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TOP 500 REZENSENTam 19. August 2013
Darf ein Moslem ein Buch über Jesus von Nazareth schreiben? In den USA tobt derzeit eine heftige Debatte um diese Frage. Ausgelöst hat sie ein Buch, in dem der Religionswissenschaftler Reza Aslan zu rekonstruieren versucht, wer der historische Jesus von Nazareth war und welche Ziele er verfolgte. Aslan floh als Kind mit seiner Familie aus dem Iran, fand als Jugendlicher in Amerika zum Christentum und begann ein Studium der Religionsgeschichte. Das Studium, vor allem die kritische Auseinandersetzung mit der Bibel, löste eine Glaubenskrise aus, an deren Ende Aslan wieder zum Islam zurückkehrte. Diese Rückkehr zur Religion seiner Vorfahren nehmen Aslans Kritiker zum Vorwand, ihm das Recht abzusprechen, seine in langjähriger Forschung gewonnenen Ansichten über Jesus von Nazareth öffentlich zur Diskussion zu stellen. Der Versuch, den Autor unter Verweis auf seine Religion zu diskreditieren, beruht auf der albernen und kindischen Überzeugung, dass Nichtchristen per se nicht qualifiziert seien, sich wissenschaftlich und publizistisch mit dem Christentum und seiner Geschichte zu beschäftigen.

Deutsche Leser sollten sich von den amerikanischen Debatten nicht davon abhalten lassen, Aslan eine Chance zu geben und sein Buch vorurteilsfrei zu lesen. Aslan ist nämlich ein seriöser Autor und Wissenschaftler. Anmerkungen und Bibliographie machen ein Fünftel seines Buches aus. Aslan bewegt sich nicht im luftleeren Raum, sondern lehnt sich eng an die einschlägige Forschung zum historischen Jesus und zur Frühgeschichte des Christentums an. Sein Buch ist ein Versuch, die Ergebnisse der internationalen Jesus-Forschung einem breiten gebildeten Publikum nahezubringen (Erkennbar ist z.B. die Bezugnahme auf die Arbeiten von Geza Vermes). Dass sich Aslan explizit an ein Publikum von Nichtfachleuten wendet, kann nicht genug betont werden. Das Buch ist hervorragend geschrieben - klar und verständlich, farbig und anschaulich, mit beachtlichem Talent für die Vergegenwärtigung historischer Schauplätze und die umsichtige Charakterisierung historischer Akteure, über die aufgrund der schwierigen Quellenlage allzu oft nur wenig bekannt ist. Selbst Atheisten, die noch nie einen Blick in die Bibel geworfen haben, werden an keiner Stelle des Buches Verständnisprobleme haben.

Man sollte Aslans Buch unbedingt im Original lesen und nicht auf die deutsche Übersetzung warten, denn es ist fraglich, ob die schriftstellerischen Qualitäten des Textes auch in einer Übersetzung zum Tragen kommen werden. Aslan ist derzeit als Professor für Kreatives Schreiben tätig, und sein Buch beweist, dass er gutes Schreiben tatsächlich auch praktisch beherrscht. Allein schon für den Genuss, den die Lektüre bereitet, hat das Buch fünf Sterne verdient.

Aber nun zum Inhalt. Aslan beschreitet den Weg der konsequenten Historisierung und Kontextualisierung. Es geht ihm darum, Fakten von Fiktionen zu trennen. Sein Ziel ist es, ein aussagekräftiges und auf beweisbaren Fakten beruhendes Bild des Mannes aus Nazareth zu zeichnen, mögen die Quellen auch noch so spärlich, widersprüchlich und problematisch sein. Mit anderen Worten: Aslan wendet auf Jesus von Nazareth die historisch-kritische Methode an. Welche Quellen über das Leben und Wirken des Jesus von Nazareth stehen zur Verfügung? Welche glaubhaften und nicht glaubhaften Aussagen sind in diesen Quellen enthalten? Wann sind diese Quellen entstanden? Wer hat sie verfasst, und welche Absichten verfolgten die Autoren, deren Identität, etwa im Falle der vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes, nicht einmal zweifelsfrei bekannt ist? Was bleibt an Fakten übrig, nachdem die Fiktionen erkannt und eliminiert wurden? Neben der Quellenkritik ist es die Kontextualisierung, mit deren Hilfe Aslan zum Nazarener vordringen will. In welchen Zeitumständen lebte Jesus; wie prägten ihn die politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Verhältnisse im Palästina des frühen ersten Jahrhunderts?

Aslans Befunde lassen sich wie folgt zusammenfassen: Man könne Jesus von Nazareth nicht verstehen, wenn man von der römischen Herrschaft über Palästina absehe. Für die Juden, die sich seit alters her als auserwähltes Volk betrachtet hätten, sei diese Fremdherrschaft unerträglich gewesen. Der Nazarener, ein analphabetischer Handwerker und Tagelöhner, sei einer von vielen jüdischen Wanderpredigern und selbsternannten Messiassen gewesen, die in den Jahrzehnten vor und nach der Zeitenwende umhergezogen seien und ihre Landsleute aufgerufen hätten, sich gegen die römische Fremdherrschaft aufzulehnen, die korrupte, mit den Römern kollaborierende Oberschicht zu entmachten, das Reich Israel wieder aufzurichten und dem göttlichen Gesetz wieder volle Geltung zu verschaffen. Der Nazarener sei kein Mann des Friedens, kein Apostel der Gewaltlosigkeit gewesen. Er habe gewusst, dass seine - sozusagen "revolutionären" - Ziele nur durch einen gewaltsamen Umsturz der bestehenden Verhältnisse hätten verwirklicht werden können.

Jesus von Nazareth habe an die apokalyptischen Erwartungen und die gegen die weltliche und geistliche Oberschicht gerichteten Ressentiments vieler Juden anknüpfen können, an die weitverbreitete Hoffnung, ein von Gott mit besonderen Fähigkeiten ausgestatteter Messias werde kommen, der die Befreiung von den Römern und eine Rückkehr zur strengen Religiosität der Vorväter erstreiten werde. Die vom Nazarener vorgenommenen Heilungen und Exorzismen seien vom einfachen, für Magie und Wunderglauben empfänglichen Volk als Zeichen einer göttlichen Gnade aufgefasst worden, als Beleg, dass er tatsächlich der in vielen Prophezeiungen verheißene Messias sei. Jesus von Nazareth sei von den Römern und der jüdischen Priesterkaste als Bedrohung wahrgenommen worden, von den einen, weil er zum Widerstand gegen ihre Herrschaft aufgerufen habe, von den anderen, weil er ihre religiösen Praktiken und ihren Materialismus kritisiert habe (Einzug in Jerusalem, Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel). Ohne dass es Druckes von jüdischer Seite bedurft hätte, wie die Bibel glauben machen wolle, sei der Statthalter Pontius Pilatus mit dem Nazarener verfahren wie mit jedem Prediger, der das Volk zum Aufstand gegen die Römer aufzuwiegeln versuchte: Er habe ihn ans Kreuz schlagen lassen, wie so viele Aufrührer und Rebellen vor und nach ihm. Die Geschichte vom zaudernden Statthalter, der dem "Geschrei der Menge" nachgegeben und den Nazarener nur widerstrebend dem Kreuzestod überantwortet habe, gehört nach Aslan zu den Fiktionen, die von den Autoren der Evangelien erdichtet worden seien.

Das ist es also, was nach Aslans Auffassung mit Sicherheit und Gewissheit über Jesus von Nazareth gesagt werden kann. Der Nazarener, ein früher Zelot, ein von Glaubenseifer durchdrungener und beseelter Mensch, habe keine universelle Botschaft gepredigt, sondern eine "nationalistische" Bewegung angeführt, die sich exklusiv an Juden gerichtet habe. Seine Ziele seien über die Befreiung und Wiederaufrichtung Israels nicht hinausgegangen. In mehreren Kapiteln geht Aslan der Frage nach, wie, warum und von wem Jesu Persönlichkeit und Botschaft im weiteren Verlauf des ersten Jahrhunderts umgedeutet wurden. Charakteristisch für die einschlägigen frühen Quellen - die Paulus-Briefe und die vier Evangelien - sei ein auffälliges Desinteresse am historischen Jesus. Diese Quellen seien von Autoren verfasst worden, die - wie Paulus - den Nazarener nicht persönlich gekannt und keine Vorstellung von seiner ursprünglichen Botschaft gehabt hätten. Nach dem Scheitern des jüdischen Aufstandes (66-73) sei es den Anhängern des Nazareners darum gegangen, die "nationalrevolutionäre" und antirömische Stoßrichtung seines Wirkens in Vergessenheit geraten zu lassen, um die neue religiöse Bewegung für Römer und andere Nichtjuden attraktiv zu machen. Um die Römer nicht zu verprellen, sei in Verkehrung des tatsächlichen historischen Geschehens die Schuld am Tode Jesu den Juden angelastet worden.

Während die Jerusalemer Urgemeinde den rein jüdischen Charakter der kleinen Religionsgemeinschaft habe wahren wollen und am menschlichen Wesen des gekreuzigten Messias festgehalten habe, hätten hellenisierte Diaspora-Juden wie Paulus schon bald abweichende Lehren propagiert, den Nazarener in ein göttliches Wesen, den Gottessohn, umgedeutet und auf eine "Internationalisierung" der christlichen Lehre hingearbeitet. Nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 73 und dem Tode der letzten Zeitgenossen und Mitstreiter Jesu habe sich die Paulinische Lehre, beruhend auf der göttlichen Natur Jesu sowie der Loslösung vom Judentum und vom jüdischen Gesetz, problemlos durchsetzen können. Es sei das eingetreten, was Jesus von Nazareth nie beabsichtigt habe - eine vollkommen neue Religion sei entstanden. In seiner eigenen Heimat sei dem Nazarener keine über seinen Tod hinausreichende Breitenwirkung beschieden gewesen, weil die von den Jüngern in Umlauf gebrachte Geschichte von der wundersamen Auferstehung Jesu im Volk auf Skepsis und Ablehnung gestoßen sei. Ein auferstandener Messias sei nach dem religiösen Verständnis der Juden nicht vorstellbar gewesen. Von Nichtjuden sei die Botschaft von der Auferstehung des Gekreuzigten hingegen bereitwillig aufgenommen worden.

Wie jeder seriöse Wissenschaftler will Aslan keine unumstößlichen Wahrheiten verkünden, sondern ein Diskussionsangebot unterbreiten. Fachleute mögen sich darüber streiten, ob er in allen Punkten Recht hat. Ein Konsens ist erfahrungsgemäß schwer zu erreichen, wenn es um Fragen geht, die Glauben und Wissenschaft gleichermaßen berühren. Eines steht jedoch fest: Aslans Buch bietet eine spannende, fesselnde, lehrreiche Lektüre und ein außerordentliches intellektuelles Vergnügen. Selbst solche Leser, die sich zu Widerspruch herausgefordert fühlen, werden anerkennen, dass Aslan seine Thesen eloquent und mit Leidenschaft vertritt, ohne aber den Boden der Wissenschaftlichkeit zu verlassen. Leser, die vorrangig von historischem, weniger von religiös-theologischem Interesse motiviert sind, werden bei Aslan brillante Beispiele für eine sorgfältige Quellenkritik finden. Darüber hinaus kann das Buch in Zukunft als Beispiel dafür dienen, wie gut geschriebene Geschichte aussieht, wie sich - unabhängig vom Thema - Erzählung und Analyse harmonisch miteinander verbinden lassen.

An alle, die es bis hierhin geschafft haben: Meine Entschuldigung dafür, dass die Rezension so lang geworden ist.
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am 3. September 2013
Die Debatte, ob ein Muslim über Jesus schreiben darf, hat, so dumm sie ist, immerhin den Vorteil auf dieses überaus lesenswerte Buch aufmerksam gemacht zu haben. Aslans Interpretation des Gestalt des Jesus von Nazareth als gescheiterter Revolutionär, der von seinen Jüngern (insbesondere vom damals bekanntlich sehr umstrittenen Paulus) nachträglich in den Stifter der christlichen Religion verwandelt wurde, muss selbstverständlich Kontroversen hervorrufen. Wer kein Fachmann ist, kann auch nicht beurteilen, ob Aslan alle Fakten berücksichtigt hat (auch die, die seinen Thesen widersprechen würden). Allerdings kann man beurteilen, ob die Argumentation nachvollziehbar und überzeugend ist. Und das ist sie im großen Ganzen des Buches unbedingt, auch wenn einige Details allzu spekulativ scheinen. Vor allem verwundert, dass Aslan zunächst davon ausgeht, dass die Evangelien nicht als historisch getreue Darstellung des Lebens Jesu zu verstehen sind und auch nicht so gedacht waren (eine Aussage, der kaum jemand ernstlich widersprechen wollen wird), dann aber doch an diversen Stellen das Material der Evangelien verwendet, als seien diese Geschichten historisch gesichert, ohne dem Leser Aufschluss über die Kriterien zu geben, mit denen er das Material in historisch brauchbares und nicht verlässliches einteilt. Trotz einiger Einwände dieser Art (und einem gewissen Überdruss an einigen allzu literarisch ausgeschmückten Passagen, die ein wenig an die heute üblichen albernen Geschichtsdokumentationen mit Laienschauspielern in Sandalen, die Julius Caesar oder Sokrates sein wollen, erinnern), kann ich das Buch nur jedem empfehlen, der sich für das Thema interessiert.
Und sollte dies nur den Effekt haben, dass der Leser mal schaut, was Aslan sonst noch so geschrieben hat und dabei auf sein epochemachendes Meisterwerk "Beyond Fundamentalism" (bezeichnenderweise nicht ins Deutsche übersetzt) stößt, ist auch schon viel gewonnen.
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am 29. August 2013
Das Buch beschreibt zunächst die politische, wirtschaftliche und soziale Situation im Palästina des ersten Jahrhunderts. Im zweiten Teil wird die historische Figur des Jesus von Nazareth und seiner Bewegung beschrieben, soweit sich dies aus den verfügbaren Quellen ableiten lässt. Der dritte Teil befasst sich dann mit der späteren Uminterpretation des Jesus von Nazareth zu Jesus Christus, also mit der Entstehung des Christentums. Dabei wird mit Ausnahme von Bibelzitaten und groben Quellenangaben auf eine Herleitung der einzelnen Fakten weitestgehend verzichtet. Dies holt dann der umfangreiche vierte Teil des Buches nach.
Durch diese Aufteilung ist es dem Autor gelungen, ein in den ersten drei Teilen sehr gut lesbares und verständliches Buch zu schreiben. Es nicht unbedingt nötig, den doch sehr trockenen vierten Teil zu lesen. Der ist eher für diejenigen gedacht, die sich tiefer mit der Materie befassen wollen.
Das Buch ist eine wissenschaftliche Abhandlung und hat mit Theolgie nur wenig am Hut. Die theologische Interpretation bleibt, wo sie über die historische Herleitung hinausgeht, weitestgehend außen vor. Ich kann gerade deswegen das Buch jedem empfehlen, der sich für die historischen Ursprünge des Christentums interessiert.
Die englische Ausgabe erfordert jedoch gute Sprachkenntnisse. Ich habe sehr viele englischsprachige Bücher gelesen und musste trotzdem die Wöterbuchfunktion des Kindle hier sehr oft nutzen.
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am 23. September 2013
Ich habe diese Bewertung gewählt, weil das Buch spannend und für Fremdsprachige verständlich geschrieben ist. Ein bisschen historischen Hintergrund über die Zeit Jesu zu erfahren, kann nicht schaden. Wen der spirituelle Jesus interessiert, sollte dieses Buch nicht lesen - er kommt nicht vor. Ich verstehe nicht, warum das Buch so ein Aufreger war, es ist seriös verfasst und die Fakten, dass Jesus politisch für sein Volk tätig war, sprechen doch für ihn. Ein bisschen oft wird das provokante Wort (zealous, zealot) bedient, womit man davon ausgehen kann, dass der Autor ein eckiges, nicht gewohnt sanftes Bild von Jesus und seinen frühen Anhängern und entwerfen wollte. Wenn Christus eine Art Robin Hood war, fühle ich mich gut Aufgehoben im katholischen Glauben. Hinweise, dass die in der Bibel geschilderten Wunder nicht echt passiert sind und empirisch nachvollziehbare Ersatz-Szenarien brauche ich hingegen nicht.
Ich mag dieses Buch, weil es den Leser trotz wissenschaftlicher Redlichkeit nicht langweilt.
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am 15. Dezember 2014
Zealot behauptet, eine Biografie von Jesus von Nazareth zu sein, im Gegensatz zu Jesus Christus, der Sohn Gottes. Leider gibt es keine zuverlässigen historischen Daten über Jesus von Nazareth. Herr Asian stützt sich auf die Evangelien, an denen er gleichzeitig zweifelt. Dies erlaubt ihn, Fakten so aus zu picken dass er seine eigenen Theorien unterstützen kann. Diese Theorien sind zum Teil spannend, und der Blick in die Geschichte der Zeit Jesu ist interessant, aber als objektive Geschichte Jesus ist Zealot nicht überzeugend.
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am 31. August 2013
It was a pure pleasure to read Reza Aslan's Zealot. He writes in a clear and enjoyable story-book like fashion. In many chapters you feel as if you were walking in the Palestine of 2000 years ago as the Jesus story unfolds in front of your eyes. As in 'No god but God' he gives valuable and mostly unheard of information to the layperson, which helps to form a more complete understanding of Jesus the man and also how the early christian/Catholic church developed. Wonderful, wonderful, wonderful!
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am 22. August 2014
Ein dem Buch zugrunde liegendes Motiv dürfte auch Selbstrechtfertigung sein. Als Jugendlicher leidenschaftlicher Anhänger des Christentums in US-evangelikaler Ausprägung, später Ernüchterter und schwer Ent- (oder Ge?)täuschter angesichts der zeitgenössischen historisch-theologischen 'Aktenlage', wandte Aslan sich dem Islam zu, der Religion seiner Väter. Was nicht so sehr verwundert. Religionen und ihre Varianten sind ja auch Spiegel unterschiedlicher Mentalitäten. Seine Islam-Studien fanden in No God but God. The Origins, Evolution and Future of Islam (2005) einen vielbeachteten Niederschlag.

Das letzte Ergebnis seiner anhaltenden Studien scheint ihm Recht zu geben. Jesus ist nur einer in der Reihe der (zahllosen) jüdischen Propheten, der seinem Anspruch, Israel zu erneuern und das Gottesreich auf Erden zu etablieren, nicht gerecht wurde, ein failed messiah, dessen Lehre, durch hellenistische Anhänger, namentlich Paulus, im Kern neu und umgedeutet, nach seinem Untergang Grundlage einer neuen Religion wurde.
Aslan fügt methodisch gesehen Fakten, anerkannten Forschungsstand, Meinungs-Präferenz, Annahme und Fiktion zu einem Standardmodell der Lebenswirklichkeit im damaligen Palästina zusammen, das den Schluss auf den uns unbekannten historischen Jesus ermöglichen soll. So wird aus dem Wanderprediger, der den Gottesstaat hier und jetzt ausruft, der Gotteskrieger, der Israel wiederherstellen will und sich als König der Juden darstellt. Das Faktum alleine, dass er von den Römern gekreuzigt wurde, sei für seine politische Motivation hinreichender Beleg.
Auffällig die fast stereotyp wiederholte Einschätzung Jesu (mit Änhängerschaft) aufgrund seiner Herkunft als einfacher, aramäisch sprechender Mann aus dem Hinterland, der nur einen indirekten Zugang zur hebräischen Schriftkultur hatte, und dessen 'Reaktionsnorm' so beschränkt war oder sein musste. Ganz anders hingegen jene brillianten Hellenisten aus der Diaspora, namentlich Paulus, denen es recht leicht fiel oder ein Bedürfnis war, Beschränkungen und Beschränktheiten der mosaischen Tradition abzustreifen, und die durch ihre Konzeption ein neues und schließlich gewaltiges Entwicklungspotential der Jesuslehre freisetzten.

Die Frage sei in den Raum gestellt, ob es nicht mehr Sinn machte, eine Schnittstelle zwischen jüdischer und hellenistischer Kultur zunächst einmal in Galiläa nahe Nazareth anzusiedeln; dass aus der Begegnung verschiedener Kulturen in kreativen Köpfen neue Erkenntnisse entstehen, dass geschichtliche Entwicklung sich aus dem evolutionären Potential besonderer Konstellationen ergeben kann, in Gestalt sowohl historischer Verhältnisse als auch außergewöhnlicher Menschen, ist für Europäer ein nachgerade vertrauter Gedanke.
Wenn die Schwierigkeiten, Jesus und seine Lehre zu verstehen, in ihm und seiner Lehre liegen, abgesehen einmal vom Problem der Quellenlage, hilft die vom Autor vorgenommene Normalisierung/Vereinfachung der Verhältnisse und die Reduzierung Jesu auf einen Zeloten/hebräischen Fundamentalisten nicht weiter.
Was offenbar nicht von der Hand zu weisen ist, nicht ausgesprochen bei Aslan aber erkennbar, ist ein ungewöhnlicher, ja unglaublicher Eindruck, den Jesus auf Menschen gemacht hat, die ihn erlebt haben, einen Eindruck, den sie weitergaben, in welchem Verständnis auch immer.
Einer, der sich hiervon faszinieren ließ, ist Joseph Ratzinger, Benedikt XVI.
Aslans Jesusgestalt rechtfertigt diese Sicht nicht; mehr als marginal vermag der notorische jüdische Revolutionär und der die Sprache des Volkes sprechende zeitübliche Wundertäter sie nicht zu begründen. Was geeignet erscheint, Aslans These zu untermauern, nährt zugleich den Verdacht, he may have missed the point. Dass dieser Versuch, Jesus religionswissenschaftlich einzuordnen, gelungen sei, darf jedenfalls bezweifelt werden.
Das Buch ist bewusst populärwissenschaftlich verfasst, und dem ernsthaft Interessierten schon wegen seines Gegenstandes und seiner Sicht auf die Zeitgeschichte empfohlen. Es ist (selbstverständlich) keine leichte Lektüre; die Kunst des Lesens besteht hier nicht zuletzt darin, die (feine) Grenze zwischen Überzeugung und Überredung zu erkennen, die zuweilen überschritten wird.

Hierzu auch empfohlen: Jürgen K. Zangenberg u. Jens Schröter (Hrsg.): Bauern, Fischer und Propheten. Galiläa zur Zeit Jesu. von Zabern, 2012
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am 21. November 2015
Reza Aslan schreibt hier ein gut verständliches, in vielen Punkten nachvollziehbares Buch. Das seine Thesen und Methoden in einer elitären, wissenschaftlichen Gemeinde wenig Zuspruch finden werden ist nicht verwunderlich. Bei Zeiten scheint es etwas verwirrend zu sein, welche Teile der Gospel als reine Erfindung gelten und welche nicht. So schreibt er vom Tribunal Jeschuas vor den Hohepriestern ( was nach jüdischer Tradition und nach Talmud-Rechtsverständnis nicht an einem Pessach Abend stattfinden darf), aber verwirft den Urteilsspruch des römischen Statthalters. Ich empfehle selbst, das Buch "Kosher Jesus" von Rabbi Shmuley Boteach zu lesen, da es viele Lücken in Reza Aslans Argumentation schließt und Unklarheiten beseitigt. Alles in allem ist "Zealot" jedoch lesenswert und gibt historische Einblicke in die Person Jeshuas.
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am 7. November 2014
Excellent approach and very well structure. The Fox News people should be ashame of themselves with their hatred campaign against the author.
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am 6. März 2015
An und für sich ist dieses Buch sehr interessant, vor allem für einen Geschichts und Religions laien. Jedoch erwarte ich von einem als wissenschaftlich angepriesenem Buch deutlich mehr Tiefgang und deutlich mehr Beweise für aufgestellte Thesen. Mehr Roman als Sachtext, mMn wird viel zu viel Wert auf lebhaftes erzählen gelegt; obwohl Sachlichkeit im Mittelpunkt hätte stehen sollen. Im Nachhinein - für mich persönlich - eher enttäuschend.
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