaus annehmbar. Immer wieder werden die eigenen Überlegungen durch die nächste Enthüllung außer Kraft gesetzt, wodurch die Gedanken nie zur Ruhe kommen.

UMSETZUNG
Das liegt sicherlich auch an der fantastischen Atmosphäre, die der Autor hier erschafft: Eine Atmosphäre von unterschwelliger Gewalt, von Intrigen, Lügen und Verrat. Das Geflecht aus den Anschuldigungen der Mutter und der gleichzeitigen Beteuerung des Vaters, er habe all dies nicht getan, zieht sich immer fester zusammen. Bis zum Ende bleibt das Ganze absolut spannend und mitreißend, so fesselnd, dass man es kaum noch aus der Hand legen mag. Zuletzt werden die Hinweise gut zusammengeführt und ergeben eine überraschende, aber auch glaubwürdige Lösung. Allerdings wird nicht auf alles vorher Gesagte noch einmal eingegangen bzw. nicht alles wird berücksichtigt, weswegen ich nicht uneingeschränkt zufrieden bin - aber zum allergrößten Teil.

FAZIT:
Tom Rob Smiths "Ohne jeden Zweifel" ist ein atmosphärischer, spannender und gut durchdachter Thriller, der aufgrund seiner authentischen Geschichte rund um ein verschworenes Dorf voller Geheimnisse nicht mehr loslässt. Absolut empfehlenswert für Fans von dichten und packenden Geschichten! 4 Punkte.
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am 9. Januar 2014
Der Sohn erfährt telefonisch von seinem Vater, dass seine Mutter psychisch sehr krank sei und in eine Anstalt musste.
Die Eltern sind vor einiger Zeit von London nach Schweden gezogen, die Mutter stammt von dort. Kurze Zeit später kommt die Mutter, entlassen aus der Anstalt nach London, um ihren Sohn davon zu überzeugen, dass sich alle ihr gegenüber verschworen hätten und dass dahinter ein zu verheimlichendes Verbrechen stehen würde, auch der Vater sei dabei mit involviert. Es folgt dann ein gut 300 Seiten langes Zwiegespräch zwischen Mutter und Sohn, in dem die Mutter versucht, ihn von ihrem Verdacht zu überzeugen. Der Sohn erfährt, dass die Eltern ihm viel verheimlicht haben, genauso hat er auch Geheimnisse, wie z.B. seine Homosexualität, die er seinen Eltern gegenüber nicht gestehen konnte und deshalb auch nie die Eltern am neuen Wohnort in Südschweden besucht hat. Die ganze Unterredung findet statt in der Wohnung des Freundes unter der ständigen Angst des Mannes, dass eben der Freund auftaucht und seine Mutter sein Anderssein erfährt, andererseits unter der panischen Angst der Frau, ihr Mann könne aus Schweden anreisen und sie entdecken. Rob Smith beschreibt grandios die Wahnverkennung der Frau, die letztendlich doch wieder zu einer Einlieferung in eine Nervenanstalt führt. Der Sohn ist aber überzeugt, dass hinter der Geschichte der Mutter doch eine Wahrheit oder ein Geheimnis liegen muss und deckt dieses Trauma dann auch auf den letzten 50-60 Seiten des Buches auf .Das Buch liest sich flüssig. Es ist sicherlich kein Krimi im herkömmlichen Sinne, aber eine sehr einfühlsame Schilderung einer akuten Psychose auf dem Boden frühkindlicher Traumatisierung respektive eines kindlichen Missbrauchs. Das Buch ist sicherlich nicht nur für Psychiater interessant. Rundum empfehlenswerte Literatur
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